Polyamorie für Dummies - Jaime M. Grant - E-Book

Polyamorie für Dummies E-Book

Jaime M. Grant

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Beschreibung

Liebe ohne Grenzen: vielseitig, offen, glücklich

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht Ihre Beziehung zu öffnen? Möchten Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin darüber sprechen und wissen nicht wie? Oder vielleicht haben Sie dieses Buch auch nur aus reiner Neugierde in die Hand genommen? In allen diesen Fällen und einigen mehr kann Jaime M. Grant Ihnen weiterhelfen: Dieses Buch liefert hilfreiche Informationen über polyamore Beziehungsmodelle, bietet umfangreiche Tipps, wie Sie die für sich passende Beziehungsform finden und hilft Ihnen dabei, Ihren Weg in die Polyamorie sicher, verantwortungsbewusst und gesund zu finden.

Sie erfahren

  • Wie Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin über das öffnen Ihrer Beziehung sprechen
  • Welche Arten von polyamoren Beziehungen möglich sind – und welche die richtige für Sie sein könnte
  • Wie Sie Ihre Gefühlswelt ausloten und mit Partner-personen kommunizieren

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Seitenzahl: 530

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Polyamorie für Dummies

Schummelseite

PRINZIPIEN, PRAKTIKEN UND PROBLEME DER POLYAMORIE

Obwohl nicht monogam zu leben eine alte Praxis ist, weist die moderne Polyamorie einige wichtige Neuerungen auf – gegenseitiger Respekt, volles Einverständnis und Transparenz beziehungsweise vollständige Offenlegung sind ihre Kennzeichen. Wenn Sie sich mit Polyamorie und all ihren Potenzialen und Möglichkeiten auseinandersetzen, sollten Sie die folgenden Prinzipien, Praktiken und Aspekte berücksichtigen:

Monogamie führt zu einem Mangel an Liebe und Partnerschaft, der eifersüchtigen Wettbewerb schürt. Polyamorie lehnt dies ab und stellt ein Modell der Fülle in den Mittelpunkt, das Offenheit und Verbundenheit mit den eigenen Geliebten sowie den Schwärmern und Geliebten der eigenen Geliebten fördert.Starke Beziehungsfähigkeiten und Selbstbewusstsein, insbesondere im Hinblick auf direkte Kommunikation und das Setzen von Grenzen, sind von entscheidender Bedeutung, wenn man polyamor leben möchte.Wenn Sie verstehen, welche Belastungen Sie in Bezug auf Bindung, Verlassenheit, Gewalt und Verletzungen in Ihrer Kindheit und Beziehungsgeschichte erlebt haben, können Sie Ihre Fähigkeit einschätzen, Beziehungen aufzubauen und eifersüchtiges und kontrollierendes Verhalten zu minimieren.Das gemeinsame Erstellen polyamorer Vereinbarungen zur Entwicklung der einzigartigen Form Ihrer polyamoren Familie kann ein belebender und Intimität fördernder Prozess sein.Der Kalender ist im polyamoren Leben oft ein unverzichtbares Hilfsmittel, denn die Liebe ist zwar unendlich, die Zeit jedoch begrenzt.Die Einhaltung von Vereinbarungen in der Poly-Familie schafft im Allgemeinen mehr Freiraum und verringert den Bedarf an Regeln und Vorschriften im Poly-Leben. Das Brechen von Vereinbarungen hat den gegenteiligen Effekt.Vertrauensbrüche zu überwinden ist schwer, aber nicht unmöglich. Sich aufrichtig zu entschuldigen, Ehrlichkeit zu beweisen, konsequent zu sein und der Partnerperson Zeit zum Heilen zu geben, schafft die Grundlage für eine Heilung. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass es keine Garantien gibt.Eifersucht ist eine Tatsache des polyamoren Lebens. Man kann daran arbeiten, die zum Beispiel durch Mangel verursachte Angst und Eifersucht loszuwerden, aber fast jeder Mensch erlebt das, und das ist völlig in Ordnung. Entscheidend ist, wie man mit seiner Eifersucht umgeht.Die emotionale Komplexität, in mehrere Menschen gleichzeitig verliebt zu sein, kann eine große Herausforderung sein. Ein Poly-Freundeskreis und eine Community können Ihnen helfen, kreative Wege zu finden, damit umzugehen.Die Vorstellung, Eltern zu sein und gleichzeitig polyamor zu leben, kann überwältigend sein. Die gute Nachricht ist, dass viele Menschen glücklich Eltern sind und gleichzeitig polyamor.Die Vorstellung, ohne eine Partnerperson zu altern, die sich um einen kümmert, schreckt viele Menschen von Polyamorie ab. Poly-Familien finden jedoch oft Erleichterung durch die Unterstützung mehrerer Personen (Partnerpersonen, Metamours, Community) bei der Bewältigung von Alter, Krankheit, Behinderung und anderen Herausforderungen.

Es gibt mehr als nur eine Art, zu leben, zu lieben und eine Familie zu gründen. Polyamorie bietet einen Weg und eine Reihe von Praktiken, mit denen Sie das umfassende soziale, sexuelle und familiäre Leben Ihrer Träume gestalten können.

POLYAMORIE ENTDECKEN

Beginnen Sie mit einer kleinen Selbstreflexion darüber, was Ihr Interesse an Polyamorie geweckt hat. Stellen Sie sich diese Fragen:

Was passiert gerade in Ihrem sozialen, emotionalen und sexuellen Leben?Was funktioniert? Was funktioniert nicht?Was sind Ihre fünf wichtigsten Ansprüche an eine oder einen Geliebten oder eine Partnerperson?Scheinen einige davon widersprüchlich zu sein? Oder ist es für einen Geliebten schwierig, sie alle zu erfüllen?Gab es Phasen, in denen Sie in mehr als eine Person gleichzeitig verliebt waren?Was wäre, wenn es zwischen Ihnen und Ihrer Partnerperson/Ihren Partnerpersonen keinen Konflikt gäbe, wenn alle mehrere Menschen gleichzeitig lieben? Würde Ihr Leben anders aussehen?

Suchen Sie als Nächstes Unterstützung. Denken Sie an die Menschen in Ihrer Familie und Ihrem Freundeskreis. Stellen Sie sich folgende Fragen:

Gibt es dort jemanden, der Erfahrungen mit Polyamorie hat?Gibt es jemanden, der generell experimentierfreudig ist?Wer von diesen Vertrauten hat Sie in der Vergangenheit am besten unterstützt?

Manchmal bedeutet die Auseinandersetzung mit Polyamorie, dass Sie neue Freunde und Unterstützungsquellen finden müssen. Wenn das auf Sie zutrifft, sollten Sie sich einem Treffen oder einer Online-Diskussionsgruppe anschließen, in der Neugier, aufmerksame Betreuung und Informationsaustausch über Polyamorie geschätzt werden.

Wie sieht Ihre ideale polyamore Konstellation aus? Möchten Sie in einer Dreierbeziehung leben?Möchten Sie einen Nestpartner oder Nestpartnerin – eine Partnerperson, mit der Sie zusammenleben – und außerdem viele weniger feste und vielleicht wechselnde sexuelle Beziehungen haben? Oder wünschen Sie sich tiefere Beziehungen zu einer oder mehreren anderen Personen?Würden Sie es vorziehen, zusammen mit Ihrer Partnerperson ein Paar zu finden, mit dem Sie eine feste Beziehung aufbauen können – einen festen Vierer oder eine Vierergruppe?Möchten Sie, dass alle Ihre Geliebten oder Partnerpersonen miteinander Sex haben, oder möchten Sie Ihren Sex und Ihre Intimität privat halten – das heißt, dass alle davon wissen, Ihre anderen Partnerpersonen jedoch nicht daran beteiligt sind oder Sie beobachten?

SAGEN SIE MINDESTENS EINER PERSON, WENN SIE POLYAMORIE IN BETRACHT ZIEHEN

Erzählen Sie einer Person (vielleicht zweien!) in Ihrem Leben, dass Sie über Polyamorie nachdenken, damit Sie ein neugieriges, offenes Gespräch über Polyamorie beginnen können.

Hier einige Tipps, wer gute Ansprechpersonen im privaten Umfeld sein könnten, die Sie ins Vertrauen ziehen könnten:

Sie lieben Sie und freuen sich über Ihre Neugier und Ihre Entdeckungen. Diese Menschen hören gerne zu, was Sie denken, und versuchen nicht, Sie zu korrigieren oder Ihnen Antworten zu geben. Sie lachen und stellen sich mit Ihnen neue Welten vor. Sie nehmen die richtigen Dinge ernst und sind voller Hoffnung. Wenden Sie sich an sie, um belebendes und kreatives Feedback zu Ihrer Poly-Erklärung zu erhalten.Sie werden wahrscheinlich nichts weitertragen. Sie respektieren Ihre Privatsphäre. Sie kennen Ihren Freundeskreis oder Ihr erweitertes Netzwerk an Vertrauenspersonen und Bekannten. Manche von ihnen nehmen Ihre vertraulichen Gespräche mit ins Grab.Sie stehen nicht in unmittelbarem Kontakt mit einer problematischen Person. Sie möchten das Chaos minimieren. Ihre polyamoren Überlegungen einem Geschwister mitzuteilen, das Ihrer Mutter einfach alles erzählt, ist ein sicheres Rezept für eine Katastrophe (weitere Informationen zu Grenzen und Verstrickungen finden Sie in Kapitel 6). Es jemandem zu erzählen, der möglicherweise eine Ex-Partnerperson informiert, die sich immer über Ihre verschiedenen Flirts aufgeregt hat, wird wahrscheinlich nur noch mehr Drama verursachen.Sie haben Erfahrung mit ethischer Nicht-Monogamie. Vielleicht ist Ihnen gar nicht bewusst, dass es in Ihrem erweiterten Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis erfahrene polyamor lebende Menschen gibt. Wenn Sie Ihre Poly-Träume offenlegen, eröffnen sich Gespräche und es werden Beziehungen sichtbar, die zuvor vielleicht verborgen oder privat waren.

Wem solche Personen im privaten Umfeld fehlen, kann sich auch an ehrenamtliche oder professionelle Stellen wenden, siehe Anhang B.

EINEN LITERATURZIRKEL, EINE DISKUSSIONSGRUPPE ODER EINE GESPRÄCHSRUNDE BESUCHEN ODER GRÜNDEN

Suchen Sie online nach einer Online- oder Offline-Gruppe zum Thema Polyamorie. Sollte es an Ihrem Wohnort keine Treffen (Polyamorie-Stammtische) geben, können Sie selbst eines aus Freunden, Bekannten oder fremden Menschen gründen, von denen Sie wissen, dass sie sich auch für Polyamorie interessieren oder neugierig darauf sind. Persönliche Treffen sind toll, aber auch eine Videokonferenz funktioniert.

Hinweis: Lesegruppen und Literaturzirkel sind tolle Orte, um neue Leute zu finden und neue Informationen zu erhalten. Sie sind das Nerd-Äquivalent zu Bars.

SPRECHEN SIE MIT FLIRTS ODER GELIEBTEN ÜBER POLYAMORIE

Seien Sie bei Ihren Offenbarungen lustig und frei, statt übertrieben ernst zu sein oder einen riesigen Hype über Ihre Enthüllung zu machen. Wie Sie beginnen, so enden Sie auch. Ihr Ton kann großen Einfluss auf die Interaktion haben. Sie könnten Ihren Flirt fragen:

Was war bisher dein schönstes polyamores Erlebnis?Was ist für dich eine ideale polyamore Situation?Erzähl mir deine drei größten polyamoren Fantasien.

Poly-Wünsche mit einer Partnerperson zu besprechen, mit der man eine monogame Beziehung hatte, kann verunsichernd sein. Lassen Sie Ihre Partnerperson unbedingt wissen, dass Sie sich ihr anvertrauen, denn das Vertrauen zwischen Ihnen ist stark, und sie ist die Person, mit der Sie Ihre offenen Fragen teilen möchten. Beginnen Sie mit der Bestätigung und Wertschätzung dessen, was Sie gemeinsam geschaffen haben, und gehen Sie es langsam an.

Wenn Sie mit jemandem sprechen, mit dem Sie noch nicht vertraut sind, sollten Sie die Person erst einschätzen. Welche Erfahrungen hat Ihr Gegenüber mit Polyamorie gemacht? Ist die Person neu in der Welt der Polyamorie? Gibt es starke Gefühle? Könnte diese Person jemand sein, mit dem Sie Polyamorie erkunden könnten?

 

Polyamorie für Dummies

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

©2026 Wiley-VCH GmbH, Boschstraße 12, 69469 Weinheim, Germany

Original English language edition Polyamorie für Dummies © 2025 by Wiley Publishing, Inc.

All rights reserved including the right of reproduction in whole or in part in any form. This translation published by arrangement with John Wiley and Sons, Inc.

Wiley, the Wiley logo, Für Dummies, the Dummies Man logo, and related trademarks and trade dress are trademarks or registered trademarks of John Wiley & Sons, Inc. and/or its affiliates, in the United States and other countries. Used by permission.

Bevollmächtigte des Herstellers gemäß EU-Produktsicherheitsverordnung ist die Wiley-VCH GmbH, Boschstr. 12, 69469 Weinheim, Deutschland, E-Mail: [email protected].

KI-Haftungsausschluss: Der Verlag und die Autoren dieses Werks haben nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, einschließlich einer gründlichen Überprüfung des Inhalts. Jedoch übernehmen weder der Verlag noch die Autoren Garantien oder Gewährleistungen hinsichtlich der Genauigkeit oder Vollständigkeit des Inhalts dieses Werks. Insbesondere schließen sie jegliche ausdrücklichen oder stillschweigenden Gewährleistungen aus, einschließlich Gewährleistungen der Handelsüblichkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck. Bei der Erstellung dieses Werks wurden bestimmte KI-Systeme eingesetzt. Es kann keine Garantie durch Vertriebsmitarbeiter, schriftliche Verkaufsunterlagen oder Werbeaussagen übernommen oder erweitert werden. Der Verweis auf eine Organisation, Website oder ein Produkt als Quelle für weitere Informationen impliziert keine Unterstützung oder Empfehlungen durch den Verlag und die Autoren. Der Verkauf dieses Werks erfolgt unter der Voraussetzung, dass der Verlag keine professionellen Dienstleistungen erbringt. Die enthaltenen Ratschläge und Strategien sind möglicherweise nicht für Ihre Situation geeignet. Konsultieren Sie gegebenenfalls einen Spezialisten. Leser sollten sich darüber im Klaren sein, dass die in diesem Werk aufgeführten Websites zwischen dem Zeitpunkt der Erstellung und dem Zeitpunkt des Lesens geändert sein können oder nicht mehr existieren. Weder der Verlag noch die Autoren haften für entgangene Gewinne oder sonstige wirtschaftliche Schäden, einschließlich besonderer, zufälliger, Folgeschäden oder sonstiger Schäden.

Coverfoto: sweet_mellow – stock.adobe.comKorrektur: Petra Heubach-Erdmann

Print ISBN: 978-3-527-72385-0ePub ISBN: 978-3-527-85488-2

Über die Autorin

Jaime M. Grant ist eine irisch-amerikanische Sexexpertin, Autorin und Aktivistin, die sich seit den späten 1980er Jahren für die Gleichberechtigung von Frauen, Menschen der LGBTQ+-Community und Menschen unterschiedlicher Ethnien einsetzt. Nachdem sie in ihrer Jugend sexistische Gewalt und die Ausgrenzung von Lesben überlebt hatte, wurde sie für andere Betroffene zu einer wichtigen Anlaufstelle für Informationen zu Gender und Sex als Angelegenheit des Überlebens.

Dies führte schließlich zu einem Doktoratsstudium im Bereich Gender und Sexualität und zur Entwicklung des Desire-Mapping-Prozesses, den sie seit 20 Jahren in Form von Einzelcoachings sowie in Workshops in Gemeindezentren, Universitäten in den gesamten Vereinigten Staaten und bei Menschenrechtsveranstaltungen auf der ganzen Welt anbietet – in Russland, China, Südkorea, Vietnam, auf den Philippinen, auf Zypern, in Kenia, Südafrika, Neuseeland und auf Mauritius.

In den 2000er Jahren war sie leitende Forscherin für die bahnbrechenden Berichte der National LGBTQ Task Force zum Thema Altern (Outing Age 2010), und zur Anti-Transgender-Diskriminierung, (Injustice at Every Turn: A Report of the National Transgender Discrimination Survey 2011). 2017 war sie Mitherausgeberin einer globalen Anthologie zum Thema Freundschaft als Motor für den Aufbau einer Bewegung mit dem Titel Friendship as Social Justice Activism. Zuletzt war sie Mitautorin des Berichts der landesweit größten Grassroots-Umfrage unter LGBTQ+-Frauen, die Partnerschaften mit Frauen eingehen: »We Never Give up the Fight« A Report of the National LGBTQ+ Women's Community Survey (2023).

Widmung

Für die lesbischen Revolutionärinnen, deren Liebe und Genie mir meine Welt und meine Aufgabe geschenkt haben – Barbara Smith, Minnie Bruce Pratt, Amber Hollibaugh, Joan E. Biren und Urvashi Vaid.

Danksagung

Ich bin so glücklich, in den 70er Jahren aufgewachsen zu sein, als Frauenaktivismus, LGBTQ+-Befreiung und Bewegungen für die Gerechtigkeit von rassistisch Diskriminierten auf dem Vormarsch waren. Rund 50 Jahre später ist mein Polykül eine unerschrockene Schar geliebter Menschen, die durch die explosiven Engagements dieser Zeit zusammenkamen. Darlene Nipper, Amelie Zurn, Jack Harrison-Quintana, Ignacio G. Rivera, Andrea Jenkins, Lyndsey Miller- Vierra und Genevieve Villamora – danke, dass ihr mich so sehr liebt, mir immer wieder aus der Patsche helft, meine Kinder umsorgt und beschützt, mir immer wieder Freude und Lachen schenkt und mich nie loslasst.

Vielen Dank an die National LGBTQ+ Task Force und insbesondere an Sue Hyde für die Unterstützung eines lebhaften Wegs zur sexuellen Befreiung auf ihrer jährlichen Konferenz »Creating Change«. Ein Großteil der Arbeit hier wurde in den letzten 35 Jahren dort entwickelt.

Danke an meine Kinder, die mich in meinem Engagement bestärkt haben, für eine Welt zu kämpfen, die ihrer würdig ist, und an meine lebenslange Unterstützerin, meine Schwester Stephanie Grant, die mir den Mut gab, einfach alles anzugehen. Ich bin David Stewart unendlich dankbar für die spirituelle und medizinische Hilfe, der meine Kinder zur Welt gebracht hat, ebenso wie meiner Erziehungspartnerin seit zwei Jahrzehnten, Mit-Überlebende von unzähligen chaotischen Weggabelungen, M'Bwende Anderson.

Vielen Dank an die Teilnehmer meines Montagabendtreffs Loving Ourselves to Freedom. Ihr wisst, wer ihr seid, und ihr wisst, dass ich es ohne euch nie geschafft hätte. Danke an meine Körper-Alchemistin und Vitalitätstrainerin Elizabeth Goldberg, deren magische Hände und großes Herz mein Leben verändert haben.

Mein Dank gilt der Handvoll visionärer Geldgeber, die mich über viele Jahrzehnte hinweg über Wasser gehalten und meine Arbeit zur sexuellen Befreiung ermöglicht haben, insbesondere Weston Milliken von der Freeman Foundation und seinen Teamkollegen Tim Sweeney und Ben Francisco Maulbeck; außerdem Elizabeth Scott, Cindy Rizzo, Ana Oliveira, Hez Norton und meinem geliebten, unbezwingbaren anonymen Spender (Zwinker-Emoji).

Ich danke meinen Lieben, die mir zwei Aufenthalte auf Cape Cod zum Schreiben ermöglichten und sich dabei liebevoll um mich kümmerten: Christopher Shaw und sein Mann Tim Johnson sowie Ellen Glazerman und ihr Mann Harvey Kaufman.

Danke an BTS, die besten Fantasy-Poly-Freunde, die sich eine Popmusik-Liebhaberin nur wünschen kann, und die Generatoren unendlicher Freude in meinem Leben. Und an meinen BTS-Fankameraden Ace, dessen Glaube an mich dieses Buch hervorgebracht hat.

Ein riesiges Dankeschön an meine Agentin Kara Rota, die mir dieses Projekt über die wunderbare Alicia Sparrow von Wiley vermittelt hat. Und an Chad Sievers, der mir die Welt der Dummies gezeigt und sich nie beschwert hat, dass ich die Anleitung nicht gelesen habe. Mein Partner in der Sex-Freiheitsbewegung, Jack Harrison-Quintana, hat mir viel Arbeit abgenommen und viele verschiedene Teile des Buches organisiert und mich bei jedem Schritt unterstützt.

Abschließend möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Desire-Mapping-Mitwirkenden bedanken – meinem Team aus sexy Widerstandskämpfern. Ihre Geschichten lassen dieses Buch auf jeder Seite erstrahlen: Amelie Zurn-Galinsky, Anna Meyer, Aredvi Azad, Asha Leong, A., Bishop Howard, Cavanaugh Quick, C., Dean Spade, Elizabeth Scott, ET, Ignacio Rivera, Jack Harrison-Quintana, JD Davids, Kamilah Glover, LP, M'Bwende Anderson, Mija, Rob Reichhelm, Robin Nussbaum, Romeo Jackson, Rox Anderson und Shannon Perez-Darby. Lasst uns gemeinsam weitermachen.

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titelblatt

Impressum

Über die Autorin

Widmung

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über dieses Buch

Konventionen in diesem Buch

Törichte Annahmen über die Leser

Wie dieses Buch aufgebaut ist

Symbole, die in diesem Buch verwendet werden

Wie geht es weiter?

Teil I: Grundlagen der Polyamorie

Kapitel 1: Mehr Liebe und mehr Freude finden

Die erste Begegnung mit Polyamorie

Träumen Sie Ihre polyamoren Träume

Konzentration auf die Grundlagen der Polyamorie

Lieben Sie Ihr polyamores Leben

Mit den vielen Veränderungen im Leben umgehen

Kapitel 2: Was Polyamorie ist

Definition von Polyamorie: Mehr lieben

Warum sich Menschen heute für Polyamorie entscheiden

Den Anstieg der Polyamorie verstehen

Mehr polyamore Menschen outen sich

Kapitel 3: Herausfinden, ob Poly das Richtige für Sie ist

Entdecken Sie die Beziehungsformen, die zu Ihnen passen

Das ganze Leben lang nach neuen Beziehungen und Intimitäten streben

Sich auf Wünsche einstellen und Ängste erforschen

Soziale Stigmatisierung und familiäre Vorurteile überwinden

Barrieren für LGBTQ+-Personen mit Poly-Neugier

Barrieren für Menschen mit Migrationsgeschichte oder Kinder Zugewanderter mit Poly-Neugier

Barrieren für BIPoC-Personen mit Poly-Neugier

Hin und Her mit internen und externen Barrieren

Kapitel 4: Die vielen Formen der Polyamorie entdecken

Verstehen, dass die Möglichkeiten endlos sind

Finden Sie das richtige Format für sich

Größer träumen in der Welt: Lebendige sexuelle Intimitäten können helfen

Polyamorie ausprobieren

Teil II: Aufbau von Beziehungsfähigkeiten für die Polyamorie

Kapitel 5: Die wichtige Rolle der Kommunikation verstehen

Identifizieren Sie Ihren Kommunikationsstil

Kommunikation trotz Neurodiversität

Entwicklung von Kommunikationswegen, die für alle funktionieren

Kapitel 6: Gesunde Grenzen setzen und aufrechterhalten

Die Bedeutung von Grenzen entdecken

Grenzen aufrechterhalten und anpassen

Übung macht (fast) den Meister

Kapitel 7: Bindungsstile erkennen und Vertrauen aufbauen

Untersuchen Sie Ihre Bindungsgeschichte

Bindungsstile genauer betrachten

Vertrauensbildung ist eine Frage der Bindung

Hilfe bekommen

Kapitel 8: Traumata überleben und Polyamorie erkunden

Verstehen, wie sich Trauma auf Bindung und Kommunikation auswirkt

Polyamorie als Heilmethode nutzen

Ihre Geschichte annehmen

Teil III: Polyamorie leben, Polyamorie lieben

Kapitel 9: Poly-Familienvereinbarungen

Ein Leitbild für die Familie erstellen

Formen finden, die funktionieren

Erkennen, dass niemand alles bekommt, was er will

Kapitel 10: Eine bestehende monogame Beziehung öffnen

Die Entscheidung treffen, Ihre Beziehung zu öffnen

Wissen, was zu tun ist: Der eine will, der andere nicht

Polyamorie ausprobieren: Setzen Sie sich erreichbare Ziele

Ein Gefühl für HOT-Ziele bekommen

Erfolg schafft mehr Erfolg

Kapitel 11: Polyamores Coming-out

Entscheiden, mit wem man spricht oder wem man es erzählt

Überlegen, es anderen Leuten zu erzählen

Eine Community aufbauen: Die Freude am Coming-out

Polyamore Freunde finden: Den langen Weg gemeinsam gehen

Teil IV: Umgang mit gemeinsamen Herausforderungen

Kapitel 12: Mit Eifersucht fertig werden

Jeder kann eifersüchtig sein

Der Wurzel Ihrer Eifersucht auf den Grund gehen

Unterstützung schaffen, statt zu urteilen

Compersion verstehen: Mehr Liebe lässt mehr Liebe wachsen

Kapitel 13: Gebrochenes Vertrauen wiederherstellen

Sich Zeit zur Erholung nehmen

Vereinbarungen nach Bedarf anpassen

Heilung ist möglich

Vergeben und loslassen

Kapitel 14: Elternschaft als Poly

Klare Vereinbarungen treffen

Umgang mit Konflikten im Erziehungsstil

Es den Kindern sagen oder nicht sagen

Kapitel 15: Polyamore Beziehungen beenden

Entscheiden, wann Differenzen zum Ausschlusskriterium werden

Bei Trennungen an Werten und Grenzen festhalten

Kapitel 16: Anpassungen im Leben vornehmen

Jobwechsel und andere große Schritte

Umgang mit einer veränderten Libido

Umgang mit Krankheit, Alter und Behinderung

Teil V: Der Top-Ten-Teil

Kapitel 17: Zehn Mythen über Polyamorie entlarven

Es gibt keine Polyamorie

Polyamorie ist unnatürlich

Wenn Sie jemanden wirklich lieben, ist Eifersucht natürlich

Menschen, die polyamor leben, sind in Wirklichkeit nur Betrüger

Polyamorie ist ein Deckmantel für Menschen mit Bindungsangst

Polyamorie verbreitet Krankheiten

Polyamorie macht sich schutzbedürftige Menschen zunutze

Polyamorie ist unmoralisch

Polyamorie funktioniert nie

Polyamorie ist eine toxische Lebensweise

Kapitel 18: Zehn Möglichkeiten zum Aufbau Ihrer Beziehungskompetenz

Lassen Sie Ihre Beziehungsträume zu

Legen Sie ein Gefühlstagebuch an

Erwägen Sie, einen Therapeuten aufzusuchen

Recherchieren Sie

Suchen Sie nach einem Bodyworker

Suchen Sie kostenlose Ressourcen und Schulungen

Schließen Sie sich einer kostenlosen Selbsthilfegruppe an

Grenzen für Konflikte setzen

Zeigen Sie Freunden und Geliebten Ihre Wertschätzung

Lieben Sie sich selbst so, wie Sie sind

A Glossar

B Ressourcen

Bücher

Podcasts

Poly-Filme und Fernsehserien

Poly-Konferenzen & Events & Workshops

Social Media

Poly-Playlist

Selbsthilfegruppen und Organisationen

Polyamorie-freundliche Beratung und Therapieangebote

Anlaufstellen bei häuslicher/partnerschaftlicher Gewalt

Abbildungsverzeichnis

Stichwortverzeichnis

End User License Agreement

Tabellenverzeichnis

Kapitel 6

Tabelle 6.1: Werte, Bedürfnisse, Grenzen und Konsequenzen

Tabelle 6.2: Vergleich der Grenzen

Kapitel 8

Tabelle 8.1: Verfolgung Ihres Traumas

Illustrationsverzeichnis

Kapitel 5

Abbildung 5.1: Die 16 MBTI-Typenbadproject /Adobe Stock Fotos

Abbildung 5.2: Venn-Diagramm zu Autismus, ADHS und HochbegabungKathryn H. Lee ...

Kapitel 11

Abbildung 11.1: Meine Pod-Map (Gedruckt mit freundlicher Genehmigung von BATJC)

Kapitel 12

Abbildung 12.1: Stressreaktion durch Eifersucht pikovit /Adobe Stock Photos

Orientierungspunkte

Cover

Titelblatt

Impressum

Über die Autorin

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Fangen Sie an zu lesen

A Glossar

B Ressourcen

Abbildungsverzeichnis

Stichwortverzeichnis

End User License Agreement

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Einleitung

Oft wird Monogamie als der einzig wahre Weg zu liebevollen und erfolgreichen Beziehungen betrachtet. Dennoch gibt es seit Tausenden von Jahren Beziehungen außerhalb einer Zweierbeziehung, und gerade heute erfreut Polyamorie sich eines explosionsartig zunehmenden Interesses in der Bevölkerung.

Warum der aktuelle Trend zu Beziehungen mit mehreren Partnerpersonen? Dieses Buch beantwortet diese und viele weitere Fragen, darunter:

Was sage ich bei Dates oder Flirts über mein Interesse an Polyamorie?

Wie sage ich meiner Partnerperson, dass ich unsere Beziehung öffnen möchte?

Wie gehe ich damit um, wenn sich meine Partnerperson in jemand anderen verliebt?

Und vor allem: Wohin fahren wir in den Urlaub – und mit wem?

Auch wenn sich das Buch mit vielen Ängsten beschäftigt, die Sie möglicherweise haben, wenn Sie über Polyamorie nachdenken, sollten Sie eines nicht außer Betracht lassen: Für viele ist Polyamorie eine neue, befreiende und freudvolle Art, eine Beziehung zu führen und ein Familienleben aufzubauen.

Dieses Buch begleitet Sie dabei, tief in Ihre Beziehungsgeschichte, Ihre Wünsche und Ihre Bedürfnisse im Hinblick auf Intimität einzutauchen. Ich hoffe, Sie finden hier alle Werkzeuge und die Unterstützung, die Sie brauchen, um den für Sie passenden Weg hin zu Liebe und Beziehung zu finden.

Denn nur Sie wissen, was Sie brauchen. Und jede Person, die Ihnen erzählen will, sie kenne den einzig wahren Weg für Sie, ist mit Sicherheit unseriös.

Über dieses Buch

Polyamorie für Dummies richtet sich an alle, die auf der Suche nach einer großartigen Beziehungsform sind. Vielleicht haben Sie in letzter Zeit viel über Polyamorie gehört und fragen sich, was es mit dem ganzen Hype auf sich hat. Vielleicht haben Sie schon wieder eine monogame Beziehung beendet und fragen sich, warum die Monogamie bei Ihnen nicht funktioniert und was an Ihnen so falsch ist. (Spoiler-Alarm: Nichts!) Vielleicht entdecken Freunde von Ihnen gerade Polyamorie und wirken so glücklich und lebendig, dass Sie mehr darüber erfahren möchten.

Beziehungen sind anspruchsvoll. Sich auf jemanden einzulassen, fordert im Laufe der Zeit Opfer und bringt Konflikte und Schwierigkeiten mit sich. Das gilt unabhängig von der gewählten Beziehungsform. Gleichzeitig bringen Liebe und Beziehungen so viel Sinn und Schwung in Ihr Leben. Sie treiben Sie an und nähren Sie zugleich. Sie sind die Mühe wert.

Dieses Buch behandelt zentrale Beziehungsfragen im Zusammenhang mit Polyamorie:

Wie kommen Menschen über hypothetische oder utopische Vorstellungen von Polyamorie hinweg, um sie tatsächlich zum Funktionieren zu bringen?

Welche wichtigen sozialen und emotionalen Fähigkeiten benötigen Sie, um ein guter Poly-Partner oder -Partnerin zu sein?

Wie gehen Sie mit Eifersucht und den emotionalen Anforderungen einer Beziehung mit mehreren Partnerpersonen um?

Wie gehen Sie mit Zeitbeschränkungen, Wohnungsproblemen, Finanzen, der Kindererziehung, den negativen Meinungen von Freunden und Familie und anderen wichtigen Themen um?

Wie erstellen Sie sinnvolle Poly-Vereinbarungen und wie setzen Sie Grenzen, die alle berücksichtigen?

Wie können Sie Polyamorie praktizieren, wenn Ihr Vertrauen gebrochen wurde?

Wie gehen Sie als polyamorer Mensch mit dem Altern, Krankheiten und anderen langfristigen Problemen um?

Woher wissen Sie, ob Polyamorie das Richtige für Sie ist?

Obwohl viele Bücher über Polyamorie und Selbsthilfe endlos über die Verarbeitung der Probleme in polyamoren Beziehungen schreiben, wird bei Weitem nicht genug über die Freude am Entdecken und die erstaunlichen Bereicherungen berichtet, die sich aus einem Leben ergeben, in dem man immer wieder neue Sexualpartner oder -partnerinnen und neue intime und emotionale Verbindungen findet. Seien Sie also gespannt!

Beachten Sie, dass ich immer wieder synonym von Geliebten und Partnerpersonen schreibe, denn manche polyamore Menschen haben Geliebte, andere haben Partnerpersonen und manche haben beides. Solange alle Beteiligten umsorgt und unterstützt werden, ist alles gut.

Konventionen in diesem Buch

Die geschlechtsneutralen Pronomen they/them aus dem englischen Originaltext wurden in manchen Textabschnitten belassen, um die geschlechtsneutrale beziehungsweise geschlechtsfluide Identität der damit bezeichneten Person sichtbar zu machen. Eine Übersetzung ins Deutsche mit er oder sie hätte diese Nuance unsichtbar gemacht.

In diesem Buch erzählen polyamore Menschen aus dem Desire-Mapping-Workshop ihre Geschichten. Diese Erzählungen sind entweder in grau hinterlegten Kästen zu finden oder mit einem Symbol gekennzeichnet, das sie als Beispiele aus dem echten Leben ausweist. Sie machen die Inhalte lebendig, nahbar und nachvollziehbar – und zeigen, wie vielfältig die Realität polyamorer Beziehungen sein kann.

Die Beiträge von A. und C. zum Buch sind zum Schutz ihrer Sicherheit anonym. Sonja ist ein Pseudonym, das im Buch verwendet wird, wenn eine der in der Danksagung vorn im Buch aufgeführten Personen es vorzieht, dass die betreffende Geschichte anonym bleibt.

Törichte Annahmen über die Leser

Beim Schreiben dieses Buches ging ich von folgenden Annahmen über Sie, liebe Leserschaft, aus:

Sie sind neugierig genug, den Mythos infrage zu stellen, Monogamie sei universell und der einzig wahre Weg zu liebevollen, dauerhaften Beziehungen.

Sie sind nicht naiv genug, zu glauben, dass alle Ihre Beziehungsprobleme gelöst werden und Sie keine Opfer mehr bringen müssen, wenn Sie mehr als eine Partnerperson haben.

Ihnen liegt die Vorstellung fern, dass Sie eine bestimmte Sexualität pflegen, eine bestimmte religiöse oder spirituelle Überzeugung, einen bestimmten familiären Hintergrund, ein bestimmtes Geschlecht oder eine bestimmte politische Meinung haben müssen, um polyamor zu sein oder Polyamorie in Betracht ziehen zu können.

Sie fragen sich, ob Monogamie für alle Menschen funktioniert, gehen aber auch nicht davon aus, Polyamorie sei besser als Monogamie oder irgendeine andere Beziehungsform.

Wenn Sie aus diesem Buch eine Kernaussage mitnehmen, dann hoffe ich, dass es diese ist: Ich freue mich sehr, mein Fachwissen zum Thema Polyamorie mit Ihnen zu teilen, und biete Ihnen an, Sie bei Ihrer Suche nach dem richtigen Beziehungsweg für Sie zu unterstützen. Was auch immer das sein mag.

Wie dieses Buch aufgebaut ist

Polyamorie für Dummies gliedert sich in fünf übersichtliche Teile, die jeweils ein zentrales Thema behandeln und praxisnah vermitteln.

Teil I – Grundlagen der Polyamorie

In den vier Kapiteln in diesem Teil erfahren Sie, was sich wirklich hinter dem Begriff »Polyamorie« verbirgt – jenseits von Mythen und Vorurteilen. Sie lernen die gängigen Praktiken der modernen Polyamorie kennen und entdecken vielfältige Modelle für Partnerschaft und Familie. Dieser Teil schafft ein solides Fundament, um Ihre persönlichen Bedürfnisse in Bezug auf Intimität, Sexualität, Beziehung und Familienleben besser zu verstehen und passende Beziehungsformen für sich auszuloten.

Teil II – Aufbau von Beziehungsfähigkeiten für die Polyamorie

Kapitel 5 widmet sich der Kunst der Kommunikation – einer Schlüsselkompetenz in polyamoren Beziehungen. Sie erkunden Ihre eigenen Stärken und Schwächen bei der Kommunikation und erhalten praktische Werkzeuge für den Umgang mit Kampf-, Flucht-, Erstarrungs- oder Unterwürfigkeitsreaktionen in emotional belastenden Situationen. In Kapitel 6 geht es um Grenzen: wie Sie Ihre eigenen erkennen, achten und sinnvoll einsetzen, wenn Sie mit mehreren Partnerpersonen verbunden sind.

Kapitel 7 beleuchtet, wie persönliche Erfahrungen von Verlust und Schmerz Ihre Fähigkeit zur Konfliktbewältigung und Beziehungsgestaltung beeinflussen können. Kapitel 8 zeigt Wege auf, trotz allem Vertrauen zu entwickeln und erfüllende Beziehungen zu führen.

Teil III – Polyamorie leben, Polyamorie lieben

Kapitel 9 nimmt Sie mit in den Alltag polyamorer Beziehungen: Sie erfahren, was wirklich möglich und sinnvoll ist – ohne Ihr Leben unnötig kompliziert zu machen. Sie lernen, Ihre Zeit und Aufmerksamkeit strukturiert zu teilen und Ihren Partnerpersonen gerecht zu werden. Kapitel 10 unterstützt Sie dabei, typische Fehler zu vermeiden, wenn Sie eine monogame Beziehung öffnen möchten, und Kapitel 11 gibt Entscheidungshilfen für ein mögliches Coming-out als polyamore Person.

Teil IV – Umgang mit gemeinsamen Herausforderungen

Polyamorie bringt auch Herausforderungen mit sich. Ein großes Thema ist Eifersucht, dem sich Kapitel 12 ausführlich widmet. Auch in polyamoren Beziehungen wird es Vertrauensbrüche und gebrochene Vereinbarungen geben. Kapitel 13 zeigt, wie Sie über solche Konflikte hinwegkommen.

Viele polyamore Menschen haben Kinder oder möchten Kinder haben. Kapitel 14 erzählt viele Geschichten von polyamoren Eltern, wie diese mit Mehrfachbeziehungen und heiklen Fragen umgehen.

Das Leben verläuft nicht immer geradlinig. Und nicht nur monogame Beziehungen scheitern. Kapitel 15 unterstützt Sie beim Erkennen, wann eine Beziehung zum Ende kommen sollte und wie Sie mit Trennungen umgehen. Kapitel 16 thematisiert persönliche Veränderungen im Leben, sei es eine veränderte Libido, Umzüge aufgrund von Arbeits- oder Familienbedürfnissen, Krankheiten, Behinderungen, das Alter oder Trennungen.

Teil V – Der Top-Ten-Teil

Was wäre ein … für Dummies-Buch ohne den Top-Ten-Teil? In den beiden letzten Kapiteln wird mit den zehn häufigsten Mythen über Polyamorie aufgeräumt und Sie lernen zehn Möglichkeiten zur Stärkung Ihrer Beziehungskompetenz kennen.

Ein ausführliches Glossar und eine Liste mit wertvollen Büchern, Blogs und weiteren Quellen zum Thema Polyamorie runden das Buch ab und laden zum Vertiefen ein.

Symbole, die in diesem Buch verwendet werden

In diesem Buch begegnen Ihnen die folgenden Symbole, um Ihre Aufmerksamkeit auf wichtige Informationen, Konzepte und Praktiken zu lenken:

Dieses Symbol hebt Informationen hervor, die besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Dieses Symbol weist Sie auf interessante Ideen zum Nachdenken hin und kennzeichnet wichtige Punkte.

Dieses Symbol warnt Sie vor unzutreffenden Vorstellungen und Hindernissen auf Ihrem Weg zur Selbstfindung.

Dieses Symbol kennzeichnet eine interaktive Übung, die Ihnen dabei helfen kann, herauszufinden, was Ihre Bedürfnisse, Werte, Wünsche und nächsten Schritte sein könnten.

Dieses Symbol kennzeichnet eine persönliche Geschichte oder einen Bericht von einem der erfahrenen Poly-Mitwirkenden in meinem Netzwerk aus Sexualpädagogen, Aktivisten und Poly-Enthusiasten.

Wie geht es weiter?

Wenn Sie beim Lesen von Polyamorie für Dummies völlig neu in diesem Bereich sind, beginnen Sie einfach mit dem ersten Teil des Buches. Dort finden Sie Kontext, Definitionen, Kernideen und einführende Reflexionsübungen. Sollten Sie bestimmte Begriffe nicht sofort verstehen, finden Sie Hilfe in Anhang A.

Wenn Sie sich bereits mit Polyamorie beschäftigen, finden Sie im Inhaltsverzeichnis oder Index den Weg zu den Themen, zu denen Sie vielleicht mehr erfahren möchten. Anhang B enthält weitere Anregungen und weitere Anlaufstellen. Holen Sie sich Hilfe zu den Themen, die Ihnen aktuell am wichtigsten sind.

Atmen Sie tief durch. Polyamorie kann vielen grundlegenden Vorstellungen in Familien und religiösen Traditionen widersprechen. Sie kann heftige Reaktionen in Ihrem Freundeskreis, bei Partnerpersonen oder Geliebten hervorrufen. Atmen Sie tief durch. Gönnen Sie sich eine Pause.

Empfehlenswert ist auch, beim Lesen dieses Buches ein Tagebuch zu führen. Ich bitte Menschen im Coachingprozess oft, ein Tagebuch zu führen und einen eigenen Bereich speziell für die Erkundung ihrer Wünsche einzurichten. Das gibt Ihnen Sicherheit, wenn Sie sich selbst wichtige Fragen stellen. Und Ihre Verwandlung erhält einen Ehrenplatz.

Es ist in Ordnung, Dinge zu hinterfragen – auch große, grundlegende Dinge. Es ist in Ordnung, neugierig zu sein und Informationen, unterstützende Gespräche und Ressourcen zu suchen, während Sie herausfinden, wen und wie Sie lieben, während Sie die Familie Ihrer Träume gründen.

Teil I

Grundlagen der Polyamorie

IN DIESEM TEIL …

Verstehen, was Polyamorie jenseits aller Mythen und Gerüchte ist und wie Menschen damit umgehenGängige Praktiken der modernen Polyamorie erkundenÜber eigene Wünsche im Hinblick auf Intimität, Sex, Beziehung und Familie nachdenken und überlegen, welche Beziehungsformen für Sie funktionieren könntenViele verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, mit denen polyamore Menschen Partnerschaften und Familien aufbauen

Kapitel 1

Mehr Liebe und mehr Freude finden

IN DIESEM KAPITEL

Entdecken, was mehr Liebe bedeutetDarüber nachdenken, was Sie zurückhältErste Schritte auf einer Reise voller Freude und neuer Entdeckungen machen

In einer Zeit, in der unsere soziale, wirtschaftliche und sogar geologische Sicherheit zu schwinden scheint, hält Polyamorie ein verlockendes Versprechen bereit: mehr Liebe.

Der Widerstand gegen Polyamorie ist jedoch groß, und es gibt die unterschiedlichsten Argumente: Polyamorie ist nur ein schicker Begriff für Untreue. Polyamore Menschen sind bindungsunfähig. Sie benutzen andere. Sie verbreiten Krankheiten und hinterlassen eine Spur gebrochener Herzen.

Andererseits können bestimmt auch Sie mit Leichtigkeit ein Dutzend monogame Menschen nennen, die Sie kennen, auf die mindestens eine dieser Aussagen zutrifft, und die ihre Liebsten und Partnerpersonen am Boden zerstört zurückgelassen haben.

Dieses Kapitel dient als Einstieg in dieses Buch. Ich gehe hier auf viele häufige offene Fragen zu dieser kreativen, umfassenden Form der Liebe und Familiengründung ein. Beruflich bin ich Sex- und Beziehungscoach mit einem Doktortitel in Sexualwissenschaft. Privat praktiziere ich seit über 40 Jahren Polyamorie. Ich habe außerdem das Glück, in einer lebendigen Gemeinschaft von Menschen leben zu dürfen, die alle möglichen offenen, polyamoren Beziehungen aufgebaut haben. In diesem Buch erwecken ihre Geschichten die Theorien und Geheimnisse der Polyamorie zum Leben.

Was bedeutet es, in mehr als eine Person verliebt zu sein? Wie schafft man das, ohne emotionale Katastrophen zu verursachen und sich selbst und seine Liebsten zu verletzen? Schnallen Sie sich an! Es geht los!

Die erste Begegnung mit Polyamorie

Polyamorie bedeutet wörtlich: mehr lieben. Oft wird diese expansive Beziehungsform in einem Atemzug mit einer Vielzahl nicht-monogamer Beziehungsformen genannt: unverbindlicher Sex, Swingen, Dreier und Party- oder Konferenzsex. Tatsächlich jedoch zeichnet sie sich durch den Wunsch nach tieferen Bindungen aus. Polyamore Menschen leben oft in einer Konstellation oder Familie von Liebenden, die intim, romantisch oder sexuell miteinander verbunden sein können, aber nicht müssen. Die folgenden Abschnitte geben Ihnen einen kurzen Überblick über Polyamorie.

Erkennen, was Polyamorie ist

Ein Kennzeichen der Polyamorie ist die gleichzeitige Pflege und Aufrechterhaltung mehrerer wichtiger Beziehungen. Ein weiterer zentraler Aspekt ist, dass diese Beziehungen offen sind – alle wissen über alle Bescheid. Alle Beteiligten werden mit Respekt und Fürsorge behandelt, auch wenn ihre Rollen und Funktionen sehr unterschiedlich sind.

Auch wenn manche Menschen mit polyamorem Leben gerne flüchtige sexuelle Begegnungen haben, leben Menschen, die sich selbst als polyamor bezeichnen, oft in einem komplexen Beziehungsgeflecht, das mit der Zeit wächst, sich verändert und vertieft. Kapitel 2 befasst sich mit den historischen Praktiken der Polyamorie und den spezifischen Merkmalen dieser modernen Version.

Beurteilen, ob Polyamorie das Richtige für Sie ist

Wie können Sie entscheiden, ob Polyamorie für Sie geeignet ist? In mehr als eine Person verliebt zu sein – oder eine enge Bindung zu ihnen aufzubauen –, klingt nach einer großen emotionalen Herausforderung. Und das ist es auch.

Kapitel 3 hilft Ihnen, herauszufinden, warum Sie dieses Buch zur Hand genommen haben und was in Ihrer Beziehung vor sich geht, das Ihre Neugier auf Polyamorie weckt. Dort biete ich Ihnen viele Reflexionsübungen an, damit Sie Ihre Gedanken und Gefühle zu Monogamie und Polyamorie hinterfragen können.

Ihre Gründe, Polyamorie in Betracht zu ziehen, sind ganz individuell. In meiner Praxis als Coach kommen die Menschen in der Regel mit einigen dringenden Motivationen zu mir, wie zum Beispiel:

Sie wissen nicht, wer und wie Sie selbst sind. Sie haben so lange die Erwartungen anderer erfüllt – Ihrer Eltern, Ihrer Freunde, Ihrer Religionsgemeinschaft oder Ihrer Partnerperson –, dass Sie nicht einmal wirklich wissen, wie Ihre ehrliche Sexualität oder Ihre Beziehungen aussehen könnte. Sie haben Ihr wahres Ich lange Zeit verheimlicht.Sie sind ein notorischer Fremdgänger oder ein regelmäßig an der Monogamie gescheiterter Mensch. Sie sind unglücklich oder schämen sich sogar für Ihre Beziehungsgeschichte. Sie wissen nicht, wie Sie aus sich wiederholenden, destruktiven Mustern ausbrechen können. Sie fragen sich, ob Monogamie das Richtige für Sie ist.Sie haben im Laufe Ihrer Partnerschaft einen Teil Ihrer selbst verloren. Sie wissen nicht mehr, was Ihre Bedürfnisse sind oder wie Sie so weit gekommen sind. Sie fühlen sich gefangen und haben möglicherweise schon seit einiger Zeit keinen Sex mehr oder fühlen sich nicht mehr begehrenswert.Ihre Partnerperson möchte Ihre Beziehung öffnen, Sie aber nicht, oder umgekehrt. Oft liegt ein Vertrauensbruch vor – eine Affäre oder eine emotionale Hinwendung zu einer anderen Person. Dies ist eine Zeit der Krise und des großen Schmerzes, und es braucht Zeit, um zu klären, ob Heilung möglich ist (siehe Kapitel 13) und ob Polyamorie für Sie als Paar sinnvoll ist (siehe Kapitel 10).In Ihrem Leben hat eine Krise oder eine große Veränderung stattgefunden, die Sie dazu bringt, viele Dinge infrage zu stellen, die immer schon selbstverständlich waren – und Monogamie ist eine dieser Selbstverständlichkeiten, die einer Überprüfung unterzogen werden muss.

Träumen Sie Ihre polyamoren Träume

Übungen zur persönlichen Reflexion können Sie dabei unterstützen, Ihre polyamoren Träume zu verwirklichen. Sie helfen Ihnen, herauszufinden, was Sie sich selbst nicht über Ihre Wünsche und Bedürfnisse in Ihren Beziehungen eingestehen und was Sie schon immer einmal ausprobieren wollten, sich aber bisher nicht erlaubt haben.

Wenn niemand zusieht oder kommentiert, wie würden Sie Ihr Intim- und Sexualleben und Ihre Partnerschaften gestalten? Kapitel 3 führt Sie durch einige Übungen, die Ihnen helfen, diese Fragen selbst zu beantworten. Kapitel 4 zeigt Ihnen Beispiele, wie viele andere dies bereits getan haben und so ein freudvolles polyamores Leben und Familienleben geschaffen haben.

Konzentration auf die Grundlagen der Polyamorie

Obwohl die emotionalen und intimen Vorteile der Polyamorie enorm sind, sind auch die Anforderungen hoch. Offen und ehrlich mit mehreren Partnerpersonen zu kommunizieren – damit alle die nötigen Informationen haben und man sich nicht versteckt, Partnerpersonen nicht durch das Verschweigen bestimmter Wahrheiten manipuliert oder nur performt, statt sich auf sie einzulassen –, kann harte Arbeit sein! Das gilt besonders, wenn man gerade erst anfängt, sich dem Thema Polyamorie zuzuwenden.

Die Entwicklung Ihrer Kommunikationsfähigkeiten – indem Sie herausfinden, was für ein Kommunikationstyp Sie sind, Sie neue Werkzeuge erlernen und Gleichgesinnte und eine polyamore Community finden – kann Ihnen helfen, die Voraussetzungen für ein polyamores Leben zu schaffen. Die folgenden Abschnitte geben Ihnen einen kurzen Überblick.

Sobald ich es weiß, sage ich es dir

Eine meiner liebsten Praktiken des polyamoren Lebens ist: »Sobald ich es weiß, sage ich es dir.« Wenn Menschen in ihren Beziehungen Probleme haben, neigen sie dazu, grundlegende Wahrheiten zu einem nebulösen Geheimnis zu machen. Sie sagen dann beispielsweise, sie seien verwirrt oder etwas sei kompliziert, während sie in Wahrheit einfach nicht bereit sind, das Schwierige auszusprechen, über das sie sich bereits sehr wohl im Klaren sind. Sie haben Angst vor den Konsequenzen dieser Wahrheit – sei es eine Schwärmerei für einen Kollegen, das Bewusstsein, nicht mehr monogam leben zu wollen, oder die Erkenntnis, dass ihre sexuellen Bedürfnisse nicht erfüllt werden und sie eine Veränderung brauchen. Eine häufige Folge dieser Art von Ausweichmanövern ist, dass eine verzweifelte oder verängstigte Person dann allein eine Reihe schlechter Entscheidungen trifft und ihre Partnerperson oft mit den desaströsen Folgen konfrontiert ist – einem Vertrauensbruch, einer Affäre oder einer Reihe von Lügen.

Beziehungscoach Asha Leong, eine der vielen Autorinnen, deren Geschichten Sie in diesem Buch lesen werden, betont, dass diese Praktik des polyamoren Lebens ihr am meisten am Herzen liegt. Wahrscheinlich fällt es jedem Menschen schwer, sich selbst zu verstehen. Aber Wissen über sich selbst zu verschweigen, weil man sich nicht mit den Gefühlen der Partnerperson auseinandersetzen will oder Angst hat, dass die Reaktion der anderen Person nicht mit den eigenen Wünschen übereinstimmt, ist nicht ehrlich. Letztendlich schützt oder hilft es niemanden und demonstriert nur eine Art von Egoismus oder Missachtung, wovon man sich nur schwer erholen kann. »Sobald ich es weiß, sage ich es dir«, ist eine grundlegende Praktik.

Kommunikation mit Ihren Partnerpersonen

Wenn Sie beginnen, Ihr grundlegendes Kommunikationsverhalten zu identifizieren und zu bewerten, können Sie Ihre Stärken besser einschätzen. Möglicherweise erkennen Sie auch, wo Sie in Ihren früheren Beziehungen Schwierigkeiten mit der Kommunikation hatten. So können Sie einen Plan entwickeln, um mehr Unterstützung zu erhalten und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Kapitel 5 befasst sich mit allen grundlegenden Aspekten der Kommunikation – darunter Introversion und Extroversion, Kampf-oder-Flucht-Reaktionen und Neurodivergenz.

Üben, Grenzen zu setzen

Grenzen sind für polyamore Beziehungen das, was das Atmen für das Leben ist. Wenn Sie nicht wissen, wo Ihre Grenzen liegen, was Sie emotional und intim bewältigen können und was nicht – wenn Sie nicht wissen, wie Sie nach dem fragen, was Sie wollen, und nicht »Nein« sagen können, wenn es nötig ist –, dann wird Polyamorie für Sie chaotisch und schmerzhaft sein.

Tatsächlich suchen viele meiner Klienten Polyamorie als Ausweg aus den schmerzhaften Kommunikationsmustern ihrer monogamen Beziehungen. Doch Polyamorie ist kein Ausweg aus der Unfähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und zu respektieren. Kapitel 6 bietet Übungen und Tipps, um Ihre Fähigkeit zu beurteilen, die Wahrheit zu sagen und Grenzen zu setzen und einzuhalten. Sie finden dort Aktivitäten und Ressourcen, die Ihnen helfen, Ihre Kompetenz in diesem wichtigen Bereich zu erweitern.

Vertrauensbildung mit Ihren Partnerpersonen

Die Bindungstheorie (eine psychologische Theorie, die frühe Bindungs- und Verlassenheitserfahrungen und deren Auswirkungen auf Beziehungen im Erwachsenenalter untersucht) bietet nachvollziehbare Erklärungen, warum es Ihnen möglicherweise schwerfällt, in Ihren Beziehungen Grenzen zu setzen. Und warum es Ihnen vielleicht schwerfällt, sich selbst und Ihren Partnerpersonen zu vertrauen. In Kapitel 7 erfahren Sie, welche Bindungsstörungen Sie möglicherweise aus Ihrer Kindheit mit sich herumtragen, die Ihre alltäglichen Beziehungen beeinträchtigen. Anschließend können Sie überlegen, wie sie sich auf Sie auswirken könnten, wenn Sie Polyamorie in Betracht ziehen.

Trotz Traumata aus der Vergangenheit polyamor leben

Die heutige Kultur ist geprägt von Gewalt – emotionaler, sozialer, körperlicher und sexueller Gewalt. Viele Menschen haben in ihrer Jugend Angst, Zwang oder Kontrolle erlebt, und viele haben körperliche und sexuelle Gewalt erlitten. Daher kann es sehr hilfreich sein, sich mit den eigenen Erfahrungen von Zwang und Gewalt auseinanderzusetzen, um herauszufinden, welche Barrieren man als Kommunikationspartner oder -partnerin in intimen Beziehungen aufweist. Traumata aus der Vergangenheit können in emotional belastenden Situationen reaktiviert werden, und es ist eine Herausforderung, in mehrere Partnerpersonen verliebt zu sein, die möglicherweise widersprüchliche Bedürfnisse oder sehr unterschiedliche Lebensweisen haben. Kapitel 8 kann Ihnen helfen, Ihre Bedürfnisse als Trauma-überlebender Mensch zu erkennen und anzuerkennen und einen Weg zu finden, die gewünschten Fähigkeiten und Beziehungen zu entwickeln.

Lieben Sie Ihr polyamores Leben

Die Grundlage Ihres glücklichen polyamoren Lebens bilden gemeinsam getroffene Vereinbarungen darüber, wie Sie und Ihre Partnerpersonen zusammenarbeiten und füreinander sorgen. Für manche ist der Aufbau dieser polyamoren Strukturen ein Prozess komplexer, detaillierter Zusammenarbeit. Für andere ist es ein einfaches Gespräch mit einem klaren, gemeinsamen Rahmen. Teil III befasst sich mit einigen der freudigen und kreativen Wege, wie Menschen polyamore Familien gründen. Dort finden Sie viele Ideen zum Thema Polyamorie und betrachten einige der wichtigen Entscheidungen, die Sie treffen könnten, wie beispielsweise die Öffnung Ihrer monogamen Beziehung oder das Coming-out vor Familienmitgliedern.

Vereinbarungen und Grenzen

Polyamore Menschen lieben ihre Beziehungsstrukturen. Kapitel 4 enthält Illustrationen mehrerer Autoren, die ihre verwobenen Poly-Formationen beschreiben. Manche Poly-Beziehungsnetze sind untereinander eng verbunden, andere nicht. Einige polyamore Menschen möchten alles mit allen ihren Partnerpersonen teilen, andere möchten ihre Beziehungen getrennt und die intimen Aktivitäten mit jeder Partnerperson privat halten. Wieder andere schaffen eine Mischung aus Privatsphäre und Integration zwischen ihren Partnerpersonen und ihren sexuellen Praktiken. Nur Sie wissen, was Sie wollen und welche Art von Beziehung Ihren Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Kapitel 9 hilft Ihnen bei der Überlegung, welche Art von Vereinbarungen Sie mit Ihren Partnerpersonen treffen möchten, um die von Ihnen gewünschte Konstellation oder das gewünschte Beziehungsnetz zu erreichen.

Von monogam zu polyamor

Viele Menschen wenden sich an mich als Coach, weil sie Hilfe bei der Öffnung einer bestehenden monogamen Beziehung benötigen. Das kann eine komplexe und heikle Angelegenheit sein. Oftmals wünscht sich das eine Partnerperson mehr als die andere. Manchmal sind Versprechen bereits gebrochen, wenn der Kontakt zu mir aufgenommen wird. Und nicht selten steht ein Paar am Rande einer tiefgreifenden Veränderung – es überdenkt eine grundlegende Vereinbarung, die man zur Exklusivität getroffen hat, und das kann erschütternd sein, selbst wenn alle mit dem weiteren Vorgehen einverstanden sind.

Wenn Sie überlegen, eine bestehende monogame Beziehung zu öffnen, und es Ihnen schwerfällt, sind Sie hier richtig. Kapitel 10 behandelt dieses oft heikle Themengebiet mit viel Einfühlungsvermögen und vielen Ressourcen.

Anderen sagen, dass Sie polyamor sind

Sich als polyamor zu outen, ist keine Kleinigkeit. Viele Menschen, die offen und ehrlich über komplexe oder kontroverse Themen sprechen, bekennen sich nicht zu ihrer Polyamorie – und das aus gutem Grund. Polyamore Menschen können soziale und wirtschaftliche Konsequenzen erleben, wenn sie sich outen. Kapitel 11 hilft Ihnen, Ihre Risiken und Schwachstellen beim Coming-out einzuschätzen und zu überlegen, wer Ihre besten Unterstützer sein könnten, um Ihr optimales polyamores Leben aufzubauen. Ein wichtiger Teil des Coming-outs ist die Stärkung Ihres Unterstützungsnetzwerks. Daher bietet Kapitel 11 auch eine Übung, mit der Sie Ihre Gruppe von Unterstützern benennen können.

Mit den vielen Veränderungen im Leben umgehen

Wenn Sie sich wie ich für ein jahrzehntelanges Leben mit mehreren Partnerpersonen entscheiden, werden Sie auf viele Herausforderungen und Veränderungen stoßen. In jeder Beziehung gibt es ständig Veränderungen, aber im polyamoren Leben müssen Sie diese mit mehreren Partnerpersonen meistern. Teil IV behandelt einige dieser Herausforderungen und Veränderungen, zum Beispiel:

Elternschaft als polyamore Person:

Kapitel 14

behandelt einige wichtige Aspekte, darunter die Abstimmung grundlegender Erziehungswerte, die Entscheidung, wer die Erziehungsverantwortung trägt, und die Entscheidung, ob man sich den Kindern gegenüber outet oder nicht. Lesen Sie dazu auch den Einschub.

Trennung in polyamoren Beziehungen:

Kapitel 15

untersucht Trennungen in miteinander verbundenen polyamoren Konstellationen und hilft Ihnen, herauszufinden, wann eine Beziehung wirklich vorbei ist und was zu tun ist, wenn eine Partnerperson nicht mit der Person Schluss machen will, mit der Sie Schluss machen. Dieses Kapitel hilft Ihnen auch, mit all dieser emotionalen Komplexität umzugehen.

Große Veränderungen im Leben:

Kapitel 16

untersucht alle Arten von Veränderungen im Leben, wie Altern, Libidoveränderungen, geografische Umzüge, Krankheit und Behinderung, und führt Sie durch den Umgang mit großen Veränderungen in Poly-Beziehungen im Laufe der Zeit.

Das Leben in jeder Beziehungsform ist voller Veränderungen und immer wieder neu entstehender Hindernisse. Polyamorie bietet vielen Menschen eine kreative, befreiende und freudvolle Möglichkeit, mit diesen Herausforderungen umzugehen und das Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten.

Gefahr, Will Robinson!

Sie kennen vielleicht die Science-Fiction-Serie Verschollen zwischen fremden Welten, in der der Familienroboter den jungen Helden Will Robinson ständig warnt, wenn Gefahr droht.

Wenn Sie doch nur einen Roboter in Ihrer Familie hätten, der Gefahren erkennt! Wenn Sie viel in eine Partnerperson oder einen Liebhaber oder eine Geliebte investiert haben, fällt es Ihnen vielleicht schwer, die Wahrheit zu erkennen oder sich selbst die Wahrheit einzugestehen, wenn Sie jemanden gewählt haben, der eine Gefahr für Ihre Kinder darstellt. Emotionaler, körperlicher und sexueller Missbrauch von Kindern ist in diesem Land weit verbreitet, teilweise begünstigt durch autoritäre Erziehungsmethoden, die Kinder zum Schweigen bringen und ihnen beibringen, sich verschiedenen Autoritäten zu unterwerfen – seien es Eltern, Geistliche, Lehrer oder Trainer.

Viele Jahre lang konzentrierte sich die Missbrauchsprävention auf die Gefahren, die von Fremden ausgehen. Doch dank der Arbeit von Frauen- und Antirassismusgruppen und der Forschung in den letzten 40 Jahren hat sich gezeigt, dass die häufigsten Täter Menschen sind, die die Kinder kennen.

Wen Sie in Ihren Haushalt aufnehmen, ist von großer Bedeutung. Der beste Weg, Kindesmissbrauch zu verhindern, besteht meiner Meinung nach darin, die eigene Missbrauchsgeschichte im Blick zu behalten – den emotionalen, körperlichen oder sexuellen Missbrauch in Ihrer Geschichte vollständig zu verstehen, den entstandenen Schaden zu akzeptieren und in den Heilungsprozess zu investieren. Nur dann sind Sie wach und aufmerksam genug, um die Risiken für das Wohl Ihrer Kinder zu erkennen.

Da ich selbst Kindesmissbrauch erlitten habe, war es mir eine unglaubliche Freude, meinen Kindern ein gewaltfreies Zuhause zu bieten. Aber ich musste wieder lernen, auf meine Intuition zu hören, denn sie war durch den Missbrauch verstummt. Und dann musste ich mich dazu verpflichten, wach zu bleiben, egal, welche neue, verlockende Liebe mir über den Weg lief.

Im Laufe der Jahre habe ich den Datingprozess mit vielen attraktiven und an meiner Familie interessierten Menschen abgebrochen. Das waren Menschen, die nach außen hin liebevoll wirkten, aber gleichzeitig ein ungutes Bauchgefühl bezüglich meiner Sicherheit auslösten. Manchmal lag es daran, dass ich Widersprüche zwischen ihren Werten und ihrem Umgang mit anderen Menschen sah, obwohl sie mir gegenüber sehr liebevoll waren. Manchmal lag es daran, dass sie mich verbessern oder die Dinge kontrollieren wollten, während wir uns gerade erst kennenlernten.

Das waren Warnzeichen, die man in der Anfangszeit von großartigem Sex oder einer wunderbaren Schwärmerei oft übersieht. Und ich bin dankbar, in einer Gemeinschaft von früheren Missbrauchsopfern gelebt zu haben, die sich über viele Jahre für unsere Heilung eingesetzt haben, sodass ich früh erkennen konnte, dass diese Verhaltensweisen problematisch waren. Diese Erkenntnis half mir, mich gegen Menschen zu entscheiden. Das wirklich Erstaunliche ist, dass ich jetzt meinen eigenen inneren Roboter habe: Gefahr, Jaime Grant!

Kapitel 2

Was Polyamorie ist

IN DIESEM KAPITEL

Die einzigartigen Facetten der modernen Polyamorie entdeckenÜberlegen, wie ein polyamores Leben für Sie aussehen könnteDie Hauptgründe für die heutige Popularität der Polyamorie erkennen

In meiner Kindheit habe ich das Wort »Polyamorie« nie gehört, weil es dieses Wort damals noch nicht gab. Als Teenagerin in Boston in den 1970er-Jahren hörte ich ständig, dass Sex schmutzig und gefährlich sei. Dass ich jede Chance auf ein gutes Leben verwirken würde, wenn ich vor der Ehe Sex hätte. Dass Mädchen, die mit irgendjemandem Sex hatten – vor allem mit mehr als einer Person –, Schlampen seien: dazu verdammt, ausgestoßen zu werden. Der einzige Weg zu einem guten Leben war eine monogame Ehe nach Jahren vorsichtigen, keuschen Datings.

Wichtiges Detail: Alles, was ich vermeintlich tun musste, war, in angemessener Stille dazusitzen und darauf zu warten, dass der richtige Mann mich aus der Menge herauspickte.

Was mir meine irisch-katholische Einwanderergemeinde nicht erzählte – und wahrscheinlich auch nicht wusste –, war, dass Polyamorie unter unseren irischen Vorfahren weit verbreitet war. Kolonialisierung und Katholizismus hatten diese Praktiken unterdrückt und unsere Geschichte vertuscht. Und diese Auslöschung war in den letzten 400 Jahren in fast allen Kulturen und Nationen der Welt weit verbreitet.

Meine Eltern hätten nicht ahnen können, dass ich in dem Jahrzehnt aufwachsen würde, das eine Ära der freien Liebe einläutete. Sie waren nicht auf die explosionsartige Ausbreitung sozialer Bewegungen vorbereitet, die sich gegen jegliche Form von Autorität wandten. Während meiner Kindheit fingen die Antikriegs-, Bürgerrechts-, Black-Power-, Indigene Menschenrechts-, LGBTQ+- und Frauenrechtsbewegungen an, mit vielen lang gehegten Ansichten darüber zu brechen, was angemessen und akzeptabel sei.

Aus diesen Bewegungen für Frieden und sozialen Wandel gingen zahlreiche interethnische, interreligiöse, interkulturelle, queere, binäre und nicht-monogame Beziehungsformen hervor, darunter auch Polyamorie, ein Begriff, der 1990 von Morning Glory Zell-Ravenheart in ihrem Artikel »ein Strauß aus Liebhabern« (A Bouquet of Lovers) erstmals verwendet wurde.

Dieses Kapitel befasst sich mit Polyamorie und untersucht das aktuelle explosionsartige Interesse: Wie kam Polyamorie von den Kommunen zu Ihnen nach Hause? Was bedeutet Polyamorie heute, wie sieht sie aus und warum ist sie so ein Thema?

Zwangsmonogamie

Wie meine irischen Vorfahren praktizierten auch die Ureinwohner Nordamerikas vor der Kolonialisierung verschiedene Formen der nicht-monogamen und polyamoren Familienbildung. Englische Siedler schließlich betrachteten diese Praktiken als grausam und zwangen die monogame Ehe der Neuen Weltordnung auf. Die Völker des afrikanischen Kontinents wurden von ihren niederländischen, belgischen, französischen, portugiesischen und englischen Kolonialherren mit ähnlicher Gewalt konfrontiert, die Mehrpersonenehen und andere nicht-monogame Familienformen unterdrückten.

Definition von Polyamorie: Mehr lieben

Polyamorie bedeutet wörtlich mehr lieben. Als Unterkategorie des umfassenderen Konzepts der Nicht-Monogamie zeichnet sich Polyamorie durch den Wunsch aus, mehr als eine Lebenspartnerperson, einen vertrauten Menschen, einen Liebhaber oder eine Geliebte als festen Bestandteil der Familie zu haben.

Sie können sich Nicht-Monogamie als einen großen Oberbegriff vorstellen, unter dem eine ganze Reihe von offenen Beziehungsvereinbarungen und -aktivitäten zusammengefasst ist, darunter One-Night-Stands, Swingen, »Don't-Ask-Don't-Tell«-Beziehungen, außerehelicher Sex auf Geschäftsreisen, Freifahrtscheine zum Geburtstag oder Dreier.

Vorläufer der modernen Polyamorie

Nicht-Monogamie kam in den USA schon lange vor den 1970er-Jahren auf – man muss nur einen Blick auf die Arbeit von Victoria Woodhull werfen, einer Aktivistin der freien Liebe um die Jahrhundertwende, auf die Schriften der Flapper-Ära (wie etwa Der große Gatsby) oder die Musik schwarzer queerer Blues-Sänger in den 1930er-Jahren, um die verschiedensten Varianten nicht-monogamen Lebens in den USA des frühen 20. Jahrhunderts zu finden. Doch in den 1960er- und 1970er-Jahren entfachte ein Sturm der Emanzipationsbewegungen ein Feuer für die Neubetrachtung von Familie, Frauenrechten, Sexualität, Geschlecht, Rassismus und Krieg. Inmitten dieses Sturms etablierten sich lebendige Kommunen, darunter die Kommune Kerista, die Begriffe der polyamoren Community wie Polytreue (englisch Polyfidelity) und Mitfreude (englisch Compersion) prägte. Glory Zell-Ravenheart, die zur Church of all Worlds gehörte, verwendete 1990 in einem Artikel erstmals den Begriff Polyamorie – die Liebe vieler –, um ihre bewusst wechselnden Beziehungen zu beschreiben.

Obwohl Menschen in polyamoren Beziehungen sich neben ihren festen Partnerpersonen auch für lockere Treffen oder andere lockere Bekanntschaften entscheiden können, beschreibt Polyamorie eine Beziehung, die im Laufe der Zeit von und für mehrere feste Partnerpersonen aufgebaut wird.

Um es auf seine grundlegende Einfachheit herunterzubrechen:

Poly ist: Eine offene, fürsorgliche Beziehungsstruktur, die gleichberechtigte Partnerpersonen mit Respekt, Begeisterung und Ehrgeiz gemeinsam gestalten oder der sie zustimmen.Poly ist nicht: Eine geheimnisvolle, verwirrende, zwanghafte, von Ultimaten getriebene oder Angst einflößende Beziehungsvereinbarung, die nach einem Vertrauensbruch Bestandsschutz genießen kann, aber nicht muss.

Die folgenden Abschnitte konzentrieren sich auf die Säulen der modernen Polyamorie als Beziehungsform.

Die entscheidenden Merkmale der Polyamorie im 21. Jahrhundert zu verstehen – Einverständnis, vollständige Offenlegung beziehungsweise Transparenz und gegenseitiger Respekt –, ist die Grundlage dafür, zu verstehen, wie Polyamorie gelebt wird und wie sie sich weiterentwickelt. Hier erkläre ich, wie die zunehmende Betonung von Einverständnis, Ehrlichkeit und Respekt neue Möglichkeiten für mehr Liebe in der heutigen Zeit geschaffen hat.

Wenn ich meine Familie ansehe

Lassen Sie sich nicht einreden, dass es Polyamorie nicht gibt oder dass sie von ein paar Randgruppen erfunden wurde. Das Konzept, mehr als eine Person zu lieben, gibt es vermutlich schon immer, und wenn man genau hinschaut, findet man es sogar in vielen Familien. Hier drei Beispiele:

Aredvi: Meine eingewanderten Eltern verloren ihre Familien, als sie ihr Heimatland verließen. Später zog ich von meiner Familie weg. So berechtigt unsere Gründe für die Umzüge auch sein mochten, der Verlust bleibt groß. Aus diesem Grund ist Polyamorie für mich weniger eine moderne Praxis, sondern eher eine Rückbesinnung auf meine angestammten und ursprünglichen Wurzeln.

Bei kurzen Besuchen in der Heimatstadt meiner Eltern habe ich beobachtet, wie sich kleine und große Gruppen von Menschen in unterschiedlichen Formationen zum Feiern, Trauern, Essen und Spielen trafen. Ich sehne mich nach diesen Kreisen, die das Zusammensein mit anderen Menschen mit sich bringen, und wie sich Verbindungen auf ganz natürliche Weise bilden.

Bishop: Ich habe eine Tante, mit der ich sehr eng aufgewachsen bin. Ich habe sie immer mit mehreren Männern gleichzeitig ausgehen sehen. Ich erinnere mich, dass ich als Kind dachte, meine Tante sei eine »Schlampe«, weil sie unverheiratet war und mit mehreren Männern ausging. In den Medien wurde mir durchgängig vermittelt, dass Schlampen genau das tun.

Was mir jedoch bei meiner Tante auffiel, war die Zeit, die sie in sehr direkten Gesprächen mit den Männern verbrachte, mit denen sie sich traf. Ich erinnere mich noch, wie ich sie einmal fragte: »Tante, wann heiratest du?«, und sie lachte und sagte: »Wahrscheinlich nie, ich will nicht heiraten.« Ich fragte weiter, ob die Männer, mit denen sie ausging, sauer wären, wenn sie feststellten, dass sie mit ihnen allen ausging, und sie antwortete: »Männer, die mich kennenlernen, wissen genau, wie ich mich verabrede … ich würde mit keinem ausgehen, der dies als Fremdgehen anprangern würde.« Dieses Gespräch ist mir im Gedächtnis geblieben, und diese Art der sehr direkten und klaren Absteckung der Grenzen ist der Kern meiner Poly-Identität.

Mija: Als ich aufwuchs, habe ich das Wort Polyamorie nie gehört, aber einer meiner großen Brüder hat mir davon erzählt: »Es hat niemanden interessiert, mit wem oder wie du ausgingst – du wusstest, dass du aus der Beziehung raus warst, wenn deine Schuhe draußen standen.«

Wenn man sich die nicht-monogamen Experimente der 1970er-Jahre ansieht, die zur Entstehung des Begriffs Polyamorie führten, gibt es dort eine Menge schöner Dinge.

Die Menschen stellten Autoritäten aller Art infrage und versuchten, eine neue Welt zu schaffen.

Die Erfindung und Verfügbarkeit der Empfängnisverhütung ermöglichte es den Menschen, mit Sex und neuen Familienformen zu experimentieren, ohne Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft haben zu müssen.

Viele Menschen gründeten in dieser Zeit Großfamilien aus Liebenden, die allen Widrigkeiten zum Trotz freudig durchhielten und sie durchs Leben trugen.

Obwohl sie neue, revolutionäre Beziehungsformen anstrebten, waren viele der Menschen, die die vermeintlich freie Liebe praktizierten, in sehr alten Formen des Seins verhaftet. Die meisten Kommunen waren von den Vorstellungen über Männlichkeit und Familie aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs geprägt. LGBTQIA+-Personen waren oft ungeoutet oder wurden ausgegrenzt. Obwohl sie für Offenheit für alle eintraten, waren die Anhänger dieser Experimente überwiegend weiß und aus der Mittelschicht.

Dementsprechend handelte es sich bei manchen Ideen, die in dieser Ära als freie Liebe propagiert wurden, in Wirklichkeit um erzwungene Liebe. Beispielsweise gab es Kommunen, die von ihren Mitgliedern verlangten, jede Nacht zwischen Betten und Liebhabern zu wechseln.