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Neue Hoffnungen bei PMDS und PMS
Bereits nach dem Eisprung beginnen bei dem noch weitgehend unbekannten Krankheitsbild PMDS die klassischen Symptome des prämenstruellen Syndroms – jedoch sehr viel stärker ausgeprägt. Stimmungsschwankungen bis hin zu Aggressionen und Depressionen und extrem lange Blutungen beeinflussen das gesamte Leben – Partnerschaft, Job, Familienplanung und mehr. Dani Wolf, selbst Betroffene und Expertin für diese Erkrankung, hat ihr umfassendes Wissen zusammengetragen und teilt mit Ihnen ihren Weg durch diese Erkrankung:
Wissen empowert: Lernen Sie alles über PMDS, der prämenstruellen dysphorischen Störung, um gestärkt und selbstbewusst die richtigen Therapieentscheidungen treffen zu können – als Team mit Ihren Ärzten.
Erste Therapieansätze: Welche schulmedizinischen und alternativen Behandlungen können Ihnen helfen?
Vernetzung und Austausch: Nutzen Sie die wertvollen Tipps und Anlaufstellen, damit Ihre Erkrankung und Ihre Einschränkungen anerkannt werden und stärken Sie sich durch Austausch.
Für mehr Leichtigkeit und Kraft!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 162
Veröffentlichungsjahr: 2022
Dani Wolf
1. Auflage 2023
Für alle, die von der PMDS und anderen hormonbasierten Krankheiten wie PMS, PCO oder Endometriose geprägt sind. Wir sind viele Menschen und wir haben Gesichter und Geschichten, die endlich erzählt werden müssen.
Ganz besonders widme ich dieses Buch Claudia, Marlies, Shiva, Barbara, Mel, Melike, Melanie, Nancy, Svenja, Filiz, Janine, Katharina, Christine, Sabine und allen anderen Frauen aus meiner Gruppe.
Hey, anderes Ich,
wieso tauchst du immer wieder auf?
Jeden Monat kommst du um die Ecke und bringst mich um den Verstand. Keine Regeln und keine Kontinuität – das ist dein Credo.
Das Leben einfach mal unendlich auf den Kopf stellen, und wofür?
Was hast du davon?
Es kommt mir vor, als würdest du nur darauf warten, jeden guten Gedanken, jedes Glücksgefühl und jeden nicht vorhandenen Schmerz im Keim ersticken zu wollen.
Das Schlimmste daran ist, dass ich weiß, dass du kommst und dennoch nichts gegen dich unternehmen kann. Meine aufsteigende Wut gilt dir, aber andere bekommen sie ab.
Ich will ruhig sein, bin aber wie ein Wirbelsturm, der alles mit sich reißt.
Ich frage dich nochmal:
Was willst du von mir? Warum ich? Was hast du davon?
Bekommt man das, was man verdient oder aushält? Ich will, dass du verschwindest. Nicht nur vorübergehend, sondern für immer!
Du kannst nichts außer Schaden anrichten, aber am Ende stehst nicht du da und hebst die Scherben auf. Das muss ich tun.
Ich bin zerrissen zwischen mir und dir.
Ich weiß nicht mehr, wer du bist und wer ich bin. Ich fühle mich, als ob ich vom Analysieren und Reflektieren irgendwann wie ein Luftballon zerplatze. Und dann?
Dann ist nichts mehr übrig.
Dann bist du weg, aber ich auch. Will ich das? Manchmal weiß ich es nicht mehr. Ein Leben mit dir ist kein wirklich lebenswertes Dasein, aber ein Leben ohne mich kann und will ich mir nicht vorstellen.
Da sind Menschen, die mich lieben, obwohl es dich gibt. Da sind Chancen, Wunder und Hoffnungen, die ich nicht kampflos aufgeben werde.
Du kannst immer wieder auftauchen, aber ich schwöre bei allem, was mir wichtig ist: Ich werde dich irgendwann besiegen – und ich werde es genau wie du machen: Ich komme auf leisen Sohlen und werde unbeobachtet zuschlagen!
Titelei
Vorwort
Prolog
Periode und PMDS
Wer bin ich?
Was ist die PMDS?
PMS, PMDS oder PME?
Wie erkennt man die PMDS?
Meine PMDS-Reise beginnt
Hormon-Brust-Uterus-Gesundheit
Wie alles begann
Kinderwunsch
Wenn Hormone die Schwangerschaft verhindern
Schwangerschaft
Nach der Geburt
Meine Behandlungs-Odyssee
Zurück auf Null
Vitamine
Mönchspfeffer
Hoffnungsschimmer Endokrinologie
PCO-Syndrom
Metformin
Kann mir denn niemand helfen?
Überraschung: Wieder schwanger!
Hoffnung auf Heilung
Sepranolon
Weitere Versuche
Präparate-Marathon
Neue Ärztin
PMDS-Tagebuch
Blut-Speichel-Analysen
Neue Medikamente
Progesteron-Salbe
Neues zu Sepranolon
Migräne
Eine nicht enden wollende Reise
Deutschland ist spät dran
Keine Medikamente und keine Experimente mehr
Langsam tut sich was in Deutschland
PMDS und Alternativmedizin
PMDS und körperliche Einschränkungen
PMDS und Hashimoto
Eine Ernährungsumstellung kann helfen
Wieso ist eine Ernährungsumstellung so wichtig?
PMDS und Sexualität
Die Krankheit akzeptieren und nicht bekämpfen
PMDS und Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel können auch schaden
Wundermittel gibt es nicht
PMDS und das soziale Leben
Wut und Aggressionen
Das »Monster« kommt ungewollt und überraschend
Was tun gegen die Wut?
Wut wie in der Autonomiephase bei Kindern
Die Umgebung leidet mit
PMDS und Partnerschaft
Wie schafft man es, zusammenzubleiben?
PMDS und Hochsensibilität
PMDS und Autismus
PMDS und ADHS
Was hat ADHS mit PMDS zu tun?
PMDS und der Job
Viele Fehlstunden führen zu Problemen
Tipps für das Berufsleben
PMDS und das Mindset
Positive Affirmationen
Brain Working Recursive Therapy®
Achte auf dich selbst
Was hilft konkret gegen die PMDS?
Sport
Akupressurmatte
Akupunktur
Viele Wege führen zum Ziel
Raus aus der Unsichtbarkeit
Niemand muss allein sein
PMDS Selbsthilfe e. V.
»Die PMS/PMDS Mentorin«
Schlusswort
Danksagung
Service
Quellenangaben
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
Periode und PMDS hängen untrennbar zusammen. Aber was ist die PMDS genau? Wie erkennt man sie und was ist der Unterschied zum PMS?
Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen: meine erste Periode. Es war 1994 und ich war 11 Jahre alt. Ich kannte natürlich Binden und Tampons, aber wie man sie benutzt? Ich hatte keine Ahnung. Natürlich war der erste Tag meiner ersten Periode ausgerechnet der Schultag, an dem wir ins Freibad gingen. Meine beste Freundin kam und brachte Tampons mit. Ich spüre heute noch, welche Schmerzen sich bei dem Versuch in mir ausbreiteten, den Tampon einzuführen. Ich bekam ihn irgendwie in mich hinein, zog meinen Badeanzug an und ein langes, weißes T-Shirt. Wir fuhren mit dem Bus zum Freibad und jeder Huckel auf der Straße war ganz und gar nicht erregend, sondern furchteinflößend, denn es tat einfach sehr weh. Ich denke, viele von euch erinnern sich an diese Zeit gut zurück.
Da meine Periode ganze fünf Wochen blieb, lernte ich recht schnell, wie man Tampons richtig benutzt, ohne vor Schmerzen kaum laufen zu können. Niemand konnte es mir zeigen, aber ich merkte, dass ich, wenn ich den Mittel- oder Zeigefinger benutzte, den Tampon sanft in die Vagina schieben konnte, bis er bequem saß und nicht drückte. Erst heute weiß ich, wie wichtig eine richtige Aufklärung gewesen wäre und wie normal es war, dass wir nicht aufgeklärt wurden. Wir holten uns die Infos damals aus der Bravo mit dem berühmten Dr.-Sommer-Team und durch Gespräche mit unseren Freundinnen.
Ich lernte damals auch bereits die Antibabypille kennen. Denn dieses hormonelle Verhütungsmittel, das den Eisprung unterdrückt, wurde mir kurze Zeit später, also mit 11 Jahren, das erste Mal verschrieben. Heute kann ich nur mit dem Kopf schütteln, aber damals war es völlig normal, dass man die Pille verschrieben bekam, wenn der Zyklus nicht so war, wie er laut ärztlicher Vorstellung sein sollte. Denn ein gesunder Zyklus ist 28 Tage lang und verursacht keine weiteren gesundheitlichen Einschränkungen. Mein Zyklus war von Anfang an gestört und eine Antibabypille hätte das letzte Mittel sein sollen.
Die Ovulation, also der Eisprung, wird durch künstliches Östrogen und synthetisches Gestagen gehemmt. Diese Hormone werden natürlicherweise im Körper eines geschlechtsreifen Menschen produziert und regeln den Ablauf des Menstruationszyklus. Die Antibabypille verhindert eine Schwangerschaft und verändert den natürlichen Ablauf der Menstruation. Die Pille half mir damals zumindest dahingehend, nicht mehr »zu verbluten«. Denn so fühlten sich diese langen Wochen an. Ich glaubte immer, mein Körper verliere alles an Blut, was da ist. Auch hier bin ich heute schlauer, denn es sind doch sehr viel geringere Mengen an Blut, als ich dachte.
Aber es war nicht nur die Blutung. Ich war regelrecht krank. Ich fühlte mich wirklich sehr unpässlich und das als Kind, das ich damals eigentlich noch war. Die Menstruation macht wohl ein Kind zum geschlechtsreifen Menschen, aber wenn das zu solchen Problemen führt, dann hätte ich gern verzichtet. Vor allem hätte ich gern Menschen gehabt, die mir den Zyklus und alle wichtigen Themen, die dazugehören, erklären und Alternativen aufzeigen, damit ein Kind mit 11 Jahren eben nicht automatisch die Antibabypille nehmen muss.
Das alles ist jetzt fast 30 Jahre her, aber auch heute höre ich noch oft, dass die Antibabypille das Nonplusultra sei, obwohl wir inzwischen wissen, dass eine Einnahme zu schweren Nebenwirkungen wie Depressionen, Lungenembolie, Thrombose und vielem mehr führen kann. Also egal, ob du an PMS (prämenstruellem Syndrom), PMDS (prämenstrueller dysphorischer Störung) oder einfach an einem schmerzhaften Zyklus leidest, lass dich genau beraten, ob und welche Medikation geeignet ist. Ich bin inzwischen seit fast 15 Jahren hormonfrei und sehr dankbar dafür.
Bevor ich mehr von mir und meinem Weg erzähle, stelle ich mich erst einmal richtig vor: Ich bin Dani, in den Endzügen der Dreißiger und schon jahrelang nicht mehr ich selbst. Vielleicht war ich das nie. Ich habe nur vage Erinnerungen an die Dani, die ich sein kann. Diejenige, die ich dauerhaft sein will.
Mein Leben ist von Traumata, chronischen Erkrankungen und vielen Aufs und Abs geprägt. Ich stehe hier mit diagnostizierter impulsiver Persönlichkeitsstörung, Depressionen, schwerer posttraumatischen Belastungsstörung, Hashimoto und dieser elendigen PMDS. Ich schreibe das hier so deutlich, weil ich mich nicht für mich und meine Erkrankungen schäme, und vor allem definieren sie mich nicht mehr. Es ist schwierig, mit solchen, teils schweren Erkrankungen ein »normales« Leben zu führen, und ich hatte oft sehr viel Mitleid für mich, obwohl eher Mitgefühl der richtige Weg ist. Mein Leben ist geprägt von diesen Erkrankungen, aber trotzdem ich bin doch noch so viel mehr als sie. Oder vielleicht bin ich auch durch sie die, die ich heute bin.
Allerdings fangen meist hier die zusätzlichen Probleme an, da die meisten Ärzte und Ärztinnen die PMDS mit einer ausschließlich psychischen Erkrankung verwechseln. Wenn man psychische Erkrankungen hat, wird alles darauf reduziert. Das macht es noch schwieriger, mit der Erkrankung PMDS die nötige Hilfe zu bekommen. Es ist aber auch für die Diagnostik schwer, da man genau abwägen muss, ob man an PMDS leidet oder aber andere Erkrankungen das Hauptaugenmerk verdienen. Als Mensch mit verschiedensten Erkrankungen, die noch immer gesellschaftlich tabuisiert werden, ist der Gang zur Ärztin oder zum Arzt immer schwer. In eine Schublade geschoben zu werden, führt oft zu Fehldiagnosen und Praxisbesuchen, die nie aufhören.
Marlies: Ich bin wie fremdgesteuert
Die erste Bekanntschaft habe ich mit PMDS gemacht, nachdem ich nach der Geburt meines Sohnes zum ersten Mal wieder meine Periode hatte. Dass meine extreme Aggressivität, Niedergeschlagenheit und Fremdbestimmtheit zyklusbedingt war, fiel mir zunächst nicht auf, da ich zuvor nie auf meinen Zyklus geachtet hatte. Ich schob es auf eine anhaltende Wochenbettdepression, die sich aber auch nach zahlreichen Besuchen bei meiner Psychologin nicht besserte.
Die Symptome zeigen sich bei mir ausschließlich psychisch. Ich bin wie fremdgesteuert und habe meine furchtbaren Gedanken und mein explosives Verhalten nicht im Griff. Mir ist bewusst, dass diese Person nicht ICH bin. Diese Person macht mir Angst, weshalb teilweise Panikattacken auftreten. Als ich anfing, ein Zyklustagebuch zur Verhütung zu führen, fiel mir auf, dass die Symptome etwa ab dem Eisprung auftreten und bis zum Einsetzen der Periode anhalten. In manchen Zyklen verschieben sich die Symptome, sind mal stärker, mal schwächer.
Mein Glück war, dass ich Dani kennenlernen durfte, die über Social Media damals von ihrer PMDS berichtete. Nach etwas Recherche war ich mir sicher, dass auch ich davon betroffen bin.
So wie Marlies geht es vielen Betroffenen. Und genau deshalb habe ich aufgeschrieben, was diese Erkrankung mit uns und unserem Umfeld macht und was uns helfen kann. Ich möchte euch auch zeigen, dass niemand damit allein sein muss.
Hey anderes Ich,
du bist schon da, aber noch ganz schwach. Wenn ich doch damals schon gewusst hätte, dass du irgendwann richtig zuschlägst, dann … ja, was dann? Vielleicht hätte ich dich viel früher sehen und annehmen können? Oder hätte ich Freundschaften, Familie und soziale Kontakte halten können? Ich weiß es nicht.
Vor fast 10 Jahren nannte ich die PMDS schlichtweg »Monster in meinem Gehirn«. Ich hatte keinen Namen für diese Vielzahl von Symptomen und Zuständen. Der Fachbegriff lautet aber prämenstruelle dysphorische Störung.
Ich kenne mich zwar – gezwungenermaßen – mit der PMDS inzwischen sehr gut aus, habe aber keine medizinische Fachausbildung. Deshalb ist dieses Buch auch kein Fachbuch, sondern meine persönliche Reise, ergänzt durch Experteninformationen. ▶ [1] Mir ist es wichtig, diese Erkrankung leicht verständlich und dennoch informativ darzustellen. Vor dem Hintergrund neuester Forschung und meinen persönlichen Erfahrungen möchte ich erklären, worum es bei der PMDS geht.
»Die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) ist eine sich wiederholende, hormonbasierte Stimmungsstörung mit Symptomen, die in der prämenstruellen oder auch lutealen Phase des Menstruationszyklus auftreten und einige Tage nach der Menstruation meist abklingen. Obwohl PMDS direkt mit dem Menstruationszyklus verbunden ist, handelt es sich nicht um ein hormonelles Ungleichgewicht, wie immer wieder behauptet wird. PMDS ist eine schwere negative Reaktion des Gehirns auf den natürlichen Anstieg und Abfall der Sexualhormone Östrogen und Progesteron. Es handelt sich um eine vermutete Zellerkrankung im Gehirn. Die Symptome können sich im Laufe der Zeit und/oder um reproduktive Ereignisse, wie der ersten Menstruation, einer Schwangerschaft, Geburt, Fehlgeburt und Perimenopause, verschlimmern.« ▶ [2]
Der englische Begriff lautet Premenstrual dysphoric Disorder, abgekürzt PMDD. Weltweit ist diese Bezeichnung deutlich geläufiger als die Abkürzung PMDS, denn in Deutschland ist diese Erkrankung unsichtbar. Trotz der DSM-5-Klassifizierung im Jahr 2013 und der ICD-Klassifizierung GA 34.41 im Jahr 2019 weiß kaum eine Ärztin oder ein Arzt von dieser Erkrankung. ▶ [3] »Die prämenstruelle Dysphorie (PMDD) hat einen eigenen Klassifizierungscode erhalten und ist in der neuen Internationalen Klassifikation der Krankheiten der WHO, ICD-11, erstmals eindeutig als gynäkologische und nicht psychische Krankheit eingestuft. Dies ist für die zukünftige Diagnose, Behandlung und Erstattung unserer Leitindikation ein entscheidender Schritt nach vorne«, so CEO Peter Nordkild von Asarina. ▶ [4]
Bei einer PMDS kommen zu den körperlichen Beschwerden zwingend auch psychische Komponenten hinzu, weshalb sie sehr oft zum Beispiel mit klassischen Depressionen verwechselt wird. Sämtliche Experten und Studien belegen, dass in der zweiten Zyklushälfte Beschwerden aller Art auftreten. Diese Beschwerden sind vielfältig: Sie beginnen mit Brustspannen, Krämpfen und Migräne und enden sehr häufig in starken Stimmungsschwankungen. Diese Schwankungen können Depression, Aggression und auch Verwirrtheit sein. Man ist unkonzentriert, fast chronisch erschöpft und das über einen langen Zeitraum. Die Liste der Beschwerden ist sehr lang und kann jeden Monat anders sein. Mit Einsetzen der Menstruation hören die Symptome im besten Fall auf und die Person fühlt sich wieder komplett einsatzfähig.
Man geht davon aus, dass etwa 90 % der Menschen im gebärfähigen Alter mindestens ein PMS-Symptom haben. Es gibt aber in der Literatur ganz unterschiedliche Angaben dazu. PMS bedeutet »prämenstruelles Syndrom«. Die Symptome reichen ebenfalls von Brustspannen über Stimmungsschwankungen bis hin zu Migräne und Blähungen. Sie starten meist ebenfalls nach dem Eisprung und halten bis zum Beginn der Periode an. Viele Betroffene berichten aber eher von einer Dauer von fünf Tagen, an denen sie Beschwerden haben. Sie können von kaum bemerkbar bis sehr stark und einschränkend sein.
Die PMDS hingegen ist seltener und betrifft nur etwa 5–8 % der Menschen im gebärfähigen Alter. Sie ist die schwerste Form der PMS. Besonders hervorzuheben sind hier die verschiedenen starken, psychischen Probleme neben den sehr kräftezehrenden körperlichen Einschränkungen, die zu vorübergehender Arbeitsunfähigkeit führen können. Laut vieler Betroffener ist die PMDS zudem deutlich länger zu spüren als die PMS.
Die PMS wird im ICD-10 unter N94 zu den prämenstruellen Beschwerden zusammengefasst, während die PMDS im ICD-11 GA 34.41 inzwischen als eigenständige, nicht psychische Erkrankung aufgeführt wird.
Um genau zu wissen, ob eine PMS oder eine PMDS vorliegt, sollte ein genauer ▶ Zykluskalender geführt und die ICD-Klassifizierung betrachtet werden. Es stellt sich recht schnell eine Tendenz heraus, mit der man Gewissheit bekommt und weiterarbeiten kann. Eine Diagnose ruft auch eine Art der Erleichterung hervor, da man weiß, woran man ist und nach vorn blicken kann, um etwas an der Situation zu ändern.
Im Dezember 2020 wurde die Erkrankung PME (prämenstruelle Exazerbation) erstmals beschrieben. PMDS und PME werden von einer internationalen Expertengruppe zu den »Core premenstrual Disorders« gezählt. Inzwischen gibt es auch erste Forschungen zu weiteren Subtypen der PMDS an der University of Illinois, Chicago. PME führt zu einer Verschlimmerung von Symptomen einer Vorerkrankung wie Depressionen, bipolare oder auch Angststörungen während der lutealen Phase. Alle Symptome können aber während des gesamten Zyklus auftreten. Deswegen ist eine Unterscheidung zur PMDS schwierig, da die Forschung zur PME noch jung ist. Es gibt auch keine Klassifizierung der Erkrankung, aber ich halte es für sehr wichtig, die PME genauer zu betrachten. ▶ [5]
Wir spüren, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, aber wir können es nicht richtig greifen. Wir haben keine Tools, um herauszufinden, was uns eigentlich fehlt. Zum Glück gibt es für anerkannte Erkrankungen über die Jahre zusammengetragene Leitindikatoren, die eine Diagnose einfacher machen können.
Symptome, die eindeutig auf eine PMDS hinweisen:
Stimmungsänderungen, zum Beispiel Stimmungsschwankungen, plötzliche Empfindlichkeit oder Tränen
Reizbarkeit, Wut, verstärkte zwischenmenschliche Konflikte
Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeit, Schuldgefühle
Angst, Anspannung oder das Gefühl, aufgedreht oder nervös zu sein
vermindertes Interesse an gemeinsamen Aktivitäten, zum Beispiel Arbeit, Schule, Freunde, Hobbys
Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren oder zu denken; Hirnnebel
Müdigkeit oder Energiemangel
Appetitveränderungen, Heißhunger oder Essattacken
Hypersomnie (übermäßige Schläfrigkeit) oder Insomnia-Schlaflosigkeit (Probleme beim Ein- oder Durchschlafen)
Überforderung oder sich außer Kontrolle fühlen
körperliche Symptome wie Brustspannen oder -schwellung, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Blähungen oder Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen
Fünf der angegebenen Symptome plus ein emotionales Symptom als Kernsymptom in zwei bis drei aufeinanderfolgenden Zyklen diagnostiziert die PMDS offiziell.
Es gibt aber auch Betroffene, die diese Symptome nicht alle haben, sondern nur Teile davon oder nicht an allen Tagen. Diese Erkrankung ist so individuell wie die Menschen, die sie erleben. ▶ [6]
Das sind die theoretischen Vorabinformationen, die kurz und knapp sagen, was diese Erkrankung offiziell ist, aber dazu gehört viel mehr. Dazu gehört das echte Leben mit dieser Krankheit. Dazu gehören wir. Offiziell leiden 5–8 % der gebärfähigen Menschen darunter.
Ich bin eine davon und möchte euch von mir, meinem Leben mit dieser Krankheit und dem Leben vieler anderer Betroffener erzählen. Ich möchte für das Thema sensibilisieren und es sichtbarer machen, denn viele Menschen leiden an PMDS, ohne zu wissen, was mit ihnen los ist. Sie glauben, sie leiden an psychischen Erkrankungen, und ihnen fehlt professionelle Hilfe. Ich möchte auch Mut machen, das Tabu zu brechen, dass wir eben nicht »nur unsere Tage« haben und der Fokus auf solche Erkrankungen nicht ausreichend ist.
Antibabypille, Kinderwunsch, Schwangerschaft und Wochenbettdepression – mein wahres Ich verschwindet immer mehr. Werde ich es jemals wiederfinden?
Wie platt das klingt; aber es ist eine Reise. Eine One-Way-Reise, denn ohne dieser Geschichte die ganze Spannung nehmen zu wollen, kann ich schon verraten, dass es keine Heilung vor den späten Wechseljahren geben wird.
In der Literatur zu diesem Thema ist zwar die Ansicht weit verbreitet, dass man die PMDS verschwinden lassen und sehr viel tun kann, um schwache oder keine Symptome mehr zu haben. Aber die jahrelange eigene Erfahrung und die Gespräche mit Betroffenen zeigen ein völlig anderes Bild. Ich finde es sehr fahrlässig, dass Ärztinnen und Ärzte der verschiedensten Bereiche diese Hoffnungen machen und Therapien versprechen, die nur selten und kurzfristig eine Lösung bringen. Es gibt auch in Deutschland immer noch viele Stimmen, die sogar behaupten, die PMDS existiere gar nicht. Linderung und eine verbesserte Lebensqualität kann man mit viel Arbeit, Akzeptanz, Durchhaltevermögen und Flexibilität erreichen, aber keineswegs eine Heilung.
Ich kenne bis heute keinen Menschen, der mir von dauerhafter Genesung berichtet hat. Davon sind wir gefühlt Lichtjahre entfernt. Aber wir sind viele und wir wollen diesem Monster und unserem anderen Ich ein Gesicht geben.
Die Problematik beginnt bereits bei der Suche nach Hilfe. Begriffe wie »Frauengesundheit« oder »Frauenheilkunde« schließen viele Menschen aus, denn auch Trans-Männer, non-binäre oder auch Intersex-Menschen, die eine Gebärmutter haben, können schwanger werden oder an PMS oder PMDS leiden. Ich sprach mit Menschen verschiedenen Geschlechts genau darüber, der Begriff »Hormon-Brust-Uterus-Gesundheit« entwickelte sich und wird als inklusiv bezeichnet.
