59,99 €
Die gesundheitsfördernde und heilsame Wirkung von Gartentherapie ist unter Fachleuten anerkannt und wird im deutschsprachigen Raum in immer mehr Institutionen angewendet. Die bekannten Gartentherapeuten Andreas Niepel und Gabriele Vef-Georg legen ein Praxisbuch mit rund 64 detailliert beschriebenen Anwendungsprogrammen vor, die gärtnerisches Handwerk, Floristik, Pflanzenkunde und -verwendung beschreiben. Das umfassende Praxishandbuch ist mit 200 erneuerten Farbfotografien illustriert. Jedes der Programme enthält eine Tabelle, in der die Anforderungen an die Tätigkeit ICF-konform aufgelistet sind, um gezielt für Klienten eine passende Betätigung auswählen und abrechenbar machen zu können. In der zweiten Auflage überarbeiten die Autoren die Beiträge zu Definitionen, Organisationen, Teilnehmeranforderungen, Ursprüngen und Zielen der Gartentherapie. Sie verfeinern die Programme für gärtnerisches Handwerk und ergänzen Programme für Floristik, Pflanzenkunde und -verwendung. Materialien werden aktualisert für Heil- und Pflanzeninfoblätter, Gartengeräte und -vögel, Gartengedichte, -lieder und -tagebücher, Hochbeete sowie Hausmittel und Wildkräuterrezepte. Das Gartentherapiebuch für Praktiker. Es erlaubt Ergo- und Gartentherapeut_innen sowie Pflegenden und Gärtner_innen, mit handwerklichem Geschick und kundigem Pflanzenwissen, zum Aufblühen, Wohlbefinden und zur Genesung von Klienten und Klientinnen beizutragen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 415
Veröffentlichungsjahr: 2020
Praxishandbuch Gartentherapie
Praxishandbuch Gartentherapie
Andreas Niepel, Gabriele Vef-Georg
Andreas Niepel
Gabriele Vef-Georg
Praxishandbuch Gartentherapie
Gartentherapiepraxis für Ergo- und Gartentherapeuten, Pflegefachpersonen und Gärtner
2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage
unter Mitarbeit von
Stefan Schieberle
Sinah Niepel
Jürgen Georg
Andreas Niepel
Gärtner, registrierter Gartentherapeut nach IGGT, Phytotherapeut, systemischer Coach, Leiter der Abteilung Garten/Gartentherapie an der Klinik Holthausen (Hattingen).
Bahnhofstraße 25b, 45525 Hattingen
E-Mail: [email protected]
Gabriele Vef-Georg
Pflegefachfrau, Lehrerin für Pflegeberufe, Dozentin, Heilpflanzenfachfrau, Gartentherapeutin, Schüpfen-Ziegelried
E-Mail: [email protected]
Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.
Copyright-Hinweis:
Das E-Book einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar.
Der Nutzer verpflichtet sich, die Urheberrechte anzuerkennen und einzuhalten.
Anregungen und Zuschriften bitte an:
Hogrefe AG
Lektorat Green Care
z.Hd.: Jürgen Georg
Länggass-Strasse 76
3012 Bern
Schweiz
Tel: +41 31 300 45 00
www.hogrefe.ch
Lektorat: Jürgen Georg, Martina Kasper, Lena-Marie Klose
Herstellung: René Tschirren
Umschlagabbildung: Martin Glauser, Uttigen
Umschlag: Claude Borer, Riehen
Illustration/Fotos (Innenteil): Andreas Niepel, Sinah Niepel, Jürgen Georg
Satz: punktgenau GmbH, Bühl
Format: EPUB
2. vollst. überarb. u. erw. Auflage 2020
© 2020 Hogrefe Verlag, Bern
© 2010 Schulz-Kirchner Verlag, Idstein
(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95927-6)
(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75927-2)
ISBN 978-3-456-85927-9
http://doi.org/10.1024/85927-000
Nutzungsbedingungen:
Der Erwerber erhält ein einfaches und nicht übertragbares Nutzungsrecht, das ihn zum privaten Gebrauch des E-Books und all der dazugehörigen Dateien berechtigt.
Der Inhalt dieses E-Books darf von dem Kunden vorbehaltlich abweichender zwingender gesetzlicher Regeln weder inhaltlich noch redaktionell verändert werden. Insbesondere darf er Urheberrechtsvermerke, Markenzeichen, digitale Wasserzeichen und andere Rechtsvorbehalte im abgerufenen Inhalt nicht entfernen.
Der Nutzer ist nicht berechtigt, das E-Book – auch nicht auszugsweise – anderen Personen zugänglich zu machen, insbesondere es weiterzuleiten, zu verleihen oder zu vermieten.
Das entgeltliche oder unentgeltliche Einstellen des E-Books ins Internet oder in andere Netzwerke, der Weiterverkauf und/oder jede Art der Nutzung zu kommerziellen Zwecken sind nicht zulässig.
Das Anfertigen von Vervielfältigungen, das Ausdrucken oder Speichern auf anderen Wiedergabegeräten ist nur für den persönlichen Gebrauch gestattet. Dritten darf dadurch kein Zugang ermöglicht werden.
Die Übernahme des gesamten E-Books in eine eigene Print- und/oder Online-Publikation ist nicht gestattet. Die Inhalte des E-Books dürfen nur zu privaten Zwecken und nur auszugsweise kopiert werden.
Diese Bestimmungen gelten gegebenenfalls auch für zum E-Book gehörende Audiodateien.
Anmerkung:
Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.
Mein Dank geht vor allem an jene Praktikerinnen und Praktiker, die mir beim Schreiben dieses Buches beratend zur Seite standen oder die sogar die Anregungen für komplette Programme geleistet haben, wie: Maria Bürckstümmer (Kap. 11.1 und 11.2), Tanja Eckert (Kap. 8.2), Monika Gerlach (Kap. 7.5), Kate Levy (Kap. 11.5), Maria Putz (Kap. 9.5, 11.4, 11.5, 11.7), Stefan Scholz und Andreas Sieber (Kap. 11.3) und Romy Siptroth (Kap. 10.6).
Für die Darstellung und Erklärung der speziellen Gartengeräte möchte ich mich bei Stefan Schieberle, Ergotherapeut aus Witten (D) bedanken (Kap. 4.3.2).
Die Fotografien dieses Buches stammen größtenteils von meiner Tochter Sinah Niepel, die es auf sich genommen hat, stundenlang in einem überhitzten Gewächshaus mit sehr viel Geduld Hunderte von Fotos zu schiessen. Und das in einer bekanntlich nicht immer unproblematischen Vater-Tochter-Situation. Viele alte Fotos, die zur Erinnerungsarbeit genutzt werden, hat das Gartenbaumuseum Erfurt zur Verfügung gestellt – danke dafür.
Ebenso gilt der Dank meinen sehr hoch engagierten und kreativen Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten therapeutischen Bereichen, die das Thema Garten und Gärtnern durch ihre Inspiration und Mitarbeit seit Jahren mit begleitet haben. Und ganz besonders sei hier natürlich mein Kollege Frank Johnen genannt.
Mein Dank geht auch an die IGGT: Texte des Kapitels 2 sowie die Definition der Gartentherapie werden entsprechend dem Konzept der IGGT zur Gartentherapie in diesem Buch veröffentlicht: Dieses Konzept niederzulegen war und ist Aufgabe einer Sektion der IGGT unter der Leitung von Alfred Vollmer. Dieses Konzept stellt u.a. auch eine Grundlage für die Anerkennung von Weiterbildungen dar. Bei dieser Arbeit war auch der Autor eingebunden. Für die Möglichkeit, diese Inhalte in diesem Buch einzubinden, bedanke ich mich ausdrücklich bei der IGGT und dem Sektionsvorsitzenden Herrn Alfred Vollmer.
Ich möchte mich auch bei Thomas Pfister bedanken, mit dem ich seinerzeit den Vorläufer dieses Buches geschrieben habe und der mir die Gelegenheit gab, diese Neufassung zu gestalten.
Natürlich geht mein Dank auch an Gabriele Vef-Georg, ohne sie wäre diese Neuauflage nicht möglich gewesen.
Letztendlich bedanke ich mich hier an letzter Stelle, aber eben nicht zuletzt, besonders bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Therapieangebote, die alle diese Programme erst haben entstehen lassen.
Andreas Niepel, Hattingen (D)
April 2020
Ich danke meinem Mann Jürgen Georg und dem Hauptautor und Kollegen Andreas Niepel, die mir die Teilnahme an diesem Projekt ermöglicht haben.
Ich danke Martina Kasper für ihre Geduld mit mir und ihre große Gabe, mich immer wieder zu motivieren, wenn ich unter Schreibstau gelitten habe.
Ich danke meinem lieben Freund Garuth Chalfont, der mir so oft mit Rat und vor allem Tat im Garten beiseite stand. Viele der anstehenden Arbeiten im Garten konnten nur mit vereinten Kräften und großem Fachwissen bewältigt werden. Wenn wir dann nach getaner Arbeit gemeinsam gegessen haben, oftmals Speisen, welche mit Pflanzen aus dem Garten zubereitet waren, sprach Garuth immer vorher das folgende Gebet, welches in wunderbarer Weise unsere Ehrfurcht vor allem Lebendigen ausdrückt und dem ich mich von ganzem Herzen anschliesse.
Gebet
Thanks to all the hands, animals, plants, earth, moon, sun, stars, skies and elements that made it possible for me to survive by having this food.
Food I love you, I thank you for being the highest vibration for the Health, thank you for sustaining this life.
Gabriele Vef-Georg (CH)
März 2020
Danksagung Andreas Niepel
Danksagung Gabriele Vef-Georg
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Teil IGrundlagen
1 Wurzeln der Gartentherapie
Andreas Niepel
2 Definition von Gartentherapie
Andreas Niepel
2.1 Unterstützung zielgerichteter Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt
2.2 Pflanzen- und gartenorientierte Aktivitäten und Erlebnisse
2.3 Aus- und weitergebildete Fachpersonen
2.3.1 Interdisziplinäres Denken
2.3.2 Fühlendes Gärtnern
2.3.3 Haltung zum Menschen
2.4 Lebensqualität und funktionelle Gesundheit
2.4.1 Funktionale Gesundheit
2.4.2 Lebensqualität
2.4.3 Psychische Gesundheit und die Gartentherapie als POSITIVe Basistherapie
2.4.4 Der Naturzugang als ein eigenes Ziel
3 Allgemeine Ziele der Gartentherapie
Andreas Niepel
3.1 Rehabilitation
3.2 Gartentherapie innerhalb des cc©-Konzeptes
3.3 Altenhilfe
3.4 Sonder- und Heilpädagogik und Agogik
3.5 Zusammenfassung
3.6 Die ICF als Basis der Zieldefinition
3.6.1 Ebene der Körperstrukturen und Körperfunktionen
3.6.2 Ebene der Aktivitäten und Partizipation
3.6.3 Ebene der Kontextfaktoren
4 Organisation und Konzepterstellung
Andreas Niepel
4.1 Darstellung der Ziele und Zielgruppen
4.2 Darstellung der Prozesse und Maßnahmen
4.2.1 Leitung von gartentherapeutischen Aktivitäten
4.2.2 Auswahl der Teilnehmenden
4.2.3 Kontraindikationen
4.2.4 Einbezug Freiwilliger und Angehöriger
4.2.5 Zeiten und Rhythmus
4.3 Darstellung der Strukturen und Ausstattung
4.3.1 Exkurs: Arbeitsmaterialien
4.3.2 Exkurs: spezielle Gartengeräte
Stefan Schieberle
4.3.3 Exkurs: spezielle Innenräumlichkeiten
4.3.4 Exkurs: Therapiegarten und Checkliste für Planungen
5 Anforderungen an die Teilnehmenden
Andreas Niepel
5.1 Beobachtungen und Dokumentation
5.2 Anforderung an Aufmerksamkeit, Antrieb, Konzentration
5.3 Anforderungen an Mobilität, Beweglichkeit, Belastbarkeit
5.4 Anforderungen an Handlungsplanung, Kreativität
5.5 Anforderungen an Kommunikation, Sprache, soziale Kompetenzen
5.6 Anforderungen an Gedächtnis, Orientierung, emotionale Beteiligung
5.7 Einleitung
Teil IIProgramme
6 Programme Gartentherapie
Andreas Niepel
6.1 Beobachtungen im Sinne der ICF
7 Programme Da-Sein im Garten
Andreas Niepel
7.1 Fantasiereise in den Garten
7.2 Gartenerinnerungen
7.3 Pflanzen und Landschaften beschreiben
7.4 Düfte kolorieren
7.5 Vögel zählen
7.6 Spazieren gehen
7.7 Anlage eines Herbariums
8 Programme Gartenkunst
Andreas Niepel
8.1 Pflanzen und Landschaften malen
8.2 Naturklappkarten
8.3 Pflanzenmemory
8.4 Mit Pflanzen malen
8.5 Farbensuche im Garten
8.6 Landart-Projekt
9 Programme Floristik
Andreas Niepel
9.1 Ein vertikales Gesteck
9.2 Kistengärten
9.3 Ein Adventsgesteck herstellen
9.4 Trauminseln
9.5 Pflanzenkerze
9.6 Barbarazweige schneiden
9.7 Mini-Zen – Teil 1
9.8 Mini-Zen – Teil 2
9.9 Ikebana – Kurs – Teil 1
9.10 Ikebana – Kurs – Teil 2
9.11 Ein rundes Gesteck
10 Programme Gartenhandwerk
Andreas Niepel
10.1 Wunschblätter stecken
10.2 Pflege von Zimmerpflanzen Teil 1
10.3 Pflege von Zimmerpflanzen Teil 2
10.4 Kübelpflanzen winterfest machen
10.5 Kresseformen säen
10.6 Strauchschnitt
10.7 Rankgerüste bauen
10.8 Grundpflege im Herbst
10.9 Knollen winterfest machen
10.10 Zwiebeln stecken
10.11 Zwiebeln einholen
10.12 Sortieren und Aufbereiten von Saatgut
10.13 Grundpflege im Frühjahr
10.14 Werkzeugpflege
10.15 Vermehrung an der Leine
10.16 Lavendelkuchen
10.17 Seedbombs – Samenbomben herstellen
10.18 Frühlingspflanzaktion
11 Programme Pflanzenverarbeitung und Hauswirtschaft
Andreas Niepel und Gabriele Vef-Georg
11.1 Futterglocken mit Serviettentechnik
Andreas Niepel
11.2 Meisenknödel
Andreas Niepel
11.3 Insektenhotels
Andreas Niepel
11.4 Lavendelzucker
Andreas Niepel
11.5 Guacamole und wo unsere Lebensmittel herkommen
Andreas Niepel
11.6 Blüten-Gästeseife
Andreas Niepel
11.7 Gestalten durch Laminieren mit gepressten Pflanzen
Andreas Niepel
11.8 Ringelblumen-Salbe
Gabriele Vef-Georg
11.9 Majoran-Schnupfen-Salbe
Gabriele Vef-Georg
11.10 Tees mischen
Gabriele Vef-Georg
11.11 Kräutersalzherstellung
Gabriele Vef-Georg
11.12 Kräuter- und Beerenessig
Gabriele Vef-Georg
11.13 Kräuter- und Gewürzöl
Gabriele Vef-Georg
11.14 Duft- und Schlafkissen
Gabriele Vef-Georg
11.15 Badezusätze
Gabriele Vef-Georg
11.16 Marmeladen und Chutneys
Gabriele Vef-Georg
11.17 Pestos
Gabriele Vef-Georg
11.18 Sirup
Gabriele Vef-Georg
11.19 Wiesenbowle
Gabriele Vef Georg
11.20 Kräuteröl mit Johanniskraut
Gabriele Vef-Georg
12 Programmformular zum Kopieren und Ausdrucken
Teil IIIMaterialien und Heilpflanzen
13 Materialien, Heilpflanzen und Hausmittel
Andreas Niepel und Gabriele Vef-Georg
13.1 Gartentagebücher
Andreas Niepel
13.2 Wetter als Thema
Andreas Niepel
13.3 Heilpflanzen in der Gartentherapie
Gabriele Vef-Georg
13.4 Hausmittel
Gabriele Vef-Georg und Jürgen Georg
13.4.1 Grundausstattung zur Anwendung von Hausmitteln
13.4.2 Kataplasmen
13.4.3 Leinsamenkompresse
13.4.4 Leinsamennackenauflage zur Beruhigung und Entspannung
13.4.5 Alternativen für trockene und feucht-heiße Anwendungen
13.4.6 Beruhigende Waschungen und Einreibungen
13.4.7 Feucht-heiße Dampfkompresse
13.4.8 Lavendelölauflage
13.4.9 Meerrettichauflagen
13.4.10 Anwendungen mit Zwiebel
13.4.11 Anwendung mit Knoblauch
13.4.12 Erkältungskrankheiten vorbeugen und behandeln
13.4.13 Erkältungskrankheiten natürlich vorbeugen
13.4.14 Maßnahmen bei Husten
13.4.15 Wohltuendes für Hals und Rachen
13.4.16 Schnupfen vorbeugen und bekämpfen
13.4.17 Abwehrstärkende Pflanzen
13.4.18 Kalte Quarkkompresse
13.5 Pflanzeninformationsblätter
Andreas Niepel
13.6 Sprichwörter und Sinnsprüche
Andreas Niepel
13.7 Gartengedichte
Andreas Niepel
13.8 Gedichte im Jahresablauf
Andreas Niepel
13.9 Gartenlieder
Andreas Niepel
13.10 Zählhilfe für Gartenvögel
Andreas Niepel
13.11 Hochbeete
Gabriele Vef-Georg
13.12 Gartenbilder für die Erinnerungsarbeit
Andreas Niepel
13.13 Hilfstabelle für Beobachtungen
Andreas Niepel
Teil IVArbeitsbücher und Mini-Gärtner-Ausbildung
14 Arbeitsbücher
Andreas Niepel
Arbeitsbuch: Vorbereitung von Kisten
Arbeitsbuch: Pikieren
Arbeitsbuch: Topfen
Arbeitsbuch: Stecklingsvermehrung
15 Die Mini-Gärtner-Ausbildung
Andreas Niepel
Anhang
Literaturverzeichnis
Abbildungsnachweis
Autorenverzeichnis
Sachwortverzeichnis
Dieses Buch ist vor allem ein Praxisbuch. Als Nachfolger vom „Praxisbuch Gartentherapie“ von Niepel und Pfister aus dem Jahr 2010 war es ein langer Weg bis zur Neuauflage. Es ist jedoch mehr als eine Neuauflage: Obwohl es in weiten Teilen auf dem Buch aus dem Jahr 2010 basiert, hat sich schließlich das „Feld der Gartentherapie“ ständig weiterentwickelt und diese Erweiterungen werden in diesem Buch berücksichtigt.
Die Gartentherapie ist zunächst einmal gewachsen, wie es der Natur von Feldern eigen ist. Aber dieses Feld hat sich auch stark verändert, z.B. durch die Annäherung an die benachbarten Felder wie jenem der Kunsttherapie. Einen starken Einfluss auf die Entwicklung hat die sich verändernde Umgebung, gemeint ist das Gesundheitswesen und die Klienten. Viele Gartentherapeuten und -therapeutinnen arbeiten z.B. mittlerweile mit Menschen zusammen, die weitaus schwerer gesundheitlich betroffenen sind, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war – und das in einem eben aus den unterschiedlichsten Gründen nicht einfacher gewordenen Umfeld. Zudem schlägt sich die stärker in den Vordergrund rückende Professionalisierung nieder.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Gartentherapie weniger Spaß macht oder weniger Spannendes, Spontanes und Neues passiert. Es haben sich jedoch die Zugänge – besonders in Bezug auf den Spaß, das Genussthema und die Methodik – weiterentwickelt. Und was das Erlernen von neuen, spannenden Inhalten betrifft: Die Bedürfnisse der Teilnehmenden sind mehr in den Vordergrund gerückt. Ob ein 70-jähriger Rehabilitand für seine selbstbestimmte Zukunft nun unbedingt lernen muss, wie man Marmelade kocht, ist letztlich fraglich. Es ist aber bedeutsam, ob er z.B. bezüglich seiner exekutiven Funktionen (Planung und Beibehalten von Tätigkeiten, einzelne Schritte richtig abarbeiten) Fähigkeiten erhält oder ausbaut. Hierzu kann das erwähnte Marmelade-Kochen dienen, aber angesichts von Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit zunehmend schwereren Einschränkungen kann auch die Gestaltung einer einfachen Übungssituation angezeigt sein.
Alle diese Themen werden in diesem Buch angesprochen und dem aktuellen Stand der Gartentherapie angepasst. Das Buch soll Sie dabei unterstützen, mit Freude, Spaß und Kreativität mit Ihren Klienten in der Gartentherapie zu arbeiten.
Andreas Niepel, Hattingen,
Juni 2019
Andreas Niepel
„Wo gehen wir hin, wo kommen wir her …“ singen die Fantastischen Vier in ihrem Lied „Geboren“. Und diese Frage wird gleich einige Strophen später mit folgendem Text abgekanzelt: „Ey Mann, was fragste mich, ich weiß es nicht!“ Zumindest die Frage, wo die Gartentherapie zukünftig hingeht, ist wahrscheinlich ähnlich schwer zu beantworten. Doch auch die Herkunft lässt sich nicht so einfach klären.
Aber warum überhaupt soll man sich in einem praxisorientierten Buch mit theoretischen Fragen wie der Herkunft befassen? Dieses Buch präsentiert ja ausdrücklich Hilfsmittel, Anleitungen, Tipps und Materialien für die praktische Arbeit. Doch genau diese Arbeit ist schließlich nur das Ergebnis eines gedanklichen Prozesses, der immer mit der Frage nach der therapeutischen Zielrichtung beginnt. Eine Zielausrichtung, die natürlich auf den individuellen Gegebenheiten des Klienten beruht, die aber eben auch von der Frage bestimmt wird, was denn eigentlich grundsätzlich Gartentherapie kann, soll oder auch will. So ganz ohne grundsätzliche Überlegungen zur Gartentherapie und seinem Tätigkeits-„Feld“ geht es also doch nicht.
Was also ist das für ein Feld, auf dem sich die Gartentherapie bewegt? Dieses nicht ohne Grund bereits im Vorwort eingebrachte Bild vom „Feld“ der Gartentherapie kann sicher helfen – schließlich ist es auch ein Bild, welches der grünen Seite der Gartentherapie nur zu vertraut ist. Und dieses Feld zeigte sich lange – historisch gesehen – zunächst als ein im „großen Garten der Therapien“ leicht am Rande liegendes, recht lange vergessenes, vielleicht auch ein wenig verunkrautetes, aber eben sehr vitales und buntes Feld.
Ja, die Gartentherapie war lange in Vergessenheit geraten. Schließlich wurden bereits vor mehr als 200 Jahren die ersten Konzepte entwickelt, auf die sich die Gartentherapie bis heute beruft. Die sogenannte psychiatrische Reformbewegung brachte seinerzeit ganz neue, auf Beschäftigung beruhende Therapien hervor. Infolgedessen gehörten zu den damals gegründeten Einrichtungen letztlich immer große landwirtschaftliche Areale. Und als hundert Jahre später langsam der Begriff der Arbeitstherapie geprägt wurde, war es noch immer vor allem landwirtschaftliche und gärtnerische Arbeit, die als Medium der Therapie genutzt wurde. Doch nicht nur das Aktivsein, sondern auch der Wert der reinen Begegnung mit der Natur, mit der Schöpfung, wurde bereits damals als elementarer Bestandteil der Behandlung angesehen. „So gesehen ist dieser Mensch natürlich ein wildes Tier und entfernt von diesen Wäldern wird er nie einen glücklichen Stand erleben, bis er zu ihnen wieder zurückkehrt.“ (Rush, 2019) So drückt es Benjamin Rush (1745–1813) aus, der sowohl als Vater der amerikanischen Psychiatrie wie auch als jener der Gartentherapie gilt. Während auf dieser Basis die Gartentherapie gerade in den USA stetig weiterentwickelt wurde, erlebte sie hierzulande jedoch nach Ende des Weltkrieges einen Einbruch und wurde jahrzehntelang vergessen – das Feld lag brach.
Erst vor gut 30 Jahren keimten zunächst in der Arbeitstherapie psychiatrischer Einrichtungen, später dann auch in der Rehabilitation wieder kleine Pflänzlein der Gartentherapie. Wie bei einem lang vergessenen Stück Garten wehten dabei viele, verschiedene „Sämereien“ aus seiner Umgebung ein. Gemeint sind Menschen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten, die gerade im deutschsprachigen Raum die Gartentherapie geprägt haben.
Eine starke grüne, sprich gärtnerische Seite, ist hier zunächst zu nennen, Gärtnerinnen und Gärtner also, die oftmals bei sich selbst das Wohltuende dieser Betätigung entdeckten und dieses gerne für andere Menschen weiter entwickeln wollten. Zunehmend haben sich dann auch Therapeuten und Therapeutinnen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen in die Gartentherapie eingebracht, so aus der Pflege, Ergotherapie, Sozialarbeit und vielen weiteren Disziplinen.
Betrachtet man also mit diesem schnellen Blick das „Feld“ Gartentherapie, wie es ich aktuell zeigt, so erkennt man einen bunt blühenden und sich ständig weiterentwickelnden Bereich. Es gibt mittlerweile viele Fachgebiete, denen es sinnvoll erscheint, den Garten und das Gärtnern für die unterschiedlichsten Menschen zu nutzen, in der Pflege, der Therapie und der Pädagogik.
Abbildung 1-1: Gepflegte Parkanlagen waren schon immer Orte der Erholung und Entspannung (© Foto: A. Niepel)
Diese Verbreitung in unterschiedlichen Disziplinen hat einen großen Vorteil – auch im Vergleich mit den lange als großem Vorbild geltenden USA: Gerade aus der täglichen therapeutischen Praxis heraus und auch bereichert durch die unterschiedlichsten Ansätze hat sich in diesen letzten Jahren eine hohe therapeutische Qualität entwickelt.
Diese freie Entwicklung beinhaltet jedoch auch Gefahren. Beispielsweise durch etwas, was wir gerne als Wildwuchs bezeichnen, andererseits aber auch jene Gefahr des Verkümmerns aufgrund mangelnder Unterstützungskraft dieser vielen Einzelindividuen. Die sich daraus ergebende Aufgabe, eine im besten Sinne gärtnerische Aufgabe der Unterstützung, Steuerung und Pflege, hat seit 2009 die Internationale Gesellschaft Garten Therapie IGGT übernommen. In ihr sind mit ihren österreichischen, schweizerischen und deutschen Mitgliedsorganisationen die wichtigsten Handlungsträger auf diesem Gebiet vertreten. Aufgabe für die nächsten Jahre wird es sein, die beschriebene Wachstumskraft des „bunten Feldes“ zu erhalten, zu unterstützen und gleichzeitig für eine Schärfung des gartentherapeutischen Profils und für Qualitätssicherung zu sorgen.
Ein wichtiger Schritt dabei war die Erarbeitung eines übergreifenden „Konzeptes der Gartentherapie“ durch die IGGT, also eine Positionsbestimmung. Diese findet sich daher auch als Konsens und Status Quo in diesem Buch an vielen Stellen wieder, z.B. in der nachstehenden Definition.
Abbildung 1-2: Menschen brauchen die Natur auch in den Städten. Grün in den Straßen verbessert die städtische Umgebung (© Foto: A. Niepel)
Andreas Niepel
„Gartentherapie ist eine fachliche Maßnahme, bei welcher pflanzen- und gartenorientierte Aktivitäten und Erlebnisse genutzt werden, um zielgerichtet Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt zu unterstützen, mit dem Ziel der Förderung von Lebensqualität und der Erhaltung und Wiederherstellung funktionaler Gesundheit.
Dieses beinhaltet die Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, die Erhaltung und Förderung von selbstbestimmter gesellschaftlicher Teilhabe und Aktivitäten, sowie die fördernde Einwirkung auf den Lebenshintergrund.“ (IGGT, n.d.).
Was eine solche Definition liefern soll, ist kurz und knackig die Antwort auf die Fragen:
WORUM handelt es sich eigentlich?WER macht das?WAS konkret passiert dabei?WOZU dient das Ganze?Ausgehend von der IGGT-Definition wird in diesem Kapitel 2 die Grundlage der Gartentherapie ausführlicher dargestellt.
Die Frage: Worum handelt es sich?
Die etwas holprig erscheinende Formulierung der „Unterstützung von Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt“ zeigt eine Auffassung von Gartentherapie, wie sie sich erst in den letzten Jahren stückweise entwickelt hat. Entstanden ist sie aus der Antwort auf die Frage, warum man es denn überhaupt erwägen sollte, den Garten als ein therapeutisches Medium in Betracht zu ziehen. Dabei wurden zuvor vor allem die unterschiedlichen gärtnerischen Handlungen und die entsprechende Umgebung als das zentrale therapeutische Mittel gesehen. In angloamerikanischen Definitionen ist das noch immer so: „Garten(bau)therapie ist die Einbindung eines Klienten in gartenbauliche Aktivitäten durch einen ausgebildeten Therapeuten, um spezifische und dokumentierte Behandlungsziele zu erreichen“ (AHTA, n.d.). Die Definition der IGGT allerdings greift weiter und spricht ja zunächst ganz generell von Interaktionen, die somit weiter gehen können als reine gartenbauliche Aktivitäten.
Grundlage hierfür ist ein grundsätzlicher neuer Zugang. Dieser setzt beim bio-psycho-sozialen Modell an, welches gemeinhin als Basis für die Beschreibung des Gesundheitszustandes eines Menschen genutzt wird. Demnach sind sowohl biologische Faktoren für diesen Gesundheitszustand verantwortlich, was vom Bruch bis zur Entzündung reicht, wie auch psychologische und soziale Einflüsse. Was in diesem System jedoch nicht vorkommt, sind ökologische Faktoren. Nach diesem Modell – so könnte man sagen – ist es beispielsweise unerheblich, in welcher Umwelt ein Mensch aufwächst, beziehungsweise werden diese Einflüsse lediglich in die anderen Faktoren übertragen. Die IGGT hat nun mit ihrer Definition dieses Modell erweitert zu einem bio-psycho-sozio-ökologischen Menschenbild und zwar bezugnehmend auf den Psychologen Hillarion Petzold, Begründer der integrativen Therapie, der dieses schon in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts propagiert und immer wieder betont hat (Petzold, 2012). Und die weltweite Studienlage stellt zunehmend deutlich heraus, dass der Mensch eben auch tatsächlich ein solches ökologisches Wesen ist und dass die Qualität der Umwelt und damit auch die Qualität seiner Interaktionen mit dieser Umwelt einen erheblichen Einfluss auf seinen Gesundheitszustand haben.
Wenn man ein solches erweitertes Menschenbild vertritt, also die Ursachen für Krankheiten und Störungen erweitert sieht, dann muss man auch erkennen, dass es neben biologisch-physiotherapeutischen, psychotherapeutischen oder soziotherapeutischen auch „ökotherapeutische“ Angebote geben muss. Und genau hier positioniert sich die Gartentherapie mit dieser Definition. Damit besitzt die Gartentherapie eine große Nähe zu anderen Therapieformen auf diesem Gebiet, von der Naturtherapie bis zur tiergestützten Therapie, jenes Gebietes also, welches mittlerweile gerne unter dem Begriff des Green Care zusammengefasst wird.
Das dabei dann zugrundeliegende Modell für die gesundheitliche Bedeutung dieser mit neuer Bedeutung versehenen Mensch-Natur-Interaktion ist eines, in welchem der Mensch eingebettet in die Natur gesehen wird (Abb 2-1). Dadurch ergeben sich zwei Aspekte: Die Natur wirkt mit vielerlei Auswirkungen auf den Menschen ein, von der Körperwahrnehmung bis hin zu biografisch-regionalen Persönlichkeitsauswirkungen. Auf der anderen Seite wirkt der Mensch selbst mit Interaktionen auf die Natur ein, indem er sie pflegt, manipuliert und verändert.
Abbildung 2-1: Das Verhältnis und die Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt, wie diese innerhalb des IGGT-Konzeptes der Gartentherapie gesehen werden (Quelle: IGGT, n.d.)
In manchen amerikanischen Publikationen werden hier die griffigen Bezeichnungen „Being in the Garden“ und „Doing in the Garden“ gewählt, an anderer Stelle findet man aber auch Begriffe, wie „Vita contemplativa“ und „Vita activa“. Doch ganz gleich, wie man es bezeichnet: Was sich ergibt, ist, dass bei Störungen dieser Interaktionen auch zwei unterschiedliche gartentherapeutische Ansätze existieren, ein eher passiver, rezeptiver und ein aktiv handelnder.
Und so zeigen sich auch mittlerweile ganz unterschiedliche Arten von gartentherapeutischen Programmen: Jene, die natürlich weiterhin die aktiven gartenbaulichen Tätigkeiten beinhalten, aber auch solche, bei denen es um die Gewährleistungen eines reinen Naturkontaktes, z.B. bei bettlägerigen Menschen, geht. Und auch in diesem Buch finden sich daher jetzt vermehrt Angebote, die eher den passiven Naturzugang unterstützen.
Praxistipp 1
Kontakt zur Natur
Ein Prinzip der Gartentherapie ist es, den Kontakt zur Natur möglichst lange zu erhalten. Dies vor allem dann, wenn Teilnehmende nicht oder nur mit hohem Aufwand in den Garten kommen können. Der Bezug nach draußen kann verstärkt werden, wenn in Räumen entstandene Gegenstände im Garten präsentiert werden. Auf diese Weise wird der Garten wieder stärker in den Fokus gerückt (Abb. 2-2). Besuche und Spaziergänge im Garten bekommen dadurch einen eigenen Zweck und einen besonderen Sinn.
Abbildung 2-2: In den Räumen gebastelt und im Garten präsentiert (© Foto: A. Niepel)
Zum Therapiebegriff
Gartentherapie findet also in diesen beiden Arten und zusätzlich auch in sehr unterschiedlichen Situationen statt. Dazu gehören natürlich mittlerweile auch zunehmend pädagogische, gesundheitsfördernde oder pflegerische Situationen, sodass die Frage nach dem Therapiebegriff erlaubt ist.
Beschreibt man Therapie an sich als die zielgerichtete adäquate Behandlung eines Menschen mit einer Diagnose, also eines Patienten, so muss man feststellen, dass es sich bei den Teilnehmenden an gartentherapeutischen Programmen nicht immer zwangsläufig um solche handelt, die man gemeinhin als Patienten bezeichnen würde. Das gilt ungeachtet der Tatsache, dass in der Praxis jedoch durchaus Diagnosen (Demenz, Lernstörung etc.) vorhanden sind, wo eher von Bewohnern gesprochen wird, z.B. im Altenpflegebereich oder im Bereich der Arbeit mit behinderten Menschen. Dieses ist jedoch auch in anderen therapeutischen Fachgebieten nicht viel anders. Physiotherapeuten, die eine Gymnastikgruppe in eben jenem Altenbereich durchführen oder eine Rückenschule im Rahmen einer Gesundheitsförderungsmaßnahme veranstalten, sehen auch nicht zwangsläufig „Patienten“ vor sich, dennoch bleibt man schon von der Selbstdarstellung her Physiotherapeut, denn die Wahl der Methoden entstammt der Physiotherapie. Diese Berufsauffassung spiegelt letztlich auch die Anerkennung der Verantwortung wider, die man mit dieser Aufgabe übernimmt. Und so nutzen auch Gartentherapeuten Maßnahmen aus dem Katalog der Gartentherapie, selbst wenn die vorliegende Situation vornehmlich frei von Patienten zu sein scheint. Vielleicht wäre eine Bezeichnung wie „Mensch mit Gesundheitsproblem“ treffender, manchmal auch vielleicht jener von der „prä-pathologie“, letztlich aber auch umständlicher. Aus diesem Grunde – um alle Zielgruppen einzuschliessen – wird in diesem Buch zumeist anstelle von Patienten der Ausdruck „Teilnehmende“ oder „Klienten“ gewählt.
Frage: Was konkret passiert dabei?
Die in diesem Buch aufgeführten Programme beschränkten sich von Anfang an natürlich nicht nur auf rein gärtnerische Aktivitäten, denn sie umfassen schon immer floristische Arbeiten, Verarbeitung der Produkte und selbst spielerische Tätigkeiten. Aber teilweise werden sie so gestaltet, dass sie auf eine einfache Art und Weise auch schwerbetroffenen Klienten den Naturzugang ermöglichen. Durch diese Auswahl erweitert sich zunächst einmal ganz praktisch das Spektrum möglicher Anforderungen, womit dem Therapeuten oder der Therapeutin ein größerer „Werkzeugkasten“ zur Verfügung steht. Es gibt jedoch noch weitere Gründe für diese Erweiterung.
Als Erstes wird parallel bei einer Erweiterung der Aktivitäten über das rein Gärtnerische hinaus auch das Spektrum dessen erweitert, was Teilnehmende selber einbringen können, und zwar sowohl in ganz praktischer Hinsicht (eigene Aktivitäten) wie auch bezüglich ihrer Erfahrungen und ihres Wissens (eigene Erlebnisse). Nicht jeder Mensch ist ein Gartenfreund oder eine Gartenspezialistin, doch kaum jemand ist davon gänzlich unberührt: Erinnerungen an Gärten der Kindheit, emotionale Verbindungen zu Pflanzen wie der Rose als Blume der Liebe oder auch nur Vorlieben für Düfte und Geschmäcker; all dieses kann und wird in gartentherapeutischen Einheiten genutzt und von den Teilnehmenden eingebracht.
Der zweite Grund für eine Erweiterung besteht darin, den Kreislauf und den Rhythmus des Wachsens und Vergehens aufrechtzuerhalten. Die Ernte und Verwendung der Produkte spielen dabei eine wichtige Rolle, ebenso wie saisonale Feiern oder Erlebnisse, z.B. selbst das sommerliche Liegen im Gras.
Der Gartentherapeut oder die Gartentherapeutin hat die Aufgabe, die Kenntnisse und Vorlieben der Teilnehmenden, die therapeutische Zielrichtung und eben auch die saisonale Situation miteinander in Einklang zu bringen und die geeigneten Maßnahmen auszuwählen.
Drittens kann eine Erweiterung auf nicht nur primär gärtnerische Tätigkeiten angezeigt sein, weil die Arbeit mit Erde für bestimmte Bereiche erschwert ist. Vor allem im onkologischen Bereich und in Innenräumen von Kliniken sind aus hygienischen Gründen Pflanzen leider oft verboten, sodass der Naturzugang über Umwege geben werden muss.
Der vierte Grund für die erwähnte Erweiterung liegt darin begründet, dass der Naturentzug gerade bei solchen Menschen besonders stark ausgeprägt ist, die aufgrund massiver Einschränkungen eben eine längere Zeit lediglich in Innenräumen verbringen können, wie beispielsweise in den erwähnten Kliniken. Hier sind aufgrund der eingeschränkten Fähigkeiten oft sehr einfache erste Zugänge gefragt, bei denen dann auch andere Methoden wie der künstlerische Ausdruck, das Imaginieren und das Erzählen notwendig sind.
Folgende Faktoren spielen somit also bei der Auswahl der Programme eine Rolle:
Therapeutische Zielrichtung Fähigkeiten und Fertigkeiten der TeilnehmendenInteressen und Know-how der Gartentherapeutin oder des GartentherapeutenArt der Gartenanlagen oder der anderen RäumlichkeitenSaisonale Bedingungen (Jahreszeit, Wetter, geographische Region) sowieZeitliche Ressourcen für die einzelnen VeranstaltungenAufgrund der obigen Faktoren stellt die Gartentherapeutin oder der Gartentherapeut schließlich das Programm zusammen. Für jeden einzelnen Anlass gibt es noch eine Feinplanung mit Hinweisen zu Ort, Material, Helfereinsatz usw.
Es ist daher oft von Vorteil, die Interaktionen längerfristig, d.h. für mindestens ein Quartal zu planen. Ein Plan mit solchen Programmen dient als Übersicht und Orientierungshilfe. Oftmals müssen auch einzelne Programmpunkte geändert werden, z.B. wenn das Wetter nicht mitspielt oder neue Teilnehmende dazukommen, die nicht über die nötigen Fertigkeiten für die geplanten Aktivitäten verfügen. Es hat sich auch bewährt, im Ablauf des Jahres immer wieder mal einen Höhepunkt einzuplanen, z.B. ein Grillfest, eine Exkursion oder einen Dia-Abend. Derartige Einzelereignisse stellen gute Zwischenziele dar, die letztlich dabei helfen, den Gesamtablauf der Zeit zu erleben.
Gartentherapie definiert sich schließlich als ein Prozess und soll demnach längerfristig angelegt sein. Auch die bereits aufgeführte AHTA-Definition, die ja nicht ohne Grund von einer „Einbindung“ spricht, erwähnt in einem späteren Abschnitt dieses prozesshafte Wesen der Gartentherapie.
Praxistipp 2
Sammlung von Pflanzen
Es lohnt sich, eine Sammlung bestimmter Pflanzengruppen anzulegen, z.B. Farne, Kakteen, Baumbewohner oder alte Nutzpflanzen (Abb. 2-4). Das kann bei einigen Teilnehmenden das vorhandene Expertenwissen oder altbekannte Vorlieben aktivieren und ist zugleich eine Motivation, die Pflanzen wachsen zu sehen und sie zu pflegen.
Abbildung 2-4: Pflanzen wie diese Kakteengewächse in Gruppen sortiert (© Foto: A. Niepel)
Dies bedeutet nicht, dass ein zunehmender – gerne auch spontaner – Einbezug von Gärten und Naturerlebnissen in die pflegerisch-therapeutische Situation abgelehnt wird. Im Gegenteil: Nehmen wir Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, so ist klar, dass auch und gerade diese essenziell einen Naturbezug benötigen und den Garten als vermittelndes Element nutzen sollten. Oftmals ist die Situation im stationären Bereich derart, dass die Lebensumwelten der Bewohnerinnen und Bewohner zunehmend schrumpfen: auf die Einrichtung, auf die Station, auf das Zimmer oder sogar auf das Bett. An dieser Stelle wird oftmals der eher erwähnte passive, rezeptive Arm der Gartentherapie genutzt, der weitaus basaler funktionieren kann. Spontane Spaziergänge im Garten ermöglichen dabei Ausblicke ins Freie und schaffen eine Verbindung mit der Mitwelt, sodass es absolut sinnvolle Maßnahmen sind.
Der Ansatz von Gartentherapie ist jedoch ein erweiterter, denn nicht nur eine punktuelle, sondern eine durchgehende prozesshafte Einbindung wird angestrebt, wie dann auch gerne in der Folge das Erleben einer aktiven Form der Interaktionen: Ein Merkmal von Gartentherapie ist, dass durch diese beiden Arten wieder ein Bezug zu natürlichen Rhythmen hergestellt werden kann. Was geschieht, steht nahezu immer in einem saisonalen Zusammenhang. Dadurch trägt Gartentherapie dazu bei, die Verbindung zur realen und alltäglichen Umwelt möglichst lange zu halten. Dies hat in der Folge Bedeutung für diverse therapeutische Ziele. Dort, wo z.B. die Förderung der Kommunikation als Ziel angestrebt wird, schafft Gartentherapie fast nebenbei die entsprechenden Inhalte. Fast alle Personen sind (noch) in der Lage, Gespräche über das Wetter und die Jahreszeit zu führen. Solche Gespräche lenken von der oftmals negativ erlebten momentanen Situation ab und sind dennoch im „Hier und Jetzt“ angesiedelt.
Bei der Gartentherapie geht es nie nur um einzelne momentane Ereignisse. All das, was im Garten geschieht, hat eine Vorgeschichte und hat auch seine Folgen. Dieses mag das typische Planungsschema eines Gartentherapieangebotes deutlich machen (Abb. 2-3).
Abbildung 2-3: Planungsschema eines Gartentherapieangebotes (Quelle: A. Niepel)
Anders als bei anderen Arbeitsabläufen kommt der Druck, etwas Begonnenes fortzusetzen, nicht vorrangig vom Therapeuten, sondern ist logische Folge einer als natürlich empfundenen Fortentwicklung: Die Dinge wachsen und sie zu begleiten und zu pflegen ist notwendig. Einmal ausgesäte Sonnenblumen wirft man nicht einfach weg.
Frage: Wer macht das?
In einem zweiten Abschnitt der IGGT-Definition der Gartentherapie ist folgender Satz zu finden: „Diese professionellen Interventionen werden von aus- und/oder weitergebildeten Personen (z.B. Gartentherapeutin/Gartentherapeut nach den Richtlinien der IGGT) fachlich durchgeführt.“ Dieses zeigt zunächst: Für jede gartentherapeutische Aktivität braucht es eine qualifizierte Leitung durch einen Gartentherapeuten oder eine Gartentherapeutin. Sie legen das Programm fest, tätigen die nötigen Vorbereitungsarbeiten und sind verantwortlich für die Durchführung und Dokumentation der Gartentherapie. Die allerwichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von Gartentherapie ist somit das therapeutisch-pflegerische und fachliche Know-how der verantwortlichen Personen. Zusätzlich erfordert Gartentherapie jedoch noch ganz spezielle Eigenschaften.
2.3.1 Interdisziplinäres Denken
Gartentherapeutische Angebote werden von ganz unterschiedlichen Fachkräften geleitet, z.B. Ergotherapeuten, Psychologinnen oder Heilpädagogen. Dabei spielt es eine jedoch eher untergeordnete Rolle, aus welchem Fachgebiet die Gartentherapeutin oder der Gartentherapeut kommt, sofern er oder sie bereit ist, sich die nötigen Kenntnisse aus dem anderen Fachbereich zu erwerben.
Zur Gartentherapie gehört, dass hier ein Medium vorliegt, bei dem faktisch sehr viele der beteiligten Personengruppen (Pflegende – Therapeuten – Bewohnerinnen – Angehörige – Ärzte – hauswirtschaftliches Personal) Ressourcen und Kenntnisse einbringen können. Dieses Wirken „auf gleicher Augenhöhe“ ist ein großer Vorteil. Bei vielen gartentherapeutischen Einheiten ist darum zu beobachten, dass spontan Mitarbeitende oder Angehörige hinzukommen und sich äußern oder gar beteiligen. Diese Atmosphäre des Miteinanders bedeutet aus Sicht der Teilnehmenden eher Therapie, die „nebenbei“ geschieht – und das ist auch gut so. Für den Therapeuten oder die Therapeutin bedeutet dieses Begegnen von unterschiedlichsten Menschen und Therapiezielen jedoch die unbedingte Offenheit und Bereitschaft zu interdisziplinärer Arbeit.
Aber „Therapie nebenbei“ bedeutet nicht, dass dadurch die therapeutische Verantwortung für den Prozess fehlen darf. Hier ist in den letzten Jahren ein Wandel zu beobachten: Noch vor Jahren, in den Anfangszeiten der Gartentherapie, haben die Teilnehmenden diese Angebote auch aus Unkenntnis gar nicht als Therapie wahrgenommen. Mittlerweile hat sich die allgemeine Kenntnis über die Gartentherapie gewandelt und viele Teilnehmende, speziell im Bereich der Rehabilitation, wissen um diese Therapieform und haben demnach auch andere Erwartungen. Dieser Behandlungskontext ist immer zu beachten.
Praxistipp 3
Informationen zu Pflanzen
Die Pflanze steht in der Gartentherapie immer im Mittelpunkt. Somit ist es von Vorteil, darüber möglichst viele Informationen zu haben. Glücklicherweise gibt es zu Hauf Möglichkeiten, sich Wissen oder auch Geschichten über Pflanzen anzueignen. Vom alten Gartenbuch aus dem Antiquariat, über Zeitungsartikel bis zum Internet (Abb. 2-5), vom Pflanzenstecker aus dem Baumarkt bis zu Erfahrungen der Teilnehmenden. Wichtig ist es, alle diese Informationen so zu sammeln und abzulegen, dass sie immer wieder genutzt werden können. Eine Möglichkeit dazu bieten die Pflanzeninformationsblätter (Kap. 13.4).
Abbildung 2-5: Es ist immer von Vorteil, viele Informationen über Pflanzen zur Hand zu haben (© Foto: A. Niepel)
2.3.2 Fühlendes Gärtnern
Die zweite Voraussetzung ist zweifelsohne das gärtnerische Fundament. Dieses bezieht sich nicht nur auf das Wissen, sondern mehr noch auf ein Gefühl für den Garten, die Pflanzen und die Natur. Nur eine Person, welche diese Begeisterung und Freude mitbringt, kann sie an andere Personen weitergeben. Das ist neben allem fachlichen Know-how entscheidend für den Erfolg gartentherapeutischer Aktivitäten. Oder um es an einem anderen Beispiel zu verdeutlichen: Wohl niemand kann sich einen oder eine Musiktherapeutin vorstellen, die keinerlei Beziehung zur Musik hat. Therapien, die sich vom Medium her definieren, wie z.B. auch die Kunsttherapie, bedürfen dieser Affinität. Ob die Gartentherapeutin dabei dann nun eine begeisterte Rosenzüchterin oder der Gartentherapeut von Heilpflanzen fasziniert ist, spielt eine untergeordnete Rolle – Hauptsache man spürt bei ihr oder ihm das „Herzblut“. Grundlegendes Verständnis für Fragen der Natur und ein reges Interesse an Pflanzen scheinen selbstverständlich für die Profession.
Grundsätzlich liegt die Grundbefähigung des gärtnerischen Menschen darin, die Bedingungen zu schaffen, unter denen eine Pflanze wachsen kann (Abb. 2-6).
Abbildung 2-6: Mit Herzblut einen Garten pflegen und sich an dem Ergebnis erfreuen (© Foto: A. Niepel)
2.3.3 Haltung zum Menschen
Gärtner beschäftigen sich somit sehr intensiv damit, „was eine Pflanze denn braucht (um zu gesunden) und sie haben in dieser Hinsicht großes Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Anvertrauten. Und so, wie dieser Gärtner daher nicht an ihnen ‚dran zieht‘, sondern für die ausreichende Versorgung mit Luft, Licht, Platz, Nahrung und Schutz sorgt, so darf aus einer menschengärtnernden Sicht auch gerne für die Therapie überlegt werden, welche Bedingungen geschaffen werden müssen, dass der Mensch gedeiht und wächst. Natürlich ist dieses der Therapie auch nicht fremd.“ So formulierten Scholz und Niepel den Zusammenhang zwischen Pflanzen und der Haltung zum Menschen (Scholz & Niepel, 2019, S. 23).
An dieser Stelle ist es auch durchaus passend, Carl R. Rogers zu zitieren. Er schreibt: „Es wird hypostasiert, dass der Mensch, ebenso wie jeder andere lebende Organismus, sei es nun Pflanze oder Tier, Kräfte besitzt, die der Erhaltung oder dem Wachstum des Organismus dienen. Wenn diese Tendenz nicht behindert wird, bewirkt sie verlässlich beim Individuum Wachstum, Reife und eine Bereicherung des Lebens … Gleiches gilt für den psychologischen Bereich – dass nämlich in einem einigermaßen wachstumsfreundlichen Klima die Tendenz des Organismus, sich in umfassender Weise zu verwirklichen, so zuverlässig funktioniert, dass sie auch Hindernisse und Schmerz überwindet.“ (Rogers, 1977).
Als Drittes wird von einer Gartentherapeutin oder einem Gartentherapeuten somit vor allem ein reges Interesse am Kontakt mit anderen Menschen und dabei an seinen Wachstumsbedingungen erwartet. Diese sind dabei natürlich oft auf die eine oder andere Weise körperlich oder psychisch beeinträchtigt, zeigen aber gerade in der Gartensituation gleichwertige oder gar höhere gärtnerische Kompetenzen als der Therapeut oder die Therapeutin. Gerade hier liegt ein großes Potenzial, gerade für die Beziehungsarbeit, wird durch diesen Umstand doch das übliche interaktive Patienten-Therapeuten-Dilemma gemildert. Das Verhältnis von Therapeutin oder Therapeut zu ihren Klienten muss trotz dieser Begegnung auf Augenhöhe jedoch gleichzeitig durch eine professionelle Haltung geprägt sein. Das schließt enge und freundschaftliche Beziehung nicht aus, stellt sie aber in einen professionellen Kontext. Der Gartentherapeut oder die Gartentherapeutin ist viel weniger die Person, die ein bisschen mehr weiß als die anderen, sondern sie ist die Fachperson, die das therapeutische Setting kennt und dessen Regeln beachtet.
Aufgrund dieser Anforderungen können ganz unterschiedliche Fachkräfte gartentherapeutische Einheiten leiten. Die Bereitschaft zur durchgehenden Weiterbildung ist jedoch unerlässlich. Die Verbindungen von gärtnerischen und verschiedenen therapeutischen Elementen macht Gartentherapie für die Professionellen einerseits anspruchsvoll. Andererseits ist es gerade diese Verbindung von Garten und Therapie, die den Reiz ausmacht und eine gegenseitige „Befruchtung“ ermöglicht.
Diese Voraussetzungen schliessen natürlich nicht aus, dass jemand die in diesem Buch beschriebenen Programme mit Einzelpersonen oder Gruppen einfach einmal ausprobiert. Wenn eine interessierte Person dies aber auf längere Sicht und in einem professionellen Rahmen tun möchte, ist eine Weiterbildung früher oder später wohl kaum zu vermeiden. Von der Gartentherapeutin oder dem Gartentherapeuten wird eine regelmäßige Fortbildung vorausgesetzt. Nur so können Fachkräfte auf dem aktuellen Stand des professionellen Wissens bleiben.
Praxistipp 4
Zugang zu Menschen finden
Wenn Menschen dazu neigen, sich eher verschlossen zu verhalten und sich für Aktivitäten nur schwerer motivieren lassen, muss das Interesse geweckt werden. Viele Pflanzen haben ihren Ursprung in aller Welt. Das trifft heute auch auf Teilnehmer zu, die ihre Wurzeln – wie die Pflanzen – in fremden Ländern haben. Hilfreich ist, die fremden Länder auf einer Karte oder einem Globus zu zeigen, nach Informationen oder Geschichten zu fragen und so neue Anknüpfungspunkte für Gespräche zu erhalten (Abb. 2-7).
Abbildung 2-7: Den Ursprung der Pflanze zu wissen und Geschichten aus dem Land zu hören, ist ein interessanter Gesprächsstoff(© Foto: A. Niepel)
Frage: Wozu dient das Ganze?
Zwei Begriffe sind ganz offensichtlich zentral für die Zielsetzung der Gartentherapie: Lebensqualität und funktionale Gesundheit.
2.4.1 Funktionale Gesundheit
Das Konzept der funktionalen Gesundheit hängt eng zusammen mit der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) der WHO (World Health Organisation). Die ICF ist nicht nur global über Ländergrenzen hinaus verbreitet und somit international anwendbar, sondern auch bereichsübergreifend für Pflege, Pädagogik, Sozialarbeit oder Therapie, sowie auch die Gartentherapie selbst als Maßnahme in vielen dieser Bereiche genutzt wird (DIMDI, 2005).
Eine Person wird entsprechend dieser Systeme dann als funktional gesund beschrieben, wenn:
vor ihrem gesamten Lebenshintergrund (entspricht dem ICF-Bereich der Kontextfaktoren) ihre körperlichen Funktionen und Körperstrukturen allgemein anerkannten Normen entsprechen (entspricht dem ICF-Bereich Konzepte der Körperfunktionen und –strukturen),sie nach Art und Umfang das tut oder tun kann, wie es von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem erwartet wird (entspricht dem ICF-Bereich der Aktivitäten),sie ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, in der Art und dem Umfang entfalten kann, wie es von einem Menschen ohne Schädigungen der Körperfunktionen und -strukturen und ohne Aktivitätseinschränkungen erwartet wird (entspricht dem ICF-Bereich der Teilhabe).Wichtig ist, dass die ICF selber keine Auflistung von Zielen darstellt, sondern erst einmal lediglich eine Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, damit auch des Grades einer Behinderung, der sozialen Teilhabe sowie der relevanten Umweltfaktoren einer betroffenen Person. Dennoch ist sie sehr gut geeignet, um auf dieser Basis zu definieren, mit welcher Zielrichtung interveniert werden soll. Dementsprechend kann Folgendes für diese Gesundheitsprobleme angestrebt werden:
Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert Erhaltung und Förderung von selbstbestimmter gesellschaftlicher Teilhabe und Aktivität, fördernde Einwirkung auf den Lebenshintergrund (Abb. 2-8).Abbildung 2-8: Ob im Garten oder beim Spaziergang: Mit Menschen in Kontakt sein ist Beziehungsarbeit (© Foto: A. Niepel)
Es zeigt sich, dass die Gartentherapie mit ihrer Einwirkung durchaus an unterschiedlichen Lebensbereichen eines Menschen ansetzen kann.
2.4.2 Lebensqualität
Bevor konkreter gezeigt werden soll, wie eine solche Zielbeschreibung aussehen kann, erscheint es wichtig, auch den zweiten zentralen Begriff zu betrachten: die Lebensqualität.
„Lebensqualität ist die subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertsystemen, in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Standards und Anliegen.“ (WHO, 1997) Es geht also zentral auch um die subjektive Bewertung, was bedeutet, dass bei jedweder gartentherapeutischen Zieldefinition so weit wie möglich immer die betroffene Person mit einbezogen werden muss. Der zentrale Begriff ist jener der Selbstbestimmung und der Selbstbeurteilung der Relevanz von Störungen. Denn wie bedeutsam dieses für eine Person ist, kann sehr unterschiedlich beurteilt werden. Bereits im Praxisbuch Gartentherapie schrieb dazu Thomas Pfister: „Lebensqualität wird von den Menschen sehr unterschiedlich definiert. Während die einen Wohlstand und dementsprechende materielle Verhältnisse als entscheidend betrachten, sind für andere immaterielle Werte wie Freundschaften oder Kultur wichtig(er). Allgemein wird die Wohnumgebung als sehr wichtig für die Lebensqualität eingeschätzt. Viele Menschen legen dabei bekanntlich Wert auf einen (eigenen) Garten oder auch nur auf einen Balkon mit ein paar Pflanzkübeln. Personen, die nicht mehr in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus wohnen können, müssen auf Vieles verzichten. Damit gewinnt die Umgebung zusätzlich an Bedeutung, was den Garten als therapeutischen Raum anspricht.“ (Niepel & Pfister, 2010)
Es scheint tatsächlich eine sehr enge Verbindung zwischen subjektiv erlebter Lebensqualität und dem Garten zu geben. Dabei werden ja bereits von den vielen privaten Gartennutzern die unterschiedlichsten Aspekte erwähnt, von der tiefen inneren Verbindung mit der Natur, den Erfolgserlebnissen bei der Gartenarbeit bis zum gemeinsamen Tätigsein mit Freunden oder Familie reichen dabei die Nennungen.
Auch in der Gartentherapie werden bei der Frage nach der Zielsetzung sehr häufig Begründungen genannt, die vereinfacht mit einem „Es tut einfach gut“ zusammenzufassen sind. Für eine seriöse Zieldefinition und auch Konzeptionierung erscheint es dabei sinnvoll, diese Anliegen inhaltlich zu untermauern.
Denn auch dieses ist klar: Das Erstellen eines Gesteckes, die Herstellung von Kräutertees oder das Auspflanzen von Sommerblumen sind weder aus sich heraus bereits Therapie, noch werden sie es dadurch, dass man beispielsweise die Pflanzenauswahl ändert. Zum therapeutischen Medium werden sie dadurch, dass man für die Aktivitäten klar definierte und überprüfbare Ziele bei den Teilnehmenden setzt. Gartentherapeutische Aktivitäten erfordern sorgfältige Planungen bezüglich der Umgebung, der Werkzeuge und der Abläufe. Die einzelnen Einheiten und Programme sollen dabei immer anhand der Fähigkeiten der Teilnehmenden und der angestrebten Ziele konzipiert werden. Eine der wichtigsten Absichten dieses Buches besteht darin, diesen Planungsprozess mit ausgereiften Programmen zu unterstützen.
Praxistipp 5
Kognitive Aktivierung – keine Überforderung
Der Gartentherapeut oder die Gartentherapeutin braucht nicht nur Pflanzen, sondern auch eine möglichst große Sammlung von unterschiedlichsten Gegenständen. Diese kann für unterschiedliche Spiele und Aktivitäten genutzt werden, z.B., um ein Programm aufzulockern oder den Teilnehmern eine Hilfestellung zu geben (Abb. 2-9). Beispiele: Wenn Gegenstände benannt werden sollen oder die Erinnerung daran im Fokus steht – wie bei dem Programm Pflanzenmemory – stellen diese Objekte eine Assoziation im Sinne einer kognitiven Aktivierung dar. Der Flaschenöffner wird mit assoziiert und führt zum Hopfen oder die Streichhölzer über den Begriff Feuer zum Feuerdorn. Hilfestellungen sind wichtig, um Überforderungen zu vermeiden!
Abbildung 2-9: Selbst kleine, alltägliche Gegenstände können für die kognitive Aktivierung eingesetzt werden (© Foto: A. Niepel)
2.4.3 Psychische Gesundheit und die Gartentherapie als POSITIVe Basistherapie
Fragt man nach Zielen zur Förderung psychischer Gesundheit, wird mittlerweile auch die Gartentherapie genannt. Daher erscheint es angemessen und hat sich auch bewährt, sich zunächst mit psychischen Grundbedürfnissen zu befassen, wie sie u.a. von Klaus Grawe im Zusammenhang mit seiner Konsistenztheorie beschrieben wurden (Grawe, 2001). Sie bieten in Bezug auf die psychische Gesundheit einen sehr guten Zugang.
Im Rahmen des cc-Konzepts (Scholz & Niepel, 2019) haben Scholz und Niepel auf dieser Basis die sogenannte POSITIVe Basistherapie entwickelt. Das cc-Konzept ist entwickelt worden für Menschen mit neurokognitiven Störungen, ob nach erworbenem Hirnschaden oder nach neurodegenerativen Erkrankungen, aber das Element der Basistherapie ist sehr gut auf diverse andere Situationen übertragbar. Im Kern geht es darum,
durch geeignete Maßnahmen eine verbesserte Therapiebereitschaft– und Fähigkeit zu schaffen, dem Grundsatz des „Nicht-Schadens“ entsprechend ganz grundsätzlich auf psychische Grundbedürfnisse einzugehen.Das Konzept POSITIVe Basistherapie ist auch nicht speziell für die Gartentherapie entwickelt worden. Aber in dieser Therapieform bietet es eine gute Möglichkeit, eine wichtige Rolle im gesamttherapeutischen Kontext einzunehmen – als Basis eben.
Auch dieses Konzept beruht auf den vier psychischen Grundbedürfnissen, wie sie von Grawe beschrieben wurden, erweitert diese jedoch um die drei Punkte der Bewegung (plus Entspannung, Betätigung), dem Sinnempfinden sowie – und dieses bietet der Gartentherapie natürlich besondere Anknüpfungspunkte – dem notwendigen Naturzugang.
Gartentherapie als Fördermöglichkeit für psychische Gesundheit kann dementsprechend eingesetzt werden – dem Wort POSITIV folgend – um folgende Situationen zu schaffen:
Positive Emotionen erleben
Bei Grawe ist dieses Grundbedürfnis auch unter der Überschrift Lustgewinn und Unlustvermeidung zu finden, wobei diese Lust nicht nur körperlicher Natur sein kann. Es geht im Kern darum, dass der Mensch automatisch jederzeit Situationen und Wahrnehmungen emotional beurteilt und dass wir grundsätzlich zunächst danach streben, positive Emotionen zu erlangen und negative zu vermeiden. Es ist selbstverständlich, dass auch die Gartentherapie diesem Ziel dienen soll. Den Teilnehmenden sollen möglichst vielfältige Möglichkeit gegeben werden, positive Emotionen zu erleben. Das kann nach Grawe (Grawe, 2001) ausdrücklich auch das Erleben eigener Kompetenzen sein und so hat das Gärtnern durchaus das Potenzial, hier wirksam zu werden.
Bereits an dieser Stelle jedoch greift ein wichtiger Mechanismus: Der Mensch entwickelt nicht nur sogenannte motivationale Schemata, die dem Zweck dienen, Bedürfnisse zu befriedigen, sondern er tut alles, um Unlust und negative Emotionen zu vermeiden. So ist nicht nur das Vorgehen „Ich freue mich ein Gesteck zu machen, weil ich ein schönes Ergebnis erwarte“ demnach ein Verhaltensmuster, mit dem man rechnen muss, sondern auch das Gegenteil: „Ich mache lieber nicht mit, damit mich das Ergebnis nachher nicht frustriert“.
Betrachten wir wieder die Lebensumwelten von Teilnehmenden unserer gartentherapeutischen Programme, so werden wir feststellen, dass derartige vermeidende Schemata in deren Alltag sehr häufig vorkommen. Diese vermeidenden Schemata – wie Studien belegen – sind jedoch der angestrebten psychischen Gesundheit absolut nicht zuträglich. Darum bieten wir mit unseren Programmen den Teilnehmenden die Möglichekit, sich positiven Zielen zu nähern. Allein dieses die Teilnehmenden erleben zu lassen, kann ganz grundsätzlich ein wichtiges therapeutisches Ziel sein. Klaus Grawe sagt dazu: „Etwas Positives hinmachen ist für den Therapieerfolg wichtiger als etwas Negatives wegmachen.“ (Grawe, 2001).
Das bekommt besondere Bedeutung, wenn man feststellt, dass mit positiven Erlebnissen ein Mechanismus in Gang gesetzt wird, der über das Freisetzen verschiedenster Neurotransmitter überhaupt erst dafür sorgt, dass wir zu einem neuronalen Lernen in der Lage sind. Therapie darf also nicht nur, sie muss Spaß machen. Genau deshalb bringen wir ja Blumen und Früchte auf die Station und in die Wohnbereiche. Spricht also ein Teilnehmer z.B. nach der Herstellung eines Chutneys darüber, dass das sehr angenehm war, vielleicht sogar besser als erwartet, so ist bereits sehr viel erreicht.
Wenden wir dieses Prinzip an, so verstärken wir demnach über ein emotionales Priming (Bahnung) die Therapiefähigkeit der Teilnehmenden. Gleichzeitig wirken wir damit der Situation entgegen, dass diese Teilnehmenden ihre Lebensumgebung, die ja oft an ihren Problemen ausgerichtet ist, als vorrangig schlecht und bedrohlich empfinden. Über die Methode der Konditionierung wird ein solches Erleben schnell direkt mit jedem Therapieansatz verbunden, der in dieser Umgebung stattfindet. Gartentherapie, die (auch) dem Lustprinzip entspricht, verbessert demnach den Kontext (Abb. 2-10).
Abbildung 2-10: Positive Emotionen wecken, z.B. durch Freude an a) einer schönen Blüte, b) dem beruhigenden Grün des Waldes c) oder an selbst gesetzten und gepflegten Lebensmitteln (© Foto: A. Niepel)
Ökologische Einbindung des Menschen in die Natur
Die Beziehung des Menschen zur Natur ist bei Grawe nicht als ein Grundbedürfnis beschrieben, aber schon seinerzeit schrieb er, dass diese Liste sicher in Zukunft erweiterbar ist. Die Studienlage der letzten Jahrzehnte mit der eindeutigen Verbindung von Wohlempfinden und Naturkontakt führt dazu, dass Scholz und Niepel dieses Element in die Liste der POSITIVen Basistherapie aufgenommen haben. Die Basis der Überzeugung, dass ein Garten ein adäquates Medium und ein passender Raum der Therapie sein kann, liegt im beschriebenen bio-psycho-sozio-ökologischem Modell begründet: Ein Naturkontakt hat einen aktiven und passiven Einfluss auf die Gesundheit des Menschen.
Dass dieser Naturkontakt Bestandteil des cc-Konzeptes und der Basistherapie ist, entspricht somit natürlich dem Ansatz der Gartentherapie. In diesem Sinne ist die Gartentherapie innerhalb eines Therapiekonzeptes, wie jenem des cc- Konzeptes, nicht mehr das „Sahnehäubchen obendrauf“, sondern vielmehr ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapiebasis.
Soziale Integration und das Bindungsbedürfnis
Das „Säugetier“ Mensch sucht eine grundlegende Bindung: die zur Mutter beziehungsweise zu den Eltern. Dazu kommt, dass wir extrem soziale Wesen sind. Es gibt Theorien, die besagen, dass die Entwicklung unseres Gehirns v.a. dieser Eigenschaft Rechnung trägt. Dementsprechend gibt es auf allen Ebenen Anzeichen dafür, wie wichtig dieses Bedürfnis nach menschlicher Nähe für unsere psychische Gesundheit ist, bis hin auf die Ebene der Neurotransmitter. Bei gut funktionierenden Bindungserlebnissen kann z.B. die Gedächtnisleistung verbessert werden. Doch auch andersherum betrachtet zeigen Untersuchungen an psychisch erkrankten Menschen, dass negative Bindungsbeziehungen zumindest für den Ausbruch von psychischen Krankheiten mitverantwortlich sein können. Studien bei Psychotherapiepatienten belegen, dass nur etwa 10% über eine sichere Beziehungserfahrung verfügen, wohingegen dies bei der Durchschnittsbevölkerung bei etwa 60 Prozent der Fall ist.
Betrachtet man nun die Lebenssituation der Teilnehmenden an den gartentherapeutischen Programmen – ob im Bereich der Altenhilfe, der stationären Rehabilitation oder auch in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung – so wird schnell deutlich, dass gerade hier die Befriedigung des Bindungsbedürfnisses von besonderer Bedeutung ist. Aus diesem Grund wurde ja bereits auf die große Bedeutung der Beziehungsarbeit hingewiesen. Auch die Tatsache, dass die meisten hier aufgeführten Angebote Gruppenangebote sind, weist auf die Notwendigkeit hin, dieses Bindungsbedürfnis immer miteinzubeziehen.
Praxistipp 6
Naturzugang
Der Wandel der Klienten hat dazu geführt, dass immer mehr ältere Menschen und Patienten mit schweren Beeinträchtigungen in die Therapie kommen. Dementsprechend umfassend sind die Anforderungen an gartentherapeutische Programme. Sie beinhalten Aktivitäten draußen ebenso wie die Arbeit mit Pflanzen in Arbeitsräumen, denn auch Zimmerpflanzen oder die künstlerische Gestaltung mit Pflanzenmaterial bietet den Zugang zur Natur. Um immer passend reagieren zu können, sollten Sie sich eine Liste der Tätigkeiten erstellen, die grundsätzlich im Garten, Gewächshaus oder Arbeitsraum möglich sind. Halten Sie dafür das geeignete Material für die jeweiligen Aktivitäten griffbereit in Kisten, Regalen oder auch in Pflanzenschränken vor (Abb. 2-11). In diesem Buch finden Sie viele Programme, die Ihren Klienten den Naturzugang ermöglichen.
Abbildung 2-11: Pflanzen- bzw. Materialschränke ermöglichen jederzeit den passenden Zugriff (© Foto: A. Niepel)
Identität und Selbsterleben
Auch Grawe postuliert als weiteres Grundbedürfnis jenes nach Selbstwerterhöhung
