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Zamorra und Nicole wussten, dass die Dinge in der Transferdimension prinzipiell etwas rustikaler gehandhabt wurden. Grundsätzlich war es hier viel einfacher, einen gewaltsamen Tod zu sterben als in der Heimat. Diese Perspektive bekamen sie auch jetzt bestätigt. Die Gefährten wurden umstellt und starrten in eine beeindruckende Menge der unterschiedlichsten Waffenmündungen. "Hände hoch, sodass wir sie sehen können!"
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Krieger der Rebellion
Leserseite
Vorschau
Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
von Stefan Hensch
»Her mit dem Würfel! Die Rebellion darf nicht zulassen, dass der Governor ein so mächtiges Artefakt besitzt.«
Die Hand des zweiten Mannes schoss vor und entriss Nicole den Beutel mit dem Silberwürfel. Sie hatte mit so einem heftigen Ruck nicht gerechnet und dem nichts entgegenzusetzen.
Zamorra überwand zuerst den Schockmoment und schlug dem Linken die Waffe aus der Hand. Polternd landete sie auf dem Steinboden ...
Das 1. Ranger Bataillon wurde auch Höllenhunde genannt und war der ganze Stolz der Armee. Jeder der tausend Soldaten unter Befehl Colonel Deans hatte eine mörderische Ausbildung hinter sich gebracht, bei der eine beträchtliche Zahl von Bewerbern das Handtuch geschmissen oder schlapp gemacht hatte.
Die Erfahrungen der Grenzkriege im Süden hatten der Armee gezeigt, dass sie Spezialisten für eine andere Art der Kriegsführung benötigte, da nicht alle Konflikte im klassischen Linienkampf gewonnen werden konnten.
Die Höllenhunde waren exzellente Fernspäher, die unbemerkt ins feindliche Territorium eindringen und wertvolle Informationen liefern konnten. Ebenso waren die Ranger zu chirurgisch genauen und blitzschnell durchgeführten Einsätzen fähig. William Johnstone war einer davon, und er war stolz darauf, ein Höllenhund zu sein. Als Sergeant diente er unter Colonel Dean, einem mit allen Wassern gewaschenen Teufelskerl, und führte einen Zug Infanteristen. Bislang hatten sie eine Anzahl verdeckter Operationen durchgeführt und damit den Verlauf des Krieges zu Gunsten der Menschen beeinflusst.
Innerhalb der Armee waren die Höllenhunde beinahe so etwas wie eine Legende, während die meisten Zivilisten noch nie von ihnen gehört hatten. Das sollte sich heute ändern.
Entgegen ihrer Spezialisierung setzte das Oberkommando der Armee die Höllenhunde jetzt nicht in kleinen Kommandotrupps, sondern als Bataillon gegen einen Kampfverband der Nekroindianer ein. Der Krieg machte es nötig, da ein anderes Infanterieregiment bei der Schlacht um Jonesville aufgerieben wurde.
Die Höllenhunde sollten die untoten Indianer aufhalten, damit zwei Artilleriebatterien den Feind mit einem Flächenbombardement überziehen konnten. Johnstone hatte von seinen Männern das Äußerste abverlangt. Alles hing davon ab, dass die Höllenhunde zur rechten Zeit ihre Position einnahmen und den Feind am Vormarsch hinderten. Leider war das Gelände so schwierig, dass keine Gespanne eingesetzt werden konnten. Die Fernspäher blieben den Prinzipien ihrer Ausbildung treu, marschierten in hohem Tempo und machten häufigere kurze Ruhepausen. Auf diese Weise waren die Höllenhunde schneller unterwegs, als es reguläre Infanterieeinheiten waren.
Bei einer der Pausen stand Will Johnstone mit einer Tasse Kaffee bei seinen Kameraden am Feuer. Er schob den Tomahawk etwas zur Seite, da sich unter seinem Waffenrock eine wunde Stelle gebildet hatte und die Waffe darauf drückte. Jeder der Höllenhunde trug anstelle eines Säbels die Waffe der Indianer. In gewisser Weise war der Tomahawk eine der Insignien ihrer Einheit und gleichzeitig schätzten die Männer die Eigenschaften der speziellen Waffe.
»Was machen wir, wenn wir zu spät kommen, Sarge?«, wollte Corporal Jennings wissen.
Johnstone verzog die Lippen zu einem breiten Lächeln. »In dem Fall reißen wir eben den Nekros ohne Kanonen die Ärsche auf.«
Die Männer lachten, und Johnstone trank geräuschvoll einen Schluck des schwarzen bitteren Getränks. Heißen Kaffee konnte man eben nicht leise trinken.
Einer der Soldaten zog zum wiederholten Male den Revolver und kontrollierte die Kammern der Trommel. Johnstone wusste, dass seine Männer nervös waren. Es handelte sich ausnahmslos um erfahrene Kämpfer, aber die bevorstehende Schlacht nötigte ihnen Respekt ab. Vermutlich wäre es Männern umgekehrt nicht anders ergangen, die auf jede Menge Erfahrung im Linienkampf zurückblickten und zum ersten Mal als Fernspäher eingesetzt wurden.
»Wir werden pünktlich sein und die verdammten Nekros erledigen. Für den Governor und die freie Welt!«
»Für den Governor!«, donnerten die Männer wie aus einer einzigen Kehle.
Stunde um Stunde hielten die Höllenhunde den Wechsel zwischen schnellem Marsch und kurzen Pausen aus und erreichten zügig ihr Ziel. Gegen Ende war der felsige Boden mehr und mehr der üppigen grünen Vegetation satten Weidelandes gewichen.
Johnstone fühlte sich wohl hier. Er war auf einer Farm aufgewachsen und kannte sich bestens mit Viehzucht aus.
»Hier könnte man sich glatt niederlassen«, sprach der einfache Soldat Jeff Hartline das aus, was auch dem Sergeanten durch den Kopf ging. Aber dazu mussten die beiden Männer zuerst den verfluchten Krieg überleben.
Aus Norden kam ein Bote herangesprengt und übergab Colonel Dean einen versiegelten Briefumschlag. Kurze Zeit darauf wurden Befehle durch die Streitmacht gebrüllt. Es war Zeit, sich auf den Kampf vorzubereiten.
Die Höllenhunde waren bereit, als sich das Heer der Nekroindianer näherte. Zwei breite Schützenreihen aus knienden und stehenden Männern mit angelegten Gewehren bildeten die Vorhut. Stille senkte sich über das Ranger Bataillon und ließ jeden der Männer mit seinen Gedanken allein. Sie alle hörten die eigentümlichen Laute des Feindes. Schreie, irres Lachen und die Fetzen einer längst vergessenen Sprache trug der sanfte Wind zu den Fernaufklärern hinüber. Zudem wehte er einen widerlichen Gestank nach Verwesung und Krankheit zu ihnen.
Johnstone betrachtete die Anhöhen im Osten und Westen. Die Geschütze waren mit bloßem Auge gut zu erkennen und ähnelten schwarzen Insekten, die auf ihren Gegner warteten, und irgendwie war das ja auch nicht ganz falsch. Die Gewehre donnerten los. Unaufhörlich wurde gefeuert. Schon bald hing Pulverdampf wie eine Wolke in der Luft, und der beißende Gestank des Kordits legte sich auf die Zunge des Sergeanten. Schweigend zog er den Tomahawk mit der Linken und den Revolver mit der Rechten. Die Männer folgten seinem Beispiel, und eine bleischwere Ernsthaftigkeit legte sich auf ihre Gemüter.
Johnstone starrte konzentriert auf die langsam näher kommenden Nekroindianer. Einmal mehr erschien ihm der Gegner wie eine einzige absurde Tötungsmaschine. Nekros wurden in Scharen von den tödlichen Projektilen der Höllenhunde getroffen und fielen. Die Verbliebenen beeindruckte das jedoch nicht. Stoisch hielten sie ihr Tempo bei und marschierten stupide weiter.
Er spürte, wie das Adrenalin durch seinen Körper pumpte und wie sich die Blicke seiner Männer auf ihn richteten. Bald war es so weit. Der Feind war bis auf wenige Meter an die Schützen herangekommen.
»Los!«
Die Männer schrien sich die Seele aus dem Leib und stürzten sich den Nekros entgegen. Der Gegner hatte Schwierigkeiten, das Verhalten der Menschen vorauszusehen. Mit einem einzigen wütenden Hieb schlug der Sergeant dem ersten Gegner den Kopf von den Schultern. Der nun Kopflose stürzte auf die Knie und kippte dann nach vorn, um reglos liegen zu bleiben.
Ein Indianer, der noch aus lebendigem Fleisch bestand, stach mit der Lanze nach Johnstones Brustkorb. Blitzschnell drehte sich der Sergeant weg und hob den Revolver, um den Feind aus nächster Linie in den Kopf zu schießen. Auf der Stirn des Kriegers erschien eine blutige Wunde, während der komplette hintere Schädel beim Austritt des Projektils einfach weggesprengt wurde.
Einen noch, hämmerte es durch Johnstones Denken. Genau das hatten sicher auch seine Männer gedacht und wirbelten wie Berserker durch die Reihen der Nekros. Einem Krieger mit verwittertem Federschmuck spaltete er mit dem Tomahawk den Kopf.
»Rückzug!«
Johnstones Zug gehorchte aufs Wort. Die Soldaten zogen sich wie ein Mann zurück. Im Laufschritt erreichten sie die nach hinten verlagerten Schützenreihen und verschwanden dahinter.
»Gute Arbeit, Leute!«, lobte Johnstone und übertönte mit seinem Organ sogar noch die unablässig feuernden Schützen hinter ihm.
»Die Mistkerle wirkten gar nicht mal so übertölpelt wie sonst«, meinte Corporal Ramirez.
Johnstone hatte das auch bemerkt, aber diese Beobachtung seinen angeschlagenen Nerven zugeschrieben.
»Vielleicht fangen die Brüder doch noch an zu lernen«, meinte Private Rose.
Johnstone sah den jungen Soldaten ernst an. Wenn diese Vermutung zutraf, standen ihnen harte Zeiten bevor.
»Wie auch immer. Wir müssen den Jungs von der Artillerie noch etwas Zeit verschaffen, damit sie freie Schussbahn auf die Nekros haben. Lasst uns tun, was nötig ist!«
Johnstone führte seine Männer erneut den Nekroindianern entgegen. Dieses Mal wurden sie mit deutlich mehr Pfeilen, Speeren und Lanzen begrüßt. Wenigstens das war beim Alten geblieben, das hatten die Männer erwartet.
Blitzschnell duckte sich der Sergeant unter einem heranzischenden Pfeil hinweg und schleuderte dann dem Bogenschützen seinen Tomahawk entgegen. Die tödliche Waffe raste um sich selbst rotierend auf den Gegner zu und traf ihn mitten ins Gesicht. Die verwesende Fratze zerriss, als die Schneide dort eindrang, wo sich Reste der Nase befanden. Eine bräunliche Flüssigkeit spritzte hervor. Der Sergeant fluchte, denn der Untote störte sich nicht im Geringsten an der Waffe in seinem Gesicht und legte stattdessen einen neuen Pfeil auf die Sehne. Der Soldat riss den Revolver hoch und machte kurzen Prozess.
Ab diesem Moment verschwamm der Kampf für Will Johnstone zu einem Fiebertraum. Er nahm kaum wahr, dass er sich den Tomahawk zurückgeholt hatte. Schlagen, treten, schießen, zurückziehen und wieder vorstoßen. Ein wildes Kaleidoskop aus Schweiß, Blut und spritzender Gehirnmasse.
Es war der Geruch nach Kordit, der ihn in die Gegenwart zurückholte. Es dauerte viel zu lang!
Ein Nekroindianer wollte einen Speer auf einen von Johnstones Leuten werfen. Der Sergeant reagierte blitzschnell, indem er den Wurfarm des Kriegers mit einem gewaltigen Schlag knapp unterhalb des Schultergelenks abtrennte. Beinahe harmlos schepperte die Wurfwaffe zusammen mit der Hand, die sie umklammerte, zu Boden.
»Rückzug«, befahl er, und seine Männer gehorchten.
Die beiden Schützenreihen waren noch nicht bereit, was Johnstone nicht interessierte. Innerhalb weniger Sekunden würden die Schützen ihre Waffen nachladen und feuerbereit gemacht haben. Er zwang sich zur Ruhe und sah zu den flankierenden Höhen hinauf. Die Geschütze hätten längst das Feuer eröffnen müssen. Warum schwiegen die Kanonenrohre?
Die Schützen feuerten. Johnstone spürte, dass ihnen die Zeit davonlief. Während die Höllenhunde ihren Job gemacht und die herandrängende Streitmacht gebremst hatten, war die Front des Gegners aufgefächert und umfing das Bataillon schon beinahe.
Hinter ihnen erklang eine Trompete. Rückzug?! Johnstone stieß einen derben Fluch aus.
»Was ist los? Weshalb schießen die Kanonen nicht?«, wollte Ramirez wissen.
»Das wüsste ich auch zu gerne«, presste Johnstone hervor.
Was als Nächstes geschah, ging als Massaker am Silver Creek in die Geschichte ein. Von den gut 1000 Höllenhunden überlebten nur knapp 200 Mann den Kessel der Nekroindianer, darunter leider nicht Sergeant Will Johnstone und die Soldaten seines Zuges. Diese tapferen Männer kämpften buchstäblich bis zur letzten Patrone und nahmen danach die Tomahawks, bis sie von der Übermacht förmlich erdrückt wurden.
Kurze Zeit später, in direkter Nähe
Colonel James Frost verfolgte das Geschehen auf dem Weideland, ohne dazu ein Fernglas zu verwenden. Seine Augen mochten zwar alt sein, doch gut genug. Dort unten starben tapfere Soldaten, ein ganzes Bataillon davon. Der Colonel hatte vom Plan gewusst und ihm zugestimmt. Im Leben war es wichtig, wo man stand. Das 1. Ranger Bataillon hatte sich auf die Seite des Governors gestellt. Colonel Dean hatte diese Entscheidung für seine Männer getroffen und musste die Konsequenzen tragen.
»Sir! Ein Reiter kommt von der anderen Stellung zu uns herüber«, meldete Sergeant Master Peters neben Frost.
Frost seufzte und benutzte sein Fernglas. »Dieser Vollidiot«, raunte er.
»Captain Travis, Sir?«
»Genau der, Peters.«
Schweigend sahen die beiden Soldaten dabei zu, wie der Captain auf dem schwarzen Hengst den Berg hinunter auf sie zuritt.
»Hatten Sie nicht ausdrücklich Order erteilt?«
Frost stimmte nickend zu. »Für den Fall, dass er den Feuer-Befehl eigenmächtig geben sollte. Dass er seine Stellung verlassen würde, hatte ich nicht vorausgesehen.«
Rabenschwarze Gedanken quälten den Offizier, während er wieder ins Tal hinuntersah. Das Massaker war noch in vollem Gange. Die eingekesselten Höllenhunde wurden von den Nekroindianern regelrecht abgeschlachtet.
Was für ein Gott lässt das eigentlich zu? Stumm zuckte der alte Mann mit den Achseln. Vermutlich derselbe, der auch einen weiteren Toten auf diesem Hügel gestatten würde, dachte Frost.
Captain Travis stieg vom Sattel und marschierte schnurstracks auf den Kommandostand zu. Das Gesicht des Mannes war von roten Flecken überzogen. Seine Augen glitzerten verräterisch. Der Gruß gegenüber dem ranghöheren Frost war ausreichend, enthielt jedoch eine gewisse Portion Nachlässigkeit.
»Warum schießen wir nicht und lassen stattdessen unsere Männer von den Untoten in Stücke reißen?«
»Die Dinge sind komplexer, als sie erscheinen, Captain Travis.«
Der jüngere Offizier schüttelte entschieden den Kopf. »Eine Lüge, Colonel. Das ist nichts weiter als eine Lüge! Sie opfern diese tapferen Männer für ihre verrückten Ideen von Freiheit und Gleichheit!«
Frost schluckte. Dies war der alles entscheidende Moment. Unzählige Male hatte er mit seinem Stellvertreter gesprochen und versucht, die Idee der Rebellen zu vermitteln. Beim letzten Treffen glaubte er, durch Einwände und Skepsis des Captains durchgedrungen zu sein. Dieses Land musste sich von dem Griff des Governors befreien, und der Krieg war die Gelegenheit dazu.
»Christopher, du weißt, was man über den Governor sagt. Colonel Dean und seine Höllenhunde waren treu ergebene Marionetten. Und gefährliche noch dazu.«
Das Gesicht des Captains verhärtete sich. »Ich wusste, dass Sie mit den Rebellen sympathisieren. Nie im Leben hätte ich geahnt, dass Sie sogar bereit sind, für Fantastereien das Leben so vieler guter Männer zu opfern. Sie glauben wirklich, der Governor wäre ein Dämon?«
Frost hielt dem hasserfüllten Blick seines Stellvertreters stand. »Es ist schwer zu glauben, Christopher. Mittlerweile gibt es aber zahlreiche vertrauenswürdige Zeugen dafür.«
Dem alten Colonel entging nicht die beiläufige Bewegung, mit der sich Travis' Rechte dem Revolver an der Hüfte näherte.
»Und warum ist das bislang niemandem außer euch Rebellenspinnern aufgefallen?« Travis hielt inne und lachte. »Natürlich – es stecken einfach alle Experten unter einer Decke. Vielleicht sind das ja alle Dämonen?«
Sergeant Master Peters hatte genug von den Beleidigungen und traf eine Entscheidung. Blitzschnell zog der Soldat seinen Revolver und schoss. Die Kugel traf Captain Travis mitten ins Herz.
Ungläubig presste Travis die Rechte jetzt auf die Wunde in seiner Brust. »Was?«, sagte er ungläubig. Rote Schaumblasen zerplatzten auf seinen Lippen.
Frost und Peters blieben dem Sterbenden eine Antwort schuldig. Der Blick des Captains brach, und er fiel tot in sich zusammen.
Peters hielt den Revolver einige Minuten ausgestreckt von sich und beobachtete den aufsteigenden Pulverdampf.
»Wer gegen die Rebellion ist, ist gegen die Freiheit«, sagte der hochdekorierte Unteroffizier.
Frost beeilte sich zuzustimmen. Er mochte im militärischen Rang weit über Peters stehen, in der Hierarchie der Rebellen sah das jedoch anders aus.
Peasley, einige hundert Meilen im Südosten
Peasley war ein Kaff mit nur knapp mehr als zweihundert Seelen. Es gab eine Kirche, einen Saloon und wenige gedrungene Bauten an der Mainstreet. Der Ort lag weit entfernt von der nächsten menschlichen Siedlung, und auch die Handelsrouten waren mehr als einen Steinwurf entfernt.
Dass hier überhaupt Menschen sesshaft geworden waren, war einer Laune des Schicksals zu verdanken. Vor mehr als fünfzig Jahren hatte ein wohlhabender Farmer Land für eine große Farm abgesteckt und mit der Rinderzucht begonnen. Dabei hatte er ein goldenes Händchen bewiesen und brachte mit der Zeit immer mehr Cowboys, Arbeiter und anderes Personal mit sich. Mittlerweile war der Rinderbaron längst unter der Erde begraben, und sein Nachfolger hatte weniger Glück gehabt. Am Ende hatte ein Feuer das von der Farm verschlungen, was übrig geblieben war. Peasley hatte die Jahrzehnte überdauert, die besten Jahre jedoch hinter sich.
Agent Derek Cooper beobachtete, wie einige seiner Männer Türen eintraten und kurz darauf die Bewohner herauszerrten und auf der Mainstreet zusammentrieben. Die Leute von den Farmen waren bereits in Ketten gelegt worden. Es blieben nur noch Menschen aus dem Kaff selbst.
Peasley war im wahrsten Sinne des Wortes entbehrlich für den Governor. Anstelle etwas zum Gemeinwohl beizutragen, indem sie etwas von Wert produzierten, vegetierten sie in einer Art inzestuösen Selbstversorgertum vor sich hin. Außerdem hatten sie allen Versuchen der Anwerber widerstanden und keinen einzigen Sohn zur Armee entsandt. Peasley spielte einfach keine Rolle mehr und konnte deshalb von der Bildfläche verschwinden.
»Wir wären so weit, Agent«, meldete Les Mansfield.
Cooper verzog sein Gesicht zu einem Grinsen. »Pünktlich wie die Maurer«, lobte er. Der Agent mochte es, seine Aufgaben schnell und effizient zu erledigen. Auf diese Weise fühlte es sich an, als würde er viel bewegen.
Gemeinsam gingen sie zu den Bürgern von Peasley hinüber. Die Mehrheit von ihnen trug Schlafkleidung und wirkte völlig übertölpelt. Keiner von ihnen hatte auch nur daran gedacht, Gegenwehr zu leisten. Allesamt waren es Schafe. Coopers Grinsen verbreiterte sich. Er und seine Männer waren die Wölfe.
»Wollen wir mal sehen, was wir hier haben«, sagte Cooper, lachte laut und inspizierte die Beute.
Ausnahmslos auf jeden Mann deutete er mit den Worten »Bergwerke«.
Mit den Frauen ließ er sich mehr Zeit. Cooper trat zu einer jungen Frau und zog sein Bowie-Messer. »Ruhig bleiben, du Schlampe. Ich will nur sehen, was du zu bieten hast.«
Das Mondlicht wurde von der Klinge reflektiert, als er das Nachtgewand der Länge nach auftrennte. Darunter kamen ein schlanker Bauch und volle Brüste zum Vorschein.
