Perry Rhodan Neo 265: Meister der Spione - Ruben Wickenhäuser - E-Book

Perry Rhodan Neo 265: Meister der Spione E-Book

Ruben Wickenhäuser

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Beschreibung

Vor fast sieben Jahrzehnten ist der Astronaut Perry Rhodan auf Außerirdische getroffen. Seither hat die Menschheit ihren Einflussbereich ausgedehnt und neue Sonnensysteme besiedelt. Dann aber werden im Jahr 2102 die Erde und der Mond in den fernen Kugelsternhaufen M 3 versetzt. Mit dem Großraumschiff SOL bricht Rhodan auf, um dieses Geschehen rückgängig zu machen, und strandet 10.000 Jahre in der Vergangenheit. In dieser dunklen Zeit kämpfen die Flotten der Arkoniden und Maahks in fürchterlichen Schlachten gegeneinander. Die terranischen Raumfahrer erreichen nach vielen Mühen das Arkonsystem, wo sie feststellen, dass die Verteidiger zunehmend in Bedrängnis geraten. Deshalb setzen Atlan und Rhodan alles daran, die Pläne der Konverterkanone wieder aufzuspüren, mit denen ein Meister der Insel verschwunden ist. Nur so können sie ihre eigene Gegenwart retten. Allerdings suchen auch andere Parteien nach dieser Waffe und jagen den MEISTER DER SPIONE ...

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Band 265

Meister der Spione

Ruben Wickenhäuser

Cover

Vorspann

1. Der Schrecken aus dem Leerraum

2. Kalt erwischt

3. Ein Faktor für Arkon

4. Gath'Etset'Moas

5. Issrods Sternenreich

6. Jäger und Köder

7. Die Maske fällt

8. Kristallprinz

9. Ertrinken oder verbrennen

10. Der Herr der Augen

11. Chaos im Himmel

12. Der Todeswurm

13. Verfolger

14. Keiner soll sie haben

15. Das Geheimnis des Wasserfalls

16. Überraschungen

17. Verrat!

18. Mit dem Kopf durch die Wand

19. Katz und Maus

20. Finale

21. Das Ende

Impressum

Vor fast sieben Jahrzehnten ist der Astronaut Perry Rhodan auf Außerirdische getroffen. Seither hat die Menschheit ihren Einflussbereich ausgedehnt und neue Sonnensysteme besiedelt.

Dann aber werden im Jahr 2102 die Erde und der Mond in den fernen Kugelsternhaufen M 3 versetzt. Mit dem Großraumschiff SOL bricht Rhodan auf, um dieses Geschehen rückgängig zu machen, und strandet 10.000 Jahre in der Vergangenheit.

In dieser dunklen Zeit kämpfen die Flotten der Arkoniden und Maahks in fürchterlichen Schlachten gegeneinander. Die terranischen Raumfahrer erreichen nach vielen Mühen das Arkonsystem, wo sie feststellen, dass die Verteidiger zunehmend in Bedrängnis geraten.

Deshalb setzen Atlan und Rhodan alles daran, die Pläne der Konverterkanone wieder aufzuspüren, mit denen ein Meister der Insel verschwunden ist. Nur so können sie ihre eigene Gegenwart retten. Allerdings suchen auch andere Parteien nach dieser Waffe und jagen den MEISTER DER SPIONE ...

1.

Der Schrecken aus dem Leerraum

»Sie befinden sich im Anflug auf ein Sperrgebiet. Verlassen Sie diesen Raumsektor, oder es wird auf Sie geschossen!«

Nert-tiga Heskmar da Gissan musterte das Taktikhologramm mit einigem Unwillen. Neben der schematischen Darstellung des Josgorrnsystems, dem die fremden Raumschiffe entgegensteuerten, waren dort die Details der Ortung eingeblendet. Demnach handelte es sich um einen kleinen Konvoi aus Mehandorwalzen, wie sie überall in Thantur-Lok auftauchten. Glücksritter, die sich bei der Prospektion besonders entlegener Gebiete große Gewinne durch die Erschließung neuer Rohstoffquellen oder den Handel mit seltenen Waren versprachen.

Kaum zu fassen!, ärgerte sich der Kommandant des Schweren Kreuzers VOTANTHAR'PRAGO, der das Wachgeschwader anführte. Wir befinden uns am äußersten Rand des Kugelsternhaufens, noch dazu auf der Seite, hinter der nur noch der Leerraum folgt ... Aber selbst hier sind wir vor diesen windigen Gestalten nicht sicher.

Die Erinnerung an seinen Besuch der Himmelsstadt Gath'Etset'Wes über Arkon II kam ihm wieder ins Bewusstsein. Insbesondere, dass er von den dortigen Mehandor behandelt worden war wie ein dahergelaufener Essoya, ja fast schon wie ein Kolonialarkonide, und nicht wie ein Edler seines Standes.

»Die Zielobjekte behalten Kurs und Formation bei«, meldete die Ortungsoffizierin.

»Das entspricht ihrem frechen Naturell«, kommentierte da Gissan.

»Wir könnten sie ... entfernen«, bot die Waffenleitoffizierin an, »und es als belanglosen Raumzwischenfall deklarieren: Ein nicht näher identifiziertes Ziel hat nicht auf unsere Warnungen gehört, das Ziel wurde vernichtet. Dann gelten sie offiziell nur als unbekannt verschollen.«

»Das habe ich nicht gehört.« Die Rüge kam nur halbherzig. Da Gissan ertappte sich dabei, diesen Vorschlag in Erwägung zu ziehen – wenngleich nur für einen winzigen Moment. Allein schon wegen der Art, wie sich dieses Volk gegenüber den Arkoniden sogar im Zentralsystem des Großen Imperiums benahm.

Das Auftauchen der Mehandor erinnerte ihn zu allem Überfluss schmerzlich an die rauschenden Feste, die er mit Freunden auf Mehan'Ranton gefeiert hatte, damals, kurz vor seiner Ehrung als Kommandant der Wachflotte von Josgorrn VI. Eine Ehrung war es durchaus, denn in den Sternkatalogen war der Planet zwar nur als eine kleine Forschungswelt im Randgebiet von Thantur-Lok verzeichnet, von wo aus Experimente im Leerraum betrieben wurden – und somit militärisch, wirtschaftlich wie gesellschaftlich uninteressant. Ein Steinbrocken, dessen einziger Vorzug ein famoser, weil unverstellter Blick ins Nichts war. In Wahrheit jedoch war das Josgorrnsystem ein wichtiger Flottenstützpunkt höchster Geheimhaltungsstufe. Wer mit dessen Bewachung betraut wurde, hatte bewiesen, dass das Imperium auf ihn zählen konnte.

Leider half diese Ehre wenig, um den Stumpfsinn zu vertreiben, der mit der täglichen Konfrontation mit dem absoluten Nichts einherging. Selbst Wasserstoffmoleküle litten in dieser Ödnis unter Einsamkeit. Da würden ein paar Explosionen doch etwas Leben in die Bude bringen ...

Da Gissan widerstand der Versuchung. Fürs Erste, dachte er.

Mit einem Seufzer aktivierte er die Kommunikationsverbindung. »Nicht identifizierte Einheiten, Sie befinden sich im Anflug auf eine Forschungsstation des arkonidischen Imperiums. Ihre Anwesenheit stört die Messungen. Verlassen Sie augenblicklich diesen Raumsektor, oder wir schießen!«

Als der Konvoi seinen Kurs unbeirrt und schweigend beibehielt, war da Gissan den Mehandor fast dankbar.

»Bereitschaftsalarm! Raumjäger ausschleusen. Sämtliche Geschütze feuerbereit machen. Und sagen Sie unseren Leuten, dass sie ihre Waffen gut sichtbar aktivieren sollen!«

Die Waffenleitoffizierin warf ihm einen erstaunten Blick zu.

»Ja«, nahm er ihre Frage vorweg, »das ist viel Feuerkraft für eine Handvoll Mehandorschiffe. Aber wir wollen uns doch nicht so eine Gelegenheit für eine Übung entgehen lassen.«

Unzählige Pünktchen zeigten im Holo das Ausschleusen der Kampfjäger an. Sie entfernten sich kegelförmig von den größeren Kugeln des Wachgeschwaders.

Einen ordentlichen Schreck werden wir diesen Mehandor zumindest einjagen können, freute sich da Gissan. Außerdem gibt das gutes Material für eine anständige Auswertung mit den anderen Kommandanten.

»Raumjäger im Abfangmuster Gerasgitter ausfächern!«, befahl er. »Die Kreuzer bilden das konkave Schalenmuster Berlen. Ich will den Zielen den Weg verlegen, bevor sie auf eine Lichtsekunde an die Systemgrenze herangekommen sind.«

Noch immer trafen die Mehandor keinerlei Anstalten, sich mit den Arkoniden in Verbindung zu setzen.

Macht nur so weiter!, dachte da Gissan grimmig. Ein paar Schießübungen werden unseren Leuten guttun.

»Wir kommen in Schussweite«, funkte die Kommandantin des Jägergeschwaders.

»Die Feuerdistanz unserer schweren Bordgeschütze haben die Eindringlinge jetzt ebenfalls unterschritten«, verkündete die Waffenchefin der VOTANTHAR'PRAGO.

»Warnschuss!«, befahl da Gissan. »Wählen Sie einen beliebigen Asteroiden in ihrer Nähe. Groß genug, damit sie es auch bemerken.«

»Warum melden die sich nicht?«, wunderte sich die Waffenchefin, nachdem auch auf diese Warnung keine Reaktion folgte.

»Sie versuchen es mit Starrköpfigkeit«, antwortete da Gissan und musste an seine Erlebnisse auf Gath'Etset'Wes denken.

»Edler Nert-tiga«, erklang die Stimme der Geschwaderkommandantin aus dem Akustikfeld. »Wir haben Sichtkontakt. Sie sollten sich das ansehen ...«

Eine Holoübertragung baute sich vor da Gissan auf. Sie zeigte die Mehandorwalzen, wie die Ortung sie ihm schon angekündigt hatte – allerdings gab es im Vergleich zur schematischen Darstellung erhebliche Unterschiede. Alle Raumfahrzeuge waren über und über von Spuren schweren Beschusses gezeichnet. Wie Schuppen kranker, vertrockneter Haut standen Stahlplatten in allen Richtungen von den einstmals runden Oberflächen ab. Wo sich Waffenkörbe befunden hatten, gähnten bei vielen Schiffen nur noch schartige Krater. Immerhin waren die Schutzschirme aktiv, offenbarten aber erhebliche Fluktuationen. Die Walzen erweckten den Eindruck, als ob sie mitten durch einen veranischen Reißklauenkanal geflogen wären. Nun wurde auch der Grund für das Schweigen der Mehandor erkennbar: Jede einzelne Hyper- und Normalfunkabstrahleinrichtung war vollständig zertrümmert worden.

»Die Triebwerke des Hauptschiffs laufen auf Volllast, aber die Steuersegmente sind zerstört«, meldete ein Jägerpilot. »Es kann nur noch einen geraden Kurs fliegen.«

Der Navigator stellte fieberhaft einige Berechnungen an. »Kommandant! Wenn ihr bisheriger Kurs um nicht mehr als zehn Grad von ihrem aktuellen Vektor abgewichen ist, dann ...«

Er blendete den mutmaßlichen Herkunftskurs ins Taktikholo ein. Kegelförmig ragte die Darstellung vom Josgorrnsystem aus geradewegs in den Leerraum.

»Was auch immer die Mehandor angegriffen hat, es ist buchstäblich aus dem Nichts gekommen«, kommentierte die Ortungsoffizierin.

2.

Kalt erwischt

Vere'athor Agh-len Julef da Hindriun saß im Kopf des niedrigen Trichterbaus, der ein Stück über den Rand des Tigakraters vorkragte. Er genoss den dramatischen Sonnenaufgang – das Licht des tief stehenden Muttersterns wurde von den hauchdünnen Gespinsten der emporragenden, schachtelhalmartigen Gewächse in allen Regenbogenfarben gebrochen und schuf eine Aura von zarter Magie über dem Kraterrand. Die Grube war das Resultat eines Meteoriteneinschlags, der nach Einschätzung der Geologen vor mehreren Zehntausend Jahren stattgefunden hatte.

Mittlerweile beherbergte sie jedoch einiges mehr als den Überrest eines interstellaren Irrläufers: Unter einer Bodenplatte, die der Umgebung täuschend echt nachempfunden war, hatten die Arkoniden die oberste Schicht des Planeten weiträumig ausgehöhlt, um in kilometerlangen Hallen und weitverzweigten Gängen eine gigantische Forschungsanlage zu errichten. Denn an diesem Ort, dicht an der Grenze zum Nirgendwo, wurden Technologien erprobt, von denen sich das arkonidische Imperium nichts weniger erhoffte als den Sieg über die Maahks. Die metallhaltigen Bodenschichten boten eine natürliche Abschirmung, sodass in Kombination mit modernsten Tarnvorrichtungen nur Restspuren verräterischer Emanationen nach außen dringen konnten.

Außerdem kommt in diesem öden Raumsektor ohnehin nie jemand vorbei, dachte da Hindriun. Er verfolgte den gemächlichen Wechsel des Lichts von dem Schleier aus Regenbogenfarben in ein Rot, das zunehmend dunkler wurde. Und falls wir doch unangemeldeten Besuch erhalten sollten ... Selbst unsere Arkontechnologie würde nichts Auffälliges anmessen, und die Maahks brauchen typischerweise Jahrtausende, um sich weiterzuentwickeln. Es ist also wenig wahrscheinlich, dass sie uns unbekannte Ortungsmöglichkeiten entwickelt haben. Allerdings gibt es nicht nur die Maahks da draußen.

Er scheuchte die düsteren Gedanken beiseite. Er hatte Wichtigeres zu tun. Schließlich war er nach Jogorrn IV gekommen, weil er als Generalinspektor für die Geheimprojekte der arkonidischen Flotte zuständig war: Die routinemäßige Evaluation des Projekts Armigron war fällig. Eine Technologie, an der sie seit mehr als zehn Jahren forschten. Die Arkonbombe für den Raumkampf.

»Wir beginnen mit der Inspektion«, sprach er in sein Komarmband, während er den grazilen Glaskelch mit seinem Morgentrunk auf einem Kristalltischchen abstellte und den Raum verließ.

Der Vere'athor warf einen Blick auf die drei stilisierten Planeten an seiner Uniform, die ihn als Kommandeur im Rang eines Dreiplanetenträgers auswiesen, und betrat den Antigravschacht. Wäre ihm die Bedeutung ihrer Arbeit auf Josgorrn VI nicht bewusst gewesen, er hätte sich gewünscht, ein Raumgeschwader gegen die Maahks zu kommandieren – buchstäblich am anderen Ende des Sternenreichs.

»Also, geben Sie mir einen Überblick über die Fortschritte«, begrüßte er die Wissenschaftler und Techniker, die ihn im Besprechungsraum tief unter dem Kelchbau bereits erwarteten. »Sie haben versprochen, dass Projekt Armigron in Kürze erste Tests wird durchlaufen können. Die Maahks machen bereits erheblichen Druck auf das Große Imperium, daher möchte ich hoffen, dass Sie mir nun eine gute Nachricht überbringen!«

Die Anwesenden starrten stumm geradeaus.

Da Hindriun wusste, was das zu bedeuten hatte, noch ehe sich einer der Wissenschaftler zu einer Antwort durchringen konnte. »Es hat sich verzögert«, vermutete er.

»Nun ja ...« Der stellvertretende Leiter der Abteilung Entwicklung wischte sich Tränen der Erregung von den Wangen. »Wir sind an unerwarteter Stelle auf Probleme gestoßen. Eigentlich hätte die Reaktionsmasse keinerlei Probleme machen dürfen ...«

Da Hindriun schnaubte. »Sie lassen sich also von etwas Selbstverständlichem aufhalten, verstehe ich das richtig?«

»Es ist so ...«

»Es ist so, dass das arkonidische Imperium Ihnen jede Unterstützung für Ihre Forschungen gewährt, die sich Entwickler wünschen können«, unterbrach da Hindriun grob. »Sie sind jedem einzelnen Arkoniden, bis hinunter zum einfachen Essoya, verpflichtet! Wenn Sie ...«

Sein Adjutant, der sich bislang im Hintergrund gehalten hatte, unterbrach ihn. »Verzeihen Sie, Vere'athor ...«

Da Hindriun starrte ihn an, als habe der Mann ihn geschlagen. Alle Umstehenden hielten den Atem an.

Der Adjutant neigte den Kopf unterwürfig bis unter seine Schultern und reichte da Hindriun sein Komgerät. Es war ein mit besonderer Verschlüsselung und einem Privatsphärefeld ausgestattetes Sondermodell.

Mit einem Knurren riss der Generalinspektor es ihm aus der Hand, wollte schon ein bissiges »Was ist?« ins Kom rufen, da gefroren seine Gesichtszüge.

Die Stimme, die ihn begrüßte, gezeichnet von Alter, Erfahrung und der Gewohnheit, jederzeit und von jedem unbedingten Gehorsam entgegengebracht zu bekommen, gehörte niemand anderem als Drevis da Utmost. Dem Leiter des arkonidischen Geheimdienstes Turacel und nach – oder vielleicht sogar neben? – dem Imperator mächtigsten Mann des Imperiums.

»Vere'athor Agh-len Julef da Hindriun«, sagte der Celista. »Ich habe eine Frage. Sie sind für die Koordination des Großteils der Geheimprojekte der Flottenforschung an diversen Standorten des Imperiums verantwortlich ...«

Da Hindriun lief es kalt den Rücken hinunter. Er wünschte, die Besprechung mit seinen Entwicklern hätte noch nicht begonnen, denn dann hätte er da Utmost zumindest hinhalten können.

»... unter anderem somit wohl auch für das Projekt SHE. Ich frage mich nur, wie Sie das Schiff nach Arkon in Marsch setzen konnten, ohne dass der imperiale Geheimdienst davon Kenntnis erhielt?«

Nun war da Hindriun verwirrt. Es ging dem Celista gar nicht um Armigron? Verzweifelt kramte er in seinen Erinnerungen. Projekt SHE? Welches Projekt sollte das sein? Man antwortete dem Geheimdienstleiter aber nicht, dass man nicht wusste, wovon er sprach. Es gab wesentlich einfachere und bequemere Arten, zu Tode zu kommen.

»Ich ... Natürlich, ich erkundige mich sofort, was schiefgelaufen ...«

»Sie schicken ein Ultraschlachtschiff, oder was auch immer das sein soll, von Larsaf Drei nach Arkon, und müssen sich erst erkundigen, was schiefgelaufen ist? Warum liegen die Pläne dieses Raumfahrzeugs nicht längst dem Imperator vor? Oder pflegen Sie seit Neuestem den direkten Kontakt mit ihm?«

Da Hindriun bekam weiche Knie. Wovon spricht er? Welches Ultraschlachtschiff? Und von einem Planeten Larsaf Drei habe ich noch nie gehört! Es geschah nur selten, dass der Vere'athor nach Worten suchte. Er fühlte sich wie damals, als er als kleiner Offiziersanwärter in der Akademie begonnen hatte. Dass das Ganze vor den Augen von Untergebenen stattfand, den versammelten Ableitungsleiterinnen und -leitern dieser Forschungswelt, machte es für ihn zu einem vollständigen Desaster. Auch wenn sie ihn im Schutz seines Akustikabschirmfelds nicht hören konnten.

Da Hindriuns Extrasinn meldete sich zu Wort. Es ist ausgeschlossen, dass irgendwo ohne unser Wissen ein Ultraschlachtschiff gebaut worden sein soll. Das bedeutet, dass der Kommandant jenes Kampfschiffs nur vorgibt, es stamme aus arkonidischer Produktion ...

Und dass er in Wahrheit ein verkappter Feind ist, führte da Hindriun den Gedanken zu Ende.

Die Tränen sprudelten ihm förmlich aus den Augenwinkeln, während er zu einer Warnung ansetzte. »Drevis da Utmost, Projekt SHE ist eine Kriegslist! Lassen Sie ...«

Das Aufheulen der Alarmsirenen unterbrach ihn. Mit einem Schlag war die Komverbindung gekappt. Warnlampen fluteten den Konferenzraum mit grellem Licht.

»Wir werden angegriffen!«, schrie der Adjutant. »Eine Maahkflotte ist ins System transitiert!«

*

Nert-tiga Heskmar da Gissan wäre fast aus seinem Kommandosessel aufgesprungen. Gerade hatten sie damit begonnen, die von Unbekannten zusammengeschossenen Mehandorschiffe in Schlepp zu nehmen – das Knacken der Schutzschirme war ein Kinderspiel gewesen –, da hatten die Alarmpfeifen losgelegt. Im Ortungsholo, das bisher nur die Handvoll Walzen, die Kugelraumer der Wachflotte und die in ihre Hangars zurückkehrenden Raumjäger gezeigt hatte, war von einem Augenblick auf den anderen eine Wand aus grellroten Feindreflexen aufgetaucht. Die Positronik hatte sie sofort als Maahkschiffe identifiziert. Dutzende 1200-Meter-Walzen wurden flankiert von unzähligen 200- und 400-Meter-Einheiten. Kaum transitiert, quollen Maahkraumjäger aus den Kampfschiffen.

»Wir werden gerufen«, meldete der Kommunikationsoffizier.

»Aktivieren!«, befahl da Gissan.

In einem neuen Hologramm erschien das Bild eines Maahks. Sechs Finger seiner rechten, tentakelähnlichen Extremität streckten sich da Gissan entgegen, als wolle der Wasserstoffatmer ihn damit aufspießen. Die vier Augen, die auf einem sichelartigen Wulst zwischen seinen Schultern angeordnet waren, starrten den Arkoniden düster an. »Ich bin Grek-1 Khoornas, Kommandant des Angriffsverbands Purpurrot«, verkündete er mit schriller, durchdringender Stimme. »Euer Tod ist unser!« Damit erlosch die Funkverbindung.

Da Gissan ließ sich von dieser Botschaft nicht beeindrucken. »Mehandorschiffe aufgeben!« Sie waren ohnehin kaum mehr als Wracks und hatten so oder so keine Überlebenschance. Genauso wenig wie wir, schoss es ihm durch den Kopf.

»An die Flotte: Verschlusszustand herstellen, volle Gefechtsbereitschaft, Defensivformation Kegelbauch. Ortung: Ziel der Maahks?«

»Sie halten auf Josgorrn Sechs zu«, antwortete die Offizierin. »Ein Teil der Flotte spaltet sich ab und nimmt Kurs auf uns.«

Die Alarmpfeifen verstummten. Sie wurden vom dumpfen Wummern hochfahrender Aggregate abgelöst, sodass der Boden vibrierte. Schotten schlossen sich mit vernehmlichem Rumsen, Kampf- und Wartungsroboter verließen ihre Bereitschaftsnischen und verteilten sich auf strategisch günstige Positionen.

Da Gissan war wenig überrascht. »Dann wissen sie also um unsere Basis. Ganz gleich, ob sie sie für eine einfache Forschungsstation halten oder das Geheimnis kennen – sie werden sie vollständig zerstören. Können wir dem Hauptverband den Weg abschneiden?«

Die Ortungsoffizierin schüttelte den Kopf. »Es sind zu viele.«

»Dann müssen wir unseren Leuten zumindest Zeit verschaffen! Vollschub auf die Maahks.«

Die Jagdgeschwader, die eben noch im Begriff gewesen waren, einzuschleusen, machten kehrt und fächerten aus. Todesverachtend warf sich der Wachverband dem vielfach überlegenen Feind entgegen.

»Rundspruch an den gesamten Verband!« Da Gissan holte Luft. »An alle Einheiten: Wir müssen der Basis so viel Zeit verschaffen, wie wir irgend können. Die Vernichtung einzelner Maahkschiffe ist sekundär, wir müssen die Flotte insgesamt ausbremsen. Treffen Sie zudem alle Vorbereitungen für eine Notfallevakuierung.« Dass eine Evakuierung erst infrage kam, wenn ein Schiff kampfunfähig geschossen worden war, verstand sich von selbst, aber dann sollte es wenigstens schnell gehen. »Viel Glück!«

Die viel zu kleine Zahl der arkonidischen Kampfjäger flog auf den Pulk der Maahkschiffe zu. Sie waren noch weit vom Gegner entfernt, da sickerte im Taktikholo eine Wolke aus ebenso winzigen, flinken Lichtpunkten aus der Feindflotte hervor und brandete den Arkoniden entgegen. Im Holo war nicht zu erkennen, ob es zu Kämpfen kam – die Maahks überspülten die Verteidiger einfach, ohne auch nur die Geschwindigkeit zu drosseln. Kein einziger arkonidischer Raumjäger kam wieder zum Vorschein.

Ein tiefes Gefühl der Ruhe hatte da Gissan erfasst. Es war fester Bestandteil der Ausbildung gewesen, dass auf Monate des Nichtstuns entscheidende Sekunden hektischer Aktivität folgen konnten, die das Schicksal von Arkon – oder doch zumindest das Schicksal der eigenen Einheit – zu besiegeln vermochten.

Da genau dieser Augenblick nun gekommen war und der Ausgang der Konfrontation außer Zweifel stand, fühlte er sich geradezu erleichtert. Wie und warum die Maahks, aus den Weiten des Leerraums kommend, ausgerechnet im Josgorrnsystem aufgetaucht waren und ob sie die Forschungswelt gezielt für ihren Angriff ausgesucht hatten oder es einfach Zufall war, spielte keine Rolle mehr. Um solche Fragen musste sich Arkon kümmern.

Im Moment zählte nur eins: der Kampf. Alles andere hatte seine Bedeutung verloren, all die ermüdenden Forderungen der Bürokratie, die aufreibende Vermittlungsarbeit bei Spannungen innerhalb der Offiziersriege, der Ärger über widersinnige und unnötig verkomplizierende Anweisungen. Sogar die Wachflotte selbst trat zurück hinter der Führung der VOTANTHAR'PRAGO. Das Kampfschiff war ein gewaltiger Organismus, und die Zentrale war sein Gehirn – mit ihm, Nert-tiga Heskmar da Gissan, als Entscheider.

»Die Maahkflotte spaltet sich auf. Zwei Zweihundert-Meter-Walzen nehmen frontalen Angriffskurs auf uns. Alle anderen Schiffe wechseln auf Seitentrajektorien, sie wollen uns umgehen.«

»Torpedos bereit machen! Ziel: Suchen Sie ein vielversprechendes Großkampfschiff, das uns nah genug passieren wird. Thermo- und Desintegratorgeschütze auf die Angreifer ausrichten.«

Das Wummern der Bordaggregate steigerte sich zu einem hohen Heulen, während sie auf Maximalleistung gingen und die Waffensysteme sowie Schutzschirme mit Energie aufluden.

Am Bug der beiden angreifenden Maahkwalzen spannten sich Gebilde auf, die wie die Rippen umgedrehter Regenschirme aussahen.

»Schildbrecher!«, rief die Ortungsoffizierin.

»Punktbeschuss auf den Zentralknoten, sobald wir in Reichweite sind«, wies da Gissan die Waffenleitoffizierin an. »Schirme für den Intervallbeschuss nachjustieren.«

Die Schildbrecher waren ein Problem, gegen das die arkonidische Flotte noch kein gutes Gegenmittel gefunden hatte – außer die Angreifer schnell genug abzuschießen.

Erschütterungen durchliefen den Schweren Kreuzer und verrieten, dass die ersten Torpedosätze ausgeschickt worden waren. Ein vielschichtiger Sirrton zeigte an, dass auch die schweren Geschütze in Aktion getreten waren. Noch war die VOTANTHAR'PRAGO für die Schildbrecher zu weit entfernt, sodass die Maahks erst das Sperrfeuer der Arkoniden überwinden mussten.

»Mehrere schwere Einheiten fliegen in großem Abstand an uns vorbei«, meldete die Ortungschefin.

»Die kümmern sich nicht mal um uns«, konstatierte da Gissan frustriert. »Unseren anderen Einheiten geht es genauso.«

»Die Schirme des ersten Schildbrechers beginnen zu fluktuieren. Gleich dringen unsere Strahlen durch.«

»Gut. Sobald das Emitternest außer Funktion ist, nehmen Sie den zweiten Gegner unter Beschuss.«

Zu der Kakofonie aus Maschinengeräuschen gesellte sich ein weiterer, schwer greifbarer Ton, der in da Gissan automatisch Unbehagen auslöste – er wusste, was das zu bedeuten hatte.

Die Ortungsoffizierin bestätigte seine Ahnung. »Beide Schirmbrecher haben das Feuer eröffnet.«

»Leiten Sie rechtzeitig die Desynchronisierung ein. Wir verlieren dadurch zwar Schirmstärke, aber einen anderen Weg sehe ich nicht, wie wir sie vor dem völligen Zusammenbruch bewahren können.«

»Das Emitternest des ersten Schirmbrechers ist außer Funktion. Neues Ziel angewählt und unter Beschuss. Unsere Desintegratoren beginnen mit Unterstützungsfeuer.«

Die Welle aus winzigen Ortungsreflexen, die die arkonidischen Kampfjäger überschwemmt hatte, wurde im taktischen Holo wieder aktiv und beschleunigte auf die VOTANTHAR'PRAGO zu.

»Nahbereichsabwehr!«, befahl der Kommandant.

»Wir können die Schirme nicht weiter desynchronisieren«, warnte die Waffenchefin. »Der verbleibende Schirmbrecher dringt durch!«

»Drei Vierhundert-Meter-Walzen drehen bei und nehmen uns ins Visier«, ergänzte die Orterchefin nüchtern.

Das war's also, dachte da Gissan. Was haben wir erreicht? Nichts. Aber wir haben es versucht.

»Schirmausfall!«

»Für Arkon!«, rief er, während die Einschläge der Maahkgeschütze den Kreuzer hin und her warfen.

Das Licht in der Zentrale flackerte; für einen Augenblick setzten die Andruckabsorber aus. Mehrere schwere Explosionen erschütterten das Schiff.

»Waffensysteme ausgefallen!«, rief jemand. »Die äußeren Sektionen melden schwere Schäden und Atmosphäreverluste auf allen Decks. Die Triebwerke arbeiten nur noch unregelmäßig.«

»Zentrale auskoppeln!«, ordnete da Gissan an. »Wir halten uns, solange wir können.«

Arkonidische Kampfschiffe waren nach dem Zwiebelschalenprinzip aufgebaut. In ihrem Kern befand sich die Zentrale, die sich im Notfall wie eine Miniaturversion des Kugelschiffs abschotten konnte. Wenigstens in der Theorie konnte dieser Befehlsstand sogar dann fortbestehen, wenn alle anderen Teile des Schiffs vernichtet worden waren.

»Letzter Befehl: Kurs Josgorrn Sechs. Vollschub!«

»Das wird die äußere Hülle zerreißen«, gab der Pilot zu bedenken.

»Dann ist das so.«

Als die Impulstriebwerke ein letztes Mal ansprangen, riss es die Schiffsführung beinahe aus ihren Sesselgurten. Die zwar nur noch erratisch arbeitenden Andruckabsorber kompensierten weiterhin den Großteil der enormen Beschleunigung. Aber wer auch immer die Zerstörungen in den Randsektionen überlebt hatte, war spätestens nun zu Tode gequetscht worden.

Es hat nur ihr Leiden verkürzt, dachte da Gissan. Wir werden ohnehin jeden Augenblick abgeschossen werden.

Aber der Fangschuss erfolgte nicht. In den flackernden Holoanzeigen konnte er erkennen, dass die gegnerischen Raumjäger, die Schildbrecher und die anderen Maahkschiffe sich nicht weiter um die VOTANTHAR'PRAGO kümmerten. Alle anderen Raumfahrzeuge des arkonidischen Wachgeschwaders waren bereits explodiert oder nur noch Ansammlungen aus zerrissenem Stahl.

Vielleicht halten sie uns für ein driftendes Wrack? Die letzte Zündung der Triebwerke dürfte von außen wie eine schwere Explosion gewirkt haben ... Aber wer weiß schon, was Maahks denken. Da Gissan warf einen Blick auf das Außenbeobachtungshologramm. Sehr zu seinem Erstaunen lieferte es tatsächlich noch Bilder – durchsetzt von Störungen, aber erkennbar. Im Dämmerlicht ringsum glomm das Holo wie eine geisterhafte Erscheinung vor ihm in der Luft: In der Zentrale war die Beleuchtung ausgefallen, alle nicht unabdingbar benötigten Systeme waren abgeschaltet.

Es schmerzte da Gissan, die Überreste seines stolzen Schweren Kreuzers wie einen Brocken interstellaren Gesteins zwischen den Maahkeinheiten dahindriften zu sehen.

»Haben wir noch die Möglichkeit zu beschleunigen?«, erkundigte er sich.

Er erkannte den Offizier, der ihm antwortete, nur an der Stimme. »Ein Nottriebwerk wird gerade von Robotereinheiten repariert. Aber ob es funktionieren wird ... Es ist unwahrscheinlich.«

Ein Gedanke nahm in da Gissans Kopf Gestalt an. »Dann gibt es zumindest Hoffnung. Melden Sie sofort, wenn es wieder funktionstüchtig ist. Und sei es nur für einen einzigen Schubstoß. Bis dahin sämtliche Energieemissionen auf das absolute Minimum reduzieren, nur passive Ortung und visuelle Übertragung verwenden!«

Damit konzentrierte er sich wieder auf die Außendarstellung.

Die Maahkflotte hatte den Planeten erreicht. Ein Schutzschirm spannte sich in einer verzweifelten Geste des Widerstands über den Krater, in den die Basis eingegraben war. Ein Ring aus planetaren Verteidigungsgeschützen schob sich aus verborgenen Stellungen hervor und schickte den attackierenden Walzen Energielanzen entgegen. Aus unterplanetaren Hangars war die gesamte restliche Verteidigungsflotte von Josgorrn VI gestartet und warf sich in den Kampf.

Die Maahks hielten unbeeindruckt ihren Kurs. Um die großen 1200-Meter-Walzen flogen kleinere Begleitschiffe in schraubenförmigen Bahnen. Eine dieser Einheiten zerteilte sich plötzlich in zahlreiche flache Scheiben, die auf den Kraterschutzschirm zustürzten, während die Schirmbrecher der Großschiffe ihre Strahlenorgeln einsetzten. Die Scheiben vergingen mit gewaltigen Explosionen in der Energieglocke der Planetenbasis. Mehrere große Lafettenschiffe, die nur wenige, dafür umso leistungsstärkere Impulsgeschütze entlang ihrer Längsachsen installiert hatten, begannen auf der Außenhaut zu glühen, als sie ihre Waffen aufluden. Unter der Wucht ihres Salvenfeuers brach der Kraterschutzschirm endgültig zusammen.

Da Gissan verfolgte voller Schmerz, wie die Maahkschiffe sofort das Feuer einstellten. Das größte Schiff der Flotte, ein Riese von 2000 Metern Länge, schob sich dicht an der wracken VOTANTHAR'PRAGO vorbei und nahm das Privileg des Todesstoßes in Anspruch. Während das Monstrum den Krater mit den darunterliegenden Forschungsinstallationen in eine brodelnde Gluthölle verwandelte, konnte da Gissan dessen Kennung sehen. Zwar vermochte er das Kraahmak nicht zu lesen, aber die Zentralepositronik blendete eine Übersetzung ins Holo ein. Das Schiff hatte seinen Namen von einer berüchtigten Walze aus vergangenen Schlachten übernommen: WELTENZERSTÖRER.

»Das Nottriebwerk kann wahrscheinlich wieder zünden«, meldete der Erste Offizier im gleichen Moment, in dem die Explosion des planetaren Basiskraftwerks den Krater zerriss.

Da Gissan warf einen Blick auf das Taktikholo. Die WELTENZERSTÖRER stand direkt vor ihnen über dem Planeten und setzte ihr Vernichtungswerk fort. Aus der ganzen Länge ihres Rumpfs zuckten Thermo- sowie Impulsstrahlen und durchpflügten die Planetenoberfläche.

»Vollschub auf mein Kommando!« Er wartete, bis die Eigenrotation der VOTANTHAR'PRAGO sie so drehte, dass ein Triebwerksstoß sie auf Kollisionskurs mit der WELTENZERSTÖRER bringen würde.

»Jetzt!«, befahl er.

Das Triebwerk hustete, sprang mit einem Ruck an, der sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlte ... und explodierte. Stahl kreischte auf, Funken stoben quer durch die Zentrale, die letzten Hologramme erloschen ... und Nert-tiga Heskmar da Gissan wusste, dass er versagt hatte.

3.

Ein Faktor für Arkon

Faktor I persönlich hatte ihm einen Auftrag gegeben. Kal Hersher betrachtete gedankenverloren die schwarze, silberdurchwirkte Robe. Sie war mehr als ein zeremonielles Kleidungsstück – nicht nur in technischer Hinsicht. Sie stand sinnbildlich für die Macht der Meister der Insel, der zwölf Herrscher über das riesige Sternenreich von Andrumidia. Dort gab es kaum ein mit Bewusstsein gesegnetes Wesen, das die Bedeutung der Robe mit der Sternenfratze nicht kannte. Und dieses Symbol der Macht verstaubte derzeit im Schrank. Mitgenommen hatte er es auf seine Mission vor allem, weil es in gewisser Weise Teil von ihm geworden war, eine Insignie, von der sich ein Meister seiner Ansicht nach nicht trennen sollte.

Wie lange hatte er die Amtstracht nicht mehr getragen? Über viele Jahre hinweg war er als verdeckter Agent bei den Arkoniden gewesen, hatte sich beim imperialen Geheimdienst als Celista hochgearbeitet und Zugang zu wertvollen Informationen erhalten, die auf anderem Wege kaum zu beschaffen gewesen wären. Inzwischen lag sein Ziel, in die höchsten Ränge der Geheimdiensthierarchie vorzudringen, fast schon in greifbarer Nähe.

Vermutlich hätte ich meine Robe sogar auf Arkon tragen können, ohne dass jemand Verdacht geschöpft hätte, dachte er. Eben weil sie hier fast jeder nur für ein extravagantes Kleidungsstück halten würde.