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Der Biograf, Philosoph und Schriftsteller Plutarch lebte von 45 bis 125 n. Chr. während der römischen Kaiserzeit, als das Römische Reich seine größte Ausdehnung erreichte. Er beschäftigte sich intensiv mit den Führungsqualitäten berühmter Persönlichkeiten der Antike wie Perikles, Alexander der Große oder Julius Cäsar. In einer Handvoll Essays fasste er die wichtigsten Prinzipien guter Führung zusammen, die von universeller Gültigkeit sind und auch heute noch in Führungspositionen in unterschiedlichsten Branchen angewendet werden können. Dieser Band stellt die wichtigsten Essays von Plutarch in einer neuen Übersetzung vor, zusammen mit einer informativen Einleitung und wertvollen Anmerkungen. Inklusive des griechischen Originaltextes in einer zweisprachigen Ausgabe
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Seitenzahl: 237
Veröffentlichungsjahr: 2021
Plutarch
ÜBER DIE KUNST,EIN ANFÜHRER ZU SEIN
Alte Weisheiten über kluge Führung
Alte Weisheiten über kluge Führung
Plutarch
Ausgewählt und mit einer Einleitungversehen von Jeffrey Beneker
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
1. Auflage 2021
© 2021 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
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Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Copyright der Originalausgabe © 2019 by Princeton University Press. All Rights Reserved.
Die englische Originalausgabe erschien 2019 unter dem Titel Plutarch. How to be a Leader: An Ancient Guide to Wise Leadership bei Princeton University Press, 41 William Street, Princeton, New Jersey 08540. In the United Kingdom: Princeton University Press, 6 Oxford Street, Woodstock, Oxfordshire OX20 1 TR.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Übersetzung: Nicole Hölsken
Redaktion: Friederike Thompson
Korrektorat: Hella Neukötter
Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer
Umschlagabbildung: © PRISMA ARCHIVO/Alamy Stock Photo
Satz: Carsten Klein, Torgau
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN Print 978-3-95972-412-8
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-719-8
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-720-4
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Für Helen und Luis
Einleitung
Anmerkungen zur Übersetzung und zur griechischen Vorlage
ÜBER DIE KUNST, EIN ANFÜHRER ZU SEIN
An einen ungebildeten Herrscher
Regeln der Staatskunst
Die richtige Motivation für eine politische Karriere
Der Charakter des Volkes und der Herrscher
Die Macht der Rede
Wie man die Arena betritt
Politische Freundschaften
Zusammenarbeit von Staatsmännern und Volk
Ein Herrscher sollte alles geben, aber nicht alles tun
Kenne deinen Platz und das Ausmaß deiner Macht
Behandele andere mit Respekt
Die Belohnung der Politik
Soll ein Greis politisch tätig sein?
Der Wert eines älteren Staatsmannes
Die Rolle des älteren Politikers
Wichtige Personen und Begriffe
Anmerkungen
Wenn man im Jahre 100 unserer Zeitrechnung ein Baumeister oder Steinmetz war und zufällig in der Nähe von Chaironeia lebte, einer kleinen Stadt in Zentralgriechenland, wurde man womöglich von Plutarch für ein öffentliches Bauvorhaben engagiert. Damals war er etwa Mitte fünfzig, zu alt, um selbst noch harte, körperliche Arbeit zu verrichten, aber doch begierig, die Menschen von Chaironeia auf politischer Ebene zu repräsentieren und die Arbeit der Handwerker zu überwachen. Und wenn man ihn gefragt hätte, warum er – ein gebildeter und erfolgreicher Schriftsteller, der in Athen studiert und in Rom gelehrt hatte und über Verbindungen zu den Großen und Einflussreichen am kaiserlichen Hof verfügte – sich mit derlei alltäglichen Dingen befasste wie dem Einbau von Dachziegeln und dem Gießen von Zement, hätte er etwas gesagt wie: »Ich erbaue diese Dinge nicht für mich selbst, sondern für meine Geburtsstadt.«
»Staat vor Selbst«, dies hätte ein gutes Motto sein können, das er womöglich häufig wiederholte. Auf jeden Fall war dies das Grundprinzip seiner politischen Gedanken, die sich insbesondere in den drei Aufsätzen wiederfinden, die wir in diesem Bändchen zitieren. An einen Ungebildeten Herrscher, Regeln der Staatskunst und Soll ein Greis politisch tätig sein?
In den Jahrhunderten vor Plutarchs Zeit war die Stadt die fundamentale politische Einheit der griechischen Welt. Griechische Städte, die häufig auch als Stadtstaaten bezeichnet werden, waren vor dem Beginn des Römischen Kaiserreiches unabhängige Einheiten, die über eine eigene Armee, eigene Außenpolitik, eigene Handels- und politische Systeme verfügten. Unter römischer Besatzung – also zu Plutarchs Lebzeiten – blieben sie zumindest teilweise unabhängig. Sie führten keine direkten Kriege und betrieben auch keine Außenpolitik mehr, doch ihre internen Angelegenheiten oblagen nach wie vor ihrem eigenen Verantwortungsbereich. Dazu gehörte die Finanzierung von Festspielen, das Auftreiben von Kapital, die Regelung juristischer Streitigkeiten zwischen den Bürgern und natürlich die Errichtung öffentlicher Gebäude. Die Stadt war also damals die Umgebung, in der griechische Politiker agierten. Das Wort »Politik« hat sogar griechische Wurzeln. Es leitet sich von dem Begriff polis ab, dem griechischen Wort für »Stadt«.
Plutarch geht in seinen Schriften von der allgemeinen Annahme aus, dass alle, die staatsbürgerliche Führungsämter bekleiden wollten, zunächst das Vertrauen ihrer Wählerschaft gewinnen mussten, mit anderen Worten: ihrer Mitbürger. Durch ihre politische Tätigkeit schufen sie sich eine Reputation, indem sie vor Gericht auftraten, in öffentliche Ämter gewählt wurden, sich um wohltätige Belange kümmerten und ehrenamtliche Tätigkeiten übernahmen. Die Rostra, oder Rednerplattformen, spielten in Plutarchs Betrachtungen über das politische Leben eine besonders wichtige Rolle. Dort hatten Politiker die größte Sichtbarkeit, wenn sie versuchten, ihre Mitbürger zu überzeugen (und manchmal auch auszutricksen), um deren Stimme für Gesetze, Dekrete oder die Vergabe von Geldern zu gewinnen. Solange die Stadt florierte, gewannen auch die Staatsmänner in der Regel an Ansehen. War das nicht der Fall, mussten sie erwarten, dass es schwand. Der Prestigezuwachs (und das Vermeiden von Blamagen) hatte häufig nicht nur zur Folge, dass man in wichtigere Ämter gewählt wurde, sondern auch, dass einem bürgerliche Ehrenbezeugungen zuteilwurden und man mit offiziellen, repräsentativen Aufgaben betraut wurde. Dies konnte bedeuten, dass man als Gesandter zu einem römischen Würdenträger geschickt oder in ein führendes Gremium oder zum Priester berufen wurde. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass Politiker keine Berufspolitiker waren. Sie stammten aus der Oberschicht, deren Vermögen ihnen den zeitlichen Freiraum gab, in den Dienst der Öffentlichkeit zu treten. Durch die Tätigkeit als Staatsmann vermochten sie ihren Status wahlweise zu etablieren oder in entsprechenden Führungspositionen sogar zu steigern. Man erwartete sogar von ihnen, dass sie ihr Vermögen zum Wohl der Städte einsetzten, indem sie beispielsweise Bauprojekte finanzierten oder als Sponsor bei Festlichkeiten fungierten. Die Politik war also ein Forum für Aristokraten, um den Verpflichtungen ihrer sozialen Stellung nachzukommen und gleichzeitig gegeneinander anzutreten.
Die politische Arena war tatsächlich der Sportarena sehr ähnlich, und Plutarch greift häufig auf die Sprache der Athleten zurück – zum Beispiel, wenn er von Wettkämpfen und Wettkampfteilnehmern spricht –, um die Interaktion von Politikern näher zu beschreiben. Im Sport wie in der Politik galt es, Rennen zu gewinnen, was wiederum ganz spezifische Probleme aufwarf. Viele Staatsmänner konzentrierten sich nämlich eher auf ihren eigenen Erfolg statt auf das Wohl des Staates. So fassten sie beispielsweise Wahlen als Wettkämpfe auf, die um des Sieges willen gewonnen werden mussten, und interpretierten einen Wahlsieg als Beweis ihrer generellen Überlegenheit. Ein solches Klima barg die Gefahr, dass Plutarchs mutmaßliches Motto »Staat vor Selbst« umgekehrt wurde, denn Politiker strebten nicht nur danach, ihr Ansehen zu erhöhen, sondern auch danach, ihre Freunde zu fördern und sich auf Kosten der Öffentlichkeit zu bereichern. Das Volk wurde politikmüde und interessierte sich nicht mehr dafür, wer aus einem Wettstreit siegreich hervorgegangen war, selbst dann, wenn der Betreffende tatsächlich das Wohl der Stadt im Sinn hatte. Statt also erfolgreiche Politiker zu loben, neigte man dazu, sie zu beneiden. Neid wiederum mündete gern in Versuchen, die aufstrebende Politikerkarriere zu torpedieren, wahlweise durch innerparteiliche Opposition oder persönliche Angriffe. Nichts davon diente dem Wohl des Stadtstaates.
In den drei hier vorgestellten Schriften versucht Plutarch vor allem herauszuarbeiten, dass Staatsmänner ihre eigenen Interessen denen des Staates unterzuordnen haben. Er argumentiert sogar, dass das Wohl des Einzelnen und das Wohl des Staates ein und dasselbe seien. Demzufolge erwartet er, dass eine erfolgreiche politische Karriere sich vor allem auf dem Charakter und der persönlichen Integrität eines Individuums begründet. Je besser der Mensch, umso besser die Führungspersönlichkeit. In An einen ungebildeten Herrscher führt er dies auf theoretischer Ebene aus. In den anderen beiden Schriften jedoch stützt Plutarch seine Argumentation auf die gelebten Erfahrungen der großen (und manchmal gescheiterten) Herrscher der Vergangenheit. Seine Essays sind also gewissermaßen als Appell der berühmtesten Politiker und militärischen Anführer der griechisch-römischen Geschichte zu verstehen. Ihm ist jedoch durchaus bewusst, dass die Zeiten sich geändert haben und dass die Herrscher der Vergangenheit große Armeen befehligten und mächtige Städte regierten, während die Anführer seiner Zeit nur in begrenzterem Rahmen agierten: Im Hintergrund lauert stets Rom, sorgt für Frieden und politische Stabilität, ist aber jederzeit bereit, einen übermäßig ehrgeizigen Herrscher, der nach den Sternen greift, zu Fall zu bringen. Deshalb achtet Plutarch darauf, aus seinen Beispielen die Essenz kluger politischer Staatsführung zu destillieren, statt sich nur auf das Lob der Größe zu konzentrieren. So lesen wir beispielsweise, wie Themistokles und Aristeides ihre politische Rivalität beilegten, wann immer sie Athen im Ausland repräsentierten; wie Cato der Ältere sein Leben in den Dienst Roms stellte, aber jegliche materiellen Ehrenbezeugungen ablehnte, wie Theopompos, der König von Sparta, einen Teil seiner Macht abgab, um die Monarchie zu stabilisieren, und wie Epameinondas von Theben es für genauso ehrenvoll hielt, die Straßen zu bewachen, wie eine Armee zu führen. Sich auf die Erfahrungen dieser und Dutzender anderer historischer Figuren stützend führt Plutarch Beispiele aus der Vergangenheit an, die nicht für die Zuhörerschaft seiner Zeit, sondern auch für die heutige Zuhörerschaft relevant sind.
Plutarch war auf einzigartige Weise befähigt, derlei theoretische ebenso wie praktische Schriften zu verfassen. Einerseits in Griechenland geboren, andererseits aber auch ein Bürger Roms, lebte er während des ersten und beginnenden zweiten Jahrhunderts der modernen Zeit. Obwohl er in Chaironeia beheimatet war, unternahm er viele Reisen, schloss Freundschaften in der römischen Aristokratie und hatte das Priesteramt in Delphi inne. Sein umfangreiches Wissen auf den Gebieten der Politik, der Philosophie und Geschichte versetzten ihn in die einzigartige Lage, nicht nur seine eigene Zeit zu beobachten und zu bewerten, also jene Phase, in der das Römische Imperium auf dem Gipfel seiner Macht stand, sondern sich zudem auch Gedanken über die Vergangenheit von Griechen und Römern zu machen. Sein ehrgeizigstes schriftstellerisches Projekt waren die Parallelbiographien, ein Werk, in dem das Leben diverser griechischer und römischer Staatsmänner vergleichend gegenübergestellt wird. Außerdem verfasste er eine Vielzahl von Schriften, die unter dem Titel Moralia bekannt sind. Hier äußerte er sich zu unterschiedlichsten Themen, wie Politik, Ethik, Philosophie und Religion. Aus dieser Sammlung stammen auch die Aufsätze in dem vorliegenden Bändchen.
Sowohl die Parallelbiographien als auch die Moralia gehörten mehr als ein Jahrtausend nach Plutarchs Ableben noch zur allgemeinen Lektüre, besonders in den griechischsprachigen Regionen des Byzantinischen Reiches. Im sechzehnten Jahrhundert wurden sie zum ersten Mal ins Französische und Englische übersetzt und inspirierten einige politische Denker und Schriftsteller, von denen Shakespeare wohl der berühmteste ist. Im achtzehnten Jahrhundert wurden die Parallelbiographien insbesondere wegen ihrer Erkenntnisse im Hinblick auf Staatsführung und Regierung auch von den amerikanischen Gründungsvätern gelesen, die sich womöglich als moderne Griechen und Römer verstanden. Entsprechend betrachteten sie Männer wie Perikles und Cato als inspirierende Vorbilder. Doch seither haben sich die Zeiten erneut geändert, ebenso wie das Profil des modernen Staatsmannes. Obwohl Plutarch grundsätzlich den männlichen Politiker vor Augen hatte, richtet sich sein Fokus auf die allgemeinen Prinzipien der Staatsführung. Deshalb sind seine Schriften für jedermann nützlich, der mit demokratischer Politik zu tun hat, und zwar nicht nur in der eigenen Geburtsstadt, sondern auch auf Staats- und nationaler Ebene.
Plutarch war in griechischer Literatur sehr bewandert, weshalb er bei der Darlegung seiner Gedanken gern auf Zitate aus literarischen Texten zurückgreift. In den hier zusammengestellten Schriften beruft sich Plutarch häufig auf die Worte Homers, Pindars, Sophokles’ und Euripides’ sowie einiger anderer Schriftsteller. Die spezifischen Textstellen und Bezüge findet der Leser in den Anmerkungen. Zuweilen zitiert er auch aus literarischen Werken, die der Nachwelt verloren gingen, sodass uns die Namen der jeweiligen Autoren ebenso fehlen wie die Titel ihrer Werke. In solchen Fällen kennzeichne ich die Worte oder Phrasen mit Anführungszeichen, ohne jedoch eine Quellenangabe hinzuzufügen.
Außerdem nennt Plutarch zahlreiche historische Gestalten und benutzt Fachbegriffe, wobei er insbesondere auf Ämter im römischen Regierungsapparat eingeht. In manchen Fällen erklären sich die Personen sowie die Bedeutung der Begrifflichkeit aus den Schriften selbst. Zuweilen reicht auch eine kurze Anmerkung. Ansonsten finden sich kurze Biographien oder Definitionen im Anhang.
Wie in der Einleitung bereits erwähnt, heben Plutarchs Schriften die allgemeinen Prinzipien des Herrschens hervor, die sich auf jedermann anwenden lassen. Dennoch ging er stets von männlichen Lesern aus und davon, dass jeder, der in der Politik tätig ist, automatisch ebenfalls männlich sei. An dieser Stelle sei angemerkt, dass männliche Pronomen oder auch der Ausdruck »Politiker« oder »Staatsmann« etc. in unserem Fall nur der Übersetzung geschuldet sind, ansonsten aber von einer unserer Gegenwart angemessenen, genderneutralen Gesamtaussage ausgegangen wird. Dennoch führt er zuweilen Beispiele an, die den modernen Leser als archaisch anmuten werden: So soll der persische König beispielsweise Herr über seine Frau sein. Zudem ist die Führung des Haushalts seiner Ansicht nach Frauensache. Das ist typisch für Plutarchs Zeit, und ich habe diese Äußerungen bei der Übersetzung stehen lassen.
Der griechische Text, der hier veröffentlicht ist, stammt aus Plutarch, Moralia Band X (Harvard University Press, 1936), Loeb Classical Library und enthält nur wenige, geringfügige Veränderungen. Die drei Essays in diesem Bändchen tragen in der Loeb-Ausgabe folgende Titel: Ad principem ineruditum (An einen ungebildeten Herrscher), Praecepta gerendae reipublicae (Regeln der Staatskunst) und An seni respublica gerenda sit? (Soll ein Greis politisch tätig sein?).
ÜBERDIE KUNST,EIN ANFÜHRERZU SEIN
In dieser kurzen Schrift entkräftet Plutarch die Auffassung, dass der Vorzug eines Amtes ausschließlich darin besteht, dass man dadurch Gelegenheit hat, Macht auszuüben. Dies sei die kurzsichtige Haltung ungebildeter Herrscher, denen er Unsicherheit und Angst vor ihren Untertanen attestiert. Gebildete Herrscher hingegen haben Plutarch zufolge vornehmlich das Wohl ihrer Wähler im Sinn, sogar auf Kosten ihrer eigenen Macht oder Sicherheit. Ein Herrscher ist Plutarchs Ansicht nach dann gebildet, wenn er mit philosophischem Gedankengut konfrontiert wird, namentlich dem Gedankengut der Moralphilosophie. Der größte Nutzen daraus ist ihm zufolge die Entwicklung des Logos oder der Vernunft, die wesentlich für die Kontrolle über Emotionen und Impulse ist. Herrscher, die sich von der Vernunft leiten lassen, regieren ihre Städte mit Wohlwollen. Der ungebildete Herrscher hingegen wird von Gier, Paranoia und trügerischem Größenwahn geleitet.
Plutarch skizziert in seiner Schrift Gott als das Ideal, mit dem Herrscher sich vergleichen und das sie anstreben sollten. Dieser Gott ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer der Gottheiten der polytheistischen griechischen Religion. Es handelt sich vielmehr um ein philosophisches Konzept, bei dem Plutarch Anleihen bei Platon machte. Seiner Auffassung nach repräsentiert Gott die reine Vernunft und die Perfektion moralischer Tugend. Plutarch vertritt die Vorstellung, dass diese Gottheit im Himmel existiert, und fasst die Sonne als ihre physische Manifestation auf. Und so wie die Sonne am Himmel die Perfektion jener Gottheit versinnbildlicht, so fungiert ein Herrscher, der sich von der Vernunft leiten lässt, für die Bürger seiner Stadt als Paradebeispiel der Tugend, der seine Untertanen überdies zur Tugend bekehrt. Gute politische Herrschaft hängt also nicht davon ab, bestimmte Gesetze oder Regeln zu formulieren und durchzusetzen, sondern auf der moralischen Integrität des Herrschers selbst.
1. Πλάτωνα Κυρηναῖοι παρεκάλουν νόμους τε γραψάμενον αὐτοῖς ἀπολιπεῖν καὶ διακοσμῆσαι τὴν πολιτείαν, ὁ δὲ παρῃτήσατο ϕήσας χαλεπὸν εἶναι Κυρηναίοις νομοθετεῖν οὕτως εὐτυχοῦσιν• “οὐδὲν γὰρ οὕτω γαῦρον” καὶ τραχὺ καὶ δύσαρκτον “ὡς ἀνὴρ ἔϕυ” εὐπραγίας δοκούσης ἐπιλαμβανόμενος. διὸ τοῖς ἄρχουσι χαλεπόν ἐστι σύμβουλον περὶ ἀρχῆς γενέσθαι• τὸν γὰρ λόγον ὥσπερ ἄρχοντα παραδέξασθαι ϕοβοῦνται, μὴ τῆς ἐξουσίας αὐτῶν τἀγαθὸν κολούσῃ τῷ καθήκοντι δουλωσάμενος. οὐ γὰρ ἴσασι τὰ Θεοπόμπου τοῦ Σπαρτιατῶν βασιλέως, ὃς πρῶτος ἐν Σπάρτῃ τοῖς βασιλεύουσι καταμίξας τοὺς Ἐϕόρους, εἶτ᾽ ὀνειδιζόμενος ὑπὸ τῆς γυναικός, εἰ τοῖς παισὶν ἐλάττονα παραδώσει τὴν ἀρχὴν ἧς παρέλαβε, “μείζονα μὲν οὖν,” εἶπεν, “ὅσῳ καὶ βεβαιοτέραν.” τὸ γὰρ σϕοδρὸν ἀνεὶς καὶ ἄκρατον αὐτῆς ἅμα τῷ ϕθόνῳ διέϕυγε τὸν κίνδυνον. καίτοι Θεόπομπος μὲν εἰς ἑτέρους τὸ τῆς ἀρχῆς ὥσπερ ῥεύματος μεγάλου παροχετευσάμενος, ὅσον ἄλλοις ἔδωκεν, αὑτοῦ περιέκοψεν• ὁ δ᾽ ἐκ ϕιλοσοϕίας τῷ ἄρχοντι πάρεδρος καὶ ϕύλαξ ἐγκατοικισθεὶς λόγος, ὥσπερ εὐεξίας τῆς δυνάμεως τὸ ἐπισϕαλὲς ἀϕαιρῶν, ἀπολείπει τὸ ὑγιαῖνον.
2. Ἀλλὰ νοῦν οὐκ ἔχοντες οἱ πολλοὶ τῶν βασιλέων καὶ ἀρχόντων μιμοῦνται τοὺς ἀτέχνους ἀνδριαντοποιούς, οἳ νομίζουσι μεγάλους καὶ ἁδροὺς ϕαίνεσθαι τοὺς κολοσσούς, ἂν διαβεβηκότας σϕόδρα καὶ διατεταμένους καὶ κεχηνότας πλάσωσι• καὶ γὰρ οὗτοι βαρύτητι ϕωνῆς καὶ βλέμματος τραχύτητι καὶ δυσκολίᾳ τρόπων καὶ ἀμιξίᾳ διαίτης ὄγκον ἡγεμονίας καὶ σεμνότητα μιμεῖσθαι δοκοῦσιν, οὐδ᾽ ὁτιοῦν τῶν κολοσσικῶν διαϕέροντες ἀνδριάντων, οἳ τὴν ἔξωθεν ἡρωικὴν καὶ θεοπρεπῆ μορϕὴν ἔχοντες ἐντός εἰσι γῆς μεστοὶ καὶ λίθου καὶ μολίβδου• πλὴν ὅτι τῶν μὲν ἀνδριάντων ταῦτα τὰ βάρη τὴν ὀρθότητα μόνιμον καὶ ἀκλινῆ διαϕυλάττει, οἱ δ᾽ ἀπαίδευτοι στρατηγοὶ καὶ ἡγεμόνες ὑπὸ τῆς ἐντὸς ἀγνωμοσύνης πολλάκις σαλεύονται καὶ περιτρέπονται• βάσει γὰρ οὐ κειμένῃ πρὸς ὀρθὰς ἐξουσίαν ἐποικοδομοῦντες ὑψηλὴν συναπονεύουσι. δεῖ δέ, ὥσπερ ὁ κανὼν αὐτός, ἀστραβὴς γενόμενος καὶ ἀδιάστροϕος, οὕτως ἀπευθύνει τὰ λοιπὰ τῇ πρὸς αὑτὸν ἐϕαρμογῇ καὶ παραθέσει συνεξομοιῶν, παραπλησίως τὸν ἄρχοντα πρῶτον τὴν ἀρχὴν κτησάμενον ἐν ἑαυτῷ καὶ κατευθύναντα τὴν ψυχὴν καὶ καταστησάμενον τὸ ἦθος οὕτω συναρμόττειν τὸ ὑπήκοον• οὔτε γὰρ πίπτοντός ἐστιν ὀρθοῦν οὔτε διδάσκειν ἀγνοοῦντος οὔτε κοσμεῖν ἀκοσμοῦντος ἢ τάττειν ἀτακτοῦντος ἢ ἄρχειν μὴ ἀρχομένου• ἀλλ᾽ οἱ πολλοὶ κακῶς ϕρονοῦντες οἴονται πρῶτον ἐν τῷ ἄρχειν ἀγαθὸν εἶναι τὸ μὴ ἄρχεσθαι, καὶ ὅ γε Περσῶν βασιλεὺς πάντας ἡγεῖτο δούλους πλὴν τῆς αὑτοῦ γυναικός, ἧς μάλιστα δεσπότης ὤϕειλεν εἶναι.
3. Τίς οὖν ἄρξει τοῦ ἄρχοντος; ὁ “νόμος ὁ πάντων βασιλεὺς θνατῶν τε καὶ ἀθανάτων,” ὡς ἔϕη Πίνδαρος, οὐκ ἐν βιβλίοις ἔξω γεγραμμένος οὐδέ τισι ξύλοις, ἀλλ᾽ ἔμψυχος ὢν ἐν αὐτῷ λόγος, ἀεὶ συνοικῶν καὶ παραϕυλάττων καὶ μηδέποτε τὴν ψυχὴν ἐῶν ἔρημον ἡγεμονίας. ὁ μὲν γὰρ Περσῶν βασιλεὺς ἕνα τῶν κατευναστῶν εἶχε πρὸς τοῦτο τεταγμένον, ὥσθ᾽ ἕωθεν εἰσιόντα λέγειν πρὸς αὐτὸν “ἀνάστα, ὦ βασιλεῦ, καὶ ϕρόντιζε πραγμάτων, ὧν σε ϕροντίζειν ὁ μέγας Ὠρομάσδης ἠθέλησε”• τοῦ δὲ πεπαιδευμένου καὶ σωϕρονοῦντος ἄρχοντος ἐντός ἐστιν ὁ τοῦτο ϕθεγγόμενος ἀεὶ καὶ παρακελευόμενος. Πολέμων γὰρ ἔλεγε τὸν ἔρωτα εἶναι “θεῶν ὑπηρεσίαν εἰς νέων ἐπιμέλειαν καὶ σωτηρίαν”• ἀληθέστερον δ᾽ ἄν τις εἴποι τοὺς ἄρχοντας ὑπηρετεῖν θεῷ πρὸς ἀνθρώπων ἐπιμέλειαν καὶ σωτηρίαν, ὅπως ὧν θεὸς δίδωσιν ἀνθρώποις καλῶν καὶ ἀγαθῶν τὰ μὲν νέμωσι τὰ δὲ ϕυλάττωσιν.
Ὁρᾷς τὸν ὑψοῦ τόνδ᾽ ἄπειρον αἰθέρα, καὶ γῆν πέριξ ἔχονθ᾽ ὑγραῖς ἐν ἀγκάλαις;
ὁ μὲν καθίησιν ἀρχὰς σπερμάτων προσηκόντων γῆ δ᾽ ἀναδίδωσιν, αὔξεται δὲ τὰ μὲν ὄμβροις τὰ δ᾽ ἀνέμοις τὰ δ᾽ ἄστροις ἐπιθαλπόμενα καὶ σελήνῃ, κοσμεῖ δ᾽ ἥλιος ἅπαντα καὶ πᾶσι τοῦτο δὴ τὸ παρ᾽ αὑτοῦ ϕίλτρον ἐγκεράννυσιν. ἀλλὰ τῶν τοιούτων καὶ τηλικούτων ἃ θεοὶ χαρίζονται δώρων καὶ ἀγαθῶν οὐκ ἔστιν ἀπόλαυσις οὐδὲ χρῆσις ὀρθὴ δίχα νόμου καὶ δίκης καὶ ἄρχοντος. δίκη μὲν οὖν νόμου τέλος ἐστί, νόμος δ᾽ ἄρχοντος ἔργον, ἄρχων δ᾽ εἰκὼν θεοῦ τοῦ πάντα κοσμοῦντος, οὐ Φειδίου δεόμενος πλάττοντος οὐδὲ Πολυκλείτου καὶ Μύρωνος, ἀλλ᾽ αὐτὸς αὑτὸν εἰς ὁμοιότητα θεῷ δι᾽ ἀρετῆς καθιστὰς καὶ δημιουργῶν ἀγαλμάτων τὸ ἥδιστον ὀϕθῆναι καὶ θεοπρεπέστατον. Όἷον δ᾽ ἥλιον ἐν οὐρανῷ περικαλλὲς εἴδωλον ἑαυτοῦ καὶ σελήνην ὁ θεὸς ἐνίδρυσε, τοιοῦτον ἐν πόλεσι μίμημα καὶ ϕέγγος ἄρχων “ὅστε θεουδὴς εὐδικίας ἀνέχῃσι,” τουτέστι θεοῦ λόγον ἔχων, διάνοιαν, οὐ σκῆπτρον οὐδὲ κεραυνὸν οὐδὲ τρίαιναν, ὡς ἔνιοι πλάττουσιν ἑαυτοὺς καὶ γράϕουσι τῷ ἀνεϕίκτῳ ποιοῦντες ἐπίϕθονον τὸ ἀνόητον• νεμεσᾷ γὰρ ὁ θεὸς τοῖς ἀπομιμουμένοις βροντὰς καὶ κεραυνοὺς καὶ ἀκτινοβολίας, τοὺς δὲ τὴν ἀρετὴν ζηλοῦντας αὐτοῦ καὶ πρὸς τὸ καλὸν καὶ ϕιλάνθρωπον ἀϕομοιοῦντας ἑαυτοὺς ἡδόμενος αὔξει καὶ μεταδίδωσι τῆς περὶ αὐτὸν εὐνομίας καὶ δίκης καὶ ἀληθείας καὶ πραότητος• ὧν θειότερον οὐ πῦρ ἐστιν οὐ ϕῶς οὐχ ἡλίου δρόμος οὐκ ἀνατολαὶ καὶ δύσεις ἄστρων οὐ τὸ ἀίδιον καὶ ἀθάνατον. οὐ γὰρ χρόνῳ ζωῆς ὁ θεὸς εὐδαίμων ἀλλὰ τῆς ἀρετῆς τῷ ἄρχοντι• τοῦτο γὰρ θεῖόν ἐστι, καλὸν δ᾽ αὐτῆς καὶ τὸ ἀρχόμενον.
4. Ἀνάξαρχος μὲν οὖν ἐπὶ τῷ Κλείτου ϕόνῳ δεινοπαθοῦντα παραμυθούμενος Ἀλέξανδρον ἔϕη καὶ τῷ Διὶ τὴν Δίκην εἶναι καὶ τὴν Θέμιν παρέδρους, ἵνα πᾶν πραττόμενον ὑπὸ βασιλέως θεμιτὸν δοκῇ καὶ δίκαιον, οὐκ ὀρθῶς οὐδ᾽ ὠϕελίμως τὴν ἐϕ᾽ οἷς ἥμαρτε μετάνοιαν αὐτοῦ τῷ πρὸς τὰ ὅμοια θαρρύνειν ἰώμενος. εἰ δὲ δεῖ ταῦτ᾽ εἰκάζειν, ὁ μὲν Ζεὺς οὐκ ἔχει τὴν Δίκην πάρεδρον, ἀλλ᾽ αὐτὸς Δίκη καὶ Θέμις ἐστὶ καὶ νόμων ὁ πρεσβύτατος καὶ τελειότατος. οἱ δὲ παλαιοὶ οὕτω λέγουσι καὶ γράϕουσι καὶ διδάσκουσιν, ὡς ἄνευ Δίκης ἄρχειν μηδὲ τοῦ Διὸς καλῶς δυναμένου• “ἡ δέ γε παρθένος ἐστὶ” καθ᾽ Ἡσίοδον ἀδιάϕθορος, αἰδοῦς καὶ σωϕροσύνης καὶ ὠϕελείας σύνοικος• ὅθεν “αἰδοίους” προσαγορεύουσι τοὺς βασιλεῖς• μάλιστα γὰρ αἰδεῖσθαι προσήκει τοῖς ἥκιστα ϕοβουμένοις. ϕοβεῖσθαι δὲ δεῖ τὸν ἄρχοντα τοῦ παθεῖν κακῶς μᾶλλον τὸ ποιῆσαι• τοῦτο γὰρ αἴτιόν ἐστιν ἐκείνου καὶ οὗτός ἐστιν ὁ ϕόβος τοῦ ἄρχοντος ϕιλάνθρωπος καὶ οὐκ ἀγεννής, ὑπὲρ τῶν ἀρχομένων δεδιέναι μὴ λάθωσι βλαβέντες,
ὡς δὲ κύνες περὶ μῆλα δυσωρήσονται ἐν αὐλῇ,θηρὸς ἀκούσαντες κρατερόϕρονος,
οὐχ ὑπὲρ αὑτῶν ἀλλ᾽ ὑπὲρ τῶν ϕυλαττομένων. Ὁ δ᾽ Ἐπαμεινώνδας, εἰς ἑορτήν τινα καὶ πότον ἀνειμένως τῶν Θηβαίων ῥυέντων, μόνος ἐϕώδευε τὰ ὅπλα καὶ τὰ τείχη, νήϕειν λέγων καὶ ἀγρυπνεῖν ὡς ἂν ἐξῇ τοῖς ἄλλοις μεθύειν καὶ καθεύδειν. καὶ Κάτων ἐν Ἰτύκῃ τοὺς ἄλλους ἅπαντας ἀπὸ τῆς ἥττης ἐκήρυττε πέμπειν ἐπὶ θάλατταν• καὶ ἐμβιβάσας, εὔπλοιαν εὐξάμενος ὑπὲρ αὐτῶν, εἰς οἶκον ἐπανελθὼν ἑαυτὸν ἀπέσϕαξε• διδάξας ὑπὲρ τίνων δεῖ τὸν ἄρχοντα τῷ ϕόβῳ χρῆσθαι καὶ τίνων δεῖ τὸν ἄρχοντα καταϕρονεῖν. Κλέαρχος δ᾽ ὁ Ποντικὸς τύραννος εἰς κιβωτὸν ἐνδυόμενος ὥσπερ ὄϕις ἐκάθευδε. καὶ Ἀριστόδημος ὁ Ἀργεῖος εἰς ὑπερῷον οἴκημα θύραν ἔχον ἐπιρρακτήν, ἧς ἐπάνω τιθεὶς τὸ κλινίδιον ἐκάθευδε μετὰ τῆς ἑταίρας• ἡ δὲ μήτηρ ἐκείνης ὑϕεῖλκε κάτωθεν τὸ κλιμάκιον, εἶθ᾽ ἡμέρας πάλιν προσετίθει ϕέρουσα. πῶς οὗτος, οἴεσθε, τὸ θέατρον ἐπεϕρίκει καὶ τὸ ἀρχεῖον, τὸ βουλευτήριον, τὸ συμπόσιον, ὁ τὸν θάλαμον ἑαυτῷ δεσμωτήριον πεποιηκώς; τῷ γὰρ ὄντι δεδίασιν οἱ βασιλεῖς ὑπὲρ τῶν ἀρχομένων, οἱ δὲ τύραννοι τοὺς ἀρχομένους• διὸ τῇ δυνάμει τὸ δέος συναύξουσι• πλειόνων γὰρ ἄρχοντες πλείονας ϕοβοῦνται.
5. Όὐ γὰρ εἰκὸς οὐδὲ πρέπον, ὥσπερ ἔνιοι ϕιλόσοϕοι λέγουσι, τὸν θεὸν ἐν ὕλῃ πάντα πασχούσῃ καὶ πράγμασι μυρίας δεχομένοις ἀνάγκας καὶ τύχας καὶ μεταβολὰς ὑπάρχειν ἀναμεμιγμένον• ἀλλ᾽ ὁ μὲν ἄνω που περὶ τὴν ἀεὶ κατὰ ταὐτὰ ὡσαύτως ϕύσιν ἔχουσαν ἱδρυμένος ἐν βάθροις ἁγίοις ᾗ ϕησι Πλάτων, εὐθείᾳ περαίνει κατὰ ϕύσιν περιπορευόμενος• οἷον δ᾽ ἥλιος ἐν οὐρανῷ μίμημα τὸ περικαλλὲς αὐτοῦ δι᾽ ἐσόπτρου εἴδωλον ἀναϕαίνεται τοῖς ἐκεῖνον ἐνορᾶν δι᾽ αὐτοῦ δυνατοῖς, οὕτω τὸ ἐν πόλεσι ϕέγγος εὐδικίας καὶ λόγου τοῦ περὶ αὑτὸν ὥσπερ εἰκόνα κατέστησεν, ἣν οἱ μακάριοι καὶ σώϕρονες ἐκ ϕιλοσοϕίας ἀπογράϕονται πρὸς τὸ κάλλιστον τῶν πραγμάτων πλάττοντες ἑαυτούς. ταύτην δ᾽ οὐδὲν ἐμποιεῖ τὴν διάθεσιν ἢ λόγος ἐκ ϕιλοσοϕίας παραγενόμενος• ἵνα μὴ πάσχωμεν τὸ τοῦ Ἀλεξάνδρου, ὃς ἐν Κορίνθῳ Διογένην θεασάμενος καὶ δι᾽ εὐϕυΐαν ἀγαπήσας καὶ θαυμάσας τὸ ϕρόνημα καὶ τὸ μέγεθος τοῦ ἀνδρὸς εἶπεν, “εἰ μὴ Ἀλέξανδρος ἤμην, Διογένης ἂν ἤμην”• ὀλίγου δέων εἰπεῖν, τὴν περὶ αὑτὸν εὐτυχίαν καὶ λαμπρότητα καὶ δύναμιν ὡς κώλυσιν ἀρετῆς καὶ ἀσχολίαν βαρυνόμενος καὶ ζηλοτυπῶν τὸν τρίβωνα καὶ τὴν πήραν, ὅτι τούτοις ἦν ἀνίκητος καὶ ἀνάλωτος Διογένης, οὐχ ὡς ἐκεῖνος ὅπλοις καὶ ἵπποις καὶ σαρίσσαις. ἐξῆν οὖν ϕιλοσοϕοῦντα καὶ τῇ διαθέσει γίγνεσθαι Διογένην καὶ τῇ τύχῃ μένειν Ἀλέξανδρον, καὶ διὰ τοῦτο γενέσθαι Διογένην μᾶλλον, ὅτι ἦν Ἀλέξανδρος, ὡς πρὸς τύχην μεγάλην πολὺ πνεῦμα καὶ σάλον ἔχουσαν ἕρματος πολλοῦ καὶ κυβερνήτου μεγάλου δεόμενον.
6. Ἐν μὲν γὰρ τοῖς ἀσθενέσι καὶ ταπεινοῖς καὶ ἰδιώταις τῷ ἀδυνάτῳ μιγνύμενον τὸ ἀνόητον εἰς τὸ ἀναμάρτητον τελευτᾷ, ὥσπερ ἐν ὀνείρασι ϕαύλοις τις ἀνία τὴν ψυχὴν διαταράττει συνεξαναστῆναι ταῖς ἐπιθυμίαις μὴ δυναμένην• ἡ δ᾽ ἐξουσία παραλαβοῦσα τὴν κακίαν νεῦρα τοῖς πάθεσι προστίθησι• καὶ τὸ τοῦ Διονυσίου ἀληθές ἐστιν• ἔϕη γὰρ ἀπολαύειν μάλιστα τῆς ἀρχῆς, ὅταν ταχέως ἃ βούλεται ποιῇ. μέγας οὖν ὁ κίνδυνος βούλεσθαι ἃ μὴ δεῖ τὸν ἃ βούλεται ποιεῖν δυνάμενον• “αὐτίκ᾽ ἔπειτά γε μῦθος ἔην, τετέλεστο δὲ ἔργον.” ὀξὺν ἡ κακία διὰ τῆς ἐξουσίας δρόμον ἔχουσα πᾶν πάθος ἐξωθεῖ, ποιοῦσα τὴν ὀργὴν ϕόνον τὸν ἔρωτα μοιχείαν τὴν πλεονεξίαν δήμευσιν. “αὐτίκ᾽ ἔπειθ᾽ ἅμα μῦθος ἔην,” καὶ ἀπόλωλεν ὁ προσκρούσας• ὑπόνοια, καὶ τέθνηκεν ὁ διαβληθείς. ἀλλ᾽ ὥσπερ οἱ ϕυσικοὶ λέγουσι τὴν ἀστραπὴν τῆς βροντῆς ὑστέραν μὲν ἐκπίπτειν ὡς αἷμα τραύματος, προτέραν δὲ ϕαίνεσθαι, τὸν μὲν ψόϕον ἐκδεχομένης τῆς ἀκοῆς τῷ δὲ ϕωτὶ τῆς ὄψεως ἀπαντώσης• οὕτως ἐν ταῖς ἀρχαῖς ϕθάνουσιν αἱ κολάσεις τὰς κατηγορίας καὶ προεκπίπτουσιν αἱ καταδίκαι τῶν ἀποδείξεων.
εἴκει γὰρ ἤδη θυμὸς οὐδ᾽ ἔτ᾽ ἀντέχει, θινῶδες ὡς ἄγκιστρον ἀγκύρας σάλῳ,
ἂν μὴ βάρος ἔχων ὁ λογισμὸς ἐπιθλίβῃ καὶ πιέζῃ τὴν ἐξουσίαν, μιμουμένου τὸν ἥλιον τοῦ ἄρχοντος, ὃς ὅταν ὕψωμα λάβῃ μέγιστον, ἐξαρθεὶς ἐν τοῖς βορείοις, ἐλάχιστα κινεῖται, τῷ σχολαιοτέρῳ τὸν δρόμον εἰς ἀσϕαλὲς καθιστάμενος.
7. Όὐδὲ γὰρ λαθεῖν οἷόν τε τὰς κακίας ἐν ταῖς ἐξουσίαις• ἀλλὰ τοὺς μὲν ἐπιληπτικούς, ἂν ἐν ὕψει τινὶ γένωνται καὶ περιενεχθῶσιν, ἴλιγγος ἴσχει καὶ σάλος, ἐξελέγχων τὸ πάθος αὐτῶν, τοὺς δ᾽ ἀπαιδεύτους καὶ ἀμαθεῖς ἡ τύχη μικρὸν ἐκκουϕίσασα πλούτοις τισὶν ἢ δόξαις ἢ ἀρχαῖς μετεώρους γενομένους εὐθὺς ἐπιδείκνυσι πίπτοντας• μᾶλλον δ᾽, ὥσπερ τῶν κενῶν ἀγγείων οὐκ ἂν διαγνοίης τὸ ἀκέραιον καὶ πεπονηκός, ἀλλ᾽ ὅταν ἐγχέῃς, ϕαίνεται τὸ ῥέον• οὕτως αἱ σαθραὶ ψυχαὶ τὰς ἐξουσίας μὴ στέγουσαι ῥέουσιν ἔξω ταῖς ἐπιθυμίαις, ταῖς ὀργαῖς, ταῖς ἀλαζονείαις, ταῖς ἀπειροκαλίαις. καίτοι τί δεῖ ταῦτα λέγειν, ὅπου καὶ τὰ σμικρότατα τῶν ἐλλειμμάτων περὶ τοὺς ἐπιϕανεῖς καὶ ἐνδόξους συκοϕαντεῖται; Κίμωνος ἦν ὁ οἶνος διαβολή, Σκιπίωνος ὁ ὕπνος, Λεύκολλος ἐπὶ τῷ δειπνεῖν πολυτελέστερον ἤκουε κακῶς.
1. Die Einwohner von Kyrene ersuchten Platon, Gesetze für sie aufzuschreiben und ihre Verfassung neu zu ordnen, er aber lehnte ab mit der Begründung, dass es zu schwer sei, Gesetze für die Kyrener zu erlassen, da es ihnen so gut ging. »Denn nichts ist von Natur aus so hochmütig« und so beschwerlich zu regieren »wie ein Mann«, der sich einen Ruf als Erfolgsmensch erworben hat.1 Aus dem gleichen Grund fällt es schwer, den Amtsinhabern als Ratgeber in Regierungsgeschäften zu dienen, denn diese haben Angst davor, die Vernunft als ihren eigenen Souverän anzuerkennen, da sie befürchten, sich den Verpflichtungen ihres Amtes ganz und gar unterwerfen zu müssen und somit weniger von ihrer Macht profitieren zu können. Diesen Menschen ist das Beispiel des Theopompos nicht bekannt, des Königs der Spartaner, der als Erster die Ephoren in königliche Angelegenheiten mit einbezog. Als seine Frau ihm vorwarf, dass er dadurch seinen Kindern ein Amt hinterlasse, das schwächer sei als das, welches er übernommen habe, antwortete er: »Tatsächlich wird es sogar stärker sein, und zwar in dem Maße, in dem es stabiler ist.« Da er dem übermäßigen und absoluten Charakter seines Amtes entsagte, entging er dem Neid und mied so die Gefahr. Als Theopompos einen Teil der königlichen Befugnisse an die Ephoren übertrug – wie jemand, der die Strömung eines großen Flusses abzulenken versucht –, beraubte er sich selbst tatsächlich jener Macht, die er auf sie übertrug. Die Vernunft, die durch die Philosophie bedingt wird, beseitigt, sobald sie sich als Ratgeber und Beschützer des Regierenden etabliert hat, das unbeständige Element der Macht und lässt nur das Tadellose zurück, genau wie es geschieht, wenn wir beim Erhalt unserer Gesundheit Vernunft walten lassen.
2. Den meisten Königen und Herrschern jedoch fehlt diese Vernunft, und so ahmen sie die ungeschickten Bildhauer nach, die glauben, dass ihre kolossalen Statuen besonders großartig und stark anmuten, wenn sie ihre Figuren mit gewaltigem Schritt, angespanntem Körper und weit aufgerissenem Mund gestalten. Diese Könige und Herrscher, die mit tiefer Stimme sprechen und deren Blick hart ist, legen ein streitsüchtiges Verhalten an den Tag und halten sich im täglichen Leben zurück. Sie halten ihr Auftreten für würdevoll und dem Ernst ihrer Führungsposition für angemessen. Tatsächlich aber unterscheiden sie sich in nichts von jenen kolossalen Statuen, die äußerlich eine heroische und göttliche Fassade zur Schau stellen, im Innern aber nur voller Erde, Stein und Blei sind.2 Im Falle der Statuen jedoch sorgt dieses Gewicht für einen aufrechten, stabilen Stand, während ungebildete Generäle und Herrscher dadurch häufig eher stolpern, sodass sie durch die ihnen innewohnende Torheit zu Fall gebracht werden. Denn das Podest, auf dem sie ihre stolze Macht errichten, wurde vorher nicht planiert, sodass die Herrscher nicht aufrecht stehen zu bleiben vermögen. Genau wie das Lineal des Baumeisters von Beginn an gerade und unbeugsam zu sein hat, um im Einsatz durch Anpassung und Nebeneinanderstellen sämtliche Elemente aneinander auszurichten, genauso müssen Staatsmänner zunächst Herrschaft über sich selbst erlangen, ihre Seelen ins Lot und ihren Charakter ins rechte Maß bringen. Dann erst können sie auch ihre Untertanen sich selbst angleichen. Denn derjenige, der stolpert, kann einen anderen nicht aufrichten, der Unwissende kann nicht lehren, der Unordentliche keine Ordnung schaffen, der Unorganisierte nicht organisieren, der Unbeherrschte nicht herrschen. Doch viele Herrscher missverstehen dies und sind stattdessen der Überzeugung, dass der größte Vorteil des Regierens darin besteht, selbst nicht beherrscht zu werden. Nehmen wir beispielsweise den König der Perser. Er hielt jedermann für seinen Sklaven – außer seine Gemahlin, deren Herr er eigentlich doch insbesondere hätte sein müssen.
3. Wer also beherrscht den Herrscher? »Das Gesetz, das der König von allem ist, sowohl über die Sterblichen als auch über die Unsterblichen«, wie Pindar sagt. Aber ich beziehe mich nicht auf ein Gesetz, das in Büchern oder auf hölzernen Tafeln niedergeschrieben wurde und nachgelesen werden kann. Vielmehr meine ich die Vernunft, die den Herrschern innewohnt, die ihre Seelen stets begleitet und bewacht und es nie an Richtlinien fehlen lässt. Der persische König nun betraute einem seiner Diener folgende Aufgabe: Er sollte im Morgengrauen in sein Gemach treten und sagen: »Erhebe dich, oh König, und befasse dich mit den Angelegenheiten, die der große Ahura Mazda von dir verlangt.«3
