Planspiel Beta-Atlantis 4 - Hedy Loewe - E-Book

Planspiel Beta-Atlantis 4 E-Book

Hedy Loewe

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Beschreibung

Die hinterhältigen Machenschaften des Generals bedrohen die Existenz der Wasserwesen und ihrer faszinierenden Unterwasserwelt. Ohne Rücksicht auf seine lebensgefährliche Verletzung kämpft Skye mit allen Mitteln gemeinsam mit der Bruderschaft der Moorii um den Frieden auf Beta-Atlantis. Den Verbündeten bleibt nicht mehr viel Zeit, denn der Tag der großen Entscheidung rückt näher, und immer mehr Wasserwesen entscheiden sich dafür, die Menschen auszulöschen. Die Freunde müssen alles daran setzen, die Wasserwesen beim großen Gericht von den guten Absichten der Menschen zu überzeugen. Doch wie soll das gehen, auf dem Grund des Meeres? Auf dem Eiskontinent Ethleticon wird sich nicht nur das Schicksal der Bruderschaft entscheiden. Skye und Juniya steht eine gewaltige Prüfung bevor ...

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Impressum

Planspiel Beta-Atlantis: Ethleticon

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Glossar

Danksagung

Die Autorin

Bisher erschienen:

Titel

Hedy Loewe

Planspiel Beta-Atlantis

Ethleticon

HL UTOPIA EDITION

Impressum

©2021 Hedy Loewe

Erste Ausgabe, November 2021

Herausgeber: HL UTOPIA EDITION, Sabine Schöberl, Veilchenstr. 4, 90587 Veitsbronn

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung, wozu auch die Verbreitung über „Tauschbörsen“ zählt..

Covergestaltung: Magicalcover.de / Giusy Ame Bildquelle: Depositphoto

Lektorat: Marion Voigt, folio-lektorat.de

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.hedy-loewe.de

Kontakt:

.

Planspiel Beta-Atlantis: Ethleticon

Cliff

»Bei allen guten Geistern, wir leben noch! Wachen Sie auf, Captain Cliff!«

Etwas klatschte hart auf Cliffs Wange. Er blinzelte.

»Wir sind durch!«, schrie ihm ein enthusiastisch grinsender Jonessy ins Ohr. »Die Lady hat’s geschafft!«

Cliff rappelte sich auf. Die Wellen hatten noch immer Sturmqualität, doch das Schlimmste schien überstanden zu sein.

»Viele Verluste?« Er schnitt sich die Sicherheitsleine vom Körper.

»Drei Mann fehlen mindestens«, antwortete Jonessy zerknirscht. »Genau wissen wir es noch nicht.«

Die Nacht wurde vom ersten Morgenlicht zurückgedrängt. Besorgt musterte Cliff Masten und Takelage. Die Viking sah etwas zerzaust aus, aber keine der großen Spieren war gebrochen.

»Wo befinden wir uns, Mr Jonessy?«

Jonessys Antwort wurde jäh unterbrochen.

»An Deck! Klippen backbord voraus!«

Cliff und Jonessy fuhren herum. Die Viking trieb auf den Klippenring der unbekannten Insel zu.

»Scheiße. Wir waren nicht weit genug draußen.« Cliff prüfte den Wind. »Wir kommen nicht mehr schnell genug von der Küste weg. Jonessy, wo genau hatten wir gestern die Durchfahrt vermutet? Alle Männer hierher, die das gestern beobachtet haben. Wir müssen die Durchfahrt finden, sonst sind wir verloren!«

Cliff ließ die letzten Segelfetzen herunternehmen, die Viking hatte durch die Strömung genug Fahrt und musste mit dem Ruder auskommen. Er beriet sich mit dem Mann, der am Abend vor dem Sturm im Ausguck Dienst gehabt hatte, stellte sich mit zwei Rudergängern ans Steuerrad und befahl: »Alle Mann an Deck! Haltet euch bereit, euch an irgendwas Schwimmendes zu klammern, falls wir zerschellen.«

»An Deck!«, schallte es wieder aus dem Ausguck. »Durchlass drei Strich backbord voraus! Wenn mich nicht alles täuscht, sehe ich eine Mastspitze! Kein Flottenstander, aber auch nicht die Quicksilver!«

»Wer kann das sein? Hat sich da einer vor dem Sturm in Sicherheit gebracht?« Jonessy sprach aus, was Cliff durch den Kopf ging.

»Das kann nur einer der Händler sein. Sobald wir durch die Meerenge sind, besetzen Sie die Kanonen mit allen Männern, die wir an Deck entbehren können. Klar zum Gefecht! Aber jetzt müssen wir erst mal das Nadelöhr finden, ohne zerschmettert zu werden.«

Für die Männer am Steuer war es eine gewaltige Kraftanstrengung. Die Zähne zusammengebissen, die Muskeln zum Zerreißen angespannt, hielten sie die Viking auf Kurs und trieben auf den immer deutlicher sichtbar werdenden Durchlass zu. Sie hatten sich nicht getäuscht. Hier standen die Felsen versetzt, sodass die Felsformation aus der Ferne geschlossen schien. Mehrmals kam die Viking den Klippen gefährlich nahe, schor jedoch jedes Mal im letzten Moment an einer Havarie vorbei. Die entscheidende Passage, die gerade ein Schiff durchließ, war keine dreißig Meter breit und öffnete sich in eine schmale Bucht. Schon waren die Wellen gebrochen, die Viking glitt ruhig dahin.

»Ziehen Sie die Händlerflagge hoch, Mr Jonessy. Die brauchen nicht gleich zu wissen, wer wir sind.«

Cliff überließ das Ruder den Männern und suchte mit dem Fernglas das fremde Schiff ab. Eine bewaffnete Fleute, genau wie die Viking. Am Bug erkannte er den Schiffsnamen: Enodia. An der Steuerbordmarsrah hing ein Gehängter. Cliffs Nackenhaare stellten sich auf, als er erkannte, dass es ein Tkitamea war, der dort aufgeknüpft worden war. Und ihm gefror das Blut in den Adern, als er die Person erkannte, die neben dem Ausguck am Hauptmast der Fleute festgebunden war.

»Yphemi«, keuchte er atemlos. »Was haben sie mit ihr gemacht?«

Leblos hing Yphemi in den Seilen, die sie gefangen hielten. Er holte Luft.

»Nicht schreien!« Jonessy warnte zu Recht. »Sie sollten nicht wissen, dass wir sie kennen.«

Cliff hielt sich im Zaum und überlegte fieberhaft. »Signalisieren Sie, dass wir um Hilfe bitten. Fleute hat Verletzte an Bord. Erbitte, an Bord kommen zu dürfen.«

Die Signalwimpel stiegen auf. Drüben tat sich etwas.

»Die haben noch geschlafen«, kommentierte Jonessy. »Die Bucht ist so geschützt, dass sie vom Sturm nicht das Geringste abbekommen haben. Und sie sehen uns nicht als Bedrohung. Da denkt keiner dran, zum Gefecht klarzumachen.«

Die Fleute signalisierte etwas.

»Was zum Teufel soll das denn heißen?«, Jonessy schaute genauso angestrengt hinüber wie Cliff.

»Die haben von den Signalflaggen offensichtlich wenig Ahnung. Und wir verraten uns, wenn wir zu gut signalisieren. Schicken Sie das Signal ›Nachricht vom Roten Vadim‹. Mal sehen, ob sie darauf reagieren.«

Immer wieder wanderten Cliffs Blicke zu Yphemi. Kraftlos hing sie in den Fesseln, rührte sich nicht, und sein Herz brannte bei ihrem elenden Anblick wie Feuer. »Die Sonne auf ihrer Haut wird sie umbringen! Wir müssen so schnell wie möglich rüber. Jonessy, lassen Sie ein Boot aussetzen. Ich hole Yphemi da raus. Und sobald wir von Bord sind, schießen Sie das Schiff auf den Grund der Bay.«

Endlich antworteten die da drüben nun etwas, was Cliff mit »Sie dürfen an Bord kommen« interpretieren konnte. »Bin gleich so weit.« Er rannte in seine Kajüte und zog aufwendige Händlerkleider an und stülpte einen Hut mit hübschen Federn auf, um wenigstens auf den ersten Blick als Händlerkapitän durchzugehen.

Das Beiboot war noch nicht ganz im Wasser, da wimmelte es schon von Haien ringsum. Cliff sprang sofort hinunter ins Boot, kniete sich an die Außenwand. »Friede! Ist Hauptmann Shaka bei euch? Oder Tyrrab?«

Etwas sehr Großes, sehr Weißes tauchte aus der Tiefe empor. Der Kerl war fast doppelt so lang wie das Boot. Cliff sah eine graue Scharte am oberen Ende der Rückenflosse.

»Du bist Hauptmann Shaka, nicht wahr? Kannst du mich verstehen?«

Träge legte sich der Riesenhai auf die Seite und schnappte mit seinem Gebiss.

»Wir haben nicht viel Zeit. Wie wäre es mit einem Ja-Nein-Spiel? Ja ist ein Schnappen, Nein eine Flossenbewegung.«

Ein Schnappen bestätigte. Cliff war erleichtert, dass dieser Shaka ihn verstand.

»Ich werde rüberfahren und Yphemi da rausholen. Ich schätze, sie haben sie als Geisel genommen und euren Unterhändler einfach aufgehängt?«

Shakas Kiefer schnappten bedrohlich vor seiner Nase zusammen, es kostete Cliffs gesamte Selbstbeherrschung, vor dem Kerl nicht zurückzuzucken.

»Sie schießen auf euch, wenn ihr euch um das Schiff blicken lasst. Hat es noch mehr Verluste bei euch gegeben?«

Ein ordentlicher Wasserspritzer durchnässte Cliff, so wütend schnappten Shakas Kiefer.

»Das tut mir leid. Ich werde ihnen vormachen, einer von ihnen zu sein. Ich muss zu Yphemi hinaufklettern. Das werden sie wahrscheinlich nicht freiwillig zulassen. Könnt ihr die Mannschaft ablenken, wenn ich an Bord bin?«

Shaka schnappte wieder mit dem Kiefer und ließ sich zurückfallen. »Warte noch!«

Ein Zucken mit der Schwanzflosse genügte, da war Shaka auch schon wieder an Cliffs Seite.

»Haltet euch nicht zwischen den beiden Schiffen auf. Sobald ich Yphemi von Bord habe, werden wir das Schiff versenken.«

Cliff erwartete eigentlich ein zufriedenes Kieferschnappen, doch Shaka drehte ihm die Bauchseite zu und schlug heftig mit der Brustflosse aufs Wasser.

»Nein? Weshalb?«

Der Tkitamea schnellte empor, stand einen Augenblick senkrecht neben Cliffs Boot und ließ sich dann nach hinten fallen. Er zeigt mir seine Bauchseite. Dort ist er ungeschützt und empfindlich. Was will er mir damit sagen? »Du meinst, im Schiff sind noch mehr Tkitamea?«

Heftiges Kieferschnappen.

»Schöne Scheiße.«

Wäre die Lage nicht so verfahren gewesen, hätte Cliff gegrinst, denn Shaka antwortete mit einem Schnappen.

»Wir müssen also zuerst Yphemis Leben retten, und dann die anderen?«

Schnapp.

»Könnt ihr sie rausholen?«

Die Flosse schlug heftig.

»Also nein. Ich werde mich darum kümmern. Aber erst, wenn Yphemi in Sicherheit ist.«

Schnapp, schnapp.

Mittlerweile war Cliff heilfroh, dass Jonessy das Beiboot auf der abgelegenen Seite zu Wasser gelassen hatte. Seine eigenen Leute starrten wie gebannt von der Reling zum Boot herunter und folgten Cliffs ungewöhnlicher Unterhaltung mit dem Riesenhai. Die anderen drüben auf dem feindlichen Schiff würden das äußerst verdächtig finden.

»Wir müssen denen was vorspielen. Wie wäre es, wenn du mein Boot auf der Überfahrt ein bisschen angreifst?«

Großer Schnapper.

»Eine letzte Frage, dann mache ich mich auf den Weg. Yphemi ist meine Gefährtin. Ich werde alles tun, um sie zu retten. Wenn ich sie sicher ins Wasser bringe – und sollte ich das Ganze nicht überleben – wirst du sie vor allen Angreifern beschützen?«

Yphemis Ex-Gefährte starrte Cliff aus dem runden schwarzen Auge an, als würde er sich alles an ihm genau einprägen. Dann kam ein letztes, bestimmtes Schnappen.

Cliff rief hinauf zur Reling: »Mr Jonessy, ich brauche sechs Männer, die sich nicht von unseren Freunden fürchten und mit den Gewehren umgehen können. Und einen roten Wimpel. Holen Sie die Gewehre und bewaffnen Sie die Männer. Wenn ich den Wimpel setze, entern Sie und nehmen alles gefangen, was sich bewegt, haben Sie mich verstanden?«

Skye

Was für eine Nacht! Und warum musste sie so enden? Als Skye erwachte, spürte er sofort die Hitze, die das Material ausstrahlte, wenn es wieder irgendwo beschloss, sich auszudehnen. Lang kann es nicht mehr dauern, bis der nächste Schub kommt. Hoffentlich ist Juniya dann nicht in der Nähe. Er wollte nicht, dass sie ihn sah, wie er vor Schmerzen brüllte wie ein Stier. Aber was sollte er tun? Ich kann nicht weglaufen und sie hier allein lassen. Zärtlich strich er über ihr helles Haar.

»Wie geht es dir?«, fragte sie. Sie war also wach und wusste, was los war.

»Irgendwann demnächst ist es wieder so weit.«

»Was kann ich tun, um dir zu helfen?«

Skye hatte eigentlich gar keine große Lust, über das Thema zu reden, doch eine von Juniyas guten – oder je nach Standpunkt auch nervigen – Eigenschaften war ihre Hartnäckigkeit. Sie ließ sich weder ablenken noch in die Irre führen.

»Wenn es wieder losgeht, werde ich irgendwo hinlaufen, wo du mich nicht schreien hörst. Bisher hat es nie allzu lange gedauert. Es ist nur am Anfang ziemlich heftig. Ich möchte nicht, dass du mir folgst. Versprichst du mir das?«

»Nein«, kam es wie aus der Pistole geschossen.

Skye seufzte. »Ich werde herumbrüllen, dich erschrecken und abstoßen. Vielleicht machen mich die Schmerzen auch aggressiv. Willst du von mir angeschrien oder verletzt werden?«

»Du wirst mich nicht verletzen. Und ich fürchte mich nicht vor deinen Schmerzen.« Juniya setzte sich auf. »Welches ist die schlimmste Stelle?«

Sie wirkte so unerschrocken, Skye bewunderte sie dafür. Er drehte ihr die Schulter zu. »Hier. Es sieht bestimmt nicht schön aus. Und wenn es erst richtig losgeht, stinkt alles nach verbrannter Haut. Warum willst du dir das antun?«

Er spürte ihre Finger über seinen Rücken wandern, ein eigenartiges Vibrieren ging von ihnen aus. Und auf seiner Haut: Nichts! Die Hitze an dieser Stelle war verschwunden. Juniya stöhnte leise.

Skye drehte sich irritiert um. »Was machst du da?«

Der Kontakt zu Juniya war unterbrochen, und die Wärme an den Rändern des Materials breitete sich wieder aus.

»Es funktioniert«, flüsterte sie und blieb sitzen. »Ich kann dir also ein wenig helfen.«

»Was hast du gemacht?«

»Ich bin Energietelepathin. Ich kann Schmerzen ableiten. Als Cliff auf der Clara verletzt war, konnte ich ihm auch helfen.«

»Aber es tut dir weh, das sehe ich doch. Das kommt überhaupt nicht infrage.«

Aus großen Augen sah sie ihn an. »Was willst du, dass ich tue? Wegschauen?«

Skye fuhr sich durch die Haare. Er spürte, dass Juniya – ob instinktiv oder durch ihr großes Wissen – besser über ihn und das Material Bescheid wusste, als jeder andere Mensch zuvor. Zorn auf das Leben kochte in ihm hoch. Er sprang auf und ging ein paar Schritte zum See, an dessen Ufer sie heute Nacht geschlafen hatten. So eine Scheiße! Wütend wusch sich Skye den Schweiß der Nacht vom Körper. Er schwamm ein paar Züge, um sich abzureagieren. Sie kann doch nichts dafür. Sie am allerwenigsten. Ich muss ihr sagen, dass ich nicht auf sie wütend bin. Eine Weile kraulte er über den See. Es tat ihm gut, lockerte seine Anspannung. Seit er auf diesem Planeten war, war er nicht mehr geschwommen. Salziges Meerwasser auf seiner Haut war so ziemlich das Schlimmste, was ihm passieren konnte. Süßwasserseen wie dieser auf Albatrasca hatte er noch nirgends gefunden, er genoss das Schwimmen. Als er zurückkehrte, saß Juniya mit nassen Haaren, aber angezogen im Gras. Die Bewegung im kühlen Wasser hatte Skyes Haut und sein Gemüt beruhigt. Er stieg ans Ufer und setzte sich neben sie, um sich von der Sonne trocknen zu lassen. Er konnte ihr nicht entkommen. Und er wollte es auch gar nicht.

Juniya blickte über den See. Sie wirkte gelassen. Es tut mir so gut, dass sie so ein unaufgeregter Mensch ist. Langsam wandte sie sich ihm zu und musterte ihn mit ihren klugen Augen.

»Du hast mich nicht die vielen Seemeilen gesucht, um jetzt vor mir wegzulaufen. Oder vor dir selbst«, begann sie das Gespräch.

Er beugte sich zu ihr hinüber und küsste sie zärtlich. Versuchte, sich zu sammeln. Er war Juniya eine Erklärung schuldig.

»Ich bin verwirrt. Ich kam auf diesen Planeten, in dieses Spiel, um mich abzulenken. Eines Tages, viel Zeit wird mir nicht bleiben, werde ich an dem Zeug sterben.«

Skye wartete auf eine entsetzte Reaktion. Auf ein Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben oder ein Haben die Ärzte denn wirklich schon alles versucht? Aber da kam keine. Nur ein freundliches Nicken als Aufforderung, weiterzuerzählen. Er fuhr fort. »Ich wollte meine letzten Monate hier verbringen. Nicht in einer Klinik und schon gar nicht in einem Labor, in dem sie mit mir, dem Freak, Experimente machen. Ich wollte noch etwas Spaß haben und irgendwann aus diesem Leben gehen, ohne Bindung an einen Menschen. Und nun habe ich dich gefunden. Das macht alles kompliziert. Ich will dir nicht wehtun. Vielleicht solltest du dich nicht an mich binden.«

»Das sagst du mir jetzt, nach allem, was passiert ist?« Ihr trauriges Lächeln stieß ihm einen Dolch direkt ins Herz. Was hab ich da gesagt? Wenn sie mich verlässt, werde ich sofort eingehen. Da brauche ich nicht auf das Zeug zu warten. Umso glücklicher machten ihn Juniyas Worte.

»Du bist alles, was ich habe. Alles, hörst du? Ich besitze nichts. Ich bin ein niemand. Keine Heimat, keine Identität. Schick mich jetzt nicht fort. Ich hatte noch nie in meinem Leben eine solche Verbindung wie zu dir, zu niemandem. Wenn ich bei dir bin, fühle ich mich sicher. Wenn du mich nicht mehr willst, wohin soll ich gehen?«

Er konnte sich nicht mehr von Juniya fernhalten, nicht eine Sekunde. »Es kann gar keine Rede davon sein, dass ich dich nicht will. Ich will dir nicht wehtun, das ist alles! Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich dich brauche!« Heftig zog er sie in seine Arme, ihr Mund öffnete sich bereitwillig, dieser Funke ließ das Feuer der Nacht wieder auflodern. Im goldenen Morgenlicht nahm Skye Juniya heftiger, unvorsichtiger und besitzergreifender als bisher. Sie schreckte nicht davor zurück. Je wilder er sich gebärdete, desto anschmiegsamer wurde sie, nahm ihn in sich auf, hielt ihn, nachdem er sich in sie ergossen hatte, fest in ihren Armen, streichelte seinen Rücken.

»Ich brauche deine Stärke. Bleib bei mir, solange es geht«, flüsterte sie in sein Ohr. »Mir macht deine Verletzung nichts aus.«

Skye stützte die Arme neben ihr auf, stemmte sich ein bisschen hoch und sah ihr in die Augen.

»Jetzt vielleicht noch nicht. Aber schau mal genauer hin.« Er drehte den Kopf, sodass seine Narbe direkt vor ihr war. Auch hier spürte er jetzt eine entzündete Stelle. »Irgendwann wird es mir ein Auge ausbrennen. Aber ich will nicht blind und hilflos sein.« Wieder kochte die Wut auf sein Schicksal auf und er verkrampfte sich. Sie zog seinen Kopf an ihre Brust und umarmte ihn ganz fest.

»Es ist mir egal, wie du aussiehst.«

So ernsthaft, wie sie es sagte, wollte er ihr fast glauben.

»Und was, wenn es mir die Ohren, die Nase oder den Schwanz wegbrennt? Juniya, ich will nicht als hässlicher Krüppel an den Schmerzen krepieren. Willst du so jemanden an deiner Seite haben? Einen invaliden Pflegefall bis zum grausamen Ende?« Er sprach nicht aus, was er sich seit Langem vorgenommen hatte. Wenn es unerträglich wird, mache ich Schluss. Skye hatte Angst vor Juniyas Reaktion. Vor dem Weinen und Schreien, das er von Clodia kannte. Vor dem Verlassenwerden. Das er auch von Clodia kannte.

Juniyas nächste Worte waren wie Balsam auf Skyes wunder Seele.

»Ich werde bei dir sein und dir helfen, wo ich kann. Und du wirst mich beschützen, solange du es kannst. Dafür bist du auf diesem Planeten gelandet. Vom ersten Moment an, als wir uns begegneten, hast du mich beschützt. Ich werde dich nicht verlassen.«

Am Nachmittag wanderten sie weiter in Richtung Küste. Das Meer strahlte ihnen blau entgegen, die Landschaft wurde flacher. Nach ein paar Stunden blieb Skye so plötzlich stehen, dass Juniya gegen ihn prallte.

»Schau! Wie eigenartig.«

Sie waren an der letzten Kaskade angekommen. Ein paar Meter unter ihnen lag ein kreisrunder See von einer intensiven grünen Farbe, der sich deutlich von allen anderen Seen vorher unterschied. Das Wasser stürzte hinein, doch es war nirgends ein Abfluss zu erkennen. Es war der letzte See einer langen Kette, und doch führte kein Überlauf, Fluss oder Bach weiter zum Meer.

»Es sieht so aus wie der Teich in Belilla Bay. Erinnerst du dich?«

Skye nickte. »Wie könnte ich deinen ersten Kuss vergessen. Ich war so hin und weg. Und dann hast du mich Viverrin genannt.«

Juniya kicherte und Skye drehte sich zu ihr um. »Was ist daran so komisch, Mylady?«, fragte er säuerlich, doch seine Augen lachten. »Einen eigenartigen Sinn für Humor haben Sie, gnädige Frau.«

Sie trat auf ihn zu. »Ich war damals etwas verwirrt. Viverrin hat sich so gut um mich gekümmert. Und, um das ein für alle Mal klarzustellen, du hattest mich verlassen. Einfach ohne mein Wissen im Hospital abgeladen. Ich war einsam. Und er war nett zu mir.«

»Glaub mir, es hat mir fast das Herz rausgerissen, dich dort zu lassen. Aber du warst krank und ich hatte ein Schiff, vollgestopft mit Männern. Dr Kingsley hatte die Idee mit Manatekas Hospital.«

Juniya nickte. »Sie haben sich sehr gut um mich gekümmert. Es war sicher besser so. Und doch war ich erst verzweifelt. Viverrin hat mir übrigens beigebracht, mich zu verteidigen.«

»Viverrin ist ein patenter Kerl. Er hat eine Menge mitgemacht in letzter Zeit. Das muss ich dir noch erzählen.« Skye sah sich um. »Hier wäre ein schöner Platz für die Nacht.«

Skye bereitete in einem Palmenhain einen Platz für die Nacht, und Juniya sammelte ein paar Nüsse. Eine blaue Kokosnuss bildete eine köstliche Ergänzung des kargen Abendmahls.

»Morgen werden wir die Küste erreichen. Ich hoffe, dass Viverrin uns dann bald findet. Etwas Vernünftiges zu essen wäre schon schön.«

»Und eine Haarbürste. Und etwas für die Hände. Ein bisschen Seife«, murmelte Juniya und kuschelte sich an ihn. »Meine Hände sehen fürchterlich aus. Und meine Haare sicher auch.«

»Du bist wunderschön. Und du duftest nach Sonne und Wind«, flüsterte er ihr zärtlich ins Ohr. Skye hatte das Bedürfnis, sich für den etwas zu heftigen Sex zu entschuldigen. »Ich hoffe, ich war heute Morgen nicht zu grob zu dir?«

Sie lächelte. »Bisher hast du alles getan, um mich zu verwöhnen. Diesmal brauchtest du ein Ventil. Es war eine spannende neue Erfahrung für mich. Wenn ich nicht will, werde ich es sagen, und du wirst es respektieren. Du bist nicht wie dieses Tier in Albatrasca.«

Er zog sie noch fester an seine Brust. »Ich weiß, was du damals in Albatrasca durchmachen musstest.« Bei dem Gedanken an Juniyas Qualen kam ihm die Galle hoch. »Ich werde diesen Mann finden und ihn töten.«

»Das habe ich bereits erledigt.« Sie sagte das so trocken, wie der Sandboden war, auf dem sie saß. Wie unbeteiligt blickte sie zu Boden.

»Du?«, meinte Skye verblüfft.

Sie setzte sich aufrechter hin. »Es wird Zeit, dass ich dir etwas erzähle. Und vielleicht willst du dann doch nichts mehr mit mir zu tun haben.«

Juniya war nach einem langen Gespräch an seiner Seite eingeschlafen. Vor ihnen glommen noch die Reste des kleinen Feuers. Skye staunte noch immer über ihr Geständnis, mit ihrer Energie nicht nur Hitze erzeugen, sondern auch Menschen töten zu können. Vier Männer hatte Juniya umgebracht, seit sie im Planspiel war. »Keine schlechte Quote«, war es Skye bei Juniyas Geständnis herausgerutscht. Unter Soldaten wäre seine Aussage witzig gemeint gewesen und hätte anerkennendes Schulterklopfen ausgelöst. Doch Juniya kam noch nicht damit zurecht, Menschen getötet zu haben. Für Skye war das weniger ein Problem als für sie. Diese Kanaillen hatten Juniya angegriffen, und sie hatte sich verteidigt. Für Skye war die Sache damit erledigt, das hatte er versucht, ihr zu vermitteln. Er spürte aber, wie sehr es Juniya beschäftigte, diesen Zorn, der den Tod dieser Männer ausgelöst hatte, nicht besser kontrollieren zu können. Mal sehen. Vielleicht konnte er ihr ja dabei helfen, diese Gabe dosierter zu gebrauchen. Skye löschte das Feuer und war gerade am Einschlafen, als es losging, heftiger als jemals zuvor. Der Schmerz überfiel ihn so plötzlich, dass er sich zusammenkrümmte und aufbrüllte. Er sprang auf und wollte weglaufen. Doch der Schmerz war so gewaltig, dass er zusammenbrach und auf Händen und Knien um Atem ringend liegen blieb. Sofort war Juniya neben ihm. Er atmete stoßweise. Durch einen roten Nebel aus Schmerz spürte er ihre Hände auf seinen Schultern. Durch ihre Berührung wurde das Brennen etwas erträglicher.

»Was soll ich tun?«

Ihre Frage drang gerade so zu ihm durch. Das Mondlicht schien hell in dieser Nacht, Skye vernahm das Rauschen des Wasserfalls. »Wasserfall«, brachte er mit Mühe hervor.

»Nicht bis zum Wasserfall. Wir schaffen es ins Wasser des Wandels.«

Skye hatte keine Ahnung, was sie damit meinte. Hauptsache Wasser, Kühlung, ein Nachlassen des Feuers auf seinem Rücken und im Gesicht. Alles andere war ihm egal. Juniya verstärkte den Druck auf seine Schultern. »Du schaffst es bis in den See. Komm, steh auf!«

Skye schaffte es mit ihrer Hilfe, auch wenn er mehr kroch als ging. Sie half ihm aus dem Hemd, das nun glimmende Löcher hatte und nur noch ein Fetzen war, und aus Stiefeln und Hose. Stöhnend und schreiend ließ sich Skye ins Wasser gleiten. Noch bei keinem seiner bisherigen Schübe hatte er die Möglichkeit gehabt, in Süßwasser zu liegen. Schon beim ersten Eintauchen in den See spürte er die Erleichterung. Juniya blieb die ganze Zeit bei ihm. Sie achtete darauf, dass er ruhig auf dem Wasser lag und nicht ins Tiefe abdriftete, stützte ihn, damit er nicht mit dem Sandboden in Berührung kam, schöpfte immer wieder Wasser auf sein Gesicht und erinnerte ihn daran, alle paar Minuten einen Schluck zu trinken, bis die schlimmsten Schmerzen nach einer guten Stunde abflauten. Immerhin schon nach einer Stunde. Sonst hatte es immer drei bis vier Stunden gedauert, bis Skye halbwegs wieder klar denken konnte. Juniya half ihm aus dem Wasser und nötigte ihn, sich dicht am Ufer auf den Bauch zu legen. Skye ließ es geschehen, dass sie alle unverletzten Körperteile vorsichtig mit den Resten seines Hemds trockentupfte.

»Wie groß ist es?«, fragte er irgendwann.

»Ich zeige es dir morgen«, flüsterte sie. »Versuch zu schlafen.«

Von ihren Fingern ließ sie Wassertropfen auf seinen Rücken tropfen. Skye stellte sich vor, es wäre ein sommerlicher Regenschauer. Vor Erschöpfung schlief er ein.

Cliff

Die Freiwilligen, die Cliff hinübergerudert hatten, waren nur noch zu fünft. Bei den Scheinangriffen der Haie war einer von Cliffs Matrosen aufgestanden. »Ich hab da so eine Idee«, hatte er Cliff zugeflüstert, und mit dem nächsten Stoß, den ein Haimaul dem Boot versetzte, ließ er sich vor allen entsetzten Besatzungsmitgliedern über Bord fallen. Auch Cliff war es flau im Magen. Der Matrose – Tom war sein Name – schrie zwar ein bisschen sehr theatralisch, doch dann war er plötzlich verschwunden, und Cliff hatte ein sehr schlechtes Gefühl dabei.

»Enodia ahoi!« Die fremde Besatzung ließ umständlich einen Bootsmannsstuhl herab, und Cliff tat so, als würde er sich ungeschickt anstellen. Die Haie waren verschwunden, Shaka und seine Leute hüteten sich vor den Gewehrsalven.

»Ihr rudert weg und bringt euch in Stellung«, befahl der seinen Männern leise. »Verhaltet euch ganz unauffällig, als ob ihr einfach auf mich wartet. Und schießt auf keinen Fall auf die Haie, egal, was sie anstellen. Das ist ein Befehl!« Seine Männer grüßten, und Cliff setzte einen Fuß in den Bootsmannsstuhl.

An Deck wartete schon alles auf den unerwarteten Ankömmling. Ein paar der Männer waren mit Schnellfeuergewehren bewaffnet. Der Kapitän war nicht leicht auszumachen. Im Gegensatz zur Flotte gab es bei den Händlern keine Uniformen. Am Kartenhaus standen drei Männer. Der mittlere trug einen schlichten schwarzen Anzug und machte ein verkniffenes Gesicht. Als Cliff auf die Männer zutrat, wichen die anderen beiden einen Schritt zurück.

»Captain Bukov, Charles Bukov«, stellte sich Cliff mit einer Verbeugung vor. »Verdammt, heute Nacht dieser Höllensturm und jetzt diese Monsterhaie. Und ich dachte, in dieser Bucht wären wir sicher.«

»Mason«, stellte sich der Mann in Schwarz knapp vor. »Was will Smalov?«

Oh, gehört der gar nicht zur Händlerflotte?

Cliff verbeugte sich noch einmal höflich. »Wie ich sehe, wart ihr erfolgreich auf der Jagd nach besonderen Ichtyos.« Er warf einen neugierigen Blick auf Yphemi. »Wie ich euch beneide. Der Händlerkönig hat einen Preis auf das schönste Fischweib ausgesetzt, das wir erwischen«, flunkerte Cliff drauflos. »Allerdings will er sie lebendig. Die da oben sieht mir etwas mitgenommen aus. Ich würde sie euch trotzdem abkaufen.«

»Und was würdet ihr mir für die Ichtyo geben?«

Das Gesicht dieses Captain Mason hatte einen verschlagenen Zug angenommen.

»Was braucht ihr? Ich hab den ganzen Schiffsbauch voller wertvoller Ware. Bin froh, dass wir heute Nacht nicht abgesoffen sind, um ein Haar hätte ich alles über Bord werfen lassen. Bis auf die Gewehre natürlich.« Cliff schnippte sich ein imaginäres Stäubchen von der Schulter.

»Wie viele?«

»Dreißig Kisten modernstes Equipment. Der General lässt grüßen.« Cliff grinste Mason frech ins Gesicht. »Die werden uns die Haie schon vom Hals halten. Ich hatte hier nur nicht mit denen gerechnet.«

»Die dreißig Kisten für das Fischweib, und ihr helft uns aus der Bucht.«

Wieder grinste Cliff ihn frech an. »Zwanzig könnt ihr haben. Schließlich wissen wir gar noch nicht, wogegen wir uns noch verteidigen müssen. Wir sind zwar mit allem über die Maßen gut ausgestattet«, dabei schwenkte er seine Hüften in anzüglicher Weise, und die Männer um ihn herum lachten. Alle außer diesem Mason. »Aber hier geht es kriegerischer zu, als ich vermutet habe.«

»Wenn ihr uns dafür hier rausbringt, sollen mir zwanzig Kisten recht sein«, meinte Mason verkniffen. »Ich will hier raus, und zwar schleunigst.«

Cliff grinste zufrieden. »Sehr schön, mein guter Captain Mason, damit verschafft ihr mir eine schöne Punktzahl beim General. Mein Auftrag ist es nämlich, alle Flottenfeinde mit Waffen auszustatten. Und eurer? Ichtyos fangen und aufknüpfen?«, fragte er leutselig.

»Ich halte mir die Bestien nur vom Leib. Das Weib ist meine Gefangene. Und der da«, er nickte in Richtung des Erhängten, »war ein abschreckendes Beispiel. Könnt ihr mir mit einem vernünftigen Navigator aushelfen?«

Cliff stutzte. »Weshalb? Ihr seid doch Kapitän?«

Masons Antwort kam säuerlich. »Mein Commander ist ausgefallen. Ich selbst bin in der Seefahrt nicht so sehr bewandert. Wir sind zur nördlichen Basis befohlen und kommen hier nicht weg. Der Anker scheint sich verhakt zu haben.«

»Na, wenn’s weiter nichts ist!« Cliff fragte sich, was wohl mit den Bootsmannsmaaten, den Rudergängern und allen anderen war, die normalerweise zumindest die Grundzüge der Schiffssteuerung beherrschten und auch wissen sollten, was im Falle eines festen Ankers zu machen war. Doch Mason würde ihm das nicht vor allen anderen beantworten, und von oben hörte er ein Stöhnen, das ihm durch Mark und Bein ging. Er musste handeln.

»Wir haben keine Karte dieser Bucht, sind eher zufällig durch den Sturm hierhergetrieben worden. Was ist mit euch? Gibt es eine Karte mit den Untiefen?«, fragte er und trat neugierig auf das Kartenhaus zu, was ihm Mason mit einem entschlossenen Schritt verwehrte. Seine Männer zuckten nur mit den Schultern.

»Na dann: Befehlen Sie Anker auf. Alle entbehrlichen Männer ans Ankerspill. Und lassen Sie meinem Schiff signalisieren, dass sie auf Rufweite herankommen. Wir tauschen unsere Ware, und Sie sind in einer Stunde aus der Bucht.«

Es gab keine vernünftige Befehlshierarchie auf diesem Schiff. Mason ließ es zu, dass Cliff die Führung übernahm.

»Steuermann, zu mir!«, befahl er, und ein stämmiger Matrose trat auf ihn zu. »Stellen Sie je einen Mann steuerbord und backbord an den Bug. Wenn der Anker los ist, beobachtet ihr die Fahrrinne und bleibt genau mittig zwischen den Felsen. Ich steige mal nach oben und sehe mir die Durchfahrt an. Das Wetter hat sich ja glücklicherweise beruhigt.«

Die Männer der Enodia schienen erleichtert, dass jemand die Führung übernahm, der offensichtlich mehr Ahnung hatte als Mason, und taten anstandslos, was Cliff von ihnen wollte. Eine ganze Menge Leute war mit dem Ankerspill beschäftigt. Cliff ließ das Ruder umlegen, sodass sich der Bug der Enodia in Richtung der Passage drehte und Zug von der Ankertross nahm. Ein Blick zur Viking sagte ihm, dass Jonessy verstanden hatte, die Viking kam gemächlich näher. »Steuermann, besetzen Sie den Kreuzmast. Mehr Segel werdet ihr nicht brauchen, um hinauszukommen.«

Mason hatte keine Einwände, und der Bootsmann tat, was Cliff wollte. Auf dem hintersten Mast waren dann schon mal mindestens dreißig Matrosen aus dem Weg und konnten nicht feuern, weder auf die Viking noch auf die Tkitamea. Ein geschäftiges Treiben hatte auf Deck begonnen, die Männer waren beschäftigt. Cliff drückte einem Schiffsjungen einen herumstehenden Eimer in die Hand. »Hol mir Seewasser rauf, Junge.« Auf Masons zusammengezogenen Augenbrauen hin erklärte Cliff grinsend: »Die Fischweiber stinken. Ich will mir meine Ware bei der Gelegenheit mal näher ansehen.« Ein loses Tauende nahm er mit nach oben.

Yphemis Anblick war fürchterlich. Ihre Haut schien nicht mehr zu ihrem Körper zu passen, das Gesicht und die Hände waren faltig geworden. »Liebes, ich bin da«, flüsterte er ihr zu. »Wie geht es dir? Kannst du mich hören?«

»Und wie ich dich hören kann«, sie schluchzte leise. »Ich merk mir das. Du hast gesagt, Fischweiber stinken.«

Vor Glück machte Cliffs Herz einen Satz. Yphemi hatte sich nicht bewegt, noch nicht einmal die Augen geöffnet, aber wenigstens war sie bei Bewusstsein.

»Hör nicht auf das, was ich sage! Ich bring dich hier weg.«

Sie weinte.

»Nicht weinen. Wir schaffen das. Gleich kommt Wasser, dann geht es dir besser.«

Er tat so, als würde er die Ausfahrtpassage inspizieren und rief nach unten. »Bursche, wo bleibt mein Eimer? Hier oben stinkt es unerträglich!« Cliff warf das Tau hinunter, der Schiffsjunge band den Eimer dran, und schon war der Wassereimer oben. Ohne zu zögern schüttete Cliff das Wasser über Yphemis Kopf und Körper. Sie seufzte leise. Ein schneller Blick nach unten: Die Männer an Deck waren am Arbeiten. Nur die Augen der Matrosen im Kreuzmast lagen auf ihm und Yphemi, doch die waren weit weg. Er stellte sich mit dem Rücken zu ihr und tat so, als betrachtete er die Felsen der Passage.

»Kannst du dich festhalten, wenn ich dich losbinde?«, flüsterte er.

»Wird schon gehen. Wie ist der Plan?«

»Lauf über die Rah und spring ins Wasser. Ich komme nach. Den Rest wird Shaka erledigen.«

»Du hast mit Shaka gesprochen?« Trotz ihrer Mattigkeit hörte Cliff das Erstaunen.

»Erzähl ich dir später. Wir warten auf seine Ablenkung. Müsste gleich losgehen.«

Vom Achterdeck kam ein panischer Schrei. »Sie fressen einen Mann!«

Hätte Cliff nicht gewusst, wen er da sah, das Blut wäre ihm in den Adern gefroren. Und so ging es den Männern, die Segel und Ankerspill vergaßen, an die Reling rannten und gebannt auf das schreckliche Schauspiel starrten, das sich hinter dem Schiff bot. Die Haie spielten mit dem Matrosen, der vorhin von Cliffs Beiboot ins Wasser gefallen war. Wie einen Ball spielten sie den Mann zwischen sich hin und her. Ließen die Kiefer schnappen und peitschten mit den Schwanzflossen neben ihm auf das Wasser. Tom schrie und zappelte.

Die Viking war auf Rufweite heran. Cliff winkte mit dem roten Wimpel, bis er registrierte, dass ihn Jonessy von der Viking aus gesehen hatte und mit einem Nicken bestätigte. Von unten starrte der Schiffsjunge herauf, zog seine Schlüsse und rannte zu Mason. Ein Mann hob ein Gewehr.

»Jetzt!«

Endlich hatte Cliff das Seil, das Yphemi hielt, durchgesäbelt. Sie sackte zusammen, wäre fast abgestürzt, zu schwach, um selbst über die Rah zu laufen. Eine Gewehrkugel schlug neben ihm in den Mast. Er schnappte seine Geliebte um die Taille, warf sie sich über die Schulter, fasste sich ein Herz und rannte die rutschige Marsrah entlang bis zum Ende, nahm den Schwung mit und stürzte sich kopfüber mit ihr ins Wasser.

Juniya

Juniya hätte am liebsten über Skyes Haar und seine unverletzte Schulter gestreichelt, doch sie wollte ihn auf keinen Fall stören, nachdem er endlich in einen unruhigen Schlaf gefallen war. Jetzt wusste sie, wovon er sprach. Und sie konnte seine Gedanken so gut nachvollziehen. Es musste sich anfühlen, wie wenn ein glühendes Eisen über die Haut fährt und alles verbrennt, was es berührt. Die winzigen roten Verästelungen, die Juniya schon damals auf Skyes Schiff gesehen hatte, glühten regelrecht auf und ließen die Katastrophe, die sie auf Skyes Haut anrichteten, sogar im Dunklen erahnen. Soweit Juniya es beobachten konnte, waren sie so eine Art Vorhut. Sie fraßen sich bei einem Schub schnell über die gesunde Haut, vernichteten sie und schienen nach ein paar Minuten Aktivität zu erstarren, um einer zweiten Attacke Platz zu machen. Denn erst dann schob sich das Material über die verbrannten und teilweise blutenden Flächen und bildete eine zunächst hauchdünne Schicht, die wie Quecksilber schimmerte. Es war richtig gewesen, Skye ins Wasser des Wandels zu legen. Wie sehr musste er leiden, wenn ihn der Schub auf dem Schiff überfiel. Dort hatte er ohne jede Linderung die angreifenden Zellen und die Schmerzen der Verbrennung zu ertragen. Nach ein paar Stunden fing Skye an zu fiebern.

Die Nacht war warm, wie jede Nacht auf der Insel, aber Juniya hätte ihn gern zugedeckt. Die Wunden mit sterilen Wundverbänden bedeckt und sauber gehalten. Hier hatte sie nichts, um ihn zu verbinden. Keine Medikamente, die ihm die Schmerzen nahmen. Sie konnte nichts anderes tun, als sich neben ihn zu legen und ihn mit ihrem Körper zu wärmen, so gut es ging, ohne die wunde Fläche auf seinem Rücken zu berühren. Juniya war sicher, dass es sich bei diesem See um eines der Wasser des Wandels handelte, von denen Viverrin ihr erzählt hatte. Sie hoffte, dass bald ein Tkitamea auftauchen würde, um ihr zu helfen. Irgendwo mussten die Tkitamea, die sie vor Tagen in der Höhle getroffen hatten, ja sein. Da jedoch niemand vorbeikam, vermutete Juniya, dass es von der Höhle aus noch eine andere Verbindung zum Meer gab als den oberirdischen Weg an den kleinen Seen entlang. Zu den Höhlen zurück konnte sie nicht, sie konnte Skye keine zwei oder drei Tage hier allein zurücklassen. Juniyas Verzweiflung nahm zu.

Gestern, als Skye über seine Verletzung und seine Angst gesprochen hatte – denn es war die Angst vor dem Vergehen, das spürte Juniya mit jeder Faser ihres Seins – da konnte sie sich noch beherrschen. Obwohl sie einen riesigen Klumpen im Magen hatte, schaffte sie es doch, ruhig und gefasst auf seine grausamen Eröffnungen zu reagieren, dabei hätte sie am liebsten geweint, vor lauter Sorge, ihn bald zu verlieren. Doch jetzt, mehr bewusstlos als schlafend und glühend vor Fieber, konnte Skye ihr Gesicht nicht sehen. Sie schmiegte sich an ihn und ließ ihren Tränen freien Lauf.

Juniya erwachte in der Morgendämmerung, und Skye war fort. Sie musste vor Erschöpfung so fest geschlafen haben, dass sie nicht merkte, wie er aufstand. Sie fand ihn unter dem Wasserfall stehend, seine Arme gegen die Felswand gestemmt, das Wasser prasselte auf Kopf und Rücken. Juniya schlüpfte aus ihren Kleidern, stellte sich zu ihm, schlang ihre Arme von hinten um seine Brust. Die schlimmsten Verbrennungen waren abgeklungen. Das Material schimmerte wie ein Schutzfilm über der Haut. Juniya kam eine Idee.

»Und wenn es ein Symbiont ist?«

Skye nahm ihre Hände und drehte sich zu ihr um. Küsste sie.

»Es ist doch egal, was es ist. Danke, dass du da warst heute Nacht. Du hast mir die Schmerzen sehr erleichtert.«

»Es ist nicht egal. Symbionten wollen ihren Wirt nicht töten. Sie würden ohne den Wirt sterben. Also, hat man bei deinen Untersuchungen darüber nachgedacht, ob es ein Symbiont sein könnte?«

Skye schüttelte den Kopf. »Sie gingen von einem Kampfstoff aus. Nicht von einer Lebensform. Komm. Für dich ist das Wasser zu kalt.«

Er hatte recht. Juniya zitterte. Sie untersuchte ihn dennoch im ersten Sonnenlicht. »Auf dem Rücken hat es sich entlang der bisherigen Ränder ungefähr zwei Zentimeter in Richtung deiner Schulter ausgedehnt.« Sie berührte vorsichtig seine Haut oberhalb der größten Ausdehnungsfläche.

»Wie stark sind die Schmerzen?«

»Seltsamerweise fühle ich mich einigermaßen gut.«

»Und hier?«

»Wo ist deine Hand?«

Juniya zog ihre Finger zurück. Sie hatte gerade direkt das frische Material berührt und gar nicht mal so sanft draufgedrückt. Ihr kam ein Gedanke. »Ich bin sicher, es ist ein Symbiont. Und wir werden herausfinden, was er davon hat, dich als Wirt zu benutzen.«

Juniya musste ein ganzes Stück in den Dschungel gehen, um etwas Essbares zu finden, und bat Skye, sich so lange auszuruhen. Es ging ihm keinesfalls so gut, wie er sie glauben machen wollte, denn er gehorchte ohne Widerrede und seine Beine zitterten, als er sich auf dem provisorischen Lager niederließ. Sie fand ein paar Beeren, die sie kannte, und noch eine Kokosnuss, für die sie nicht hochklettern musste. Skye brauchte dringend etwas Nahrhafteres, aber sie fand sonst nichts. Immerhin wurden sie von der Kokosnuss einigermaßen satt, und Wasser war genug vorhanden.

»Wir können weitergehen. Mir geht es gut. Und wir müssen endlich zur Küste, damit ich Viverrin rufen kann.«

»Wie willst du ihn von hier aus rufen?«

»Damals in Belilla Bay hat er so eine Art Blutsbruderschaft mit mir geschlossen. Er sagt, wenn etwas von meinem Blut ins Meer tropft, findet er mich.« Juniyas Zweifel standen ihr im Gesicht geschrieben. »Doch«, bekräftigte Skye, »es hat schon einmal gewirkt. Er kam nach Helios Bay und hat mir geholfen, das Schiff klar zu bekommen.«

»Blut ist notwendig, sagst du?«

»Nicht viel, keine Sorge.«

Sie deutete auf den See. »Heute Nacht bekam dieser See über deine Wunden eine Menge von deinem Blut ab. Wenn es stimmt, was du sagst, weiß Viverrin Bescheid.«

»Es muss ins Meerwasser. Nicht in einen See.«

»Dieser See ist wie der in Belilla Bay. Ich bin sicher, er hat eine unterirdische Verbindung zum Meer.«

Nun schaute Skye skeptisch. »Wie kommst du darauf?«

Juniya erinnerte sich, dass sie Viverrin geschworen hatte, nichts über das Wandelgeheimnis der Tkitamea zu verraten. Und das galt auch für Skye. »Nur so eine Ahnung«, antwortete sie deshalb nur. »Und weil er keinen oberirdischen Abfluss hat.« Sie konnte Skye nicht davon abbringen, aufbrechen zu wollen. Wenigstens hörte er auf sie und badete noch einmal im Wasser des Wandels. Sie kamen nicht weit. Als die Sonne zu heiß wurde, bekam Skye Schmerzen. Sein Hemd war zerfetzt und sie hatten nichts mehr, um seine Haut vor der Sonne zu schützen. Juniya brauchte nun gar nicht mehr viel Überzeugungskraft, um ihn zur Umkehr zum Wasser des Wandels zu bewegen. Es ging ihm schlecht und das Wasser war die einzige Hilfe.

»Nur noch eine Nacht«, flüsterte er, als er sich erleichtert in das Teichwasser gleiten ließ.

»So viele du willst, wenn es dir guttut«, flüsterte Juniya an seiner Seite. »Was wartet denn schon auf uns?«

»Eine schwierige Lage.«

Als sie später am Ufer saßen – Juniya hatte, solange es hell war, noch etwas Brennmaterial gesammelt und ein Feuer entfacht – erzählte Skye ihr alles, was er über die aktuellen Entwicklungen im Planspiel wusste. Und Juniya ergänzte, was sie bei Vadim herausgefunden hatte.

»Ich habe Ambion als einen der erfolgreichsten Politiker seines Planeten kennengelernt. Er entstammt einer der ältesten Blutlinien dort und ist ein strenger Verfechter der Rassenreinheit. Ich Mischling war ihm nur im Weg. Es ist offensichtlich, dass er die Entgleisung des Planspiels steuert. Ich frage mich nur, was er davon hat.«

»Es geht immer um Einfluss, Macht und Reichtum«, antwortete Skye.

»Ich denke, es geht Ambion um den Beweis, wer wem überlegen ist. Es passt zu ihm, dass er mit den Menschen spielt. Er nimmt sie nicht ernst, das hat er mich immer wieder sehr subtil spüren lassen. Dabei hat er auch noch ein abgrundböses, hintertriebenes Wesen. Sicher hat er Ambiela ins Spiel geschickt, um für ihn zu spionieren. Sie vergöttert ihn und wird alles tun, um ihm zu gefallen. Die Arme. Dabei merkt sie gar nicht, dass er sogar sie benutzt.«

»Inwiefern?«

»Die Thon-Rhe sind ein Volk von Telepathen. Keine Ahnung, welche Rolle Ambiela hier spielen soll, aber ich glaube, er hat ihre telepathischen Fähigkeiten blockiert. Mit denen hätte sie einen großen Vorteil. Welcher Vater nimmt seinem Kind absichtlich einen Vorteil?«

»Soweit ich hörte, soll sie ein durchtriebenes Stück sein. Die findet sich auch so zurecht. Keelo hat so eine Bemerkung gemacht, dass sie einen hohen Tkitameaoffizier um den Finger gewickelt hat.«

»Du kennst Keelo? Den Kraken?«

»Wieso Kraken? Keelo ist einer von Viverrins Freunden. Er ist ab und zu bei uns an Bord.«

Juniya schluckte. Skye wusste also noch nichts von der Wandlungsfähigkeit der Tkitamea und sie musste aufpassen, nicht noch mehr zu verraten.

»Wo hast du Keelo denn kennengelernt, und wieso nennst du ihn Kraken?«, hakte Skye nach.

»Ach, ich dachte, das wäre sein Spitzname.«

Skye schmunzelte. »Würde passen. Seine Arme sind im Verhältnis zum Rumpf tatsächlich etwas lang.« Er kam aufs Thema zurück. »Also, Ambion und Ambiela sind ein Team, das ist klar. Was ist mit dem Roten Vadim? Der war ja schon von Anfang an im Spiel.«

»Woher Ambion und Vadim sich kennen, weiß ich nicht. Aber der Händlerkönig pflegt Handelsverbindungen mit Ambion. Der macht das garantiert nicht, um Gewinne zu erzielen, denn er ist unermesslich reich. Also muss er auch mit Vadim etwas vorhaben. Warum sonst gibt er sich mit ihm ab? Oder diente ihm Vadim nur als Mittel zum Zweck, um mich loszuwerden? Das ist nun schiefgegangen. Ambion wird Vadim dafür bestrafen, dass er mich entkommen ließ, da bin ich mir sicher.«

»Der dritte, der sich erst kürzlich ins Spiel eingemischt hat, ist Sylvius Beard.«

»Hat er Kontakt zu Ambion?«

»Ich weiß es nicht. Das können wir von hier aus leider nicht herausfinden. Aber es war Beard, der Ambiela bei uns eingeführt hat. Vielleicht finden wir über sie heraus, ob und warum Beard Kontakt zu diesem Ambion hat.«

Juniya gähnte. Skye klopfte neben sich auf den Boden. Sie folgte der Aufforderung sofort und kuschelte sich an ihn. Es gab für sie keinen besseren Platz als an seiner Seite. Juniya wurde sich bewusst, wie sehr sie ihn brauchte. Ihn liebte.

»Heute Nacht ruhen wir noch aus. Und morgen bin ich fit genug, weiterzugehen«, flüsterte er in ihr Ohr.

Juniya wollte das gar nicht. Hier und jetzt waren sie sicher und geborgen. Sie wünschte sich, es würde nie mehr anders sein. Aber nichts war ihr klarer: Sobald sie diesen Ort verließen, würden die Schwierigkeiten sie wieder einholen.

Cliff

Cliff tauchte, so tief es seine Lungen zuließen, und zog Yphemi mit sich. Neben ihren Körpern schlugen Geschosse ein, keines traf, was für ein Glück. Dann waren die Haie da. Wie eine Wand standen sie über Cliff und Yphemi, keine Kugel konnte die beiden mehr erreichen. Aber Cliff konnte auch nicht mehr nach oben. Er musste an die Oberfläche, und zwar schnell. Zuerst war Yphemi bewegungslos in seinem Arm gelegen. Doch das Meerwasser war ihr Lebenselixier. Sie öffnete die Augen, sah Cliff an und verstand sofort, dass ihr Gefährte ertrinken würde, wenn sie nicht schnell handelte. Mit einer fließenden Bewegung griff sie nach seinem Arm und schwamm los. Unter den Bäuchen der Haie ging es dahin, Cliffs Lungen brannten schon wie Feuer, lang würde er es nicht mehr aushalten. Durchhalten, nur noch einen Moment. Und schon waren sie an den Haien vorbei und an der Oberfläche. Noch nie hatte sich die kühle Luft des Vormittags so gut in seinen Lungen angefühlt! Aber Yphemi ließ ihm keine Zeit für eine lange Erholung und zog ihn weiter. Sie stoppte erst kurz vor dem Strand der kleinen Bucht, wo Cliff schon gut stehen konnte. Sie sahen sich an, es war einer ihrer magischen Momente, sich aneinander festhalten und in einem heftigen Kuss versinken war eins. Mit heftigem Herzklopfen lösten sie sich voneinander.

»Was ist denn passiert? Ich hatte solche Angst um dich, weil du nicht zurückgekommen bist«, fragte Cliff schließlich. Schluchzend fiel sie an seine Brust.

»Ich hab gewusst, dass du kommst. Nur deshalb hab ich das überlebt.«

Cliff knurrte. »Bring mich zurück zum Schiff. Ich bringe die Kerle um.«

Er sah hinüber zu den beiden Schiffen. Ein paar Gewehrsalven krachten, und mit Getöse und Geschrei enterten die Männer der Viking gerade das Deck der Enodia. Aber es schien nicht besonders viel Gegenwehr zu geben. Dafür hörte Cliff hinter sich Rufe. Am Strand erschienen ein paar Gestalten. Er watete auf den Sand und wollte Yphemi mit sich ziehen. Sie zog ihn zurück.

»Ich muss noch eine Weile im Wasser bleiben. Die Trockenheit halte ich jetzt nicht aus.«

Er küsste ihre Finger und ließ sie los.

»Clifford Parker?«, hörte er von hinten.

»David?« Trotz der wilden Aufmachung – David Cousteau trug nichts am Leib als eine abgeschnittene, ausgefranste und ehemals weiße Seemannshose, er war dunkelbraun gebrannt und sein blondes Haar stand wirr um sein bärtiges Gesicht – erkannte Cliff den ehemaligen Kapitänskollegen sofort.

Die Begrüßung war überaus herzlich. Immer mehr zwar abgerissen, aber kerngesund wirkende Matrosen tauchten auf, begrüßten Cliff mit Begeisterung und schauten neugierig zu den beiden Schiffen.

»Ist Yphemi wohlauf? Ich hab mir große Sorgen gemacht. Aber wir konnten gegen ihre Gewehre nichts tun«, meinte David mit einem bedauernden Schulterzucken.

Yphemi winkte ihm vom Wasser aus zu. »Mir geht es gut!«

»Sie kamen zufällig in diese Bucht, brauchten Wasser«, berichtete David kurz. »Dieser zwielichtige Captain Mason wollte uns nicht sagen, was im Planspiel los ist. Und uns schon gar nicht mitnehmen. Mit ihren Gewehren jagten sie uns davon. Hier war es zwar geradezu paradiesisch, und wir sind den Tkitamea auch sehr dankbar, dass wir alle noch leben, aber wir würden doch gern von hier wegkommen.«

Drüben fiel ein Kanonenschuss. Cliff fuhr herum. Auf der Enodia wurde soeben eine schwarze Flagge gehisst. Mr Jonessy hatte Masons Schiff unter Kontrolle. Guter Mann!

»Captain Cousteau«, Cliff verbeugte sich theatralisch und grinste dabei, »ich schätze, ich kann Ihnen sogar ein eigenes Schiff übergeben!«

Die Männer um David brachen in Jubel aus.

»Aber zunächst werden wir drüben nach dem Rechten sehen. Yphemi, kannst du uns beide hinüberbringen?«

Sie kam herangeschwommen, schon viel munterer geworden, und winkte sie zu sich.

»Und was ist mit den Haien?«, fragte David verunsichert.

»Die sind unsere Freunde«, zwinkerte Cliff ihm zu.

Skye

Langsam glaubte Skye, Juniya hätte heilende Hände. Noch bei keinem Schub zuvor waren die Schmerzen so schnell wieder abgeklungen. Ihre Energie und die Bäder im grünen See hatten ihren Teil dazu beigetragen. Ohne zu fiebern, hatte Skye die Nacht durchgeschlafen und fühlte sich stark und gesund wie vor dem Schub. Sie wanderten keinen halben Tag mehr, dann standen sie an einem der malerischsten Strände, die Skye je zuvor auf diesen Inseln gesehen hatte, und es gab immerhin einige davor, die auch schon nicht übel gewesen waren. Der weiße, breite Sandstrand zog sich hin, soweit das Auge reichte. Im kristallklaren Wasser tummelten sich zahllose winzige Fische und Meerestiere. Das Ufer war flach, hier und da ragten Felsenformationen malerisch aus dem Wasser, keine hundert Meter entfernt deuteten die dunkelblaue Wasserfarbe und sich kräuselnde Wellen auf ein Riff hin. Dem Sandstreifen schloss ich ein Wald von Palmen an, die vordersten neigten sich tief zu Boden, ihre uralten Stämme berührten an manchen Stellen fast das Wasser. Im Palmenwald wuchsen allerlei Sträucher und Juniya hatte schon auf dem Weg hierher einiges an Früchten gesammelt. Sogar den Strauch mit der Brotrinde hatte sie gefunden. Nur Süßwasser fehlte. Dafür gab es Kokosnüsse in Hülle und Fülle. Skye nahm seinen Säbel.

»Ich werd mal versuchen, einen Fisch zu fangen. Warum schaust du so komisch? Traust du mir das nicht zu?«, lachte er sie an.

»Doch, doch, aber bitte wirklich nur einen Fisch.«

Skye fand ihre Antwort etwas merkwürdig, doch er dachte sich nichts weiter dabei. »Ich gehe hinüber zu den Felsen. Da gibt es bestimmt etwas Essbares. Du kannst schon mal ein Feuer machen.« Beim Gedanken an den Duft eines gebratenen Fischs fing sein Magen an zu knurren. Nun musste Juniya lachen. »Na geh schon, großer Jäger.«

Skye ließ Hose und Stiefel am Strand und watete nackt durch das flache Wasser bis zu den Felsen. Als er weit genug von Juniya entfernt war, schöpfte er etwas Salzwasser und tröpfelte es auf das Material auf seiner Brust. Gut. Es brannte nicht. Solange die Ränder nicht aktiv waren, konnte ihm das Salzwasser auch nichts anhaben. Trotzdem würde er nicht untertauchen, um die frischen Stellen nicht dem Wasser auszusetzen. Um die Felsen herum wurde das Wasser tiefer und reichte ihm fast bis zu den Hüften. Dies war ein herrlicher Flecken auf Beta-Atlantis. Das Wasser war glasklar, ohne Mühe konnte Skye bis zum Boden sehen. Er beobachtete die vielen kleinen Höhlen und Unterschlupfe, in denen sich alles mögliche farbenprächtige Meeresgetier tummelte. Der weiße Sandstrand mit den Palmen bot eine traumhafte Kulisse und Himmel und Meer wetteiferten um das strahlendere Blau. Es wäre doch gelacht, wenn es hier keine Beute gäbe. Mit dem Säbel stocherte er ein wenig im Meeresboden, da sah er ihn aus den Augenwinkeln. Skye musste sich nur fallen lassen und zugreifen. Seine Hand schloss sich um den Körper eines Oktopus, der zu fliehen versuchte. Das Tier hatte gerade die Farbe gewechselt, nur deshalb konnte Skye ihn vom Sandboden unterscheiden. Er hob er den Kraken, der eine ordentliche Größe aufwies, aus dem Wasser und stand schnell wieder auf. Auf den frischen Wunden brannte das Salzwasser noch ganz ordentlich.

Er winkte Juniya zu. »Schau mal, heute gibt es gegrillten Oktopus!«, rief er, hob den Arm hoch über den Kopf, um das große Tier auf dem Felsen zu zerschmettern.

»NEIN!« Ihr gellender Schrei hielt ihn davon ab.

In heller Aufregung lief Juniya auf ihn zu. »Tu ihm nichts! Bitte!«

Skye fand ihr Benehmen seltsam. »Juniya, das ist unser Abendessen. Wenn du nicht zusehen magst, wenn ich ihn töte, dann sie doch einfach nicht hin.«

»Lass mich ihn erst anschauen!«

Was für ein eigenartiger Wunsch. Der Krake hatte sich mittlerweile mit mehreren Tentakeln um Skyes Arm gewickelt. Skye schaute sich das Tier an. Ein Tentakel tippte auf seinem Arm herum und das Tier schüttelte mit dem Kopf. WAS BITTE? Ich hab wohl heute zu viel Sonne erwischt.

Juniya war herangekommen. Ohne Scheu griff sie nach einem Tentakel, der sich sofort um ihre Hand schlang. »Halt ihn mal ins Wasser. Ich sag dir gleich, ob das unser Abendessen ist, oder nicht.«

Und dann traute Skye seinen Ohren nicht, als Juniya sagte: »Hallo Keelo! Wie hast du uns gefunden?«

Skye schaute perplex zu, wie Juniya mit dem Kraken kommunizierte. Dabei sagte sie zwar kein Wort mehr, aber der Krake hatte sie an der Hand gepackt und gestikulierte wild mit den restlichen Tentakeln. Der Clou war, dass das Tier, nachdem Skye es losgelassen hatte, ihm kurz zuwinkte und dann davonschnellte.

»Sie werden bald da sein.« Juniya hatte sich ihm zugewandt. Sie musterte sein Gesicht, ihre Augen wurden groß, die niedliche Nase kräuselte sich und sie fing an zu lachen. »Dein Gesicht! Herrlich!«

Skye hatte Juniya noch nie so unbeschwert und herzlich lachen hören. Er fiel ein. Zog sie an sich, hielt sie, bis sie sich etwas beruhigt hatte. Ihr liefen sogar Tränen über die Wangen vor Vergnügen. Skye lachte herzlich mit. Wie ein Süchtiger nahm er jede ihrer Regungen, jede ihrer Bewegungen in sich auf.

»Wie ich sehe, amüsierst du dich königlich auf meine Kosten«, meinte er, als sie sich etwas beruhigt hatte. Ihr Augenaufschlag warf ihn fast um. »Ihr seid in allem ein großartiger Lehrer, Captain Skye. Offensichtlich auch im Fach Humor.« Wieder kicherte sie. Dabei rieb sich ihr Busen an seiner Brust.

»Weißt du eigentlich, wie verrückt ich nach dir bin?« Skye hielt sie fest. Hunger gewann die Überhand. Hunger auf den Körper dieser fantastischen Frau.

Sie drückte ihr Becken fest an ihn. War ernst geworden, fuhr mit dem Zeigefinger über seine Brustwarze und schaute ihr zu, wie sie sich erregt zusammenzog, als gäbe es nichts Interessanteres auf der Welt. »Sie werden uns bald finden«, flüsterte sie. »Das sollten wir noch mal ausnutzen, meinst du nicht?«

Skye war absolut ihrer Meinung. Ihre Lippen fanden sich zu einem sinnlichen Kuss, er hob Juniya auf seine Arme und trug sie in den Schatten der Palmen.

Viverrin

Viverrins Herz schlug bis zum Hals. Und dabei sollte er sich doch nicht aufregen.

»Du bist selber schuld, wenn du dir das antust«, meinte sein Freund Keelo trocken. »Aber ich finde es schon außergewöhnlich interessant und anregend«, kicherte er. »Wobei ich mir wirklich nicht vorstellen kann, was sie davon haben. Die einzig wahre Vereinigung ist die mit einer anschmiegsamen Oktopusfrau, und zwar unter Wasser. Und der süßen Landis solltest du von dieser Szene auch nicht unbedingt viel erzählen.«

Keelo war es, der Viverrin gebremst hatte. Dennoch waren die beiden schnell genug auf dem Weg vom Wasser des Wandels bis zum Strand gewesen, um Juniya und Skye noch von Weitem bei ihrem menschlichen Paarungsspiel zu beobachten. Resigniert drehte sich Viverrin um und ließ sich neben Keelo am Fuß der Palme niedersinken. Es war nicht in Ordnung, Juniya und Skye zu beobachten. Ein Tkitamea würde niemals absichtlich einem sich paarenden Pärchen nachspionieren. Viverrin wusste, dass er in Sachen Juniya gegen Skye verloren hatte. Und er musste zugeben, dass es dank Landis auch überhaupt nicht mehr schmerzte. Aber er hatte Juniya vermisst, war froh, dass sie am Leben war und es ihr offensichtlich ziemlich gut ging. Keelo stupste ihn freundschaftlich an.

»Du hattest dich da in etwas verrannt. Unsere Arten sind nicht füreinander geschaffen.«

Aber mit Yphemi und Cliff klappt es doch auch, dachte Viverrin. Doch er nickte nur. Keelo plapperte weiter.

»Wie lange kann das noch dauern? Und schau sie dir doch an«, sagte er und lugte nun selbst noch einmal um den Baumstamm herum. Viverrin packte ihn und zog ihn genervt zurück.

»Wir sind ihren Männern doch weit überlegen«, plauderte Keelo weiter. »Ihre Paarungsorgane liegen ungeschützt auf der Körperoberfläche. UNGESCHÜTZT! Statt in einer Bauchfalte wie bei uns.« Sein Freund der Krake kicherte. »Da brauchst du nur einen Zangenfisch vorbeizuschicken, wenn sie im Wasser sind.«

Keelo amüsierte sich köstlich bei dem Gedanken, was ein Zangenfisch unter Wasser mit den menschlichen Geschlechtsteilen anstellen würde. Nun musste endlich auch Viverrin grinsen.

»Vielleicht hätten wir von Anfang an eine andere Strategie anwenden sollen, du hast völlig recht«, antwortete er seinem Freund und lachte leise. Nach einer Weile wurde es Viverrin dann doch zu bunt.

»Komm. Wir gehen ein Stück zurück und rufen laut. Ich hab keine Lust mehr zu warten.«

Viverrin hatte den Eindruck, dass sich Juniya sehr freute, ihn zu sehen. Sie und Skye waren schnell angezogen, und Keelo und er taten so, als würden sie die beiden suchen und nicht sehen, wie das Liebespaar in seine wenigen Klamotten schlüpfte. Juniya trug noch immer die Sachen von Belilla Bay. Skyes Sachen sahen ziemlich ramponiert aus, das Hemd war zerrissen und teilweise angebrannt. Durch die Löcher schimmerte dieses eigenartige Zeug, das er auf der Haut hatte.

»Wie habt ihr uns gefunden? Ich habe dich doch noch gar nicht gerufen?«, fragte Skye nach einer kurzen Begrüßung.

»Natürlich hast du das«, sagte Viverrin irritiert. »Schon vor drei Tagen.«

»Es war oben am See. Skyes Rückenverletzung blutete«, erklärte Juniya.

»Dann hattest du recht, und der See hat eine Verbindung zum Meer. Aber wieso kommt ihr von dort und nicht einfach über den Strand?«

Viverrins Blick lag nachdenklich auf Juniya. »Du hast es ihm also nicht verraten?«

Sie schüttelte den Kopf. »Um ein Haar hätte ich das, als Keelo uns vorhin gefunden hat. Aber Skye hat nichts bemerkt.«

»Was soll ich nicht bemerkt haben? Du nanntest den Kraken Keelo. Das Tier hat mit dir eine Art Gespräch geführt. Aber was hat das mit Viverrin und diesem Keelo zu tun?«

»Ach, ist wohl zufällig der gleiche Name«, nuschelte Viverrin, und Keelo prustet vergnügt.

»Schön, dich kennenzulernen«, lenkte Juniya ab und reichte Keelo die Hand. Keelo alberte wie üblich herum und brachte Juniya zum Lachen.

»Ich dachte, ihr kennt euch«, bemerkte Skye spitz. »Hast du mir nicht erzählt, du hättest Juniya in Numinala gerettet?«

»Es war dunkel«, sagte Juniya schnell. »Ich konnte ihn nicht sehen.« Sie gluckste vor unterdrücktem Lachen. Ein Geräusch, das offensichtlich nicht nur Viverrins Herz erwärmte, denn Skyes stolze, warme Blicke auf sie sprachen Bände. Viverrin erkannte durchaus, dass Juniya das Geheimnis der Wandlungsfähigkeit der Tkitamea für sich behalten wollte. Er war neugierig auf Skyes Verletzungen und schaute immer wieder hin, wenn er die Gelegenheit hatte und glaubte, Skye würde es nicht bemerken. Der Fleck im Gesicht war größer geworden, und er schimmerte gefährlich aus der von Bartstoppeln dunklen Wange. Die Abenddämmerung setzte ein und mit ihr ein frischer Wind. Sie setzten sich ein Stück landeinwärts, und Keelo zog los, um für Skye und Juniya ein paar Fische zu holen. Die beiden hatten seit der Flucht von Albatrasca nicht allzu viel gegessen, so wie es aussah. Aber so, wie die beiden sich anhimmelten, hatten sie offenbar nicht viel vermisst. Juniya saß die ganze Zeit nahe bei Skye, und dieser ließ keinen Zweifel daran, dass er sie für sich beanspruchte. Er zog sie an sich, legte einen Arm um sie oder hielt zumindest ihre Hand. Viverrin nahm kurz Blickkontakt mit Skye auf und rutschte dann wie zufällig ein Stück von Juniya fort. Skye verstand. Er lächelte und nahm seine Hand von Juniyas Schulter. Sie war es, die wieder näher an ihn heranrückte. Je länger Viverrin die beiden beobachtete, desto klarer wurde ihm, wie gut sie zusammenpassten. Keelo war schnell mit ein paar Fischen zurück. Viverrin und Keelo sahen fasziniert zu, wie Juniya allein mit der Kraft ihrer Gedanken und der Energie, die aus ihren Händen floss, ein Feuer entzündete. Während die Fische auf kleinen Stöcken brutzelten, fragte Skye nach seinem Schiff.

»Wir haben das bewaffnete Händlerschiff beschossen. Es wäre uns nicht besonders gefährlich geworden. Aber sie haben brennende Boote zur Quicksilver treiben lassen. Bei dem Wind war es zu riskant. Jason musste die Bucht verlassen.«

Skye nickte. »Das habe ich mir gedacht. Wir haben die Leuchtrakete gesehen. Sind alle sicher zurückgekommen?«

»Der Landungstrupp hat es gerade noch zurückgeschafft. Mit unserer Hilfe«, meinte Keelo stolz. »Die Festung des Roten Vadim hat so gewaltig gebrannt, dass wir das Feuer noch meilenweit gesehen haben.«

»Jason kreuzte außer Sichtweite von Albatrasca. Ich habe in der Stadt die Verletzten versorgt, bis dein Ruf kam. Keelo und ich haben Jason Bescheid gegeben und sind dann gleich hierher aufgebrochen. Jason wird mit der Quicksilver wohl morgen hier auftauchen.«

»Albatrasca hat es schwer erwischt. Sind viele Menschen und Tkitamea gestorben?«, fragte Juniya.

»Wir Tkitamea scheuen das Feuer. Es ist ein Instinkt, der uns rechtzeitig fliehen lässt. Außerdem wohnen wir nicht in der Stadt, sondern im Wasser. Die Fischerhütten waren nur Tarnung. Außer den drei ermordeten Kikrokka gab es bei uns keine weiteren Opfer. Ein paar Menschenmänner wurden von Trümmern erschlagen. Viele holten sich Verbrennungen. Ich habe sie so gut wie möglich behandelt.«

»Viverrin untertreibt mal wieder. Wäre er nicht ein so guter Heiler, wären einige mehr gestorben, und der Rotschopf könnte sich nie wieder unter ihresgleichen trauen.«

»Was ist mit Clodia?«, fragten Juniya und Skye fast gleichzeitig.

Skye machte ein erschrockenes Gesicht. »Ich hoffe, ich bin nicht schuld an ihrem Sturz. Sie stand mir im Weg auf der Suche nach dir.«

Viverrin nickte. »Sie erzählt überall, dass du sie ins Feuer gestoßen hast. Aber ich war ja dabei. Da ist ihr nicht viel passiert. Die schwere Verletzung hat sie sich auf dem Weg zum Hafen geholt. Einer unserer Freunde hat sie beim Plündern eines Hauses gesehen, sie war unter einen brennenden Balken geraten. Da muss auch ein Stück Eisen dran gewesen sein. Es hat ihr eine Gesichtshälfte verbrannt und einen Teil ihres Haars. Im Moment sieht es noch schrecklich aus. Aber mit der Zeit wird es besser werden.«