Perry Rhodan 62: Götzendämmerung (Silberband) - Clark Darlton - E-Book

Perry Rhodan 62: Götzendämmerung (Silberband) E-Book

Clark Darlton

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Beschreibung

Der Schwarm, jenes kosmische Gebilde aus Tausenden von Sonnen und Planeten, verbreitet nach wie vor Chaos in der Milchstraße: Seine Strahlung lässt die Bewohner der Menschheitsgalaxis verdummen, und nur wenige sind immun dagegen. Zu diesen gehören Perry Rhodan und seine Gefährten, die einen verzweifelten Kampf gegen die Herrscher des Schwarms führen, die sogenannten Götzen. Einem terranischen Einsatzkommando gelingt es, die zentrale Schaltwelt Stato zu zerstören. Der Schmiegeschirm, in den sich der Schwarm hüllt, wird undurchlässig, und niemand kann das kosmische Gebilde mehr verlassen. Eine Katastrophe für die Gelben Eroberer, die ihrem Drang, auf fremden Welten zu gebären, nun nicht mehr nachkommen können - es kommt zu Unruhen und brutalen Kämpfen. Die Herrscher des Schwarms fürchten ihren Untergang und greifen zu einem letzten Kampfmittel: Mit Hilfe übergeordneter Energien versetzen sie das Solsystem um 900 Lichtjahre. Verheerende Raumschlachten toben nun um die Heimat der Menschen. Wie lange können Perry Rhodan und seine Gefährten der Übermacht standhalten?

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Nr. 62

Götzendämmerung

Der Schwarm, jenes kosmische Gebilde aus Tausenden von Sonnen und Planeten, verbreitet nach wie vor Chaos in der Milchstraße: Seine Strahlung lässt die Bewohner der Menschheitsgalaxis verdummen, und nur wenige sind immun dagegen. Zu diesen gehören Perry Rhodan und seine Gefährten, die einen verzweifelten Kampf gegen die Herrscher des Schwarms führen, die so genannten Götzen.

Einem terranischen Einsatzkommando gelingt es, die zentrale Schaltwelt Stato zu zerstören. Der Schmiegeschirm, in den sich der Schwarm hüllt, wird undurchlässig, und niemand kann das kosmische Gebilde mehr verlassen. Eine Katastrophe für die Gelben Eroberer, die ihrem Drang, auf fremden Welten zu gebären, nun nicht mehr nachkommen können – es kommt zu Unruhen und brutalen Kämpfen.

Vorwort

In diesem 62. Band der PERRY RHODAN-Bibliothek wird eines der größten Geheimnisse der Schwarmgötzen entschleiert und damit auch eine Antwort auf Fragen gegeben, die bisher ungeklärt geblieben waren. Es werden Andeutungen über die eigentliche Aufgabe des Schwarms gemacht, aber der eigentliche Clou steht noch bevor. Es ist ein typisches Buch zum (Fast-) Ende eines Zyklus. Offene Fragen werden beantwortet, Lücken im logischen System geschlossen und das Finale vorbereitet, das im nächsten Band stattfinden und für große Überraschungen sorgen wird. Das Ganze ist in spannende Abenteuer verpackt, wie man es von PERRY RHODAN erwarten darf.

Die in diesem Buch enthaltenen Originalromane sind diesmal: Das Gesetz der Götzen (557) von H. G. Francis; Die Erde im Hypersturm (558) von Ernst Vlcek; Die Inseln des Wahnsinns (559) von Hans Kneifel; Gucky, der Tambu-Gott (560) von Clark Darlton; Gespensterjagd (563) von H. G. Ewers und Verstoßen ins Nichts (561) von William Voltz.

Ich bedanke mich wie stets bei allen, die die PERRY RHODAN-Buchreihe mit ihrer Kritik und ihren Anregungen begleiten, und natürlich bei den »Machern« der Originalromane.

Zeittafel

1971 – Perry Rhodan erreicht mit der STARDUST den Mond und trifft auf die Arkoniden Thora und Crest.

1972 – Mit Hilfe der arkonidischen Technik gelingen die Einigung der Menschheit und der Aufbruch in die Galaxis.

1976 – Das Geistwesen ES gewährt Rhodan und seinen engsten Wegbegleitern die relative Unsterblichkeit.

2040 – Das Solare Imperium stellt einen galaktischen Wirtschafts- und Machtfaktor ersten Ranges dar. In den nächsten Jahrhunderten folgen Bedrohungen durch die Posbi-Roboter und galaktische Großmächte wie Akonen und Blues.

2400 – Entdeckung der Transmitterstraße nach Andromeda; Abwehr von Invasionsversuchen von dort sowie Befreiung der Völker vom Regime der Meister der Insel.

2435 – Der Riesenroboter OLD MAN und die Zweitkonditionierten bedrohen die Galaxis. Nach Rhodans Odyssee durch M 87 erfolgt der Sieg über die Erste Schwingungsmacht.

2909 – Während der Second-Genesis-Krise kommen fast alle Mutanten ums Leben.

3430 – Um einen Bruderkrieg zu verhindern, lässt Rhodan das Solsystem in die Zukunft versetzen. Bei Zeitreisen lernt er den Cappin Ovaron kennen.

3437/38 – Expedition mit der MARCO POLO in die Cappin-Galaxis Gruelfin, um einer Invasion der Pedotransferer zuvorzukommen. Ovaron wird als Ganjo identifiziert. Beim Kampf um das Solsystem wird der Planet Pluto zerstört.

3441/42

Prolog

Als Perry Rhodan Mitte des Jahres 3441 mit der MARCO POLO von Gruelfin in die Milchstraße zurückkehrt, findet er eine ihm fremd gewordene Galaxis vor. Mit Ausnahme relativ weniger Immuner sind alle Intelligenzen verdummt – auch auf Terra herrscht das Chaos. Verantwortlich für die Verdummung ist die Veränderung der galaktischen Gravitationskonstante durch die Vorhut eines ungeheuerlichen Gebildes aus Sternen, Planeten und Raumfahrzeugen, das sich über Tausende von Lichtjahren ausdehnt und mit Transitionen in die Milchstraße schiebt; der Schwarm!

Perry Rhodan bricht mit dem Kreuzer GOOD HOPE II auf, um die Geheimnisse des Schwarms zu ergründen und letztlich dafür zu sorgen, dass in der Milchstraße wieder normale Verhältnisse einkehren. Reginald Bull konzentriert sich anfangs darauf, mit der INTERSOLAR so viele Immune wie möglich aufzulesen.

Im Herbst 3441 verlassen erstmals Objekte den Schwarm, es sind Erkundungs- und Vermessungsschiffe. Ihnen folgen gewaltige Pilzraumer und landen auf Planeten, deren Bewohner keine Mittel und Waffen gegen sie finden. Es erfolgt eine so genannte Sekundäranpassung der Gravitationskonstante, in deren Verlauf die verdummten Menschen einen Teil ihrer Intelligenz zurückerhalten. Die Gattung des Homo superior, des »Übermenschen«, dagegen, stirbt restlos aus. Als neue ernstzunehmende Bedrohung der galaktischen Völker erweisen sich die Cynos, deren heimliches Imperium die Geschicke der Milchstraße viele Jahrtausende lang unerkannt beeinflusst haben soll. Sie haben ihre Anonymität aufgegeben und verfolgen geheimnisvolle Ziele.

Im Frühjahr 3442 beginnen die Pilzraumschiffe auf den ersten von ihnen besetzten Planeten, die Atmosphäre aufzuheizen und die Gravitation hochzutreiben. Gleichzeitig verlassen große Flotten von Wabenraumschiffen der so genannten Gelben Eroberer den Schwarm und landen auf diesen Welten. Wie sich herausstellt, benötigen die Gelben Eroberer diese neugeschaffenen Umweltbedingungen, um sich zu teilen, während die Bewohner der Planeten qualvoll sterben.

Um endlich die Wahrheit über den Schwarm und dessen Herrscher zu erfahren und das Grauen zu beenden, fasst Perry Rhodan – inzwischen wieder auf der MARCO POLO – den Entschluss, eine Fünfte Kolonne in den Schwarm zu schicken. Mit der Spezial-Space-Jet GEVARI findet eine schlagkräftige Truppe ein Versteck auf dem Plasmaplaneten Kokon.

Perry Rhodan dringt mit der MARCO POLO ebenfalls in den Schwarm ein und sorgt für Verwirrung und Panik, bis das Versteck Kokon aufgegeben werden muss. Die GEVARI landet mit einer ausgesuchten Mannschaft auf verschiedenen Geheimplaneten, und Menschen begegnen den Herrschern des Schwarms, den so genannten Götzen. Sie finden dabei heraus, dass die Schwarmgötzen durch ein Sekret der Gelben Eroberer – die sich selbst Karties nennen – extrem langlebig werden und deshalb davon abhängig sind, dass sich die Karties außerhalb des Schwarms teilen.

1.

Januar 3443; Die Gelben Eroberer

»Höret, ihr Söhne aus erhabenem Geschlecht. Arinata ist der Geburtenkreislauf. In ihm sind alle gefangen, die ungläubig sind. Sie sind die Verlorenen, die nicht neben euch stehen dürfen. Aber höret, ihr Söhne aus edlem Geschlecht, Antaranara ist der Schirm eures Lebens, die Sonne eurer Nacht. Ihm vertraut euch an. Glücklich sind die Wesen der Welt, die seines Namens gedenken. Sie entrinnen allen Leiden der Arinata, und sie erringen das Leben ohne Geburt. Gehet ein mit ihm in den ewigen Kreis des Lebens.«

Kahana – 34. Mira

»Puh«, machte Arialeinen und ließ die Schriftrolle, aus der er vorgelesen hatte, sinken.

Boda Bodamore schnaufte. »Ich wünschte die Rolle ohne Kommentar«, sagte er in vorwurfsvollem Ton. »Es steht dir nicht zu, dir Gedanken über diese oder andere Worte zu machen.«

»Ich habe nur ›puh‹ gesagt.«

»Das ist schon zuviel für einen nichtswürdigen Diener.«

»Ja, Herr.«

Arialeinen schloss betrübt die Augen und ließ sich den Wind um die Nase wehen. Die Windheule hüpfte und holperte krachend über den hügeligen Boden. Der Diener lenkte sie durch eine Senke, in der unzählige rote Blumen blühten. Da die Halme der Pflanzen sich kräftig bogen, hoffte er, hier von einer kräftigen Brise erfasst zu werden, die ihnen ausreichenden Auftrieb gab. Unter dem schleifenden Bodenholz wurden die Blüten zerquetscht. Süßlich duftender Blütenstaub wirbelte auf und kitzelte den beiden Männern in der Nase. Boda Bodamore nieste – eine Reaktion, die er als unwürdig empfand.

»Du bist ein Trottel, Aria.«

»Ja, Herr.«

»Siehst du schon etwas?«

Der Diener reckte sich ein wenig, beugte sich dann zur Seite und spähte an dem geblähten Segel vorbei nach vorn. Weit voraus entdeckte er die roten Blütendächer einer ausgedehnten Siedlung. Sie war in einer Flussschleife errichtet worden. Flache Hütten reihten sich aneinander. Sie bildeten ein großes Oval und passten sich so dem Lauf des Flusses an. Drei riesige Shinterbäume begrenzten das Dorf nach Norden hin. Sie ragten höher empor als alle anderen Bäume dieser Art, die Arialeinen je gesehen hatte. Zwischen ihren vier Hauptästen auf der Spitze sah er die winzigen Gestalten einiger Tubbods, die farbenprächtige Tücher befestigten. Offenbar genügte der Siedlung noch nicht, dass die Shinterbäume leuchtend rote Blüten trugen. Sie wollten die Signalwirkung noch verstärken. Lange Strickleitern hingen von den Stämmen.

Als die Windheule um einen steil aufragenden Felsen herumkam, sahen die beiden Männer ein Götzenbild, das wuchtig bis zu den Wolken emporragte. Das Dämonenbild bestand aus einem Material, das Boda Bodamore unbekannt war. Auf dem höchsten Punkt des Gebildes befand sich eine riesige Kugel. Sie sollte den Kopf darstellen. Ihr Durchmesser war größer als der des Dorfes am Fluss. Aus ihm ragten mehrere gefächerte Gebilde heraus, die Boda Bodamore an die Fühler von Insekten erinnerten.

Der Wind flaute plötzlich ab. Die Windheule fiel auf den Boden zurück. Dabei krachte das Gleitbrett, als ob es in hundert Einzelteile zersplittert wäre. Der Weise musste sich festhalten, um nicht von seinem Sitzplatz heruntergeschleudert zu werden.

»Du bist ein unfähiger, nichtsnutziger Fettsack!«, schimpfte er und gebrauchte danach noch eine Serie von Worten, die seinen Diener erschauern ließen und ihn zu erschreckten Ausrufen veranlassten. Zerknirscht entschuldigte Arialeinen sich ob seiner Unaufmerksamkeit.

Die Windheule rutschte über den Boden und blieb dann stehen. Der armdicke Bug ragte steil in die Höhe. Das Segel schlug schlaff gegen den Mast. Es wurde jetzt nur noch von den beiden gasgefüllten Grünbeuteln hochgehalten, die an den beiden Enden der Segelstange angebracht waren. Das Gleitbrett lag im Gras und bewegte sich nicht mehr.

Die beiden Tubbods boten ein seltsames Bild, da einer von ihnen auf den Schultern des anderen saß und sich tragen ließ. Er stieg auch nicht herunter, als sie den Segelgleiter verließen. Das Gefährt hob sich ein wenig in die Höhe, als es entlastet wurde, glitt jedoch nicht weiter. Es bestand im Grunde genommen nur aus einem bananenförmig gebogenen Brett, einem quadratischen Segel und zwei grünen Gasblasen.

Boda Bodamore, der Weise, stemmte die Fäuste in die Hüften. Er bot ein prächtiges Bild. Er war untersetzt und sehr muskulös. Sein massiger Kopf ruhte auf breiten Schultern, und seine Beine waren so dick und stämmig, als seien sie aus einem Baumstamm herausgeschlagen worden. Dünne, geflochtene Bänder, die zu einem Hemd zusammengewirkt waren, umspannten seinen Körper. Sie knirschten bei jeder Bewegung, als wollten sie auseinanderreißen. Mit einem Federbusch wedelte Boda Bodamore den Blütenstaub von den Organbeuteln, die sich aus seinen Hüften herauswölbten. Seine Hände führten die Federn äußerst behutsam, damit die Beutel nicht verletzt wurden.

Arialeinen, der Diener, wirkte gegen den Weisen fast schwach, obwohl auch seine Körpermaße recht ansehnlich waren. Sein faltiges Gesicht ließ klar erkennen, dass er über weit weniger Intelligenz verfügte als sein Herr. Dennoch machte er einen hellwachen und durchaus klugen Eindruck. Zusammen mit Boda Bodamore erreichte er eine Höhe von fast zwei Metern.

»Wind kommt auf«, sagte Arialeinen besorgt. »Wir sollten auf die Windheule zurückgehen. Ich habe keinen Anker gesetzt.«

»Du hast recht. Wir werden uns wieder setzen«, stimmte Boda Bodamore zu. Die beiden kehrten zu ihrem Gefährt zurück. Der Weise gähnte und rieb sich die Augen. »Seltsam. Ich habe nie zuvor so einen Götzen gesehen, Aria. Du solltest es notieren.«

Der Diener nahm eine halbbeschriebene Papierrolle aus dem Holzgestell, das er auf dem Rücken trug. Geduldig wartete er, bis sein Herr zu diktieren begann, und fertigte danach eine Strichzeichnung des Götzen an. Er reichte sie Bodamore und wartete auf die unvermeidliche Kritik. Sie kam dieses Mal jedoch nicht. Wortlos reichte der Weise ihm die Zeichnung zurück. Der Wind frischte auf.

»Ist mir eine Bemerkung erlaubt, Herr?«

»Jede – aber fasse dich kurz und schone meine Nerven.«

»Dann möchte ich nur darauf hinweisen, dass ich Hunger habe, Herr.«

Boda Bodamore seufzte. »Du bist der gefräßigste Diener, den ich je hatte. Du bist – um es mit einem Wort der Leute aus dem Zuckerland zu sagen – ein Fressungeheuer.«

»Ich tue es nicht für mich, Herr«, entgegnete Arialeinen mit beleidigter Stimme. »Ich bemühe mich nur, den Wohlstand und die Weisheit meines Herrn deutlich sichtbar zu machen. Sagt selbst, Herr, kann ein kluger und reicher Herr einen mageren und dürren Diener haben? Muss ein Diener nicht schön fett und rund sein, damit ein jeder sehen kann, wie gut es seinem Herrn und Meister geht?«

»Du hast nicht ganz unrecht, alter Schurke, dennoch bist du einfach zu fett. So gut, wie du aussiehst, geht es mir wirklich nicht.«

»Das ist richtig. Ich kann es leider nicht leugnen, Herr. Dennoch ist es besser, ein bisschen reicher auszusehen, als ein wenig zu arm. Einem Reichen gibt man überall noch etwas zu seinem Reichtum dazu. Man wird ihm immer das Beste zum Essen reichen, gerade wenn man es ihm schenkt. Einem Armen gibt man nichts. Im Gegenteil, ihm würde man am liebsten noch etwas aus der Tasche nehmen. Also ist es besser, den Reichen zu spielen.«

»Mein Reichtum befindet sich hier!«, rief Boda Bodamore und tippte sich mehrfach mit dem ausgestreckten Finger gegen die Stirn.

»Davon werde ich leider nicht satt, Herr.«

»Du wirst schon nicht verhungern, Fettsack.«

Der Wind blähte die Segel und gab der Windheule Auftrieb. Sie glitt erst langsam, dann aber immer schneller über die Hügel. Je mehr sie dabei ihre Geschwindigkeit steigerte, desto deutlicher hob sie sich vom Boden ab. Im gleichen Maße verringerte sich auch der Reibungswiderstand, so dass sie dadurch wiederum noch schneller an Fahrt gewinnen konnte. Schließlich schoss das Fahrzeug über eine Hügelkuppe hinweg und schwebte mit mäßiger Geschwindigkeit auf das Tubboddorf zu.

»Herr, darf ich noch eine Bitte äußern?«, fragte Arialeinen.

»Nur zu!«

»Herr, ich habe Hunger.«

»Das sagtest du schon.«

»Ich weiß, Herr. Dennoch möchte ich es noch einmal betonen.«

»Warum?«

»Weil ich fürchte, Herr, dass wir auch in dieser Siedlung einigen Männern begegnen werden, die nicht deiner Meinung sind.«

»Das ist nicht gesagt.«

»Ich fürchte, es wird doch so kommen, wie es überall gekommen ist.«

Boda Bodamore rieb sich die stumpfe Nase. Er lachte. »Na gut. Vielleicht hast du recht. Was schlägst du vor?«

Arialeinen zögerte. Er suchte nach den passenden Worten. »Herr«, sagte er schließlich. »Könntest du mit deinen klugen und überaus weisen Bemerkungen über die Edlen des Dorfes nicht so lange warten, bis wir uns satt gegessen haben? Vielleicht wirft man uns dann nicht sofort wieder hinaus. Ich muss gestehen, Herr, dass ich es nicht mehr länger mit leerem Magen aushalte.«

»Du meinst, ich soll einfach übersehen, was für Narren und Dummköpfe unsere Gastgeber sind, bis dein Magen voll ist?«

Arialeinen seufzte. Er leckte sich die schwarzen Lippen.

»Riechst du den Wildbraten, Herr? Man würzt hier mit Laig. Es gibt nichts Köstlicheres auf dieser Welt. Arinata oder wie immer der neue Gott heißen mag, soll mein Zeuge sein. Bitte, versündige dich nicht. Warte mit deinen weisen Reden, bis ich ein paar Bissen von diesem Braten bekommen habe.«

»Vielleicht«, entgegnete Boda Bodamore. Die Windheule schwebte an dem Götzenbild vorbei. Er blickte fasziniert daran hoch. Überall waren Tubbods zu sehen, die die Oberfläche des Götzen mit grünen Organbeuteln von Verstorbenen blank putzten. »Vielleicht werde ich warten, bis du dich vollgefressen hast, Aria. Ich muss gestehen, dass mich dieses Bild interessiert. Dafür muss die Wahrheit dann vielleicht ein bisschen in den Hintergrund treten. Hm – ja – ich glaube, heute wirst du dir den Wanst vollschlagen können.«

»Wundervoll, Herr«, lobte Arialeinen. »Ach, gäbe es doch noch mehr solcher Götzenbilder auf dieser Welt. Warum gibt es nur dieses eine? Findest du das richtig, Herr?«

In Terrania City auf der Erde war der erste Tag des neuen Jahres 3443 gerade drei Stunden alt. An vielen Stellen der Stadt wurde die Jahreswende gefeiert.

Tonka Valuz, Sergeant von der AMARILLO, glaubte, zu dieser Zeit bereits allen Grund zur Unzufriedenheit zu haben. Mit mürrischem Gesicht kehrte er in den Kreis seiner Freunde zurück.

Phil Aupon schüttelte den Kopf, als er ihn sah. Mit schwerer Zunge versuchte er eine Begrüßungsrede. Sie gelang ihm jedoch nicht. Daher gab er auf und setzte sich wieder neben Mandry O'Loon. Dieser legte ihm die Hand auf die Schulter und tröstete ihn wortreich. Seine Worte waren jedoch auch nicht besonders akzentuiert.

»Warte doch erst einmal ab, was Tonka zu berichten hat«, schlug er vor.

Valuz blieb vor den beiden Männern stehen. Sie blickten zu ihm auf. Mit 1,98 Metern Länge war er der größte unter ihnen. Mandry O'Loon war nur 1,96 groß und damit der Kleinste.

»Nun sag doch schon, was er geantwortet hat«, forderte O'Loon den Sergeanten auf.

»Nein hat er gesagt«, antwortete Tonka Valuz. »Er hat gesagt, dass unser Dienst um sechs Uhr beginnt. Daher will er uns keine einzige Flasche Vurguzz genehmigen.«

Tonka Valuz ließ sich auf seinen Sitz sinken. Er machte einen sehr niedergeschlagenen Eindruck.

»Das neue Jahr beginnt nicht gut«, fand der kahlköpfige O'Loon. »Was sollen wir denn nun machen?«

Phil Aupon kämmte sich seine widerborstigen roten Haare durch und erhob sich dann. Erneut setzte er zu einer Rede an.

»Ich wollte es ja schon vorhin erklären«, sagte er. »Wenn der Urzeitgorilla nicht will und uns mit solchen Schikanen kommt, dann müssen wir uns eben selbst helfen. Diese Party gefällt mir sowieso nicht mehr. Warum verschwinden wir nicht?«

»Wohin denn, Phil?«, fragte Tonka Valuz. Auch seine Stimme ließ deutlich erkennen, dass der »Urzeitgorilla« im Grunde richtig entschieden hatte. Er vertrug wirklich keine hochprozentigen Getränke mehr.

»Auf eine andere Party?«, fragte O'Loon.

»Du hast keine Phantasie, Junge«, entgegnete Phil Aupon verweisend. »Hat Tonka nicht seine eigene Schnapsfabrik, eh?«

»Du meinst ... Mankai-kuon?«, sagte Tonka Valuz verblüfft. »Das ist nicht dein Ernst!«

»Warum denn nicht, Tonka? Ein Mann, der wirklich Durst hat, lässt sich von keinen Schwierigkeiten abhalten.«

»Mensch, Phil, Mankai-kuon ist im Zoo von Terrania City! Und der ist bekanntlich nachts geschlossen.«

»Na und?«

Mandry O'Loon begann zu kichern.

»Das ist doch kein Hindernis für das Lattentrio«, sagte er. »Ich bin dabei.«

Die drei Männer blickten sich an. Tonka Valuz begann zu lachen.

»Es war ohnehin ein bodenloser Leichtsinn, Mankai-kuon in den Zoo zu geben. Er gehört an Bord der AMARILLO.«

Tonka Valuz blickte sich um. Sie befanden sich in einer Nische eines sehr großen Raumes. Um ein Wasserbecken herum lagen und saßen die Gäste dieser Silvesterparty und lauschten einer raumfüllenden Musik, die die drei Männer in der Nische nicht hören konnten. Sie wurde mit Hilfe kleiner Gehörgangskristalle direkt auf die Trommelfelle der Männer und Frauen übertragen und vermittelten ihnen so ein optimales Musikerlebnis, dessen Schönheit sich niemand vorstellen konnte, der nicht selbst einen Kristall trug. Die drei Sergeanten gehörten zum Tross des Kommandanten der AMARILLO, Kanterdrahn Argo.

Der Major hatte die drei Männer als Begleitung mitgebracht, um sich von ihnen hin und wieder bedienen zu lassen. Da es auf dieser Party bis dahin genügend zu trinken gegeben hatte, hatte keiner der drei etwas dagegen einzuwenden gehabt. Jetzt aber hatte der Kommandant eine Entscheidung gefällt, die ihnen nicht behagte.

Tonka Valuz nickte. Die Aufmerksamkeit der anderen Gäste konzentrierte sich auf die Musik und die Synchronlichtspiele im Wasserbecken. Auch Kanterdrahn Argo achtete nicht auf sie. Ihm hätte Tonka Valuz niemals eine Neigung für musikalische Genüsse zugetraut. Er wäre weniger überrascht gewesen, wenn er den Kommandanten auf eine lärmerfüllte, wilde Party begleitet hätte. Der draufgängerische Mann, der den bezeichnenden Beinamen »Urzeitgorilla« trug, hätte ausgezeichnet in einen Kreis von Männern gepasst, die die Jahreswende ebenso derb wie trinkfest feierten.

»Also los. Wir verschwinden«, erklärte Tonka Valuz.

Die drei Männer erhoben sich und eilten auf unsicheren Füßen zum nächsten Ausgang. Kanterdrahn Argo merkte nichts. Valuz und seine beiden Freunde traten wenig später in die kühle Nacht hinaus. Die klare Luft traf sie wie ein Schlag, steigerte ihren Mut noch mehr und beseitigte die letzten Spuren von Kritikfähigkeit und Urteilsvermögen. Unmittelbar vor dem Haus wartete ein Gleitertaxi.

Sie erreichten den zoologischen Garten von Terrania City innerhalb von wenigen Minuten. Unschlüssig standen sie vor dem Haupteingang, der verschlossen war.

»Es gibt nur eine Möglichkeit«, sagte Tonka Valuz. »Wir müssen über die Mauer klettern.«

Die drei Männer suchten etwa zehn Minuten, bis sie eine Stelle fanden, an der sie die Mauer überwinden konnten. Tonka Valuz kletterte mit Hilfe seiner beiden Freunde als erster hinüber. Auf der Mauerkrone blieb er sitzen und half erst Phil Aupon und dann dem kahlköpfigen O'Loon hinauf. Er legte ihm die Hand auf den Kopf.

»Du solltest dir wenigstens einen Hut aufsetzen, Kleiner«, sagte er. »Deine Glatze spiegelt im Mondlicht wie ein Scheinwerfer.«

O'Loon gab ihm einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter. Valuz rutschte von der Mauer und stürzte zwischen einige Büsche. Dadurch wurde sein Fall gemindert. Er schimpfte, wartete jedoch nicht ab, bis die beiden anderen Männer ihm folgten, sondern entfernte sich von der Mauer.

Als Phil Aupon und Mandry O'Loon von der Mauer sprangen und ebenfalls durch die Büsche gingen, saß Tonka Valuz mitten auf einer freien Rasenfläche auf dem Boden. Er hatte sich eine Zigarette angesteckt und lehnte mit dem Rücken gegen einen gefleckten Säbelzahntiger, der ausgestreckt neben ihm lag.

Die beiden Männer stießen einen erschreckten Schrei aus.

»Bist du verrückt, Tonka?«, rief Phil Aupon stotternd. »Hau ab! Los doch!«

Tonka Valuz lachte. Er winkte ab. »Macht euch nicht in die Hosen«, antwortete er. »Das Biest ist doch ausgestopft. Oder glaubt ihr vielleicht, die Zooverwaltung würde einen echten Säbelzahntiger so dicht an der Außenmauer unterbringen?«

»Ach so«, meinte Mandry O'Loon. »Dann bin ich ja beruhigt.«

In diesem Moment begann der »ausgestopfte« Säbelzahntiger zu gähnen. Zugleich drang ein dumpfes Grollen aus seiner Kehle. Dabei erhob er sich. Diese noch recht sanfte Bewegung genügte. Tonka Valuz flog wie ein Ball quer durch das Freiluftgehege.

Roi Danton beobachtete die Bewegung des Lichtreflexes auf den Beobachtungsschirmen. Sie beunruhigten ihn jedoch nicht besonders. Er wusste, dass alle militärischen Stationen der Erde besetzt waren, obwohl mit einem Angriff aus dem Weltraum nicht zu rechnen war.

Imperium-Alpha, das Nervenzentrum des Solaren Imperiums, nahm kaum Notiz vom Anbruch des neuen Jahres. Das Flottenhauptquartier und Hauptrechenzentrum der Erde lauschte mit allen Sinnen in die Weite der Galaxis hinaus.

Roi Danton, der eine schlichte Uniform der Solaren Flotte trug, wollte sich gerade abwenden, als das Symbol Perry Rhodans auf einem der Bildschirme erschien.

»Ein Funkspruch vom Großadministrator, Sir«, sagte der Funker.

Die verschlüsselte Botschaft lief bereits ein und wurde auf einer Magnetkarte festgehalten. Der Funker gab die Aufzeichnung sofort in einen Entschlüsselungscomputer. Roi Danton wartete.

Er war nicht überrascht über die Sendung. Er hatte sie erwartet. Perry Rhodan befand sich an der Innenhaut des Schmiegeschirms. Aus vorhergehenden Mitteilungen war klar zu erkennen, dass innerhalb des Schwarms chaotische Zustände herrschten. Aber das hatte Imperium-Alpha längst auch festgestellt. Perry Rhodan hatte mit einer Flotte von fünftausend Raumschiffen das Sonnensystem verlassen. Ihm war es gelungen, sechs Reizimpulsstationen zu zerstören. Damit war das Chaos eingeleitet worden. Doch erst als die Flotte weitere acht Reizimpulsstationen vernichtet und ein Einsatzkommando den Planeten Stato, die Rechenzentrale im paraphysikalischen Statikzentrum des Schwarms, zerstört hatte, fiel eine Vorentscheidung. Von Stato aus waren alle Reizimpulsstationen gesteuert worden. Als Stato im Feuer der Arkon-Bomben vergangen war, hatte der Schwarm die Fähigkeit verloren, Transitionen auszuführen. Er konnte sich also nur noch mit halber Lichtgeschwindigkeit fortbewegen.

Solarmarschall Galbraith Deighton betrat die Ortungs- und Funkzentrale. Er kam sofort zu Roi Danton. Der Sohn Rhodans unterrichtete ihn über den Funkspruch.

»Wir werden gleich wissen, was mein verehrter Vater uns mitzuteilen hat«, sagte Danton. »Vermutlich geht es um die Ockergelben.«

Deighton nickte. Seine Blicke richteten sich auf die Ortungsschirme. Die überlichtschnelle Ortung ließ die panikartige Unruhe im Schwarm erkennen.

Als Stato zerstört worden war, hatten auch die Strukturschleusen des Schmiegeschirms versagt. Die schwerwiegendste Folge daraus war, dass die gebärfreudigen Gelben Eroberer jetzt keine Möglichkeit mehr hatten, den Schwarm zu verlassen und sich auf einem für sie vorbereiteten Planeten in der Galaxis zu teilen. Seitdem herrschte das Chaos im Schwarm.

Danton wies auf ein Hyperfunkgerät, dessen Aufzeichnungsspulen sich ständig drehten. »Auch die Kristallplaneten haben ihre hypnotische Ausstrahlung verstärkt.«

»Man muss die beunruhigten Völker im Schwarm niederhalten«, sagte Galbraith Deighton. Der hochgewachsene, dunkelhaarige Mann sprach mit ruhiger, gelassener Stimme. Er wandte sich halb um, als Staatsmarschall Reginald Bull in die Ortungszentrale kam.

Der entschlüsselte Funkspruch wurde ausgeworfen. Reginald Bull begriff sofort. Er nickte Danton und Deighton zu und wartete ab. Roi Danton nahm die Karte auf. Die drei Männer gingen in einen Konferenzraum, der sich der Zentrale anschloss. Reginald Bull strich sich über das kurzgeschorene, rote Haar. Er machte einen unzufriedenen Eindruck. Roi Danton lächelte. Er wusste, dass Bull auf einem Botschaftsempfang gewesen war und dort den Jahreswechsel gefeiert hatte. Niemand brauchte den Staatsmarschall zu fragen, wie der Abend verlaufen war. Sein Gesicht sprach Bände.

»Der Funkspruch bestätigt, was wir auch schon festgestellt haben«, sagte Roi Danton. »Im Schwarm ist die Hölle los. Von zahlreichen Planeten kommen pausenlos Not- und Alarmrufe. Die Kristallplaneten senden ihre Hypnostrahlung mit höchster Aktivität. Man versucht, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Dabei sieht es keineswegs so aus, als wüsste man, was zu tun ist.«

»Man will Zeit gewinnen«, bemerkte Galbraith Deighton.

»Ganz offensichtlich«, stimmte Roi Danton zu. »Die Götzen stehen vor einer völlig neuen Situation, mit der sie noch nicht fertig werden. Mein Vater teilt in dem Funkspruch mit, dass er sich jetzt langsam von den bisherigen Einsatzgebieten an der Innenhaut des Schmiegeschirmes zurückzieht. Überall wimmelt es von feindlichen Raumschiffen.«

Roi Danton setzte sich an den Konferenztisch, der mit zahlreichen elektronischen Hilfsgeräten versehen war. Von hier aus konnte er mit allen Spezialstationen von Imperium-Alpha Verbindung aufnehmen und sich direkt in die Beobachtungen und Ortungen einschalten.

»Interessant sind vor allem die Mitteilungen der Cynos«, fuhr Roi Danton fort. Er hatte die Karte in einen Schlitz geschoben. Der Funkspruch erschien im Klartext auf einem Leseschirm. »Die Mitglieder des heimlichen Imperiums haben endlich ein paar Informationen mehr abgegeben. Sie haben ausgesagt, dass sie mit ihren Schiffen den Schmiegeschirm nicht haben durchdringen können. Wichtiger noch – auch die Raumschiffe der Gelben Eroberer sind am Schmiegeschirm gescheitert.«

»Was ist passiert?«, fragte Reginald Bull drängend.

»Die Raumschiffe der Gelben Eroberer sind gegen den Schirm geprallt, und ein großer Teil der Flotte ist vernichtet worden. Nur wenige Einheiten konnten rechtzeitig abbremsen und umkehren.«

Reginald Bull pfiff leise durch die Zähne. »Dann bin ich gespannt, was die Gelben jetzt unternehmen werden«, sagte er. »Teilt Perry etwas darüber mit, wohin die Flotte jetzt fliegt?«

»Die Einheiten entfernen sich vom Schmiegeschirm. Dabei bewegen sie sich auf nahezu dem gleichen Kurs, auf dem sie angeflogen sind.«

Galbraith Deighton räusperte sich. Er hatte sich einen Becher Kaffee aus einem Automaten geholt und kehrte zum Konferenztisch zurück.

»Wir sollten diese Flotte nicht aus den Augen lassen«, schlug er vor. »Ich halte es für außerordentlich wichtig, herauszufinden, was die Gelben Eroberer jetzt unternehmen. Sie befinden sich in einer ungewöhnlichen Situation.«

Roi Danton tippte eine Frage in die Tastatur eines Gerätes, das ihn mit den großen Informationsspeichern von Imperium-Alpha verband.

»Wenn wir von den bisherigen Erfahrungen ausgehen«, sagte Reginald Bull, der sich jetzt ebenfalls einen Kaffee holte, »dann müssen die Gelben Eroberer sich beeilen. Sie sind bisher jedes Mal auf direktem Weg zu einem für sie vorbereiteten Planeten geflogen, um sich dort zu teilen. Ich habe den Eindruck, dass sie dabei keine Zeit verschenkt haben, sondern jeweils sehr schnell und zügig gehandelt haben.«

Roi Danton blickte auf den Bildschirm vor sich. Darauf erschien die Psychoauswertung der großen Rechenanlagen und Speicherbänke des Hauptrechenzentrums des Solaren Imperiums.

»Die Antwort, die ich hier erhalten habe, ist nur sehr kurz«, sagte Danton. »Die Psychoauswertung besagt, dass die Gelben Eroberer nach den bisherigen Erfahrungen sofort gebären müssen. Der Gebärvorgang lässt sich offenbar nicht mehr aufschieben.«

»Dann ergibt sich eine interessante Frage«, erklärte der Staatsmarschall. »Wie verhalten sich Wesen, die bisher ungeheure Anstrengungen unternommen haben, um außerhalb des Schwarms zu gebären, wenn sie das vorbereitete Gebiet jetzt nicht erreichen können?«

Roi Danton nickte. Galbraith Deighton trank seinen Kaffee aus.

»Ich bin der Ansicht, dass sich für die Gelben Eroberer eine Tragödie abzeichnet«, sagte er. »Sie befinden sich in einer einmaligen Konfliktsituation.«

»Vermutlich ist es so«, stimmte Reginald Bull zu.

»Das muss sich erst noch zeigen«, sagte Danton. »Meines Erachtens kommt es jetzt darauf an, wie die Götzen reagieren. Bis jetzt haben die Gelben Eroberer alles getan, um außerhalb des Schwarms zu gebären. Das muss einen Grund haben. Jetzt wird sich vielleicht zeigen, wie schwerwiegend dieser Grund ist.«

»Wir müssen wissen, wie die Gelben Eroberer sich verhalten«, erklärte Galbraith Deighton. »Wir sollten sie aus nächster Nähe beobachten. Nur dann werden wir – vielleicht – eine ausreichende Antwort auf unsere Fragen bekommen.«

»Genau das habe ich vor«, sagte Roi Danton lächelnd. »Ich werde ein Spezialkommando zusammenstellen und auf die Spur der Gelben Eroberer ansetzen.«

»Bestell dem Kommandanten meine besten Grüße zum Neuen Jahr. Er wird sich über diesen Auftrag freuen.«

»Kommandant des Einsatzkommandos bin ich. Dank für die Wünsche. Kommandant des Verfolgungsschiffes ist ein Mann, der sich schon seit Tagen für Spezialaufträge angeboten hat, weil er es auf der Erde nicht mehr aushält. Er hat keinen Sinn für solche Grüße.«

»Komische Nudel«, bemerkte Reginald Bull und gähnte. »Wer ist das? Kenne ich ihn?«

2.

»Höret, ihr Söhne und Töchter aus erhabenem Geschlecht. Geburt ist die Stunde der Schande und der Sünde. Antaranara ist der Gott der Liebe und der Rache, der Gott des Feuers und des Wassers. Er ist der Herr über Leben und Tod. Er liebt den Gehorsam und verachtet das Böse. Niemand entgeht seinem allgegenwärtigen Auge. Er sieht eure Wohltaten und eure Sünden. Ihm bleibt nichts verborgen. So wisset, ihr Kinder unter den roten Dächern, dass die Sprache Antaranaras das Echo eurer Taten ist.«

Kahana – 38. Mira

»Begreifst du, was du gelesen hast, Aria?«, fragte Boda Bodamore seinen Diener. Die Windheule segelte jetzt gemächlich auf das Tubboddorf in der Flussschleife zu. Sie glitt über sorgfältig bestellte Felder und Äcker hinweg. Bis jetzt hatte niemand von dem seltsamen Paar auf dem Fahrzeug Notiz genommen.

»Wenn ich ehrlich sein soll, Herr, dann muss ich zugeben, dass ich nicht alles verstanden habe.«

Der Weise seufzte. »Das habe ich befürchtet, Aria«, sagte er. »Hast du Leibschmerzen?«

»Ja, ein wenig. Vor Hunger, Herr.«

»Bist du sicher? Sind es auch keine Wehen, Aria?«

»Herr – ich bin ein Mann«, entgegnete der Diener empört.

»Bist du sicher?«

»Ganz sicher, edler Herr.«

»Dann ist alles in Ordnung.«

Arialeinen schnaufte. Allmählich ging ihm auf, was sein Herr ihn gefragt hatte. Zugleich erfasste er auch den Sinn dessen, was er vorgelesen hatte.

»Komische Welt«, sagte er. »Ich kenne Länder auf dieser Welt, in denen jener Vorgang, der später einmal zu einer Geburt führen kann, als Sünde angesehen wird. Es fällt mir schwer, das zu verstehen. Ganz und gar unbegreiflich jedoch ist es mir, dass jemand die Geburt als noch größere Sünde bezeichnen kann.«

Boda Bodamore antwortete darauf nichts. Er konnte seinem Diener gegenüber nicht gut zugeben, dass auch er den Sinn dieser Kahana-Worte nicht begriff. So war er froh, dass plötzlich drei Tubbods zwischen einigen mit blauen Blüten besetzten Büschen hervortraten und ihnen neugierig entgegenblickten.

Unmittelbar hinter den Buschreihen lag das Dorf. Es bestand aus etwa zweihundert Hütten, die aus roh behauenen Baumstämmen errichtet waren. Auf den Dächern erhob sich jeweils eine mannshohe Blütenkapsel, die einen leuchtendroten Blütenschirm trug. Aus einigen dieser Kapseln lugten die Köpfe der Tubbodkinder hervor.

Boda Bodamore gab seinem Diener einen Wink. Arialeinen ließ das Segel erschlaffen. Die Windheule fiel auf den Boden zurück, rutschte noch einige Meter weiter und blieb dann liegen.

»Mein Herr lässt euch grüßen!«, rief Arialeinen. »Möge die Gnade Antaranaras bei euch sein und der Schirm des Lebens euch beschatten.«

Einer der drei Tubbods trat dicht an die Windheule heran. Er musterte Bodamore mit scheuen Blicken. Der Weise blickte reglos in die Weite. Für ihn schien weder das Dorf, das Götzenbild noch ein Tubbod zu existieren.

Der Tubbod trug in jedem seiner beiden Ohren leuchtende Perlen. Ein von den Schultern bis auf den Boden herabfallendes Gewand bekleidete ihn. Nur die grünlichen Organbeutel an den Hüften blieben unbedeckt.

»Ich bin Saman, der Priester«, sagte der Mann. »Bist du der Diener eines Weisen?«

»Siehst du es nicht selbst?«, fragte Arialeinen hochmütig. »Betrachte nur die Ohren meines Herrn Bodamore. Sie tragen die roten Blasen der Weisheit. In diesen schweren Tagen gibt es nur einen Mann auf diesem Planeten, der dieses Zeichen trägt.«

Der Priester stieß einem der anderen Tubbods die Faust in die Seite.

»Schnell!«, befahl er. »Gib das Zeichen der Weisen!«

Der Mann eilte davon. Boda Bodamore sah ihn in einer der Hütten verschwinden. Wenig später erschien er auf dem Dach. Er hielt ein armlanges Holzrohr in den Händen. Erregt schob er es in eine Öffnung der Blütenkapsel, die auf der Hütte wuchs. Dann blies er mit aller Kraft in das Rohr. Ein dumpfer Laut ertönte, der rasch heller und lauter wurde. Die Kapsel begann zu schwingen. Immer kräftiger und durchdringender wurde der Ton, bis er das ganze Tal erfüllte.

Von allen Seiten kamen Männer und Frauen auf die Windheule zu. Sieben Kinder sprangen von den Hüttendächern herab und näherten sich neugierig dem Weisen.

»Herr«, flüsterte Arialeinen. »Vergiss nicht, dass ich Hunger habe. Bitte, lass deine Weisheiten noch ein wenig schlummern.«

»Die Stunde ist wichtig, Arialeinen«, antwortete Bodamore.

»Sieh, die Leute sind doch so nett. Es würde sie sicherlich kränken, wenn du ihre Gehirne allzusehr strapazierst, bevor wir anständig gegessen haben.«

Boda Bodamore blickte zu dem Götzenbild hinauf, welches das Tal überragte. Am Kopf des mächtigen Standbildes schimmerten zwei riesige Augen. Dem Weisen schien es, als schauten sie ihn voller Zorn an.

Tonka Valuz lag bäuchlings auf dem Boden. Als er den Kopf hob, sah er zwei faustgroße, grüne Augen, aus denen ihm nackte Mordlust entgegenfunkelte. Er hörte die Schreie seiner beiden Freunde, sprang auf und rannte auf die Außenbegrenzung des Freigeheges zu.

Der Säbelzahntiger machte eine lässige Bewegung und versperrte ihm den Weg.

»Freunde«, äußerte der Sergeant. »Eigentlich müsste ich doch jetzt schlagartig nüchtern werden, aber davon spüre ich nichts. Kann denn so etwas angehen?«

Das Raubtier bleckte die Zähne. Phil Aupon und Mandry O'Loon hatten den Wassergraben überwunden, die begrenzende Felswand erklommen und befanden sich jetzt jenseits der Publikumsbarriere. Sie warfen mit kleinen Steinen nach der Bestie.

»Stell dir mal vor, Tonka«, schrie O'Loon, »dieser Tiger kommt von Kamikilla III! Wie findest du das?«

Tonka Valuz interessierte diese Nachricht wenig. Abermals versuchte er zu fliehen. Er sah, dass der Säbelzahntiger durch die Steine abgelenkt wurde. Er rannte auf ihn zu, sprang mit einem Satz über ihn hinweg und landete kopfüber im Wassergraben. Blitzschnell erreichte er die Felswand, in die Eisenstreben eingelassen worden waren. Für die Bestie bot die Wand ein unüberwindliches Hindernis. Valuz konnte sich retten. Der Tiger setzte ihm nach und versuchte, ihn mit den Pranken zu erreichen, hatte jedoch keinen Erfolg damit.

Tonka Valuz stieg bewusst lässig über die Barriere. »Das war mein erstes Bad in diesem Jahr«, sagte er. »Noch ein klein wenig kühl, findet ihr nicht auch?«

Mandry O'Loon blickte ihn sprachlos an. Phil Aupon tippte ihm aufgeregt gegen die Schulter.

»Während du dich hier mit einem Kätzchen amüsiert hast, habe ich mich umgesehen, Tonka«, sagte er. »Mankai-kuon ist da drüben. Er hat dich schon bemerkt.«

Tonka Valuz wurde sofort aufmerksam. Zusammen mit seinen beiden Freunden lief er über den Kiesweg. Die drei Männer kümmerten sich nicht um den gelben Wega-Affen, der seine langen Arme über den Weg zu legen versuchte, um sie zu Fall zu bringen. Sie sprangen einfach über die Arme hinweg. In einem mattleuchtenden Energiekäfig schlief ein Falta-Tiger, eine achtbeinige Bestie mit rotblauem, zottigem Fell. Er öffnete ein Auge und beobachtete die Eindringlinge, als sie vor dem Prallfeldgehege des Mankai stehenblieben.

Mankai-kuon winselte leise. Das zwölfbeinige Tier strich aufgeregt an den Innenbegrenzungen seines Käfigs hin und her. Sein weißes Fell schien von innen heraus zu leuchten. Zornig schlug der buschige Schweif auf den Boden.

»Es wird schon hell. Wir brauchen nicht mehr lange zu warten, bis der Zoo aufmacht«, sagte Phil Aupon.

»So lange warte ich nicht«, entgegnete Valuz. »Ich habe jetzt Durst.«

Er ging zu einem Schaltkasten und öffnete ihn mit seinem Vibratormesser. Mit einem Fingerdruck schaltete er das Prallfeld aus. Mankai-kuon stürzte sich auf ihn und warf ihn zu Boden. Freudig jaulend leckte er ihm das Gesicht ab. Im Zoo gingen die Lampen an. In der Nähe heulte eine Sirene auf. Aupon und O'Loon befreiten Valuz, indem sie den Mankai von ihm wegzerrten. Dann rannten die drei Sergeanten auf die Umgrenzungsmauer zu und schwangen sich hinüber. Der Mankai folgte ihnen mit spielerischer Leichtigkeit.

Als im Tiergarten die Suchaktion der Wachroboter begann, saßen die drei Männer schon in einem Taxigleiter und flogen zum Raumhafen. Tonka Valuz fütterte seinen Mankai mit Würfelzucker. Die beiden anderen Männer beobachteten ihn interessiert.

Sie waren mittlerweile schon fast nüchtern geworden, aber noch nicht ganz.

So hatten sie keine Bedenken, Mankai-kuon wenig später einen Becher unter das spitze Maul zu drücken. Aus zwei Drüsen unterhalb der Lippen quoll eine blaue Flüssigkeit, die einen intensiven Geruch verbreitete.

Tonka Valuz leckte sich die Lippen. »Mir gehört der erste Schluck«, sagte er.

»Wieviel Prozent hat eigentlich dein Mankai-Spezial-blau?«, fragte Phil Aupon.

»Wenn Mankai-kuon lange keinen Zucker gehabt hat, so wie in der letzten Zeit, dann erreicht er 68 Prozent«, antwortete Valuz lächelnd.

»Das reicht«, sagte Mandry O'Loon.

Auf der AMARILLO heulten die Bereitschaftssirenen auf.

Kanterdrahn Argo kehrte in einem Spezialgleiter zu dem Schweren Kreuzer zurück. Er hatte keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen, da Roi Danton ihm schon vor vierundzwanzig Stunden angedeutet hatte, dass die AMARILLO zum Einsatz kommen könnte. Major Argo fand, dass er jetzt schon viel zu lange auf der Erde gewesen war. Ihn zog es in die Weite der Galaxis hinaus. Er hatte alles gemieden, was seine Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen konnte. Ihm fehlte jetzt lediglich ein bisschen Schlaf.

Die Sonne ging über Terrania City auf. Das kugelförmige Raumschiff strahlte im ersten Licht des neuen Tages wie ein geschliffener Stein. Der Schwere Kreuzer, der einen Durchmesser von 200 Metern hatte, stand am Rand des Landefeldes. Kanterdrahn Argo beobachtete, dass zahlreiche Gleiter aus Terrania City auf das Schiff zustrebten. Mannschaften und Offiziere kehrten aus der Stadt zurück. Da alle Besatzungsmitglieder ständig Kleinstfunkgeräte bei sich trugen, war es kein Problem gewesen, sie zu verständigen und zur AMARILLO zurückzurufen.

Der Spezialgleiter setzte vor der Bodenschleuse des Schweren Kreuzers auf. Kanterdrahn Argo stieg aus und ging mit schnellen Schritten auf die Schleuse zu, vor der zwei Wachen Dienst versahen. Die beiden Männer grüßten.

Hinter ihm betraten mehrere Männer und Frauen das Schiff. Die etwas zu laute Fröhlichkeit einiger Männer ließ erkennen, dass sie von Neujahrsfeiern kamen.

Unter diesen Männern bemerkte Kanterdrahn Argo auch Sergeant Tonka Valuz. Er fiel ihm auf, weil er einen ziemlich unsicheren Gang hatte. Der Major beachtete ihn jedoch nicht weiter, sondern ging an den Wachen vorbei ins Schiff.

Tonka Valuz atmete auf. Er hielt sich vorsichtig zurück, bis das Gedränge vor der Schleuse etwas dichter wurde. Mankai-kuon klammerte sich an seinen Rücken. Valuz wusste, dass die Wachen ihn auf gar keinen Fall passieren lassen würden, wenn sie den Mankai entdeckten. So drängte er sich zwischen seinen beiden Freunden und einigen anderen Besatzungsmitgliedern durch die Schleuse. Er machte sich so klein wie möglich. Da er allen, die ihm behilflich waren, Mankai-kuon ins Schiff zu schmuggeln, ein Glas Mankai-Spezial-blau versprochen hatte, gelang es ihm, das Tier an den Wachen vorbeizubringen.

Jetzt dachte er noch nicht daran, dass sein Dienst in zwei Stunden begann. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, sein Versprechen zu erfüllen, nachdem er die Kabine erreicht hatte, die er mit Phil Aupon und Mandry O'Loon teilte.

Das »Lattentrio« setzte die unterbrochene Party an Bord der AMARILLO fort. Tonka Valuz musste die volle Kapazität seines exotischen Freundes ausnutzen. Mankai-kuon schwitzte, nachdem er mit genügend Zucker gefüttert worden war, in der Minute sechs Zentiliter Mankai-Spezial-blau aus. Diese Leistung konnte er nach einer jeweiligen Erholungspause von zwei Minuten noch zwölfmal wiederholen.

Fünf Minuten vor sechs Uhr, also unmittelbar vor Dienstbeginn für Tonka Valuz, erschien der stellvertretende Kommandant, Leutnant Arion Welchenau, zusammen mit dem Deckoffizier auf Deck drei.

Tonka Valuz war plötzlich ganz allein mit seinen Freunden O'Loon und Aupon in der Kabine. Alle anderen Gäste hatten sich blitzschnell zurückgezogen. In der Tür stand Leutnant Welchenau und blickte den Mankai an.

»Sie wissen, dass wir für derartige Scherze kein Verständnis haben, Valuz«, sagte er kalt. »Bringen Sie das Tier von Bord, aber sofort! Sie werden sich für Ihr Verhalten zu verantworten haben.«

Mankai-kuon musterte den Leutnant mit klugen Augen. Er leckte sich die Lippen und versuchte, noch einen Mankai-Spezial-blau auszuschwitzen, aber das gelang ihm nicht. Als Tonka Valuz mit unsicherer Hand nach ihm greifen wollte, sprang er zum Schutzgitter des Luftschachtes, zerbiss die Metallstreben und verschwand in der Öffnung, bevor Valuz oder der Leutnant es verhindern konnten. Der Offizier war plötzlich noch ruhiger. Seine Stimme klang dafür um so bedrohlicher.

»Glauben Sie mir, Valuz«, sagte er. »Sie werden es noch bereuen, dass Sie das getan haben. Sorgen Sie dafür, dass dieses Biest noch vor dem Start von Bord kommt. Schaffen Sie es nicht, dann ...«

Er ließ offen, was dann geschehen würde, aber das konnte der Sergeant sich auch so denken. Jetzt wurde er plötzlich nüchtern, und er begriff, dass er einen schweren Fehler begangen hatte. Leutnant Welchenau ging. Tonka Valuz versuchte, Mankai-kuon aus dem Luftschacht hervorzulocken, aber das Tier reagierte nicht.

»Der kommt bestimmt nicht wieder heraus«, sagte Mandry O'Loon. »Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass er sich noch einmal in den Zoo stecken lässt.«

»Das ist Ihr Problem«, erklärte Kanterdrahn Argo kühl. »Sorgen Sie dafür, dass dieses Tier aus dem Schiff verschwindet, bevor wir starten.« Der Major blickte auf sein Chronometer. »Sie haben noch 30 Minuten Zeit.«

»Ich fürchte, in dieser kurzen Zeit ...«, entgegnete Leutnant Arion Welchenau. Bevor er seinen Satz beenden konnte, wandte sich der Kommandant ab.

Roi Danton, der Sohn und Stellvertreter Perry Rhodans, betrat die Hauptleitzentrale der AMARILLO. Argo ging sofort zu ihm und begrüßte ihn an Bord. Danton lächelte.

»Ich habe den Eindruck, für einige Ihrer Leute beginnt das neue Jahr ein wenig ernüchternd. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes«, sagte er.

»Der Bordarzt ist unterrichtet, Sir«, erwiderte der Major. »Er wird dafür sorgen, dass auch jene Männer, die jetzt noch keinen Dienst haben, so schnell wie möglich fit gemacht werden.«

Roi Danton blickte sich um.

»Das Schiff ist auf allen Posten voll besetzt«, erklärte Argo ruhig. »Wir sind absolut einsatzfähig.«

Danton reichte ihm eine schmale Mappe. »Das sind die Kursdaten«, sagte er. »Sie stützen sich auf die Angaben der Cynos und die Berichte des Großadministrators. Die Flotte der Gelben Eroberer ist bereits sieben Lichtjahre vom Schmiegeschirm entfernt. Sie bewegt sich jetzt mit Unterlichtgeschwindigkeit. Die Entfernung von der Erde beträgt etwa einunddreißig Lichtjahre.«

Kanterdrahn Argo nahm die Mappe entgegen und reichte sie an den Ersten Offizier weiter. Arion Welchenau fütterte die Schiffspositronik mit den Angaben. Während einer kurzen Pause, in der die Startvorbereitungen weiterliefen, nahm er Verbindung mit dem Deckoffizier von Deck drei auf. Er wurde enttäuscht. Mankai-kuon hatte sich bis jetzt allen Nachforschungen entzogen.

Der Offizier konnte nicht einmal angeben, wo das Tier sich jetzt augenblicklich befand.

»Sergeant Valuz meint, wir hätten keine Chance, das Tier noch vor dem Start zu finden, Sir«, sagte der Deckoffizier. »Er meint, sein Mankai-kuon sei viel zu intelligent, um sich jetzt noch sehen zu lassen. Wir haben inzwischen auch Reinigungsroboter eingesetzt, aber ohne Erfolg. Das Tier scheint tatsächlich über eine beträchtliche Intelligenz zu verfügen.«

»Brechen Sie die Suche ab«, ordnete Welchenau entschlossen an. »Wir haben jetzt keine Zeit mehr für derartige Dinge.«

Er schaltete ab und überlegte, wie er seinem Kommandanten beibringen konnte, dass der blinde Passagier sich nicht hatte fangen lassen. Der Leutnant kannte Argo zur Genüge. Er wusste, dass der »Urzeitgorilla« sehr unfreundlich reagieren konnte.

Der Lademeister von Deck vier meldete sich und teilte mit, dass die letzten Ersatzteile an Bord genommen worden waren. Wenig später erklärte auch der Lademeister für Deck zwei die Materialverladung für abgeschlossen. Die AMARILLO war startbereit.

Roi Danton wechselte in die Funkzentrale hinüber. Welchenau sah, dass er noch einmal Verbindung mit Staatsmarschall Reginald Bull aufnahm. Kanterdrahn Argo gab das Startkommando. Die AMARILLO hob langsam ab. Der Raumhafen von Terrania City schien unter ihnen zu versinken. Auf dem großen Panoramabildschirm erschien schon wenig später die ostasiatische Küste, deren Verlauf durch strahlend helle Lichterketten gekennzeichnet war.

Welchenau blickte auf das Bordchronometer. Es zeigte 10.32 Uhr am 1. Januar 3443 an.

Die AMARILLO beschleunigte immer stärker, sobald sie die Lufthülle der Erde durchstoßen hatte, und raste dann in den Raum hinaus. Eine halbe Stunde später durchflog der Schwere Kreuzer eine der Strukturschleusen des systemumspannenden Paratronschutzschirmes. Er konnte sich vom Solsystem entfernen, ohne von den außerhalb des Schutzschirmes lauernden Wachraumschiffen des Schwarms entdeckt zu werden.

Der Linearflug in Richtung des Schwarmkopfes begann.

2. Januar 3443.

Major Kanterdrahn Argo schaltete den Interkom ein und drückte die bereits vorprogrammierte Ruftaste. Roi Danton meldete sich schon nach Sekunden.

»Was gibt's?«, fragte er.

»Wir haben sie gefunden, Sir.«

»Ich komme.«

Wiederum vergingen nur Sekunden, bis Danton in der Hauptzentrale der AMARILLO erschien. Er hatte drei Stunden geschlafen und machte jetzt einen erfrischten Eindruck. Der Kommandant deutete auf den Panoramaschirm der Zentrale, auf dem zahlreiche, helle Punkte zu erkennen waren.

»Die vom Großadministrator übermittelten Kursdaten waren richtig«, sagte Argo. »Die Flotte ist noch nicht entscheidend weitergekommen.«

Danton nickte. Einer der Adjutanten reichte ihm einen Becher Kaffee.

»Wie viele Schiffe sind es?«

»Wir haben 1473 ausgezählt«, antwortete Argo. »Entfernung etwa eine Lichtstunde. Einige Raumschiffe der Schwarminstallateure befinden sich in der Nähe der Flotte.«

Danton ging zu einem der kleineren Bild- und Ortungsschirme, auf denen die Flotte der Gelben Eroberer ebenfalls zu sehen war. Mit einem Befehl veränderte er den Bildausschnitt, zugleich wurden die Lichtpunkte erheblich größer, so dass die Wabenform der einzelnen Raumschiffe zu erkennen war.

»In jedem Wabenschiff werden etwa zwei Millionen Ockergelbe befördert. Diese Restflotte hat also immerhin noch fast drei Milliarden Gelbe Eroberer an Bord«, erklärte Major Argo.

»Die alle gebären müssen.«

»Wir fangen pausenlos Funksprüche auf, die zwischen den Gelben Eroberern und den Schwarminstallateuren hin und her gehen.«

Roi Danton war keineswegs überrascht. »Die Gelben Eroberer wollen vermutlich eine für sie geeignete Welt im Schwarm haben.«

»Sie scheinen völlig verzweifelt zu sein, Sir«, entgegnete Major Argo. »Sie flehen die Schwarminstallateure förmlich an, auf einer Welt innerhalb des Schwarms die für sie notwendigen Bedingungen herzustellen, aber bis jetzt haben sich die Schwarminstallateure noch nicht entschieden.«

Der Kommandant blickte auf, als der Erste Offizier an sie herantrat und ihnen mehrere Bögen übergab.

»Die Funksprüche, Sir«, sagte Welchenau. »Jetzt haben die Schwarminstallateure auch geantwortet. Sie lehnen ab.«

»Ohne sich mit den Götzen beraten zu haben?«, fragte Danton.

»Sie haben einige Funksprüche mit den Beherrschern des Schwarms gewechselt. Wir konnten sie nicht vollständig empfangen, aber aus den Bruchteilen ist klar zu erkennen, dass die Götzen den Gelben Eroberern strikt verbieten, auf einem Planeten im Schwarm zu gebären.«

Roi Danton blickte wieder zum Panoramaschirm. Die Flotte der Gelben Eroberer stand am Rand eines kleinen Sonnensystems, das aus einer gelben Sonne mit drei Planeten bestand. Planten die Ockergelben, auf einem dieser drei Welten zu landen und zu gebären?

Auf den Bildschirmen erschienen erneut Funksprüche, die von der Funkzentrale herübergespielt wurden, um die Offiziere der AMARILLO und Roi Danton sofort zu informieren. Obwohl mittlerweile alle Männer in der Hauptzentrale das Interkarties beherrschten, das als Hauptsprache im Schwarm benutzt wurde, waren die Sendungen bereits übersetzt worden.

»Niemand spricht von dem größten Teil der Flotte, der am Schmiegeschirm zerschellt ist«, sagte Argo. »Die Gelben Eroberer werden bald auf eigene Faust handeln, wenn die Schwarminstallateure ihnen nicht helfen.«

»Das können sie nicht«, entgegnete Danton. »Zumindest wäre es wenig sinnvoll, wenn sie auf einer nicht vorbereiteten Welt landen und gebären würden. Ich bezweifle, dass sie dann überleben würden.«

»Was sollen sie sonst tun?«, fragte der Kommandant.

»Ich weiß es auch nicht«, antwortete Danton. »Sollte die Frage nicht eigentlich lauten: Was werden die Götzen tun? Die Ockergelben sind äußerst wichtig für sie. Sie brauchen sie, um selbst leben zu können. Deshalb frage ich mich, ob sie die Gelben mit ihrem Problem allein lassen oder nicht. Bisher hat man alles nur mögliche getan, damit die Gelben außerhalb des Schwarms gebären konnten. Das muss einen gravierenden Grund haben. Man will nicht, dass die Gelben innerhalb des Schwarms gebären. Ist der Grund dafür aber so bedeutend, dass man die Gelben notfalls dafür opfert?«

»Das ist schwer vorstellbar«, sagte Kanterdrahn Argo. Er kreuzte die muskulösen Arme vor der Brust. Der Kommandant der AMARILLO war ein Offizier mit sehr großer Raumerfahrung. Er war schon sehr häufig mit der fremdartigen Mentalität anderer Völker konfrontiert worden. Auch das war ein Grund dafür gewesen, dass Roi Danton sich entschlossen hatte, mit der AMARILLO zu fliegen. Argo schien jetzt jedoch ratlos zu sein.

»Ich nehme an, dass die Götzen ebenfalls fieberhaft nach einem Ausweg für die Gelben Eroberer suchen. Wenn sie jetzt schweigen oder die Bitten der Ockergelben abschlägig bescheiden, dann vermutlich nur deshalb, weil sie nicht offen zugeben wollen, dass sie vorerst keine Lösung für dieses Problem haben.«

»Sie glauben also, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann die Götzen helfen?«

»Ja.«

Roi Danton schüttelte nachdenklich den Kopf. »Was sagt die kosmopsychologische Auswertung der Positronik?«

»Sie erteilt keine klare Antwort«, erwiderte Argo. »Da bis jetzt noch nicht geklärt ist, weshalb die Gelben Eroberer bisher immer grundsätzlich außerhalb des Schwarms gebären mussten, fehlt eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine ausreichend sichere Prognose.«

»Das habe ich befürchtet.« Er blickte den Major an. »Können Sie sich vorstellen, dass die Gelben Eroberer den Götzen den Gehorsam verweigern?«

»Eigentlich nicht, Sir, obwohl die Lage für die Ockergelben jetzt tatsächlich verzweifelt zu sein scheint. Die Gelben Eroberer sind im Grunde äußerst friedlich. Eine Gewaltlösung entspräche nicht ihrer Mentalität.«

»Das ist richtig«, sagte Danton. »Dennoch glaube ich, dass sie bald handeln werden, weil sie nicht anders können. Ich vermute, sie werden über einen der drei Planeten herfallen und dort gebären.«

»In Frage käme nur der dritte Planet, eine Sauerstoffwelt.«

3.

»Höret, ihr Söhne und Töchter der blauen Welt, niemand ist mächtiger als Antaranara. Er ist der Herr der Welt, und die Feuerboten sind sein Schwert. Suchet das Heil in ihm und unterwerfet euch ihm in Demut. Gestehet ihm eure Sünden. Er wird euch von dem Übel erlösen.«

Kahana – 41. Mira

Arialeinen ließ das Buch sinken und blickte in die Runde.

Zusammen mit seinem Herrn saß der Diener im größten Haus des Dorfes. Wie erhofft, hatte der Priester Saman sie zu einem Begrüßungsessen eingeladen. Mit leuchtenden Augen betrachtete Arialeinen die zahlreichen Speisen, die in der Mitte des Raumes zusammengestellt worden waren. Sein Magen knurrte vernehmlich.

»Das sind die Worte des Herrn Antaranara«, sagte der Priester in singendem Tonfall, der die Bedeutung seiner Feststellung unterstreichen sollte. »Sei willkommen in Auf'a'han, dem Tal des Götzen.«

Boda Bodamore richtete sich ein wenig auf. Er fühlte, wie sein Diener unruhig wurde. Arialeinen bebte vor Angst, weil er fürchtete, im letzten Augenblick um das Essen gebracht zu werden. Er wagte es jedoch nicht, jetzt noch eine Mahnung auszusprechen.

»Ihr seid das begnadete Volk«, erklärte der Weise, »denn euch ist es erlaubt, im Schatten Antaranaras zu leben. Ein glückliches, aber auch ein schweres Los hat euch getroffen, denn niemand ist ganz ohne Sünde.«

Saman, der Priester, richtete sich ruckartig auf. Mit offenem Mund blickte er Boda Bodamore an. In seinen Augen spiegelte sich deutlich Panik wider. Seine Hände begannen zu zittern. Arialeinen stöhnte.

»Du kennst unsere Probleme, obwohl du noch niemals hier gewesen bist, weiser Mann«, sagte der Priester. »Du hast recht, bei allem Glück, das uns widerfahren ist, ist es nicht leicht, unter den Augen des Großen zu leben.«

Der Magen des Dieners knurrte so laut, dass alle Tubbods im Raum es hören konnten. Saman senkte den Kopf. Seine Lippen zuckten. Die Angst schien verflogen zu sein. Ronkon, der Tubbod, der sich als Herr der Auf'a'han vorgestellt hatte, klatschte in die Hände.

»Der Ruf war deutlich, weiser Mann«, erklärte er. »Wenn der Leib seine Stimme erhebt, dann mag der Mund schweigen.«

Jetzt fürchtete Arialeinen erst recht um seinen Lohn. Er wusste, wie sehr Boda Bodamore die Wahrheit liebte, und er ahnte, dass sein Herr den Irrtum aufklären würde.

Unruhig rutschte er auf den Schultern des Weisen hin und her. Als Bodamore zu einer Antwort ansetzte, presste er ihm schnell die Schenkel gegen den Hals, so dass er kaum noch Luft bekam. Jetzt begriff der Weise. Er beugte sich vor und nahm eine der vielen Schalen auf. Arialeinen seufzte erleichtert. Sofort verringerte sich der Druck seiner Schenkel wieder. Er nahm die Schale entgegen und begann gierig zu essen.

Dabei beobachtete er die anderen Männer der Runde. Er grunzte laut und zufrieden, als er sah, dass sie nicht weniger kräftig zulangten. Nur Bodamore verzehrte den Fisch, den er aufgenommen hatte, langsam und ruhig.

Arialeinen begann sich wohl zu fühlen. Er rülpste laut und bat seinen Herrn um eine weitere Schüssel. Dabei wischte er sich seine Finger an den schlaff herabhängenden Ohren Bodamores ab.

Der Weise stellte seine Schale mit dem Fisch zurück und sagte: »Aria, gib mir etwas von den Früchten.«

Der Diener stieg von den Schultern Bodamores, eilte um die runde Tafel herum, nahm eine Obstschale auf und kehrte zu seinem Herrn zurück. Geschickt schwang er sich ihm wieder auf die Schultern und reichte ihm die Früchte. Zu seinem Ärger verlangte der Weise, bedient zu werden. So konnte er selbst nur ab und zu einen Bissen zu sich nehmen und stopfte Bodamore nach und nach alle Früchte in den Mund. Er ließ sich die Kerne in die Hand spucken und legte sie in die Schale zurück.

Plötzlich entstand Lärm vor der Hütte, die durch mehrere Öllampen erhellt wurde. Saman, der Priester, und Ronkon, der Verwalter, wurden unruhig. Ängstlich blickten sie den Weisen an.

»Was gibt es?«, fragte Bodamore.

Er hörte mehrere klatschende Schläge. Dann fiel etwas Schweres zu Boden. Vereinzelte Schreie ertönten.

»Herr, nichts Wichtiges«, entgegnete Saman mit stockender Stimme. »Kinder, die gezüchtigt werden müssen, vermute ich.«

Doch jetzt teilte sich der Vorhang, und eine Frau trat ein. Sie hatte sich in weite Gewänder gehüllt, die aus grob geflochtenen Bändern bestanden. Obwohl die Tücher weit herabfielen, war ihr Zustand deutlich zu erkennen.

Saman erhob sich. Er suchte vergeblich nach Worten.

»Ich werde nicht zu Antaranara gehen«, schrie die Frau. »Ich will mein Kind hier bekommen.«

Sie sah verzweifelt und zugleich sehr entschlossen aus.

Saman machte beschwörende Gesten.

Ronkon sprang auf und stieß die Frau wütend zurück. Sie prallte rücklings gegen die Wand, stürzte jedoch nicht. Sie wollte nach Ronkon schlagen, als zwei mit Lanzen bewaffnete Tubbods durch den Eingang kamen. Sie sahen die Frau, als es schon zu spät war.

Boda Bodamore schrie noch eine Warnung, aber auch sie kam nicht mehr rechtzeitig. Eine der Lanzen bohrte sich in einen der Organbeutel an den Hüften der Frau. Er fiel sofort schlaff in sich zusammen. Die Frau stöhnte auf. Ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerz. Dann sank sie auf den Boden. Sie presste ihre Hände gegen den Leib und schrie erneut, doch ihre Schreie verstummten sehr schnell.

Saman packte den Arm von Boda Bodamore. »Kommt, wir müssen schnell hinaus!«, rief er aufgeregt.

Bodamore blickte auf die sterbende Frau hinunter. Plötzlich begriff er, weshalb der Priester so aufgeregt war. Saman fürchtete, in ihrem Todeskampf könnte das Weib die schwerste Sünde begehen, die es nach Antaranara auf dieser Welt gab.

»Bitte, o Herr, geht hinaus«, flüsterte Arialeinen.

Bodamore erfasste selbst, dass er jetzt nicht bleiben durfte. Neben dem Priester eilte er aus der Hütte. Die anderen Männer folgten ihm. Der Wächter, der die Frau getötet hatte, warf seine Lanze, die er unwillkürlich mit hinausgenommen hatte, durch den Vorhang in die Hütte zurück.

Aus dem Innern ertönte ein Schrei, der allen überdeutlich verriet, dass die Sünde »vollkommen« war.

Saman blickte Bodamore aus geweiteten Augen an. Der Weise wandte sich ab und ging langsam zum Fluss hinunter.

»Zündet die Hütte an«, befahl der Priester. »Schnell! Beeilt euch, sonst wird Antaranara uns alle strafen.«

Tonka Valuz drehte seine Uniformmütze zwischen den Händen.

»Sir«, sagte er verlegen. »Ich bin mir vollkommen darüber klar, dass ich für das einzustehen habe, was ich angerichtet habe.«

Say Oleson blickte nur kurz von dem Bericht auf, an dem er schrieb. »Zweifellos, Valuz.«

»Sir, es ist mir nicht gelungen, Mankai-kuon zu fangen. Das wird mir überhaupt nicht möglich sein, Sir.«

Oleson lehnte sich in seinem Sessel zurück. Er kratzte sich am Kinn. »Tatsächlich?«

»Ja, Sir.«

»Das müssen Sie mir erklären.«

»Das Tier ist zu intelligent. Außerdem hätte es wenig Sinn, es in einen Käfig zu sperren, weil es sich daraus leicht wieder befreien kann. Ein Mankai ist nur in einem Energiekäfig zu halten, weil er jedes feste Material zerstören kann. Er schwitzt nicht nur Alkohol aus, Sir, sondern kann auch zersetzende Säuren einsetzen.«

Der Deckoffizier von Deck drei runzelte die Stirn. »Und was gedenkt der Herr zu tun, um das Problem endlich zu lösen?«

Tonka Valuz blickte seine beiden Freunde Phil Aupon und Mandry O'Loon kurz an. Dann antwortete er:

»Mankai-kuon folgt mir überall hin. Das ist ganz sicher. Wenn ich das Schiff verlasse, wird er aus seinem Versteck herauskommen. Ich bitte deshalb, eingesetzt zu werden, falls die Schiffsführung sich entschließen sollte, auf einem Planeten zu landen.«

»Das ist vielleicht gar keine schlechte Idee«, entgegnete Say Oleson. »Sie werden von mir hören.«

Er nickte nur kurz, als die drei Männer sich mit betont exaktem Gruß aus der Kabine entfernten. Als sie ihm den Rücken zuwandten und auf den Gang hinaustraten, lächelte er unmerklich. Das Trio trug nicht umsonst den spöttischen Beinamen »Lattentrio«. Alle drei Männer waren überdurchschnittlich groß und dabei auch ungewöhnlich hager. Darüber hinaus hatten sie alle drei noch auffallend abstehende Ohren und einen etwas übertriebenen schaukelnden Gang. In zahlreichen Einsätzen hatten sie jedoch bewiesen, dass sie Qualitäten besaßen, die sie zu einem schlagkräftigen Team machten.

Zwei Stunden später stieg Tonka Valuz in einen leichten Raumanzug, der mit einem Antigravgerät ausgestattet war. Er wartete, bis auch Phil Aupon und Mandry O'Loon bereit waren, dann verließ er zusammen mit ihnen die Kabine. Dem Luftschacht schenkte er keine Beachtung.

Die drei Männer gingen nebeneinander durch den breiten Haupteingang bis zum Hangar für Space-Jets. Deckoffizier Oleson teilte ihnen mit, welcher Jet für sie vorgesehen war, und übergab ihnen die Einsatzakte.

»Major Argo wird voraussichtlich später mit der AMARILLO folgen. Das hängt jedoch von Ihren Berichten ab«, sagte Oleson. »Mastersergeant Bayoon und Firstsergeant Iwana befehligen die anderen beiden Jets. Sie werden zusammen den Planeten Nummer drei anfliegen. Er ist vom Oberkommando Born Wild genannt worden.«

»Man scheint in der Zentrale schon feste Vorstellungen von dem zu haben, was auf dieser Welt geschehen wird«, bemerkte Tonka Valuz, aber Say Oleson ignorierte seine Worte. Er sprach weiter, als habe der Sergeant gar nichts gesagt.

»Auf Born Wild werden Sie verschiedene Landepunkte anfliegen. Ihre einzelnen Aufgaben gehen aus dem Einsatzbefehl hervor. Ansonsten haben Sie die Landung der AMARILLO vorzubereiten.«

Er wandte sich ab und entfernte sich einige Schritte. Dann blieb er stehen und drehte sich noch einmal um.

»Und vergessen Sie nicht, Ihren verdammten Zwölfbeiner mitzunehmen.«

Phil Aupon und Mandry O'Loon betraten die Space-Jet durch die Bodenschleuse. Valuz war ganz sicher, dass Mankai-kuon die Vorbereitungen beobachtet hatte. Nach den bisherigen Erfahrungen musste das ausreichen, ihn aus seinem Versteck hervorzulocken. Bis jetzt sah es jedoch nicht so aus, als würde das Tier den Hangar rechtzeitig betreten. Noch stand das Innenschott offen, aber in wenigen Minuten würde es sich schließen. Sollte er wie ein Narr durch die AMARILLO ziehen und Mankai-kuon rufen?

Er schüttelte den Kopf.