Praxisbuch spektakuläre Landschaftsfotografie - Albert Dros - E-Book

Praxisbuch spektakuläre Landschaftsfotografie E-Book

Albert Dros

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Beschreibung

Landschaften und Stadtlandschaften mit Wow-Effekt fotografieren

  • Zeigt, wie atemberaubende Bilder voller Kraft entstehen
  • Bildbearbeitungs-Workshops mit Anleitungen für spektakuläre Looks
  • Motive aus der ganzen Welt von einem international tätigen Fotografen

Jeder kennt die Fotografien atemberaubender Landschaften in dramatischem Licht. Perfekte Bilder, bei denen alles stimmt: der Ort, die Komposition, die Farben, das Licht, der Kontrast und die Nachbearbeitung.
Doch was ist das Geheimnis dieser spektakulären Bilder? Sind sie ein Glücksfall? Oder sind sie das Ergebnis kluger Vor- und Nachbereitung? Wie lautet das Rezept für die Erstellung Ihrer eigenen Landschaften mit Wow-Effekt? Albert Dros kennt die Geheimnisse der Landschaftsfotografie wie kein anderer und teilt sie gerne mit Ihnen in diesem Praxisbuch für spektakuläre Landschaftsfotografie. Sie werden alles über die Bedeutung von Vision und Visualisierung lesen. Schritt für Schritt führt Sie der Autor durch die perfekte Vorbereitung, die Methode im Feld, erläutert die Rolle von Wetter und Licht sowie die Möglichkeiten der Nachbearbeitung. Anhand zahlreicher Beispiele unterschiedlichster Landschaften und Stadtlandschaften zeigt der Autor alle Schritte bis zum fertigen Bild im Detail, sodass Sie beim Anblick Ihrer eigenen Fotos anschließend auch "Wow" sagen können.

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Albert Dros wurde bei seinem Aufenthalt in Hongkong von der Fotoleidenschaft gepackt. Seit seiner Rückkehr in die Niederlande hat ihn die Fotografie nicht mehr losgelassen. Ein Foto der Milchstraße mit der internationalen Raumstation ISS war sein großer Durchbruch. Heute reist Albert als Vollzeit-Landschaftsfotograf rund um die Welt. Er führt Fotoreisen durch, bietet Videokurse zur Bildbearbeitung an und hat Looks für Luminar kreiert. Darüber hinaus ist er weltweit als Sony-Markenbotschafter unterwegs.

www.albertdros.com

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Albert Dros

Praxisbuch spektakuläreLandschaftsfotografie

Landschaften und Stadtlandschaftendramatisch in Szene setzen

Übersetzung aus dem Niederländischen von Rolf Dräther

Albert Dros · www.albertdros.com

Lektorat: Rudolf Krahm

Lektoratsassistenz: Anja Weimer

Übersetzung: Rolf Dräther

Copy-Editing: Friederike Daenecke, Zülpich

Layout & Satz: Birgit Bäuerlein

Herstellung: Stefanie Weidner, Frank Heidt

Umschlaggestaltung: Helmut Kraus, www.exclam.de, unter Verwendung eines Fotos des Autors

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN:

 

Print

978-3-86490-892-7

PDF

978-3-96910-850-5

ePub

978-3-96910-851-2

mobi

978-3-96910-852-9

1. Auflage 2022

Translation Copyright für die deutschsprachige Ausgabe © 2022 dpunkt.verlag GmbH

Wieblinger Weg 17

69123 Heidelberg

Copyright der niederländischen Originalausgabe © 2020 by PiXFACTORY

Copyright Fotos: Albert Dros

Titel der Originalausgabe: Wowscapes: Handboek spectaculaire landschapsfotografie

PiXFACTORY, Watergoorweg 104, 3861 MA Nijkerk

ISBN: 978-9079588268

Hinweis:

Der Umwelt zuliebe verzichten wir auf die Einschweißfolie.

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Alle Angaben und Programme in diesem Buch wurden mit größter Sorgfalt kontrolliert. Weder Autor noch Verlag noch Übersetzer können jedoch für Schäden haftbar gemacht werden, die in Zusammenhang mit der Verwendung dieses Buches stehen.

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Vorwort

Dieses Buch wollte ich schon lange schreiben. Ein Buch, in dem ich meinen gesamten Erfahrungsschatz vermitteln kann und Sie als Leserinnen und Leser hoffentlich viel Neues und Inspirierendes lernen. Hier erzähle ich, Albert Dros, wie ich meine Fotos mache. Dabei gibt es für mich keine Geheimnisse. Ich bin überzeugt, dass jeder die Welt mit anderen Augen sieht. Deshalb ist auch Fotografieren für jeden anders. Und ich unterstütze Menschen gern dabei, ihre Fotografie weiterzuentwickeln.

Ich wurde 1985 in Amersfoort, Niederlande, geboren und war schon als Kind von Bildern und vom Zeichnen fasziniert, was sich später zum Interesse an Design wandelte. Nach Abschluss meines Medientechnik-Studiums arbeitete ich viel in der Video- und Rundfunkbranche und entwickelte grafische Entwürfe, die anschließend live im Fernsehen zu sehen waren. In den Jahren 2012 bis 2013 wohnte ich eine Zeitlang in Hongkong. Dort erwarb ich einen Masterabschluss in Multimedia- und Entertainment-Technologie und entdeckte meine Begeisterung für die Fotografie.

Hongkong ist eine Stadt, die unweigerlich inspiriert. Sie hat eigentlich alles: riesige Wolkenkratzer, eine der schönsten Skylines der Welt, interessante Menschen auf den Straßen, unzählige Straßen- und Nachtmärkte, und überall tobt das Leben.

Die Stadt ist auch für ihre spektakuläre Architektur bekannt, doch was viele Menschen nicht wissen – in Hongkong gibt es auch großartige Landschaften. Gemeinsam mit Freunden war ich häufig rund um die Stadt wandern. Eine Stunde mit der Metro, und man steht mitten in einem wundervollen Naturgebiet – und sieht in der Ferne die eindrucksvolle Stadtsilhouette. Das waren herrliche Zeiten voller schöner Erinnerungen. Ich reise noch immer gern dorthin.

Meine Begeisterung für die Fotografie war groß, und nach meiner Rückkehr in die Niederlande blieb ich weiter dran. Zwar arbeitete ich noch immer freiberuflich an Gestaltungs- und Animationsaufträgen, ich beschäftigte mich jedoch zunehmend mehr mit Fotografie. Langsam begann ich, Geld damit zu verdienen. Inzwischen arbeite ich seit etlichen Jahren als professioneller Fotograf und habe mir in der Landschaftsfotografie einen Namen gemacht. Das kommt vor allem daher, dass ich versuche, besondere und innovative Bilder zu machen. Ich will mit meinen Fotos stets einen Wow-Effekt erzeugen. Eindrucksvolle Landschaften unter einem Sternenhimmel, Vulkane, Nordlicht, Sonnen- und Mondfinsternisse – ich lasse nichts aus.

Die Skyline von Hongkong, fotografiert mit Teleobjektiv von einem der umliegenden Hügel.

Fotografie ist für mich nicht Beruf, sondern Leidenschaft. Das hat sich wie von selbst entwickelt, da ich mich rund um die Uhr mit Fotografie beschäftige. Dafür bin ich viel auf Reisen, doch auch in den Niederlanden finde ich mehr als genug Anregungen. Mir geht es weniger um den Ort als vielmehr um die Bedingungen. Ich verspüre eine unendliche Begeisterung für Landschaftsfotografie und mir gefällt einfach alles – weiträumige Landschaften ebenso wie die kleinsten Dinge, die auf den ersten Blick gar nicht so einfach zu entdecken sind.

Für meine Fotografie spielen mehrere Aspekte eine wichtige Rolle: Ich plane gern, ich sehe überall Potenziale, und oft versuche ich mir bereits vorzustellen, wie ein Foto nach einer möglichen Bildbearbeitung aussehen wird. Bildbearbeitung ist für mich wichtig, da sie meiner Begeisterung für Design entgegenkommt. All diese Aspekte behandele ich im vorliegenden Buch. Ich erzähle, wie ich die Welt betrachte, wie ich meine Bilder vor mir sehe, was mir an einem ganz normalen Tag so alles durch den Kopf geht, wie ich das Wetter und das Licht lese und wie ein Foto von Anfang bis Ende entsteht. Dieses Buch möchte Sie als Leser bzw. Leserin ermuntern, sich mit all diesen Aspekten der Landschaftsfotografie auseinanderzusetzen und sich selbst ans Werk zu machen.

Albert Dros

Inhaltsverzeichnis

1Vision

1.1(Hin-)Schauen

1.2Visualisieren

1.3Die eigene Bucket List erstellen

Ein persönliches Beispiel

1.4Manchmal klappt es auch nicht

1.5Ein fotografischer Blick

1.6Achten Sie auch auf Details

1.7(Hin-)Schauen mit erstrebtem Endergebnis

2Planung und Vorbereitung

2.1Inspiration

2.2Orte

Google

Google Street View

Google Earth Pro

Soziale Medien

2.3Die Grenzen seiner Ausrüstung kennen

Der Dynamikumfang

Der (Weit-)Winkel des Objektivs

Der Fokus

Der ISO-Wert

2.4Planung

Das Wetter planen

Sonnenauf- und -untergänge

Nebel

Regen

Schnee

Sturm

Nachtstunden

Komplementäre Farben

Orte zu unterschiedlichen Jahreszeiten und Wetterbedingungen aufsuchen

Tools

Einen Sonnenauf- oder -untergang planen

Einen Sonnenaufgang mit PhotoPills planen

Fotos mit langen Belichtungszeiten planen

Fotos mit Reflexionen planen

Fotos mit Nebel planen

Fotos von der Milchstraße planen

Milchstraßenfotos mit PhotoPills planen

Ein Milchstraßenfoto mit ausbrechendem Vulkan planen

Spektakuläre Mondfotos planen

Fotos vom Supermond planen

3Fotografieren

3.1Zum ersten Mal vor Ort

Trainingsaufgabe

3.2Eine erfolgreiche Komposition erstellen

Vordergrund

Führungslinien

Reflexionen

Fotos im Hochformat

Maßstab

Mit der Schärfentiefe spielen

Der Sonnenstern

Tiefe und Ebenen

Balance

3.3Mit dem Teleobjektiv fotografieren

Ausreißer

Kompression

Details wahrnehmen

Muster

3.4Komposition ist nicht alles

3.5Extreme Perspektiven und Weitwinkelobjektive

3.6Ausrüstung

Kamera- und Objektiv-Must-haves

Kreative Extreme

Filter

So verwenden Sie (Neutraldichte- bzw. ND-)Filter

Unverzichtbare Ausrüstung

3.7Einstellungen

Die Blende

Die Belichtungszeit

Der ISO-Wert

3.8Fotografieren mit Blick auf die Bildbearbeitung

Das Raw-Format

Das Histogramm

Techniken vor Ort, um Grenzen Ihrer Ausrüstung zu überwinden

Mehrere Belichtungen aufnehmen (HDR)

Panoramen

Focus-Stacking

Noise-Stacking

3.9Techniken kombinieren

4Bildbearbeitung

4.1Einführung

Wie weit kann man gehen?

4.2Identifizieren von Problembereichen

4.3Auf die Farben achten

4.4Weitere Tipps zur Bildbearbeitung

4.5Lightroom und Photoshop

Bearbeitungsschritte in Lightroom

Globale Anpassungen

Lokale Anpassungen

Techniken in Photoshop

Inhaltsbasiertes Bearbeiten

Abwedeln und Nachbelichten

Arbeiten mit Masken

Arbeiten mit Luminanzmasken

Beispiel

Light Bleed

Der Orton-Effekt

4.6Der letzte Schliff

4.7Aus mehreren Aufnahmen ein Bild erzeugen

Arbeiten mit mehreren Belichtungen (HDR)

Mehrere Belichtungen kombinieren

Arbeiten mit Panoramen

Focus-Stacking

Noise-Stacking

Starry Landscape Stacker

4.8Luminar

4.9Jedes Bild ist anders

5Inspiration

5.1Alone in the Universe

5.2Dubai Marina Globe

5.3The Dutch Classic

5.4The Red Dream

5.5Stranger Things

5.6The Holy One

5.7Spaceman

5.8Skógafoss meets Canada

5.9Die Bloemgracht

5.10Sunstruck

5.11Kyrgyz Nights

Schlusswort

Alberts Fototasche

Index

1Vision

Ehe Sie überhaupt ein Foto machen, kommt es darauf an, dass Sie lernen, gut hinzuschauen und so viel wie möglich zu »sehen«. In diesem Kapitel erkläre ich, wie Inspiration entsteht und was ein fotografischer Blick ist, und gebe Ihnen eine Reihe von Tipps. Aber Achtung! Einmal Fotograf, immer Fotograf. Man sieht die Welt nie wieder mit denselben Augen. Landschaftsfotografie kann ziemlich anstrengend sein!

1.1(Hin-)Schauen

Als Fotograf behalte ich ständig meine Umgebung im Blick. Während ich dieses Buch schrieb, saß ich zum Beispiel im Zug von Paris nach Amsterdam und sah die Landschaft an mir vorbeirauschen. So entdecke ich immer wieder interessante Gegenden, während ich im Zug oder im Auto sitze. Ich mache dann schnell ein Foto mit dem Smartphone, mit dem sich später die GPS-Koordinaten auf Google Maps aufrufen lassen. Und mit Google Street View kann ich mir sogar einen noch besseren Eindruck verschaffen.

Das können ganz allgemein interessante Landschaften sein, beispielsweise ein schönes Waldgebiet, an dem man vorbeifährt, aber auch Gebäude, Städte oder einzeln stehende Objekte, wie ein schöner Baum. Die Fähigkeit, Dinge wahrnehmen zu können, ist äußerst wichtig. Versuchen Sie deshalb, sich kontinuierlich darin zu üben. Manchmal ist das Licht wundervoll, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, und es kommt regelmäßig vor, dass ich von der Autobahn abfahre, weil ich wieder ein schönes Setting entdeckt habe.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich einmal im Herbst in Deutschland auf einer Wiese eine hübsche kleine Hütte neben einem prächtigen Baum entdeckte. Kurz nachdem ich sie passiert hatte, kam eine Tankstelle. Ich parkte mein Auto und kletterte anschließend über den »Zaun«, um diese Stelle zu Fuß zu erkunden. Die Fotos waren am Ende nicht schlecht, aber auch nicht spektakulär. Das Ganze war eher ein spannendes Mini-Abenteuer.

Das Heidegebiet bei Hilversum im Wandel der Jahreszeiten. Es gibt immer etwas zu fotografieren.

Unterwegs ist das Licht nicht immer perfekt. Deshalb kommt es darauf an, sich nicht von den Wetterbedingungen beeinflussen zu lassen. Graues Wetter kann sich demotivierend auf das »(Hin-)Schauen« auswirken. Versuchen Sie deshalb immer, sich vorzustellen, wie eine Gegend bei anderem Wetter oder sogar zu einer bestimmten Jahreszeit aussehen könnte. Wenn ich irgendwo einen schönen Baum sehe, stelle ich mir diesen Ort sofort an einem nebligen Morgen vor. Anschließend überprüfe ich, ob die Sonne an einer günstigen Stelle aufgeht, und entscheide dann, ob ich diese Location später noch einmal genauer mit dem Auto erkunde. Auf diese Weise habe ich schon manch schöne Stelle in der Nähe meines alten Wohnorts Amersfoort gefunden, die direkt an der Autobahn liegt.

Vor einigen Jahren entdeckte ich die Westerheide in Hilversum für mich, weil ich dort auf dem Weg nach Amsterdam so häufig vorbeifuhr. Ein ums andere Mal sah ich das hübsche kleine Gebiet bei der Ausfahrt Hilversum-Noord wieder neben der Autobahn liegen. Irgendwann schaute ich mir das Ganze genauer auf Google Maps an und entdeckte das nette Teehaus ’t Bluk. Hier konnte ich bequem parken und zudem vor oder nach dem Fotografieren noch eine Tasse Tee trinken und ein Stück Kuchen essen. Mit Google Maps schaute ich mir die Umgebung an und fand in der Nachbarschaft noch eine Reihe weiterer Heidegebiete. Die habe ich alle binnen eines Tages erkundet und mir Notizen zu den besten Stellen gemacht. Auch wenn diese Gebiete für die Anwohner nicht neu sind, so mache ich doch, wann immer ich in einer mir »neuen« Gegend umherlaufe, jederzeit gern ein Schwätzchen, wenn ich Menschen treffe, die beispielsweise ihren Hund ausführen. Menschen erzählen gern von der Schönheit ihres Wohnorts. Und so kann man von den Einheimischen erfahren, wo weitere schöne Plätze zu finden sind. Äußerst praktisch!

Es gibt noch etliche andere Orte, wie diese kleine Allee knapp fünf Minuten von meinem Haus entfernt, zu der ich gern immer wieder zurückkehre. Ich habe sie zu verschiedenen Jahreszeiten im Bild eingefangen, und das bescherte mir inzwischen eine meiner populärsten Fotoserien.

1.2Visualisieren

Die Heidegebiete in Hilversum habe ich im Laufe der Jahre oft fotografiert. Nicht nur im August, wenn die Heide blüht, sondern auch im Herbst und Winter. Wenn die Wetterbedingungen mitspielen, sind diese Orte eigentlich zu jeder Zeit magisch schön. Damit bin ich auch direkt bei dem angekommen, worauf es nach dem »(Hin-)Schauen« als Nächstes ankommt – beim »Visualisieren«: Wie könnte ein Ort bei unterschiedlichem Wetter und zu unterschiedlichen Jahreszeiten aussehen?

Im Moment wohne ich in Amsterdam und nutze die Tatsache, dass ich unweit der landesweit schönsten Ansammlung von Mühlen wohne: die Zaanse Schans. Im Laufe der Jahre bin ich so oft hier gewesen, dass ich diesen Ort inzwischen auf magische Weise in Bildern festgehalten habe. Und ich komme noch immer gern dorthin!

Nach all den Jahren als Fotograf kehre ich also noch stets an dieselben Orte zurück, weil ich ständig Fotos vor Augen habe, die ich gern machen will.

Die Zaanse Schans – niederländischer wird es nicht. Ich komme oft hierher und versuche, dieses totfotografierte Motiv immer wieder auf andere Weise aufzunehmen.

1.3Die eigene Bucket List erstellen

Das bringt mich zum nächsten Punkt. Nach dem Hinschauen folgt das Visualisieren, und danach kommt das Erstellen der »Bucket List«, also der Liste von Dingen, die ich noch machen möchte, bevor ich eines Tages sterbe. Viele Fotografen haben eine Bucket List von Orten, ich jedoch habe sie zusätzlich mit den Wetterbedingungen kombiniert. Bei dieser Liste liegt die Latte sehr hoch. Beispielsweise möchte ich gern noch einmal die Heide mit einem schönen Regenbogen und einem Blitz über einem fotogenen Baum fotografieren. Oder stellen Sie sich ein Tulpenfeld unter den gleichen Bedingungen vor – oder einen Blitz, der in den Turm von Amersfoort (De Lange Jan) einschlägt. Aber natürlich träumt jeder von anderen Bucket-List-Aufnahmen.

Beschränken Sie sich nicht allein auf »das Wetter«. Versuchen Sie, noch einen Schritt weiter zu denken. Vielleicht kennen Sie irgendwo einen schönen Baum. Oder einen fotogenen Turm in der Nähe Ihres Wohnortes. Stellen Sie sich dann doch einmal einen Sonnenaufgang oder vielleicht sogar einen Mondaufgang oder -untergang vor. Sonne und Mond gehen Tag für Tag an einer etwas anderen Stelle auf und auch wieder unter. Wie wäre es, wenn Sie die Sonne oder den Mond genau auf der Spitze dieses Turms fotografieren könnten? Eine interessante Herausforderung!

Durch Bucket-List-Aufnahmen im eigenen Umfeld bleiben Sie motiviert. Ein ums andere Mal versuche ich, diese Bilder zu machen. Ich nutze jede sich bietende kleine Chance. Übrigens oft erfolglos. Und doch bringe ich immer etwas mit nach Hause, das ich so in erster Instanz nicht erwartet hätte. Und grundsätzlich gilt: Wenn man nicht unterwegs ist, passiert sowieso nichts. Die Latte liegt also nicht umsonst sehr hoch.

Im Jahr 2016 nahm ich das Foto »The Shepherd« in der schon erwähnten Hilversumer Heide auf. An einem prächtigen Spätsommermorgen zog auf einmal eine Schäferin mit ihren Hunden und Schafen vorbei. Alles fand sich plötzlich zusammen: ein prächtiger Himmel, die blühende Heide und eine Herde Schafe, die das Bild vervollständigte. Gerade dann, wenn man immer wieder an vertraute Orte zurückkehrt, geschehen einzigartige Dinge.

Manchmal kommt es vor, dass man endlich ein Bild macht, das man schon lange mit sich herumträgt – es dann aber doch nicht ganz das ist, was man sich erhoffte.

The Shepherd

Ein persönliches Beispiel

In Nijkerk gibt es eine »Das Stoomgemaal« genannte alte Fabrik. Sie steht in einer ziemlich feuchten Polderlandschaft, sodass dort recht schnell Nebel aufkommt. Ich bin einige Male dort gewesen, um unter verschiedenen Gegebenheiten zu fotografieren, und besitze nun eine Reihe schöner Sonnenaufgangsfotos mit Nebel.

Wenn ich ein solches Bild aufnehme, denke ich sofort weiter. Die Fabrik hat einen hohen Schornstein. Und so dachte ich mir, dass es schon etwas Besonderes wäre, den Mond genau auf diesem Schornstein zu fotografieren. Rund um die Fabrik ist ausreichend Platz, sodass eine solche Aufnahme theoretisch möglich sein müsste. Nach einer Reihe von Versuchen und Planungen (mehr dazu folgt in Kapitel 2, »Planung und Vorbereitung«) war es endlich so weit: Der Mond stand genau über dem Schornstein des Stoomgemaals. Damit konnte ich diese Aufnahme abhaken.

Es gibt noch eine andere Aufnahme auf meiner Bucket List. Diese Fabrikgebäude stehen nahezu im Niemandsland, und deshalb gefiel mir der Gedanke, sie mit einem spektakulären Gewitter im Hintergrund aufzunehmen. Nun gewittert es in den Niederlanden nicht so häufig, die Umsetzung war deshalb recht schwierig. Jedes Mal, wenn für den zentralen Teil der Niederlande Gewitter angesagt war, verfolgte ich aufmerksam, wohin sich die Gewitterfront bewegte. Die Windrichtung war entscheidend. Ich wollte die Fabrikanlage aus Norden, von ihrer fotogensten Seite, aufnehmen. Deshalb wäre Wind aus Süden am besten, denn dann könnte ich das Gewitter fotografieren, während es auf mich zu kommt.

Das Stoomgemaal auf dem Polder nahe Nijkerk. Ein interessanter Ort, der viele Ideen hervorbringt, zum Beispiel die mit dem Mond oder dem Gewitter.

Nach etlichen Versuchen, während denen sich die Gewitterfront oft nicht ganz an der richtigen Stelle befand, landete ich endlich einen Treffer. Zu meinem Leidwesen war das Gewitter jedoch etwas zu weit entfernt. Es gab zwar schöne Blitze hinter den Gebäuden, doch das Ganze war einfach nicht eindrucksvoll genug. Was ich eigentlich wollte, war eine kleine Fabrikanlage, eingerahmt von großen Blitzen. Inzwischen habe ich das Bild in meinem Kopf angepasst: Die Gewitterfront ist etwas näher und der Blitz schlägt in den Schornstein ein. Leider ist mir diese Aufnahme bis heute noch nicht gelungen, was aber überhaupt nicht schlimm ist, denn so statte ich diesem Ort immer mal wieder einen Besuch ab.

Dieses Foto habe ich bei aufgehender Sonne an einem nebligen Morgen aufgenommen. Ein interessantes Detail sind die Vögel, durch die die Größenverhältnisse deutlicher werden.

Und so gibt es noch viel mehr Orte wie diesen, zu denen ich diverse Ideen habe. Ein Beispiel ist die Basilika St. Nikolaus in Amsterdam, die ich bereits mit dem »Supermond« fotografiert habe (siehe Abschnitt »Spektakuläre Mondfotos planen«, ab Seite 69) – eine eindrucksvolle Gewitterfront hingegen fehlt mir hier noch immer. Oder der Turm De Lange Jan an meinem alten Wohnort Amersfoort: Ich habe den Mond schon einmal in unmittelbarer Nähe des Turms fotografiert, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Doch wenn ich das Foto anschaue, vermisse ich etwas. Am Turm ist eine Art Geländer zu sehen. Ich kenne den Turm gut und habe schon mehrere Male tagsüber an diesem Geländer gestanden. Und dann denke ich sofort: »Ich will dasselbe Foto noch einmal machen, aber dieses Mal mit einer Person auf dem Turm, die den Mond betrachtet.« Das wäre ein wundervolles Bild, mit genau dem gewissen Etwas. Allerdings kommt man nicht zu jeder Zeit auf den Turm. Ein solches Foto muss deshalb geplant werden: Ich bräuchte einen Zeitpunkt während der Öffnungszeiten des Turms in Kombination mit einem hellen Abend, an dem der Mond genau an der richtigen Stelle aufgeht. All diese Voraussetzungen müssen gleichzeitig erfüllt sein, wie das oft bei komplizierten Aufnahmen der Fall ist. Für mich ist das extrem motivierend, und wenn endlich eine dieser schwierigen Aufnahmen von meiner Bucket List gelingt, dann ist die Befriedigung groß – und ich will sofort noch mehr!

Der aufgehende Mond neben dem Kirchturm De Lange Jan in Amersfoort. Durch den Einsatz eines starken Teleobjektivs aus großer Entfernung ist der Mond im Vergleich zur Uhr verhältnismäßig groß.

1.4Manchmal klappt es auch nicht

Menschen sagen oft: »Albert, du bist immer im richtigen Moment am richtigen Ort.« Dann lache ich, denn ich zeige natürlich nur meine gelungenen Bilder. Es kommt oft genug vor, dass ich mit leeren Händen nach Hause komme. Dass ich jede Menge Pläne hatte, die aufgrund der Umstände aber einfach nicht aufgingen. Der häufigste Übeltäter ist das Wetter. Es lässt sich zwar einigermaßen vorhersagen, aber oft macht es doch nicht genau das, was ich als Fotograf will.

Wenn ich draußen in der Natur bin und mir das gewünschte Foto nicht gelingt, lasse ich mich davon aber nicht verdrießen. Natürlich kann es frustrierend sein, wenn beim Fotografieren mal alles daneben geht, doch lassen Sie sich davon nicht zu sehr beeinflussen. Draußen zu sein ist ohnehin gesund und zudem oft beruhigend. Wenn gerade alles nicht so klappt, wie Sie es sich wünschen, dann lassen Sie es doch einfach sein.

Während ich mich ein Wochenende in Paris aufhielt, waren in den Niederlanden für Sonntag fantastische Wetterbedingungen vorhergesagt: Es sollte den ganzen Tag neblig werden. Ich liebe es, nebelverhangene Wälder zu fotografieren, es war Spätherbst und die letzten Blätter hingen noch an den Bäumen. Und einen richtig nebligen Herbsttag gibt es hierzulande auch nicht jeden Tag.

Nach ursprünglicher Planung würde ich erst abends mit dem Zug in den Niederlanden ankommen, doch das war mir gar nicht recht. Sollte ich diesen Nebeltag verpassen, wäre ich mit Sicherheit ziemlich frustriert. Also beschloss ich, meinen Zug umzubuchen, und war schon gegen 12:00 Uhr wieder zu Hause. In weiten Teilen des Landes hatte sich der Morgennebel bereits verflüchtigt, doch es gab noch einige Gegenden, in denen der Nebel hängen blieb. Ich stieg ins Auto und fuhr Richtung Landesmitte. Schon während der Fahrt fiel mir auf, dass der Nebel deutlich lokal begrenzt war. An manchen Stellen war er sehr dicht, doch fünf Minuten weiter war die Sicht schon wieder völlig klar. Zu guter Letzt landete ich wieder auf meinem vertrauten Fleckchen Heide in Hilversum.

Die von mir erhofften Bedingungen blieben leider aus. Ich hatte den Plan, bei dichtem Nebel im Wald zu fotografieren, doch nirgends war der Nebel noch dick genug. Aufgrund der Wolken gab es auch keine Sonnenharfen. Es sah so aus, als hätte ich mein Zugticket völlig umsonst umgebucht.

In solchen Situationen ist es verführerisch, aufzugeben, ins Auto zu steigen und wieder nach Hause zu fahren. Ich entschied mich hingegen, einfach entspannt wandern zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt war es rundum grau, kalt und alles andere als fotogen. Dennoch erfreute ich mich an der Ruhe und der Landschaft. Das Fotografieren ließ ich einfach mal sein.

Inzwischen ging schon fast die Sonne unter. Plötzlich fühlte ich ihre Wärme in meinem Nacken. Die Sonne tauchte, etwa zehn Minuten vor Sonnenuntergang, knapp unterhalb der Wolken auf. Im gleichen Moment bemerkte ich in der Ferne, genau in einer Linie mit der Sonne, einen einzelnstehenden Baum und darunter ein Kinderfahrrad.

Dieses Foto präsentierte mir die Natur auf dem Silbertablett. Mir blieb nur noch, dieses Zusammentreffen von Umständen festzuhalten. Dann verschwand die Sonne hinter dem Horizont. Doch damit war es noch nicht vorbei! Allmählich nahm der Himmel immer intensivere Farben an. Das nützte mir leider wenig, denn die Bäume hoben sich kaum noch von der leeren Landschaft ab. Und so genoss ich lieber das Schauspiel der Natur, statt noch fotografieren zu wollen.

Zehn Minuten nach Sonnenuntergang wurde es recht schnell kalt. Durch das feuchte Wetter und den schnellen Temperaturabfall bildete sich auf einmal Nebel. Dazu stand der Mond in richtiger Höhe am Himmel. Plötzlich passte alles zusammen: die Farben des Himmels, der Nebel und der Mond. Die für die Heide so charakteristischen Bäume lösten sich durch die subtile Nebelschicht plötzlich vom dunklen Waldrand im Hintergrund.

Ich hielt diesen Moment im Bild fest und blieb anschließend noch eine halbe Stunde dort. Es war eiskalt, doch die Stimmung war magisch. Der Mond erhellte subtil den Nebel und die Bäume, die plötzlich zum Leben zu erwachen schienen. Das war ein völlig unerwarteter Tagesausklang, und ich war froh, dass ich meine Fahrkarte umgebucht hatte.

Ein minimalistisches Bild – ein kleiner und ein großer Baum, die sich im Wasser spiegeln. Dieser See lädt in Wirklichkeit ganz und gar nicht zum Fotografieren ein. Der Wind verursacht oft Wellen, in der Nähe befindet sich eine Art Campingplatz, und es sieht dort wirklich nicht schön aus. Eigentlich ist die Wirklichkeit das Gegenteil von dem, was das Foto zeigt. Als ich diese Stelle fand, erregten die beiden Bäume meine Aufmerksamkeit. Mit meinem fotografischen Blick sah ich sofort, wie einzigartig dieses Bild sein könnte, wenn bei glatter Wasseroberfläche hier die Sonne untergeht. Die Bäume und der Himmel würden sich dann im Wasser spiegeln. Nach fünf Versuchen konnte ich dieses Foto machen.

Nachdem die Sonne untergegangen war, blieb ich noch eine Weile und erfreute mich an der magischen Stimmung.

1.5Ein fotografischer Blick

Es ist wichtig, dass Sie mit einem fotografischen Blick schauen. Indem Sie lernen, alles wahrzunehmen, hinzuschauen und sich bestimmte Gegebenheiten vorzustellen, werden Sie immer häufiger potenzielle Bilder sehen. Manche Orte wirken auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, können auf einem Foto hingegen wundervoll aussehen. Andere hingegen sehen überwältigend aus, sind jedoch schwer im Bild einzufangen. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, wie etwas in einem Foto aussehen wird.

Der Einsatz unterschiedlicher Objektive hilft dabei enorm. Als ich zum ersten Mal ein wirkliches Weitwinkelobjektiv benutzte, wurde das Bild so weit, dass ich im ersten Moment nicht recht wusste, wie ich damit fotografieren sollte. Für diese Art von Objektiv sind Vordergründe ungeheuer wichtig. Sobald man mit dem Objektiv nahe genug an einen Vordergrund herangeht, erscheint dieser groß im Bild. Blümchen, Steinchen oder Linien auf dem Boden – eigentlich eignet sich alles als spektakulärer Vordergrund.

Indem ich viel mit Weitwinkelobjektiven fotografierte, lernte ich also, auf andere Art nach Bildern zu schauen. Mir ist heute sofort klar, wie ein Bild mit einem Ultraweitwinkelobjektiv aussehen wird.

Ein Bächlein in einem italienischen Wald. Das Ultraweitwinkelobjektiv und ein Polarisationsfilter (um die Grüntöne hervorzuheben) erzeugten ein magisches Bild. In der Realität sah dieser kleine Bach nicht so interessant aus.

Das Gleiche gilt für andere Objektive. Fotografiert man viel mit Teleobjektiven, beginnt man automatisch Dinge in der Ferne wahrzunehmen, die man normalerweise vielleicht übersehen würde. Beispielsweise eine kleine Baumgruppe im Nebel in Hunderten Meter Entfernung. Im Kopf entsteht bereits der Bildausschnitt, und so erkennt man mühelos weit entfernte Motive als potenzielles Foto. Weitwinkelobjektive, Teleobjektive, aber auch Makroobjektive – durch den Einsatz vieler verschiedener Objektive eröffnen sich Ihnen ständig neue Welten. Haben Sie das erst einmal verinnerlicht, dann betrachten Sie alles um sich herum mit einem fotografischen Blick. Das ist manchmal anstrengend, bereitet aber viel Freude.

Auf den folgenden Seiten finden Sie einige Beispiele für Landschaften, bei denen das endgültige Foto »anders« aussieht als die Wirklichkeit.

Tipp