Professor Zamorra 1350 - Stefan Hensch - E-Book

Professor Zamorra 1350 E-Book

Stefan Hensch

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Beschreibung

Die beiden Sonnen brannten unbarmherzig vom Himmel, und die Kehlen der Männer waren trocken. Staub hatte die ehemals stolzen blauen Uniformen dreckig grau gefärbt und sich auf die Gesichter der Soldaten gelegt. Sie alle waren bereits seit langer Zeit im Krieg gegen die Nekroindianer, und ein Ende war nicht in Sicht. Dennoch wollte jeder von ihnen bis zum letzten Atemzug kämpfen. Nicht für sich, sondern für ihre Familien und eine Zukunft. Die Nekroindianer kannten keine Kapitulation, also durften die Soldaten ebenfalls keine kennen ...

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

Inhalt

Der Governor schlägt zurück

Leserseite

Vorschau

Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Der Governorschlägt zurück

von Stefan Hensch

Transferdimension

Die beiden Sonnen brannten unbarmherzig vom Him‌mel, und die Kehlen der Männer waren trocken. Staub hatte die ehemals stolzen blauen Uniformen dreckig grau ge‍färbt.

Sie alle waren bereits seit langer Zeit im Krieg gegen die Nekroindianer, und ein Ende war nicht in Sicht. Dennoch war jeder von ihnen entschlossen, bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Nicht für sich, sondern für ihre Familien und eine Zukunft. Die Nekroindianer kannten keine Ka‍pi‍tu‍la‍tion, also durften die Soldaten ebenfalls keine kennen ...   

Major James Conway, dem Kommandeur der Einheit, ging es da nicht anders. Im Gegensatz zu seinen Soldaten kämpfte er sogar an zwei Fronten. Der Kampf gegen die Nekroindianer einte ihn mit seinen Leuten, während er gleichzeitig mit den Rebellen gegen den Governor vorging. 

Dieser Zweifrontenkrieg hatte teils stark widersprüchliche Perspektiven, die es auch einem Mann seines Formats nicht einfach machten. Der Offizier sah sich als aufrechten Patrioten, der das Beste für die Menschen dieser Welt wollte. Nekroindianer und Governor einte, dass beide diesem Ziel im Weg standen.

Conway nahm einen Schluck aus seiner Feldflasche. Seine Augen glitten über die Felsen neben sich. Die Felsspalten ragten wie die Zähne eines prähistorischen Ungetüms aus dem sandigen Boden und bildeten natürliche Hindernisse. Zuerst waren es nur vereinzelte Felsen, die dann in immer größerer Anzahl aus dem Boden ragten. Nach etwas mehr als dreißig Metern bildete sich eine Art Miniaturschlucht, die in westliche Richtung führte.

Das Oberkommando hatte Kartographen losgeschickt, um die perfekte Umgebung für das Vorhaben auszuwählen. Sie hatten diese gottverlassene Gegend gefunden. Da es sich um ein wahres Husarenstück handelte, hatte man Major Conway damit betraut, den Helden von New Governor City. 

Einmal mehr zog der Major sein Fernrohr auseinander und spähte damit nach Süden. Die kleine Staubwolke war bereits ohne Hilfsmittel am Horizont zu sehen, doch mit dem Fernrohr konnte er auch die Reiter erkennen. Sie gehörten zu seiner Schwadron. Ihnen folgten zahlreiche Nekroindianer, was so geplant war, denn sie sollten direkt zu Conway geführt werden. 

»Verdammt«, fluchte er. 

»Was ist los, Sir?«, fragte sein Adjutant Wilkins. 

Conway zögerte mit der Antwort, wollte er sich doch erst ganz sicher sein. »Ich sehe nur drei Kavalleristen.«

Wilkins schluckte. Es hätten vier Reiter sein müssen, also war etwas passiert.

Conway presste die Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen und senkte das Fernrohr.

»Schicken Sie einen Melder zu unseren Leuten an der Grube. Ich will wissen, ob alles einsatzbereit ist.«

Kurz darauf sprengte ein Reiter durch die ersten Felsen hindurch. Es dauerte nur Minuten, bis er zurückkehrte. In dieser Zeit waren seine Leute mit den Nekroindianern ein gutes Stück näher gekommen. Der Melder stoppte sein Pferd vor Major Conway und salutierte. 

»Männer und Ausrüstung sind bereit«, sagte der Corporal.

Conway erwiderte den Gruß lässig.

»Dann können unsere Freunde kommen!«, sagte er lächelnd und wandte sich an seinen Adjutanten. »Bringen Sie die Männer auf Position, Wilkins. Ich werde mir das Spektakel aus der Nähe ansehen.«

Die Grube war mit Spitzhacken und Muskelkraft in den felsigen Boden getrieben worden. Wo das nicht ausgereicht hatte, war Dynamit zum Einsatz gekommen. Der Hohlraum glich einem langsam abfallenden Schwimmbecken, das nahezu die gesamte Breite des Raumes einnahm, den die Felsen übrig ließen. Nur ein schmaler Rand um den Aushub gestattete die Umrandung der Grube. Dahinter gab es senkrecht in die Luft ragende Felsscherben und große Findlinge, die als natürlicher Sichtschutz für die Männer von Major Conways Einheit dienten. 

Conway war mehr als zufrieden. Seine Leute hatten es geschafft, sich regelrecht unsichtbar zu machen. Selbiges galt auch für die, die sich auf erhobenen Positionen auf den Felsen eingefunden hatten und mittels Gesten dafür sorgten, dass sich die beiden Gruppen der Einheit lautlos miteinander verständigen konnten.

Conway hatte seinen Hengst bei Wilkins zurückgelassen, hier brauchte er ihn nicht. Gelassen ging er über den schmalen Sims der Grube und trat hinter die Felsen. Lieutenant Johnstone salutierte, als er ihn sah. Der junge Offizier hatte das Kommando über eine Gruppe von fünf Männern. Wie sie trug auch der Lieutenant einen eisernen Behälter auf dem Rücken, aus dem zwei Schläuche herausführten.

Der dickere Schlauch führte zu einer modifizierten Spritzpistole, die Johnstone mit beiden Händen bedienen musste. Ein zweiter, deutlich dünnerer Schlauch, endete in einer Standluftpumpe, die von einem jungen Private bedient wurde und den länglichen Eisenbehälter unter Druck setzte. Im Behälter befand sich Naphta, ein leicht brennbares Öl.

Um den Pumpentrupp und deren neu entwickelte Waffe zu schützen, hatte Conway fünf Schützen abgestellt, die die Nekroindianer zumindest für kurze Zeit aufhalten konnten. Im Ideal so lange, bis die Reiter zur Unterstützung eilten. Wenn alles nach Plan lief, brauchten die Männer ihre Hilfe nicht. 

Seit die Rebellen selbstverschuldet das Artefakt verloren hatten, sah Conway die Dinge sehr viel pessimistischer. Sie hatten sich selbst ins Bein geschossen. Mit der Macht des Artefakts hätten sie den Krieg entscheidend beeinflussen, ja vielleicht sogar beenden können.

​»Sind Sie bereit, Lieutenant Johnstone?

»So bereit, wie man überhaupt sein kann, Sir.«

Jetzt hieß es warten. Conway blickte hinter sich.

​In zehn Metern Entfernung ragte eine steile Felswand in die Höhe und versperrte den Weg. Wenn der Plan funktionierte und die Nekroindianer zu ihnen geleitet wurden, hatte deren letztes Stündlein geschlagen. Die Nekros würden festsitzen. Es gab keinen Fluchtweg aus dieser tödlichen Sackgasse. 

Der Posten oben auf dem Felsen signalisierte, dass es soweit war. Gleich darauf hörte Conway das Hufgetrappel der sich nähernden Pferde. Schlagartig musste er an das Schicksal der Tiere denken. Den Reitern konnten sie einen Ausweg aus dem Flammenmeer bieten, leider galt das nicht für die Vierbeiner. Der Major war mit Herzblut Kavallerist und damit Pferdenarr. Das den Pferden zugedachte Ende tat ihm in der Seele weh.

Dann hörte der Major sie, die typischen Geräusche der untoten Stammeskrieger: Worte in einer unbekannten kehligen Sprache, Schreie, Gemurmel und das Stöhnen. Immer dieses Stöhnen und Wehklagen. 

Es war Zeit. Grimmig zog er Säbel und Pistole. Auch der Posten erstattete Meldung. Lieutenant Johnstone gab das Angriffszeichen. 

Conway schloss sich dem Pumpentrupp an und verließ die Deckung. Der Anblick war furchtbar und wunderbar zugleich. Die gesamte Gruppe der Nekroindianer war den Reitern in die Grube gefolgt, wo sie sich jetzt dicht an dicht drängelten und nach den Lebenden trachteten. 

So wie es der Major sah, handelte es sich ausschließlich um bereits tote Nekroindianer. Dieses Wissen half ihm, denn etwas Untotes auszulöschen, war etwas anderes als etwas Lebendes. 

Für einen kurzen Moment lähmte ihn der Anblick. Wieso ließ die Natur etwas so Widernatürliches überhaupt zu? Untote in den unterschiedlichsten Verfallsstufen drängten sich mit verzerrten Gesichtszügen in der Grube. 

Er blieb stehen, um die Kreaturen aus nächster Nähe zu betrachten. Um ein Haar bezahlte er den Fehler mit dem Leben. Ein Pfeil verfehlte Conways Kopf nur um eine Handbreit. Untot bedeutet eben nicht ungefährlich. Es musste der schier absurde Anblick gewesen sein, der ihn beinahe um seinen Kragen gebracht hatte.

»Öllampen befeuern!«, befahl Johnstone. 

Die Männer mit den Spritzpistolen entzündeten die Dochte von bauchigen Öllampen unter den Austrittsöffnungen der Spritzen. Die Gewehrschützen schwärmten aus und entrollten Strickleitern, an denen die Lockvögel aus der Grube klettern konnten. Die Pferde blieben zurück und fielen den Nekroindianern zum Opfer, die wie wilde Tiere über die herrenlosen Vierbeiner herfielen. Conway wandte angewidert seinen Blick ab. 

Kaum war der letzte Reiter aus der Gruppe geklettert, kappten die Schützen die Strickleitern und zogen sie schleunigst zurück, ehe ein Untoter sie für sich entdecken konnte. 

»Angriff!«

James Conway war über die Funktion der neuartigen Waffe instruiert worden. Auf ein derartiges Inferno war er allerdings nicht eingestellt. Das Leichtöl aus den Druckbehältern wurde von den Flammen der Öllampen in gleißende Feuerlanzen verwandelt, die wild unter den Nekroindianern in der Grube wüteten. Die brennende Flüssigkeit fand reichlich Nahrung, und schon bald stank es nach einem teuflischen Barbecue. 

Conway kämpfte mit aller Willensstärke gegen die Übelkeitswelle an, die seinen Magen umstülpen wollte. Trotzdem musste er lächeln. Wie jeder seiner Männer, hasste er die Kreaturen unter sich mit jeder Faser seines Körpers. Seit er die brutal geschlachteten Pferde gesehen hatte, sogar noch etwas mehr. Jetzt bekam der Feind die Quittung für seine widernatürliche Existenz. Vom Naphta getroffene Krieger verwandelten sich schreiend in Feuersäulen, die durch nichts gelöscht werden konnte. Das traf sogar auf die reinen Skelettkrieger zu, deren Gebeine von den wütenden Flammen verzehrt wurden. 

Der Appetit des Feuers schien unersättlich zu sein. Mit Feuereifer hielten die Männer den Druck in den stählernen Behältern aufrecht, bis es nichts mehr zu bekämpfen gab. 

»Feuer einstellen!«

Nichts außer brennenden Pfützen aus stinkender Schlacke war von den Nekroindianern übrig geblieben. 

»Den Versuch müssen wir wohl als Erfolg ansehen, Sir«, sagte Johnstone stolz. 

»Definitiv, Lieutenant. Das Oberkommando wird sehr zufrieden sein«, erklärte Conway. 

Mit dieser Waffe würden die Truppen ein Ass im Kampf gegen den untoten Feind im Ärmel haben. Indirekt spielte es zwar dem dämonischen Governor in die Karten, doch das war sekundär. Conway wollte, dass das Sterben der Soldaten ein Ende hatte.

Fort Baxter, südlich von Capital City

Fort Baxter war ein vermeintlich kleiner Stützpunkt der Armee, der dafür umso besser bewacht wurde. Betrachtete man jedoch die massive unterirdische Ausbreitung des Forts, handelte es sich dabei um einen der größeren Stützpunkte, wenn nicht sogar den größten überhaupt. Dass es dazu gekommen war, konnte nur als Laune des Schicksals bezeichnet werden. Ursprünglich sollte das Fort ausschließlich als Garnison für Verstärkungstruppen dienen, falls das Weiße Haus in Capital City einmal angegriffen werden sollte. 

Bei den Bauarbeiten war ein ganzes Netzwerk von natürlichen Kavernen entdeckt worden, die die unterirdische Nutzung des Areals sehr einfach machte.

Über den Großteil der unterirdischen Anlage war Dr. Francis Stone der alleinige Herrscher und konnte dort ungestört seinen obskuren Forschungen nachgehen. Worum es dabei genau ging, wussten außer Dr. Stone und seinem Stab nur sehr wenige Menschen. 

Den großen Überblick hatten nur Stone selbst und der Governor, dem der Mediziner direkt unterstellt war. Medizinische Forschungen lautete der Oberbegriff, mit dem der unterirdische Komplex in den Unterlagen des Militärs auftauchte. Neben Operationssälen, Laboren, Krankenquartieren und Lagerräumen gab es mehrere Isolationsräume. Um diese Räumlichkeiten zu betreten oder zu verlassen, mussten jeweils mindestens drei Kontrollpunkte passiert werden. 

In einem dieser Isolierzimmer hatten die Wissenschaftler eine Person auf einem massiven Eichenstuhl festgeschnallt, die kein Mensch war und niemand hier jemals vermutet hätte: einen Nekroindianer. 

Der Stuhl war mit dicken Bolzen im Boden verankert, und der untote Stammeskrieger war mit zahlreichen Ledergurten an den Holzstuhl gefesselt. Damit der Nekroindianer niemanden beißen konnte, hatte man ihm eine eiserne Maske verpasst, die nur die Augen frei ließ. Die Hände steckten in Handschuhen aus feinem Kettengelenk, und auch die Füße hatte man in dicke Stiefel gepackt. Mit diesen Maßnahmen versuchte man die Infektionsgefahr für die eingesetzten Wissenschaftler zu reduzieren. Vollständig ließ sich das nicht bewerkstelligen, deshalb standen rund um die Uhr zwei Wachtposten links und rechts neben dem Eingang, deren Revolver mit Silberkugeln geladen waren. Sollte es zu einem Angriff durch den Nekro kommen, würde eine der Wachen den Gefangenen und die andere den verletzten Wissenschaftler erledigen. Dies waren die Regeln in Fort Baxter, und jeder, der hier arbeitete, wusste, was ihn erwartete. 

Das heutige Experiment wollte Dr. Francis Stone selbst durchführen und nicht seinen Assistenten überlassen. Der Mediziner war hochgewachsen und schlank und trug unter seinem blütenweißen Arztkittel einen edlen Dreiteiler. Zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort hätte man ihn als Dandy bezeichnet. 

Das blonde Haar hatte er pomadisiert und teilte es mit einem Seitenscheitel zu einer betont weltmännischen Wellenform. Nur das goldumrandete Monokel in seiner Augenhöhle wirkte als Makel bei dem ansonsten modisch und kultivierten Mann, war es doch mittlerweile zu einem Anachronismus in einer Welt der Brillen geworden. Wer Dr. Stone allerdings näher kannte wusste, dass dies keinen Widerspruch zu dem Wissenschaftler darstellte. 

Er war gewiss einer der am besten ausgebildeten Mediziner, seine Moralvorstellungen und seine Weltsicht waren jedoch in gewisser Hinsicht rückwärts gerichtet. Fortschritt war die alles bestimmende Größe in seinem Denken, der er wirklich alles und jeden bereitwillig unterordnete.

Der Arzt stellte eine hölzerne Kiste auf dem einfachen Tisch in der Kammer ab. Mit einem flüchtigen Blick hätte ein Beobachter sie für einen leicht zu groß geratener Humidor halten können, doch das war er nicht. Stone klappte die Schachtel auf, und es wurde eine dicke Polsterung sichtbar, mit der der Innenraum ausgekleidet war. Was darin war, war vielleicht der wertvollste Gegenstand im ganzen Staat. 

»Wollen wir doch mal sehen«, sagte Stone und nahm vorsichtig das Ölpapier heraus. Keine Sekunde ließ er dabei die Augen des Gefangenen unbeobachtet. Überraschung breitete sich im Wissenschaftler aus. Mithilfe dieses Artefaktes hatte ein Armeeoffizier die Stadt New Governor City gerettet, indem er eine Horde Nekroindianer weggeführt hatte. Mit diesem Wissen im Hinterkopf hätte Stone eine deutlichere Reaktion erwartet, zumindest irgendeine Regung!

Die toten Augen glotzten Stone mit unveränderter Intensität an. Nichts an dem Gefangenen deutete darauf hin, dass er sich in irgendeiner Weise für das Ölpapier in Stones Händen interessierte.

Sekunden vergingen, in denen nichts geschah. Langsam näherte sich Stone dem Nekroindianer und hielt ihm das Artefakt praktisch vor die Nase. Die toten Augen starrten gierig durch den Fetzen hindurch und waren ausschließlich an der Person interessiert, die das Tuch in den Händen hielt: denMenschen aus Fleisch und Blut, den es zu töten galt.

Achselzuckend legte Dr. Stone das Artefakt auf den Tisch

»Gentlemen, ich befreie den rechten Arm unseres Gastes«, wandte sich Stone an die beiden Wachen und sah aus den Augenwinkeln, wie sich beinahe synchron die Hände der Männer auf die Griffe ihrer Revolver legten. 

Routiniert und mit sicheren Fingern löste Dr. Stone die Riemen. Augenblicklich bewegte der Nekroindianer den Arm hin und her, und konnte es gar nicht erwarten.

Und am liebsten würdest du mich packen. Der Arzt lächelte und machte einen schnellen Schritt rückwärts, nachdem er die letzte Schnalle gelöst hatte. 

Sofort schnellte der Arm nach vorne, dorthin wo Stone kurz zuvor noch gestanden hatte. Das Ding war also keineswegs lethargisch oder hatte bereits kapituliert. Die Mordlust trieb den Nekroindianer nach wie vor an. 

»Wollen wir doch mal sehen«, sagte Stone leise und nahm wieder das Artfakt vom Tisch. 

Was er jetzt tat, beinhaltete ein Restrisiko, aber anders ging es nicht. Er musste herausfinden, ob die Kreatur wirklich voller Desinteresse für das Artefakt war.

Vorsichtig näherte sich der Wissenschaftler wieder dem Gefangenen und streckte ihm seine Hand mit dem Ölpapier entgegen. Sofort reagierte der Untote, aber nicht auf das Ölpapier, sondern auf die Hand, die es reichte. Mit aller Macht versuchte der Krieger den Arm zu packen, was aber mit den Kettenhandschuhen glücklicherweise nicht ging. Stone fluchte leise. Das Verhalten war immer noch zu unklar. Er musste Gewissheit haben, auch wenn dabei das Artefakt beschädigt oder zerstört werden würde. So wie es aussah, war der Wert des Fundes ohnehin nicht besonders hoch, zumindest ohne den Würfel. 

Der Arzt ging zur linken Seite des Gefangenen, auf der dieser noch vollständig gefesselt war. Er war auf der Hut und achtete weiterhin darauf, sich zu keiner Zeit selbst in Gefahr zu bringen. Als er nahe genug an ihm war, warf er dem Nekroindianer das Ölpapier entgegen. Es entfaltete sich in der Luft und segelte langsam hinunter, um auf dem linken Arm des Untoten zum Liegen zu kommen. Die Kreatur konnte das Tuch mühelos erreichen, wenn sie das gewollt hätte. Und genau das war der Knackpunkt, denn der Gefangene reagierte auf das Artefakt nicht einmal. 

Stone führte die Gegenprobe durch und näherte sich dem Wesen von vorne. Sofort schoss ihm die Hand entgegen. Amliebsten hätte ihn der Nekro wohl zerfleischt.

»Damit wäre das wohl geklärt.« Der Arzt drehte sich zu einem der Wachen um. »Ihre Waffe, wenn ich bitten dürfte.«