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Der Weg zur feinen Kommunikation. Manche Menschen haben ihn einfach, den "besonderen Draht" zum Pferd. Doch wie bekommt man ihn? Mit den Übungen der Bodenschule können auch Einsteiger den feinen, aber wichtigen Unterschied zwischen schlichter Gewöhnung und nachhaltigem Lernen in der Pferdeausbildung verstehen. Peter Kreinberg erklärt im Detail, wie man unabhängig von der Reitweise Schritt für Schritt auf diese besondere Ebene der Verständigung gelangen kann. Mit dem Übungsprogramm von Peter Kreinbergs Bodenschule lernen Pferd und Mensch die Basistechniken der Bodenarbeit, mit denen auch die Gelassenheitsprüfung zum Kinderspiel wird. Führtraining am kurzen Führseil, Arbeit am Leitseil mit Knotenhalfter, Arbeit an der Hand, Desensibilisierung. Vertrauen, Respekt, Motivation. Gelassenheit für Pferd und Mensch.
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Seitenzahl: 171
Veröffentlichungsjahr: 2013
Dieses E-Book ist die digitale Umsetzung der Printausgabe, die unter demselben Titel bei KOSMOS erschienen ist. Da es bei E-Books aufgrund der variablen Leseeinstellungen keine Seitenzahlen gibt, können Seitenverweise der Printausgabe hier nicht verwendet werden. Statt dessen können Sie über die integrierte Volltextsuche alle Querverweise und inhaltlichen Bezüge schnell komfortabel herstellen.
Dieses Übungshandbuch ist ein Leitfaden, eine Orientierungshilfe und praktische Anleitung für alle, die sicher, entspannt und mit der größtmöglichen Leichtigkeit mit Pferden umgehen möchten. Es zeigt Schritt für Schritt die wichtigsten Übungen, die in der The Gentle Touch-Bodenschule zusammengefasst sind. Doch bevor wir mit den Übungen und ihrer Umsetzung beginnen, können Sie sich hier mit der Grundidee und dem Aufbau der Methode vertraut machen.
Ohne Gewalt, mit System
Das The Gentle Touch-Konzept vereinigt in sich die Philosophie einer zwanglosen und gewaltfreien Pferde-Erziehung in Kombination mit einer systematischen Gymnastizierung vom Boden und vom Sattel aus. Damit folgt es einem klassischen Ideal, wie es sich seit nunmehr fast zweieinhalbtausend Jahren als Leitbild für die Beziehung zwischen Mensch und Pferd herausgebildet hat. Dieses Streben nach Schönheit und Harmonie mit dem Pferd hat in unterschiedlichen Epochen und Kulturkreisen verschiedene Ausprägungen erfahren.
Die Unterschiede ergaben sich aus den unterschiedlichen Aufgaben, die Pferde hatten. Gemeinsames Ziel war aber stets, eine Balance zu finden zwischen zwei auf den ersten Blick widersprüchlichen Aspekten: der Funktionalität einerseits und der Schönheit andererseits. Das Pferd sollte sich dem Willen des Menschen unterordnen, um verschiedene Aufgaben erfüllen zu können. Aus ethischen und ästhetischen Motiven heraus sollte es sich dennoch in natürlicher Eleganz und Anmut mit voller Geh- und Lebensfreude möglichst natürlich bewegen können. Später kam noch der Anspruch dazu, Reiten als Kunstform zu betreiben.
Will man die Funktionalität mit der Ästhetik verknüpfen, kann das nur im Rahmen einer „Freiheit in geordneten Grenzen“ gelingen. Unter Freiheit in Grenzen verstehe ich, dass sich Mensch und Pferd auf dem Weg zu einer „funktionalen Sozialpartnerschaft“ mit Verhaltensregeln, Einschränkungen und Unbequemlichkeiten arrangieren, ohne ihre Natürlichkeit dabei aufzugeben.
Freiheit in Grenzen bedeutet für Pferdebesitzer und Reiter, sich die Freiheit zu nehmen über ein Pferd zu bestimmen. Sie sollten sich dabei aber der Verantwortung bewusst sein, dass das Wohlbefinden seines Pferdes von seiner Sachkenntnis, seinem Einfühlungsvermögen, seiner Geduld und Selbstdisziplin, aber vor allem von seiner Fähigkeit abhängig ist, sich verständlich mitzuteilen. Aus dieser ethisch-moralischen Verpflichtung erwächst die Notwendigkeit, den eigenen Wünschen, Erwartungen und Handlungen immer dann Grenzen zu setzen, wenn das Wohlbefinden der Pferde nachhaltig eingeschränkt wird. Dazu gehört auch, die Würde des Tieres zu respektieren und es nicht zu instrumentalisieren oder gar zu versklaven.
Für die Pferde bedeutet Freiheit in Grenzen, dass sie sich mit ihrem Verhalten an neue Verhaltensregeln anpassen müssen. Diese Regeln schränken ihre Bewegungs- und Entscheidungsfreiheiten ein, ohne dass sie zunächst einen Sinn darin erkennen. Das ist der wesentliche Unterschied zu den Regeln, die die Natur ihnen beim Leben in einer Herde und in freier Wildbahn vorgibt.
Diese vom instinktiven Verhalten abweichenden Regeln des Menschen empfinden sie als unbequem oder verunsichernd. Damit sie sich dennoch wohlfühlen können, müssen sie die Verhaltensregeln verstehen. So können sie zurück zur inneren Ruhe und Zufriedenheit finden. Erst dann kann eine faire „Freizeitpartnerschaft“ entstehen. Ihnen neue Regeln verständlich zu machen, ist die Voraussetzung dafür, sie anschließend durch eine systematische körperliche Ausbildung stark genug zu machen. Nur wenn sie stark genug geworden sind, können sie den vom Menschen vorgegebenen physischen Leistungsanforderungen entsprechen, ohne körperliche und seelische Beeinträchtigungen zu erfahren oder gar Schaden zu nehmen.
Das Prinzip Freiheit in Grenzen lässt sich am besten bei der Leitseilarbeit umsetzen.
Ein Lernprogramm für Mensch und Pferd
Damit die aus der Ausbildung entstehenden Einschränkungen für Mensch und Tier leicht zu verstehen und zu akzeptieren sind, ist es hilfreich, einem Programm zu folgen, das möglichst einfach erlernt werden kann. Solch ein Lernprogramm sollte durch eine bestimmte Regelmäßigkeit und Methodik gekennzeichnet sein. Nur so wird Neues schnell verinnerlicht und zur zweiten Natur, ohne langfristig als unangenehm empfunden zu werden. Damit stellt sich dann auch das harmonische Miteinander ein, von dem letztlich alle Pferdefreunde träumen.
Pferd und Mensch sind in vielen Bereichen in ihrem Verhalten sehr unterschiedlich, andererseits gibt es auch viele Gemeinsamkeiten. Dies ist besonders im Bereich des Unterbewusstseins und instinktiver Verhaltensmuster, aber auch bei Emotionen der Fall. Diese Gemeinsamkeiten gilt es herauszuarbeiten und in Ritualen einzuüben. Damit kann zum einen ein differenziertes Verständigungssystem zwischen diesen beiden ungleichen Wesen geschaffen werden, zum anderen erwächst daraus eine „Sozialpartnerschaft“, die zu einer starken emotionalen Bindung führen kann.
Beide erwerben auf diese Weise ein verändertes Bewusstsein füreinander. Der Mensch lernt, Pferde immer besser zu verstehen und verständlich und einfühlsam mit ihnen umzugehen. Das Pferd lernt, die Welt der Menschen besser zu verstehen und sich auf sie einzulassen.
Aus der Regelmäßigkeit der Lernübungen entsteht eine Sozialpartnerschaft mit einer bestimmten Rollenverteilung, in der beide ihren Platz haben und zu einem harmonischen Miteinander finden. In dieser Sozialpartnerschaft beansprucht der Mensch eine Führungsposition. Wird er sich dem Pferd gegenüber in Umgang und Kontakt entsprechend präsentieren, wird es instinktiv diesen Leit- und Führungsanspruch akzeptieren und ihm willig Folge leisten. Dies liegt in seiner Natur als soziales Wesen. Gelingt es dem Menschen allerdings nicht, diese Rolle überzeugend auszufüllen, entstehen Konflikte, Harmoniestörungen, negativer Stress, Ängste oder Aggressionen auf beiden Seiten.
Freundlich und effektiv
Die The Gentle Touch-Methode zeigt Ihnen mit vielen Übungen systematisch und detailliert einen Weg zur Harmonie. Dadurch wird Ihre Beziehung zu Ihrem Pferd vertrauensvoller mit mehr Verständnis und willigem Respekt. Die persönliche Bindung zwischen Ihnen beiden wird gestärkt. Sie lernen einfach und sicher, mit mehr Gefühl, Verständnis und Präzision mit Pferden im Allgemeinen und mit Ihrem Pferd im Besonderen umzugehen. Beachten Sie aber bitte immer: Pferde sind individuell ebenso unterschiedlich wie wir Menschen. Deshalb muss jede Methode und ihre Techniken stets mit Gefühl und gesundem Menschenverstand individuell angepasst werden, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Behandeln Sie Ihr Pferd respektvoll und bleiben Sie ruhig, gelassen und freundlich, auch wenn die von Ihnen beabsichtigten Resultate sich nicht sofort einstellen. Wer übt, der macht noch nicht alles richtig! Aus den Fehlern lernt man, den richtigen Weg zu finden.
Denken Sie immer daran, Sie lernen mit Ihrem Pferd und von ihm. Es spiegelt in seinem eigenen Verhalten nur Ihre innere und äußere Befindlichkeit. Sie lernen bei der Arbeit mit Ihrem Pferd viel über diese Tiere, aber auch sehr viel über sich selbst. Erst danach sind Sie wirklich in der Lage, Pferde auf eine freundliche Art und Weise zu schulen.
Die The Gentle Touch-Methode knüpft an alte Traditionen kultivierter und pferdegerechter Gebrauchsreiterei an. Daraus sind Übungen abgeleitet, die es Freizeitreitern erleichtern, eine natürliche und pferdefreundliche Ausbildungsarbeit im Rahmen der heute gegebenen Möglichkeiten zu leisten. Diese Reitweisen und die dazu notwendigen Ausbildungsschritte zielten vor allem auf gehorsame, leichtrittige und freudig mitarbeitende Pferde ab, die nach entsprechender Ausbildung sicher und mit Leichtigkeit zu reiten waren.
In früherer Zeit erreichte man dieses Ziel vor allem deshalb auf breiter Basis, weil Pferd und Reiter eine gemeinsame praktische Aufgabe hatten, nämlich das Reiten im Gelände mit seinen vielfältigen und abwechslungsreichen Situationen. Diese Herausforderungen mussten gemeinsam bewältigt werden und oft kamen noch weitere praktische Aufgaben wie die Rinderarbeit hinzu. Pferd und Mensch verbrachten viele Stunden zusammen. Sie erkannten sehr schnell, dass sie aufeinander angewiesen waren und suchten nach dem bequemsten und effektivsten Weg zum Ziel. Die klare Aufgabenstellung gab beiden einen Sinn für ihr Handeln. Es ging stets darum, konkrete Ziele zu erreichen. Ausdauer war gefragt und ruhiges überlegtes Handeln. Nur in Ausnahmen wurden Höchstleistungen gefordert. War ein Ziel erreicht, folgten Ruhe und Belohnung. Mit diesen Rahmenbedingungen war es möglich, dass die Idee des Menschen sehr bald auch zur Idee des Pferdes wurde.
Durch gemeinsames Lösen einer Aufgabe wird Ihre Idee zu der Ihres Pferdes.
INFO
Die Basis der Kommunikation
So lernt ein Pferd am besten: Sie haben ihm einen Impuls oder Reiz übermittelt und erhalten die gewünschte Reaktion. Die einzige Möglichkeit, ihm zu zeigen, dass seine Reaktion richtig war, besteht darin, den Reiz sofort auszusetzen, wenn es im Ansatz das tut, was Sie wollten. Das Timing in diesem System von Reiz, Reaktion und Belohnung durch Entspannung entscheidet darüber, wie effektiv Ihr Pferd Ihre Wünsche versteht und von Ihnen lernt. Wenn es etwas „richtig“ gemacht hat, so geben Sie ihm Gelegenheit zu entspannen und entspannen sich auch selbst. Lernen Sie dabei richtig zu atmen, vor allem auszuatmen. Denken Sie positiv und seien Sie zufrieden.
Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd
Unter heutigen Rahmenbedingungen mit den abstrakten Vorstellungen von oft leistungssportlich orientierter Reiterei fehlt häufig die klare Sinngebung für Pferd und Mensch in der Ausbildung und im Alltag. Auch werden Lernwege aus wirtschaftlichen Gründen oder Bequemlichkeit oft abgekürzt oder gar nicht erst beschritten. Die Forderungen des Menschen an das Pferd sind häufig unverständlich und führen zu Missverständnissen. Es soll Lektionen oder Manöver ausführen, ohne einen Sinn darin zu erkennen. Turnierrichter bewerten Bewegungsmerkmale und Leistungen, die für Pferde bedeutungslos sind. Jeder Reiter oder Pferdebesitzer glaubt, einen Sieger im Stall zu haben. Überforderungen von Mensch und Pferd sind an der Tagesordnung, besonders wenn Unwissenheit und falscher Ehrgeiz miteinander einhergehen.
Andererseits gibt es Pferde, die in Box und Paddock ihre meiste Zeit verbringen. Werden sie geritten, dann meist nur für eine Stunde auf dem Platz oder in der Halle. Die manchmal unsicheren oder gar ängstlichen Reiterinnen und Reiter lassen sich mehr oder weniger von diesen energiegeladenen Tieren „herumtragen“, stets versuchend, den aufgestauten Bewegungsdrang zu unterdrücken.
Solche Pferde sind unterfordert, ihre Aufmerksamkeit ist nicht beim Reiter, sondern auf ihre Umgebung gerichtet. Manche neigen zu Energieausbrüchen, andere werden phlegmatisch. Sowohl die eine als auch die andere Pferdegruppe entwickelt bald ein eigenes Weltbild, in dem sie Mensch bzw. Reiter hauptsächlich als Störfaktor wahrnehmen. Daraus ergeben sich sehr leicht Konfrontationen und Stresssituationen oder Gefahren für alle Beteiligten.
Durch die Übungen der The Gentle Touch-Methode und besonders durch die Bodenarbeit können solche Entwicklungen korrigiert werden, noch besser: Sie entstehen gar nicht erst. Sie sind so aufgebaut, dass sie für Pferd und Mensch einen Sinn ergeben. Dazu wird das Gelände in die Reitbahn geholt. Verschiedene Hilfsmittel schaffen Orientierungspunkte. Durch einen sinnvollen Einsatz von Hilfsmitteln und eine zweckmäßige Gestaltung der Übungen ergeben sich Situationen, die von Ihnen und Ihrem Pferd gemeinsam bewältigt werden müssen. Beide müssen um etwas herumgehen oder darüber, sich für links oder rechts entscheiden. Es gibt Etappenziele, Ruhezonen und Hindernisse. Aufmerksamkeit, geduldiges Verhalten und Gelassenheit werden entwickelt und gefestigt. Dadurch wird es auch Ihnen leichter gelingen, Ihre Idee zur Idee Ihres Pferdes werden zu lassen. Ihr Pferd wird nicht zum „Freizeit-Sklaven“ degradiert, sondern Sie kommen Ihrem Ziel näher, die „Partnerschaft“ mit Ihrem Pferd zu formen. Dieser partnerschaftliche Aspekt lässt sich stets am besten aus zweckbestimmtem, sinnvollem Zusammenwirken erreichen, wie er aus Gebrauchsreitweisen abzuleiten ist. Dies hat wohl auch in den letzten 30 Jahren zu der großen Popularität des Westernreitens in Deutschland geführt. Damit wurde offensichtlich jene Lücke geschlossen, die durch den Wegfall einer wichtigen deutschen Arbeits- oder Gebrauchsreiterei entstanden ist: die militärische Campagne-Reiterei. Diese in der Reitvorschrift von 1937 definierte geländeorientierte Gebrauchsreitlehre wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Sportreitlehre der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ersetzt.
Das Westernreiten ist bei uns heute auch deshalb so beliebt, weil es mit leichten Hilfen auskommt.
Die Arbeit macht Jungpferden mehr Spaß, wenn man ihnen zunächst konkretere Aufgaben stellt.
Die Idee der Campagneschule
Ein wesentliches Merkmal der ursprünglichen Campagneschule war die Zusammenfassung von systematischer Erziehung zum Gehorsam und einer zweckmäßigen Gymnastizierung des Reitpferdes. Das Ziel war ein leichtrittiges, auch von durchschnittlich begabten und geübten Reitern einhändig kontrolliert in Reitbahn und Gelände zu reitendes Pferd, das in Selbsthaltung war und viele Stunden locker und fleißig unter dem Reiter gehen konnte. „Schullektionen“ oder „klassische Reitkunst“ auf der Basis hoher oder gar höchster Versammlung und Anspannung waren keinesfalls das Ziel dieses Reitsystems. Die anspruchsvolle Versammlung war bewusst nicht als Ausbildungsziel angestrebt.
Dieses Ausbildungskonzept zeigt viele Parallelen zur kalifornischen Vaquero-Reitweise, der klassischen Form des modernen Westernreitens. In diesem traditionellen Ausbildungssystem wurden die Pferde ebenfalls systematisch über einen längeren Zeitraum ausgebildet. Die Zielsetzung war ähnlich, denn man wollte auch hier ein gehorsames, leichtrittiges und sicheres Pferd als Arbeitspartner, das mit einhändiger Zügelführung auf Kandare geritten werden konnte.
Die FN-Sportreitlehre verzichtete hingegen weitestgehend auf die Berücksichtigung einer fundierten methodischen Erziehung der Reitpferde. Stattdessen definierte sie als Ziel die klassische Dressurarbeit und die höhere Versammlung und reduzierte die Ausbildungsarbeit auf die körperliche Gymnastizierung, wie sie sich aus der Biomechanik des Pferdekörpers ableitet.
Das war in den 50er-Jahren für einen Sportverband mit der leistungssportlichen Zielsetzung, bei den olympischen Reitdisziplinen möglichst erfolgreich zu sein, sicherlich nicht falsch und hat ja auch zusammen mit der dementsprechend ausgerichteten Sportpferdezucht die gewünschten Erfolge gebracht.
Ob es richtig war, dieses Ziel für durchschnittlich begabte „Breitensportreiter“ zu definieren, die als Mitglieder in die Reitvereine strömten, um auf Schulpferden die ersten Reitversuche zu machen, scheint fraglich. Die in den 70er-Jahren gewaltig steigende Zahl der nicht leistungssportlich orientierten Freizeitreiter konnte oft mit dieser Reitweise und deren Umsetzung wenig anfangen. Viele Menschen begannen, sich an alternativen Reitweisen zu orientieren, die allesamt aus verschiedenen Gebrauchsreitweisen abgeleitet sind.
Seit fast 30 Jahren verknüpfe ich in meiner Arbeit Inhalte solcher Gebrauchsreitweisen mit den Erkenntnissen pferdegemäßer Gymnastizierung, wie sie in der deutschen FN-Reitlehre enthalten sind. Die dabei gewonnenen praktischen Erfahrungen wurden in der The Gentle Touch-Methode zusammengefasst und in der Praxis viele Jahre lang erprobt.
Das Ergebnis: eine simple Methode, die von jeder Reiterin und jedem Reiter mit dem Anspruch einer sinnvollen, pferdegerechten und schonenden Reiterei angewendet werden kann. Sie kommt besonders all denen entgegen, deren Schwerpunkt in der Erholungsreiterei liegt und die nicht das Ziel oder die Möglichkeiten haben, sich mit den hohen Anforderungen moderner Sportreiterei oder gar einer noch anspruchsvolleren, korrekten klassischen Dressur bzw. Schulreiterei zu befassen.
INFO
Lernen mit The Gentle Touch macht Spaß
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Eine eindeutige Aufgabenstellung gibt Mensch und Pferd einen Sinn für ihr Handeln.
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Eine klare Zielsetzung motiviert besonders dann, wenn das Erreichen von Zielen belohnt wird.
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Durch praktische Zusammenarbeit wachsen gegenseitiges Vertrauen und Respekt.
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Über- oder Unterforderung werden vermieden.
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Die Idee des Menschen wird zur Idee des Pferdes.
In diesem Buch zeige ich Schritt für Schritt die wichtigsten Übungen meiner Bodenschule. Damit können Sie mit Ihrem Pferd gemeinsam die grundsätzlichen Techniken der gängigen Bodenarbeit lernen, wie sie von unterschiedlichen Ausbildern und in verschiedenen Systemen üblich sind. Dabei beschränken sich die Übungen auf das Wesentliche der einzelnen Techniken und zielen weder auf eine Spezialisierung ab noch sind sie Selbstzweck, wie das bei einigen Formen der sogenannten Liberty-Arbeit oder bei Zirkuslektionen der Fall ist. Solche Übungen können natürlich auf meinen Übungen aufgebaut werden.
Die Bodenschule hilft Ihnen, eine gute Verständigungsgrundlage zu schaffen, ein Gefühl für Angemessenheit zu entwickeln und die Beziehung von Mensch und Pferd im Sinne einer Partnerschaft zu formen. Sie gewinnen einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten, mit denen sich die Beziehung zu Ihrem Pferd verbessern lässt. Der praktische Nutzen beschränkt sich dabei nicht nur auf gute Manieren sowie mehr Sicherheit und Leichtigkeit im Umgang vom Boden aus, sondern sie schafft beim Pferd damit auch die Grundlage dafür, die Voraussetzungen eines Reitpferdes zu erfüllen.
Die The Gentle Touch-Bodenschule ist in vier Bereiche aufgegliedert und vermittelt so differenziert und methodisch das Verständnis und die grundlegenden Fähigkeiten für die wichtigsten Techniken der Arbeit vom Boden aus. Meine Methode wird auch von geschulten und lizenzierten Ausbildern vermittelt. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, immer dann, wenn Sie in der praktischen Umsetzung der Übungen mit Ihrem Pferd auf Probleme stoßen, Kontakt zu einem The Gentle Touch-Trainer aufzunehmen und sich dort Anleitung und Hilfe zu holen. Mit der The Gentle Touch-Methode sind die besten Ergebnisse dann zu erzielen, wenn sie im Wechsel von angeleitetem Lernen mit einem Ausbilder und autodidaktischer Arbeit stattfindet. Alle meine Trainer vermitteln die Übungen auf die gleiche Art und Weise.
Mit der Bodenarbeit schaffen Sie beim Pferd die optimale Grundlage für stressfreies Verladen.
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Zeigt Ihnen Wege zur Verbesserung der Kommunikation mit Ihrem Pferd,
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hilft Ihnen dabei, die Sicherheit im Umgang mit dem Pferd zu fördern,
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schult Ihr Auge und Ihr Gefühl, um Ihr Pferd in seiner Gefühlshaltung und seinem Bewegungsverhalten besser beurteilen zu können,
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regt Sie im Rahmen der Übungen dazu an, Ihr eigenes Reaktionsvermögen und Ihre Körperkoordination deutlich zu verbessern,
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bringt mehr Leichtigkeit auch für die Verständigung beim Reiten.
Sie haben damit eine Methode, mit der Sie Ihre universelle Horsemanship deutlich weiterentwickeln können und gleichzeitig auch Ihrem Pferd eine allgemeine Grundausbildung vermitteln, unabhängig davon, in welcher Reitweise es ausgebildet werden soll. Die Übungen sind auch sehr hilfreich bei der Korrektur von älteren Pferden.
Alle Übungen sind so gestaltet, dass sie auf die natürlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten aller Pferde in psychischer und körperlicher Hinsicht besonders Rücksicht nehmen. Sie können unter normalen Rahmenbedingungen ausgeführt werden, wie sie jedem Pferdebesitzer zur Verfügung stehen. Besondere Trainingseinrichtungen sind nicht notwendig. Die Methode ist eine Möglichkeit, freundlich, gewaltfrei und kontrolliert mit Pferden umzugehen, sie systematisch zu erziehen und Probleme zu lösen.
Die Methode gründet auf der Erkenntnis, dass der Körper nicht ohne den Geist und der Geist nicht ohne den Körper geformt werden kann. Sie nimmt auf die Tatsache Rücksicht, dass alle Handlungen eines Pferdes letztlich aus seinem instinktiven Verhalten, seinem stark ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb und aus dem daraus entstehenden Selbstschutzverhalten kommen.
So bekommt das Pferd ohne irritierendes Reitergewicht ein Verständnis für Zügel- und Schenkelhilfen.
Die Übungen bereiten systematisch für das Reiten im Gelände vor.
An der eigenen Nase fassen
Wann immer wir mit Pferden umgehen, haben unsere Handlungen, bewusst oder unbewusst, Auswirkungen auf das Pferdeverhalten. Je nachdem, ob es sich von uns irritiert, behindert oder gar eingeschüchtert fühlt oder aber ob es unsere Handlungen versteht und diese als angenehm, hilfreich oder motivierend empfindet, wird sich sein Verhalten dementsprechend in Gewohnheiten festigen. Das Pferd hält uns auf diese Weise einen Spiegel vor. Es zeigt uns unsere eigenen Stärken und Schwächen.
Lernen wir, sein Verhalten richtig zu deuten und nicht zu vermenschlichen, zu verklären oder zu beschönigen, können wir uns selbst realistischer beurteilen und über unsere tatsächlichen Handlungen bewusst werden. Lernen wir, uns verständlich zu machen und uns selbst zu disziplinieren, wird unser Verhalten für Pferde nachvollziehbar und kalkulierbar.
Wir werden nach und nach zu echten Partnern. Gelingt es uns, pferdegerechter zu handeln, wird das wesentlich dazu beitragen, das körperliche und seelische Wohlbefinden unseres Pferdes im Rahmen von Umgang und Ausbildung deutlich zu verbessern, wovon wir selbst natürlich auch profitieren.
Die The Gentle Touch-Methode bietet Ihnen durch die systematische, kommunikative Erziehungsarbeit einen artgerechten, logischen, gewaltfreien und konsequenten Lernweg, mit dem Sie tierschutzgerecht und unter Beachtung der ethischen Grundsätze der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) mit Pferden umgehen und sie schonend mit den Leistungsanforderungen vertraut machen können, wie sie im Rahmen der Freizeit- und Sportreiterei nötig sind.
Hier noch einmal auf einen Blick, was Sie mit den Übungen meiner Bodenschule systematisch und in kurzer Zeit erreichen können:
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Sie schaffen eine solide und eindeutige Verständigungsgrundlage zwischen Ihnen und Ihrem Pferd.
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Sie schulen Ihr Gefühl für Angemessenheit in allen Handlungen und bei der Wahl der Mittel.
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Sie verbessern Vertrauen, Respekt und willigen Gehorsam bei Ihrem Pferd im Umgang und beim Reiten.
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Sie erreichen mehr Leichtigkeit in der Hilfengebung, durch mehr Verständnis, Flexibilität (innere und äußere Losgelassenheit), Balance und Gehorsam.
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Sie erzielen erkennbare Leistungsverbesserungen durch Motivation und zweckmäßige Gymnastizierung.
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Sie verbessern Sicherheit und Kontrollierbarkeit in allen Bereichen (z. B. Verladen, Geländesicherheit, Gruppenverhalten usw.).
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Sie verwenden keine Ausrüstungsgegenstände, die das Pferd in seinen Bewegungen mechanisch einschränken können.
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Sie wählen Übungsabläufe, die der Natur des Pferdes entsprechen und die gewaltfrei funktionieren.
Die Übungen sind so aufgebaut, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Pferd und von Ihrem Pferd lernen und es dabei natürlich auch von Ihnen lernt. Die besten Erfolge werden Sie vermutlich dann erzielen, wenn Sie die Grundfertigkeiten unter Anleitung durch einen The Gentle Touch-Trainer einüben und diese danach selbstständig festigen und weiterentwickeln.
Entscheiden Sie sich dazu, gleich autodidaktisch zu beginnen, können sich Fehlinterpretationen, kleine Ungenauigkeiten und Fehleinschätzungen einschleichen. Sie werden dann zwar nicht die optimalen Möglichkeiten meiner Bodenschule ausschöpfen können, doch sicherlich werden Sie auch so deutliche Verbesserungen erzielen. Nutzen Sie in jedem Fall die Möglichkeit, um sich hin und wieder überprüfen zu lassen und scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu holen. Umso schneller und besser werden Sie Fortschritte erzielen. Durch Übung erwerben Sie nach und nach mehr Sicherheit, Entschlossenheit und die Fähigkeit zu angemessenem und dem Pferd verständlichen Handeln.
