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POL–ETHIK II behandelt in gleicher Weise wie I aktuelle Themen. Die Hauptkonzentration liegt bei den grossen Problemen der Landwirtschaft, unserem Milieu, gesunder Nahrung wie Trinkwasser. Es wird näher auf die verheerende Wirkung von Pestiziden und Herbiziden eingegangen wie auf die unweigerliche Folge von genmanipulierten Pflanzen. Eine Katastrophe! Es wird ebenfalls gegen Handelsabkommen wie TTIP argumentiert. Der Authorin, Ruth Lindemann Møller, ist es gelungen einen klaren Bogen zu spannen zwischen Ursache–Wirkung, Verursacher–Opfer und die Konsequenzen für unsere Gesundheit, die so eng mit der Erde verknüpft ist. Auch in diesem Buch ist der besondere Humor der Authorin vorhanden. U.a. dringende, interessante Themen sind Elektrosmog und die sensationelle Erklärung von Kupfermangel, über Bluttests zu Diabetes. Im Nachwort wird wieder eine wichtige Vision gebracht!
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Seitenzahl: 165
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Ruth Lindemann Möller
Pol-Ethik II
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Landwirtschaft und mein Zugang dazu
“Todesspirale“
Subventionierung und EU
TTIP - Export
Genmanipulation und Gifte
Verheerende Nachteile der Gen-Manipulation
Unsere Basisprodukte – die Ernährung
Kupferabbauende Gifte in Nahrung und Wasser
Warum ist Kupfer so wichtig?
Nahrungsmittel mit hohem Kupferinhalt
Diabetes
Liegt alles in Scherben?
Elektronikabfall und Sonstiges
Aspartam – freiwillige Vergiftung
Atomkraft als Stromerzeuger
Erdgas-Verseuchung – unfreiwillige Vergiftung
Elektrosmog
Unentbehrliches Bargeld
Preise
Wasser, Körper und Werbung
Sehnsucht - Reformen
Nachwort
Impressum neobooks
Lieber Leser.Wir schreiben jetzt Januar 2017. Zwei Jahre nach dem Verfassen von Pol-Ethik I. Wie treffend die Themen da waren! Von einigen hören wir noch ständig in der Presse.Für dieses Folgebuch waren vorwiegend Themen geplant, die mit unserem Milieu, Energieverbrauch, Landwirtschaft, Ernährung und Gesundheit zu tun haben. Daraufhin habe ich mich vorbereitet; durch Lesen, Vorträge, Seminare, Besuch von Bauernhöfen, Filme wie Presseberichte. Wie durch viele Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Fachbereichen wie ganz gewöhnlichen Menschen. Mit denen komme ich überall in Kontakt: in der Bahn, im Flughafen, bei Haltestellen, beim Schlange stehen, in Wartezimmern, bei Ausstellungen, Messen oder in Cafés.Eine von meinen Stärken ist meine Offenheit. Die bewirkt, daß andere schnell Vertrauen spüren und sich mir gegenüber auch öffnen und es ist manchmal unglaublich, welche Informationen mir zuteil werden. Dafür danke ich euch alle. Ich fühle mich wie eine „Aufsammel-Stelle“. Aber es gibt ja nicht nur eine Meinung zu einem Sachverhalt, sondern viele. Für alle muss ich erst mal offen sein, neutral, danach sortieren und analysieren, mit einem feinen Wort gesagt. Alles hängt ja von der Perspektive des Betrachters ab. Ich muss versuchen diese Blickwinkel von den Mitteilenden zu erkennen, ehe ich die Aussagen richtig einordnen kann. Wichtig ist immer Respekt zu haben für die Meinung anderer, was nicht bedeutet, daß man diese übernehmen oder gut finden muss. Sondern von diesem respektvollen Ausgangspunkt kann man dann am besten einen anderen Gesichtspunkt bringen mit sachlichen Argumenten, die dann auch eher respektvoll von einem Gegner angenommen werden können.Das hier bringt mich sehr nah an die Politik. Die verschiedenen Meinungen, oft konträre, stehen wie Pole einander gegenüber. Wie im letzten Buch erwähnt, mache ich hier nochmals aufmerksam auf die starke Tendenz zur Polarisierung. Schau mal mein Cover genau an. Das war schon als erstes vorhanden, vor der Verfassung der Pol-Ethik I. Jetzt zwei Jahre später ist diese Polarisierungstendenz noch viel stärker geworden. Es gibt aber nicht nur weiß und schwarz sondern so viele verschiedene Abstufungen von grau dazwischen. Bitte, pass auf damit! So lösen wir keine Probleme, keine Konflikte. Wir verstärken Tendenzen, verschärfen Konflikte und ich sehe sehr große Gefahr – Potenzial für Krieg.Auch für dieses Buch gilt: es ist alles meine persönliche Meinung falls nicht anders angedeutet. Niemand ist gezwungen meine Meinung zu übernehmen. Meine Intention liegt eher darin jeden selber zum nachdenken zu bringen, seine vielleicht nicht überprüfte Haltung nochmals zu überdenken. Woher stammt eine Meinung? Aus der Familie, aus einer bestimmten Presse, einer politischen Partei, wo man ganz einfach hinein schlüpft und deren „gefärbte Kappe“ offen mit sich herum trägt. Das ist einfach. So einfach mache ich es mir nicht! Zu meinem letzten Buch habe ich einige interessante Rückmeldungen erhalten. Daraus sehe ich, daß ich einige Leute „gekitzelt“ habe. „Das sehe ich aber so …“ oder „da bin ich ganz anderer Meinung weil…“, „Das ist meine Geschichte…“, Eine Frau schickte mir sogar eine kleine persönliche „Abhandlung“ zu einem der Themen zu.Ich habe nie die Erwartung gehabt, allen Lesern zu gefallen. Das ist nicht möglich! Zum Abschluss vom Anfang möchte ich nur ein Thema noch ansprechen.Wie in Pol-Ethik I spreche ich meine Leser auch hier in „Du“-Form an. Das kommt vielleicht einigen nicht gewünscht oder korrekt vor, wie ich es aus einem „Fan-Brief“ erfahren habe. Meine Erklärung: Ich fühle mich dem Leser sehr nahe wenn ich schreibe. Noch dazu stamme ich aus Dänemark, wo die Du-Form vorherrschend ist und die Sie-Form eher Menschen auf Abstand hält; auch habe ich Englisch studiert, wo man auch wenig unterscheidet. Beim Sprechen kann kein Unterschied von „you“ und “You“ gehört werden. Ich möchte niemanden, der Nähe nicht wünscht, zu nahe treten. Deswegen bitte ich diese geehrten Leser jedes Mal, wenn ich „du“ schreibe, „du/Sie“ zu lesen. Es würde zu sehr den Lesefluss stören, wenn ich es so schreiben würde. Bitte vergib mir. Auch dafür, wenn nötig, daß ich nicht sehr auf die Gender eingehe. „Der Mensch“ deckt sowohl das Weibliche wie das Männliche wie auch allen „Zwischen-Stellen“! Ist das nicht wahre Gleichberechtigung?
So wie ich mit „Mensch und Gleichberechtigung“ aufgehört habe, setze ich mit Mensch, Tier und Land fort.Nur 1-2 Generationen zurück hatten fast alle eine Beziehung zur Landwirtschaft. Entweder wuchs man selber, oder die Eltern, auf einem Bauernhof auf, oder man hatte zumindest in der Familie einen Bauern. Das bewirkte, daß man mit landwirtschaftlicher Arbeit vertraut war, ein gewisses Wissen von Kindesbeinen an praktisch beigebracht bekam.Meine Mutter war auf einem dänischen Bauernhof aufgewachsen. Mein Onkel hat den Hof weitergeführt und das war mein erster Zugang zur Landwirtschaft. Als ich gerade zehn Jahre alt wurde, hat mein Vater unseren ersten Hof gekauft. Später kamen noch zwei Höfe dazu. Diese Information, um deutlich zu machen, daß ich nicht nur theoretisch rede oder von klugen Fachbüchern abschreibe, sondern daß ich vieles durch Praxis erfahren habe.Wie hat sich doch vieles geändert seit meiner Kindheit in den sechziger Jahren. Damals konnte sich eine Bauernfamilie noch von einem mittelgroßen Hof (15-30 ha) ernähren. Die kleineren Höfe hatten es mal nötig, daß eine Person mindesten halbtags einen Job daneben nahm, um Geld dazu zu verdienen, um ein bisschen Luxus zu genießen. Das war die Zeit als Fernseher, Grammophone und Tonbandgeräte und später Waschmaschinen angeschafft wurden, als Kinder besser eingekleidet wurden, Autos nicht mehr nur ein Transportmittel waren sondern auch zum Statusmittel unter nicht Großverdienern wurden und die technische Entwicklung viel Neues für die Landwirtschaft brachte.Die Entwicklung ist seitdem so rasant schnell gegangen. Die große Frage: Wo befinden wir uns landwirtschaftlich gesehen gerade jetzt?Diese Frage wage ich gar nicht zu stellen! Sofort fühle ich mich unwohl, wenn ich daran denke.Es geht der Landwirtschaft nicht gut. Hier denke ich sowohl an Deutschland wie an Dänemark, von denen ich natürlich am besten Bescheid weiß. Für beide Länder gilt, daß die heutige Landwirtschaft sehr leidet, am Zusammenbrechen ist. Das mag auch für den Rest Europas gelten.Sehen wir uns die Gründe dafür mal näher an. Es findet eine unbarmherzige Entwicklung statt, womit fast jeder von uns nicht gedient sein kann. Die Rede ist von unvermeidlicher „Strukturentwicklung“, immer höherem Produktivitätsdruck und verschärfter Konkurrenz. Die Grenze ist längst erreicht, ja sogar weit überschritten mit katastrophalen Nachwirkungen zur Folge. Nicht nur für den einzelnen Bauer sondern für uns alle. Es geht hier um das Wichtigste im Leben. Unser Überleben. Wovon leben wir? Von Luft und Liebe?Das Thema Landwirtschaft ist umfassend. Es dreht sich unter anderem um Essensqualität, gutes Trinkwasser, wie gehen wir mit Tieren um, mit der Umwelt. Wie „ethisch“ verkaufen wir unsere Produkte, auch an arme Länder? Haben wir ein Interesse darin, eine Landbevölkerung über das ganze Land weiterhin verteilt zu haben? Wie kurzfristig darf man planen? Ein Potenzial aus dem Boden schnell herausholen, dafür künstlichen Dünger in großen Mengen verwenden, mit Konsequenzen für unsere Trinkwasserqualität und Sauberkeit unserer Gewässer.Ich gehe jetzt einen Schritt zurück, um es besser verständlich zu machen. Es ist im Grunde einfach.Über viele Generationen wurden die Höfe weiter vererbt. Man arbeitete als Familie zusammen. Auch die Kinder mussten hart mitarbeiten, oft war die älteste Generation noch dabei mit etwas Aushilfskraft oder zumindest Erfahrung, die weitergegeben wurde.Ein normaler Bauernhof hatte früher nur Mischproduktion. Auf dem Land wurde z.B. Getreide, Kartoffeln und Rüben angepflanzt, um sowohl Futter für die Tiere, wie Brot für die Menschen zu besorgen. Gülle und Mist von den eigenen Tieren wurde als Dünger auf die Felder verteilt. Logik: Die Größe vom Land konnte eine bestimmte Anzahl von Tieren ernähren; deren Gülle, Mist, wiederum als Dünger ausreichen musste. Die Natur regelte also nach Verhältnis Tiere zum Landareal, die natürliche Düngungsmenge. „Natürlich“ war das aus heutiger Sicht nicht ausreichend! Früher musste man nur die Lokalbevölkerung beliefern. Als die Industrialisierung einsetzte, wurde es plötzlich möglich durch Maschinen so viel mehr zu schaffen. Die Landwirtschaftsmaschinen, ob Traktor, Drescher, etc. und zusätzliche Melkmaschinen ermöglichten den Bauern eine höhere Produktionsleistung. Die Menge von Tieren wurde zunehmend erhöht mit der Konsequenz, daß die eigene Futter- und Heu-Produktion nicht mehr ausreichte. Das führte zu zweierlei. Der eigene Ertrag der Ernte wurde gesteigert, indem zusätzlicher, eingekaufter Kunstdünger ausgebracht wurde. Noch dazu kam das Spritzen in Mode, womit ertragsvermindernde Krankheiten vermieden werden konnten. Erstmals wurde das als gute Zeiten für die Landwirtschaft empfunden. Nicht nur hatte man ausreichend Produkte, um die eigene Bevölkerung gut zu beliefern (was in der Nachkriegszeit so wichtig war), es fing noch ein zusätzlicher Überschussexport an aber auch ein Import von Tierfutter. Irgendwann war die Grenze für das Wachstum eines Hofes erreicht. Mit der Industrialisierung folgt auch schnell die neue Wirtschaftslage, wo der Druck besteht, eine Produktion immer mehr zu steigern, um höhere Profite zu erzielen, die man unbedingt für neue Investitionen braucht, um sich wiederum zu vergrößern und die Produktion weiter zu steigern.Mehr Land wird dazu gekauft. Ein kleiner Hof ist nicht mehr rentabel. Die Kosten für Maschinenpark und effektive Melkanlage kann nicht aus den kleineren Betrieben erwirtschaftet werden. Auch bei größeren Bauernhöfen wird der Druck erhöht. Um den Bodenertrag zu steigern, erhöht man weiter die Düngungsmengen. Nur, wie viel Dünger kann ein bestimmter Boden aufnehmen und umsetzen? Was passiert mit dem überschüssigen Dünger? Drängt der in unser Grundwasser hinein, wird der Dünger in unsere Flüsse, Seen, Fjorde ausgespült und später ins Meer weitergeführt? Ja, aber wir reden von überschüssigem Dünger. Zwar versucht man von ministerieller Seite Grenzen zu setzen wie viel Düngungsmittel pro Areal ausgetragen werden darf. Aber es ist sehr kompliziert. Ich komme selber von einer Region in Dänemark mit sehr unterschiedlicher Bodenqualität. Die Felder meiner Eltern gehören zur besten Bodenqualität. Näher zur Nordsee wird der Boden leichter, um zuletzt sehr sandig zu werden. Schau mal die Natur an, wie sie uns durch die Flora zeigt, wie fruchtbar ein Boden ist.Mach mal selber einen Versuch mit dem Erdboden, sehr gerne zusammen mit Kindern. Geht in die Natur und nehmt zwei verschiedene Proben vom Boden. Eine in Strandnähe und eine von gutem Ackerland oder Wiese. Vermischt ein paar Löffel von der jeweiligen Sorte gut mit Wasser in einem Glas. Rührt herum und lasst es eine Weile stehen, während ihr die Unterschiede, die auftreten, beobachtet.Ein zweiter Versuch: Nimm zwei gleiche Siebe. Das eine Sieb füllst du halb auf mit Sand, das andere mit Lehmboden. Danach gießt du vorsichtig dieselbe Wassermenge zu den beiden dazu. Betrachte jetzt den Unterschied der Durchlässigkeit im Verhältnis zum Zeitverbrauch. Diese Versuche werden zeigen wie unterschiedlich verschiedene Bodensorten sowohl Wasser wie auch darin aufgelöste Düngungsmittel durchsickern lassen. Wie bei unseren früheren Pole-Erkenntnissen: Es gibt nicht nur schwarz-weiß. Auch bei Erdböden haben wir mit so vielen „Grautönen“, Mischarten zu tun, daß es deutlich sein muss, daß man nicht einfach feste Grenzen für Düngerausbringung auf allen Böden gleich festsetzen kann.Machen wir noch einen Versuch, um zu lernen: Diesmal kaufen wir drei identische Topfpflanzen, alle mit Unterschale. Ich nehme drei gleiche Geranien (Pelargonien) in der gleichen Erde. Nummer eins werde ich nur mit einer bestimmten Menge Wasser gießen. Nummer zwei bekommt dazu eine passende, auf dem Düngungsmittel empfohlene Dosis verabreicht. Nummer drei geben wir daneben eine viel zu hohe Dosis Dünger. Wartet ab und staunt über die Resultate.Dann muss dir nachher auch klar sein, daß kein normaler, vernünftiger Bauer Interesse daran hat, eine hohe Überdosis auf seine Felder herauszubringen. Der Kunstdünger kostet Geld. Der Bauer ist aber heute so unter Druck, um seine Produktion/Ertrag zu steigern, daß er auf keinen Fall unterdosieren möchte. Das bedeutet Gewinne streichen. Er steht unter Druck, um zu überleben.So viel für jetzt was den Dünger angeht, schauen wir uns die andere Hälfte an. Jetzt wo wir Futter und Streuproduktion gesteigert haben, erhöhen wir auch die Anzahl der Tiere. Dafür ist es aber notwendig zusätzliche Ställe zu bauen. Das kostet viel Geld und muss zwangsweise als Kredite von Banken aufgenommen werden. In den guten Zeiten war es ganz leicht diese Kredite zu bekommen, die Banken forderten die Bauern selber dazu auf. Der Ertrag der Felder war gut, die Milchpreise in Ordnung, Fleischverbrauch gesteigert. Export lief gut. Immer war die Aussicht da, noch mehr zu produzieren. Nur änderten sich dann einige Voraussetzungen, um dieses Wachstum noch zu steigern.Die Grenze, wann ein Boden nicht mehr bringen kann, ist irgendwann erreicht. Steigerung ist da nicht mehr möglich. Was tut man dann, wenn die Milchpreise fallen und immer weiter und weiter fallen? Plötzlich schafft es der Bauer nicht mehr seine Betriebskosten und teure Bankkredite zu bezahlen. Er hat sein Privatvermögen schon aufgebraucht, schuldet der Bank viel Geld und braucht in einer Übergangszeit zusätzliche Kredite, bis er sich auf andere Machtstrukturen, Abnahmeverhältnisse, oder ökologische Produktion umgestellt hat. Nur diese Zeit wird ihm nicht gegeben und so wahnsinnig viele haben aus dem Grund selber Konkurs beantragt oder es wurde ihnen Konkurs erklärt. Daß davor die Banken die Bauern zum Erweitern aufgefordert haben, immer mehr zu produzieren, war wohl nicht so vernünftig. Alles hat eine Grenze! Nimm einen Ballon, am besten einen roten, und blas ihn langsam auf. „Wie toll“ sagt das Kind mit großen Augen. Und er wird noch größer. Das Kind jubelt: „Noch mehr“! In Ordnung, wir werden stark aufgefordert noch mehr zu blasen und es geht – bis er plötzlich mit einem lauten Knall zerplatzt. Alle Begeisterung, Hoffnung für mehr zerbricht. Es sind nur die traurigen Reste übrig. Sie sind nicht mehr zu kitten. Hätte man früher innegehalten, wäre es nicht so weit gekommen. Warum tat man das nicht?Jeder Bauer hat für sich gearbeitet. Als die Milchpreise herunter gesenkt wurden, versuchte man es zu kompensieren, indem man die Milchproduktion erhöhte. Nur, wenn man bedenkt, daß die fallenden Milchpreise durch eine Überproduktion zustande kamen, sieht man vielleicht die Katastrophe, wenn viele versuchen sich so zu retten. Milchpreis halbiert, also müssen wir doppelt so viel Milch produzieren, um dasselbe Einkommen zu sichern. Das bewirkte noch weitere Milchpreissenkungen. Hier ist deutlich eine Grenze gezeigt, wo es nicht mehr weitergeht.Ja, jetzt fällt dir vielleicht ein, daß wir dann bloß mehr exportieren müssen. Wohin? An arme Länder, die unsere Milchprodukte kaufen sollen und noch dazu ihren eigenen kleinen, sehr verwundbaren Produktionen nicht mehr aufrechterhalten können. Sie sind ja nicht effektiv, nicht konkurrenzfähig. Sie haben wenig Tiere, wenig Bodenertrag, kein Kunstdünger oder nur wenig, da sehr teuer, sie können nicht mithalten. Machen wir die Armen anderswo ärmer durch unser Wahnsinnsdenken: Export, Export! Wo ist unser Ethik-Denken? Leben wir gut auf Kosten anderer? Treiben wir andere hier in dieselbe Situation wie unsere Bauern in Europa? Ist es vielleicht möglich, daß wir ganz schnell umsatteln? Rette, was noch zu retten ist. Sowohl für uns selber, wie für den Rest der Welt.
Ich habe jetzt das Bedürfnis für ein neues Kapitel. Du auch? Mein sonstiger Humor ließ mich im Stich. Hier gibt es nichts zu lachen, obwohl einiges lächerlich ist!Im vorhergehenden Kapitel habe ich generell geschrieben, übergeordnet. Bewusst habe ich gemieden über einzelne Fälle zu sprechen. Warum? Weil ich sonst sitze und weine, wenn ich all deren Kampf und Qual erneut miterlebe. Du würdest es wahrscheinlich auch nicht aushalten und lieber schnell verdrängen. „Es ist ja immer gut gegangen“. Ja, das ist leicht zu denken. Wann erleben wir, daß es keine Milch im Supermarkt zu kaufen gibt, oder Fleisch aus der Theke. Heute wird das Beliefert werden von der jüngsten Generation als selbstverständlich empfunden. Diese Waren stammen aus den Verkaufsgeschäften, die Verbindung zur Landwirtschaft ist vielen jungen Menschen nicht mehr deutlich (die lila Milchkuh). Die Kriegsgeneration weiß noch genau, um was es geht. Wenn ihr noch Großeltern habt, stellt denen Fragen. Wenn ihr noch eure Eltern habt, redet mit denen über die Kriegs- und Nachkriegszeit. Was war die größte Sorge der Menschen? Sich ausreichend Nahrung zu besorgen! Wie ist es heute an vielen Orten in Afrika?Wie gut war es, einen Bauernhof zu besitzen oder wenigstens in der Familie Bauern zu haben. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung war reich und konnte mit Geld oder Wertsachen alles kaufen. Wie schnell man vergisst, wie hart die Zeiten waren (besonders Deutschland, Holland). Diese Zeiten wünscht sich wohl niemand zurück. Also vergessen wir alles!Nein, wir müssen es uns vor Augen führen. Im schlimmsten Fall, in einer neuen Kriegssituation, wie sieht es dann aus? Ich werde ein paar Zahlen aus Dänemark aus der Statistik des landwirtschaftlichen Wissenscenters „Seges“ angeben, um es zu verdeutlichen.
Zahlen reden ihre eigene Sprache:Dänemark: 1973 gab es 80.000 „Vollzeit“ Bauernbetriebe, in 1993 nur 30.000, in 2002 20.000. Ende 2016, schätzt ein Rapport des Instituts „Landbrugets Ökonomie 2015“, daß nur 10.000 Betriebe übrig bleiben werden.Wird diese Entwicklung weitergeführt, wo landen wir dann in etwa zehn Jahren? Kannst du das errechnen? Hilfestellung bekommst du dafür in den oben stehenden Zahlen…Ein dänischer Landwirtschaftsökonom nennt es eine „Todesspirale“. Wir sollten auch bedenken, daß wenn die Bauern mit deren gesamten Familien vom Land wegziehen, dann geht die Kraft des Zusammenhaltens in den Landdistrikten und kleinen Dörfern verloren. Auch hier in Deutschland gilt dasselbe.Neue, jüngere, fertig ausgebildete Bauern haben nicht das nötige Kapital, um einen eigenen Hof zu kaufen und bekommen auch nicht die nötige Hilfe. Die Höfe werden heute größer und deswegen auch teurer. Nur noch ältere Großbauern, die noch an Expansion glauben, als Teil der Überlebensstrategie, wagen noch zu kaufen oder es wird zunehmend von Investoren, auch ausländischen, wie zum Beispiel von Fonds aufgekauft.Das bedeutet auch, daß der Boden und die Tierhaltung nicht mehr von Bauern, Eigentumsbauern, sondern von Angestellten beackert und gemolken werden. Dahinter stehen Investoren, sehr oft „Geld-Männer“, die selber keine Ahnung von Landwirtschaft haben, die keine Ehre darin sehen Familienbetriebe weiter zu führen oder Beschützer des Bodens zu sein – denen es nur um knallharte Wirtschaft geht, um zu produzieren nur um des Geldes Willen. Nach den jetzigen Prinzipien „mehr führt zu mehr“ und das unendlich weiter so!
Immer wieder müssen wir zurückgehen, um herauszufinden, wo es schief ging. Ich denke, daß alle wie ich, den riesen Vorteil in der Nutzung von Maschinen-Kraft in der Landwirtschaft sehen können. Es ist nicht mehr eine so körperlich anstrengende Leistung Bauer zu sein wie früher.Gehen wir zurück zu meiner Kindheit in den 1960ern. Anfang 1964 kaufte mein Vater seinen ersten Hof. Ein kleiner Hof mit nur einem kleinen, alten Stall, mit einer Seite für Schweinezucht und die andere für Vieh. Pferde hatten wir auch, wie Hühner. Das haben wir in der Familie wie einen Hobbybetrieb angesehen. Wir lebten vom Hotelbetrieb. Schnell wurde es auch meinem Vater klar, daß ein Hof von dieser Größe nicht mehr rentabel war, und er kaufte noch einen doppelt so großen Hof mit neuen Ställen dazu. So wurde es jetzt möglich/nötig in große, neue Maschinen zu investieren. Später in noch größere Maschinen, die sehr teuer waren und dazu führten, daß mein Vater auch bei anderen seinen großen Mähdrescher einsetzen musste, um den abzubezahlen.
