Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Nach der Trennung von Paul steht Francesca vor den Scherben ihres Lebens - ohne Wohnung, ohne Job und völlig pleite. Da kommt der rettende Anruf aus Venedig: Francesca soll den Sommer über die kleine Trattoria Da Rita übernehmen. Aber auch in Venedig läuft nicht alles nach Plan. Als der Koch sie bereits nach wenigen Tagen sitzen lässt, bekommt sie "himmlische" Hilfe. Eine Kurzgeschichte inklusive zum Teil typischer Rezepte aus Venedig und einer Leseprobe von "Meine Schwester, die Hummelkönigin".
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 49
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Patrizia Zannini
Pizza, Pasta und Angelo
Eine himmlische Kurzgeschichte (in Venedig)
Dieses eBook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorbemerkung
Pizza, Pasta und Angelo
Meine Schwester, die Hummelkönigin - Leseprobe
Rezepte
Kontakt
Weitere Kurzgeschichten
Impressum
Vorbemerkung
Von der Autorin Patrizia Zannini sind bereits zwei Romane bei Droemer Knaur erschienen.
Meine Schwester, die Hummelkönigin (ISBN: 978-3-426-42729-3)
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 312 Seiten, 4,99 Euro
Eine Leseprobe zu diesem besonderen Buch finden Sie gleich nach der Kurzgeschichte.
Malocchio – der böse Blick
Pizza, Pasta und Angelo
Das Boot durchschnitt das trübe Wasser des Canal Grande und legte nach kaum zwanzig Minuten an der Mole des Markusplatzes an. Die Wellen schlugen mit dumpfem Klatschen an die Außenwand des Bootes und ließen das Wasser an Land schwappen.
Francesca wartete, bis der letzte Tourist ausgestiegen war, dann nahm sie ihre Reisetasche und betrat die Piazzetta, einen namenlosen Platz, der von zwei mächtigen Granitsäulen flankiert wird.
Francesca vermied es, Venedig zwischen den beiden Säulen hindurch zu betreten. Früher wurden hier Verbrecher öffentlich hingerichtet. Heute soll es Unglück bringen, hindurchzugehen. Kein Venezianer würde es jemals tun.
Und Unglück hatte Francesca in den letzten Monaten genug gehabt, mehr konnte sie nicht ertragen. Aber was konnte ihr eigentlich noch passieren? Sie hatte bereits alles verloren.
Sie nahm die erste Abzweigung und entfernte sich vom Trubel, der auf dem Platz herrschte. Wimmelten eben noch Tausende von Menschen, so war es plötzlich ruhig um sie herum. Zielstrebig lief sie über Brücken und durch Gassen, manche so eng, dass sie – wenn sie ihre Arme ausstrecken würde, die Wände zu beiden Seiten berühren könnte.
Aus den Fenstern drangen gedämpfte Stimmen zu ihr hinunter. In manchen Gassen flatterte die Wäsche im Wind, Tücher, Tischdecken, Hosen und Höschen in allen Farben. „Panni stesi“, nennen die Venezianer ihre Wäsche, die sie zum Trocknen über Kanäle und Gassen kreuz und quer an dicken Leinen hängen. Socken in Reih und Glied wechselten sich ab mit den gestreiften Hemden der Gondolieri.
Francesca begab sich in das Labyrinth Venedigs, bis sie ihr Ziel erreichte - die kleine Trattoria Da Rita.
Acht Wochen später
„Angelo!“, schrie Francesca durch die Räume der Trattoria, die – obwohl Mittagszeit – alles andere als gut besucht war.
Francesca vermutete, dass die meisten Venezianer ihre wohlverdiente Siesta hielten, das Einzige, das man in dieser brütenden Hitze tun sollte. Wer will schon essen, wenn einem dabei der Schweiß ins Essen tropft? Und die Touristen, sie hetzten von morgens, sobald das Vaporetto sie am Markusplatz abgesetzt hat, bis abends von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten und sollten sie doch in der Mittagshitze ausgehungert essen gehen – dann offensichtlich nicht bei ihr.
Francesca gähnte.
Letzte Nacht, wie in jeder Nacht der zurückliegenden Wochen, hatte sie schlecht geschlafen. Aber sie konnte sich jetzt nicht in ihr kleines kühles Zimmer im Hotel Benvenuto zurückziehen. Sie konnte sich nicht in ihr Bett legen, wo sie sich am liebsten den ganzen Tag über verkrochen hätte.
Schwungvoll warf sie das makellose weiße Tuch über dem Tisch aus. Für einen kurzen Augenblick genoss sie die kühle Brise, die ihr ins Gesicht wehte.
Sie blickte nach draußen auf den schmalen Kanal, dessen Wasser im Sonnenlicht grün funkelte, und beobachtete gedankenverloren das Treiben.
Ihr Blick konzentrierte sich auf die Spiegelung ihrer Gestalt in der Fensterscheibe: Sie mochte ihre kurzen Haare, die ihr schmales Gesicht burschikos erscheinen ließen. Unbewusst fuhr sie mit der Hand durch die dichten, dunklen Locken. Sie hatte sich verändert.
Sie hörte das Klappern der Töpfe aus der Küche und deckte die übrigen Tische ein.
Es war Samstag und Francesca befürchtete, dass sich auch heute wieder das Restaurant nicht mit Gästen füllen würde.
Um sie herum würden Trauben von Menschen vor den Restaurants, Osterien und Trattorien anstehen, um einen Platz zu ergattern.
Ihre Tische aber würden leer bleiben. Als ob die kleine Trattoria DaRita inmitten von Venedig nicht existierte.
„Angelo, beeil dich und bring die Muscheln“, rief sie nach draußen in den Hinterhof, wo die große Kühltruhe stand, die in der kleinen Küche keinen Platz gefunden hatte.
Francescas Italienisch klang hart und laut. Seit fast zwei Monaten war sie nun im Da Rita, war Tellerwäscherin, Kellnerin und – nachdem ihr der Koch bereits in der ersten Woche seine Schürze in die Hand gedrückt und gekündigt hatte – Köchin in einer Person. Er hatte sie einfach sitzen lassen, dabei konnte sie alles andere als gut kochen. Verzweifelt hatte sie ein Schild in das Fenster der Trattoria gestellt: Cuococercasi und gehofft, dass sich ein Koch auf der Suche nach Arbeit melden würde.
Durch einen glücklichen Zufall war Signor Angelo kurz darauf im Restaurant erschienen.
Er hatte einen kleinen Zettel in der Hand gehabt, auf dem zu lesen war:
„Mein Name ist Angelo.
Ich bin stumm und suche Arbeit.
Brauchen Sie Hilfe?“
Und wahrlich Hilfe hatte Francesca bitter nötig gehabt.
Er war ein Glücksgriff, wie sich bald herausstellte: Signor Angelo, ein untersetzter, kahlköpfiger Italiener unbestimmten Alters, der göttlich kochen konnte.
Leider nur war er der langsamste Mensch, den Francesca je kennengelernt hatte. Dauernd musste sie ihn antreiben.
„Angelo, fai presto, Angelo sprigati, mach schnell, beeil dich,“ waren die Worte, die Francesca in den letzten Wochen am häufigsten benutzt hatte.
Und dennoch war sie ihm dankbar und das nicht nur, weil er sie im Restaurant unterstützte.
