Perry Rhodan 57: Das heimliche Imperium (Silberband) - Clark Darlton - E-Book

Perry Rhodan 57: Das heimliche Imperium (Silberband) E-Book

Clark Darlton

5,0

Beschreibung

Das Chaos in der Milchstraße, das seit dem Eintreffen des mysteriösen Sternenschwarms herrscht, scheint sich zu steigern. Gigantische Pilzraumschiffe säen Tod und Verderben auf den von ihnen heimgesuchten Welten, und nach wie vor gibt es keine starke Gegenwehr: Die meisten Intelligenzwesen der Galaxis sind verdummte Opfer einer Strahlungswelle, die der Schwarm ausgeschickt hat; nur wenige Immune ringen verzweifelt um das Überleben ihrer Planeten. Auch Perry Rhodan und seine engsten Gefährten gehören zu diesen Immunen. Rhodan beruft eine galaktische Konferenz ein, die endlich die Wende im Kampf gegen den Schwarm einleiten soll. Doch auf dieser Konferenz tritt eine neue, bislang unbekannte Macht auf den Plan: das heimliche Imperium, dessen Abgesandte in einer Verbindung mit dem Schwarm zu stehen scheinen. Kurz darauf dringt ein wagemutiges Geheimkommando in das kosmische Gebilde ein. Der Mausbiber Gucky und seine Begleiter wagen sich bis auf den "Planeten der gefangenen Seelen" - und dort treffen sie auf einen der Herrscher des Schwarms, auf einen sogenannten Götzen ...

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Nr. 57

Das heimliche Imperium

Das Chaos in der Milchstraße, das seit dem Eintreffen des mysteriösen Sternenschwarms herrscht, scheint sich zu steigern. Gigantische Pilzraumschiffe säen Tod und Verderben auf den von ihnen heimgesuchten Welten, und nach wie vor gibt es keine starke Gegenwehr: Die meisten Intelligenzwesen der Galaxis sind verdummte Opfer einer Strahlungswelle, die der Schwarm ausgeschickt hat; nur wenige Immune ringen verzweifelt um das Überleben ihrer Planeten.

Auch Perry Rhodan und seine engsten Gefährten gehören zu diesen Immunen. Rhodan beruft eine galaktische Konferenz ein, die endlich die Wende im Kampf gegen den Schwarm einleiten soll. Doch auf dieser Konferenz tritt eine neue, bislang unbekannte Macht auf den Plan: das heimliche Imperium, dessen Abgesandte in einer Verbindung mit dem Schwarm zu stehen scheinen.

Vorwort

Der vorliegende 57. Band der PERRY RHODAN-Bibliothek kann gewissermaßen als Spiegelbild des gesamten Schwarm-Zyklus betrachtet werden. Wie der Zyklus zeigt das Buch eine Vielfalt von Handlungsebenen und Abenteuern, die vielleicht den Eindruck des Unzusammenhängenden erwecken können – doch dieser Eindruck wäre falsch. Wie im Zyklus, so flicht sich später alles zu einem großen Ganzen zusammen, und aus scheinbar nebenherlaufenden Handlungsästen werden im nachhinein wichtige Vorbereitungsbände. Ein Beispiel dafür sind die Abenteuer Sandal Tolks, des Jägers und Rächers. Bereits im nächsten Buch wird ihm eine ganz besondere Bedeutung zukommen. Man darf gespannt sein.

Der Schwarm-Zyklus ist ein Zyklus der Überraschungen, und manche Spekulation über die wirklich Mächtigen im Schwarm ging schon bei Erscheinen der Originalhefte ganz gehörig daneben. Dafür war der Aha-Effekt dann um so größer – und was kann man mehr von einer spannenden SF-, also spekulativen Serie erwarten?

Die Originalromane, die im Buch Aufnahme fanden, sind diesmal (in Klammern die Heftnummern): Sturmlauf in den Tod (518) von H. G. Francis, Das heimliche Imperium (519) von William Voltz, Kampf um die Sonnenstadt (521) von Ernst Vlcek, Die Spur des Rächers (522) von Hans Kneifel, Die Planetenräuber (523) und Die Gelben Eroberer (524) von Clark Darlton.

Zeittafel

1971 – Perry Rhodan erreicht mit der STARDUST den Mond und trifft auf die Arkoniden Thora und Crest.

1972 – Mit Hilfe der arkonidischen Technik Einigung der Menschheit und Aufbruch in die Galaxis.

1976 – Das Geistwesen ES gewährt Rhodan und seinen engsten Wegbegleitern die relative Unsterblichkeit.

2040 – Das Solare Imperium ist entstanden und stellt einen galaktischen Wirtschafts- und Machtfaktor ersten Ranges dar. In den folgenden Jahrhunderten Bedrohung durch die Posbi-Roboter und galaktische Großmächte wie Akonen und Blues.

2400 – Entdeckung der Transmitterstraße nach Andromeda; Abwehr von Invasionsversuchen von dort und Befreiung der Völker vom Terrorregime der Meister der Insel.

2435 – Der Riesenroboter OLD MAN und die Zweitkonditionierten bedrohen die Galaxis. Nach Rhodans Odyssee durch M 87 Sieg über die Erste Schwingungsmacht.

2909 – Während der Second-Genesis-Krise kommen fast alle Mutanten ums Leben.

3430 – Um einen Bruderkrieg zu verhindern, lässt Rhodan das Solsystem in die Zukunft versetzen. Bei Zeitreisen lernt er den Cappin Ovaron kennen.

3437/38 – Expedition mit der MARCO POLO in die Cappin-Galaxis Gruelfin. Ovaron wird von der Urmutter als Ganjo identifiziert. Der Riesenroboter opfert sich beim Kampf um das Solsystem selbst. Der Planet Pluto wird dabei zerstört.

3441

Prolog

Als Perry Rhodan Mitte des Jahres 3441 mit der MARCO POLO von Gruelfin in die Milchstraße zurückkehrt, findet er eine ihm fremd gewordene Galaxis vor. Mit Ausnahme relativ weniger Immuner sind alle Intelligenzen verdummt – auch auf Terra herrscht das Chaos. Verantwortlich für die Verdummung ist die Veränderung der galaktischen Gravitationskonstante durch die Vorhut eines ungeheuerlichen Gebildes aus Sternen, Planeten und Raumfahrzeugen, das sich über Tausende Lichtjahre ausdehnt und mit Transitionen in die Milchstraße schiebt: der Schwarm!

Doch nicht nur vom Schwarm sowie seinen unbekannten Lenkern und Völkern droht Gefahr. Während Rhodans Abwesenheit hat sich eine Gruppe von Menschen in die Öffentlichkeit geschoben, die sich selbst als »Homo superior« bezeichnet, die nächste Stufe der menschlichen Evolution. Die Angehörigen des Homo superior sind ebenfalls immun gegen die Verdummungsstrahlung und nutzen diesen Umstand aus, um die Abkehr von aller Technik und den bedingungslosen Pazifismus zu predigen.

Perry Rhodan schafft es, ein Stillhalteabkommen mit den Führern der Superiors zu schließen, um den Rücken frei zu haben für die Beobachtung des Schwarms. Mit dem Kreuzer GOOD HOPE II will er dessen Geheimnisse ergründen und letztlich dafür sorgen, dass in der Milchstraße wieder normale Verhältnisse einkehren. Reginald Bull konzentriert sich unterdessen darauf, mit der INTERSOLAR so viele Immune wie möglich aufzulesen, denn nur mit ihnen kann den von der Verdummung Betroffenen geholfen werden.

Im Oktober und November 3441 werden Objekte beobachtet, die den Schwarm verlassen. Es handelt sich einmal um würfelförmige Erkundungsraumschiffe, deren Besatzung unter anderem auf dem Planeten Exota-Alpha ein Gemetzel anrichtet und die Familie des jungen Barbaren Sandal Tolk grausam umbringt – woraufhin dieser Rache schwört und seinen Feldzug gegen die Fremden beginnt. Sein Weg führt ihn zur Welt Testfall Rorvic, wo ein anderer Raumschiffstyp aus dem Schwarm landet und Unheil anrichtet: geheimnisvolle pilzförmige Konstruktionen, mehrere Kilometer hoch und breit. Sie sind dafür verantwortlich, dass durch eine Feinjustierung die Gravitationskonstante nochmals geringfügig geändert wird – mit vorerst noch völlig unbekannten Folgen. Tolk dringt in das Fluchtschiff der Besatzung ein, um darin in den Schwarm zu geraten und dessen Herren zu stellen.

1.

November 3441, Hitschers-Pearl

Oberstleutnant Tracs Potschyben blieb stehen, als er unter den Bäumen hervorgetreten war und auf die Stadt hinabblicken konnte. Roseata bot nicht mehr das Bild des absoluten Friedens, so, wie sie das noch vor etwa einem Jahr getan hatte.

Mehrere Häuser waren eingestürzt oder abgebrannt. Die Stadt sah aus, als sei sie vor langer Zeit verlassen worden.

Der Mann war verbittert. Roseata war vor genau 32 Jahren gegründet und schnell zum Mittelpunkt des Kontinents geworden. Und jetzt?

Er sprang über einen Bach und schritt auf einem Weg zu den ersten Häusern hinüber. Seine Kleidung sah alt und zerschlissen aus. Ein schlecht gegerbter Lederfetzen umhüllte seine Hüften. Am Gürtel hingen einige Drahtschlingen, wie sie Fallensteller benutzen. Unter dem durchlöcherten Hemd zeichneten sich einige kantige Gegenstände ab. Die nackten Füße waren überraschend sauber. Sie passten nicht so recht zu einem Mann, der lange in der Wildnis gelebt hatte – oder sich den Anschein geben wollte, als habe er das getan.

An einem verrosteten Traktor vorbei, dessen Antriebsblock aufgebrochen war, kam er zu den ersten Häusern. Neben dem zerstörten Sockel eines Kleintransmitters lagen zwei erwachsene Männer im Staub der Straße und spielten mit bunten Steinen. Sie blickten auf, als der Schatten des Mannes auf sie fiel, wandten sich aber sofort wieder ab.

»Hallo, Sam, hey, Mac!«, grüßte Potschyben.

Sie beantworteten seinen Gruß nur mit einem Brummen.

»Potschy!«, rief einer von ihnen plötzlich. Er erhob sich und wollte etwas sagen, doch als der »Fallensteller« sich ihm zuwandte, senkte er den Kopf und schwieg.

Potschyben wurde unruhig. Er hatte geahnt, dass in Roseata etwas nicht in Ordnung war. Deshalb war er gekommen. Bisher war er jedoch nicht sehr besorgt gewesen. Jetzt fürchtete er plötzlich, in eine Falle zu laufen. Langsam ging er weiter. Seine Aufmerksamkeit wuchs. Suchend blickte er sich um.

Die Kunststoffhäuser sahen verkommen aus. Flechten wucherten auf dem unzerstörbaren Material. Niemand kümmerte sich darum. Einige Männer arbeiteten neben der ehemaligen Schmiede. Die vollautomatischen, positronisch gesteuerten Werkzeugmaschinen standen still. Keiner der Männer hätte sie wieder in Betrieb nehmen können, selbst dann nicht, wenn der Versorgungsreaktor nicht ausgefallen wäre. Sie hatten vergessen, auf welche Knöpfe man drücken musste, um ein vorgewähltes Programm einzuschalten. Roseata war ohne Energie. Die Männer versuchten, einen einfachen Roller, ein Spielzeug für Kinder, zu reparieren. Sie schienen jedoch nicht herausfinden zu können, wie die Teile zusammengesetzt werden mussten.

Drohte von ihnen Gefahr?

Unmerklich schüttelte er den Kopf. Er kannte sie. Es waren harmlose, keineswegs aggressive Männer, die lediglich verdummt waren. Sie blickten auf, als er sich ihnen näherte. Einige lächelten verstohlen, dann jedoch wandten sie sich ebenso ab wie die anderen und zogen sich in die Schmiede zurück.

Die kalte Oktobersonne warf lange Schatten. Der Regen hatte den Boden getränkt und die roten Bodenkristalle herausgewaschen. Das Gras, das in den Vorgärten wucherte, hob sich scharf von dem rötlichen Sand ab. Hier und da lagen Konservendosen im Schmutz. Irgend jemand hatte sie achtlos weggeworfen, obwohl er den Männern und Frauen von Roseata immer wieder eingeschärft hatte, dass sie das nicht tun durften. Man schien seine Ratschläge vergessen zu haben. War der Einfluss seiner Gegner entscheidend größer geworden?

Als der Mann den Platz im Zentrum der Stadt erreichte, blieb er stehen. Neben dem Brunnen im Mittelpunkt des Platzes hatten die Einwohner eine Pyramide aus Konservendosen errichtet. Ein deutliches Zeichen der Herausforderung. Dicht daneben lagen die Reste eines Roboters.

Potschyben wischte sich mit der Hand über das Gesicht. Seine Finger folgten der Narbe, die vom Mundwinkel bis zum Ohrläppchen reichte. Seine große Gestalt reckte sich ein wenig, und seine Hand senkte sich zum Gürtel, als suche er dort Halt. Er fühlte den flachen Energiestrahler, den er unter dem Leder verbarg.

Ruhig lag der Platz vor ihm. Die Häuser, die ihn umrahmten, schienen unbewohnt zu sein. Ihm gegenüber stand ein Leiterwagen vor einem Garten. Zwei Scheps waren davorgespannt worden. Sie dösten mit hängenden Köpfen vor sich hin. Auf einem Gartenzaun hinter dem Wagen saßen zwei Rotgeier. Sie hatten ihre Köpfe tief ins Gefieder gezogen, so dass nur noch die roten Augen hervorlugten. Ihre Haltung verriet, dass sie keinerlei Angriffsabsichten hatten.

Wo waren die Bewohner von Roseata? Die Stadt hatte immerhin 3000 Einwohner, und er hatte bisher nicht mehr als sieben oder acht von ihnen gesehen. Er wusste, dass sie keine Möglichkeit hatten, sich weit von der Siedlung zu entfernen. Sie waren vielmehr gezwungen, möglichst nahe hier zu bleiben. Nachdem die Vertreter des Homo superior auf Hitschers-Pearl gelandet waren und zerstört hatten, was sie als aggressive Technik ansahen, befanden sich die Siedler dieses Planeten plötzlich in akuter Gefahr. Als dann die Gravitationskonstante der gesamten Galaxis um 852 Megakalup verändert wurde, verdummten die Kolonisten. Sie wurden plötzlich unfähig, für sich selbst zu sorgen.

Oberstleutnant Tracs Potschyben hatte sehr schnell gemerkt, dass er der einzige Mensch auf Hitschers-Pearl war, der nicht von diesem Prozess erfasst worden war. Seitdem hatte er alles menschenmögliche getan, um die 42.000 Siedler zu versorgen. Er hatte die hilflosen Menschen von den großen Farmen und Produktionsstätten abgezogen, um sie in den Siedlungen zusammenzufassen, weil er sie nur hier ausreichend versorgen konnte. So hatte er insgesamt neun Versorgungszentren auf fünf der sieben Kontinente errichtet.

Potschyben ging langsam auf den Brunnen zu. Ständig beobachtete er die Häuser, doch er entdeckte keinen Hinterhalt.

Wieder lächelte er.

Der Homo superior hatte auf ganzer Linie versagt. Seine Bemühungen, mit Hilfe der Verdummten eine rein landwirtschaftliche Kultur ohne jede Technik zu errichten, waren gescheitert. Das Korn, das im Frühjahr gesät worden war, stand jetzt noch viel zu niedrig auf den Feldern. Es würde nicht mehr zur vollen Reife kommen, denn schon jetzt waren die ersten Vorboten des Winters zu erkennen. Die tiefhängenden Wolken waren dunkel, und sie zogen schnell über den Himmel.

Was plante der Homo superior jetzt? Hatte er ihm eine Falle gestellt, um ihn in diese Stadt zu locken?

Potschyben blieb vor dem zerstörten Roboter stehen. Von weitem hatte es so ausgesehen, als sei die Maschine von innen heraus explodiert. Jetzt konnte er klar erkennen, dass sie mit einem Energiestrahler vernichtet worden war.

Plötzlich flog eine Tür auf. Der Offizier fuhr herum. Seine Hand glitt zum Gürtel.

»Tracs!«, schrie das blonde Mädchen, das in den Vorgarten hinauslief. »Lauf weg! Schnell! Sie wollen dich töten. Bitte, Tracs!«

Er stand wie gelähmt.

Ana sah plötzlich wieder so aus, wie sie früher gewesen war. Ihre Augen leuchteten hell. Ihr Gesicht war jedoch von Angst gezeichnet, doch es war nicht die Angst, wie sie ein Mensch mit herabgesetzter Intelligenz zeigt. Es war irgendwie anders. Potschyben wusste nicht zu sagen, wie es war. Er spürte, dass sich etwas verändert hatte.

»Tracs!«, schrie sie, als er sich noch immer nicht bewegte.

Da hörte er das Geräusch. Er fuhr herum – und wusste, dass er verloren hatte. Die Warnung war zu spät gekommen.

Ein Prallgleiter raste auf ihn zu. Zwei Männer beugten sich aus der zurückgefahrenen Transparentkuppel. Sie hielten schwere Energiegewehre in den Armbeugen. Die flammenden Abstrahlfelder zeigten an, dass sie schussbereit waren. Potschyben hätte auch jetzt noch nach seiner Waffe greifen können, aber irgend etwas ließ ihn zögern. Die Kleidung der Männer sah vernachlässigt und zerschlissen aus.

Verdummte in einem Gleiter? Verdummte mit Strahlwaffen? Warum schossen sie nicht?

Potschyben verfolgte die Ereignisse wie durch fremde Augen. Ihm war, als ob er einen Film sähe, der ihn überhaupt nichts anging. Die Szene schien im Zeitlupentempo abzurollen.

Der Gleiter schwebte direkt auf ihn zu. Die Männer zielten auf ihn, aber sie schossen nicht. Sie suchten verwirrt und unruhig nach dem Auslöser, so als hätten sie die Waffen zum ersten Mal in der Hand. Einer der beiden Männer fand den Hebel. Er legte ihn um. Ein Energiestrahl schoss bis zu den Wolken hinauf.

Tracs Potschyben warf sich zur Seite. Der Gleiter raste an ihm vorbei und krachte mit voller Fahrt in eines der Holzhäuser. In diesem Augenblick schien der zweite Mann herausgefunden zu haben, wie sich der Strahler auslösen ließ. Er feuerte mitten in das Fluggerät hinein und brachte es dadurch zur Explosion.

Die Druckwelle rauschte über den Oberstleutnant hinweg. Holzsplitter, Pflanzenteile und Hausgeräte wirbelten durch die Luft. In Sekundenschnelle stand das brennende Haus in einer Nebelwolke.

Potschyben sprang auf und eilte zu Ana hinüber. Sie lag bewusstlos auf dem Boden. Er nahm sie auf und trug sie zum Haus.

In der Tür stand Af Atramo und blickte ihn finster an.

Zögernd wich er zur Seite, um den »Fallensteller« mit dem Mädchen hereinzulassen. Als Potschyben Ana auf ein Bett gelegt hatte und sich umdrehte, sah er Atramo noch immer an der Tür stehen. Der ehemalige Bürgermeister von Roseata machte einen verstörten Eindruck. Er schüttelte den Kopf.

»Was ist geschehen, Tracs?«, fragte er. »Was ist los?«

Tracs Potschyben überzeugte sich davon, dass Ana nicht verletzt worden war. Sie kam schon wieder zu sich.

»Was geschehen ist? Das frage ich dich, Alter.« Potschyben ging zu dem Weißhaarigen und legte ihm die Hände auf die Schultern. Forschend blickte er ihm in die Augen. Af Atramo schien außerordentlich verstört zu sein. »Warum schießt ihr plötzlich auf mich?«

»Wir, Tracs? Niemand von uns wollte auf dich schießen. Die Männer in dem Teufelsgerät gehörten zu den neuen Lehrern.«

Potschyben wandte sich sofort ab und verließ das Haus. Der Platz hatte sich mit Menschen gefüllt. Aufgeregt standen die Einwohner von Roseata um das zerstörte Haus herum. Sie ließen ihn bis zu den Trümmern durch.

»Sie sind tot, Potschy«, sagte Sal Almong, ein blonder Mann von etwa dreißig Jahren. Er griff nach dem Arm des Offiziers. »Was ist überhaupt los? Was ist passiert? Es sah aus, als hätten die neuen Lehrer plötzlich vergessen, wie sie ihre Teufelswerkzeuge bedienen müssen.«

»Komm mit, Sal«, sagte Potschyben. Zusammen mit dem Blonden kehrte er in das Haus des Bürgermeisters zurück. Ana hatte sich inzwischen erholt. Sie saß aufrecht auf dem Bett.

Af Atramo streifte sich eine Lederweste über. Er fror.

»Mir kommt es vor, als hätten wir alle geschlafen, Tracs«, erklärte er. »Inzwischen hat sich in Roseata offenbar sehr viel verändert. Was war das für eine seltsame Maschine, mit der die neuen Lehrer sich durch die Luft bewegen konnten? Was hielten sie in den Händen? Warum wollten sie dich umbringen?«

Potschyben ließ sich von Ana ein Glas Rotwein geben. Er setzte sich an den Tisch und trank. Wieder blickte er einen nach dem anderen an. Sal Almong hatte sich auf einer Bank im Hintergrund niedergelassen. Er drehte an einem Schalter des Fernsehgerätes herum, konnte es jedoch nicht einschalten, weil der Strom fehlte. Er rückte den Apparat ein wenig zur Seite und prüfte, ob er an das Netz angeschlossen war. Ratlos schüttelte er den Kopf. Seine Stirn krauste sich. Potschyben konnte ihm ansehen, dass er mühsam versuchte, seine Gedanken zu ordnen, jedoch nicht sehr erfolgreich dabei war. Endlich wandte er sich an den Offizier.

»Tracs«, sagte er schwerfällig, »ich habe vergessen, wie man das Ding hier einschaltet. Weißt du es noch?«

Tracs Potschyben war erschüttert. Seit fast einem Jahr hatte ihm niemand mehr eine derartige Frage gestellt. Begann der künstlich beeinträchtigte Intellekt der Siedler von Hitschers-Pearl sich jetzt endlich zu klären?

»Tracs, wir haben nichts mehr zu essen«, sagte Atramo. »Was sollen wir tun? Die neuen Lehrer haben uns versprochen, dass der Boden uns alles geben wird, was wir benötigen, doch das Korn steht niedrig. Wir werden nichts ernten können. Nachdem die Lehrer jetzt auch den eisernen Boten getötet haben, ist auch keine Versorgungssendung mehr bei uns angekommen. Ich habe sie gewarnt. Ich habe ihnen gesagt, was passieren würde, wenn sie den Eisernen töten, aber sie haben nicht auf mich gehört. Sie haben den Blitz auf ihn geschleudert.«

Der Bürgermeister ging zu Potschyben und setzte sich ihm gegenüber. Beschwörend packte er seine Hände.

»Tracs, du hast bisher immer Rat gewusst. Hilf uns auch jetzt! Was sollen wir tun?«

Tracs Potschyben lächelte plötzlich. »Du glaubst gar nicht, Af, wie froh ich bin.«

Atramo sprang befremdet auf. »Du bist froh?«

»Komm, Af, setz dich! Du hast mich missverstanden. Froh bin ich darüber, dass ihr allmählich aufwacht. Ihr begreift plötzlich wieder.«

»Du irrst dich«, widersprach Sal Almong, der mit schwerfälligen Bewegungen zum Tisch kam und sich ebenfalls setzte. »Wir begreifen nichts. Gestern noch war alles ganz einfach für mich. Ich habe ... Was habe ich gestern eigentlich getan? Ich weiß es nicht mehr.«

»Du hast auf der Straße gesessen und mit Kieseln gespielt.«

Almong lächelte und meinte nachdenklich: »Ja, Tracs, so etwas habe ich auch geträumt. Was aber habe ich wirklich getan?«

Potschyben seufzte. Es würde schwer sein, diesen Menschen zu erklären, was geschehen war.

»Hört zu«, begann er. »Vor zwei Tagen ist auf Hitschers-Pearl ein Raumschiff gelandet. Es steht im Süden von Rose. Es ist groß wie ein Gebirge. Seine Spitze, die aussieht wie das Dach eines Pilzes, ragt bis in die Wolken hinauf. Von diesem Schiff geht etwas aus, das die Menschen auf diesem Planeten verändert.«

»Du sprichst eine seltsame Sprache, Tracs«, wandte Atramo ein. »Bisher kannte ich dich nur als einen Mann mit besonders guten Beziehungen zu den Eisernen. Wenn wir etwas brauchten, haben wir es dir gesagt. Wenn wir dich sprechen wollten und du nicht in unserer Nähe warst, dann haben wir den Eisernen gebeten, dich zu rufen. Er hat es immer getan. Als die neuen Lehrer den Eisernen töteten, hat er dich zu Hilfe gerufen. Das alles begreifen wir. Jetzt aber sprichst du von Dingen, die ich nicht mehr verstehe. Ich erinnere mich dunkel, dass es so etwas wie Raumschiffe gibt. Woher aber weißt du, dass dieses fremde Raumschiff uns alle beeinflusst und verändert?«

»Also gut, Freunde«, sagte Potschyben. »Vor etwa elf Monaten ist zwischen den Sternen etwas geschehen, was euch alle verändert hat. Ich kann es euch jetzt nicht erklären, es wäre zu kompliziert für euch. Euer Geist stumpfte ab. Plötzlich vergaßt ihr alles, was ihr gelernt hattet. Ihr wart hilflos wie Kinder, und jemand musste für euch sorgen.«

»Der Eiserne«, warf Atramo ein.

»Der Roboter hat auf meinen Befehl gehandelt, Af«, entgegnete Potschyben. »Ich konnte jederzeit mit ihm sprechen, wo immer ich auch war. Deshalb konnte er mich auch immer zu euch rufen. Auf Oyster, dem großen Kontinent im Osten, gibt es einen Stützpunkt der Solaren Flotte. Von dort aus habe ich euch mit Lebensmitteln versorgen lassen.«

Sal Almong rieb sich die Stirn. Er schien Kopfschmerzen zu haben. »Ich erinnere mich kaum an die Dinge, von denen du sprichst«, sagte er leise.

Ana, die Tochter des Bürgermeisters, hängte sich bei ihrem Vater ein. Sie lächelte Potschyben zu und nickte. Sie schien sich zu entsinnen.

»Das hast du alles ganz allein getan?«, fragte sie. »Gibt es nicht auch noch auf den anderen Kontinenten Siedler? Wir sind doch nicht allein auf Hitschers-Pearl?«

»Auf Oyster leben 20.000, auf Gray 7000, auf Yellow 8000, auf Rose 3000 und auf Red 4000 Siedler«, antwortete Potschyben. »Blue und White sind unbewohnt. Sie sind zu kalt und unwirtlich.«

»Und für alle hast du gesorgt?«

»Sicher, Sal«, erwiderte der Offizier. »Das war gar nicht so schwer, wie du es dir vorstellst. Ich hatte die Roboter, die mir helfen konnten. Im Stützpunkt gibt es so viele Versorgungsgüter, dass wir jahrelang damit auskommen könnten. Erst als der Homo superior nach Hitschers-Pearl kam, wurde es schwer für mich.«

»Du meinst die neuen Lehrer?«, fragte Sal Almong. Der schwerfällige Mann öffnete sich das Hemd und rieb sich die muskulöse Brust. Ihm schien heiß zu sein, obwohl die Temperaturen draußen auf etwa fünfzehn Grad Celsius abgesunken waren und im Haus nicht geheizt wurde. »Sie haben uns immer wieder geraten, die Dosen nicht anzunehmen. Sie sagten, wir könnten sterben, wenn wir essen, was der Roboter uns brachte, aber wir wären mit Sicherheit längst gestorben, wenn wir uns nur auf die Lehrer verlassen hätten. Der Boden gibt nichts her in diesem Jahr. Wir müssen irgend etwas falsch gemacht haben, denn früher hatten wir gute Ernten.«

Potschyben lächelte bitter. Wieder strichen seine Fingerspitzen über die Narbe auf seiner linken Wange. Die Superiors hatten unermesslichen Schaden angerichtet. In ihrer Überzeugung, dass alles irgendwann zu Aggression führen werde, hatten sie versucht, die Siedler zu Bauern mit Primitivkultur zu machen. Ihr Experiment musste jedoch scheitern, da sie selbst viel zuwenig von der Landwirtschaft wussten. Diese zweifellos überaus intelligenten Menschen waren nicht in der Lage, ihren grundlegenden Gedankenfehler zu erkennen. Sie waren so sehr von ihrer Theorie und Philosophie überzeugt, dass sie die Realität aus den Augen verloren hatten.

»Was haben die neuen Lehrer getan?«, fragte der Bürgermeister. »Haben sie dich behindert?«

»Sie haben in den letzten Monaten immer wieder das versucht, was sie auch heute wieder tun wollten. Sie haben Attentate auf mich unternommen. Sie haben versucht, den Stützpunkt zu erobern, um ihn zu zerstören.«

»Dann wussten sie, dass du in dem Stützpunkt wohnst?«

Potschyben schüttelte den Kopf.

»Nein, Af, das wussten sie nicht. Sie vermuteten es nur. Von euch haben sie erfahren, dass ich irgend etwas mit den Konservenlieferungen zu tun habe, und daraus haben sie ihre Schlüsse gezogen.«

»Dann bist du gar kein Fallensteller?«, meinte Atramo.

»Natürlich nicht, Af«, erwiderte Potschyben. »Zu dieser Maskerade wurde ich nur durch die Superiors gezwungen. Wenn ich in meiner Kombination hier aufgetaucht wäre, hätte ich keine zehn Minuten mehr gelebt. Sie hätten mich sofort umgebracht.«

»Seltsam«, bemerkte Af Atramo. »Sie predigen uns immer vom Frieden und verdammen jede Aggression, aber sie selbst greifen dich an, um dich zu töten.«

Ein Mann betrat den Raum. »Potschy«, sagte er. Potschyben erkannte in ihm einen der Männer wieder, die am Stadteingang mit bunten Steinen gespielt hatten. Jetzt machte er einen ganz vernünftigen Eindruck. »Mit den neuen Lehrern ist irgend etwas passiert. Sie benehmen sich seltsam.«

Tracs Potschyben erhob sich und ging zur Tür. Er blickte nach draußen. Ein Prallgleiter schwebte neben dem Brunnen. Ein mit einer Toga bekleideter Mann, der unschwer als Homo superior zu erkennen war, saß in dem Fluggerät. Er suchte unsicher an dem Armaturenpult herum und schien nicht mehr zu wissen, wie er den Gleiter lenken konnte.

Potschyben verließ das Haus und ging auf den Prallgleiter zu. Er beobachtete den Superior. Je näher er kam, desto klarer wurde das Bild.

Verwirrt blickte ihn der Homo superior an. Er machte durchaus keinen verdummten Eindruck, schien jedoch auch nicht mehr so überragend intelligent wie vorher zu sein.

Der Offizier fiel ihm sofort auf. Er blickte ihn an.

»Sie sind Potschy«, stellte er fest. »Tracs Potschyben, der Fallensteller.«

»So ist es«, entgegnete Potschyben. »Und Sie sind ein Lehrer.«

»Das ist richtig.« Der Superior lehnte sich in seinem Sessel zurück. Er schien nach Worten zu suchen. Beunruhigt und nervös sah er sich nach den Bewohnern Roseatas um, die in seinem Rücken standen. Potschyben kam er vor wie ein Mann, der inmitten einer eleganten Gesellschaft plötzlich entdeckt, dass er unpassend gekleidet ist. Lächelnd stützte er seine Hände auf die Seitentür des Gleiters und beugte sich durch das offene Fenster hinein.

»Ist mit dem Ding etwas nicht in Ordnung?«, fragte er.

Der Homo superior schaute lange hilflos auf die Armaturen. Dann schien er sich zu erinnern. Er griff nach den richtigen Hebeln, legte die Finger auf die richtigen Knöpfe und bediente sie, nachdem er kurz gezögert hatte. Der Gleiter bewegte sich, schwebte durch die zurückweichende Menge auf das zerstörte Haus zu, schwenkte dann jedoch nach Westen ab und verschwand mit mäßiger Beschleunigung.

Sal Almong räusperte sich. »Seltsam«, sagte er in der für ihn typischen, schwerfälligen Weise, »ich hatte den Eindruck, als wüsste der Lehrer nicht mehr, wie er das Teufelsding steuern muss.«

»Du wirst dich geirrt haben, Sal.«

Hartnäckig schüttelte der junge Mann den Kopf.

»Mir kommt es vor, als wäre ich in den letzten Stunden etwas klarer im Kopf geworden«, entgegnete er. »Zugleich aber habe ich den Eindruck, als wäre bei den Lehrern genau das Umgekehrte passiert.«

»Sie kommen dir nur weniger klug vor, weil du selbst etwas besser denken kannst«, sagte Potschyben. Er lächelte, während er den Freund genau beobachtete. Er hatte sich nicht getäuscht. Der Verdummungsprozess hatte sich umgekehrt. Die Bewohner von Roseata erholten sich wieder. Der Fortschritt war bereits beträchtlich, wenngleich der frühere Intelligenzgrad bei weitem noch nicht wieder erreicht war.

Einer plötzlichen Eingebung folgend, sagte er: »Sal, willst du mich begleiten?«

»Wohin, Tracs?«

»Ja, wohin?«, erkundigte sich auch Af Atramo. »Ich würde auch ganz gern mit dir kommen.«

»Du wirst hier gebraucht, Af«, sagte Potschyben. »Du musst dich um die Stadt kümmern. Sal aber war früher einmal Reaktoringenieur. Er kann hier im Augenblick doch nicht viel tun.«

»Du erzählst viele Geschichten, die man nicht begreifen kann«, erklärte Almong. »Nun, mir ist das egal. Ich gehe mit dir.«

Sie liefen eine Stunde lang durch den Wald und näherten sich der Küste des Kontinents dabei immer mehr. Die beiden Männer wechselten nur wenige belanglose Worte miteinander, doch Potschyben spürte, dass die Neugierde des Freundes immer mehr anstieg. Erinnerte Sal Almong sich an seine frühere Tätigkeit, bei der er ständig unterwegs war, um die Reaktoren auf den fünf besiedelten Kontinenten von Hitschers-Pearl zu warten? Er war oft in den Stützpunkt gekommen, um sich dort wichtige Ersatzteile zu besorgen. So hatten sie sich kennen- und schätzen gelernt.

Potschyben testete ihn mit einigen Fragen, die Almong nur hätte beantworten können, wenn er sich an die Zeit vor dem Verdummungsprozess hätte erinnern können. Er wurde enttäuscht.

Nach einer Stunde durchquerten sie eine Schlucht. Sie kletterten über einen Wildbach hinweg und betraten eine Felshöhle, deren Eingang durch herabhängende Lianen weitgehend verdeckt wurde. Staunend blieb Sal Almong stehen. In der Höhle parkte ein geräumiger Antigravgleiter. Potschyben ließ die Transparentkuppel zurückfahren, legte die zerfetzte Kleidung ab und zog die Sachen an, die er auf den Sitz gelegt hatte. Wenig später stand er in dunkelblauer Uniform vor Almong. Auf seiner rechten Schulter blitzten einige Metallabzeichen. Ein brauner Gürtel schlang sich um seine Taille. Der Offizier befestigte einen Energiestrahler, der in einem Halfter steckte, am Gürtel. Dann nickte er Sal Almong zu und lächelte.

»Erinnerst du dich jetzt, Sal?«, fragte er.

Der Freund schüttelte den Kopf.

»Ich weiß, dass du immer noch derselbe Mann bist«, antwortete er, »und ich weiß, dass ich keine Angst vor dir zu haben brauche, aber du bist ein Fremder für mich geworden.«

»Komm, steig ein!«

Er ließ die Fetzen, die er in seiner Rolle als Fallensteller getragen hatte, auf dem Boden liegen und setzte sich hinter das Steuer. Sal Almong glitt zögernd auf den Sitz an seiner Seite. Er verkrampfte sich etwas, als die Aggregate ansprangen und der Gleiter sich vom Boden erhob, um die Höhle zu verlassen. Die Lianen wichen zur Seite. Der Gleiter beschleunigte und stieg zugleich steil an. Sekunden später schon schwebten sie in mehreren hundert Metern Höhe über den Felsen. Sal Almong blickte fasziniert zu den Klippen hinüber. Obwohl nur ein mäßiger Wind wehte, gingen die Wellen sehr hoch, um dann in den bizarren Felsen am Ufer zu schäumender Gischt zu explodieren.

Tracs Potschyben flog eine leichte Kurve und ging dann auf Südkurs. Er sagte kein Wort, als der Gleiter mit hoher Geschwindigkeit auf den Ozean hinausschoss, doch er beobachtete den Mann neben sich sehr genau. Die Küste wich hier weit nach Westen zurück, schob sich aber südlich von ihnen wieder weit nach Osten vor. Dort an der Spitze der Felsenküste ragte ein gewaltiges Gebilde bis zu den Wolken empor, ein blassgrauer Pilz von unübersehbaren Dimensionen.

Sal Almong griff nach seinem Arm. »Tracs, was ist das?«, fragte er.

»Das ist ein Raumschiff«, erklärte er. »Es ist vor zwei Tagen dort gelandet. Seitdem scheint sich einiges auf Hitschers-Pearl verändert zu haben.«

Sal Almong griff sich an den Kopf.

»Du meinst, es hat etwas mit uns zu tun?« Er blickte Potschyben an, und seine Augen weiteten sich. »Warum wirst du nicht davon beeinflusst, Tracs? Bist du wie die neuen Lehrer?«

»Ein Homo superior?« Er schüttelte den Kopf, während seine Fingerspitzen wieder über die Narbe auf seiner linken Wange tasteten. »Nein, Sal, ich bin mentalstabilisiert. Die Strahlung ist wirkungslos bei mir. Ich vermute, dass das mit meiner Schussverletzung in Zusammenhang steht.«

Oberstleutnant Potschyben drückte den Antigravgleiter tiefer hinunter, bis sie dicht über den Wellen flogen. Zugleich näherte er sich der Küste. Je mehr die Entfernung zu dem pilzförmigen Raumschiff zusammenschmolz, desto überwältigender wurde der Eindruck. Sal Almong klammerte sich an den Sitz. Er schien sich zu fürchten.

Als sie die Küste erreichten, ließ Potschyben den Gleiter auf den Boden sinken. Er stieg aus. Almong folgte ihm. Sie schritten über grasbewachsene Hügel hinweg auf das Raumschiff zu. Es ragte fünftausend Meter in die Höhe und machte den Eindruck, als müsse es unter der Last des riesigen Pilzdaches zusammenbrechen. Das Dach hatte an seiner unteren Seite einen Durchmesser von über siebentausend Metern, so dass es gegen den Stiel, der an seiner Wurzel immerhin zweitausend Meter durchmaß, erdrückend wirkte.

Zwischen einigen Bäumen blieben die beiden Männer stehen und blickten zu dem Pilz hinüber. Sal Almong begann zu zittern, dann fluchte er.

»Gibt es nichts, Tracs, womit wir dieses Ungeheuer zerschmettern können?«, fragte er heiser. »Gibt es keine Waffen, die wir gegen dieses Ding richten können, um es von unserer Welt zu vertreiben?«

Er schüttelte Potschyben an den Schultern.

»Tracs!«, schrie er. »Du hast uns Konserven gegeben, um uns am Leben zu erhalten. Wenn es überhaupt noch Menschen auf Hitschers-Pearl gibt, dann nur deshalb, weil du sie versorgt hast. Nun gib uns Waffen, Tracs! Gib uns etwas in die Hand, mit dem wir dieses Ungeheuer zum Teufel jagen können. Ich weiß, dass du uns die Waffen geben kannst, die wir benötigen.«

Tracs Potschyben schüttelte den Kopf. Er sah plötzlich müde und alt aus.

»Nichts weißt du«, entgegnete er, »sonst würdest du keine so unsinnigen Forderungen stellen.«

Sal Almong drehte sich um und drückte die Stirn gegen die Rinde eines Baumes.

»Du hast viel für uns getan, Tracs«, sagte er. »Verrate uns jetzt nicht. Hilf uns auch jetzt.«

Als er sich umdrehte, waren seine Augen feucht von Tränen. Tracs Potschyben wich seinen Blicken aus. Er senkte den Kopf. Wieder musste er an die vergangenen Monate denken, als das Verhängnis über diesen Planeten gekommen war. Hilflos hatte er mit ansehen müssen, wie eine aufblühende Kultur über Nacht zusammenbrach, wie Männer und Frauen plötzlich zu Kindern wurden, nachdem sie drei Jahrzehnte lang daran gearbeitet hatten, ihre Welt zu erschließen.

Er musste daran denken, wie ihm Ana an jenem Morgen begegnet war. Am Abend zuvor war sie jenes ungewöhnlich intelligente Mädchen gewesen, das immer wieder die geistige Auseinandersetzung mit ihm gesucht hatte. Am nächsten Morgen war sie ein Kind mit einem Wortschatz von nicht mehr als fünfzig Worten gewesen. Er hatte nicht gewagt, sie allein zu lassen, während er verzweifelt nach anderen Siedlern gesucht hatte. Zunächst hatte er gefürchtet, sie sei schwachsinnig geworden, dann war er jedoch mehr und mehr Männern und Frauen begegnet, und er hatte begreifen müssen, dass er mit 42.000 verdummten Siedlern allein auf Hitschers-Pearl war.

Er hatte Tag und Nacht gearbeitet, um diese Menschen zu versorgen. Sie waren wie Kinder gewesen, die man ständig überwachen musste. Nichts hatten sie ohne seine Hilfe tun können. Er hatte ihnen zeigen müssen, wie man eine Konservendose öffnet, wie man Speisen zubereitet. Er hatte Roboter über die Kontinente verteilt und dennoch ständig Hilfe, vor allem medizinischer Art, leisten müssen. Er wusste jetzt nicht mehr genau, wie viele Entbindungen er hatte machen müssen, weil die Frauen sich plötzlich vor den Robotern gefürchtet und ihre Hilfe abgelehnt hatten.

Doch irgendwie hatte er seine Aufgabe immer wieder bewältigen können. Irgendwie hatte er es immer geschafft, weil die Kraftwerke immer noch Strom geliefert hatten und weil die Haushalte noch immer funktionsfähig geblieben waren.

Dann aber waren die Superiors nach Hitschers-Pearl gekommen und hatten alles viel schlimmer gemacht. Sie waren zu einer Zeit auf dieser Welt erschienen, als er geglaubt hatte, die Situation gemeistert zu haben. Sie hatten sofort damit begonnen, die Siedler umzuerziehen, und versucht, naturgebundene Menschen aus ihnen zu machen. Eine ihrer ersten Maßnahmen war gewesen, die Reaktoren auszuschalten oder zu zerstören.

Von da an verschlechterte sich die Situation der Siedler von Woche zu Woche, obwohl er alle technischen Möglichkeiten des Stützpunktes nutzte, um ihnen zu helfen, und obwohl er sich selbst keine Ruhe mehr gönnte. Er hatte nicht mehr offen auftreten können, sondern musste in die unverdächtige Rolle eines Fallenstellers schlüpfen, um unbehelligt zu bleiben.

In den letzten Wochen schienen ihm die Superiors jedoch nicht mehr zu glauben, dass auch er verdummt war. Immer wieder hatten sie versucht, ihn zu töten oder ihm zum Stützpunkt zu folgen.

Trotz aller Schwierigkeiten war es ihm gelungen, die Siedler am Leben zu erhalten und den Stützpunkt zu verteidigen. Die Lage war noch nicht aussichtslos gewesen, doch jetzt war das Pilzraumschiff gelandet. Die Situation hatte sich abermals verändert.

»Tracs«, flüsterte Sal Almong beschwörend, »du darfst uns jetzt nicht verlassen. Gib uns, was wir brauchen, um das Ding da zu vernichten oder zu vertreiben. Bitte, Tracs!«

Potschyben blickte den Freund an. Er fühlte, wie erschöpft er war und wieviel Kraft die letzten Monate gekostet hatten. Irgendwann brauchte er einmal eine Atempause, um nicht unter der Last der Verantwortung zusammenzubrechen.

Er konnte nicht endlos so weitermachen wie bisher.

2.

Sie gingen noch dichter an den Pilz heran, so dass Potschyben die Veränderung deutlich erkennen konnte, die in den letzten beiden Tagen vorgenommen worden waren. Vom Stiel zweigten jetzt zahlreiche Stränge ab, die im Boden verankert waren, um dem Schiff mehr Halt zu geben. An der Unterseite des Pilzhutes waren mehrere kreisrunde Öffnungen entstanden.

Sie leuchteten flamingorot. Potschyben schätzte, dass jede einen Durchmesser von wenigstens sechshundert Metern hatte.

Sal Almong lag neben dem Offizier auf dem Boden. Sie verbargen sich auf der Kuppe eines Hügels zwischen einigen Felsen. Almong krallte seine Finger in den Arm Potschybens, als aus den roten Öffnungen Energien herausschossen, auf einige Felsbrocken in der näheren Umgebung des Pilzes trafen und diese in flüssige Glut verwandelten. Der Boden in der Umgebung des Raumschiffes war nahezu völlig eingeebnet worden, seitdem der Offizier zuletzt hiergewesen war.

»Seltsam«, meinte Potschyben, »als ich zuletzt hier war, wimmelte es von fremdartigen Gestalten. Jetzt ist alles leer. Sie scheinen sich ins Schiff zurückgezogen zu haben.«

»Was für Gestalten waren das?«, fragte Sal Almong.

»Ich habe sie Absolut-Schalter genannt«, antwortete der Offizier. Dass ein Mann namens Sandal Tolk sie an anderer Stelle »Schwarminstallateure« getauft hatte, konnte er nicht wissen. Er erhob sich und entfernte sich zusammen mit seinem Begleiter. Er schien sehr nachdenklich zu sein. Nach einigen Schritten drehte er sich um und blickte zum Pilz zurück. Er verengte die Augen und schüttelte dann ratlos den Kopf. »Ich begreife das alles nicht.«

Sal Almong musste sich beeilen, ihm folgen zu können, als Potschyben zum Gleiter zurückging. Zögernd stieg er auf den Nebensitz.

»Was hast du vor, Tracs?«

»Wir fliegen jetzt zum Stützpunkt.«

Der Gleiter startete und flog nach Osten. Schnell versank Rose hinter ihnen. Es begann zu regnen, und dichter Dunst hüllte den Pilz ein. Almong fröstelte, obwohl es im Gleiter warm und gemütlich war. Staunend beobachtete er die Küste, die bald vor ihnen auftauchte, und er blickte überrascht auf das schöne Land hinab, das sich unter ihnen erstreckte. Dieser Kontinent kam ihm noch reizvoller vor als Rose. Flache Berge wechselten mit licht bewaldeten Ebenen und weit verstreut liegenden Seen. Der Herbst hatte das Laub gefärbt, so dass es ihm vorkam, als flögen sie über einen Teppich aus vielen verschiedenen Farben hinweg. Immer wieder entdeckte er Herden von antilopenartigen Tieren und Schwärme von bunten Vögeln, die erschreckt flohen, wenn der Gleiter über sie hinwegrauschte. Nur sehr selten einmal konnte er eine Siedlung sehen. Die Häuser der Farmen waren verlassen.

»Ich habe die Siedler alle im Norden und Süden von Oyster zusammengezogen«, erläuterte Potschyben. »Nur so konnte ich sie versorgen. Ich musste Ballungsräume schaffen, um die Übersicht behalten zu können.«

Sal Almong nickte. »Du hast alles getan, um uns am Leben zu erhalten«, sagte er. »Jetzt hast du die Möglichkeit, deine Bemühungen zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen.«

Potschyben blickte den Freund überrascht an. »Wie meinst du das, Sal?«

»Du hast gesagt, dass wir und die neuen Lehrer verändert wurden, seitdem der Pilz auf Rose steht. Unser Intelligenzgrad ist beeinflusst worden.«

»Das ist richtig.«

»Der Pilz ist also der Ursprung der Veränderung. Wenn wir ihn zerstören, dann werden wir wieder frei sein. Dann ist alles wieder so, wie es vor einem Jahr war.«

Tracs Potschyben wies nach vorn. »Da ist der Stützpunkt«, sagte er dann.

Wie eine gläserne Glocke von gigantischen Ausmaßen erhob sich ein Energieschirm aus der Ebene. Er reichte bis an die Wolken. Dahinter erkannte Almong den Ozean. Der Stützpunkt war also ebenso wie der Pilz an der Ostküste eines Kontinents errichtet worden. Der Energieschirm ließ zahlreiche Einzelheiten des Stützpunktes erkennen. Almong sah riesenhafte Maschinen und Gerüste. Einige Gebäude waren so groß, dass er sie kaum übersehen konnte.

Tracs Potschyben steuerte den Gleiter direkt auf den Energieschirm zu. Als sie sich ihm bis auf wenige Meter genähert hatten, entstand plötzlich ein Riss in dem schimmernden Gebilde. Der Offizier lenkte sein Fahrzeug durch die Strukturlücke hindurch und ließ es dann hinter einem langgestreckten Gebäude zu Boden gleiten.

Sal Almong blieb auf dem Nebensitz. Lächelnd beugte sich Potschyben zu ihm hinüber und stieß ihn an.

»Nun, Sal, was ist? Willst du nicht aussteigen?«

»Tracs – ist dies der Stützpunkt, von dem du gesprochen hast?«

Der Offizier nickte. Almong war verwirrt. Seine Stirn war schweißbedeckt. Geradezu furchtsam blickte er sich um.

»Ich hatte ihn mir ganz anders vorgestellt. Nicht so groß und nicht so fremdartig. Dies hier sieht nicht weniger bedrohlich aus als der Pilz.«

Tracs Potschyben lachte.

»Mit dem Unterschied, dass dies ein Stützpunkt der Solaren Flotte ist, Freund – also unser Werkzeug und nicht das der Fremden.« Er ging um den Gleiter herum und war Almong beim Aussteigen behilflich.

»Wer ist noch hier außer dir, Tracs?«

»Niemand, Sal. Ich bin ganz allein.«

Die Nachricht, dass ein einzelner Mann Herr eines so gigantischen Komplexes sein sollte, ging über das Fassungsvermögen des Ingenieurs. Immer wieder schüttelte er den Kopf, während Potschyben ihn zu einem Gebäude führte. Immer wieder blieb Sal stehen und blickte sich um, und es schien, als ließen die mächtigen Gerüste und Maschinen, die sich ringsherum bis in mehrere hundert Meter Höhe erhoben, seine Furcht wachsen.

»Ich begreife das alles nicht, Tracs. Wozu ist dieser Stützpunkt da?«

»Dies ist eine vollautomatische Raumschiffswerft, Sal. Hier können sogar die größten Schiffe der Solaren Flotte repariert werden.« Das Gesicht Potschybens verdüsterte sich. »Aber es werden wohl keine Schiffe mehr kommen. In den letzten Monaten habe ich nur Notrufe gehört. Es scheint niemanden mehr zu geben, der noch ein Raumschiff lenken kann.«

Sal Almong blieb stehen. Er blickte den großen Mann an seiner Seite an. Das scharfgeschnittene Gesicht Potschybens spiegelte die innere Verfassung dieses Mannes wider.

»Und wer bist du, Tracs?«

»Ich bin Rüstmeister, Sal.«

»Dann bist du der Herr dieses Stützpunktes.«

»Ja.«

»Und warum verwendest du nicht all deine Macht, um diesen Pilz zu vernichten und uns alle wieder normal zu machen? Warum verschwendest du deine Kraft damit, uns mit Lebensmitteln und anderen Ausrüstungsgegenständen zu versorgen, anstatt das Übel an der Wurzel zu packen und die Ursache für unsere geminderte Intelligenz zu beseitigen?«

Durch eine schier unbegreifliche Wunderwelt waren sie in einen Raum gekommen, den der Rüstmeister »Überwachungszentrale« nannte. Sal Almong glaubte, in eine Traumwelt geraten zu sein. Was auch immer ihm hier begegnet war, alles schien dafür da zu sein, ihm das Leben zu erleichtern und bequemer zu machen. Hier brauchte er kaum noch zu gehen – der Fußboden rollte mit ihm davon. Er brauchte keine Treppen zu steigen, denn unsichtbare Kräfte trugen ihn, wohin er wollte.

Tracs Potschyben hatte ihn genau beobachtet. Sal Almong hatte es bemerkt, und er hatte sich Mühe gegeben, den Offizier nicht zu enttäuschen, dennoch schien dieser nicht ganz zufrieden zu sein.

Jetzt saß er vor einer Bildwand. Seine Finger glitten leicht und schnell über die Tasten eines Programmierpultes, und die dreidimensionalen Bilder vor ihm wechselten ständig. Um den Freund nicht durch Fragen, die seine Unwissenheit verrieten, zu enttäuschen, schwieg Sal Almong, aber er beobachtete genau, was vorging.

Gerade jetzt erschien das pilzförmige Raumschiff vor ihm, aber es sah noch nicht so aus, wie er es vor kaum einer Stunde gesehen hatte. Unzählige fremdartige Gestalten strömten aus Öffnungen am Fuße des Stieles heraus.

»Die Absolut-Schalter«, erklärte Potschyben, doch Almong verstand ihn nicht.

Die Fremden hatten einen zylinderförmigen Körper mit auffälligen Ausbuchtungen und einer verwirrend hohen Zahl von Armen und Beinen. Ihre dunkelbraune Haut sah lederartig und sehr fest aus. Almong hörte schrille, fast kreischende Stimmen, und während diese Wesen mit der äußerlichen Veränderung des Pilzes begannen, glaubte er sie rufen zu hören. Er beugte sich vor, um die Rufe besser verstehen zu können, doch der Rüstmeister schaltete schon wieder um. Almong glaubte so etwas wie »Y'Xanthomonary« verstanden zu haben, und ihm schien, als sei dieser Ruf immer wieder wiederholt worden; aber er war sich dessen nicht sicher.

Die weiteren Bilder, die Potschyben sich ansah, schienen zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen worden zu sein, denn bei jedem Bild waren die Arbeiten weiter fortgeschritten. Endlich zogen sich die Absolut-Schalter wieder in den Pilz zurück.

Almong wollte eine Frage stellen, doch Potschyben schaltete schon wieder um. Dann beugte er sich erregt vor. Staunend beobachtete Almong, dass sich die Bilder wieder zurückbewegten. Aus den Wolken senkte sich eine flache Scheibe herab und drückte sich oben auf den Pilz, dann löste sie sich sogleich wieder und schwebte davon. Potschyben schwenkte seinen Sessel herum und blickte Almong lächelnd an.

»Einige der Fremden scheinen Hitschers-Pearl schon wieder verlassen zu haben. Das Raumschiff stieg genau zu dem Zeitpunkt auf, als ich Roseata betrat und die Superiors einen Anschlag auf mich versuchten. Genau zu diesem Zeitpunkt, Sal, ist etwas geschehen.«

Er sprang auf und ging an dem Kontrollpult entlang, um schließlich in einem anderen Sessel Platz zu nehmen. Wieder begann er zu schalten. Almong war ihm gefolgt. Er sah, dass Potschyben zu lächeln begann.

»Die Gravitationskonstante der Galaxis ist erneut verändert worden, Sal«, sagte der Rüstmeister. »Diese Geräte hier zeigen mir eine Abweichung von 132,6583 Millikalup an.«

»Der Pilz ist dafür verantwortlich?«, fragte Almong. »Und geschah das wirklich genau zu der Zeit, als du zu uns nach Roseata kamst?«

Potschyben nickte. Er legte dem verwirrten Freund den Arm um die Schultern und führte ihn hinaus. Sie betraten die privaten Räume des Rüstmeisters. Almong bemerkte einen Roboter, der damit beschäftigt war, ein warmes Essen auf den Tisch zu bringen. Er blieb stehen, blickte Potschyben an und schüttelte erneut den Kopf.

»Du hast jetzt also den endgültigen Beweis, Tracs«, sagte er. »Warum, zum Teufel, zögerst du immer noch?«

»Komm, Sal, iss erst einmal etwas! Danach reden wir weiter.«

»Ich dachte, wir wollten vernünftig miteinander reden«, sagte Sal Almong, »statt dessen legst du mich unter dieses verrückte Ding und fragst mich tausend noch verrücktere Dinge. Was soll das alles, Tracs?«

Oberstleutnant Potschyben blickte den Freund an und sagte: »Du wirst jetzt einen Einstich verspüren, Sal. Es ist nicht schlimm.«

Sal Almong lag auf einem Untersuchungstisch. Eine Haube umspannte seinen Kopf, so dass nur noch das Gesicht frei blieb. Wenn er die Augen weit genug verdrehte, konnte Sal Almong einen Teil der mit Instrumenten und Anzeigetafeln bedeckten Anlage sehen, an der Potschyben arbeitete. Er spürte, dass sich ihm etwas durch die Kopfhaut bohrte, und verlor im selben Augenblick das Bewusstsein. Ihm schien jedoch, als sei nur ein Moment vergangen. Als er jedoch merkte, dass er in einem Sessel saß und sich in einem ganz anderen Raum als vorher befand, wusste er, dass er sich geirrt hatte. Der Oberstleutnant saß ihm gegenüber und trank eine Tasse Kaffee.

»Du siehst zufrieden aus, Tracs«, stellte Almong verärgert fest. »Ich bin es nicht – falls dich das interessiert.«

»Ich bin wirklich zufrieden, Sal«, erwiderte Potschyben. »Ich habe mir erlaubt, einige Tests mit dir zu machen. Sie sind ermutigend ausgefallen. Die ursprünglichen Auswirkungen der veränderten Gravitationsmerkmale sind weitgehend abgeklungen. Deine Auffassungsgabe ist sehr stark angestiegen und entspricht etwa der der Menschen aus dem Jahre 1800 der terranischen Zeitrechnung.«

Sal Almong war interessiert. Er schien keineswegs durch die Feststellung des Rüstmeisters beleidigt zu sein, sondern fasste seinen augenblicklichen Zustand als eine Krankheit auf. Er fühlte sich auf dem Wege der Besserung.

»Welche Schlüsse ziehst du daraus, Tracs?«, fragte er.

»Wir sollten es versuchen«, entgegnete Potschyben. »Meine bisherigen Eindrücke bestätigen mir, dass die Aussichten gar nicht so schlecht sind. Wir werden noch einen weiteren Versuch machen, Sal, wenn du willst.«

»Was für einen Versuch?«

»Komm!«

Potschyben erhob sich und ging auf eine Tür zu. Sie öffnete sich vor ihm, und er ging hindurch. Almong, der fürchtete, sie könne sich sofort wieder schließen, eilte hinter dem Rüstmeister her. Potschyben durchquerte eine mit Geräten gefüllte Halle und trat dann auf einen Gleiterlandeplatz hinaus. Er ging zu dem Fahrzeug, das hier geparkt war, und nahm einen Energiestrahler heraus. Mit dieser Waffe in der Hand wandte er sich dem Freund zu.

»Die Aufgabe, die ich dir stelle, ist einfach«, erklärte er und zeigte zu einem Gerüst hinüber, das sich unmittelbar am Energieschirm erhob. »Dort drüben steht eine Metallplatte. Ich habe sie von einem Roboter für dich aufstellen lassen. Du sollst sie mit diesem Strahler treffen.«

Almong nahm die Waffe scheu entgegen. Aufmerksam hörte er zu, als Potschyben ihm ihre Funktion erklärte. Dann hob er sie an die Schulter, zielte und schoss. Ein sonnenheller Energiestrahl zuckte aus dem Abstrahlfeld zu der Metallplatte hinüber und verwandelte sie in auseinanderspritzende Gluttropfen.

Almong erschrak, er ließ die Waffe jedoch nicht fallen.

»Du lernst wirklich schnell, Sal«, stellte Potschyben fest. Er verwickelte den Freund in ein Gespräch und ließ sich erklären, was in Roseata vorgefallen war. Almong hatte nur eine lückenhafte Erinnerung an die Ereignisse der letzten Tage, aber er bemühte sich angestrengt, so genau wie nur möglich zu berichten. Er merkte nicht, dass der Oberstleutnant ihn testete, indem er ihn von der Waffe ablenkte.

Nach etwa zehn Minuten forderte Potschyben ihn zu einem zweiten Schuss auf. Almong war verwirrt. Schwitzend versuchte er, sich auf die Waffe zu konzentrieren. Mehrmals setzte er sie an die Schulter, war sich seiner Sache dann jedoch noch immer nicht sicher. Schließlich glaubte er, sich an alles erinnert zu haben, was der Freund ihm gesagt hatte. Er zielte und schoss.

Tracs Potschyben lächelte hoffnungsvoll. Mit geradezu feierlicher Geste gab ihm Almong den Strahler zurück. Forschend blickte er ihn an. Potschyben nickte ihm zu.

»Gut, Sal«, sagte er. »Hilfe von außen haben wir nicht zu erwarten. Wir sind ganz auf uns allein gestellt. Wir werden es versuchen. Wir werden den Pilz angreifen.«

»Und wir werden ihn vernichten, Tracs. Mit diesen Waffen schießen wir ihn zusammen.«

»Das wollen wir hoffen, Sal.«

Die Entscheidung war gefallen. Tracs Potschyben war entschlossen, den Kampf gegen das fremde Raumschiff aufzunehmen. Er war überzeugt davon, dass er es mit Hilfe der Siedler besiegen konnte.

Er ließ Sal Almong mit einem Roboter allein, nachdem er diesem den Befehl gegeben hatte, dem Siedler zu erklären, wie er einen Gleiter steuern konnte. Er selbst begann, einen Angriffsplan gegen den Pilz auszuarbeiten und ihn mit Hilfe der positronischen Rechenanlagen zu überprüfen. Er hatte ein Problem, von dem er Sal Almong noch nichts gesagt hatte, weil er nicht erwarten konnte, dass der es verstand.

Unmittelbar vor Beginn der Katastrophe waren ein Ultraschlachtschiff und vier Leichte Kreuzer von den vollautomatischen Anlagen der Raumschiffswerft generalüberholt und zum Teil auch repariert worden. Potschyben hatte sämtliche schweren Waffen ausliefern müssen. Der Stützpunkt war nun geschwächt. Normalerweise spielte das keine Rolle, doch jetzt wirkte sich diese Tatsache verhängnisvoll aus, da keinerlei Nachlieferungen eingetroffen waren.

Potschyben kam zu dem Ergebnis, dass der Pilz mit den verfügbaren Waffen nicht zur Explosion gebracht werden konnte. Der Computer empfahl als sicherste Vernichtungstaktik, den Stiel des Pilzes anzuschneiden, um das Raumschiff dadurch umzustürzen.

Er verließ den Saal, in dem er gearbeitet hatte, und trat auf eine Terrasse hinaus. Er atmete die kühle Luft ein. Die Sonne stand tief am Horizont. Unwillkürlich blickte er auf sein Chronometer. Es zeigte den 15. November 3441 Erdzeit an. Er fragte sich, wie es zu dieser Stunde auf der Erde aussehen mochte. Seit Monaten hatte er keinerlei Verbindung mit der Erde mehr gehabt. Doch die Notrufe, die aus allen Teilen der Galaxis einliefen, hatten ihm gezeigt, dass die Katastrophe nicht nur Hitschers-Pearl getroffen hatte. Lange hatte er gehofft, von außen Hilfe zu bekommen, aber er war allein geblieben. 24.313 Lichtjahre trennten ihn von der Erde, und ihm schien jetzt, als sei er der einzige Mensch zwischen diesen beiden so ähnlichen Planeten, der nicht von der Veränderung der Gravitationskonstante beeinträchtigt worden war.

Die Sonne Ynakcho wurde von einer Wolkenbank verdunkelt, doch ihr Licht strahlte sternenförmig über ihre Ränder hinaus.

Dieser Planet war der Erde tatsächlich sehr ähnlich. Seine Gravitation kam mit 0,99 g der des Heimatplaneten sehr nahe. Seine Rotation betrug 25,01 Stunden, und auch der Durchmesser wich mit 11.916 Kilometern nur wenig von dem der Erde ab.

Potschyben wollte diesen Planeten der Erde erhalten, und er wollte die Rechte der Siedler bewahren. In drei Jahrzehnten mühevoller Arbeit hatten sie sich ihr Paradies geschaffen.

War die Feuerkraft, die er den Siedlern übergeben konnte, aber wirklich ausreichend, um das Raumschiff zu zerstören?

Potschyben war aufgeregt. Eben noch schien alles klar gewesen zu sein, jetzt begann er wieder zu zweifeln, ob er das hohe Risiko eingehen durfte.

Zum ersten Mal seit Beginn der Katastrophe wünschte er sich einen gleichwertigen Partner, mit dem er hätte diskutieren können. Mehr denn je bedauerte er, dass Almong trotz aller Steigerungen seiner Intelligenz noch weit von seinem früheren Niveau entfernt war.

Diese Welt sah friedlich aus. Wie schon oft, so hatte er auch jetzt das Gefühl, allein auf ihr zu sein. Er hätte nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn es tatsächlich so gewesen wäre. Dann hätte er keine Minute länger gezögert – sofern er überhaupt eine Möglichkeit gehabt hätte, den Gegner zu bekämpfen. Eine Niederlage hätte kaum mehr als Material gekostet.

Er hörte Schritte nahen und drehte sich um. Ein Roboter kam auf ihn zu und teilte ihm mit, dass in Totschan, der Siedlung der Superiors Unruhe entstanden war. Die Vertreter des Homo superior auf dieser Welt schienen sich nicht mehr ganz so einig zu sein wie vorher.

Ana Atramo drehte sich überrascht um, als sie angesprochen wurde.

»Tschehars«, sagte sie. »Was kann ich für Sie tun?«

»Komm mit!«, befahl der Lehrer.

Toscha Tschehars trug eine blassblaue Kombination mit einem weißen Gürtel. Er wirkte in dieser Kleidung viel wuchtiger und kräftiger als in dem togaähnlichen Umhang, den er meistens zu tragen pflegte. Ein Schal schützte seinen Hals vor der abendlichen Kühle.

»Ich will nur meinem Vater Bescheid sagen«, erwiderte sie, »dann komme ich mit Ihnen.«

»Du kommst sofort mit mir.«

Sie setzte folgsam den Eimer ab, mit dem sie Wasser aus dem Brunnen hatte holen wollen, und ging hinter dem neuen Lehrer her. Es war nicht weit. Hinter einem Haus am Rand des Platzes wartete ein Gleiter auf sie. Zögernd setzte sich Ana auf den Sitz, und sie beobachtete staunend, wie der Lehrer die Instrumente bediente. Sie lächelte, als das Flugaggregat sich in die Luft erhob und über die Häuser von Roseata hinwegflog.

Der Flug dauerte nicht lange. Als sie den Alfafluss überquert hatten, der die Stadt vom Norden des Landes abtrennte, landete der Lehrer in einem hügeligen Gebiet. Ana sah mehrere Häuser, die sich äußerlich nicht von denen in Roseata unterschieden. Überrascht stellte sie fest, dass die Lehrer keineswegs besser wohnten als die Bewohner von Roseata.

»Das ist sie«, erklärte Tschehars, als zwei andere Lehrer zu ihnen kamen. Ana begrüßte sie höflich. Sie begriff kaum etwas von dem, was die Männer besprachen. Sie wurde nicht beachtet und interessierte sich auch nicht für das Gespräch. Aufmerksam wurde sie erst, als weitere Lehrer hinzukamen und hitzig zu diskutieren begannen. Die Männer, die sich immer so friedlich gegeben hatten, wurden immer erregter. Schließlich standen sie sich mit erhobenen Fäusten gegenüber. Tschehars stellte sich in ihre Mitte und bemühte sich, sie zu besänftigen.

»Was hat es für einen Sinn, wenn wir uns zerstreiten?«, fragte er. »Wir sind uns doch darüber einig, dass wir unser Ziel auf diesem Planeten nur dann erreichen können, wenn wir den Stützpunkt beseitigen. Gelingt es uns nicht, den Energieschirm zu durchbrechen, dann wird es in den nächsten Wochen noch sehr viele Opfer geben. Was also bedeutet ein Menschenleben, wenn wir dadurch viele andere retten können? Wir haben uns für diesen Trick entschieden, und wir sollten jetzt auch dabei bleiben.«

»Auf jeden Fall dürfen wir niemanden von uns gefährden. Jedes unserer Leben ist hundertmal mehr wert als das der Aggressiven.«

Die Spannung ließ nach. Plötzlich schien man sich wieder einig zu sein. Ana aber erfasste, worum es ging. Die Lehrer planten einen Anschlag gegen den Stützpunkt. Dieser Begriff war für sie identisch mit Tracs Potschyben, dem Mann, zu dem sie eine starke Zuneigung verspürte. Ihn wollte man töten – und um das zu erreichen, wollte man sie opfern.

Ana schrie auf. Sie fuhr herum und floh. Sie kam nicht sehr weit. Toscha Tschehars zielte mit einem Strahler auf sie und schoss. Sie taumelte und brach narkotisiert zusammen.

»Na also«, sagte Tschehars befriedigt. »Das wird unsere Schwierigkeiten weiter vermindern.«

Er ging zu Ana und hob sie auf, um sie in den Gleiter zu setzen. Mehrere Superiors näherten sich auf einer Schwebeplatte, auf der eine metallische Kapsel in der Größe eines menschlichen Kopfes lag. Sie übergaben sie an Tschehars.

»Die Bombe hat eine Sprengkraft von einer Megatonne«, erklärte dieser. »Das ist nicht viel, dürfte jedoch ausreichen, um den Stützpunkt funktionsunfähig zu machen. Wahrscheinlich wird er so stark beschädigt, dass die Projektoren für den Schutzschirm ausfallen. Wenn das geschieht, haben wir ohnehin leichtes Spiel.«

Er öffnete eine der Heckklappen des Gleiters und legte die Kapsel hinein. Zugleich schloss er einen Zünder an und verband ihn mit dem Aggregat des Fluggerätes.

»Die Bombe wird gezündet, sobald die Fahrt des Gleiters herabgesetzt wird«, sagte der Superior. »Glauben Sie mir, Potschyben wird auf gar keinen Fall zulassen, dass seine kleine Freundin mit voller Fahrt gegen den Schutzschirm rast. Er wird ihn entweder unmittelbar davor abbremsen oder ihn durch den Schirm in den Stützpunkt lassen, um ihn dort anzuhalten. Das wäre der Idealfall. Damit wäre dann der Stützpunkt erledigt. Zugleich hätten wir Potschyben ausgeschaltet.«

»Wenn er wirklich der Rüstmeister ist«, wandte einer der anderen Superiors ein.

»Er ist der Rüstmeister«, behauptete Tschehars mit Nachdruck.

Er beugte sich durch die offene Transparenthaube zum Gleiter hinein und drückte einen Knopf. Das Fluggerät stieg sofort auf und beschleunigte. Innerhalb weniger Sekunden war es am Horizont verschwunden.

3.

Af Atramo eilte erregt aus seinem Haus, als der Roboter in Roseata eintraf. Der Eiserne kam in einem Lastengleiter, auf dessen Ladefläche gut fünfzig Männer Platz gehabt hätten. Als der Bürgermeister der Siedlung auf den Platz hinauskam, war der Roboter bereits dabei, eine übermannshohe Projektionsfläche aufzurichten. Obwohl er sichtlich beschäftigt war, nahm er sich Zeit, Af Atramo anzuhören, als dieser erregt zu sprechen begann.

»Die neuen Lehrer haben meine Tochter entführt«, sagte der Bürgermeister. »Alle Leute hier glauben, dass sie Ana benutzen wollen, um Tracs Schaden zuzufügen. Du solltest ihn benachrichtigen, Eiserner.«

Der Roboter stieg von der Ladefläche herunter. »Das ist bereits geschehen«, antwortete er.

Der Bürgermeister und die anderen Siedler, die sich um das Fahrzeug geschart hatten, waren keineswegs überrascht. Antworten dieser Art waren sie von dem Roboter gewohnt, obgleich sie nicht begriffen, wie er Nachrichten so schnell weitergeben konnte.

Jetzt forderte der Roboter Atramo zu einem genauen Bericht auf und schaltete zugleich auf eine Direktverbindung zum Stützpunkt um. Er gab dem Siedler genügend Zeit, um alle Einzelheiten zu schildern.

»Es ist gut«, sagte er dann. »Man wird etwas unternehmen.«

»Was sagt Tracs?«

Der Roboter antwortete nicht, sondern stieg wieder auf die Ladefläche des Gleiters hinauf. Sekunden später erhellte sich die Projektionswand. Ein dreidimensionales Bild entstand.

Die staunenden Siedler beobachteten, wie sich ein pilzförmiges Raumschiff auf eine Felsenlandschaft herabsenkte, wie fremdartige Wesen aus ihm hervorkamen und an ihm zu arbeiten begannen und wie schließlich ein kleineres Raumfahrzeug von seiner Spitze abhob und in den Wolken verschwand. Eine ihnen allen unbekannte männliche Stimme gab dazu Erklärungen ab, die so einfach gehalten waren, dass alle sie verstehen konnten.

Dann wechselten die Bilder. Der Stützpunkt erschien auf der Projektionsfläche. Obwohl ihn alle schon irgendwann in ihrem Leben gesehen hatten, erinnerte sich keiner von ihnen daran, doch alle waren beeindruckt. Er wirkte nicht weniger mächtig auf sie als der Pilz. Und wieder gab die Stimme Erklärungen ab. Sie berichtete über das gewaltige Waffenarsenal, das sich unter dem Energieschirm befand. Waffen aller Art wurden auf dem Projektionsfeld wiedergegeben, bis einer der Siedler lauthals die Auslieferung der Waffen forderte.

Der Roboter brach den Vortrag ab. Die Projektionsflächen sanken in die Boxen auf dem Gleiter zurück. Erregt redeten die Männer und Frauen aufeinander ein, bis der Eiserne seine Stimme erhob.

»Im Stützpunkt befindet sich ein Mann, den ihr alle kennt«, sagte er so laut, dass er in der ganzen Siedlung zu hören war. »Es ist Tracs Potschyben, der Rüstmeister. Er ist entschlossen, das fremde Raumschiff anzugreifen. Er wird jedem, der ihm dabei hilft, eine Waffe in die Hand geben und ihm erklären, wie er damit kämpfen kann.«

Plötzlich erschien ein anderer Gleiter zwischen den Häusern. Hinter den Scheiben saßen zwei Männer. Sie trugen blaue Kombinationen mit seltsamen Metallstickereien auf den Schultern. Die Transparentkuppel fuhr zurück. Die beiden Männer richteten sich auf, während ihr Fahrzeug langsam durch die Menge auf den Roboter zutrieb. Sie hielten Energiegewehre in den Armbeugen.

Der Roboter blieb vor seinem Lastengleiter stehen. Seine Waffenarme hingen nach unten.

»Niemand hätte einen Nutzen davon, wenn Sie auf mich schießen würden«, sagte er mit hallender Stimme. »Ich bin nicht der Feind der Siedler. Der wirkliche Feind verbirgt sich in dem Pilzraumschiff. Darüber hinaus wäre es sinnlos, mich zu zerstören, denn dadurch würde die Arbeit des Rüstmeisters nicht aufgehalten werden.«

Die beiden Superiors ließen die Waffen sinken. Sie schienen einzusehen, dass der Roboter recht hatte. Sie konnten tatsächlich nichts dadurch erreichen, dass sie ihn vernichteten.

»Wir werden nicht zulassen, dass es zu einem Kampf kommt«, erklärte einer der beiden Männer.