Perry Rhodan Neo 65: Die brennende Welt - Andrea Bottlinger - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan Neo 65: Die brennende Welt E-Book und Hörbuch

Andrea Bottlinger

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Beschreibung

Als der Astronaut Perry Rhodan im Juni 2036 zum Mond aufbricht, ahnt er nicht, dass sein Flug die Geschicke der Menschheit in neue Bahnen lenken wird. Rhodan stößt auf ein Raumschiff der technisch weit überlegenen Arkoniden. Es gelingt ihm, die Freundschaft der Gestrandeten zu gewinnen - und schließlich die Menschheit in einem einzigen, freiheitlichen Staat zu einen: der Terranischen Union. Perry Rhodan hat das Tor zu den Sternen geöffnet. Doch die neuen Möglichkeiten bergen neue Gefahren: Von dem Gelehrten Crest da Zoltral erfährt er, dass die Position der Erde im Epetran-Archiv auf Arkon gespeichert ist. Mit einigen Gefährten startet Rhodan unverzüglich ins All. Er muss die Koordinaten löschen, bevor sie in die falschen Hände geraten und die Macht des Großen Imperiums die Erde zerschmettert. Die Suche führt Rhodan und seinen besten Freund Reginald Bull nach Arkon II - die Welt, auf die vor wenigen Tagen die Himmelsstadt Gath'Etset'Moas abgestürzt ist. Sie erwartet ein Inferno ...

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Zeit:6 Std. 8 min

Sprecher:Hanno Dinger

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Band 65

Die brennende Welt

von Andrea Bottlinger

Als der Astronaut Perry Rhodan im Juni 2036 zum Mond aufbricht, ahnt er nicht, dass sein Flug die Geschicke der Menschheit in neue Bahnen lenken wird.

Rhodan stößt auf ein Raumschiff der technisch weit überlegenen Arkoniden. Es gelingt ihm, die Freundschaft der Gestrandeten zu gewinnen – und schließlich die Menschheit in einem einzigen, freiheitlichen Staat zu einen: der Terranischen Union.

Perry Rhodan hat das Tor zu den Sternen geöffnet. Doch die neuen Möglichkeiten bergen neue Gefahren: Von dem Gelehrten Crest da Zoltral erfährt er, dass die Position der Erde im Epetran-Archiv auf Arkon gespeichert ist. Mit einigen Gefährten startet Rhodan unverzüglich ins All. Er muss die Koordinaten löschen, bevor sie in die falschen Hände geraten und die Macht des Großen Imperiums die Erde zerschmettert.

Die Suche führt Rhodan und seinen besten Freund Reginald Bull nach Arkon II – die Welt, auf die vor wenigen Tagen die Himmelsstadt Gath'Etset'Moas abgestürzt ist. Sie erwartet ein Inferno ...

1.

Arkon II – Torgona'Dares

Ratkoth da Iskwar

Dass ihnen eine Stadt auf den Kopf gefallen war und sie im Keller von Ratkoth da Iskwars Haus festsaßen, war kein Grund, nicht einfach weiterzufeiern. Ratkoth lächelte, während er daran dachte, wie vehement Irtasa diese Meinung vertreten hatte. Dann wirbelte er sie in die nächste Drehung des Tanzes, zu dem Fedor und Thetal auf ihren Bechern den Takt schlugen. Der Duft von Irtasas weißem Haar vermischte sich mit dem süßen Geruch des H'ogg und überdeckte den verbrannten Gestank, der von draußen hereindrang.

»Wir leben«, flüsterte Irtasa Ratkoth ins Ohr. Der Tanz führte sie ein Stück von ihm weg, und er sah sie strahlen. »Wir leben!«

Ratkoth war sich schon irgendwie der Tatsache bewusst, dass dies wahrscheinlich ihre Art war, mit dem Schock umzugehen. Gath'Etset'Moas, die älteste der achtundzwanzig Orbitalstädte, die Arkon II umkreisten, war auf sie herabgestürzt und hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Es gab mehr Grund zum Trauern als zum Feiern. Doch sie klammerte sich an diesen einen Satz.

»Wir leben, Ratkoth!« Irtasa warf den Kopf in den Nacken und lachte.

Ratkoth stimmte mit ein, ließ sich von ihrer Euphorie mitziehen. Die Alternative bedeutete, sich dem Grauen um ihn zu stellen, und der Tatsache, dass seit Tagen keinerlei Hilfe kam, nur immer wieder die Aufforderung an alle Bürger, in ihren Häusern zu bleiben.

In der nächsten Drehung des Tanzes schüttelte Ratkoth diese Gedanken ab. Er schloss die Augen und ließ sich vom Rhythmus tragen, Irtasa in seinen Armen. Sie lebten. Das war tatsächlich das Wichtigste, oder nicht?

Ein Scheppern. Der Rhythmus brach ab. Ratkoth da Iskwar riss die Augen auf, die letzten Tanzschritte wurden zu einem ungeschickten Stolpern.

Bernsteingelber H'ogg floss über den kahlen Kellerboden. Doch im nächsten Moment wurde er von giftgrünen Schwaden verdeckt. Nebelfinger tasteten sich vor, eroberten immer mehr den Kellerboden und brachen sich an den reglosen Gestalten von Fedor und Thetal. Die beiden Brüder mit dem roten Haar lagen dort, wo sie zuvor gesessen hatten, und rührten sich nicht mehr.

»Giftige Gase!«, keuchte Irtasa. »Es muss eine der Fabriken getroffen haben, und der Wind hat das Gas nun zu uns getragen.« Sie hatte Teile einer Ausbildung zur Ingenieurin absolviert, bevor sie beschlossen hatte, lieber Künstlerin zu werden.

»Dann schnell. Wir bringen sie hier raus.« Ratkoth ging neben Fedor in die Knie. Er packte seinen langjährigen Freund an den Schultern. Ein scharfer Geruch stieg ihm dabei in die Nase. Er musste husten.

»Auf keinen Fall einatmen, wenn du auch nur in die Nähe von dem Zeug kommst!«, wies Irtasa ihn an. »Es ist schwerer als Luft, deshalb bewegt es sich nur auf Bodenniveau. Das ist der einzige Grund, warum es uns noch nicht erwischt hat. Wir haben gestanden, sie nicht.« Sie kniete sich neben Thetal.

Ein Hustenanfall schüttelte Fedor. Er glitt aus Ratkoths Griff. Grüner Nebel stob auf, als der rothaarige Mann auf den Boden zurückfiel. Blut glänzte auf Fedors Lippen. Seine Lider flatterten. Dann, mit einem Mal, lag er still.

»Fedor!« Ratkoth tastete am Hals seines alten Freundes nach einem Puls, fand aber keinen. Wieder stieg ihm der scharfe Geruch in die Nase, wieder hustete er. Ihm wurde schwindelig, er schwankte.

Da spürte er eine Hand an seinem Arm. Irtasa kniete sich neben ihn, legte sich seinen Arm über die Schultern. Sie keuchte, als sie ihn mit sich in die Höhe zog, hustete dann, als ihr ein großer Schwall von dem Gas in die Nase stieg. Doch kaum standen sie, ging das Atmen leichter. Noch einmal hustete Ratkoth, schnappte schließlich gierig nach Luft.

Irtasas rote Augen waren groß, Feuchtigkeit schwamm darin. »Thetal ist auch tot. Lass uns von hier verschwinden.«

Wir leben ... noch. Sie wateten durch einen kniehohen See aus grünem Nebel zur Treppe. Nur dass es keine Treppe mehr war, sondern ein Wasserfall aus Gift, der sich zu ihnen nach unten ergoss und den Keller schnell füllte. Ratkoth packte Irtasas Hand, tastete mit dem Fuß nach der ersten Stufe. Er zog sie mit sich, als er nach oben eilte.

»Wir lassen sie im Stich!«

»Wir können nichts mehr für sie tun.« Irtasas Stimme klang heiser. »Sie sind tot.«

Dann hörte er für eine Weile nur noch ihren schweren Atem.

Auf halber Höhe entglitt Ratkoth ihre Hand. Mitten auf der Kellertreppe blieb er stehen. Weitere Schwaden des giftigen Gases drangen ihm in die Nase, er hustete, drückte sich den Ärmel seines Hemdes vor Mund und Nase. »Irtasa!«

Sein Blick huschte über den Nebel, der wie Wasser die Treppen hinunterfloss. Dort! Irtasas weißer Haarschopf war wie eine Insel in all dem giftigen Grün. War sie gestolpert? Hatte sie zuvor schon mehr von dem Gas abbekommen, als er gedacht hatte?

Ratkoth eilte die letzten beiden Stufen wieder hinunter. Er hielt den Atem an, wie sie es ihm gesagt hatte. Dennoch prickelte das Gas auf der nackten Haut seiner Hände, als er in dem Nebel nach Irtasas Schultern tastete. Er bekam sie zu fassen, zerrte sie in die Höhe. Seine Lungen brannten, doch er durfte nicht einatmen. Wenn er sich umbrachte in dem Versuch, sie zu retten, tat er ihnen beiden keinen Gefallen.

Sterne tanzten vor Ratkoths Augen, während er Irtasa Stufe für Stufe nach oben zog. Schließlich hielt er es nicht mehr aus. Mit einem Keuchen stieß er den Atem aus, sog gierig frische Luft in seine Lungen. Doch rein war diese Luft ganz sicher nicht. Wie Säure brannte sie in seiner Kehle. Er hustete, schleppte Irtasa und sich eine weitere Stufe hinauf, dann noch eine. Stur immer höher und höher. Schließlich trat er ins Leere, als er den Fuß erneut hob und ihn automatisch auf die nächste Stufe setzen wollte.

»Wir haben es fast geschafft, Irtasa«, keuchte er. »Halt durch!«

»Wir leben, Ratkoth.« Die Worte waren kaum mehr als ein Flüstern.

»Ganz genau. Und wir werden nicht so schnell damit aufhören.«

Auch im Erdgeschoss waberte ihm der grüne Nebel um die Knöchel. Irtasa regte sich schwach, und Ratkoth legte sich ihren Arm um die Schultern, schlang seinen eigenen um ihre Hüfte. Gemeinsam schleppten sie sich zur nächsten Treppe. Kristallene Stufen, nun staubig und durchzogen von einem Spinnennetz aus Sprüngen.

Das giftige Gas blieb hinter ihnen zurück. Mit jeder Stufe, die sie sich hinaufmühten, atmete Ratkoth freier. Der Husten ließ nach, und obwohl Irtasas Gewicht immer schmerzhafter an ihm zerrte, kam er schneller voran.

Endlich erreichten sie das Ende der Treppe, das Atelier. Er fiel auf die Knie, und Irtasa kippte zur Seite, blieb dort einfach liegen. Für eine Weile kniete Ratkoth nur da und konzentrierte sich ganz aufs Atmen.

Langsam drang zu ihm durch, wie seine Umgebung aussah. Das große Panoramafenster war geborsten, seine Splitter verteilt wie glänzende Schneeflocken zwischen den fertigen und halb fertigen Holokunstwerken.

»Irtasa, weißt du noch, dass ich dir mal erzählt habe, warum ich ausgerechnet hier wohnen wollte? Weil man von hier bei fast jedem Wetter die Berge sieht.«

Ein leises Geräusch erklang neben ihm, halb Husten, halb Lachen. »Und, siehst du die Berge?«

»Nein, da ist nur Rauch.« Tränen rannen Ratkoths Wangen hinab. »Rauch und Feuer.« Die dunklen Rauchwolken jenseits des Fensters verschwammen vor seinen Augen, bis er nur noch Schlieren aus Schwarz und Rot sah. Hätte es nicht Tag sein müssen? Doch das einzige Licht stammte von den Flammen.

Ratkoth blinzelte. »Kein einziger Stern am Himmel, kein Licht von den anderen Himmelsstädten. Man könnte meinen, sie seien auch abgestürzt.«

»Dann hatten wir Glück, dass wir noch ein paar Tage hatten zum Feiern und Tanzen.«

»Oh ja, das hatten wir.« Im Gegensatz zu dem alten Mehandor, der auf der anderen Straßenseite gewohnt hatte. Wo sein Haus gestanden hatte, erhob sich nun ein steiler Hang aus Trümmern und Schlamm. Je länger Ratkoth in diese Richtung starrte, desto genauer erkannte er jenseits des Rauchs immer mehr Schlamm, immer mehr Trümmer. Sie erstreckten sich wie ein Ausläufer der Berge bis tief zwischen die Häuser. Eine Schlammlawine, schoss es Ratkoth durch den Kopf. Und sie hatte praktisch direkt vor seiner Haustür halt gemacht. »Sehr viel Glück.«

Wieder ein Husten neben ihm. Im roten Schein, der von den Rauchwolken zurückgeworfen wurde, wirkte Irtasa totenbleich. Nur ihre Lippen glänzten rot. Blutrot. Da erst trafen ihn Irtasas Worte mit voller Wucht.

Dass wir noch ein paar Tage hatten ...

Ihr ganzer Körper krümmte sich. Ratkoth hielt sie, half ihr, sich auf die Seite zu drehen. Ein Hustenanfall schüttelte sie wie Fedor zuvor. Weitere Blutstropfen landeten auf dem Teppich, der einst teuer und schneeweiß gewesen war.

»Irtasa«, er flüsterte ihren Namen. »Halt durch, meine Liebste, meine Inspiration!«

Sie setzte dazu an, etwas zu sagen, doch heraus kam nur weiteres Würgen und Husten. Ratkoths Blick verschleierte sich, als sich erneut Flüssigkeit in seinen Augen sammelte. Die Kehle wurde ihm eng. Er hatte sie nicht schnell genug aus dem giftigen Nebel gezogen.

Er mühte sich auf die Füße. Sein Schreibtisch war ein Durcheinander aus Scherben und kleinen Holoprojektoren. Ratkoth schnitt sich mehrmals, als er achtlos Gegenstände beiseiteschob. Über das Komplantat hatte er in den vergangenen Tagen schon mehrmals vergeblich versucht, irgendwen zu erreichen. Wo war nur die Positronik, auf der er normalerweise seine Kunstwerke entwarf? Schließlich fand er das kleine Gerät. Er schaltete es ein, und einige Holos erschienen, aber die Verbindungen zum planetenumspannenden Datennetzwerk waren entweder tot oder überlastet. Er war allein.

Hilflos saß er neben Irtasa, hielt sie, sprach zu ihr. Manchmal war er sich nicht sicher, ob sie ihn noch hörte. Dann tastete er an ihrem schlanken Hals nach dem Puls. Er war schwach und unregelmäßig.

Und dann, nach einer Ewigkeit im stets gleichbleibenden roten Licht, fand er ihn gar nicht mehr.

»Irtasa.« Ratkoths Stimme war rau, nicht nur von dem ätzenden Gas. Immer hektischer wanderten seine Finger über ihren Hals. Doch da war nichts mehr, kein Funken von Leben. Stumm vergrub er das Gesicht in Irtasas weißem Haar. Und für eine Weile verlor alles andere an Bedeutung. Er lebte, aber sie nicht mehr.

»Vorsicht!« Die Stimme kam von draußen. Langsam sah Ratkoth auf. Irtasas Haut war inzwischen kalt, und er ließ sie zu Boden sinken, bettete sie vorsichtig zwischen Asche und Glasscherben. Schließlich stand er auf und trat an das Panoramafenster.

Eine kleine Gruppe Halbarkoniden mit dunkler Haut stand auf der Straße zwischen Trümmerstücken und verbrannten, nutzlosen Fahrzeugen. Sie trugen Rucksäcke und Bündel voller Besitztümer bei sich und starrten den wabernden, grünen Nebel an, der ihnen den Weg versperrte.

»Hier geht es nicht weiter.«

Die anderen nickten. Einen von ihnen wandte sich bereits um. »Kommt! Ich kenne noch einen anderen Weg zum Heskhum-Pass.«

Schnell entfernte sich die Gruppe und verschwand um die nächste Ecke.

Der Heskhum-Pass also. Gab es dort Hilfe?

Ratkoth leckte sich die trockenen Lippen und blickte zu Irtasa. Wenn er hier blieb, würde er bald neben ihr liegen. Das hätte sie nicht gewollt.

Langsam strich er durch sein Atelier, packte das eine oder andere in die Tasche. Bei jedem der Holos blieb er kurz stehen. Besonders lang verharrte er vor seinem letzten Werk, das noch nicht ganz fertig war. Sein sorgfältig komponiertes Meisterstück, in das er subtile Kritik an dem Regenten und seiner Regierung hineingewoben hatte. Ein Wagnis, aber ihm hatte der Sinn nach ein wenig Gefahr gestanden.

Nun hatte er zu viel davon.

Ratkoth ließ das Holo, wo es war, packte stattdessen eines ein, das er von Irtasa erstellt hatte. Bei Irtasa blieb er noch einmal stehen und faltete ihre Hände vor ihrer Brust, strich ihr das Haar aus dem Gesicht. »Ich werde für uns beide leben, Irtasa.«

Es berichtet Ferra da Jirik von den Imperialen Nachrichten vor Ort auf Arkon II. Eine Woche nach dem Absturz von Gath'Etset'Moas wüten noch immer viele Feuer auf der Oberfläche von Arkon II.

Gouverneur Veserk da Derem hat verlauten lassen, dass die Situation unter Kontrolle sei. Die Löscharbeiten schreiten voran, werden aber aufgrund der Größe der Brände einige Zeit in Anspruch nehmen. Noch einmal hielt da Derem die Bürger an, nicht in Panik zu geraten und in ihren Häusern zu bleiben. Hilfe sei unterwegs.

2.

Arkon I – Grotte der Sternengötter

Perry Rhodan

34.000 Lichtjahre lagen zwischen Perry Rhodan und seiner Heimat. Gerade war er noch um sein Leben gerannt, mitten durch das Thermo- und Desintegratorfeuer der Kriegsschiffe, die über der Grotte der Sternengötter schwebten. Rauch stieg von unzähligen Glutherden in der Umgebung auf. Der Krater, in dem er zusammen mit seinen Gefährten gekauert hatte, bot nur notdürftigen Schutz vor einer Entdeckung.

Der Letzte, den Rhodan in dieser Umgebung zu sehen erwartet hatte, war sein bester Freund von der Erde: Reginald Bull.

Doch genau dieser Reginald Bull stand nun vor ihm, flankiert von zwei massigen Naats, und strahlte ihn an. Sein rotes Bürstenhaar war verschwitzt, die bleiche Narbe auf seiner linken Wange hob sich ab wie ein von Eis bedeckter Gebirgsrücken. Wie die beiden Naats trug Bull einen Kampfanzug der Imperiumsflotte.

Rhodan mutete es an, als würde er einen Geist aus einem früheren Leben sehen. Fast zeitgleich mit seinem Auftauchen war der Beschuss verebbt.

»Reg!«, stieß Rhodan schließlich hervor. »Was, zum Teufel, treibst du hier? Du solltest auf der Erde sein!«

Bull grinste noch breiter. »Du kennst mich ja, Perry. Mit Regeln habe ich es nicht so. Wir ...« Bull unterbrach sich, als hinter ihm ein Fauchen erklang. Alarmiert drehte er sich um.

Der Purrer Chabalh hing noch immer im Griff des Naats, den er zuvor angegriffen hatte. In den Pranken des hünenhaften Außerirdischen wirkte der Purrer wie ein zu groß geratenes Kätzchen. Dennoch fauchte er und wand sich, um sich loszumachen. »Chabalh runterlassen!«, beschwerte er sich.

Vorsichtig setzte der Naat das katzenartige Wesen auf dem Boden ab. Sofort zog Chabalh sich in Rhodans Nähe zurück, sein Schwanz schlug nervös hin und her. Was hatte er nur?

»Das sind Freunde«, versuchte Rhodan ihn zu beruhigen. Kurz sah er sich nach Ishy Matsu und dem alten Arkoniden Onat da Heskmar um. Die Japanerin half ihrem betagten Begleiter soeben auf die Füße. »Wir haben es fast geschafft«, versicherte Rhodan Onat und hoffte, dass es stimmte. Der Arkonide sah nicht so aus, als könnte er sich noch lange auf den Beinen halten.

»Ich erzähle dir alles später«, wandte sich Bull an seinen alten Freund. »Erst einmal müssen wir euch in Sicherheit bringen. Schnell, errichtet den Schutzschirm, wie wir es besprochen haben!« Er gab den Naats einen Wink.

Mehrere der dreiäugigen, drei Meter hohen Riesen stellten sich rings um den Krater auf. Im nächsten Moment glaubte Rhodan in der Luft ein leichtes Schillern zu sehen, als breche sich das Licht auf einer Oberfläche aus Glas. Rhodan wusste, was geschah. Die Naats schalteten ihre Schutzschirme zusammen, sodass die gesamte Gruppe vor möglichen Gefahren außerhalb des Kraters geschützt war.

»Gut.« Bull nickte. »Nun zieht eure Anzüge aus!«

Rhodan blinzelte überrascht. Doch bevor er etwas sagen konnte, enttarnten sich auf eine schnelle Geste von Bull weitere Naats. Sie trugen sperrige Bündel in den Händen, die nun ebenfalls sichtbar wurden.

»Ihr habt Kampfanzüge für uns mitgebracht?«, fragte Rhodan.

»Für euch alle. Selbst für deinen vierbeinigen Begleiter.« Bull deutete auf eines der Bündel.

Bei genauerem Hinsehen erkannte Rhodan, dass dieser Anzug ein wenig improvisiert wirkte. Die Brustplatte, die den Energiespeicher enthielt, sah kleiner aus als normal, und die Oberfläche des Anzugs war nicht vollkommen glatt, sondern an einigen Stellen zerschnitten und in einer neuen Form wieder zusammengefügt worden. Wer genau hinsah, würde die Tarnung der Stealth-Funktion durchschauen können, während sie aktiviert war.

»Er ist nicht so leistungsfähig wie unsere Anzüge«, erklärte Reg. »Aber er hat alle Funktionen, die wir brauchen, um euch hier rauszuholen.«

»Wie konntet ihr überhaupt von Chabalh wissen?« Während er die Frage stellte, faltete Rhodan das Visier seines Helms nach hinten und schälte sich aus dem Anzug. Sofort stieg ihm Brandgeruch in die Nase. Sie durften keine Zeit verschwenden.

»Wir haben unsere Quellen.« Bull zwinkerte. »Du wirst es sehen.«

Auch Ishy entledigte sich ihres Anzugs und legte einen der mitgebrachten Kampfanzüge an, auf deren Brustplatten der Schiffsname RANIR'TAN stand. Kein Name, der Rhodan etwas sagte. Aber die Sternendiener, die ihnen zur Flucht aus dem Kristallpalast verholfen hatten, hatten von einem Schiff gesprochen, das auf dem Raumhafen auf sie wartete. Konnte es sich dabei um die RANIR'TAN gehandelt haben?

Nachdem sich auch Rhodan eilig umgezogen hatte, wurde klar, dass noch ein Anzug übrig war. »Deine Quellen wussten auch von Onat?«, fragte er beeindruckt.

»Wir haben diesen Anzug für Iwan Goratschin mitgebracht. Wo ist der eigentlich?« Bull blickte von der ernsten Miene seines Freundes zu Ishy Matsu, die stocksteif und mit aufeinandergepressten Lippen dastand. Seine Augen wurden groß. »Sag nicht ...«

»Er ist tot.« Rhodan nickte langsam. »Ich erzähle es dir später.« Er verscheuchte die Erinnerungen, die diese Worte heraufbeschworen, und wandte sich an den alten Arkoniden. »Immerhin haben wir so nun einen Anzug für Sie.«

Onat da Heskmar hatte seinen alten Anzug zur Hälfte abgelegt. Rhodan eilte zu ihm hinüber. Gemeinsam mit Ishy und Bull half er erst Onat und dann Chabalh in seinen Anzug. Als sie fertig waren, wirkten sie wie ein beliebiger Trupp arkonidischer Soldaten – abgesehen von Chabalh. Rhodan aktivierte die Stealth-Funktion im Anzug des Purrers.

»Das Bombardement wurde nur kurz eingestellt«, erklärte Bull. »Wir sind offiziell Teil dieses Einsatzes, daher höre ich den Gefechtsfunk mit. Sie werden gleich wieder damit anfangen. Deshalb fliegen wir euch hier raus. Aktiviert die Stealth-Funktion, und dann nichts wie weg!«

Rings um Rhodan schienen sich die Naats und seine Begleiter einfach in Luft aufzulösen. Nur wenn er ganz genau hinsah, konnte er dort, wo sie standen, ein leichtes Flimmern in der Luft erkennen.

Der kleine Trupp hob ab, und Rhodan genoss das Gefühl der Freiheit, das mit dem Fliegen kam. In einem Schutzanzug hatte man noch viel mehr als in einem Flugzeug den Eindruck, wie ein Vogel zu fliegen. Es gab kein Gehäuse aus Metall um ihn herum, nur den Anzug, der wie eine zweite Haut anlag.

Inzwischen hatte sich der Rauch ein wenig verzogen. Viele der Glutherde, die der Beschuss durch die Kriegsschiffe über ihren Köpfen entfacht hatte, glimmten nur noch schwach. Dank der besseren Sicht bemerkte Rhodan, dass einer der Naats ungetarnt zurückblieb.

Während Rhodan sich höher in die Luft schraubte, beobachtete er, wie der Riese mit den Säulenbeinen eine Thermoladung von einem Gürtel an seinem Anzug löste. Der Naat zog den Sicherungsstift und warf die Ladung zielsicher in den Krater. Das metallene Ei prallte einmal vom Boden ab, landete dann genau zwischen den Anzügen, die sie zurückgelassen hatten.

»Vorsicht, Druckwelle«, ertönte es über einen gesicherten Kanal. Der Naat aktivierte seine Tarnung ebenfalls, sodass Rhodan ihn aus dem Blick verlor. Wahrscheinlich würde er zur Gruppe aufschließen.

Vorsorglich wandte Rhodan sich ab. Im nächsten Moment donnerte eine Explosion. Gleißendes Licht zeichnete die Schatten der Felsen ringsum kurz scharf auf den Boden. Dann traf die Druckwelle Rhodan, war allerdings schon nicht mehr kräftiger als ein leichter Schubs. Für einen Moment hatte er das Gefühl, darauf zu reiten, dann war der Spuk vorbei.

Aus dem Akustikfeld in Rhodans neuem Helm erklang Bulls Stimme. »Wenn wir Glück haben, finden sie ein paar Fetzen eurer Anzüge und halten euch für tot.«

Rhodan nickte anerkennend, obwohl sein Freund das nicht sehen konnte. Die Hitze einer Thermoladung verbrannte organisches Gewebe stets vollständig. Es würde also niemanden verwundern, nur Überreste ihrer Kleidung zu finden. Sein alter Freund dachte wirklich an alles.

Gärten und künstlich angelegte Haine hatten die Grotte der Sternengötter umgeben. Nun ragten nur hier und dort die verkohlten Skelette von Hecken und Bäumen auf. Der Boden war aufgewühlt vom Beschuss und von den schweren Schritten der Naats. Seltene Flecken grünen Grases bildeten Inseln inmitten von Braun und Grau und Schwarz. Es versetzte Rhodan einen Stich zu wissen, wie viel Schönheit in wenigen Minuten zerstört worden war – ganz zu schweigen von den vielen Opfern, die die Kämpfe in der Grotte der Sternengötter selbst gekostet haben mussten. Die Sternendiener hatten es gewagt, sich der Macht des Imperiums zu widersetzen – und das Imperium duldete keinen Widerstand.

»An alle Einheiten«, drang eine unbekannte Stimme an sein Ohr. »An alle Einheiten. Gefechtsfeld unverzüglich räumen, Bombardement wird fortgesetzt. Ich wiederhole. Gefechtsfeld unverzüglich räumen. Bombardement wird fortgesetzt.«

»Die glauben wohl, dass ihr euch irgendwo verkriecht und man euch durch den Beschuss aufscheuchen kann«, kam Bulls Stimme über einen gesicherten Kanal.

»Da werden wir sie enttäuschen müssen«, gab Rhodan zurück.

Schließlich lichtete sich der Rauch der verschiedenen Glutherde. Sie flogen auf das helle Licht der arkonidischen Sonne zu und hatten einen weiten Blick über den Wald aus Stahl und Beton, den man Thek-Laktran nannte. Stolze Kelchbauten reckten sich gen Himmel, und in ihrer Mitte glitzerte der Kristallpalast wie ein Diamant. Es war, als schaue man in eine andere Welt. Die She'Huhan-Grotte mochte unter Beschuss stehen, doch ansonsten ging im Regierungszentrum des Großen Imperiums alles weiter wie gehabt. Fahrzeuge flitzten zwischen den Gebäuden umher, Arkoniden flanierten durch Straßen und Parkanlagen.

Hinter ihnen knallte eine Explosion. Das Bombardement hatte wieder begonnen. Hätten sie versucht, das Gebiet zu Fuß zu verlassen, wären sie wahrscheinlich mitten in den tödlichen Hagel geraten.

»Sie haben die Gegend abgeriegelt.« Bull deutete auf einen kleinen Trupp Naats am Fuß der Hänge, in die die Grotte eingebettet lag. Etwas links davon erspähte Rhodan einen zweiten. Bei diesem Trupp stand auch eine menschengroße Gestalt, ein arkonidischer Offizier.

Rhodan versuchte sich eine bessere Übersicht zu verschaffen. Die Verwüstung endete hier, eine Grenze zwischen aufgewühlter Erde und manikürtem Rasen wie mit einem Messer gezogen. Hinter einigen Büschen entdeckte er den Kopf und die massigen Schultern eines weiteren Naats. In der anderen Richtung bemerkte er ebenfalls Gestalten.

Als sie gerade über die Blockade hinwegflogen, deutete einer der Naats nach oben. Der arkonidische Offizier wandte sich ebenfalls um, blickte erst in den Himmel, dann auf die Anzeigen des Orters neben ihm.

»Unbekanntes Flugobjekt«, ertönte kurz darauf eine befehlsgewohnte Stimme. »Landen Sie und enttarnen und identifizieren Sie sich! Ich wiederhole. Landen Sie und identifizieren Sie sich!«

»Ach, verdammt!« Bull klang trotz seiner Worte nicht sonderlich überrascht. »Ich habe mir fast gedacht, dass wir Chabalhs Anzug nicht gut genug hinbekommen haben. Aber es war einen Versuch wert.«

»Dann gehe ich davon aus, du hast für diesen Fall geplant«, sagte Rhodan.

Bull desaktivierte die Stealth-Funktion seines Anzugs. »Alle enttarnen bis auf Chabalh. Der soll sich möglichst dicht bei einem von uns halten.«

Perry Rhodan spürte eine Berührung an der Schulter, während er seine eigene Tarnfunktion desaktivierte, und wusste, an wen Chabalh sich halten würde. Langsam gingen sie tiefer, und schließlich setzten sie wenige Meter vor der Grenze auf.

»Macht dir keine Sorgen, alter Freund!« Bull marschierte hoch erhobenen Hauptes auf einen der Wachposten zu. Der Rest der kleinen Gruppe folgte ihm.

Zwei der Naats traten vor, als Bull die Grenze zwischen totem und lebendigem Land erreichte. Mit wiegenden Schritten kamen sie näher. Schnell zog Rhodans Freund eine Identifizierungsmarke hervor. »Hagnor ter Garden, Erster Offizier der RANIR'TAN«, nannte er zusätzlich einen falschen Namen, während einer der Naats die Marke scannte. »Wir haben Befehl erhalten, unverzüglich aufs Schiff zurückzukehren.«

Nun trat auch der arkonidische Offizier näher. »Aus welchem Grund wollten Sie das Gebiet getarnt verlassen?«

Rhodan hielt den Atem an. Hoffentlich hatte Bull eine gute Geschichte parat. Gleichzeitig spürte er Chabalhs Schulter an seinen Schenkeln, als der Purrer sich offensichtlich bemühte, hinter ihm in Deckung zu bleiben, sodass die Orter keine Hinweise auf seine Anwesenheit auffingen.

»Wir hatten nicht vor, getarnt das Gebiet zu verlassen, genauso wenig wie wir vorhatten, durch die Flugverbotszone in Thek-Laktran zu fliegen, falls Sie das als Nächstes fragen wollen. Wir haben, wie befohlen, im Tarnmodus nach den Flüchtigen gesucht. Ich war gerade dabei, den Befehl zum Enttarnen und Landen zu geben, als Sie uns angehalten haben.«

Der Offizier runzelte die Stirn. »Und wieso kehren Sie zu Ihrem Schiff zurück, anstatt das Ende des derzeitigen Bombardements abzuwarten und dann die Suche fortzusetzen?«

»Ich habe nicht die geringste Ahnung«, gab Bull zackig zurück. »Ich habe lediglich einen Befehl erhalten und gedenke, ihn auszuführen. Für weitere Informationen müssen Sie sich an Kommandantin Shaneka wenden.«

Der Offizier winkte ab, offensichtlich überzeugt angesichts von so viel Diensteifer. Er bedeutete ihnen, weiterzugehen. Rhodan erlaubte sich im Schutz seines Helmvisiers ein leichtes Lächeln, während die Gruppe sich wieder in Bewegung setzte. Militärstrukturen waren doch überall gleich.

»Was ist eigentlich mit ihm?«

Die Frage ließ ihn leicht zusammenzucken. Hatten die Orter Chabalh aufgespürt, trotz der Tatsache, dass so viele unterschiedliche Wesen um den Purrer herumstanden und einen vernünftigen Scan eigentlich unmöglich machen sollten? Hatte der Offizier die Stellen bemerkt, an denen die Stealth-Funktion des improvisierten Anzugs winzige Löcher aufwies? Doch als Rhodan sich umdrehte, deutete der Offizier auf Onat, der sich schwer auf Ishy Matsus Schulter stützte.

Bull schwieg einen Moment zu lang. Schnell sprang Rhodan ein. »Er wurde von der Druckwelle einer Explosion erfasst und hat sich verletzt.« Er hoffte, dass der Offizier sich Onat da Heskmar nicht genauer ansah. Der Wächter des Epetran-Archivs war ein alter Mann, den die Strapazen der letzten Tage bis über seine Grenzen hinaus beansprucht hatten.

»Er wird auf der RANIR'TAN versorgt werden«, fügte Bull hinzu.

Der arkonidische Offizier nickte. Als die Gruppe diesmal aufbrach, glaubte Rhodan, die Blicke des Mannes in seinem Rücken zu spüren. Vielleicht nagte an dem Arkoniden das – durchaus zutreffende – Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Vielleicht suchte er nur nach einem Grund, sie erneut zurückzurufen. Doch der einzige Grund, den er vielleicht hätte finden können, war ein leichter Pfotenabdruck im Gras, der Chabalhs Position verriet. Eilig trat Rhodan auf dieselbe Stelle, obwohl er ziemlich sicher war, dass niemand sonst die verräterische Spur gesehen hatte.

Der Schwere Kreuzer RANIR'TAN ragte zweihundert Meter über ihnen auf, als sie eine knappe halbe Stunde später über das Startfeld zur Einstiegsrampe gingen. Rhodan legte den Kopf in den Nacken, um den Anblick des Kugelraumers in sich aufzunehmen. Der Ringwulst, der die Mitte des kugelförmigen Raumschiffs umspannte, lag gute hundert Meter über Rhodan. »Wo hast du das Schiff her, Reg?«

»Das habe ich mir ... na ja ... vom Großen Imperium ausgeborgt.«

»Ausgeborgt?« Das klang nach einer interessanten Geschichte.

»Wie gesagt, ich erzähle dir später alles genau.«

Der Schatten des gewölbten Rumpfes fiel über sie, dann erklommen sie die Rampe. Direkt dahinter warteten bereits zwei Gestalten. Rhodan blinzelte gegen das in der großen Schleuse herrschende Halbdunkel. Den breiten Mehandor mit dem roten zu Zöpfen geflochtenen Haar erkannte er als Ersten. »Talamon!«

Der Mehandor lächelte breit. »Perry Rhodan. Es freut mich, Sie wiederzusehen.«

Neben ihm bewegte ein Insektenwesen seine Tastfühler. Rhodan wandte sich diesem Teil seines ungewöhnlichen Begrüßungskomitees zu. »E'Inatiner'U. Wie es scheint, ist dieser Tag für einige Überraschungen gut.«

E'Inatiner'U stieß ein anerkennendes Zwitschern aus. Für gewöhnlich sprach man ihn lediglich mit einem vereinfachten »Elnatiner« an. Die Frequenz des Zwitscherns steigerte sich in für menschliche Ohren unhörbare Bereiche. Der speziell angefertigte Translator, den der Volater immer bei sich trug, übersetzte seine Worte: »So wie ich das sehe, läuft derzeit alles genau nach Plan.«

»Dennoch würde es mich sehr interessieren, wie Sie beide auf meinen alten Freund Reg gestoßen sind.«

»Das ist ganz einfach«, entgegnete Talamon. »Wir haben uns auf die Suche nach Belinkhar gemacht. Dabei haben wir den Weg Ihres Freundes Reg gekreuzt und festgestellt, dass wir ähnliche Ziele verfolgen.«

Mit einem Surren fuhr hinter ihnen die Rampe hoch, und der Eingang schloss sich. Rhodan drehte sich zu Bull um. »Du scheinst wirklich einige interessante Geschichten auf Lager zu haben. Jetzt würde ich gerne zumindest die Kurzfassung hören.«

Reginald Bull lächelte. »Komm mit!« Er deutete auf die Schleusentür, die ins Innere der RANIR'TAN führte. »Ich erzähle dir alles, während ich dir das Schiff zeige. Talamon, Elnatiner, zeigt bitte unseren erschöpfteren Gästen, wo sie sich ausruhen können.«

Wenig später schlenderten die beiden Freunde Seite an Seite durch die Gänge der RANIR'TAN. Rhodan kannte den Aufbau eines Kugelraumers gut genug, um zu wissen, dass sie sich in Richtung der Zentrale bewegten. Immer wieder kamen ihnen Naats entgegen, die sich in den engen Gängen auf allen vieren bewegten. Es herrschte hektische Aktivität, und Rhodan fühlte ein Vibrieren in den Deckplatten unter seinen Füßen, das immer stärker wurde. Die Impulstriebwerke. Die Startvorbereitungen waren offensichtlich bereits in vollem Gange.

»Gefunden haben wir dich dank der Spur, die du gelegt hast«, erläuterte Bull.

Als Rhodan mit seinen Gefährten nach Arkon aufgebrochen war, um das Epetran-Archiv zu finden und die Koordinaten der Erde daraus zu entfernen, hatte er keine Möglichkeit besessen, seinen Kameraden auf der Erde Nachrichten zukommen zu lassen. Zu groß war die Gefahr gewesen, dass man sie abgefangen hätte.

Doch Rhodan hatte auf KE-MATLON, der Mehandorstation, von der aus sie sich nach Arkon eingeschifft hatten, eine Spur hinterlassen: ein Kreuzworträtsel. Primitiv, narrensicher – und für jemanden, der nicht mit der Erde vertraut war, nicht zu knacken.

»Ich bin sehr froh, dass das tatsächlich funktioniert hat. Ihr habt genau den richtigen Moment getroffen. Aber wie bist du an dieses Schiff gekommen? Du wirst dem Regenten kaum eine Nachricht geschrieben und ihn gebeten haben, dir für eine Weile eines seiner Schiffe zu leihen. Die RANIR'TAN ist ein Kriegsschiff. Ein Schwerer Kreuzer des Imperiums lässt sich nicht so einfach kapern.«

Bull lachte. »Da hast du verdammt recht.« Bei diesen Worten öffnete sich vor ihnen das Schott zur Zentrale. Mehrere Naats bemannten verschiedene Konsolen. Ein Sitz in der Mitte war von einer ganzen Reihe Holos umgeben, die die Gestalt darin halb verdeckten. »Wir haben das Schiff auch nicht im eigentlichen Sinne gekapert. Zumindest nicht mit einem großen, dramatischen Kampf, falls du dir so etwas vorstellst. Das haben wir seiner Hilfe zu verdanken.«