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Sie sind auch genervt von Ihrem Chef? Die digitale Transformation mit ihren neuen Anforderungen an Führungskräfte »produziert« immer mehr Chefs, die ihren Mitarbeitenden schlichtweg auf die Nerven gehen. Doch woran liegt das und was können Sie dagegen tun? Thomas Gawron zeigt auf, warum Chefs heute mehr nerven als früher. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken oder womöglich sogar den Job, den Sie lieben, wegen ihres nervigen Chefs hinzuschmeißen, empfiehlt Ihnen der Autor, selbst aktiv werden. Sie erfahren, was sie gegen nervige Chefs tun können. Und zwar nicht, indem sie »gegen ihn vorgehen«, sondern ihn verstehen, fordern und fördern. Das klingt verrückt? Das geht nicht? Doch, es funktioniert! Thomas Gawron beschreibt anschaulich Ihre persönlichen 20 Erfolgsfaktoren, wie sie mit ihrem nervigen Chef umgehen können. Schritt für Schritt und leicht verständlich, so dass Sie sofort nach der Lektüre des Buches Ihren 3-Punkte-Plan für den Umgang mit ihrem nervigen Chef umsetzen können.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2024
[1]
THOMAS GAWRON
Problemfall Chef
[3]
Thomas Gawron
Problemfall Chef
[4]
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Umschlagbild: © Yutthana Gaetgeaw – iStock
Alle Rechte vorbehalten © 2024 Edition Wissenschaft & Praxis bei Duncker & Humblot GmbH, Berlin Satz: L101 Mediengestaltung, Fürstenwalde Druck: CPI Books GmbH, Leck Printed in Germany
ISBN 978-3-89673-791-5 (Print)
ISBN 978-3-89644-299-4 (E-Book)
Gedruckt auf alterungsbeständigem (säurefreiem) Papier
entsprechend ISO 9706
Internet: http://www.duncker-humblot.de
[5]
Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten,und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können!
Johann Wolfgang von Goethe
[7]
1.Vorwort
2.Die digitale Transformation produziert nervige Chefs
2.1Warum Chefs heute mehr nerven als früher
2.2Was Sie gegen nervige Chefs selbst tun können
3.20 Erfolgsrezepte zum effektiven Umgang mit nervigen Chefs
3.1Verstehen Sie Ihren Chef
3.1.1Erfolgsrezept 1: Verstehen Sie sein Aussehen!
3.1.2Erfolgsrezept 2: Verstehen Sie sein Fachwissen!
3.1.3Erfolgsrezept 3: Verstehen Sie seine Sozialkompetenz!
3.1.4Erfolgsrezept 4: Verstehen Sie seine Handlungskompetenz!
3.1.5Erfolgsrezept 5: Verstehen Sie seine Personale Kompetenz!
3.1.6Erfolgsrezept 6: Verstehen Sie seine Interessen!
3.1.7Erfolgsrezept 7: Verstehen Sie seine Motivation!
3.1.8Erfolgsrezept 8: Verstehen Sie seine Rahmenbedingungen!
3.1.9Erfolgsrezept 9: Verstehen Sie Seine Erwartungen!
3.1.10 Erfolgsrezept 10: Verstehen Sie sein Auftreten!
3.2.Fordern Sie Ihren Chef
3.2.1Erfolgsrezept 11: Fordern Sie Kommunikation!
3.2.2Erfolgsrezept 12: Fordern Sie Entscheidungen!
3.2.3Erfolgsrezept 13: Fordern Sie Vertrauen!
3.2.4Erfolgsrezept 14: Fordern Sie Freiheiten!
3.2.5Erfolgsrezept 15: Fordern Sie Kreativität!
3.2.6Erfolgsrezept 16: Fordern Sie Zeit!
3.2.7Erfolgsrezept 17: Fordern Sie Ziele!
3.3Fördern sie Ihren Chef
3.3.1Erfolgsrezept 18: Fördern Sie seine Performance!
3.3.2Erfolgsrezept 19: Fördern Sie sein Ansehen!
3.3.3Erfolgsrezept 20: Fördern Sie seine Karriere!
4.So gehen Sie ab sofort mit nervigen Chefs um
4.1Sie sind am Zug!
4.2Ihr persönlicher 5-Minuten-Check
4.3Ihr persönlicher 5-Minuten-Plan
4.3.1Handlungsfelder festlegen!
4.3.2Maßnahmen ableiten!
4.4Ein Anwendungsbeispiel
[8]
5.Ihr Workbook
6.Nachwort
Sachwortregister
[9]
Abbildung 1:So gehen Sie ab sofort mit nervigen Chefs um
Abbildung 2:Mein persönlicher 5-Minuten-Check
Abbildung 3:Mein persönlicher 5-Minuten-Plan - Handlungsfelder festlegen
Abbildung 4:Mein persönlicher 5-Minuten-Plan - Maßnahmen ableiten
Abbildung 5:Mein persönlicher 5-Minuten-Check - Beispiel
Abbildung 6:Mein persönlicher 5-Minuten-Check - Handlungsfelder
Abbildung 7:Mein persönlicher 5-Minuten-Plan - Beispiel
Abbildung 8:Workbook - Arbeitsblatt (1)
Abbildung 9:Workbook - Arbeitsblatt (2)
Abbildung 10:Workbook - Arbeitsblatt (3)
[11]
Mein Chef macht mich wahnsinnig!
Es gibt gute Chefs, keine Frage. Kompetente, zuverlässige, teamorientierte, loyale, humorvolle. Und sollten Sie ihren Chef gut finden - Glückwunsch! Pflegen Sie ihn, unterstützen Sie ihn. Sie müssen dann dieses Buch gar nicht weiterlesen. Verschenken Sie es oder stellen Sie es ins Regal. Lesen Sie es, wenn die Begeisterung für Ihren Chef einmal nachlassen sollte!
Wenn Ihr Chef Sie aber in den Wahnsinn treibt, weil er in seiner Führungsaufgabe ein Totalausfall ist, dann sollten Sie unbedingt weiterlesen. Auch dann, wenn Ihr Urteil über Ihren Vorgesetzten noch nicht so vernichtend ausfällt, aber bereits erste Störgefühle im Umgang mit Ihrem Chef erkennbar sind.
Mein Chef nervt mich, weil ...
Haben Sie die nachfolgenden Statements schon einmal über Ihren Chef gesagt - oder zumindest gedacht?
–„Mein Chef kennt sich im Thema nicht aus, quatscht aber überall mit und hält mich letztendlich nur von der Arbeit ab!“
–„Mein Chef ist ziemlich faul, hat aber einen starken Geltungsdrang. Ich schufte, aber er präsentiert die Erfolge und erntet die Lorbeeren!“
–„Mein Chef ist egoistisch - er denkt nur an sich und seine Karriere. Mich fördert er nicht, denn ich bin ihm anscheinend egal!“
–„Mein Chef ist ‚blind‘ - er sieht mich nicht und interessiert sich nicht für mich als Menschen!“
–„Mein Chef ist kritikunfähig - ich bekomme Stress mit ihm, wenn ich eigene Ideen äußere oder seine Vorschläge hinterfrage!“
–„Mein Chef ist kein Teamplayer - nur im Erfolgsfall steht er hinter mir, im Falle von Misserfolgen stehe ich allein im Feuer!“
–„Mein Chef ist wie Pippi Langstrumpf - er macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Egal, wie die Realität wirklich aussieht!“
–„Mein Chef ist ein Angsthase - er entscheidet nichts und deshalb geht in meinen Themen wenig voran!“
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Das kommt Ihnen bekannt vor? Aber Sie sagen sich: „Woanders ist es bestimmt auch nicht besser! Immerhin habe ich ja noch meine netten Kollegen - ohne die wäre ich vielleicht schon weg! Und außerdem verdiene ich hier auch meinen Lebensunterhalt!“ Alles schön und gut, aber sind Sie doch mal ehrlich: Macht’s wirklich Spaß, wie’s heute ist? Wenn sie jetzt nicht wie aus der Pistole geschossen mit ‚Ja‘ antworten, sind Sie hier genau richtig!!
In diesem Buch geht es nicht darum ...
Es geht in diesem Buch ausdrücklich nicht darum, Verhaltensweisen von Chefs zu begründen oder gar zu rechtfertigen, sondern Ihnen als Mitarbeiter die Augen zu öffnen, warum sich Chefs so verhalten, wie sie es täglich beobachten. Ihr aktives Wahrnehmen von Verhalten sowie die daraus resultierenden Wirkungen auf Sie sind die Voraussetzungen für Ihr aktives Reagieren auf Ihre Situation. Denn Sie können auch aus Ihrer Mitarbeiterrolle heraus auf ihn einwirken, ihn quasi steuern, motivieren, anregen - ohne Loyalitätsverlust zu Ihrem Chef. Genau darum geht es.
Es geht hier ausdrücklich nicht um das Ausrufen einer ‚Revolution‘ gegen Ihren Chef, sollten Sie Defizite bei ihm erkannt hat. Es geht um eine kontinuierliche ‚Evolution‘, um das aktive Entwickeln Ihres Chefs durch Ihr Verhalten. Das klingt vielleicht erstmal verrückt - es funktioniert aber. Denn mit jeder Interaktion zwischen Ihnen und Ihrem Chef beeinflussen Sie auch sein Verhalten. Sie können als Mitarbeiter viel selbst in die Hand nehmen, anstatt sich nur über den Chef zu ärgern. Auch wenn Sie viele gute Gründe haben, genervt von Ihrem Chef zu sein, ist es allemal besser selbst etwas zu tun, als nur zu lamentieren. Sie packen es an und werden sehen, wie schnell Sie damit erfolgreich sein werden!
In diesem Buch geht es darum .
In diesem Buch geht es darum, selbst etwas zu tun. Es geht um Ihre persönlichen Erfolgsfaktoren im Umgang mit Ihrem nervigen Chef. Nach der Lektüre dieses Buches können Sie Ihr Schicksal - und übrigens auch das Ihres Chefs - in die eigenen Hände nehmen. Damit ist ausdrücklich nicht gemeint, dass Sie eine Art konspiratives, vielleicht sogar konfrontatives Spiel mit Ihrem Vorgesetzten treiben, an dessen Ende Ihre persönlichen Vorteile zu Lasten Ihres Chefs stehen. Wir schauen uns an, wie Sie Ihr eigenes Schicksal im Umgang mit Ihrem Chef in die Hand nehmen können, anstatt sich über die Unzulänglichkeiten Ihres Vorgesetzten zu ärgern. Denn Sie können mehr tun, als Sie glauben. Und das Schöne daran ist: Wenn Sie die in diesem Buch beschriebenen Erfolgsfaktoren anwenden, entsteht eine ‚WIN-WIN-WIN‘-Situation: Die Zusammenarbeit zwischen Ihnen, Ihrem Chef und Ihren Kollegen wird sich verbessern. Denn niemandem wird es schlechter gehen, nur weil es Ihnen im Umgang mit Ihrem Chef besser geht. Und bitte machen Sie sich klar: Sie können mit Ihrem Verhalten das Verhalten Ihres Chefs steuern. Ohne Hokuspokus. [13] Zum Wohle aller. Vielleicht denken Sie jetzt: „Das funktioniert bei anderen, aber doch nicht bei meinem Chef!“ Doch, das funktioniert! Welche Erfolgsfaktoren Sie dabei berücksichtigen sollten, lesen Sie in diesem Buch.
Sie werden nach der Lektüre dieses Buches eine Vorstellung haben, wie Sie mit Ihrem ‚Problemfall Chef’ zukünftig im Alltag umgehen. Sie werden erkennen, wie gut es Ihnen tut, vom ‚passiven genervt sein‘ zum ‚aktiven Gestalten‘ der Zusammenarbeit mit dem Chef überzugehen. Sie werden klarer sehen, wie gut es Ihnen tun wird, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen, anstatt sich als Statist mit einer Situation nur zu arrangieren - passiv, frustriert, genervt. Seien Sie sicher: Das wird sich ändern. Nach der Lektüre dieses Buches wissen Sie, wo Sie beim Chef ansetzen müssen, damit sich Ihre Situation schnell verbessert.
Bevor es losgeht, noch zwei persönliche Anmerkungen:
–Dieses Buch verwendet die männliche Sprachform ausschließlich wegen der besseren Lesbarkeit. Wenn zum Beispiel von ‚Chefs‘ oder ‚Mitarbei-tern‘ gesprochen wird, sind damit ausdrücklich alle Geschlechter und geschlechtlichen Orientierungen gemeint.
–Dieses Buch basiert auf über 25 Jahren Erfahrung als Führungskraft, auf über 30 Jahren Erfahrung als ‚geführter Mitarbeiter’ sowie auf unzähligen Feedbacks und Kontakten mit Mitarbeitern, die ich als Führungskräfte-und Mitarbeiter-Coach sammeln durfte. Die positiven Rückmeldungen, die ich bereits auf das Manuskript dieses Buches erhalten habe, bestärken mich sowohl in der Idee des Buches wie auch in den entwickelten Erfolgsfaktoren. Bitte verstehen Sie dennoch die beschriebenen Erfolgsfaktoren als ‚Fenster, durch das Sie selbst durchschauen müssen’. Durch das Sie Ihre Situation klarer sehen und letztlich besser verstehen. Das bedeutet auch, dass Sie die gewonnenen Erkenntnisse zu Ihrem Chef selbst priorisieren, bewerten und letztlich verarbeiten müssen. Kurzum: Sie ‚müssen‘ die beschriebenen Erfolgsfaktoren zu Ihren persönlichen Erfolgsfaktoren machen. Das Buch nimmt Sie an die Hand, gibt Ihnen einen erfolgversprechenden Weg vor, stellt Ihnen Fragen, eröffnet neue Perspektiven. Der Schlüssel zum Erfolg im Umgang mit Ihrem Chef sind aber letztendlich Sie! Denn nur Sie wissen, in welcher Kombination und Intensität Sie die in diesem Buch beschriebenen Erfolgsfaktoren bei Ihrem Chef erfolgreich einsetzen können. Das Buch wird Sie in die Lage versetzen, Ihre gewonnenen Erkenntnisse konkret umzusetzen. Nicht zuletzt deshalb habe ich im Kapitel 4.4 ein Anwendungsbeispiel für Sie entwickelt und stelle Ihnen im 5. Kapitel ein Workbook zur Verfügung, mit dem Sie arbeiten können.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre dieses Buches!
Ihr Thomas Gawron
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Chefs sind auch nur Menschen. „Aber besser bezahlte als ich“ werden Sie vielleicht denken. O.k., einverstanden, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass auch Chefs in Drucksituationen häufig reagieren wie Kinder, die intuitiv Dinge tun, ohne lange nachzudenken. Und vor allem, ohne sich über Konsequenzen ihres Handelns in Führungssituationen im Klaren zu sein. Die digitale Transformation, in der sich die Unternehmen heute durchweg befinden, ist eine (Dauer-)Drucksituation für Chefs, welche die Defizite wie unter einer Lupe offenlegt. Doch woran liegt es genau, dass Chefs heute mehr nerven als früher?
Ihr Chef nervt Sie heute mehr als früher, weil er nicht als .Druckausgleich' in Ihre Richtung wirkt, sondern ein ‚Druckverstärker‘ ist.
Sie kennen sie, die nachfolgend beschriebenen Situationen aus Ihrem Arbeitsalltag, und sie gehen Ihnen auf die Nerven? Sieht Ihre Arbeitswoche so aus?
–Montagmittag
Ihr Chef kehrt von einer Geschäftsleitungssitzung zurück. Der dort getroffene Beschluss lautet: Die Projektkosten im gesamten Unternehmen müssen um 7 % gesenkt werden. Also auch im Bereich Ihres Chefs, der - sagen wir - insgesamt 10 Projekte verantwortet. In Ihrem Projekt kommen die Arbeiten bisher gut voran, trotz widriger Umstände. Die bisherigen Projektergebnisse sind durchweg gut. Im Kontext des neuen Kostensenkungszieles trommelt Ihr Chef sofort alle Projektleiter seines Bereiches zusammen und verkündet: „Alle Projekte müssen ihre Kosten um 7 % senken“. Pauschale Ansage für alle! Sie hatten das schon erwartet, ja befürchtet. Ihr Chef versucht nicht, Kosten so zu sparen, dass möglichst keine Verwerfungen in den einzelnen Projekten entstehen. Denn das würde ihn selbst in die Pflicht nehmen, eine (Einzelfall-)Planung zu erstellen und für seinen Bereich zu verantworten. Doch genau das wäre der Weg, die Projektkosten so zu reduzieren, dass erfolgreich laufende Projekte möglichst nicht beeinträchtigt werden. Oder Projekte zu ermitteln, die aufgrund ihrer inhaltlichen oder zeitlichen Ausrichtung einen überproportional hohen Anteil an [15] der Kosteneinsparung tragen können. Ihr Chef könnte versuchen, in enger Abstimmung mit dem Team, Kosten ‚intelligent‘ zu sparen - zum Beispiel einen unmittelbar bevorstehenden Projektstart verschieben und alle anderen Projekte planmäßig weiterlaufen lassen. Aber so liegt der Kostendruck, den Ihr Chef vor zwei Stunden von seinem Chef erhalten hat, jetzt schon bei Ihnen auf dem Tisch. Leider ohne vorherige Abstimmung mit Ihnen. Ohne vorher Ihren Vorschlag zum Umgang mit der Gesamtsituation zu hören. Ohne die gravierenden Konsequenzen für Ihr Projekt zu reflektieren. Dennoch hat Ihr Chef vordergründig seinen Job gemacht, denn er reagiert vermeintlich entscheidungsstark und umsetzungsfokussiert auf das Kostensenkungsziel. So führt man, oder? „In Drucksituation müssen halt unpopuläre Entscheidungen getroffen werden. Ist doch klar?“ Nein, nichts ist klar, denn Ihr Chef hat den Kostendruck einfach nur ungefiltert an Sie und alle anderen Projektverantwortlichen weitergeben. Und schon ist das Problem gelöst - für heute, für den Chef, aber leider nur für den Chef. Das nervt Sie, denn Sie sind aufgrund kürzlich eingegangener externer Dienstleisterverträge im Projekt nicht in der Lage, die Kostensenkung ‚weiterzu-geben‘ und Preise mit Dienstleistern nachzuverhandeln! Das haben Sie bereits auch Ihrem Chef mitgeteilt. Alle hatten sich doch vor drei Wochen noch über das unerwartet positive Verhandlungsergebnis von Ihnen gefreut - vor allem auch Ihr Chef. Auf Ihren Hinweis, dass man sich jetzt beim externen Dienstleister schlichtweg unglaubwürdig, ja lächerlich macht, wenn man direkt nach harten Verhandlungen und Vertragsabschluss diesen Vertrag nachverhandeln will, ernten Sie Schweigen. So müssen Sie den erfolgskritischen externen Projektmitarbeiter aus dem Projekt abziehen, was zu großen Projektrisiken führen wird. Ihr Chef atmet tief durch: „Sie schaffen das schon“, klopft Ihnen väterlich auf die Schulter, um sofort darauf gut gelaunt ins nächste Meeting zu verschwinden. Das darf doch nicht wahr sein. Das nervt!
–Dienstagnachmittag
Ihr Chef kommt von einer Rücksprache mit seinem Chef zurück, in dem er die Umsatz-Quartalszahlen seines Bereiches und den Ausblick auf das nächste Quartal vorgestellt hat. Sein Chef will bis morgen noch zusätzliche Auswertungen dazu sehen. Ihr Chef gibt den Auftrag direkt an Sie weiter. Doch die Zahlen können von Ihnen nicht einfach aus dem IT-System ‚gezogen’ werden, sondern müssen von Hand sehr zeitaufwändig ausgewertet und aufbereitet werden. Niemand aus dem Team kann Ihnen bei diesem Auftrag helfen, denn Sie sind der Experte in diesem Thema. „Auftrag von oben, muss bis morgen Nachmittag vorliegen. Tut mir leid, aber ich weiß, Sie verstehen das“, sagt Ihr Chef. Ihren Einwand, dass Sie bis morgen bereits diverse andere Auswertungen, an denen Sie mit Hochdruck [16] arbeiten, für die Wirtschaftsprüfer zuliefern müssen, nimmt er desinteressiert und schulterzuckend zur Kenntnis. Obwohl er diese sehr aufwandsintensiven und zeitkritischen Termine mit den Wirtschaftsprüfern kennt, ja selbst veranlasst hat. Trotzdem hat er ungefragt und vor allem ungefiltert den zusätzlichen Zeitdruck des neuen Auftrages einfach auf Sie übertragen. Sie grübeln, was Sie in dieser Situation mehr an Ihrem Chef stört: das empathielose Durchdrücken seines Auftrages oder seine offensichtliche Gleichgültigkeit, Ihnen nun zusätzlich ein noch größeres Zeitproblem eingebrockt zu haben. Das nervt Sie!
–Mittwochnachmittag
Ihr Chef informiert Sie, dass er zukünftig in Ihre Projektaktivitäten inhaltlich enger eingebunden werden will. Aufgrund der hohen interdisziplinären Abhängigkeiten bei der Aufgabenerledigung sowie seines offenkundig geringen Fachwissens im Projektthema wird er jedoch keinen inhaltlichen Mehrwert zum Projektfortschritt beisteuern können. Im Gegenteil: Er verkompliziert und erschwert Ihre Arbeit, da er häufig auch unangemeldet in die Themen einsteigt. Und anstatt sich fachlich zunächst selbst in die Themen einzuarbeiten, um den Arbeits- und Projektfortschritt besser beurteilen zu können, haben Ihre Meetings mit ihm zunehmend den Charakter von für Sie völlig unproduktiven ‚Nachhilfestunden‘, in denen Ihr Chef auch noch aufgrund seines Halbwissens ärgerliche Zusatzaufträge für Sie generiert, die Sie ihm auch nicht ausreden können. Das nervt Sie!
Vielleicht erkennen Sie an der einen oder anderen Stelle Ihren Chef: Die skizzierten Beispiele beschreiben Situationen, die sich täglich in deutschen Unternehmen abspielen. In Kleinunternehmen, im Mittelstand, in Konzernen. Bei Chefs von großen wie von kleinen Teams. Der Chef diktiert, der Mitarbeiter reagiert. Das macht weder Spaß noch Sinn. Wir werden später sehen, dass Sie einiges dagegen tun können. Zunächst schauen wir uns aber noch einige weitere Gründe an, warum Sie Ihr Chef heute mehr nervt als früher!
Ihr Chef nervt Sie heute mehr als früher, weil er zwar grundsätzlich weiß, wie wichtig Kommunikation ist, aber immer noch nicht auf Augenhöhe mit Ihnen spricht.
Ihr Chef spricht viel, sagt aber wenig? Und Sie haben auch oft den Eindruck, dass er Ihnen nicht alles erzählt, was zum Verständnis ihrer Arbeitsaufträge wichtig wäre? Sie spüren, dass er nicht offen ist? Aber genau diese Offenheit fordert er demgegenüber immer wieder lautstark von Ihnen ein? Es fühlt sich für Sie an, als hätte jemand Ihrem Chef empfohlen, mehr mit den Mitarbeitern zu sprechen? Und ja, er tut es auch - aber ohne roten Faden in dem, was er erzählt, wie er es erzählt, wem er es erzählt, warum er es erzählt. Ihnen fallen immer häufiger die Schwächen in der Kommunikation [17] Ihres Chefs auf. Zum Beispiel daran, dass Sie nach einem Vortrag des Chefs mit einem anderen Verständnis und einer anderen Bewertung der Inhalte das Meeting verlassen als andere Teammitglieder - jeder hat eine andere ‚Story‘ gehört, obwohl man doch im gleichen Meeting war. Das liegt einerseits daran, dass Ihr Chef Informationen häufig viel zu schwammig, zu unklar, weitergibt. Es werden zwar Informationen preisgegeben, aber vieles bleibt auch unausgesprochen. Je ungenauer und unklarer Ihr Chef kommuniziert, umso mehr Interpretationen lässt das Gesagte zu. Da zusätzlich alle Wahrnehmungen eines Menschen auf seinen sogenannten inneren Bezugsrahmen treffen, in dem alle Informationen individuell eingeordnet und mit eigenen Erfahrungen, Stimmungen und Inhalten angereichert werden, wird klar, warum nach dem Briefing durch den Chef jeder mit seiner eigenen Version des Gehörten an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt. Genau deshalb ist es auch so wichtig, die folgenden Fehler Ihres Chefs nicht kommentarlos hinzunehmen, denn der gefährliche Bumerang unklarer Kommunikation Ihres Chefs kommt schnell zu Ihnen zurück.
–Donnerstagvormittag
Ihr Chef skizziert Ihnen im Vorbeigehen einen neuen Arbeitsauftrag nur sehr oberflächlich, an manchen Stellen sogar leicht widersprüchlich, ohne konkreten zeitlichen und fachlichen Bezugspunkt, und vor allem ohne Erklärung, warum diese Aufgabe jetzt auf einmal vom Himmel fällt. Sie sind ihrerseits gerade in eine völlig andere Aufgabe vertieft und versuchen den Ausführungen des Chefs zu folgen, sind mit Ihren Gedanken aber ganz woanders und verstehen ihn darüber hinaus auch nicht richtig, obwohl er viel redet. Das nervt! Aber Sie nehmen den neuen Arbeitsauftrag kommentarlos an - was bleibt Ihnen auch anderes übrig, es macht den Bock bei Ihrer Arbeitsbelastung auch nicht mehr fett. Sie haben ohnehin schon Zeitdruck von den Aufträgen der bisherigen Woche und wollen heute nicht schon wieder unangenehm auffallen, indem Sie einen zusätzlichen Auftrag mangels inhaltlicher Klarheit kritisch hinterfragen.
–Freitagmorgen
Kurzes Teammeeting beim Chef: Seine Körpersprache passt nicht zu seinen Worten. Diesen Eindruck haben Sie schon zum wiederholten Male in dieser Woche. Es scheint, als fühle sich der Chef in seiner Haut unwohl. Er ruht nicht in sich. Als wäre er vor etwas auf der Flucht. Er wirkt so, als hätte er keinerlei Freude an dem, was er tut. Sie fragen sich, warum Sie diesen Eindruck in letzter Zeit selbst dann haben, wenn die inhaltlichen Botschaften des Chefs positiv sind - was ja selten genug vorkommt? Sie haben keine Antwort darauf. Aber Ihnen fällt immer häufiger auf: Seine irgendwie verkrampfte Körpersprache passt nicht zu seinen Botschaften. [18] Das verunsichert Sie Zusehens. Es beschäftigt Sie. Hat es am Ende etwas mit Ihnen zu tun? Dieser Gedanke beginnt Sie zu nerven.
–Freitagnachmittag
Ihr Chef ist kurz vor dem Wochenende mal wieder im Eskalationsmodus unterwegs. Na prima, anstatt ‚gut gelaunter Chef’ sind heute mal wieder Kundenbeschwerden, Lieferantenprobleme und ungeplante Personalausfälle angesagt. In dieser Stresssituation wird Ihr Chef sehr einseitig in seinem Kommunikationsverhalten. Das kennen Sie schon. Er teilt Ihnen nur noch schmallippig mit, was alles nicht funktioniert, wo Sie besser werden müssen, wo Sie mehr Gas geben sollen. Sein Ton wird lauter, seine Formulierungen lassen auch bei großer Fantasie keine Wertschätzung mehr für Ihren dauerhaft hohen persönlichen Einsatz erkennen. An solchen Tagen gibt’s vom Chef erst recht kein ‚Danke‘, kein ‚Das haben Sie gut gemacht.‘ Stattdessen nur Forderungen: „Das muss schneller gehen, das müssen Sie besser machen.“ und so weiter. Sie fragen sich an solchen Tagen, was Sie ihm getan haben. Und was Sie seine schlechte Laune eigentlich angeht. Was denkt der sich eigentlich, Sie permanent als Blitzableiter zu benutzen? Wir werden später sehen, dass Sie auf jeden Fall mehr tun können, als es nur auszuhalten!
Ihr Chef nervt Sie heute mehr als früher, weil er es nicht gelernt hat, mit dem zunehmenden Zeitdruck im Arbeitsalltag umzugehen.
Es ist Freitag. Das langersehnte Wochenende steht vor der Tür. Die zwei freien Tage werden Ihnen guttun. Sie sind heute Abend auf eine Geburtstagsparty eingeladen und haben vor mehreren Wochen fest zugesagt. Sie freuen sich darauf, bei dieser Gelegenheit Ihre Freunde nach längerer Zeit alle mal wiederzusehen. Um 19 Uhr wird das gemeinsame Geschenk übergeben. Das heißt für Sie, dass Sie heute um 17 Uhr das Büro verlassen müssen, wollen Sie pünktlich sein. Sie sind aber unruhig, denn Sie wissen, dass der Chef um 15 Uhr noch einen Termin bei seinem Chef hat und danach vermutlich mit neuen Ideen und Aufträgen bei Ihnen vorbeikommt. Und so ist es heute auch: Ihr Chef steckt den Kopf bei Ihnen rein mit den Worten: „Wir haben da noch zwei To-dos bis Montag. Ich komme gerade vom Chef, er braucht die Informationen bis Montag. „Kommenden Montag?“, fragen Sie. „Ich muss heute um 17 Uhr gehen und sitze noch am Reporting für Sie.“ Ihr Chef antwortet: „Ja, kommenden Montag!“ Das bedeutet, dass Sie heute entweder zu spät zu Ihrer Verabredung kommen oder am Wochenende am Schreibtisch sitzen werden. Ihr Chef gibt mal wieder seinen Zeitdruck an Sie weiter und priorisiert alle Aufgaben ausnahmslos als hoch. Wenn aber alles hoch priorisiert wird, ist faktisch nichts priorisiert. Es nervt Sie, denn Ihr Chef reicht hier einfach einen Auftrag inklusive der Terminierung seiner Fertigstellung an Sie weiter. Das kann er natürlich tun, jedoch liegt noch nicht einmal ein Werktag [19] dazwischen, um den Arbeitsauftrag zu bearbeiten. Selbst wenn Sie beim Erscheinen Ihres Chefs gerade händeringend nach einem Arbeitsauftrag gesucht hätten, hätte dem Chef schon beim flüchtigen Blick auf den Kalender auffallen können, dass dieser Auftrag aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes ohne , Spätschicht’ oder eben Wochenendarbeit nicht zu bewältigen ist. Ihr Chef hätte erkennen können, ja müssen, dass die gewünschte Terminierung nicht realistisch ist. Es wäre seine Aufgabe gewesen, seinen Chef darauf hinzuweisen. Hat er aber offensichtlich nicht. Und dieser permanente Zeitdruck nervt Sie.
Ihr Chef nervt Sie heute mehr als früher, weil die steigenden Anforderungen in der Mitarbeiterführung offenlegen, wie konfliktunfähig er ist.
