Praxisratgeber: SIS® - die Strukturierte Informationssammlung - Thomas Hecker - E-Book

Praxisratgeber: SIS® - die Strukturierte Informationssammlung E-Book

Thomas Hecker

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Beschreibung

Wer richtig fragt, pflegt besser! Erst kommt der Pflegebedürftige zu Wort, dann die Fachkraft! Das ist die Abfolge bei der Strukturierten Informationssammlung (SIS®). Die 3., aktualisierte Auflage wurde auf die aktualisierten Expertenstandards abgestimmt. Das jeweils für die SIS® relevante Screening bzw. Assessment wurde für „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“, das “Schmerzmanagement in der Pflege“, die „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“, die „Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ aktualisiert bzw. hinzugefügt. Neu im Fokus steht die Abstimmung auf das Begutachtungs- Instrument. Auch der veränderten Form der Qualitätsprüfung wurde Rechnung getragen: mit einer Gegenüberstellung der auf die SIS® bezogenen Verantwortlichkeiten von Pflegefachkraft und Pflegedienstleitung.

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Seitenzahl: 155

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Thomas Hecker ist Altenpfleger, Pflegeberater, Qualitätsauditor, SIS®-Multiplikator und zertifizierter Mediator. Spezialisiert in Gerontopsychiatrie, Organisationsberatung und Gewaltfreier Kommunikation, führt er u. a. freiberuflich Seminare bei verschiedenen Anbietern der Alten- und Behindertenhilfe sowie Bildungsstätten für Pflegeberufe durch.

Sigrid Molderings und Jerzy Rasek sind Altenpfleger*innen und arbeiten als Pflegedienstleitungen in der stationären Altenpflege Duisburg.

Eva-Maria Krebs war Altenpflegerin und Pflegedienstleitung.

» Alles, worein der Mensch sich ernstlich einläßt, ist ein Unendliches«

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

pflegebrief

– die schnelle Information zwischendurchAnmeldung zum Newsletter unterwww.pflegen-online.de

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National-bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-8426-0884-9 (Print)

ISBN 978-3-8426-9160-5 (PDF)

ISBN 978-3-8426-9161-2 (EPUB)

3., aktualisierte Auflage

© 2022 Schlütersche Fachmedien GmbH, Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover, www.schluetersche.de

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde in diesem Buch häufiger die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich Personenbezeichnungen gleichermaßen auf Angehörige des männlichen und weiblichen Geschlechts sowie auf Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen.

Autor*innen und Verlag haben dieses Buch sorgfältig erstellt und geprüft. Für eventuelle Fehler kann dennoch keine Gewähr übernommen werden. Weder Autor*innen noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus in diesem Buch vorgestellten Erfahrungen, Meinungen, Studien, Therapien, Medikamenten, Methoden und praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen. Insgesamt bieten alle vorgestellten Inhalte und Anregungen keinen Ersatz für eine medizinische Beratung, Betreuung und Behandlung. Etwaige geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Daraus kann nicht geschlossen werden, dass es sich um freie Warennamen handelt. Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden.

Lektorat: Claudia Flöer, Text & Konzept Flöer

Covermotiv: Westend61 – Getty Images

Covergestaltung und Reihenlayout: Lichten, Hamburg

Inhalt

Danksagung

Vorwort zur 1. Auflage

Vorwort zur 2., aktualisierten Auflage

Vorwort zur 3., aktualisierten Auflage

Einleitung

1Die Strukturierte Informationssammlung als Teil des Strukturmodells

1.1Die vier Elemente der Strukturierten Informationssammlung

1.2Die SIS® und ihre Kernelemente

1.2.1A – Daten

1.2.2B – Eingangsfragen an die pflegebedürftige Person

1.2.3C1 – Themenfelder zur strukturierten Erfassung des Pflege- und Hilfebedarfs

1.2.4C2 – Erste fachliche Einschätzung der pflegesensitiven Risiken und Phänomene, Risikomatrix (Fachliche Einschätzung Teil 2)

1.3Aus dem Alltag: »Probleme gibt es jetzt ja nicht mehr«

2Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

2.1Das Begutachtungsinstrument

2.2Die vierstufige Bewertungsskala

3Praxis SIS®, Teil 1: Wie aus Leitfragen ganz normale Fragen werden

3.1Was die Informationssammlung erleichtert

3.1.1Richtig fragen

3.1.2Wann sind Fragen sind gut, wann nicht?

3.1.3Offene und geschlossen Fragen

3.1.4Stellen Sie immer nur eine einzige Frage

3.2Biografische Daten – was wird überhaupt gebraucht?

3.3Keine Auskunft – Was tun, wenn der Pflegebedürftige sich nicht äußern kann oder will?

3.3.1Praxisbeispiel »Fremdbetrachtung« – die Äußerungen der Tochter

3.3.2Informationen aus der Umgebung – Was die Wohnung verrät

3.4Eigeneinschätzung – so geht’s

3.4.1Kollege Bernhard und Herr Meier

3.4.2Kollegin Valentina und die Wenndorfs

4Praxis SIS®, Teil 2: Vom Hören, Sprechen und Schreiben

4.1Fragen fragen

4.2Der Gesprächskontext

4.2.1Praxisbeispiel: »Ich habe keine Gewohnheiten«

4.2.2Was brauchen Sie? Formulieren Sie die Frage nach »Gewohnheiten« um

4.3Mitschreiben leicht gemacht – Nutzen Sie eine SIS®-Map

4.4Punkt, Punkt, Komma, Strich – Vom Wert der Grammatik im Dokumentationstext

5Praxis SIS®, Teil 3: Vom gesprochenen Wort zum geschriebenen Text

5.1Erste Person (Ich-Form) – Dritte Person (Er-/Sie-Form)

5.1.1Praxisbeispiel »Selbstbetrachtung von Frau Hartwig«

5.1.2Eigeneinschätzung in der Fremdbetrachtung

5.2Die pflegefachliche Einschätzung – die Informationssammlung aus Sicht der Pflegefachkraft (C 1)

5.2.1So beschreiben Sie Fähigkeiten

5.2.2So beschreiben Sie Einschränkungen

5.3Die fachliche Einschätzung anhand der Themenfelder

5.3.1Themenfeld 1: kognitive und kommunikative Fähigkeiten

5.3.2Themenfeld 2: Mobilität und Beweglichkeit

5.3.3Themenfeld 3: Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen

5.3.4Themenfeld 4: Selbstversorgung

5.3.5Themenfeld 5: Leben in sozialen Beziehungen und Bereichen

5.3.6Themenfeld 6

5.4SIS® und die Pflege: »Endlich ist meine pflegefachliche Kompetenz wirklich gefragt!«

5.4.1Vordenken: Nutzen Sie für die Themenfelder eine Mind Map

5.5Die Dokumentation der pflegerischen Einschätzung

5.6Die Aussagen der Expertenstandards

5.6.1Die Ersteinschätzung von Mobilität

5.6.2Die Ersteinschätzung des Dekubitusrisikos

5.6.3Die Ersteinschätzung des Sturzrisikos

5.6.4Die Ersteinschätzung des Risikos einer Mangelernährung

5.6.5Die Ersteinschätzung der Harnkontinenz

5.6.6Die Ersteinschätzung von Schmerz

5.6.7Die Ersteinschätzung für die Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz

5.6.8Die Ersteinschätzung der Mundgesundheit

5.7Risiko oder nicht? Haben Sie den Mut zum »Nein«?

5.7.1Praxisbeispiel: Unterstützung im Team

5.8Der Verständigungsprozess: Selbsteinschätzung begegnet Pflegefachlichkeit

5.8.1Praxisbeispiel: Vorbereitung aufs Gespräch

5.8.2Die grundlegende Struktur des Verständigungsgesprächs

5.8.3Praxisbeispiel: Bedürfnisse erkennen, Alternativen aushandeln

5.9Dringend benötigt: Beratungskompetenz für Pflegefachkräfte

6Was nach der SIS® geschieht

6.1Pflege- und Betreuungsziele

6.1.1Kategorien von Pflege- und Betreuungszielen

6.2Die Maßnahmenplanung

6.2.1Das Strukturmodell zur Maßnahmenplanung

6.2.2Praxisbeispiel: Drei Variationen für die Morgenpflege

6.2.3Vom Kürzen und Weglassen

6.2.4Ästhetik contra Übersicht

6.2.5Die rechte Wortwahl vor der Begutachtung

6.2.6Praxisbeispiele: Pflege- und Betreuungspläne aus unterschiedlichen Themenfeldern

6.3Der Bericht

6.3.1Der Aufbau des Berichts

6.3.2Praxisbeispiele

6.3.3Wenn Sie über Vermutungen schreiben wollen …

6.4Die Evaluation

6.5Qualitätsprüfung und SIS®

6.5.1An die Leitung

7Abschließendes Praxisbeispiel (Auszüge)

7.1SIS® A: Daten

7.2SIS® B: Selbsteinschätzung

7.3SIS® C 1: Pflegefachliche Einschätzung (Auszüge)

7.3.1Themenfeld 1: kognitive und kommunikative Fähigkeiten

7.3.2Themenfeld 2: Mobilität und Beweglichkeit

7.3.3Themenfeld 3: Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen

7.3.4Themenfeld 4: Selbstversorgung

7.3.5Themenfeld 5: Leben in sozialen Beziehungen und Bereichen

7.3.6Themenfeld 6: Haushaltsführung (ambulant)

7.4SIS® C2 Risikoeinschätzung

7.5Verständigungsprozess

7.6Maßnahmenplanung am Beispiel der Morgenpflege

Nachwort und Ausblick

Abkürzungen, Definitionen und Begriffe

Anhang

Literatur

Register

Danksagung

Bedanken möchte ich mich in erster Linie bei den pflegebedürftigen Menschen bzw. deren rechtlichen Vertreterinnen und Vertretern, die es erlaubt haben, dass ich ihre Darstellungen verwenden darf. Im Anschluss daran unmittelbar bei allen Kolleginnen und Kollegen, die sich auf diese Art der persönlichen Herangehensweise eingelassen haben; die für sich noch einmal ihr »Pflegeverständnis« angepackt haben und sich mit dem Schreiben viel Arbeit gemacht haben. Ausdrücklich sind hier zu erwähnen Dieter Divosen, Katharina Dudek, Pascal Hoppenreis, Natascha Hucks, Susanne Krusen, Mario Lange, Steven Lehmann, Thomas Marzian, Petra Melulis-Stetter und Beate Uczak.

Des Weiteren bedanke ich mich besonders bei den drei Co-Autoren und Pflegedienstleitungen der drei beteiligten Häuser der Sana Seniorenzentren Duisburg GmbH (eh. Städtische Seniorenheime Duisburg GmbH): Eva-Maria Krebs (ehemalige Pflegedienstleitung), Sigrid Molderings und Jerzy Rasek für ihre vorbereitenden Arbeiten in der Struktur, für das Offensein im Dialog und die Begleitung der Pflegenden. Ein weiterer Dank gilt der Einrichtungsleitung Rüdiger Bieck und der Betriebsleitung Manuela Albedyhl, die die Erlaubnis für dieses Projekt gegeben haben.

Besonders bedanken möchte ich mich bei meiner Lektorin Claudia Flöer, der es gelang, aus der ursprünglichen Idee durch intensives Einlassen und Versachlichung die Erweiterung meiner Autorenperspektive auszulösen.

Großer Dank gehört auch den Beteiligten an der Entwicklung des Strukturmodells rund um das Team von Elisabeth Beikirch, Karla Kämmer und Prof. Dr. Martina Roes, da hier ein Beispiel für eine theoretische Arbeit vorliegt, die der Praxis unmittelbar dienen kann.

Schließlich gilt mein Dank allen – in erster Linie Bettina Hecker, mit der ich verheiratet bin – die sich an diesem Projekt interessiert gezeigt, mit mir gefreut und mich allein dadurch wunderbar unterstützt haben.

Duisburg, im März 2019

Thomas Hecker

Vorwort zur 1. Auflage

Elisabeth Beikirch, die Ombudsfrau für die Entbürokratisierung in der Pflege im Bundesministerium für Gesundheit legte im Juli 2013 Empfehlungen zur »Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation« vor. Beabsichtigt war, bisher geltende fachliche und juristische Aussagen zur Dokumentation zu hinterfragen, die pflegerische Fachlichkeit hervorzuheben und den zeitlichen Aufwand für die Dokumentation zu reduzieren. Das sogenannte »Strukturmodell« wurde in einem dreimonatigen Projekt in fünf Regionen des Bundesgebiets erprobt, anschließend ausgewertet und angepasst. Dies geschah unter Beteiligung der Heimaufsichten, dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege und des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste.

Das Strukturmodell beabsichtigt:

• die Einbeziehung der pflegebedürftigen Person,

• die Fachlichkeit der Pflegenden,

• die Neubewertung von Teilen der Pflegedokumentation und damit einhergehend ihre Entbürokratisierung.

Genau darauf darf sich jede Pflegefachkraft verlassen: Es handelt sich um verbindliche Aussagen der zuständigen Behörden und der obersten Ebene der Medizinischen Dienste der Krankenkassen, dem MDS. Das Strukturmodell ist politisch »abgesegnet«, wissenschaftlich sicher und juristisch geprüft.

Die Entbürokratisierung der Dokumentation wirkt sich aus auf

• die Nachweisführung: Das Bestätigen von Handlungen per Handzeichen oder Klicken wird auf die Behandlungspflege reduziert;

• die Art der Erfassung und Einschätzung von Fähigkeiten, Einschränkungen und Risiken. Ausdrücklich betonen die Autoren des Strukturmodells eine Abkehr vom Modell der ATL (Roper, Logan, Tierney, 1983) oder AEDL (Krohwinkel, 1993);

• die Maßnahmenplanung: »Immer-so-Aussagen« über pflegerische Routinen unter Zuhilfenahme von Pflegestandards kürzen die Maßnahmenplanung auf die relevanten individuellen Aussagen;

• Verschlankung in der Berichtsführung;

• deutlichere Wertschätzung der Evaluation;

• überlegtes Verwenden zusätzlicher Dokumentationsbögen.

Zur gleichen Zeit arbeiteten drei Pflegedienstleitungen der Städtischen Seniorenheime Duisburg GmbH an der Neufassung ihrer EDV-gestützten Pflegedokumentation. Sie verabschiedeten sich vom bis dahin üblichen Prozessschema. Als sie von der Vereinfachung der Pflegedokumentation1 erfuhren, kam ihnen die damit verbundene Form der Maßnahmenplanung wie gerufen. Ein weiteres Element lieferte ihnen die Informationssammlung, die in »Ich-Formulierungen« dokumentiert wird.

Für Berufstätige in Sozial- oder in Gesundheitsberufen ist das selbstverständlich: Über einen Menschen wird berichtet, analysiert und befunden. Was sie/er sagt, wird gehört, mündlich oder schriftlich weitergegeben. Es durchläuft subjektive und fachliche Filter. Verschriftlicht ergibt sich ein vermeintliches Bild der Person.

Ein Beispiel: Die Verhaltensbeschreibung »Herr Schulte verweigert die Medikamente« unterstellt dem Herrn ein aktives Handeln, obwohl es durchaus Unterschiede zwischen Verweigern, Nicht-wollen oder Nicht-Können gibt.

Zweites Beispiel: In einer Datenerfassung wird das Wort »Obstipation« (Verstopfung) angekreuzt. Sicher eine wichtige Fachinformation. Was man aber nicht erfährt: Wie erlebt dieser Mensch sein Verstopft-Sein? Wie geht es ihm damit? Wie geht er damit um? Was braucht er?

Fazit Informationen am richtigen Platz

Das neue Prinzip der wortgetreuen Wiedergabe der Äußerungen des Pflegebedürftigen verschafft vielen Informationen endlich ihren berechtigten Platz in der Pflegedokumentation.

Als Pflegefachkraft werden Sie sich zurücknehmen müssen, wenn es um die Darstellung der Eigeneinschätzung von Pflegebedürftigen geht. Das Strukturmodell macht Ihnen zwar weniger Schreibarbeit, aber es verlangt viel dafür:

• hohe Aufmerksamkeit,

• Fachlichkeit,

• konzentrierte Denkarbeit und

• präzise Formulierung.

Dazu möchte dieses Buch einen sinnvollen Beitrag leisten.

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1 Projekt: »Praktische Anwendung des Strukturmodells« unter Federführung des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigten für Pflege, Karl-Josef Laumann

Vorwort zur 2., aktualisierten Auflage

Im Herbst 2017 erschien die erste Auflage dieses Buches. In demselben Jahr wurde die zweite Projektphase zur weiteren Implementierung des Strukturmodells durch das Projektbüro EinSTEP zu Ende geführt und die weitere Verantwortung für die Einführung und Weiterentwicklung der Entbürokratisierten Pflegedokumentation ab November 2017 vollständig auf die Verbände übertragen. Hierfür wurden die Schulungsunterlagen2 überarbeitet und angepasst.

Für die Aktualisierung waren unter anderem die weitere Abstimmung mit dem Neuen Begutachtungsinstrument zur Ermittlung des Pflegegrades und die Erweiterung um Aspekte der Tages- und Kurzzeitpflege von Bedeutung. Die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter legten auch großen Wert auf die Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Prüfdiensten (vorrangig MDK), Schulen für Pflegeberufe und Dokumentationsanbietern.

Die Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (bgw) führte im Juni 2018 zu der Veröffentlichung »Digitale Pflegedokumentation auf dem Prüfstand«3, als erstem vergleichenden Produkttest für die Altenpflege nach dem Vorbild der »Stiftung Warentest«.

Um einem begrifflichen Missbrauch vorzubeugen, wurde die Wortmarke »SIS« beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen. Inhaber ist die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, die hier die Bundesrepublik Deutschland vertritt. Ihre Geschäftsstelle (bzw. das Bundesministerium für Gesundheit) bleibt auch Schirmherr für das Projekt.

Im Januar 2017 wurde im SGB XI durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) der Begriff »Grundpflege« durch »körperbezogene Pflegemaßnahmen« ersetzt.

_______________

2 Sie stehen auf der Homepage https://www.ein-step.de zum Download bereit.

3https://www.bgw-online.de/bgw-online-de/service/medien-arbeitshilfen/medien-center/digita-le-pflegedokumentation-auf-dem-pruefstand-20064, Zugriff am 31.01.2019

Vorwort zur 3., aktualisierten Auflage

Sehr geehrte/r Leser*in,

Pflegedokumentation bleibt eine Kunst. Die SIS® mit ihren Bausteinen hat Optionen zur Verkürzung, Ausdünnung und Konzentration auf wesentliche Punkte geliefert. Die Realität vor Ort zeigt, dass sich auf dem Weg dorthin weiterhin ein nicht unerhebliches Maß an Lernpotenzial befindet. Neue und kontinuierlich aktualisierte Expertenstandards, das veränderte Qualitätsprüfungsverfahren, die sich im Gang befindenden Veränderungen von fachlicher Kompetenzverteilung aufgrund des Pflegeberufegesetzes sind wesentliche Ursachen dafür – und die Spuren der Pandemie sind längst nicht verwischt, geschweige denn, wir hätten schon ausreichend getrauert. Noch mehr als je zuvor, ist das Gelingen der entbürokratisierten Pflegedokumentation von der Verzahnung der zusammenarbeitenden Ebenen in den Einrichtungen und Diensten abhängig. Eine Vereinheitlichung hat es zwar gegeben, nichtsdestotrotz werden Sie als Pflegefachkraft, abhängig davon, ob Sie ambulant, teilstationär oder stationär, und mit welchem Dokumentationssystem Sie arbeiten, auf unterschiedliche Voraussetzungen treffen. Letztendlich benötigen Sie hier immer eine klare Aussage Ihrer Einrichtung.

Die QM-Standards müssen die Grundlage liefern, auf die Sie sich als Pflegefachkraft für die »Immer-So-Vorgehensweisen« verlassen können. Das Dokumentationssystem selbst, einschließlich seiner (mittlerweile unverzichtbar gewordenen) Software, muss leicht zu bedienen sein, Übersichtlichkeit liefern und auf einer stabilen IT-Plattform gebaut sein. Allen Pflegefachkräften rate ich, die Defizite durch schwache Systeme oder Hindernisse durch Programme konsequent, auch wiederholt, zu formulieren.

In diesen Prozessen stecken wir. Manche schreiten stetig voran, manche stochern herum, manche sind am Ende ihrer Kräfte. Ich bin überzeugt, dass es hilft, wenn sich Einrichtungen zur Zusammenarbeit öffnen und vom Dialog miteinander profitieren. Das gilt auch für den Blick über den Tellerrand – nicht in die Tellermitte, sondern nach außen. Die Generalistik bringt neue Chancen im Dialog mit Pflegenden in anderen Berufszweigen.

Wer mit einer der Vorgängerversionen dieses Buches schon gearbeitet hat, wird Vieles wiedererkennen. Das Neue stelle ich Ihnen in aller Kürze vor.

Das ist neu in dieser Auflage

Eine Basis, auf die sich dieses Buch stützt, sind die Schulungsunterlagen des Büro EinSTep von 2017, hier war nichts anpassungsbedürftig. Was sich, für die Verwendung der SIS® von Bedeutung und in den Ausführungen des Buches, verändert und entwickelt hat:

Expertenstandards: Die zweite Auflage dieses Buchs wurde im Jahr 2019 herausgegeben. Seither wurden einige Expertenstandards neu entwickelt bzw. aktualisiert. Wenn also eine veränderte Fassung eines Expertenstandards vorliegt, wurden die Ausführungen zur Ersteinschätzung angepasst bzw. neu erarbeitet. Hinzugefügt wurden Formulierungsbeispiele zur Orientierung für die Einschätzung in Themenfeldern der SIS®.

Begutachtungsrichtlinien: Jede Aktualisierung der Begutachtungsrichtlinien (BRi), das Richtlinienwerk der Gutachter*innen, bringt kleinere oder größere Veränderungen für die Kriterien mit sich, die in der Summe einen bestimmten Pflegegrad rechtfertigen. Alle Pflegefachkräfte in der Altenpflege nutzen heute das »BI-Modul« (Begutachtungsinstrument), manchmal auch noch NBA oder NBI genannt, es ist unbedingt notwendiger Bestandteil der Anamnese geworden. Auf das Zusammenspiel von BI und SIS® wird in Kap. 2.1 eingegangen.

Generalistische Ausbildung: In der veränderten Ausbildungsform erhalten die Auszubildenden einen weitreichenderen Einblick in Vorgehensweisen bei der Dokumentation in verschiedenen Arbeitsfeldern. Schon in der ersten Auflage wurden AEDL-Systematik, SIS® und BI-Module gegenübergestellt und in der zweiten Auflage korrigiert. In Kenntnis davon, dass in Krankenhäusern auf vollständig andere Dokumentationsbausteine zurückgegriffen wird, darf diese für Praxisanleitungen und alle, die hierzu mit Auszubildenden in Kontakt kommen, weiterhin als Orientierungshilfe dienen (Tab. 4).

Qualitätsprüfung: Die nun formal zweiteilige Qualitätsprüfung stellt beim Vor-Ort-Termin erhöhte Anforderungen an die Pflegefachkraft bezüglich der Darstellung des Warum und Wie der Pflegehandlungen und deren Wirkung. Im neuen Kapitel »6.5 Qualitätsprüfung« wende ich mich zum einen an die Pflegefachkraft in ihrer Verantwortlichkeit bezogen auf individuelle Pflegequalität, zum anderen konkret an die Personen in Leitungsverantwortung.

Das Büro EinStep hat für sich in Frage gestellt, ob es für die SIS® bedeutsame notwendige Veränderungen gibt, die aus dem neuen Prozedere entstehen und kommt zu dem Ergebnis: »Es gibt keine fachlichen Anhaltspunkte, das Konzept des Strukturmodells und eine damit konforme Pflegedokumentation sowie das darauf abgestimmte technische Anforderungsprofil im Zuge der umfassenden Neuausrichtung zur Erfassung und Darstellung der Ergebnisqualität durch die Qualitätsindikatoren in der vollstationären Pflege zu ändern.«4

Erklärfilme zum Strukturmodell

Um das Strukturmodell und dessen Einbettung verständlich und ansprechend darzustellen, hat das Lenkungsgremium auf Bundesebene beschlossen, Erklärfilme produzieren zu lassen, die vom Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung gefördert wurden. Es wurden drei Erklärfilme erstellt:

1. Die Neuausrichtung der Pflege und das Strukturmodell

2. Dokumentieren mit dem Strukturmodell – das Konzept für die Langzeitpflege

3. Die neue Pflegeausbildung und das Strukturmodell

Die Filme können Sie unter https://www.ein-step.de/filme/ abrufen.

_______________

4 EinStep (2021): Leitfaden zur technischen Unterstützung bei der Erhebung von Daten zur Ergebnisqualität in vollstationären Pflegeeinrichtungen bei Anwendung des Strukturmodells in einer elektronischen Pflegedokumentation (Version 1.0 – März 2021), S. 4

Einleitung

Texte, die berühren – »Hier höre ich Frau Müller wirklich reden!«

Erna Müller ist 85 Jahre alt. Seit 15 Jahren lebt sie (zuletzt allein) in ihrer Zweieinhalb-Zimmerwohnung. Nach mehrfachen Stürzen und einem längeren Krankenhausaufenthalt zog sie vorgestern in ein Doppelzimmer im Seniorenheim »Am Weiher«.

Nach dem heutigen Frühstück ist sie mit Altenpflegekraft Valentina zum Informationsgespräch verabredet. Erna Müller ist etwas nervös. Sie weiß nicht recht, was auf sie zukommt. Außerdem ist sie noch nicht so recht gewöhnt an den neuen Tagesablauf, die ungewohnten Geräusche – auch in der Nacht – die Gerüche und die vielen Leute. Bis jetzt hat sie sich noch keinen einzigen Namen merken können …

Valentina, die Altenpflegekraft, ist 31 Jahre alt. Seit acht Jahren arbeitet sie als Pflegefachkraft im Haus »Am Weiher«. Erst vor einer Woche haben sie im Pflegeteam über das neue Informationsgespräch gesprochen.

Valentina weiß zwei Dinge:

• Die Fragen richteten sich direkt an die Bewohnerinnen und Bewohner.

• Die Antworten werden exakt so aufgeschrieben, wie sie gegeben werden.

Tatsächlich läuft das Gespräch gut. Fröhlich verabschieden sich Valentina und Frau Müller. Nun muss Valentina zu Papier bringen, was sie gehört hat. Früher hätte sie ihre Notizen so verschriftlicht: »Frau Müller wünscht ein Doppelzimmer, fühlt sich dann sicherer, vor allem wegen der Sturzgefahr. Sie sieht sich zwar eher als Einzelgänger, mag aber auch den Kontakt und freut sich über Besuch. Wichtig sind ihr regelmäßige Besuche beim Friseur.«

Oder als Kurzfassung (Ankreuzen plus Bemerkungen):

Sturzgefahr

Einzelzimmer Doppelzimmer

Soziale Kontakte: Ist gern allein, erhält aber auch gern Besuch.

Friseur im Haus?

Heute schreibt Valentina in »Ich-Formulierungen« und das klingt – z. B. bei der Rubrik »Was können wir für Sie tun?« nun so:

»Ich möchte immer jemanden im Zimmer haben. Das ist gut, denn ich kann ja immer fallen. Wer hilft mir dann? Ich brauche jemanden, der auf mich aufpasst, aber der muss auch nett sein, ja, wie die Frau, die jetzt mit mir in dem Zimmer wohnt. Allein will ich nicht bleiben. Ich bin eher ein Einzelgänger, aber hin und wieder ist etwas Unterhaltung auch nicht schlecht, nur – es muss mir gefallen. Schön wäre, wenn ab und zu auch jemand zu Besuch kommt. Ja, und Frisör! Dass man mich dahin bringt. Mein Gott, die Haare müssen gemacht werden, ich will nicht wie eine alte Oma aussehen.«