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Sie haben einfach kein Glück mit Zimmerpflanzen? Oder suchen Sie schon länger eine Pflanze, die es in der halbdunklen Ecke im Wohnzimmer aushält? Dann verzweifeln Sie nicht, denn dieses Buch schafft endlich Abhilfe! Es bietet viele nützliche Infos rund um die grünen Pflanzen für Zuhause: Wo kommen sie her? Unter welchen Bedingungen fühlen sie sich wohl? Was ist der beste Standort? Wie sollte man sie pflegen? Ob Kakteen, Sukkulenten, essbare, tropische oder kletternde Pflanzen – Alys Fowler stellt Ihnen über 70 gängige und weniger übliche Arten sortiert nach Lichtverhältnissen vor und zeigt, worauf jeweils zu achten ist. So finden auch Einsteiger die Pflanze, die perfekt zu ihnen passt!
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Seitenzahl: 196
Veröffentlichungsjahr: 2023
Alys Fowler
Die perfekte Zimmerpflanze für jede Ecke
Mit Fotografien von Simon Wheeler
Aus dem Englischen von Claudia Händel
Die Originalausgabe erschien 2017 bei Kyle Books, einem Imprint von Kyle Cathie Ltd, London.
Carmelite House
50 Victoria Embankment
London EC4Y 0D2
www.kylebooks.co.uk
Text © 2017 Alys Fowler
Illustrationen © 2017 Christian Tate
Design © 2017 Kyle Books
Fotografien © 2017 Simon Wheeler*
* Alle Fotografien stammen von Simon Wheeler, außer den folgenden: S. 75: Friedrich Strauss/GAP Photos; S. 76: Arsami/Shutterstock.com, S. 148: Avalon/Photoshot License/Alamy Stock Photo, S. 151: Damian Jacques, S. 157: Piya Sarutnuwat/Alamy Stock Photo.
Die hier angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf das gedruckte Buch.
Titelfoto: Simon Wheeler
Die in diesem Buch enthaltenen Empfehlungen und Angaben sind von der Autorin mit größter Sorgfalt zusammengestellt und geprüft worden. Eine Garantie für die Richtigkeit der Angaben kann aber nicht gegeben werden. Autorin und Verlag übernehmen keine Haftung für Schäden und Unfälle. Bitte setzen Sie bei der Anwendung der in diesem Buch enthaltenen Empfehlungen Ihr persönliches Urteilsvermögen ein.
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© 2020 Eugen Ulmer KG
Wollgrasweg 41, 70599 Stuttgart (Hohenheim)
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Internet: www.ulmer.de
Lektorat: Antje Krause, Bettina Brinkmann
Herstellung: Judith Schumann
Umschlag-Gestaltung: Antje Warnecke, nordendesign.de
Satz: r&p digitale medien, Echterdingen
Produktion: Zeilenwert GmbH | v1
ISBN 978-3-8186-1158-3 (ePub)
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Sedum, Fetthenne
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Pachyphytum, Dickstamm
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Kalanchoe
Frithia pulchra
Lithops, Lebende Steine
Senecio, Greiskraut, Kreuzkraut
Sansevieria, Bogenhanf, Sansevierie
Echinocereus, Igelsäulenkaktus, Kugelkaktus
Echinopsis, Seeigelkaktus
Cephalocereus senilis, Greisenhaupt
Epiphyllum, Blattkaktus, Schusterkaktus
Cereus, Säulenkaktus
Opuntia microdasys, Feigenkaktus
Aporocactus flagelliformis,
Peitschenkaktus
Rhipsalis, Rutenkaktus
Drosera, Sonnentau
Dionaea muscipula, Venusfliegenfalle
Pinguicula, Fettkraut
Sarracenia, Schlauchpflanze
Nepenthes, Kannenpflanze
Tillandsia, Tillandsie, Greisenbart
Aechmea fasciata, Silbervase
Ananas comosusvar. variegatus, Ananas
Guzmania, Guzmanie
Neoregelia, Nestananas
Yucca, Palmlilie
Beaucarnea recurvata, Elefantenfuß
Euphorbia, Euphorbie, Wolfsmilch
Ceropegia linearissubsp. woodii, Leuchterblume
Hoya, Wachsblume, Porzellanblume
Howea forsteriana, Kentiapalme
Dypsis lutescens, Madagaskar-Goldfruchtpalme
Rhapis excelsa, Hohe Steckenpalme
Cycas revoluta, Japanischer Sagopalmfarn
Ficus, Feige
Chlorophytum comosum, Grünlilie
Fittonia verschaffeltii, Mosaikpflanze
Jasminum polyanthum, Zimmer-Jasmin
Tradescantia, Dreimasterblume, Tradeskantie
Peperomia, Peperomie, Zwergpfeffer
Pilea, Kanonierblume
Asparagus, Farn-Spargel, Zier-Spargel
Adiantum, Frauenhaarfarn
Asplenium, Streifenfarn
Humata tyermannii, Bärenfußfarn
Nephrolepis exaltata, Aufrechter Schwertfarn
Platycerium, Geweihfarn
Phlebodium pseudoaureum, Hasenfußfarn
Pteris cretica, Kretischer Saumfarn
Streptocarpus, Drehfrucht
Begonia, Begonie
Aspidistra elatior, Schusterpalme
Medinilla magnifica, Medinille
Schefflera, Strahlenaralie
Calathea, Korbmarante
Ctenanthe, Kammmarante
Maranta, Pfeilwurz
Alocasia, Alokasie, Pfeilblatt
Caladium, Buntwurz
Aglaonema, Kolbenfaden
Zamioculcas zamiifolia, Glücksfeder
Spathiphyllum, Einblatt
Epipremnum aureum, Goldene Efeutute
Monstera deliciosa, Großes Fensterblatt
Philodendron, Baumfreund
Dracaena, Drachenbaum
Anthurium, Flamingoblume, Anthurie
Sind wir doch mal ehrlich – Ihre Pflanzen möchten nicht wirklich bei Ihnen leben, sondern in einem tropischen Regenwald, in einer kühlen Wüste oder in einer Gebirgsschlucht. Sie möchten den Wind spüren, weichen Regen kosten, bei Sonnenuntergang schlafen; einige von ihnen wären lieber mit ihren Freunden zusammen als allein in einem Topf. Sie hätten gerne ein Zuhause, aber eben nicht bei Ihnen.
Noch können sie Ihnen das nicht mitteilen, aber sie können sehr wohl kommunizieren – und tun es auch. An einem Tag senden sie über 500 verschiedene chemische Signale aus; wir können sie derzeit nur nicht ganz verstehen. Sie wollen vielleicht nicht ans Haus gebunden sein, aber sie können sich durchaus daran gewöhnen. Nur für den Fall, dass sie sehr ungehalten über uns sind – und dazu haben sie jedes Recht – wäre es womöglich von Vorteil, sie als unsere Hausgäste möglichst freundlich zu behandeln. Was bedeutet, dass wir echtes Verständnis für ihre Bedürfnisse aufbringen sollten.
Ich sage dies deshalb, weil die Bedürfnisse der Pflanzen zu oft auf das Allernötigste wie Wasser, Licht und Nahrung reduziert werden. Dabei gehen all die Feinheiten und Nuancen ihres Lebens sowie der Bezug zu ihrer ursprünglichen Heimat verloren. Zu wissen, woher sie stammen und wie sie entstanden sind, lässt uns besser verstehen, was sie wirklich brauchen. Zu oft habe ich Zimmerpflanzen leiden sehen, weil sie für uns eine Funktion erfüllen sollen – als Dekoration, als unbewegliches Möbelstück, als Gestaltungsmittel in einem unbelebten Interieur –, anstatt sie als Lebewesen zu betrachten, das gedeihen oder zugrunde gehen kann.
Andererseits weiß ich, dass es viele Menschen gibt, die ihre Zimmerpflanzen als gute Freunde und Mitbewohner betrachten und ihnen mit einer Affenliebe zugetan sind, die vermutlich keine Gartenpflanze erhalten würde. Ich bin so ein Mensch. Ich habe Zimmerpflanzen, die mit mir jeden Umzug mitgemacht haben, die mich durch Trennungen begleitet haben, die unbeirrt durchgehalten haben, wenn ich sie vernachlässigt habe, und die mich durch erneutes Wachstum und mit Blüten belohnt haben, wenn ich mich wieder um sie gekümmert habe. Bei zu wenig Licht schwächeln sie vielleicht etwas, möglicherweise haben sie nie die Bedingungen, die sie eigentlich brauchen, vielleicht blühen sie nie oder erleben nie eine Bestäubung oder produzieren nie Samen. Dennoch bereitet mir ihre selbstlose Art große Freude. Sie machen aus einem Haus ein Heim, sie verändern sich und wachsen, sie winken uns zu, wenn wir nach Hause kommen1. Durch ihre Anwesenheit zeigen sie, dass hier jemand lebt, diesen Raum bereichert und darin wächst.
Sie vermitteln nicht nur ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Raum, sondern sie sind auch gut für unser Raumklima. Die NASA und andere Forschungsinstitutionen haben solche Zimmerpflanzen intensiv untersucht, die Schadstoffe wie flüchtige organische Verbindungen (volatile organic compounds, kurz VOC) aus unserer Luft herausfiltern. Diese VOC werden von vielen Gegenständen, mit denen wir unser Zuhause ausstatten, abgegeben wie Computer, Fernseher, Teppiche, Möbelklebstoffe oder Flammschutzmittel. Sie gelangen durch Pestizide auf Heimtextilien zu uns, wenn Holz verbrannt und wenn gekocht wird. In Haushaltschemikalien und Kosmetika sind sie zu finden. Sie sind nicht gut für unsere Gesundheit und es ist besser, in einer Umgebung zu leben, in der solche Stoffe nicht vorhanden sind. Gesunde Pflanzen entfernen diese Verbindungen aus der Luft; sie filtern sie durch ihre Wurzeln und Blätter heraus und geben Sauerstoff wieder an unsere Umgebung ab. Pflanzen sind sehr wirksame Luftfilter. So funktioniert unsere Atmosphäre auf diesem Planeten. Wir würden nicht atmen können ohne das grüne Leben auf unserer Erde!
Pflanzen sind nicht nur als Luftfilter in unserem Zuhause wichtig, sie beeinflussen auch unmerklich unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Wir reagieren auf alles Grüne und auf Wachstum, auf Facetten, Muster und Formen in der Natur; uns fasziniert die Komplexität des Lebens. Wir haben uns Seite an Seite mit den Pflanzen entwickelt, in einer biologisch vielfältigen Umwelt. Wenn wir Pflanzen nur ansehen, geschweige denn uns mit ihnen beschäftigen, wirkt sich dies positiv auf unser Wohlbefinden aus und darauf, wie unser Körper funktioniert. Wenn Sie jemals innegehalten haben, um an einer Blume zu riechen, oder sich im Lichtspiel auf einem Blatt oder in einer besonders schönen Maserung verloren haben, ist das nicht nur ein Genuss fürs Auge, sondern es spielt auch eine Art innere Achtsamkeit mit. Zwischen uns und den Stoffen, die Pflanzen abgeben, ihrem Duft und ihren chemischen Verbindungen findet ein Austausch auf Zellebene statt. Giftige Bestandteile sind eindeutig nicht gut für uns; sie sind eine Warnung, die Pflanze in Ruhe zu lassen. Aber es gibt viele andere wie Limonole und Terpene, die eine erstaunliche Wirkung auf uns haben, und zum Beispiel freie Radikale reduzieren und bekämpfen und unser Immunsystem unterstützen.
Da haben wir es! Die Zimmerpflanzen mögen uns vielleicht nicht, aber wir mögen sie – tatsächlich brauchen wir sie! Auf jedem Fensterbrett, von jedem Regal hängend, jeden Schrank überragend, von der Decke baumelnd, reinigen sie unsere Luft von Schadstoffen, strömen den Duft grünen Lebens aus und erfreuen uns mit ihrem Anblick. Ich glaube, drinnen gärtnern ist genauso wichtig wie draußen gärtnern. Für mich gärtnern Zimmerpflanzenfreunde mit der gleichen Begeisterung und Hingabe wie Gartenfans.
Pflanzen haben ein paar wenige Grundbedürfnisse: Sie brauchen Licht für die Fotosynthese, sie brauchen Wasser, Nährstoffe; und die meisten Pflanzen benötigen Erde, um ihre Wurzeln darin zu verankern. Abgesehen von diesen Grundbedingungen gibt es große Unterschiede. Ein Wüstenkaktus kommt aus einer komplett anderen Welt als eine tropische Pflanze des Unterholzes. Dennoch können Sie erreichen, dass beide bei Ihnen zu Hause gedeihen, möglicherweise sogar nebeneinander.
Eine Topfpflanze ist vollkommen von Ihnen abhängig: Wie viel Wasser, Nahrung und Licht bekommt sie? Mit Zimmerpflanzen könnten Sie Gott spielen und sie jedes Mal kurz vor dem Exitus retten. Gesund geht anders.
Um zu gedeihen, brauchen Pflanzen viele Dinge – um zu überleben genau zwei: Wasser und Licht. Beides brauchen sie für die Fotosynthese, bei der Pflanzen Kohlendioxid, Wasser und Lichtenergie nutzen, um Glucose und Sauerstoff zu erzeugen. Je mehr Licht, desto mehr Wasser ist für die Fotosynthese notwendig. Es gibt jedoch eine Besonderheit, da viele heiße Standorte nicht nass genug sind, damit die Fotosynthese auf Hochtouren laufen kann. Unter heißen, trockenen Bedingungen schließen Pflanzen ihre Spaltöffnungen (die Atemporen in den Blättern), auch Stomata genannt, um nicht zu viel Wasser zu verdunsten. Dadurch wird weniger Kohlendioxid aufgenommen und die Fotosyntheseleistung sinkt. Manche Pflanzen, darunter die meisten Ihrer Zimmerpflanzen, haben sich jedoch an diese Gegebenheiten angepasst und Mechanismen entwickelt, um dennoch ausreichend Fotosynthese betreiben zu können.
Pflanzen unterscheiden sich darin, wie sie die Fotosynthese durchlaufen: indem sie Kohlendioxid unterschiedlich binden. Man unterscheidet sogenannte C3-und C4-Pflanzen. Viele tropische Pflanzen binden Kohlendioxid mit der sogenannten C4-Fotosynthese. Ohne hier allzu sehr ins Detail zu gehen und chemische Abläufe zu erklären, ist wichtig zu wissen: Solange es Wasser gibt, bedeuten steigende Temperaturen bei C4-Pflanzen nicht, dass das Wachstum nachlässt. In heißem Klima produzieren sie deutlich mehr Zucker als Pflanzen, die C3-Photosynthese betreiben.
Gibt es bei noch heißeren Bedingungen nicht genügend Wasser, nutzt eine andere Pflanzengruppe, nämlich die Kakteen und Sukkulenten, etwas anderes, den sogenannten Crassulaceen-Säurestoffwechsel (crassulacean acid metabolism, kurz CAM). Dabei tun diese Pflanzen etwas komplett anderes als jede andere Pflanze auf der Welt: Die Spaltöffnungen öffnen sich nur nachts. So kann Kohlendioxid aufgenommen, umgewandelt und als organische Säuren gebunden werden. Tagsüber, wenn die Spaltöffnungen geschlossen sind, um Wasserverlust zu verhindern, wandeln sie diese Säuren wieder in Kohlendioxid um, sodass sie Fotosynthese betreiben können. Das heißt, sie können unter sehr hohen Temperaturen bei geringer Wasserzufuhr überleben. Manche Pflanzen beherrschen übrigens mehrere Formen der Fotosynthese und wechseln bei Dürreperioden oder Stress zwischen C3 und CAM oder C4 und CAM.
Einige Ihrer Zimmerpflanzen sind entweder C4- oder CAM-Pflanzen und diese Anpassungsfähigkeit bedeutet, dass sie in unseren warmen Häusern oder auf einer hellen, heißen Fensterbank leben können und ungeachtet Ihres unregelmäßigen Gießens überleben.
Die wichtigste Lehre hieraus ist, dass Pflanzen unter sonnigen, heißen Bedingungen mehr Wasser brauchen, insbesondere wenn es große, blätterreiche tropische C4-Pflanzen sind. An bewölkten Tagen oder während des Winters bei lichtschwachen Verhältnissen braucht die Pflanze weniger Wasser. Eine Pflanze auf einer Fensterbank ohne helles Licht braucht weniger Wasser als eine, die sehr hell steht. Wenn Sie mit dem Gießen also nicht zurechtkommen, stellen Sie die Pflanze dunkler; dadurch reduziert sich ihr Wasserbedarf, aber auch ihr Wachstum. Das ist eine gute Methode, wenn Sie eine Zeit lang verreisen – stellen Sie Ihre Pflanzen absonnig, dann brauchen sie weniger Wasser und wachsen langsamer.
Ein weitverbreiteter Fehler ist, Zimmerpflanzen in einem Topf ohne Abzugsloch zu halten. Sie können dies zwar tun und ich bin mir sicher, dass jeder Zimmerpflanzenfan ein Exemplar besitzt, das in einem solchen Topf steckt. Das Wachstum der Pflanze wird dadurch jedoch stark eingeschränkt, die Lebensdauer verkürzt – und es muss sehr sorgfältig gegossen werden. Alle Wurzeln brauchen Sauerstoff, um zu überleben. Sie brauchen ihn genauso dringend wie die oberirdischen Pflanzenteile. Wurzeln müssen atmen! Sauerstoffarme Böden (aufgrund von Verdichtung oder Überwässerung) ergeben weniger gesunde Pflanzen, es sei denn, diese sind extra an solche Bedingungen angepasst, wie Moor- und Wasserpflanzen. Ohne Luft wird die Erde in Ihren Töpfen ohne Ablauf schnell anaerob, das heißt, sie enthält keinen Sauerstoff. Die Wurzeln – besonders unten, wo sich das Wasser staut – fangen daraufhin an zu faulen, und die Pflanze strengt sich an, Wurzeln in der oberen Schicht des Topfes auszubilden. Anaerobe Erde verfügt über weniger Nährstoffe. Und Wurzeln, die gezwungen sind, an der Erdoberfläche zu wachsen, werden zusammengedrängt, sodass die Gefahr besteht, dass sie schneller austrocknen, besonders wenn die Pflanze zum Beispiel über einer Heizung steht. Sie haben vielleicht gehört, dass man mit Besprühen aushelfen kann. Besprühen ist aber niemals dasselbe wie Gießen! Kurzum, nehmen Sie Töpfe mit Abzugsloch! Wenn Sie unbedingt einen Dekortopf verwenden möchten, können Sie entweder den eigentlichen Pflanztopf in einen Übertopf – über einer Schicht Kieselsteine oder Blähton (ein extra für diesen Zweck vorgesehenes Tongranulat) – stellen, oder Sie bohren mit einem Fliesenbohrer Abzugslöcher in Ihren Dekortopf.
Selbst in Töpfen mit Ablauf wachsende Pflanzen brauchen etwas Pflege, damit ihre Erde gut belüftet bleibt. Komposterde in Töpfen verdichtet sich naturgemäß im Laufe der Zeit. Dies ist teils die Folge des Gießens und teils, weil Komposterde keine fertige Gartenerde und noch im Begriff ist, sich zu zersetzen. Da Komposterde größtenteils aus organischem Material besteht, zersetzt sie sich immer weiter, sinkt in sich zusammen und verdichtet sich. In der Natur belüften Würmer und andere Bodenorganismen den Boden mit ihren Gängen, daher findet keine Verdichtung statt. Sie wollen höchstwahrscheinlich keine Würmer im Haus haben, daher müssen Sie selbst tätig werden.
Umtopfen ist ein guter Weg, damit die Komposterde locker bleibt, aber da dies nur etwa alle zwei Jahre nötig ist, können Sie mit Essstäbchen oder Stöckchen oben im Topf vorsichtig Löcher einstechen. Dabei gehen Sie nur so tief, dass die Wurzeln nicht beschädigt werden. Durch Drehen der Stäbchen sorgen Sie für die Belüftung des Topfes. Diese Luftkanäle liefern den Wurzeln frischen Sauerstoff und sorgen dafür, dass das Wasser schneller durch den Topf abläuft. Das können Sie bei jeder Zimmerpflanze machen; und es ist regelmäßig bei solchen Pflanzen besonders sinnvoll, die sehr wasserdurchlässige Bedingungen mögen. Sukkulenten, Kakteen und Lithophyten (auf oder in Gestein wachsende Pflanzen) bevorzugen Böden, bei denen das Wasser schnell abläuft. In feuchten Böden verfaulen ihre feinen Wurzelhärchen rasch.
Nicht zuletzt können schlechte Gießgewohnheiten große Auswirkungen auf die Wurzeln haben. Bei einer gesunden Pflanze passiert unterirdisch genauso viel wie oberirdisch. Dank einer gesunden Wurzelmasse kann die Pflanze alle möglichen Höhen und Tiefen überleben. Gesunde Wurzeln sind in der Regel weiß, leicht durchsichtig und fest. Das Substrat sollte frisch riechen und die Wurzeln sollten sich durch den ganzen Topf ziehen, sich jedoch nicht unten aus dem Abzugsloch herauswinden. Kranke Wurzeln sehen oft verfault, ungesund gelb oder schwarz aus, knacken nicht, wenn man an ihnen zieht, sondern sind eher matschig weich, und das Substrat riecht häufig etwas faulig – eben weil die Wurzeln darin teilweise faulen.
Pflanzen bilden Wurzeln aus, um Halt im Boden zu finden und Nährstoffe und Wasser aufzunehmen. Somit haben gesunde Pflanzen „abenteuerlustige“ Wurzeln, die ihr gesamtes Territorium erkunden möchten. Damit sie dies auch tun, müssen sie gut gewässert werden. Wenn Sie der Pflanze nur ein winziges bisschen Wasser geben, also einen Spritzer und sonst nichts, lernen die Wurzeln, dort zu wachsen, wo sie das Wasser schnell aufnehmen können. Das bedeutet häufig, dass die Wurzeln in den oberen paar Zentimetern des Substrats und sonst nirgends wachsen. Das ist nicht gut, weil sie so nur begrenzt Platz für die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser haben und weil an der Oberfläche wachsende Wurzeln schneller austrocknen, bei heißen Bedingungen verbrennen und bei sehr kalten Bedingungen erfrieren. Unabhängig vom Wasserbedarf der Pflanzen ist es daher wichtig, ausreichend zu gießen, bis die gesamte Erde benetzt ist und das Wasser unten abläuft. Unter Umständen muss man dieses Wasser im Untersetzer wegschütten (oder es für die Zimmerpflanze daneben verwenden), damit die Pflanze nicht im Wasser steht. Wird das Substrat mit Perlit oder Splitt versetzt oder werden wie oben beschrieben Löcher hineingebohrt, kann das Wasser gut durch das Substrat ablaufen. Wenn Sie wissen, dass Ihre Pflanze gern in feuchter Erde steht, nehmen Sie weniger Perlit oder Splitt.
Eine gute Idee ist, den Topf oben mit Zierkies oder Ziersplitt abzudecken, weil dies die Verdunstung hemmt. Bis zu einem gewissen Grad hilft es auch dabei, Trauermücken – diese lästigen kleinen Insekten, die oft mit Zimmerpflanzen einhergehen – zu vermeiden. Sie wollen ihre Eier in feuchtem organischem Material ablegen und Splitt ist dafür gänzlich ungeeignet.
Billige Zimmerpflanzen werden oft in Torf kultiviert, deren Verwendung nicht gut für die Umwelt ist. Torf ist eine kostbare Ressource, die weltweit zur Neige geht. Er ist auch nicht unbedingt gut für die Pflanze, denn er hat tendenziell einen zu geringen bis gar keinen Nährstoffgehalt und wird obendrein knochentrocken, wenn man nicht aufpasst. Ob Ihre Pflanze größtenteils in Torf steht, erkennen Sie daran, dass sie, wenn man sie sehr trocken werden lässt, sich komplett aus dem Topf heben und sich das Substrat schwer wieder befeuchten lässt. Eine Lösung kann sein, den Topf ganz in einen Eimer Wasser einzutauchen. Wenn das Substrat nicht schnell genug durchnässt wird, können Sie einen oder zwei Tropfen Geschirrspülmittel hinzugeben. Das bricht die Oberflächenspannung des Wassers, sodass es schneller vom Substrat aufgenommen werden kann. Sie sehen Luftblasen, wenn die Luft zwischen den Substratpartikeln herausgedrückt wird. Wenn keine Luftblasen mehr aufsteigen, nehmen Sie die Pflanze heraus und lassen das Wasser ablaufen. So kommt frische sauerstoffhaltige Luft in den Topf und Ihre Pflanze wird sich hoffentlich wieder erholen.
Licht bedeutet Leben für Ihre Pflanze. Bei zu wenig Licht hat sie nicht genügend Energie für ihr Wachstum. Was ist also die richtige Lichtmenge für Ihre Pflanze? Selbst mit Kunstlicht ist es sehr schwierig, die Lichtmenge des heimischen Lebensraums Ihrer Pflanze zu reproduzieren, besonders bei Wüstenpflanzen. Es wird nie so viel Licht in Innenräumen wie draußen geben, nicht einmal in einem Gewächshaus. Und jeder Raum ist anders: je nachdem, in welcher Himmelsrichtung er liegt, je nach Fenstergröße und auch aufgrund anderer Faktoren wie der Wandfarbe. Die Daumenregel besagt, dass es am Fenster starkes direktes Licht gibt (je nach Himmelsrichtung), und dann gutes indirektes Licht bis zu 1,50–1,80 m davon entfernt. Der Rest des Zimmers liegt für die Pflanzen im Schatten, obwohl die Wände Licht reflektieren und helle Wände dies offensichtlich besser vermögen als dunkle.
Fenster auf der Südseite sind die hellsten, danach kommen die Fenster auf der Ost- und Westseite. Das Licht wechselt im Tagesverlauf und kann zu bestimmten Zeiten im Jahr abgeschwächt sein. Das Licht eines Fensters auf der Nordseite ist am wenigsten hell, aber am beständigsten. Große Oberlichter bieten die besten Bedingungen, da die Gewächse von Licht regelrecht überflutet werden. Ihre Pflanzen werden Ihnen bis zu einem gewissen Grad anzeigen, woher das stärkste Licht kommt, da Licht aus nur einer Richtung sie dazu bringen, sich in diese Richtung zu neigen. Deshalb ist es wichtig, Ihre Pflanzen ab und an zu drehen, damit sie gerade und aufrecht bleiben. Nach Süden liegende Zimmer sind hell und heiß. Im Sommer sind manche Kakteen und Sukkulenten die wenigen Pflanzen, die mit solchen Gegebenheiten zurechtkommen, besonders auf einer Fensterbank. Etwa 90 cm entfernt von einem Südfenster werden viele Ihrer tropischen buntlaubigen (panaschierten) und violettblättrigen Pflanzen gedeihen. Manche aber, wie die Pfeilwurz (Maranta) und Begonien, werden dieses Licht zu hell finden, da sie Unterwuchspflanzen sind und in ihrem natürlichen Lebensraum selten direktem Licht ausgesetzt sind. Insgesamt brauchen panaschierte Pflanzen mehr Licht als grünlaubige, da sie weniger Chlorophyll, also die grünen Zellen für die Fotosynthese, besitzen – die vorhandenen grünen Bereiche müssen daher schwerer arbeiten. Buntlaubige Pflanzen, die (wieder) grün werden, sagen Ihnen, dass sie nicht genügend Licht bekommen.
Fenster zur Ostseite hin lassen Morgensonne herein, die die Pflanzen das Jahr über größtenteils nicht versengt, außer im Sommer. Etwa 1 m entfernt von einem Fenster auf der Ostseite ist der beste Platz für viele schattenliebende tropische Pflanzen. Fensterplätze auf der Westseite können so heiß wie die auf der Südseite werden. Sie eignen sich für viele Zimmerpflanzen, die helles Licht mögen, besonders weil diese Ausrichtung längere Helligkeit und somit mehr Wärme verspricht als die anderen Fenster. Westfenster sind ein idealer Standort für Pflanzen wie Philodendron, Fensterblatt (Monstera deliciosa) und Gummibaum (Ficus elastica). Fenster auf der Nordseite haben tendenziell sanftes, gleichbleibendes Licht, das für schattenliebende Pflanzen perfekt ist.
Welches Fenster Sie auch immer auswählen, wichtig ist, die Pflanzen zu drehen, da das Licht nur aus einer Richtung kommt. Im Winter ist es sinnvoll, Pflanzen, die weit weg vom Fenster stehen, näher heranzustellen, um den geringeren Lichteinfall auszugleichen.
Die Häuser und Wohnungen der meisten Leute sind zwischen 16 und 25 °C warm, im Winter werden sie zumeist auf um die 21 °C oder höher aufgeheizt. Es gibt zwar Temperaturschwankungen (nachts und wenn die Menschen bei der Arbeit sind), aber insgesamt sind Häuser und Wohnungen warme Umgebungen und die Pflanzen, die darin leben, müssen dies mögen. Daher überrascht es nicht, dass sich unsere Zimmerpflanzen zwei Kategorien zuordnen lassen: Sie stammen entweder aus den Tropen oder aus der Wüste, Halbwüste und anderen heiß-trockenen Gegenden. Die tropische Fraktion hat es gerne feucht; die trockene hat es offensichtlich nicht gerne feucht.
(Halb-)Wüstenpflanzen sind mit unseren hellsten Fensterbänken und trockener Zentralheizung glücklich. Tropische Pflanzen können gut in unseren Räumen gedeihen, auch wenn sie nicht ganz die Feuchtigkeit vorfinden, die sie brauchen (Wer mag schon ein heißes, feuchtes Zuhause – besonders da Feuchtigkeit viele unserer Baumaterialien zersetzt?). Da sie in der Regel Unterwuchspflanzen aus dem Regenwald sind, überleben sie sehr gut in unseren dunklen Räumen. Die Unterwuchspflanzen im Regenwald bekommen wenig bis gar kein direktes Licht. 95 Prozent des Lichts werden von dem dichten Kronendach abgeschirmt und die Qualität der Lichtwellen, die tatsächlich durchdringt, ist sehr schlecht – besonders jenes Spektrum, das für eine effiziente Fotosynthese notwendig ist. Aber diese Pflanzen haben sich angepasst: Hochglänzende, tiefgrüne Blätter reflektieren das Licht auf der Blattoberseite und Licht vom anderen Ende des Spektrums wird von den violetten Blattunterseiten absorbiert. Unterwuchspflanzen sind wahre Meister darin, Wellenlängen auszunutzen.
Der Unterwuchs im Regenwald verzeichnet auch eine höhere Feuchtigkeit als exponierte Lagen. Da das Licht nicht bis auf den Grund des Waldbodens gelangt, erhitzt sich der Boden nicht so schnell oder kühlt nicht so schnell ab wie offene Flächen. Das heißt, der Untergrund trocknet sehr langsam aus, tatsächlich bleibt er zumeist die ganze Zeit über feucht. Tropische Farne, Moose und Epiphyten gedeihen in diesen Regionen mit höherer Feuchtigkeit. Epiphyten sind Gewächse, die auf anderen Pflanzen wachsen, aber nicht parasitisch sind. Im Regenwald leben sie zumeist auf Baumstämmen und Ästen, um das Sonnenlicht im Kronendach bestmöglich auszunutzen.
