Wohlfühlgärtnern - Andreas Niepel - E-Book

Wohlfühlgärtnern E-Book

Andreas Niepel

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Beschreibung

Immer mehr und immer jüngere Menschen und Familien haben in den zurückliegenden Jahren nach einem eigenen Garten Ausschau gehalten. Dieser Trend wurde durch die Coronapandemie noch verstärkt. Diente das Gärtnern früher primär zur Selbstversorgung, so ist der Gedanke der Gesundheitsförderung zuletzt in den Vordergrund gerückt. Der bekannte Gartentherapeut Andreas Niepel geht mit seinem Werk auf die neuen jungen Gärtner*innen zu. Er beschreibt anschaulich und locker, wie Gärtnern positive Emotionen des Genusses, der Lebensfreude, des besseren Selbstwertgefühls, der sozialen Integration, der Naturverbundenheit, des Wohlbefindens, des Sicherheits- und Kontrollgefühls und der Entspannung fördert. Verständig geht er auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der neuen Gärtner*innen ein und beschreibt, wie man und frau typengerecht glücklich und zufrieden im eigenen Garten werden können. Mit Beispielen aus seinem Konzept «POSITIV GÄRTNERN» verbindet er Theoretisches aus der Gartentherapie, wichtige Gesundheitsaspekte und Gartenspaß mit Beispielen aus dem alltäglichen Leben. Humorvoll hält er «eingefahrenen Denkern» ein wenig den Spiegel vor - frei nach dem Motto: Fangen Sie etwas Neues an! Denken Sie wohlwollend über sich, Ihren Alltag und Ihre Einstellungen nach. Werden Sie kreativ und identifizieren Sie Ihre persönlichen Gartenvorlieben passend zu Ihrer Persönlichkeit. Gehen Sie Gärtnern richtig und durchdacht an. Nichts ist falsch, vieles richtig, solange es Gartenfreund*innen gut tut.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 452

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Andreas Niepel

Wohlfühlgärtnern

Wie Gärtnern glücklich und zufrieden macht

Wohlfühlgärtnern

Andreas Niepel

Andreas Niepel. Gärtner, registrierter Gartentherapeut nach IGGT, Phytotherapeut, systemischer Coach, Leiter der Abteilung Garten/Gartentherapie an der VAMED Klinik Hattingen.

Bahnhofstraße 25b

45525 Hattingen

E-Mail: [email protected]

Wichtiger Hinweis:

Inhaltsverzeichnis

Warum POSITIVes Gärtnern?

Gardening is the new shit

1 Wohlfühlgärtner und Neugärtner

2 Machen Gärten und Gärtnern echt glücklich?

3 Ein bisschen (Garten)kultur darf’s schon sein

Being in the Garden

Doing in the Garden

4 Der Garten in unseren Köpfen

5 Auf wen man im Garten trifft: die Urtypen

Heinz und Hedwig

Rudi und Rita

Dietmar und Dagmar

Welche Art Gärtner bin ich?

6 Auch ein Gärtner ist nur ein Mensch

Garten und Therapie – Garten und Gesundheit

Der Mensch und …

… was er so braucht, …

… wie er sich verhält und …

… was der Wohlfühlgarten dabei für eine Rolle spielt

7 Die eigene Einschätzung: Welcher Gartentyp sind Sie?

Zum Ergebnis

Egal, was herauskam – es ist okay so!

Der Gartengenusstyp: P für positive Emotionen

Der Naturgartentyp: O für oekologische Einbindung

Der Gartengemeinschaftstyp: S für soziale Integration

Der kreativ gestaltende Gartentyp: I für Identität und Selbstwert

Der Buddeltyp: T für Tonusregulation

Der bedeutsame Gartentyp: I für Intention

Der Sicherheitsgartentyp: V für Verstehbarkeit

8 POSITIV gärtnern! Viel Spaß damit

9 Die Gartenbiografien

Biografiebogen: Meine Gartenerfahrungen

Das imaginäre Interview

10 P – Positive Emotionen: Wie uns das Gärtnern Genuss und Freude bereitet

Sich gut zu fühlen ist entscheidend …

… und was man darüber denkt!

Wir sind unser Hirn

Voll krass, die Emotion

Erster Grundsatz: Genießen können

Zweiter Grundsatz: das Belohnungssystem aktivieren

11 O – Oekologische Einbindung: Wie wir im Garten unserer Natur begegnen

Mensch und Natur: ein kompliziertes Verhältnis

Alltag versus Natur?

Ein Wort zum Angeben: Aufmerksamkeitsentspannungstheorie

Die Natur in uns – das eigene Eden

Natürlich Gärtnern

12 S – Soziale Integration: Wie uns der Garten Gemeinschaft bietet

Ein kleiner Happen Bindungsforschung

Die soziale Wirklichkeit

Wir und die lieben Kinder

Chillen und Grillen zur Beziehungspflege

Soziales Gärtnern – Klein-, Stadt- und urbane Gärten

13 I – Identität: Wie wir beim Gärtnern unseren Selbstwert stärken

Ihr Profil kommt gut an: Identität und Persönlichkeit

Wir sind kreativ – Wir sind Gartenpapst!

Ich bin ein Ich!

Yes, we can! Denn wir sind besser!

Vermeiden Sie Gartenzeitschriften

Angriffe auf unser Ich

14 T – Tonus-Regulierung: Wie wir uns im Garten gleichsam betätigen und entspannen

Mens sana in corpore sano

Jetzt tu doch mal endlich was!

Buddeln ist okay, aber bloß kein Stress!

Hey, jetzt reg dich mal ab!

Immer locker bleiben!

Die Gedanken sind frei

Der innere Garten

Musste ja noch kommen: Flow und Achtsamkeit

15 I – Intention: Wie uns das Gärtnern bei der Sinnsuche hilft

Äußere, innere und grüne Motivation

Hier bestimme ich!

Metaphern und Symbole

Aussaat – Hoffnung und Optimismus

Pflege gebeugt und auf den Knien – Demut und Verantwortung

Ernte – Dankbarkeit

Die ganz, ganz, ganz besonderen Orte

Labyrinthe und andere Formen

Wo ich herkomme und hingehe – Sinnfindung im Garten

Das Leben, das Sterben und der ganze Rest

16 V – Verstehbarkeit: Wie uns ein Garten das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle bietet

Kontrollieren, verstehen und nachvollziehen

Der Garten ordnet und sortiert

Schnecken sind was Gutes

17 Jetzt der Blick zurück: Alles im grünen Bereich!

Autor

Sachwortverzeichnis

|11|Warum POSITIVes Gärtnern?

|9|

Willst Du ein Leben lang glücklich sein, so werde Gärtner!

Ein weiteres Gartenbuch! Oder, wenn man genauer auf den Titel schaut, sogar ein Buch über das Gärtnern? Braucht es das? Als wenn es nicht schon genügend gäbe! Und dann auch noch von einem Gartentherapeuten. Warum ich dennoch denke, dass Sie vielleicht trotzdem von diesem Buch profitieren könnten – und das hoffe ich wirklich sehr – zeigt vielleicht der geplante Untertitel, der leider am Ende aus veröffentlichungsrechtlichen Gründen dann doch vom Umschlag verschwinden musste. Denn der hieß:

Der Garten, das Gärtnern und was sie so mit unserer Psyche machen

Oder auch : Der Garten, das Gärtnern und was diese mit unserer Psyche machen, wie also durch POSITIVes Gärtnern nicht nur die Pflanzen im Garten gedeihen, sondern auch Sie, wie Sie sich also zum wahren Wohlfühlgärtner und zur Wohlfühlgärtnerin entwickeln könnten, warum das bitter nötig ist, was Sie ja allerdings sicher am besten und schon seit langem wissen, wie Sie das aber dann im Detail am geschicktesten anstellen und warum Ihnen das ausgerechnet ein Gartentherapeut erzählen möchte, ja, und was verdammt nochmal ist eigentlich POSITIVes Gärtnern und muss ich jetzt mit meinen unreifen Tomaten zum Psychiater?

Und all das versuche ich jetzt doch mal abzuarbeiten.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihr Wohlfühlgärtner Andreas Niepel

Oktober 2021

|13|Gardening is the new shit

Und nun haben Sie sich auch noch ein Buch über Gärten und über das Gärtnern gekauft! Meine Güte. Hätte man Ihnen vor, sagen wir mal zehn Jahren, erzählt, dass Sie sich plötzlich für das Gärtnern interessieren, hätten Sie möglicherweise laut lachend abgewinkt. Sie inmitten von Petunien oder glückselig am Blumenkasten hockend? Ehrlich? Ihr Bild vom Gärtner war vormals eher geprägt von Onkels und Tanten, von piefigen Nachbarn und ein paar ziemlich schrägen Typen, denen Sie ganz bestimmt nicht nacheifern wollten. Und nun das?

Oder sind Sie eventuell schon seit Jahren Gartenfreund oder Gartenfreundin, ist der Garten bereits jener Ort, wo Sie innerlich auftanken können? Oder aber hat Ihnen gar jemand dieses Buch geschenkt? Jemand, der es gut mit Ihnen meint und der gesehen hat, dass auch Ihr Garten es irgendwie gut mit Ihnen meint?

Egal, wo Sie gerade stehen: Ohne Zweifel boomt momentan das Interesse am Grünen. Sie sind auf jeden Fall in. Das nur, falls das für Sie Bedeutung hat. Und auch wenn vor Jahren vielleicht wirklich viele von Ihnen wohl nie auf die Idee gekommen wären, die Wochenenden auf eigener Scholle zu verbringen? In Baumärkten und Gartencentern nach neuen Sorten und nach schönen Ausstattungsgegenständen zu stöbern oder gar stundenlang in bunten Gartenzeitschriften zu blättern, um neue Inspirationen zu finden? Es ist, wie es ist: Immer stärker wuchs so vielleicht auch bei Ihnen das Verlangen nach Gärten. Irgendwie war es ja immer da, wie ein kleines Pflänzchen, es brauchte nur etwas Zeit zum Reifen. Diese neue wilde Lust am Grünen, sie ist Stück für Stück in vielen Köpfen gewachsen. Unsere Shades of Green.

Ja, es ist einfach so: Das Garteln, wie es die Österreicher so niedlich nennen, ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen. Es ist absolut im Trend und eine Betätigung, der immer mehr Menschen nachgehen – und zwar mit dem klaren Vorhaben, es sich dadurch gut gehen zu lassen. Der neue Garten, er ist ein Wohlfühlgarten. Und vielleicht gehören Sie ja auch dazu. Oder Sie spielen zumindest schon einmal mit dem Gedanken, sich diesem Trend anzuschließen.

Die neuen Gärtner! The good Gardeners! Geile Gartler! Positive Krauter! – Oder einfach: die Wohlfühlgärtner!

|15|1  Wohlfühlgärtner und Neugärtner

Oder wissen Sie was? Nennen wir sie der Einfachheit halber doch gleich einmal Sabine und Stefan – diese neuen Wohlfühlgärtner. Das macht es doch gleich persönlicher.

Hallo Stefan, Hallo Sabine (Sie dürfen sich gerne angesprochen fühlen).

Abbildung 1-1:  Stefan und Sabine. Und? Erkennen Sie sich wieder? Sind auf jeden Fall toll, die beiden (Zeichnung: A. Niepel)

Und vielleicht war es bei jener Sabine zunächst nur der Wunsch nach einem kleinen Küchengärtlein. Der Basilikumtopf aus dem Supermarkt als erster Gratis-Anfix vom Blumendealer. Und dann die Sucht: Selbst Zwiebeln anbauen, dazwischen Knoblauch anpflanzen. So stand es schließlich in der Landlust. Und Möhren. Mensch! – |16|Möhren, die man direkt aus der Erde ziehen kann, um sie dann, von den Erdresten befreit, an Ort und Stelle zu vernaschen. Was kann es Genussvolleres geben?

Ja, ein Naschgarten! Sabine hatte diesen Begriff einmal in einem wunderschönen Gartenbuch gefunden und das war, was sie sich wünschte. Himbeeren am Wegesrand, rote und schwarze Johannisbeeren und natürlich Erdbeeren aus dem eigenen Beet. Strawberry Fields forever. Denn damals bei Opa Heinz – fraglos einem dieser komischen, aber irgendwie auch netten Typen – gab es, wenn sie dort zu Besuch war, immer Erdbeeren. Diesen Geschmack vergisst sie nie. Überhaupt: Lebensmittel, die diesen Namen auch verdienen, Lebensmittel, von denen sie weiß, wer sie angebaut hat – nämlich sie selbst und Lebensmittel, die wieder schmecken und welche die Erinnerung an ihre Kinderzeiten hervorholen. Sie weiß noch, wie fasziniert sie damals vor all den wunderbaren essbaren Sachen stand. An Erbsen vom Strauch kann sie sich erinnern, aber auch an Gemüse, wie Dicke Bohnen oder Rotkohl. Noch nie hat sie Rotkohl selbst gemacht. Und das, wo doch jeder Fernsehkoch immer wieder erzählt, wie einfach das sei und dass man dafür nur „gute Produkte“ einsetzen müssen. Ja, gute Produkte, die sollen in ihrem Garten wachsen. Und auch schöne Produkte. Denn sie mag das Farbenspiel des Mangoldes und sie mag auch den Frost auf Grünkohl.

Stefan dagegen wünscht sich in diesem Küchengarten v. a. Kräuter. Kräuter des Südens, wie Thymian oder Oregano, über den schon sein Vater Rudi stundenlang erzählen konnte. Aber er erinnert sich auch an den Duft von Liebstöckel und den scharfen Geschmack von Bohnenkraut, zu dem ihn seine Großeltern gebracht hatten. In den letzten Jahren hat er immer mehr Gefallen am Kochen gefunden. Besagte Fernsehköche haben da sicher ihren Teil beigetragen. Oftmals nennt ihn Sabine auch ihren kleinen scharfen „Privat-Mälzer“, wenn er über die positiven Wirkungen des Rosmarins, über die richtige Verwendung des Salbeis, über nahezu unbekannte Kräuter wie die Eberraute sinniert oder eben von den geheimnisvollen Wirkungen des Liebstöckels weiß. Überhaupt würde er gerne ein wenig in diesem Garten experimentieren, würde es gerne einmal mit Ginseng oder Ingwer probieren. Warum nicht? Das wäre schon etwas Besonderes: Am Sonntag das Curry für die Kinder beispielsweise mit dem eigenen Kurkuma färben.

Sie lieben beide diesen Küchengarten eben auch deshalb, weil sie hier ihren Kindern zeigen können, wo diese Lebensmittel herkommen, ja sogar wie sie in Rohform aussehen. „Erbsen wachsen nun einmal nicht in der Dose“, so erzählt Stefan gerne und er liebt wie Sabine nichts mehr wie den Geschmack selbst aus der Schote gepuhlter frischer Erbsen. Absolut kein Vergleich zur Dose oder besser zu deren Inhalt. Was machen die in den Fabriken nur mit dem Geschmack, wie kriegen die den da nur raus – und was machen sie dann wohl damit? Wahrscheinlich extrahieren und an Nestlé verkaufen.

Doch es geht ihnen nicht nur darum, sich selbst mit Geschmack und Anzucht zu belohnen. Beide, Sabine und Stefan, stellen immer mehr fest, dass sie es irgendwie |17|auch ihren Kindern schuldig sind, in diesem Garten Verantwortung für das eigene Stück Natur zu übernehmen. 450 Quadratmeter sind es, die dort hinter dem Haus liegen. 500 Millionen Quadratkilometer Oberfläche hat dieser Planet. Zieht man aber Ozeane, Gebirge, Wüsten und andere nicht nutzbare Fläche ab, verbleiben 45 Millionen nutzbare Fläche, so hat Stefan mal im Internet recherchiert. Somit sind ihm immerhin 0,0000001 Prozent dieser Fläche anvertraut, sprich ein Hundertmillionstel. Das ist nicht wenig, findet er und beide wollen unbedingt das Beste daraus machen.

Dazu ein kleiner Hinweis: Wenn wir in der Gartentherapie unseren Patienten diese Verantwortung deutlich machen wollen, dann lassen wir sie gerne einen Apfel in vier Teile schneiden und essen gleich drei Viertel davon gemeinsam weg, da sie die Gewässer darstellen. Dann teilen wir diese Viertel wieder und verputzen davon die Hälfte, die für besagte nicht nutzbare Flächen stehen. Den verbleibenden Rest muss man dann leider noch mal vierteln, weil ja Straßen, Städte usw. wegfallen. Und nur das letzte Viertel davon, das unseren Patienten dann bleibt, das ist die landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Genauer gesagt nur die oberste Schale. Können Sie gerne mal nachmachen!

Nun wieder zu Stefan: „Hundertmillionen Gärtner wie ich könnten diesen Planeten retten“, dieser Gedanke kreist seit dieser Recherche in seinem Kopf. „Ich mach’ wichtige Naturschutzarbeit“, erzählt er dann seinen Kindern und „Verkack das nicht“, denkt er ebenso oft. Na klar. Beide wollen ihren Garten nutzen, damit es ihnen gut geht. Aber sie können es sich nicht vorstellen, dies in einer Umgebung zu tun, die möglicherweise ihren dort lebenden Mitlebewesen nicht auch guttut. Und so dürfen mittlerweile Brennnesseln und Disteln in der ein oder anderen Ecke wachsen und Faltern und Bienen als Nahrungsquellen dienen. Seiner Tante Dagmar verdankt er ein exorbitant großes Bienenhotel. „Sozialer Bienenwohnungsbau“ nennt Sabine das, aber beide lieben es, den Sommer über zu beobachten, wie dort Zimmer für Zimmer bezogen wird. „Für uns den Mangold, für Euch die Blüten“, sagt Sabine dann gerne. Ja natürlich Blüten. Stefan mag es dabei v. a. bunt in seinem Wohlfühlgarten, er liebt es, wenn die Farben geradezu kreischen. Lila Petunien, die sich mit leuchtend gelben schwarzäugigen Susannen vergnügen, das ist sein Ding. Sein Arbeitsplatz im Büro ist in einem Farbton gehalten, den schon Loriot als eine Mischung aus Mausgrau und Steingrau beschrieben hätte. Da will er seine 450 Quadratmeter Erde am liebsten zu einer einzigen Farbpalette gestalten. Denn auch er selbst ist absolut nicht der graue Typ – findet er. Mit seinem Garten, hat er das Gefühl, kann er das auch perfekt nach außen stülpen.

Sabine hingegen bevorzugt durchaus auch zurückhaltendere Bereiche. Solche, die durchgehend in einem leichten Weiß gehalten sind. Sie hat weniger die knalligen Effekte von Stefan als vielmehr solche Bilder im Kopf, die sie diversen Hochglanzmagazinen entnommen hat. So hat sie von den großartigen englischen Cottagegärten gelesen, hat dort den weißen Garten im englischen Sissinghurst entdeckt und sie |18|hat durchgesetzt, dass es nun auch in ihrem kleinen Paradies eine kleine Laube gibt, die berankt ist mit weißen Ramblerrosen und die eingefasst wird von weißen Phlox. Ihr privates Cottage.

Auch Stefan mag mittlerweile diesen stillen zurückgezogenen Ort. Dabei genießt er gar nicht so sehr den äußeren Eindruck. Nein, dort hinten, einmal weit weg von allem, die Augen schließen und an nichts denken. Nur Sein. Sein und hören. Sein und Riechen. Being in the Garden. Das ist sein Ding! Und dabei den Duft des frisch gemähten Rasens tief in sich spüren. Dann kommt er zur Ruhe, kann am besten über die Dinge nachdenken, die ihn bewegen, über die Kinder und deren Zukunft, über sich und über Sabine, über das Leben. Kleine Zeitinseln, so nennt er diese Augenblicke in seinem Garten (Abb. 1-2). Und seine Traumvorstellung ist es splitterfasernackt auf diesem Rasen zu liegen und den Wind zu spüren, wieder mit der Natur verwachsen zu sein und sich selber dort in der Welt wieder zu finden (Sabine hat er allerdings von dieser Idee noch nichts gesagt).

Abbildung 1-2:  Zeitinsel – weg von allem, träumen im Garten (Zeichnung: A. Niepel)

Sabine nutzt diesen Garten da doch lieber anders. Für sie ist dieser Garten eher „Arbeitsplatz“ als Ruhestätte. Doing in the Garden. Nackt auf dem Rasen ist nicht so ihr Ding. Sie liebt es vielmehr, sich die feinen Lederhandschuhe überzustreifen, ihre quietschbunten Gummistiefel herauszuholen, die sie sich im Internet bestellt hat (O-Ton Stefan: „Vollkommen überteuert!“), um dann das Gemüsebeet zu bereiten, die Obstbäume zu beschneiden oder auch kleinere Kübel und Kästen zu bepflanzen. Danach sind vielleicht die Hände schmutzig, aber ansonsten fühlt sie sich danach wie grundgereinigt.

|19|Mittlerweile hat sie diesen Garten auch als Feierraum entdeckt – der Partykeller war gestern, heute kommt die Wohlfühllounge. Und das natürlich mitsamt 500 Euro-Grill, den Stefan dazugestellt hat (O-Ton Sabine: „Vollkommen überteuert!“), Zapfanlage und Erdkühlung. Hier genießen sie es, Freunde zu empfangen, gemeinsam einfach da zu sitzen oder aber auch über die nächsten Gartenprojekte zu sinnieren.

Sabine und Stefan sind ein Beispiel für die neuen Gärtner, für jene, die im Garten selbst wachsen wollen und die dort für sich jenen Ort gefunden haben, den sie nun für ihre eigene Gesundheit nutzen.

Vielleicht haben Sie sich ja hier oder dort wiedergefunden. Und es ist Ihnen auch vollkommen egal, was Sie noch vor zehn Jahren über das Gärtnern gedacht haben. Oder möglicherweise sind Sie eben immer schon angefixt gewesen.

Sollten auch Sie den Luxus haben und über einen Bruchteil dieser nutzbaren Landmasse verfügen, dann tun Sie das mit gutem Gewissen: Diese für sich nutzen