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Begleiten Sie die Helden bei ihrem rauen Kampf gegen Outlaws und Revolverhelden oder auf staubigen Rindertrails. G. F. Barner ist legendär wie kaum ein anderer. Seine Vita zeichnet einen imposanten Erfolgsweg, wie er nur selten beschritten wurde. Als Western-Autor wurde er eine Institution. G. F. Barner wurde als Naturtalent entdeckt und dann als Schriftsteller berühmt. Seine Leser schwärmen von Romanen wie "Torlans letzter Ritt", "Sturm über Montana" und ganz besonders "Revolver-Jane". Der Western war für ihn ein Lebenselixier, und doch besitzt er auch in anderen Genres bemerkenswerte Popularität. guard erinnert, packt ihn wieder der Zorn und die Hilflosigkeit. Zwei Gedanken, die voller Bitterkeit und Rachegefühle sind. Und er ist nicht der Mann, seine Gefühle einfach vergessen zu können. »Sie haben ihn umgebracht«, sagt er finster und sieht auf die Pferde am Balken und die wenigen Männer auf dem Vorbau des Pocatello-RiversideSaloons. »Vielleicht hätte ich doch nicht aufhören sollen, aber…« Und in diesem letzten Wort ist alles enthalten, was ein Mann ausdrücken will, der genug von Ritten, von der stetigen Wachsamkeit und dem Rauch der Revolver hat. Es gab eine Zeit, in der Thor und Bros Partner waren. Sie zogen zusammen die größte Frachtlinie in Wyoming, Utah und Nevada auf. Und sie trennten sich erst, als dieses Geschäft blühte, beide genug hatten und Thor nicht mehr als Wagen- und Postkutschenboß jedem Streit und jedem schmutzigen Überfall nachzugehen brauchte. Damals pachtete Thor eine kleine Ranch, einige der Fahrer und einige Leute, deren Bekanntschaft er auf seinen vielen Reisen gemacht hatte, kamen zu ihm und waren seine Boys. Und sicher würde alles in friedlichen und sanften Bahnen verlaufen sein, wenn Bros Vanguard nicht die Salztransporte aus Utah und die damit verbundenen Geldlieferungen auf eigene Rechnung und Gefahr übernommen hätte. »Gefahr«, sagt Thor heiser vor sich hin. »Genau das war es, und genau darum hatte ich ihn gewarnt. Man steckt seinen Kopf nicht in den Rachen eines hungrigen Löwen. Genau das war es. Und jetzt haben sie den Transport überfallen und Bros ist tot. Er war mein Partner und der beste Mann, den ich jemals neben mir hatte. Zum Teufel, er hätte auf mich hören sollen.
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Seitenzahl: 163
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Als sich Thor Kelly an Bros Van-
guard erinnert, packt ihn wieder der Zorn und die Hilflosigkeit. Zwei Gedanken, die voller Bitterkeit und Rachegefühle sind.
Und er ist nicht der Mann, seine Gefühle einfach vergessen zu können.
»Sie haben ihn umgebracht«, sagt er finster und sieht auf die Pferde am Balken und die wenigen Männer auf dem Vorbau des Pocatello-RiversideSaloons. »Vielleicht hätte ich doch nicht aufhören sollen, aber…«
Und in diesem letzten Wort ist alles enthalten, was ein Mann ausdrücken will, der genug von Ritten, von der stetigen Wachsamkeit und dem Rauch der Revolver hat.
Es gab eine Zeit, in der Thor und Bros Partner waren. Sie zogen zusammen die größte Frachtlinie in Wyoming, Utah und Nevada auf. Und sie trennten sich erst, als dieses Geschäft blühte, beide genug hatten und Thor nicht mehr als Wagen- und Postkutschenboß jedem Streit und jedem schmutzigen Überfall nachzugehen brauchte.
Damals pachtete Thor eine kleine Ranch, einige der Fahrer und einige Leute, deren Bekanntschaft er auf seinen vielen Reisen gemacht hatte, kamen zu ihm und waren seine Boys.
Und sicher würde alles in friedlichen und sanften Bahnen verlaufen sein, wenn Bros Vanguard nicht die Salztransporte aus Utah und die damit verbundenen Geldlieferungen auf eigene Rechnung und Gefahr übernommen hätte.
»Gefahr«, sagt Thor heiser vor sich hin. »Genau das war es, und genau darum hatte ich ihn gewarnt. Man steckt seinen Kopf nicht in den Rachen eines hungrigen Löwen. Genau das war es. Und jetzt haben sie den Transport überfallen und Bros ist tot. Er war mein Partner und der beste Mann, den ich jemals neben mir hatte. Zum Teufel, er hätte auf mich hören sollen. Aber, es war wohl sein Wagemut und seine Fröhlichkeit. Von der Fröhlichkeit wurde noch Eve angesteckt. Nun ja, Eve…«
Als er an Eve Cantrill denkt, verzieht sich sein Gesicht. Und er bedauert nichts mehr, als daß sie nun noch vor der Hochzeit den Mann verloren hat, der ihr der bessere Mann zu sein schien von zwei Freunden. Sie wollte Bros nehmen. Und vielleicht wußte nur ein Mann, daß es niemals lange gutgegangen sein würde – ein Mann – Thor! Er kannte seinen Partner besser, als jeder andere Mann und als jede Frau.
»Er war ein prächtiger Bursche, aber er konnte ja an keinem Unterrock vorbeigehen, ohne… Nun ja«, sagt Kelly sanft. »Das war einer seiner Fehler. Aber wer hat keinen Fehler, wie? Bros hätte sie nie glücklich machen können, nicht für alle Zeit.«
Er denkt an ihr silberblondes Haar, ihre kleine Nase, die einen Mann zum Küssen reizte und an einige Dinge mehr, die es machten, daß er sich zum ersten Male in seinem Leben Hals über Kopf verliebte. Daß sie diese Liebe wie die Zuneigung eines großes Bruders aufnahm, kränkte ihn zuerst. Sie kam sogar mit allen Sorgen zu ihm und sagte ihm schließlich, daß Bros sie geküßt habe und was sie nun tun solle.
Thor Kelly steigt ab und seufzt heiser. Er erinnert sich an ihr Gespräch und an den Schlag, den er dabei empfand. Sie sah ihm seine an Bestürzung grenzende Überraschung nicht an und plauderte lustig weiter, wie schön der Mond geschienen habe und was Bros nun alles machen wollte. Und er war ein Narr und sagte nichts, außer ihr noch einige gute Ratschläge zu geben. Und dann wollten sie heiraten, und dann schoß man Bros Vanguard vor ihrem Haus tot, als er die beiden Geldtaschen zur Bank bringen wollte und noch zwei andere Männer bei sich hatte.
»Er hätte den kürzesten Weg nehmen sollen und sich den Umweg sparen sollen, dann würden die Kerle es nicht geschafft haben«, sagt Thor bitter. »Achttausend Dollar weg und drei Tote. Als wenn achttausend lumpige Böcke drei gute Männer wert waren. Nun gut, Cliff konnte noch reden. Und was er sagte, war deutlich genug. Dieser Bursche, dem der kleine Finger an der linken Hand fehlt, wird mir nicht weglaufen können. Und wenn ich ihn finde, dann wird er tot sein. Es waren vier Männer, vier Wölfe. Und sie müssen ihn beobachtet haben, als er aus der Kutsche das Geld holte. Sie sind ihnen dann nachgeschlichen und haben sie in der dunklen Gasse einfach von hinten erschossen.«
Er beißt sich auf die Lippen. Sein Schimmel schnaubt leicht.
Es ist jetzt gerade achtundvierzig Stunden her, seit Bros tot ist. Und Thor hat das bittere Gefühl, eine Frau getröstet zu haben, die er immer noch liebt und die fast zusammenbrach, als sie die Nachricht erhielt.
»So ist das, ruhig, ruhig, mein Freund«, sagt er und klatscht dem Schimmel seine Hand an den Hals. »Well, sie war ziemlich fertig und beschwor mich, seine Mörder zu suchen. Nun gut, ich hätte es auch ohne ihre Bitten getan. Man hat nur einmal einen Freund. Und Bros besaß alles, was einen Freund ausmacht. Ich hätte seine Mörder auch so gesucht. Die Ranch hat Leute genug, die sie zwei Monate versorgen können. Und Eve ist auf der Ranch gut aufgehoben. Sollte ich sie allein dort lassen? In einer Stadt, in der sie nicht mehr atmen zu können glaubt? Sie wollte auf die Ranch. Und ich Narr habe sie noch hingebracht, als wenn mich das nichts kostet, ich meine, an Gefühlen. Sie wird sicher jetzt in meinem Sessel sitzen und die Füße an den Kamin halten. Oh, verdammt.«
Er stellt sich vor, wie prächtig es gewesen wäre, wenn sie ohne diese Geschichte mit Bros freiwillig zu ihm auf die Ranch gekommen sein würde. Und er weiß doch, daß diese vage Hoffnung in ein Nichts zerrann.
Er stößt sich leicht ab und legt die Hand auf den großen Revolverkolben seines Western-Colts. Eine Bewegung, die er lange Zeit nicht mehr nötig zu haben glaubte. Jetzt muß er das Eisen leicht nach vorn in die richtige Ziehstellung rücken und sieht sich einmal um.
Thor Kelly ist in dieser Stadt ziemlich bekannt und kennt selbst alle Saloons und Spielhallen, alle Tanzpaläste und sonstigen Amüsierbetriebe in der Stadt. Er hat sie alle durchgesehen und ist hereingekommen, als wenn er nur einen Drink nehmen wollte. Aber seinen Mann hat er nicht gefunden. Nur dieser Riverside-Saloon ist noch übrig geblieben. Und sicher findet er auch dort nichts.
»Ich weiß wie das ist, wenn jemand die Taschen voll Geld hat«, sagt er ruhig. »Mancher Mann würde so schnell wie möglich verschwinden, aber mancher Narr will für sein Geld etwas erleben. Vielleicht ein Abenteuer, vielleicht läßt er sich bis an die Ohren voll Whisky laufen und vielleicht hat er Gefallen daran, einen lustigen Kreis um sich zu haben, den er mit seinem Geld freihalten kann. Nun, ich werde es sehen. Sie sind nach Norden verschwunden, das weiß ich genau. Wenn ich die Spur auch in den Bergen verloren habe, ich bin sicher, sie sind immer weiter nach Norden unterwegs.«
Er hat jetzt den Colt in der richtigen Lage und streicht einmal mit den Fingerspitzen über den Abzugshahn hinweg. Dann geht er los.
Aus dem Saloon dringt das Gelärme von mehr als hundert Kehlen. Irgend etwas ist dort drin los. Und wenn das Plakat neben der Tür recht hat, sehen die Männer eine Show von zwanzig Girls, die mit Netzstrümpfen herumhüpfen. »Well, dann hinein.«
Und als er das gesagt hat, wird sein schon ohnehin hartes Gesicht kalt. Er hat die Fähigkeit, sich auf einen Kampf oder einen Ärger blitzschnell zu konzentrieren. Dieser Augenblick geht schnell vorüber, dann ist sein Gesicht wieder glatt und sieht gelangweilt aus.
Die Männer auf dem Vorbau sehen ihn kommen, starren auf sein großes Leinenhemd, die dunkle Weste und die dunkle Hose, unter denen die Stiefel heraussehen. Es sind Stiefel mit großen Radsporen, die einen flachen Absatz haben. Ein Mann, der gerade neugierig über die Tür sieht, dreht sich um, als die Sporen hinter ihm singen und sagt seufzend:
»Oh, Boy, oh, Boy. Es ist doch traurig, wenn man leere Taschen hat, was? Nicht einmal einen Whisky kann man sich genehmigen. Ich glaube, ich gehe auch bald weg und mache wie die anderen die Reise nach dem Salmon Knie. Bruder, hast du nicht einen Drink übrig?«
Er sieht Thor an und Thor nickt leicht. Ruhig greift er mit zwei spitzen Fingern in die Tasche und wirft dem Mann einen Dollar zu.
»Ich sage ja, es gibt noch anständige Leute«, sagt der Mann und lüftet seinen Hut gravitätisch. Und dabei macht er fast dieselbe Bewegung wie sonst Bros Vanguard.
Es gibt Thor einen leichten Stich, denn dieser Mann ist auch von jener leichtsinnigen Fröhlichkeit, die Bros immer an sich hatte.
Dann stößt er die Tür auf und geht über den Schwellenbalken.
Er sieht die Lichter des Saloons, er sieht die Männer und erkennt an der aufmerksamen Haltung, daß sie alle auf die Bühne starren. Es ist eine Bühne, die ziemlich hoch gebaut ist.
Und die Girls auf der Bühne, die in den weiten Rüschenröcken und den knappen Miedern stecken, haben wirklich keine schlechten Beine. Das ist Thors zweiter Eindruck. Er sieht den Star des Can-Can-Ballettes in der Mitte leicht vor den anderen Girls. Die rothaarige und in einem grünen Kleid steckende Sängern und sich La Roche nennende Chefin, beginnt langsam an die Rampe zu gehen.
Sie singt dabei und nicht einmal schlecht. Dann kommt sie eine sechsstufige Treppe in den Saal herunter und streicht einem Oldtimer einmal mit der parfümierten und behandschuhten Hand um das stoppelbärtige Kinn.
Thor Kelly geht langsam weiter und nähert sich dem Tresen. Und er weiß aus Erfahrung, daß der Platz des Hauptkeepers am Tresen immer so gewählt ist, daß dieser Mann den gesamten Saloon überblicken kann und die Menge ständig unter Kontrolle hat.
Er sieht Vance Abitarde an seinem Platz stehen und auch auf die Bühne und die sich jetzt zwischen den Tischreihen bewegende La Roche sehen.
Vance ist ein etwas behäbiger Mann, war eine lange Zeit auf verschiedenen Plätzen zu finden, an denen Faustkämpfe ausgetragen wurden und hat die Zeichen seiner rauhen Zeit immer noch im Gesicht stehen. Seine Nase ist platt und die Ohren stark verknorpelt. Vom linken Ohr fehlt eine ganze Partie.
Erst als Thor fast vor dem Tresen ist, dreht sich Vance leicht und zuckt zusammen, als er Thor erkennt. Dann greift er unter den Tresen und holt hastig eine Flasche heraus.
»Hallo, Thor«, sagt er gedämpft und benutzt wie alle Leute, die Thor kennen, nicht seinen vollen Vornamen, der eigentlich Thorsten lautet. »Erfreut, dich zu sehen. Nun, was machst du denn so? Ich hörte, du hast nun eine Ranch?«
»Das stimmt, Vance«, lächelt Thor sacht. »Mach das Glas nicht ganz voll, ich bin nicht wild darauf, dich zu schädigen. Du kennst meine Marke also immer noch?«
»Denkst du, die vergesse ich jemals?« brummelt Vance und erinnert sich dabei an die Geschichte, als Thor jemand eine Flasche dieses prächtigen Whiskys über den Kopf schlug, der Vance mit einem Messer kitzeln wollte. Und Vance hat vor nichts Angst, außer vor Messern. Er ist auch sehr dankbar und vergißt es nie, wenn jemand ihm einmal geholfen hat.
Schweigend schenkt er das Glas nur halb voll. Und das ist das erste Zeichen, daß ein Mann, der Thor Kelly kennt, nie mehr tut, als Thor sagt, aber auch nicht weniger.
»Viel Betrieb«, murmelt Thor leise, »ich gehe gleich wieder. Vance, hast du vielleicht vier Männer gesehen? Der eine soll groß und ziemlich breit sein, der andere klein und fast mager und einer auch nicht sehr groß und im Gegensatz zu dem Kleinen breit gebaut. Dann ist noch einer dabei, dem fehlt der linke kleine Finger.«
Vance sieht ihn an und kneift die schweren Lider zusammen.
»Gleich vier? Was ist passiert, Thor? Hast du Ärger?«
»Ich nicht, Bros.«
»Schlimme Sache?«
»Ziemlich«, murmelt Thor Kelly. »Bros ist tot. Hast du davon noch nichts gehört? Ich dachte, ihr wüßtet es hier schon. Es waren vier Mann, aber die Beschreibung von drei Männern ist ungenau, sie paßt auf jeden und alle. Nur die Beschreibung des vierten Mannes habe ich. Er beugte sich über Bros und nahm ihm die Geldtaschen weg. Jemand sah ihn dabei genau. Er soll ein dreieckiges Gesicht habe, wenigstens war das Kinn verdammt spitz, das unter seinem Tuch heraussah. Und an seiner linken Hand fehlt der kleine Finger.«
»Armer Bros. Er war ein so lustiger Junge«, sagt Vance bestürzt. »War er allein?«
»Nein, Cliff und Goddard auch noch«, antwortet Thor. »Beide sind tot. Niemand kannte die Burschen. Sie waren auch noch nie in der Stadt. Nun, hast du sie gesehen?«
»Bestimmt nicht«, meint Vance heiser. »Nein, hier nicht. Ich habe zwar erst vor einer Stunde meinen Platz eingenommen, aber… Augenblick.«
Er wendet sich kurz um und macht zwei Schritte. Und dann wendet er sich einem seiner Leute zu und flüstert mit ihm. Der Mann schüttelt den Kopf, sieht aber in der nächsten Sekunde nach rechts und Thor blickt sich langsam um. Er sieht in die Richtung, in die auch der Ausschenker blickt und erkennt die Nischen an der rechten Wand.
Vance hat immer eine Anzahl Girls in seinem Saloon, die den Män-
nern Gesellschaft leisten und auch mit ihnen tanzen. Und meist ziehen sich diese Girls, wenn sie ein zahlungskräftiges Opfer gefunden haben, mit diesem in eine der Nischen zurück.
Jetzt blickt der Ausschenker auf eine dieser Nischen, Thor nimmt den Blick herum und sieht in der zweitletzten Nische drei Girls auf einmal.
Im gleichen Augenblick taucht hinter der Wand der Nische, so weit er sie gerade einsehen kann, eine Hand auf, die eine Flasche schwenkt und sie auf den Tisch stellt.
Von dem Mann selber ist nichts zu sehen, aber Thor sieht die Hand.
Und an der Hand fehlt der linke kleine Finger.
Thor Kelly zuckt nicht einmal zusammen, nur seine Lippen pressen sich aufeinander, sein Blick wird jäh scharf und dann ist die Hand auch schon wieder weg.
Einem der Waiter, der nicht weit von der Nische steht, winkt das eine blonde und gepuderte Girl zu und der Waiter dreht sich jäh um.
Er geht auf die Nische zu, nimmt die Flasche und kommt eilig zum Tresen.
»Vance«, sagt Thor heiser. »Vance, komm her.«
Vance Abitarde ist wie ein folgsamer Hund. Er dreht sich sofort um, kommt auf seinen alten Platz und sieht Thor mit schmalen Augen an.
»Thor, da sitzt einer, dem der kleine Finger fehlt«, sagt er heiser. »Ich habe es nicht gewußt, aber Clem erinnerte sich. Stanton, komm her.«
Der Waiter, der die leere Flasche gerade auf den Tresen stellen will, führt eine Schwenkung aus und dreht sich um. Er kommt hin, sieht seinen Boß erstaunt an und fragt:
»Was ist, Boß?«
»Wie sieht der Mann aus, der dort mit Molly, Ginger und Lora zusammen ist?«
»Der ist schlank und trägt zwei Revolver«, erwidert der Waiter. Und es ist typisch, daß für ihn zwei Revolver vielleicht bemerkenswerter sind, als das Gesicht des Mannes.
»Weiter«, sagt Vance hastig. »Sein Gesicht?«
»Nun, spitz. Er hat ein spitzes Kinn und helle Augen. Ich würde sagen, er sieht wie eine Spitzmaus aus, Boß. Ist was mit ihm?«
Er sieht dabei unsicher von Vance zu Thor und der lächelt seltsam karg und ruhig.
»Mit ihm ist nichts«, erwidert Thor Kelly. »Mister, was soll mit ihm sein? Vance, gib mir die Flasche, die er ihm bringen soll.«
»Sicher«, murmelt Vance heiser. »Mach nur immer, was du willst. Heh, Stanton, seit wann ist der Kerl hier?«
»Seit gestern früh«, erwidert der Waiter. »Er kam gegen zehn Uhr. Wir hatten gerade aufgemacht. Er hat sich gleich mit Molly an den Tisch gesetzt und gesagt, sie soll die anderen Girls auch holen. Und dann hat er für sie Champagner bestellt und er selbst blieb bei Whisky. Er wohnt bei Ginger im Haus, aber was er dort macht, weiß ich nicht. Ich glaube, Ginger erzählte so was, daß er nur auf der Durchreise sei. Boß, das ist meine Gegend, ich meine, das mit der Flasche…«
»Das geht in Ordnung«, erwidert Thor sanft. »Du wirst dein Geld schon bekommen, mein Freund. Vance, gibst du mir die Flasche?«
»Sicher, nimm sie dir«, meint Vance langsam. »Meinst du, daß es dieser Mann sein könnte? Einer aus dem Rudel?«
»Vielleicht«, sagt Thor. »Stanton, hat er viel Geld?«
»Er bezahlt jedesmal mit Fünfzigern«, erklärt der Waiter. »Was ist mit ihm, Boß?«
»Du hörst doch, nichts«, brummt Vance Abitarde. »Well, Thor, paß auf, er hat zwei Revolver.«
»Wenn man es weiß…«, lächelt Thor dunkel.
Und dann dreht er sich leicht, nimmt die Flasche und geht los. Er geht langbeinig und unbeachtet, denn die La Roche singt wieder an der Bühne und rafft dabei ihren Rock leicht an, auf die Nischen zu. Er kommt an einer vorbei, sieht dort einen Angetrunkenen sitzen, dem ein Girl aus einem Glas den letzten Rest einflößt und kommt weiter.
Als er auf drei Schritte herankommt, hört er eins der Girls in der Nische kichern und eine andere sagt:
»Schenkst du mir auch was, wenn ich…«
»Ihr seid doch alle gleich«, sagt innen eine etwas hoch und zu hell klingende Stimme. »Ihr versprecht alles und haltet nichts. Baby, wen glaubst du vor dir zu haben?«
Die Stimme klingt nach Whisky und die Worte kommen etwas mühsam. Und Thor, der stehengeblieben ist, schiebt sich jetzt weiter. Er geht auf die Wand zu und denkt:
Fünfziger. In dem Packen waren auch lauter Fünfziger. Das wirst du noch bezahlen, Freundchen. Und dann nichts mehr, das verspreche ich dir.
Und dann ist er um die Wand herum, steht nun genau im Rücken des einen Girls, das einen tiefen Kleidausschnitt am Rücken hat und die Haare hochgesteckt trägt. Sie hört die Schritte, sieht sich aus ihren veilchenblauen Augen um und macht die Augen weit auf. Und sicher wundert sie sich, warum kein Waiter kommt, sondern ein Fremder, der dazu noch in Reittracht steckt.
»Hallo, Mister«, sagt Thor und sieht den Mann an. »Hallo, Ihr Whisky.«
Der Mann hat eckige Schultern, ein dunkles Hemd und eine hellere, einmal graue Weste an. Er hat den rechten Arm um eines der Girls gelegt und greift mit der linken Hand zu. Und als die Linke kommt und sich um die Flasche legt, erkennt Thor wieder den fehlenden kleinen Finger und sagt scharf:
»Raus mit euch hier. Ich habe mit diesem Mister zu reden. Verschwindet!«
Die Blonde vor ihm steht sofort auf, die Rothaarige links von dem Mann rafft eilig den Rock zusammen und drückt sich seitlich an Thor vorbei, nur die Brünette zaudert einen Augenblick.
Und in diesem Augenblick gleitet die Hand mit den vier Fingern von der Flasche ab und die rechte Hand löst sich von der Schulter der Brünetten.
»Laß die Hände auf dem Tisch, Mister«, zischt Thor leise. »Laß sie nur oben. So ist es richtig. Nun, Lady…«
Die Brünette starrt ihn an, erhebt sich dann und sagt heiser:
»Was soll das? Ich werde mich beim Boß beschweren.«
»Das kannst du, wenn es hilft«, erwidert Thor, ohne seinen Blick von dem Mister zu lösen. »Verschwinde, aber schnell.«
Sie sieht nun seine linke Hand und zuckt zusammen.
Thor Kellys Hand liegt seit einer ganzen Zeit auf dem Kolben des Revolvers.
»Oh«, sagt sie erschrocken. »Bis nachher, Bill.«
Bill, denkt Thor mit plötzlicher Wut. Genauso hat der eine Kerl geredet, als sie Bros erschossen hatten. Bill, sagte er, nimm schnell die Taschen und dann weg. Dieser Narr, er hat sogar seinen Namen behalten.
Er sieht den Mann dabei kalt an und der starrt genauso kalt und abwartend zu ihm hoch. Er hat die Hände auf dem Tisch liegen und Thor erkennt an ihrer Stellung, daß er sie blitzschnell auch um die Kante legen kann, wenn er eine Chance bekommt.
»Was willst du?« fragt Bill hoch. »Was soll das? Ich sitze hier mit ein paar Girls und du kommst einfach…«
