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Dass freiwilliger Sex-Verzicht der Frauen als Ausweg aus ihrer Unterdrückung, den Karin Reschke in ihrem im Kursbuch 192 wiederabgedruckten Beitrag aus Kursbuch 47 von 1977 ausgerufen hat, heute nicht mehr ernsthaft diskutiert wird, ändert nichts daran, dass zwar in veränderter Form, aber dennoch fast alles noch gilt, was sie berichtet. Die Asymmetrie von Frauen und Männern und die gesellschaftlichen Benachteiligungen von Frauen stehen immer noch als unerledigte Aufgaben im Raum.
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Seitenzahl: 22
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Frauen II
Inhalt
Karin Reschke Power Frauen! Zum Wiederabdruck meines Essays aus dem Kursbuch 47. Frauen, 1977
Die Autorin
Impressum
Karin Reschke Power Frauen! Zum Wiederabdruck meines Essays aus dem Kursbuch 47. Frauen, 1977
avenidasavenidas y flores
floresflores y mujeres
avenidas y flores y mujeres yun admirador
Der Vers von Eugen Gomringer prangt seit 2011 an der Südfassade der privaten Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. In diesem Sommer empörten die sechs Zeilen in spanischer Sprache die Studentinnen der Hochschule. Sie entdeckten in den wenigen Worten die Frauenfeindlichkeit des kurzen Textes. Mit dem AStA protestierten sie öffentlich gegen das Gedicht. Ihrer Ansicht nach vertrete der Vers »nicht nur eine klassische patriarchalische Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren«. Der Vers erinnere »zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen alltäglich ausgesetzt sind«. Das Gedicht wirke »wie eine Erinnerung daran, dass objektiv und potenziell übergriffige und sexualisierende Blicke überall sein können. Eine Degradierung zu bewundernswürdigen Objekten im öffentlichen Raum, der uns Angst macht«.
Was erzählt der Vers Frauenfeindliches? Er deklamiert: Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer.
Spanisch gelesen, auch wenn frau kein Spanisch spricht, rhythmisiert der Autor Alleen und Blumen zu einer einfachen Melodie. Frauen und Blumen sind für ihn Bilder, die zusammengehören, also schön sind, bewundernswürdig, wie ein Bild. Von Sexualität keine Spur, von einer Degradierung bewundernswürdiger Objekte keine Rede. Die Muse in diesem Vers ist die Allegorie, eine Denkfigur, und nicht die Frau, zum Objekt herabgewürdigt.
Gomringers Vers soll nach dem Wunsch des AStA von der Fassade verschwinden.
Fantasieren die Studentinnen ihre Angst herbei, weil sie sich täglich im öffentlichen Raum sexualisierten Blicken ausgesetzt fühlen, muss ein harmloser, poetischer Text herhalten, ihr Unwohlsein vor männlicher Bewunderung zu artikulieren? Laufen sie nicht in kurzen Höschen, bauchfreien Hemden durch die Straßen, um ihrer Freizügigkeit willen? Oder haben sie sich schon unsichtbar gemacht unter Tschador und Burka, wie unsere Neubürgerinnen aus den Flüchtlingsunterkünften?
Ihre Einschätzungen des Textes und ihre Forderung, den Vers zu übertünchen, erinnern an Feminismusdebatten aus den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, als frau den Versuch wagte, die männlich geprägte Sprache ins Weibliche zu verwandeln, ein Unterfangen, das scheitern musste, weil Gesellschaft weibliches und männliches Denken, Sprechen, Schreiben nicht voneinander trennen kann. Die männliche Dominanz in Politik, Wirtschaft und Kultur erlaubt seit Langem weibliche Intervention, fordert sie entschieden. Machtaneignung, bis ins höchste Staatsamt.
