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Lassen Sie sich mitnehmen auf zwölf Fahrten in die Weiten des Iran, in die moderne Metropole Teheran und die alten Städte Shiraz und Isfahan, ans Kaspische Meer und zu den Türmen des Schweigens von Yazd, in die Gärten der legendären persischen Rosen, in die Moscheen und Basare und auf ein Fest für den Dichter Hafis, wo die Kopftücher locker sitzen und die Mullahs fern sind. Eine Hauptrolle auf dieser Reise voller überraschender Erfahrungen spielen die Iraner selbst. Sie öffneten der Fremden ihre Häuser und nahmen sie mit auf den Teppich, der zum Schmausen und Plaudern einlädt. Dann kommt das Wunder der Innenräume. Die prächtigen Fayencen der Wände verblassen fast vor den vollkommen mit Spiegelprismen überzogen Deckengewölben. Spiegel überall. Sie blitzen und blinken jetzt am Abend im Schein der Lichter vieler Kronleuchter und überwölben mit ihrem Glanz die Menge. Dicht gedrängt sitzen die Gläubigen auf den Teppichen. Der Raum ist erfüllt vom Psalmodieren der Betenden.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2022
Edith Werner
Persische Wanderungen
Eine Kopftuchreise in Iran
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Persische Wanderungen
Vorwort
Auftakt Teheran
In Qum und um Qum herum
Ein Tag im heiligen Maschhad
Täbris – die umtriebige Turkmenenstadt
Das Teehaus am Meer
Ein weites Land – von Rescht nach Hamadan, Kaschan und Kirman
Jasd – die Wüstenschöne
Der Turm des Schweigens
Geschichte zweier Städte – Schiras und Isfahan
Intermezzo Persepolis
Wir sind doch alle Arier!
In Basarlabyrinthen
Teppichgespräche
In Frauenräumen
Nachwort
Unterkünfte
Anmerkung
Impressum neobooks
Eine Kopftuchreise in Iran
Jede Reise ist eine Geschichte und
jede Geschichte ist eine Reise
Doris Dörrie
Es begann mit dem Kopftuch. Ich wollte nach Iran. Ich wusste, ohne Kopftuch würde ich mein Hotelzimmer nicht verlassen können. Es ging mir contre coeur, mich dazu nötigen zu lassen, aber die Neugier siegte. In meinem Kopf schwirrten disparate Bilder. Meine Töchter liebten es früher, mit mir auf unserem großen Perserteppich zu picknicken. Da saßen wir wie in einem Garten aus lauter verschiedenen Räumen. Vögel schwirrten über Blumenranken in tiefem Blau und Gelb, Zypressen, die Bäume des Lebens, ragten dunkel aus intrikaten Gartenlandschaften. Die Namen iranischer Städte wie Täbris und Isfahan oder Schiras waren mir als Teppichprovenienzen oder Wein- und Rebsorten vertraut.
Manchmal zog ich die Ruba’yat des Omar Chayam aus dem Bücherregal, nur um den schönen Einband meiner Ausgabe zu genießen und in den Versen zu blättern. Eine lederne Streichholzschachtel mit der Miniatur eines persischen Prinzen rief mir die Erzählungen eines Verwandten ins Gedächtnis. Er war mit seinem Freund, einem Prinzen aus der Schahdynastie, die vor den Pahlevis geherrscht hatte, vor vielen Jahren über das Elbursgebirge ans Kaspische Meer geritten. Sein Freund hatte ihm die Schachtel als Erinnerung gegeben. In der Schule lernten wir von den Perserkriegen, von Dareios und Xerxes. Die Persiendurchquerung von Pierre Loti, der 1900 das Land noch fast ohne westliche Einflüsse erlebt hat, nahm mich gefangen.
Zwischen diese historischen Bruchstücke und romantisch-exotischen Träumereien drängten sich ganz andere Bilder. Als Studenten hatten wir gegen den Schahbesuch in Berlin protestiert und später die islamische Revolution als Befreiung begrüßt bis sie zur religiös verbrämten Diktatur entartete. Die Bilder der Comicserie und des Films Persepolis, die Bücher Nicht ohne meine Tochter, Lolita lesen inTeheran und Je vous écris de Téhéran/Ich schreibe euch aus Teheran drängten sich dazwischen. Das Ringen um den Atomvertrag – die Verhandlungen liefen noch – bestimmte die Tagespresse. Das Land fing an, sich vorsichtig für Touristen zu öffnen, ein Zeitfenster, das sich inzwischen wieder weitgehend geschlossen hat.
Nun wollte ich dieses Land erleben, mir selbst ein Bild machen, die Widersprüchlichkeiten zu verstehen versuchen. Die Reiseroute für die geplanten vier Wochen war schnell zusammengestellt. Möglichst viel vom Land zu sehen, ohne die ausgewählten Orte nur flüchtig zu streifen, ergab fast von selbst eine Auswahl.
Ein paar technische Schwierigkeiten waren noch zu meistern, dann konnte es losgehen. Ich wollte mich nicht einer Reisegruppe anschließen. So wollte alles gut vorbereitet sein. Dank meiner Vorliebe für kleinere Hotels und B & Bs, musste ich mich durch etliche Internetseiten kämpfen, die ihre Informationen ganz oder größtenteils auf Persisch boten. Internetzahlungen waren nicht möglich. Ich musste mich auf informelle Buchungen verlassen und am Ort häufig bar bezahlen. Viel Geld war also mitzunehmen und umzutauschen. Auch im Lande konnte ich selten eine Kreditkarte einsetzen. Für die Fortbewegung im Lande habe ich mich weitgehend auf Improvisation verlassen, nur an zwei Orten örtliche Reiseveranstalter eingeschaltet und für eine Teilstrecke einen Fahrer gebucht. Alles andere ging vorzüglich per Überlandbus und bei großen Entfernungen per Inlandflug. In den Städten war ich meistens zu Fuß unterwegs, oft erschöpft, aber voller unmittelbarer Eindrücke und Erfahrungen aus spontanen Gesprächen.
Skeptikern sei vorab versichert, alle Buchungen waren zuverlässig, und niemand hat mich zu übervorteilen versucht oder gar bestohlen. Vielmehr habe ich überall Hilfsbereitschaft erfahren. Auch mit spärlichem Englisch wusste man mir brauchbare Auskünfte zu geben. Über die große Gastfreundschaft der Iraner, die mich sogar in Privathäuser geführt hat, wird später zu berichten sein.
All das wusste ich vorher nicht und fragte mich ein wenig bang, ob ich als Frau würde allein reisen können. Es kam auf einen Versuch an. Zuletzt wählte ich Kleidung und Kopftücher aus. Bei allen islambedingten Einschränkungen wollte ich ja nicht abschreckend aussehen. Schon als ich als junge Frau eine Arbeit im damals noch recht toleranten Ägypten antrat, war die Kleiderempfehlung bedeckt, bedeckt, bedeckt; keine nackten Arme, keine bloßen Knie, alles locker sitzend, was sich allerdings dort schon wegen der Hitze empfahl. Ich war also vorbereitet. Einige Jahre später erst legte Dolce & Gabbana eine Serie von Modellen der sogenannten modest fashion auf und zeigte das Frankfurter Museum Angewandte Kunst eine Ausstellung ideenreicher, moderner islamischer Mode. Ich musste mich noch mit Funden in meinem Kleiderschrank begnügen. Ein paar lange Jacken und weite Hosen kamen ins Gepäck, gefolgt von meinen größten Kopftüchern, leichte und warme für die verschiedenen Klimazonen. Es konnte losgehen.
Im fast leeren, wenig einladenden Flughafen von Teheran verbringe ich reichlich zwei Nachmittagsstunden mit den Formalitäten. Visum, Geld wechseln, SIM-Karte erwerben, alles dauert, umständlich, aber korrekt. Das Geld erfordert Aufmerksamkeit, schon wegen der vielen Nullen des Rial, noch mehr wegen der Parallelwährung Toman. Da wird einfach eine Null abgestrichen, ein Toman entspricht also 10 Rial. Man muss höllisch aufpassen. Nach der langwierigen Ankunft noch eine Stunde für die 30 Kilometer in die Stadt durch karges, wenig besiedeltes Flachland und graue Vorstädte sowie den Dauerstau von Teherans rush hour zu meinem Hotel im Zentrum, nicht weit von der Enqelab-Straße, einer der Hauptachsen. Mein Taxifahrer hatte betont, dass die Enqelab früher Schah-Straße geheißen habe. Ob das eine Verbeugung vor dem vermeintlichen Interesse der Westlerin oder angedeutete Kritik am jetzigen Regime ist, kann ich nur raten. Die Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt kann sich nach fast allen Seiten ausdehnen und ist entsprechend ausgebreitet.
Es bleibt noch Zeit für einen Abendspaziergang in der herbstlichen Dämmerung, und die gegrillte Forelle mit Joghurt und persischem Tee im Hotel entschädigt für den langen Anlauf.
Mein erster Tag beginnt mit einer Plauderei mit dem Manager eines nahen Reisebüros bei einigen Tassen Tee. Ich will zwei Inlandflüge bestellen, nach Maschhad und nach Täbris. Manager Amir hat Zeit für mich, denn die Arbeit tun drei junge Damen nach seinen Anweisungen. Überall arbeiten weit mehr Angestellte als nötig erscheint, was nicht immer zur Beschleunigung beiträgt, aber sicher hilft, die Arbeitslosigkeit in Schach zu halten. Ich erlebe wieder die kleinen orientalischen Wunder. Zunächst scheint vieles möglich zu sein, denn man sagt nicht gerne nein, dann geht es doch nicht und in letzter Minute löst sich alles aufs Beste. Mein zweiter Flugschein soll am nächsten Tag fertig sein, inscha’Allah, aber nein, er ist am Folgetag nicht da. Alles sei ausgebucht, später ist er dann doch da, wird mir sogar ins Hotel gebracht, und ich kann noch einen dritten Flug nach Schiras buchen. Amir hat einen Verwandten in Deutschland, der dort eine Reinigung besitze. Er selbst will in den nächsten Tagen nach Düsseldorf. Geschäfte, Geschäfte, deutet er an.
Ich versuche, mir Teheran zu erlaufen, was sich als recht anstrengend herausstellt, denn alles, was in meinem Stadtplan – Persisch mit ein paar Untertiteln in lateinischer Schrift – nahe aussieht ist in Wirklichkeit weit auseinander, zumal die kleineren Nebenstraßen nicht verzeichnet sind.
Im Basarviertel ist jetzt am späten Vormittag viel los. Die Basare in den persischen Städten gehören zum täglichen Leben. Sie sind noch nicht zu einer Ansammlung von Andenkenläden degeneriert. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Städte um diese Handelszentren herum entstanden sind. Heute sind sie die Supermärkte, zumindest in den Stadtzentren. Ich erinnere mich der Erzählungen meines alten Verwandten, der eine Import- und Exportfirma für Stoffe besaß, wie er noch in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit den Basaris von Teheran, Damaskus und Bagdad saß und seine Geschäfte anbahnte und abwickelte. Die Basare waren, und sind es sicher zum Teil noch, auch die Nachrichtenbörse. Teherans Basar ist umgeben von baumbestandenen Straßen, die zum Flanieren einladen. In den schummrigen, katakombenartigen Gängen des Basars findet sich alles, was man zum täglichen Leben braucht, von der Gasse mit Stoffen über Teppiche, Plastikschüsseln oder Berge von Gemüse. Natürlich darf auch die Dekoration nicht fehlen. Die Händler überbieten einander mit glänzendem, blinkendem Dekokitsch. Da gibt es silbern schimmernde Tafelaufsätze, riesige, künstliche Blumen und alle Arten von glitzernden Ziergefäßen. Niemand preist lauthals seine Waren an oder versucht, mich in seinen Laden zu ziehen wie etwa in Ägypten oder Marokko. Alles geht ruhig vonstatten. Die wenigen Touristen werden kaum beachtet. Einige Gänge münden in einen Platz mit einer Moschee. Das ganze Gewölbe des Platzes ist mit Fayencekacheln im typischen türkis und blau ausgekleidet. Auf der Suche nach einem WC werde ich hinter einem Vorhang eine Treppe hinunter fündig: Eines ist zum Stehen. Die Frauen müssen hier kräftige Oberschenkelmuskeln haben und ihre langen Gewänder geschickt zu raffen wissen.
Gegen Mittag sitzen Mann und Frau an den Brunnen und Steinbalustraden rund um den Basar mit ihren Snacks, gefüllte Teigtaschen, Huhn mit Reis, in Joghurt angemachter Salat und dazu ein leuchtend roter Granatapfelsaft oder ein Glas saure Milch, die fliegende Händler aus großen Kannen eingießen. Ein Jogger kommt vorbei. Moderne Zeiten. Ich trinke auch ein Glas des erfrischenden, herb-süßen Fruchtsafts, der mich durch ganz Iran begleiten wird. Überall gibt es Stände mit Trockenfrüchten und Nüssen.
Das Portal des Schah-Palasts, in dem ich einen guten Teil des Nachmittags verbringe, spiegelt sich im Wasser des langen Beckens der Eingangsallee. Wasser, das Lebenselixier dieses trockenen Landes, ist das beherrschende Element aller persischer Gärten, und der Palast trägt seinen Namen Golestan-, Gartenpalast, zu Recht. Mitten in der Stadt eine Oase. Die Dimensionen von Palast und Garten sind von sympathisch überschaubaren Ausmaßen, da hat der Sonnenkönig mehr geklotzt. Drinnen aber finde ich mich in Tausend und einer Nacht wieder. Die Wände sind über und über mit Fayencen bedeckt, Blüten, Ranken, verschlungene Ornamente im Zartblau und Türkis des Wassers, im dunklen Grün der Zypressen, im tiefen Blau des Nachthimmels, ein Garten auch hier. Alles wird überstrahlt vom Geglitzer hunderter kleiner Spiegel an der gewölbten Decke des Thronsaals mit seiner Replik des Pfauenthrons. Kein Wunder, dass Farah Diba, die letzte Schahbanu, in den späten sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Kaiserin der deutschen Regenbogenpresse war. In ihrem Palast dagegen werden die Pahlevis, die letzte und in den letzten Jahren ihrer Herrschaft zunehmend verhasste Schahdynastie, zugunsten früherer Dynastien soweit wie möglich übergangen. Schon die Qadscharen, immerhin bis 1925 an der Macht, sind als persische Historie offenbar wieder erlaubt. Die Genrebilder einer kleinen Ausstellung persischer Kunst des 19. Jahrhunderts geben Einblick in das alltägliche Leben ihrer Entstehungszeit. Ein Qadscharenschah hatte die Sammlung schon damals nach europäischem Muster als Museum angelegt. Da gibt es einen Arzt mit Frauen, die Säuglinge im Arm halten, einen Würdenträger in Verhandlung mit einem jüdischen Teppichhändler, eine Musikkapelle. Alle Ethnien, Berufsgruppen und Stände sind an ihrer Tracht zu erkennen, wie bei uns ja auch in der Vergangenheit bis Aufklärung, französische Revolution und Industrialisierung das einebneten. Beschwingt verlasse ich den Palast mit einem Papierschiffchen, das ich im Wasserbecken schwimmen lasse. Der Eintritt ist frei, und die freundliche Dame am Andenkenstand faltet die alten Billetts zu Schiffchen.
Nicht alle Wege lassen sich in dieser Riesenstadt zu Fuß machen. So bin ich am nächsten Tag per Taxi und Metro unterwegs. Ein Taxi bringt mich zum Teppichmuseum, ein Muss im Ursprungsland des Perserteppichs. Der von außen wenig ansprechende Betonklotz im Westteil des Zentrums wurde 1978, gerade noch unter dem Schah, eingeweiht. Drinnen öffnet sich wieder ein Wunderland, obwohl nur ein Teil der Sammlung zugänglich ist. Nicht alle Provenienzen sind vertreten. So bleibt meine Suche nach einem Afschar mit Lebensbaummotiv auf gelbem Grund erfolglos. Doch sehe ich die mit Naturfarben behandelten zarteren und kleineren Stücke der älteren Zeit, die man im Handel kaum noch findet. Daneben gibt es viele starkfarbige Bildteppiche aus dem 19. Jahrhunderts. Da wimmelt es von bärtigen Würdenträgern, Reitergruppen und Kamelkarawanen. Viele wurden von europäischen Auftraggebern bestellt und nach dem vermeintlichen europäischen Geschmack gefertigt, so mein Gewährsmann, Geograph Eugen Wirth, in seinem Teppichhandbuch. Eine große Abteilung ist den Bachtiars mit ihrem Kassettenmuster auf tiefrotem Grund gewidmet. Ich verliebe mich in einen kleinen, seidenen Kaschan in zartestem Blau, Gelb und Rot. Zwei Pfauen blicken durch eine Öffnung in den Blumenflor des Hintergrunds. Zum Glück hängt er im Museum, und ich komme nicht in die Verlegenheit, mich in ein Kaufgespräch einzulassen.
Per Metro steuere ich dann die Zentralbank an, in der die Juwelen aufbewahrt werden, die Schah und Schahbanu angesammelt haben. Die Metro Teherans ist ein Ziel für sich. Fahrten und Bahnhöfe sind ein Erlebnis. Dreh- und Angelpunkt meiner Stadterkundungen per Metro ist die Station Firdusi Platz. Eine Gruppe von Jungen und Mädchen in einer Art Pfadfindertracht macht Übungen zu militärisch klingender Musik. Pamphlete werden verteilt. Am nächsten Tag sind es junge Männer in weißen Overalls mit weißen, damals noch nicht coronabedingten, Masken vor ihren Augen, die Kampfspiele vorführen. Zu Geschützdonner bewegen sie sich in einer Art Kriegschoreographie. Gestern wie heute sehe ich an mehreren Stellen Fotos vom Krieg und Sandsäcke, die die Erinnerung an den iranisch-irakischen Krieg von 1980–1988, den Ersten Golfkrieg wachhalten sollen, vielleicht auch um Kampfbereitschaft zu fördern. Meistens bleiben Männer stehen und sehen sich die Darbietungen an.
Die Stationsnamen werden in Farsi und in lateinischer Schrift angezeigt. An jeder größeren Station gibt es einen Gebetsraum. Die herrschenden Mullahs, Ali Khamenei als Oberster Führer das geistliche und politische Oberhaupt der Islamischen Republik Iran, Ruhollah Khomeini, deren Gründer und Hassan Rohani, der damalige Präsident, sind allgegenwärtig. Dem strengen Blick Khameneis entkomme ich nirgends, nicht nur in der Metro. Ebenso wenig lässt man den Irakkrieg in Vergessenheit geraten. An einer Station stehe ich unversehens einem lebensgroßen Pappkameraden gegenüber, einem Soldaten aus diesem Krieg.
In den Abteilen geht es durchweg zivilisiert zu. Auch im Gedränge bleibt man höflich. Eine Mutter mit Kind bietet mir ihren Platz an, eine andere Frau fragt mich, wo ich die Zeitung, die ich unter dem Arm trage, gekauft habe. Es ist die englischsprachige Tehran Times, Iran’s Leading International Daily, die sich weltläufig gibt, aber deutlich ein Sprachrohr der Regierung ist. Gespräche kommen leicht zustande. Viele Teheraner sprechen ein wenig Englisch. Alle Angesprochenen sind bereit zu helfen. Das sind vielleicht auch die Segnungen des kaum vorhandenen Tourismus. In Teheran rufe keine besondere Aufmerksamkeit hervor, auch nicht als potentielle touristische Milchkuh. Allgemein scheint mir im Straßenverkehr mehr Höflichkeit und Rücksichtnahme zu herrschen, als bei uns.
Die vergleichsweise größte Ansammlung von Touristen erlebe ich in der Juwelenausstellung der Zentralbank. Zugleich ist alles gesichert wie Fort Knox
