10. Jh. v. Chr. Vorfahren der Slawen siedeln auf dem Gebiet des heutigen Polen.
966 Der Piasten-Herzog Mieszko I. begründet den polnischen Staat mit der Hauptstadt in Poznań (Posen) und tritt zum lateinischen Christentum über. Zwei Jahre später wird Posen Bischofssitz.
1000 Die Christianisierung Polens schreitet voran, Kraków (Krakau) und Wrocław (Breslau) werden zu Bistümern erklärt.
1025 Bolesław I. Chrobry (Der Tapfere) schließt Mähren, Pommern und Lausitz dem neuen Staat an und wird zum ersten König Polens gekrönt. Der deutsche Kaiser Otto III. erkennt die Krönung an.
1038 Dank seiner Lage an der Kreuzung wichtiger Handelswege gewinnt Krakau politisch und wirtschaftlich an Bedeutung. Der König verlegt seinen Hauptsitz an die Weichsel.
11.–13. Jh. Nach Erbstreitigkeiten zerfällt Polen in mehrere Fürstentümer.
1226 Konrad, der Herzog von Masowien, ruft den Deutschen Orden ins Land, um das Grenzgebiet zu den heidnischen Preußen (Pruzzen) zu sichern. Die Rittermönche besiegen die Preußen und bauen einen eigenen Staat auf, der schon bald Krieg gegen Polen führt.
1241 Mongolen verwüsten Südpolen, brennen Kraków (Krakau) nieder. Bei Legnica (Liegnitz) besiegen sie das polnisch-deutsche Heer unter dem schlesischen Herzog Heinrich (Henryk).
1333 Kazimierz Wielki (Der Große) besteigt den polnischen Thron und vereinigt wieder die meisten Fürstentümer.
1335 Böhmen erobert Wrocław (Breslau) und auch Schlesien.
1364 Kazimierz gründet die Universität in Kraków (Krakau). Sie zieht schnell viele berühmte Gelehrte aus ganz Europa an.
1386 Polens Königin Jadwiga (Hedwig) aus dem Haus Anjou heiratet den litauischen Großfürsten Jagiełło. Als Władysław II. gründet er das polnisch-litauische Doppelreich.
Ende 14. Jh.
© János Kalmár, Wien
Die »Schwarze Madonna von Tschenstochau« gilt als die heiligste Reliquie Polens
Die »Schwarze Madonna von Tschenstochau« zieht seit Ende des 14. Jahrhunderts Pilger aus dem Königreich Polen, aus Preußen, Schlesien und Ungarn nach Tschenstochau/Częstochowa.
1410 Schlacht bei Tannenberg (Grunwald). Der Deutsche Orden wird zum ersten Mal von dem polnisch-litauischen Heer besiegt.
1466 Der Thorner Frieden (Pokój Toruński) beendet den 13-jährigen Krieg. Der deutsche Orden tritt den größten Teil seines Territoriums (Ostpreußen) an Polen ab.
1493
© VISTA POINT Verlag (Archiv), Rheinbreitbach
Holzschnitt von Breslau/Wroclaw aus der Scheldelschen Weltchronik (1493)
Polen ist Adelsrepublik. In Piotrków findet die erste Sitzung des Reichstags (Sejm) statt, dem Adelsvertreter angehören. Der König behält die Exekutivgewalt.
1506 Unter der Herrschaft von Zygmunt I. Stary (Der Alte) erlebt das polnisch-litauische Doppelreich sein Goldenes Zeitalter. Es erstreckt sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Die Stadt Danzig, die das Monopol auf den Handel mit Polen genießt, erblüht.
1526 Wrocław (Breslau) wird österreichisch.
1543
© Lukasz Janyst/shutterstock
Kopernikus-Statue in Thorn
Mikołaj Kopernik (Nikolaus Kopernikus) veröffentlicht sein Werk, in dem er beweist, dass die Erde um die Sonne kreist. Später verbietet die kirchliche Inquisition das Buch wegen Ketzerei.
1569 In Lublin wird die staatliche Einheit von Polen und Litauen besiegelt.
1572 Die Jagiellonen-Dynastie stirbt aus, in Polen wird die Wahlmonarchie eingeführt. Ein Jahr später wird der erste König durch den Adel (szlachta) gewählt. Die Vollmachten des Wahlkönigs werden zunehmend eingeschränkt.
1596 König Zygmunt III. aus dem schwedischen Geschlecht Wasa verlegt die Hauptstadt Polens nach Warschau.
1610–12 Besetzung Moskaus durch polnische Truppen.
1648 Ein Kosakenaufstand in der Ukraine erschüttert das Reich und leitet den militärischen und politischen Niedergang des Landes ein.
1652 Erstes Liberum Veto. Das Veto-Recht ermöglicht den Adligen, die Entscheidungen des Reichstags zu blockieren.
1655 Schweden fallen im Dreißigjährigen Krieg in Polen ein und verwüsten das Land.
1667 Nach einem Krieg mit Russland muss Polen die Ostukraine mit Kiew an Moskau abtreten.
1683
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Porträt des Königs Jan III. Sobieski (1629–1696)
Letztes Aufbäumen: König Jan III. Sobieski schlägt die Türken bei Wien und rettet das christliche Abendland.
1697 Der Wettiner-Herrscher, August II. von Sachsen, übernimmt den polnischen Thron.
1772 Erste Teilung Polens durch Russland, Preußen und Österreich. Polen verliert mehr als ein Drittel seines Territoriums.
1791 Die Verabschiedung einer modernen Verfassung kann den Niedergang des polnischen Staates nicht mehr aufhalten.
1793 Zweite Teilung Polens.
1795 Nach der Niederschlagung des Aufstands unter Tadeusz Kościuszko wird Polen zum dritten Mal aufgeteilt und verschwindet als unabhängiger Staat von der Landkarte Europas.
1810 Geburt des Komponisten Fryderyk Chopin. Seine Polonaisen und Masurkas machen die polnische Musik in Europa bekannt.
19. Jh. Polen kämpfen an der Seite Napoleons, der zeitweilig das Herzogtum Warschau ausruft, gegen die Teilungsmächte. Nach der Niederlage gibt es mehrere erfolglose Aufstände: 1830 und 1863 gegen Russland, 1846 und 1848 gegen Preußen. Moskau und Berlin reagieren mit Repressionen.
1905 Der polnische Schriftsteller Henryk Sienkiewicz bekommt für seinen Roman »Quo Vadis« den Nobelpreis für Literatur. Der Roman handelt von der Christenverfolgung im antiken Rom.
1918 Nach 123 Jahren erlangt Polen die Unabhängigkeit wieder. Józef Piłsudski stellt sich an die Spitze des neuen Staates, der 1920 Krieg gegen die Sowjetunion führt. Der Sieg bei Warschau über die anrückende Rote Armee setzt dem Vormarsch des Kommunismus nach Westen ein vorläufiges Ende.
1939
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Das Wappen Polens 1927–39
Am 1. September fallen deutsche Truppen in Polen ein. Am 17. September besetzt die Rote Armee den Osten des Landes. Hitler und Stalin haben sich zuvor auf die Aufteilung ihrer Einflusssphären in einem Pakt geeinigt.
1943
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Denkmal für den jüdischen Aufstand im Warschauer Ghetto im Jahr 1943
Der Widerstand der Untergrundkämpfer nimmt zu. Die Warschauer Juden beginnen den Ghetto-Aufstand, der blutig unterdrückt wird.
1944 Der Aufstand der polnischen Untergrund-Armee in Warschau wird nach zwei Monaten von den Deutschen niedergeschlagen, die Stadt danach vollständig evakuiert und planmäßig zerstört. Die Sowjetarmee schaut dem Treiben der Deutschen vom anderen Weichsel-Ufer tatenlos zu.
1945 Sechs Millionen Tote hat Polen als Folge des Krieges zu beklagen. In Potsdam wird die Westverschiebung des Landes von den Siegermächten beschlossen. Polen muss den ganzen Osten an die Sowjetunion abtreten, bekommt dafür die ehemaligen deutschen Ostgebiete östlich von Oder und Neiße. Per Saldo verliert Polen etwa 20 Prozent des Territoriums. Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Oder-Neiße-Gebieten beginnt. Den Platz der Deutschen in Wrocław (Breslau), Gdańsk (Danzig), Poznań (Posen) und Szczecin (Stettin) nehmen die polnischen Zwangsaussiedler aus den von den Sowjets besetzten Städten Lwów, Grodno und Wilno ein.
1948 Mit tatkräftiger Hilfe aus Moskau wird in Polen ein stalinistisches Regime etabliert. Antikommunisten und Oppositionelle werden ermordet oder ins Gefängnis gesteckt.
1956 Erste Unruhen in Posen gegen die kommunistische Herrschaft.
1968 Kommunisten schüren eine antisemitische Kampagne, die zur Emigration vieler jüdischer Intellektueller führt.
1970 Arbeiterunruhen an der Ostsee. Willy Brandt besucht Warschau und kniet vor dem Ghetto-Denkmal nieder. Beginn der Aussöhnung mit Deutschland.
1976 Arbeiterunruhen in Warschau und Radom, Gründung des regimekritischen Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR).
1978 Der polnische Kardinal Karol Wojtyła wird Papst Johannes Paul II. (Jan Paweł II.). Er ermutigt seine Landsleute zum Widerstand gegen den Kommunismus.
1980
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Das Wappen der »Solidarność«
Nach wochenlangen Streiks stimmt das kommunistische Regime schließlich der Gründung der ersten unabhängigen Gewerkschaft im Ostblock zu, den Vorsitz übernimmt Lech Wałęsa. »Solidarność« drängt auf die Einführung des Mehrparteiensystems und freie Wahlen.
1981 Polens KP-Chef, General Wojciech Jaruzelski, verhängt das Kriegsrecht und verbietet die »Solidarność«. Tausende Mitglieder werden interniert. Wirtschaftlich steht das Land vor dem Zusammenbruch.
1989 Die »Solidarność« wird wieder zugelassen und gewinnt die ersten teilweise freien Parlamentswahlen. Die erste nicht kommunistische Regierung nach dem Krieg wird eingeschworen, die vom »Solidarność«-Vordenker Tadeusz Mazowiecki geführt wird. Polen leitet marktwirtschaftliche Reformen ein.
1990 Das vereinte Deutschland erkennt die Oder-Neiße-Grenze als Westgrenze Polens an. Ein Jahr später wird ein Nachbarschaftsvertrag unterzeichnet.
1999 Polen tritt zusammen mit Ungarn und Tschechien der Nato bei.
2000 Krakau wird europäische Kulturhauptstadt.
2003 Polen unterstützt die USA bei ihrem Irak-Feldzug mit rund 2000 Soldaten.
2004 Mit neun anderen mittelost- und südeuropäischen Staaten tritt Polen der Europäischen Union bei. Das Ereignis wird als das Ende der europäischen Teilung gefeiert. Als Währung bleibt aber weiterhin der Złoty erhalten. Die Vor- und Nachteile der Gemeinschaftswährung werden intensiv diskutiert.
2008 Polen ist dem Schengenabkommen beigetreten, die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Polen werden abgeschafft. Polen zieht seine Kampftruppen aus dem Irak ab.
2009 Polens Wirtschaft ist die einzige in Europa, die in der Krise wächst – um 1,5 Prozent.
2010 Im April stürzt beim russischen Smolensk das Flugzeug des polnischen Präsidenten ab. An Bord: Lech Kaczyński mit Ehefrau sowie 94 Politiker, Armeegeneräle und führende Staatsfunktionäre. Sie waren auf dem Weg nach Katyn, um der dort 1940 ermordeten polnischen Offiziere zu gedenken. Seit dem Absturz beschuldigt Lechs Zwillingsbruder und Vorsitzender der PiS-Partei Jaroslaw Kaczynski Moskau, den Flieger in die Luft gesprengt zu haben. Der Todestag des Präsidenten wird mit einem Ritual zelebriert: Am 10. jeden Monats legen PiS-Granden einen Kranz vor dem Denkmal der angeblichen Anschlagsopfer in Warschau ab.
2011 Polen ist der größte Empfänger der EU-Finanzhilfen. Die Mitte-Rechts-Regierung der Platforma Obywatelska (Bürgerplattform) von Donald Tusk setzt sich für die Vertiefung der EU-Integration ein. Außenminister Radoslaw Sikorski ruft Deutschland auf, mehr Führung bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise in einigen EU-Ländern zu übernehmen: »Deutsche Macht fürchte ich heute weniger als deutsche Untätigkeit.«
2012 Polen richtet gemeinsam mit der Ukraine die Fußballeuropameisterschaft aus. Tausende Kilometer Straßen und Eisenbahnlinien werden modernisiert und ausgebaut. Die Nationalmannschaft scheitert in der Gruppenphase.
2015 Mit der Unterstützung der nationalkonservativen PiS wird der konservative Politiker Andrzej Duda im Juni zum Präsidenten gewählt. Die PiS gewinnt auch die Parlamentswahl im Oktober, sie erreicht die absolute Mehrheit. Polen weigert sich, die muslimischen Flüchtlinge aufzunehmen, und lehnt Angela Merkels Immigrationspolitik ab.
2016 Die PiS-Regierung schränkt die Unabhängigkeit des Verfassungstribunals ein und führt die direkte Kontrolle der staatlichen Medien ein. Die EU zeigt sich besorgt über die »Einschränkung der Demokratie«, verzichtet aber auf Sanktionen.
2017 Die Visegrád-Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei lehnen eine Vertiefung der EU-Integration ab und verweigern die Aufnahme von Flüchtlingen.
2019 Polen erlebt ein Goldenes Zeitalter, die Wirtschaft boomt, das Land holt den Entwicklungsrückstand zur EU auf. Die PiS profitiert und festigt ihre Macht.
2021 Das Regime in Moskau und seine Handlanger in Minsk beginnen einen »hybriden Krieg« gegen die EU: Sie befördern Tausende Migranten aus Asien und Afrika an die Grenze von Belarus und Polen und zwingen sie, diese illegal zu überqueren. Polen verhängt einen Notstand und errichtet einen Zaun, um die illegalen Übertritte zu stoppen.
2022 Die russischen Truppen überfallen die Ukraine. Millionen Menschen fliehen vor dem Krieg nach Westen. Polen nimmt zeitweise etwa drei Millionen Ukrainer – meist Frauen und Kinder – auf, eine unglaubliche Hilfsbereitschaft erfasst das Land. Inzwischen sind viele Kriegsflüchtlinge weiter nach Deutschland und Westeuropa gezogen, etwa eine Million Ukrainer bleiben weiterhin in Polen.
2022 Polen übernimmt die Schlüsselrolle in der militärischen und humanitären Versorgung der Ukraine. Über den Flughafen in Rzeszów, der nur etwa 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt ist, wird das Kriegsgerät eingeflogen und von hier mit der Eisenbahn und auf Lastwagen in die Ukraine transportiert. Polen setzt sich in der EU für schärfere Russland-Sanktionen ein.
2023 Nach acht Jahren EU-feindlicher PiS-Regierung gewinnt eine Koalition von drei pro-europäischen Parteien die Parlamentswahl. Donald Tusk, der das Land schon von 2007 bis 2014 regiert hat, wird Ministerpräsident. Viele Reformen werden von dem PiS-treuen Präsidenten Andrzej Duda blockiert.
2025 Der PiS-Kandidat Karol Nawrocki wird Präsident und kündigt Opposition zur Regierung Tusk an. Polen übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft und schwört die EU auf eine Sicherheitsagenda ein, um der Bedrohung aus Russland etwas entgegensetzen zu können. Warschau steigert seine Verteidigungsausgaben auf 4,5 Prozent des BIP und fordert von der EU Wirtschaftsreformen, um die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.