Quality Time - Bernd C. Trümper - E-Book

Quality Time E-Book

Bernd C. Trümper

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Beschreibung

Zeit für das Wichtigste im Leben! Es gibt immer genug zu tun. Darunter leidet nur allzu häufig das, was uns am wichtigsten sein sollte: die Beziehungen zu den Menschen, die wir lieben. Finden Sie anhand von vielen Beispielen heraus, wie es trotz der täglichen Herausforderungen gelingt, Quality Time, also sinnerfüllte Zeit, mit dem Partner, den Kindern, Eltern, der Familie, Freunden, Kollegen, sich selbst und mit Gott zu verbringen.

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Seitenzahl: 238

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SCM Hänssler ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

ISBN 978-3-7751-7434-3 (E-Book)ISBN 978-3-7751-5945-6 (lieferbare Buchausgabe)

Datenkonvertierung E-Book: Beate Simson, Pfaffenhofen a. d. Roth

Dieses Buch ist eine Koproduktion mit dem Quality Time Verlag.

© 2019 SCM Hänssler in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-haenssler.de · E-Mail: [email protected]

Umschlaggestaltung: Kathrin Spiegelberg, Weil im Schönbuch Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach

INHALT

Prolog: Jeden Tag ein Vermögen

1   Quality Time mit dem Ehepartner

2   Quality Time mit den Kindern

3   Quality Time mit Ihren Eltern

4   Quality Time mit Ihrer Familie

5   Quality Time mit Freunden

6   Quality Time mit beruflichem Hintergrund

7   Quality Time mit sich selbst

8   Quality Time mit Gott

Epilog: Ziehen Sie Bilanz

Über den Autor

Für Iris

Dieses Buch widme ich Dir, meiner Traumfrau.

Nach nun fast 29 Jahren Ehe mit Dir weiß ich mich als den beschenktesten und glücklichsten Mann auf dieser Erde. Du bist meine Frau, meine Geliebte, meine Ratgeberin, meine Inspiration, meine Partnerin, mein »bester Freund« und der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Danke für Deine Treue, Integrität und Gottesfurcht. Danke für die drei wundervollen Kinder, die Du mir geschenkt hast, und danke dafür, dass Du in guten und schlechten Zeiten an meiner Seite geblieben bist.

Ich liebe Dich mehr als mein Leben!

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

PROLOG

Jeden Tag ein Vermögen

Was würden Sie tun, wenn Sie 86 400 Euro zur freien Verfügung hätten? Sie dürften dieses Geld ausgeben, wofür Sie möchten. Es gäbe nur eine Bedingung: Am Ende des Tages dürfte kein Cent mehr übrig sein. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie erhielten jeden Tag genau diese Summe mit den gleichen Bedingungen ausgezahlt. Abends müsste immer alles ausgegeben sein, sonst verfällt es. Ein schöner und auch irgendwie erschreckender Gedanke, oder? So unwirklich der Gedanke für Sie auf den ersten Blick auch sein mag, nichts liegt der Realität näher als dieser. Nur ist es eben kein Geld, das man Ihnen Tag für Tag anvertraut. Es ist Zeit. Jeden Tag unseres Lebens erhalten Sie, ich und jeder andere Mensch auf diesem Planeten genau 86 400 Sekunden Zeit. Wir können mit dieser Zeit machen, was wir möchten, doch ist am Ende eines jeden Tages nichts mehr davon übrig. Die Grundidee von der Gleichheit aller findet sich in der Verteilung der Zeit in idealer Weise erfüllt. Weder durch Geld, Macht oder Einfluss kann das verändert werden. Kein Spitzenpolitiker oder Wirtschaftslenker erhält auch nur eine Sekunde mehr Zeit am Tag als Sie. So definiert sich der meiste Erfolg, den wir beobachten, dadurch, wie Menschen ihre begrenzte Zeit investieren. Vermutlich werden Sie mir recht geben, dass die wirklich erfolgreichen Menschen sehr proaktiv mit ihrer Zeit umgehen, während viele andere eine eher reaktive Umgangsweise mit ihrer Lebenszeit pflegen.

Bei dem bewussten Umgang mit Zeit schälen sich zwei wesentliche Begriffe heraus: Installieren und Inszenieren. Ganz gleich, ob Sie einen Computer, ein Tablet, ein Smartphone, eine Waschmaschine oder einen modernen Pkw benutzen: Keines dieser Geräte wird Ihnen produktiv zuarbeiten, wenn nicht zuvor ein System installiert wurde. Dieses zum Betrieb nötige System ist die Basis, auf die jede Anwendung aufsetzt. Ohne ein Betriebssystem wie Windows, Linux, iOS oder eben das System Ihrer Waschmaschine ist auch die beste Hardware zu nichts nütze. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem System, das Sie und ich darstellen. Jeder Mensch ist mit fantastischem Potenzial ausgestattet. Doch ist es sein »inneres Betriebssystem«, das die Grenzen festlegt. Unsere Werte, ethischen Maßstäbe, Ziele und der Sinn, den wir in unserem Leben sehen, formen unser persönliches Betriebssystem. Sie ahnen sicher schon, wie unterschiedlich die Systeme aller Menschen aussehen können. Da ist alles möglich. Das, was wir bei unseren technischen Geräten niemals zulassen würden, findet hingegen im Alltag der Menschen permanent statt. Wir erlauben es unserem inneren Kernsystem, sich in vielen Bereichen völlig unbewusst, ja oft sogar kontraproduktiv bis selbstzerstörerisch zu entwickeln. Manchmal gleichen wir kleinen Kindern, die sich die Augen zuhalten und ihrem Gegenüber zurufen: »Ich bin weg! Du kannst mich nicht mehr sehen!« Doch nur, weil wir den Blick von etwas abwenden, bedeutet das nicht, dass es nicht existent ist. Im Gegenteil. Bereiche, vor denen wir unsere inneren Augen verschließen, verändern sich häufig dramatisch und mitunter sehr schadhaft für die Dinge in unserem Leben, die uns sehr wichtig sind. Als Beispiel seien hier »Beziehungen« genannt.

Wenn ein Betriebssystem Fehler aufweist, schieben die Entwickler Updates nach. Bei vielen technischen Geräten spricht man hier von einer überarbeiteten Version der Firmware, also des internen Betriebssystems. Dieses Buch möchte Ihnen ein solches »Firmware-Update« anbieten. Es ist ein Update für den Bereich Ihrer Beziehungen, der Ihre »Hardware« und damit Sie befähigen wird, in neuen Strukturen zu denken und zu handeln. Strukturen, die Ihre Beziehungen auf eine nie gekannte Ebene bringen können. Die Installation des Updates ist in diesem Fall das Lesen und Bearbeiten dieses Buches. Die Inszenierung (also das »In-Szene-Setzen«) ist dann die Umsetzung der »Subroutinen« dieser Betriebssystemerweiterung. Letztendlich ist es die Wahrheit, dass wir heute das sind, was gestern in unserem Leben installiert und inszeniert wurde. Die Frage ist doch: Wer installierte und inszenierte unser heutiges Leben? Waren das ausschließlich wir selbst? Wenn nicht, wer war es dann und wie konnte er es tun?

Die Antwort hierauf ist einfach: Passivität, also ein reaktiver Lebensstil, schafft ein Einflussvakuum, das immer von anderen gefüllt wird. Mit anderen Worten: Wenn ich mich an den Wegpunkten meines Lebens nicht entscheide, tun es andere für mich. Bildlich gesprochen: Wenn ich vor einer Lebenskreuzung stehe und nicht aktiv einen der zum Beispiel zehn möglichen Wege wähle, werden mich Menschen in die eine oder andere Richtung schieben. Viele Menschen unserer Zeit leben einen solchen reaktiven Lebensstil. Sie reagieren also nur dann, wenn der Druck ihrer Umstände sie dazu zwingt. Dann gehen sie meistens den Weg des geringsten Widerstandes. Pflege ich diesen Lebensstil (was zumeist völlig unbewusst erfolgt), statt proaktiv durch eigene bewusste Entscheidungen meinem Leben Ziel und Richtung zu geben, lasse ich mich fremdbestimmen. Oft geschieht das einfach durch den Druck der Masse. Ich tue dann letztendlich, was eben alle um mich herum auch tun. Und so habe ich letztlich auch, was alle anderen haben.

Ist es das, was Sie wollen? Dann sollten Sie jetzt dieses Buch zuklappen und es jemand anderem schenken. Denn dieses Buch wird Sie sehr herausfordern. Es wird Sie dazu ermutigen, wichtige Lebensentscheidungen noch einmal ganz bewusst zu überdenken und neu zu treffen. Bedenken Sie: Wenn Sie damit beginnen, Dinge zu tun, die wenige tun, werden Sie letztlich das haben, was bisher nur wenige haben. Da die nötigen Ressourcen, um die es für ein erfolgreiches Leben wirklich geht, unbegrenzt zur Verfügung stehen, könnten beliebig viele Menschen die Dinge haben, die alle haben wollen, aber nur wenige haben. Wenn ich Sie jetzt etwas verwirrt habe, lesen Sie einfach weiter. Dieses Buch versteht sich als Handbuch für die wichtigsten Zeiten Ihres Lebens. Dieses Handbuch will Sie ermutigen und dabei unterstützen, zukünftig Ihre Zeit selbst und bewusst zu managen. Es will Ihnen helfen, die bedeutungsvollsten Zeiten Ihres Lebens zu installieren: Qualitätszeiten (Quality Times: QT) mit den wichtigsten Personen in Ihrem Leben. Es will Sie durch Beispiele, Ideen und Handlungsempfehlungen dazu ermutigen, Zeiten zu inszenieren, die für Sie und die Menschen, die zu Ihrem Leben gehören, zum großen Gewinn werden.

Quality Time ist in den letzten Jahren zu einem geflügelten Begriff geworden. Immer wieder wird in Büchern, Seminaren und Vorträgen meist so ganz nebenbei dieser Begriff eingestreut und die Notwendigkeit, QT zu haben, betont, ohne darauf einzugehen, was genau es meint und wie man es tut. Hat etwas wirklich zu kennen nicht viel mehr mit Begreifen als mit Verstehen zu tun?

Wie ich QT begreifen lernte

Mein Begreifen von QT begann vor etwa 20 Jahren durch ein sehr tief gehendes Gespräch mit meiner Mutter. Zur Vorgeschichte: Meine Großmutter Agnes war zeit ihres Lebens eine sehr aktive Frau. Sie war als Krankenschwester auf einer reinen »Männerstation« das Herz, der Antrieb und bei den Kollegen wie bei den männlichen Patienten sehr beliebt. Nach ihrem Renteneintritt zog sie zu ihrem einzigen Kind, zu meiner Mutter, und nahm rege an unserem Familienleben teil. Sie war weiterhin sehr rührig und machte auch in ihren Siebzigern den Eindruck, dass sie nie wirklich alt werden würde. Doch dann kam der Tag, an dem sie Herzprobleme bekam und nachdem sie bei einer Krankenwagenfahrt ins Krankenhaus wiederbelebt wurde, erholte sie sich nie wieder. Sie lag mit klaren Augen in ihrem Krankenbett, das meine Eltern im Wohnzimmer aufgestellt hatten, damit sie weiterhin mitten am Familienleben teilnehmen konnte. Sie war jedoch teilweise gelähmt und dadurch unfähig zu sprechen oder aufzustehen. Obwohl wir nie ganz sicher wussten, inwieweit sie uns verstand, hatten wir dennoch den Eindruck, dass sie vieles mitbekam und mit ihren Augen zu uns sprach. Fünf Tage vor der Geburt meiner Tochter Grace starb sie.

Meine Mutter wurde durch den Tod von Großmutter Agnes am heftigsten erschüttert. Es war nur kurze Zeit nach der Beerdigung, als ich mit ihr alleine in einem Café saß. Sie sagte dort die Worte zu mir, die mein Leben grundlegend veränderten und schließlich zum Auslöser dieses Buches wurden. Sie sagte: »Ich dachte, meine Mutter würde ewig leben. Ich meine, noch viele Jahre. Sie war immer so stark und aktiv. Wenn ich geahnt hätte, wie es endet und wie plötzlich es kommen kann … Ich hätte ihr noch so viel sagen wollen und noch so viel für sie tun wollen. Ich hätte noch so viele Dinge mit ihr gemeinsam erleben wollen. Ich dachte doch, dafür wäre später noch genug Zeit. Nun ist es vorbei.« Als ich dann ihre Tränen sah, wusste ich, dass ich nicht irgendwann in zwanzig Jahren mit meinen Kindern zusammensitzen wollte, um mich die gleichen Worte sagen zu hören.

In den Wochen und Monaten danach war ich diesem Thema gegenüber sehr sensibel. Mir fielen immer wieder Situationen auf, wo Menschen dieses »später« als selbstverständlich voraussetzten und so lebten, als hätten sie eine versprochene Zeit in der Zukunft, in der sie sich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern könnten. Als Pastor habe ich an Sterbebetten herausgefunden, dass, wenn der Tod anklopft, die Prioritäten richtig geordnet werden. Niemand fragt dann noch nach seinen Titeln und Auszeichnungen. Keiner vermisst dann seine »ach-so-wichtige« Arbeitsunterlage, die er doch noch kurz durchsehen muss. In den letzten Stunden des Lebens bleibt nur eine einzige Sache, die zählt: Beziehungen. Man möchte noch einmal die Menschen sehen, die einem wirklich wichtig sind, seine Familie und seine Freunde. Jede Oberflächlichkeit endet hier. Was wäre, wenn Sie und ich die große Chance ergreifen würden, die wir haben, von solchen Menschen zu lernen und unsere Prioritäten schon heute so zu ordnen, dass wir am Tag unseres Todes sagen können: Ich bereue nichts!

Dieses Buch möchte Ihr Ratgeber, wenn Sie wollen, Ihr Coach sein. Es möchte Anstöße und Ideen mitgeben, will Ihnen helfen, Ihre Lebensprioritäten zu hinterfragen, und Ihnen praktische Wege zeigen, wie Sie in die wichtigsten Beziehungen Ihres Lebens investieren können. Nicht, dass wir unwissend darüber wären, dass diese Beziehungen zentral, ja entscheidend für unser Lebensglück sind. Sobald wir innerlich zur Ruhe kommen, wissen wir, was wirklich wichtig ist. Zugegeben geschieht das in unserer schnelllebigen Welt sehr selten. Wir wissen aber, dass wir etwas tun sollten. Was uns in der Regel fehlt, ist das Wissen um das »Wie«. Und genau davon möchte ich schreiben. Machen Sie sich nun mit mir auf die Reise durch die wichtigsten Beziehungen Ihres Lebens. Auf die Reise zu den Personen, die auch dann noch da sein werden, wenn alle Fans und Kollegen verschwunden sind: Ihre Familie und Ihre Freunde … und Gott.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

1  Quality Timemit dem Ehepartner

Erleben Sie Ihre Ehe in einer neuen Dimension

Im Laufe der Jahre sind sicher auch in Ihrem Leben so einige Menschen gekommen und wieder gegangen. Wenn Sie zu den Glücklichen gehören, deren Ehepartner nicht bei letzterer Gruppe gelandet ist, macht dieses Kapitel für Sie großen Sinn. Sind Sie jedoch bereits durch eine oder mehrere Trennungen gegangen, dann macht dieses Kapitel sehr, sehr viel Sinn für Sie, denn die Scheidungsquote bei Zweit-Ehen liegt etwa doppelt so hoch wie die bei der ersten Ehe. Obwohl dieses Buch nicht als Ehebuch geplant ist, möchte ich hier ein paar Grundsätze zusammenfassen, die für das Verstehen der Grundidee von »QT für Ehepaare« hilfreich sind: Entweder Ihr Ehepartner ist der wichtigste Mensch in Ihrem Leben oder die Schwierigkeiten sind bereits vorprogrammiert. Vermutlich waren Ihre Eltern lange Jahre die wichtigsten Menschen in Ihrem Leben und Ihre Kinder werden nie aufhören, für Sie zu den wichtigsten Menschen zu gehören, die es in Ihrem Leben gibt. Doch gebührt der Platz neben Ihnen einzig und alleine Ihrem Ehepartner. Er ist Ihre Königin beziehungsweise Ihr König. Mit diesem Menschen regieren Sie in Ihrem kleinen Reich. Wird dieser Platz von jemand anderem besetzt, zum Beispiel der Mutter, einer besten Freundin oder den Kindern, verliert die Ehe ihre Balance. Die Schieflage führt immer zu Auseinandersetzungen und gefährlichen Krisen. Manch ansonsten gut aufgestelltes Eheschiff ist bereits an derartigen Felsen zerschmettert und gesunken. Wer ein paar Jahre verheiratet ist, weiß, dass es die kleinen Dinge sind, die zu größeren Konflikten in der Ehe führen. Eher selten beginnt ein Konflikt mit einem Ehebruch oder mit Gewalt. Es sind die kleinen Dinge, die sich langsam entwickeln und sich immer mehr miteinander verbinden, bis die Summe eines Tages größer ist als die verfügbare Kraft und Weisheit, damit noch fertigzuwerden. Meine Frau Iris und ich, wir nennen diese Dinge »Mückenelefanten«, weil sie eben eigentlich nach ihrer Entstehung Mücken sind, sich aber bereits wie Elefanten anfühlen. Mückenelefanten sollten nicht unterschätzt werden.

Alles beginnt mit einer Entscheidung. Als Pastor habe ich so manche Trauung durchgeführt. Das Eheversprechen, das die Paare sich an dem Tag ihrer Hochzeit geben, umschließt Treue, Respekt und Liebe in guten wie in schlechten Zeiten bis zum körperlichen Tod. Zur Liebe komme ich in Kürze. Doch der Respekt und die Achtung dem Menschen gegenüber, den ich in mein Lebensboot hole, ist von großer Bedeutung. In den ersten Monaten der Beziehung ist das selten ein Problem. Man dreht sich förmlich um den Geliebten bzw. die Geliebte. Kein Opfer ist zu groß, kein Weg zu weit, kein Preis zu hoch. Man tut buchstäblich alles füreinander. Dann, ein paar Monate später, entfärbt sich das Rosa der Brille und man beginnt Dinge an seinem Gegenüber zu beobachten, die so gar nicht mehr ehrenwert erscheinen. Man bemerkt nunmehr Schwächen im Charakter oder Benehmen, die anscheinend bisher unsichtbar waren. Man dreht den Kopf morgens weg, wenn einen der Mundgeruch des Gegenübers schier umzuhauen droht, und nimmt plötzlich wahr, dass Mr oder Mrs Right auch Fußgeruch hat, mit unreiner Haut kämpft oder Gewohnheiten hat, die dem eigenen Ordnungssinn zuwider sind. Vielleicht bemerkt die Frau, dass ihr geliebter Gatte öfter mal zu tief ins Glas schaut oder gar ab und zu einer anderen Frau hinterhersieht. Mit anderen Worten: Man taucht miteinander in den Alltag mit all den großen und kleinen Herausforderungen des menschlichen Lebens unserer Zeit ein. In dieser Phase der »Fehlerfindung« besteht die Gefahr, einige dieser Dinge falsch zu deuten bzw. überzubewerten.

Gesunde Entwicklung

Kinder sind Geschenke auf Zeit. Sind sie ganz klein, sind sie völlig abhängig von den Eltern. Mit fünf, sechs Jahren beginnt oft ein Wandel im Kind. Der Fokus richtet sich immer mehr auf Bestätigung aus und legt Stück für Stück die enge Fürsorge der Eltern ab. In der Teenager-Zeit bereiten sich die jungen Raupen aufs Fliegen vor. Sie spinnen sich ein und wirken in dieser Zeit auf die Eltern oft undankbar und unnahbar. Doch dann nach wenigen Jahren schlüpft ein eigenständig fliegendes Wesen aus dem Kokon. Es wird immer höher und weiter fliegen und eines Tages das elterliche Heim ganz verlassen. Ich könnte hier traurige Geschichten, insbesondere von Müttern, erzählen, die nicht rechtzeitig losgelassen haben und die so ihre persönlich empfundene Leidenszeit stark verlängert und dazu oft einen tiefen Keil zwischen sich und ihr erwachsenes Kind getrieben haben. Die Geschichten der Mütter, die durch solch ein Verhalten für die Frauen ihrer Söhne zu »Schwieger-Monstern« werden, sind endlos. Auch die Leidensgeschichten von Männern, deren Schwiegerväter ihre kleinen Prinzessinnen nach wie vor fest an sich gebunden halten, sind bekannt. Eine gesunde Ehe entwickelt sich wie alles andere, das klein beginnt, stetig in die richtige Richtung. Auch kleine und große Konflikte schweißen zusammen. Vertrauen wächst. Lassen Sie Ihre Ehefrau Ihre beste Freundin, Geliebte, Partnerin und Seelsorgerin sein. Wenn Sie eine Frau sind, gilt für Ihren Mann dasselbe. »Unmöglich!«, meinen Sie? Es kommt auf die Richtung an, nicht auf die Geschwindigkeit. Jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung führt näher zusammen und fördert das Vertrauen in vielen Bereichen. Manchmal hilft es uns, wenn wir uns zurückerinnern und uns die Frage beantworten, warum wir diesen Menschen eigentlich geheiratet haben. Möglicherweise steht es an, sich neu füreinander zu entscheiden. Sie wissen ja: jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Vielleicht ist Ihr erster Schritt eine Entscheidung für die Liebe?

Wenn Liebe eine Entscheidung ist

Eine der größten und populärsten Lügen unserer Zeit ist die, dass die Liebe ein Gefühl sei. Eine ganze Industrie lebt von dieser Falschaussage, und das nicht schlecht. Wenn Liebe ein Gefühl wäre, wäre es richtig und konsequent, diesem Gefühl zu folgen. Wenn ein Mann keine liebevollen Gefühle mehr für seine Frau empfindet, er aber einer anderen gegenüber überfließende Gefühle dieser Art hat, dann sollte er doch wohl »die Pferde wechseln«, oder? Tatsächlich ist das in fast allen Fällen die Erklärung gewesen, die mir Zeitgenossen nach einer außerehelichen Affäre gegeben haben. Das Problem hier ist aber: Die Liebe ist nicht ausschließlich ein Gefühl. Stellen Sie sich nur vor, Sie würden Ihre Kinder nur behalten, wenn Sie immer Gefühle der Liebe für sie hätten. Mal ganz ehrlich: Wäre auch nur eines die ersten fünfzehn Jahre in Ihrer Familie geblieben? Wahrscheinlich nicht. Denn in jeder normalen Familie gibt es den Alltag. Es gibt Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Interessen und Schwerpunkte und spätestens im Teenager-Alter auch nicht selten unterschiedliche Freundesgruppen. Ginge man dort nur nach den Gefühlen, gäbe es so manchen Tag, wo man alles hinschmeißen würde. Wie ist es mit Ihren Eltern? Haben und hatten Sie da stets nur liebevolle oder wenigstens harmonische Gefühle und Gedanken? Oder gab es nicht auch hier immer wieder mal Momente, wo die Fetzen flogen, wo man sich unverstanden und ungerecht behandelt fühlte? Haben Sie deswegen den Kontakt zu Ihren Eltern völlig abgebrochen? Wahrscheinlich nicht. Auch wenn es Härtefälle gibt, wo Kontakte zu den eigenen Kindern oder den Eltern abgebrochen werden, so sind das doch eher die Ausnahmen. Doch was ist der Grund dafür? Warum haben Sie diese Beziehung über Jahrzehnte nicht abgebrochen, trotz all der schwierigen Zeiten und Situationen? Ganz einfach: Sie haben unbewusst das wahre Wesen der Liebe angewendet. Denn Liebe ist eine Entscheidung. Sie haben sich entschieden, und zwar grundsätzlich. Es gibt wenig bis nichts, das in der Lage ist, diese Entscheidung für Ihre Kinder und Ihre Eltern zu verändern. Was durch Ihre Entscheidung geschehen ist, ist das eigentliche Wunder: Die Gefühle sind der Entscheidung immer gefolgt. Nicht immer unmittelbar, doch sie folgten jedes Mal zuverlässig. Ihre Entscheidungen sind wie eine Lokomotive und die Gefühle sind die Waggons, die hinten angehängt sind. Wenn Sie entscheiden zu lieben, werden Ihnen die Gefühle der Liebe immer nachkommen. Das funktioniert leider auch in anderen Bereichen so zuverlässig. Beispielsweise bei Hass, Zweifel oder Angst.

Es ist schon einige Jahre her, als ich dieses theoretische Wissen ganz praktisch erlebte. Meine Frau Iris und ich waren zu diesem Zeitpunkt bereits rund zehn Jahre verheiratet und hatten zwei kleine Kinder. Ich arbeitete viel und ging in meinem Beruf auf. Iris hatte unsere Kinder und ein großes Haus zu versorgen. Außerdem arbeitete sie zusätzlich mehrere Stunden am Tag engagiert ehrenamtlich in unserer Kirchengemeinde. Ohne dass es einen Auslöser gab, versickerten meine leidenschaftlichen Gefühle für Iris unbemerkt und als ich es bemerkte, waren bereits keine mehr übrig. Ich mochte Iris nach wie vor, doch meine Gefühle für sie waren eher die für eine Schwester als für eine Geliebte. Ich war irritiert und redete nicht darüber. Schließlich erinnerte ich mich an das, was ich selbst seit Jahren predigte: Liebe ist eine Entscheidung. Ich wusste um die Kraft der Worte, hatte sie nur noch nie bewusst im Bereich unserer Ehe eingesetzt. Ich betete und machte vor Gott mein Eheversprechen erneut fest und begann dann das zu tun, was ich glaubte, aber nicht fühlte. Ich fing bewusst damit an, Iris meine Liebe auszudrücken. Ich sagte ihr Dinge wie: »Du bist meine Traumfrau«, »Du bist wunderschön«, »Du bist die beste Geliebte, die man sich wünschen kann« und immer wieder: »Ich liebe dich.«

Natürlich fühlte sich das für mich seltsam an, weil ich all das nicht fühlte. Ich kam mir ein bisschen wie ein Lügner, wie ein Heuchler vor, doch wusste ich, dass ich die pure Wahrheit sagte, denn es war meine feste Entscheidung. Ich wollte sie lieben, ehren und ihr dienen mit aller Kraft in guten wie auch in dieser gerade schwierigen Zeit. Ich tat das mehrere Wochen, ohne dass ich etwas fühlte. Doch dann, vielleicht vier oder fünf Wochen später, begann sich etwas zu verändern. Der »Zug« hatte schon ordentlich Fahrt aufgenommen und jetzt folgten die Anhänger. Und wie sie folgten. Es war für mich umwerfend. Meine Gefühle sprangen nicht an, sie überrollten mich förmlich. Ich fühlte mich wie ein Teenager, der Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt ist. Dieses Mädchen war meine Frau. Jene rosarote Brille, die wir alle kennen, setzten mir diese Gefühle wieder auf. Ich sah meine Frau ganz neu mit Augen der Liebe, nicht mit denen der Kritik. Meine Komplimente wurden noch mehr, nur waren sie jetzt von Gefühlen gestützt. Es war fast so, als hätte ich eine Affäre mit meiner eigenen Frau. Eine Affäre, die jetzt übrigens schon über zehn Jahre lang geht. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, einen Zug, der komplett in die andere Richtung unterwegs ist, aufzuhalten und zu wenden. Möglicherweise brauchen Sie hier Ermutigung und Hilfe. Suchen Sie sich jemanden, der um die Macht der Worte und Entscheidungen weiß, oder leihen Sie jemandem dieses Buch. Zu zweit ist viel möglich, wo wir alleine scheitern würden. Gerade männliche Leser, die sich oft schwerer tun, sich Hilfe zu holen, möchte ich sehr ermutigen, es dennoch zu tun. Achten Sie darauf, sich von jemandem unterstützen zu lassen, der glücklich verheiratet ist. Anderes wird vermutlich nicht funktionieren. Quality Time braucht einen bewusst gesteckten Rahmen, welcher, wie das Wort ahnen lässt, qualitativ hochwertig gefüllt werden möchte. Entscheidend für eine QT in der Ehe sind demnach diese drei Elemente:

• der Zeitrahmen,

• der Ort,

• der Inhalt, die Aktivität.

Der Zeitrahmen

Für ein glückliches Ehepaar sollte es keine Woche ohne QT geben (2–4 Stunden). Je nach persönlicher Planung können die Stunden zu ganz unterschiedlichen Zeiten genommen werden. Iris und ich, wir haben uns grundsätzlich jeden Dienstagabend hierfür reserviert. Dienstags ist nämlich in unserem örtlichen Kinocenter der Eintrittspreis für alle Vorstellungen wesentlich reduziert, was aber nicht bedeutet, dass wir nun jeden Dienstag im Kino sitzen.

Neben den wöchentlichen QT haben wir weitere besondere Zeiten fest eingeplant, die wir »Inseln« nennen. Ich komme noch darauf zurück. Natürlich können Sie Ihre wöchentliche QT auch zu anderen Zeiten haben. Wir nehmen manchmal einen Vormittag, wenn alle Kinder in Schule und Kindergarten sind, und fahren in ein nettes Café, um zu frühstücken und zu reden. Es gibt auch immer mal wieder Samstage oder Urlaubstage, wo wir uns einfach für zwei Stündchen in unser Schlafzimmer zurückziehen.

Der Ort

Kino, Café, Restaurant oder das Schlafzimmer sind geeignet. Auch ein langer Spaziergang durch Feld oder Wald oder eine Runde Shopping sind gute Orte für die QT eines Ehepaares. Es kann sehr hilfreich sein, die Bestimmung der QT wöchentlich unter den Ehepartnern abzuwechseln. So kann jeder mitgestalten und es wird sicher abwechslungsreich. Wer kleine Kinder hat, sollte sich rechtzeitig einen Babysitter besorgen und – falls nötig – hierfür ein monatliches Budget einplanen. Das ist es wert. Für uns hat es sich bewährt, unsere QT für das ganze Jahr im Voraus festzulegen. Für andere funktioniert es vielleicht besser, sie monatlich oder quartalsweise zu planen. Nur bedenken Sie: Was nicht schriftlich geplant wird, findet meist nicht statt. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, alle QT, die Sie planen, zur Top-Priorität zu machen. Wenn Sie diesen Zeiten die Priorität Ihrer wichtigsten Geschäftstermine geben, haben Sie verstanden, was ich meine. Das wird dazu führen, dass diese Termine nur in absoluten Notfällen und in gegenseitiger Übereinkunft verlegt werden. Auch das drückt dem Ehepartner Respekt, Liebe und Zuverlässigkeit aus, wie es Worte kaum vermögen.

Der Inhalt, die Aktivität

Sind Zeit und Ort erst einmal verabredet und festgelegt, geht es darum, Inhalte zu wählen, die die Beziehung stärken. Wir haben in den letzten Jahren vieles ausprobiert. Nachfolgend unsere Quintessenz:

Sex

Ich beginne bewusst konfrontativ. Eheberater sind sich hier einig: Sex ist der Kitt in der Mauer jeder Ehe. Aus zahllosen Eheberatungen weiß ich, dass es hier besonders häufig klemmt. Wer bei den letzten Seiten gut aufgepasst hat, dem ist vielleicht bereits ein wesentlicher Schlüssel klar geworden. Genau: Entscheidungen. Auch hier beginnt die Abfahrt des Zuges mit der Lokomotive, mit der Entscheidung. »Aber ich fühle mich nicht danach …«, mögen Sie jetzt denken. Versuchen Sie einmal, sich bewusst zu machen, dass auch das eine Entscheidung ist. Entscheiden Sie sich, Ihren Gefühlen zu folgen oder was dazu beizutragen, die Intensität Ihrer Ehe zu verbessern? Denken Sie das einmal konsequent zu Ende. Da erwiesenermaßen die Freude, also die Qualität am Sex, mit der gelebten Quantität zunimmt bzw. bei rückgängiger Frequenz der sexuellen Intimität die Sehnsucht hiernach mehr und mehr zurückgeht, ist der Weg in einen gewissen Kreislauf vorgezeichnet. Investieren Sie in diese wichtige Verbindung zu Ihrem Ehepartner. Stellen Sie Finanzen für erotische Dessous oder Hilfsmittel zur Verfügung. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf. Verändern Sie etwas an der Umgebung oder tun Sie es doch einmal ganz woanders. Wie wäre es mit Rollenspielen? Bei all dem gilt der bekannte Grundsatz: Erlaubt ist, was der andere auch möchte. Alles andere ist tabu!

Übrigens: Fehlendes Geld oder nicht verfügbare Babysitter sind hier kein Hindernis. Bleiben Sie doch einfach zu Hause. An unseren Dienstagabenden wissen unsere Kids, dass diese Zeit uns alleine gehört und wir keinen von ihnen nach 20 Uhr irgendwo im Haus (außerhalb ihrer Zimmer) sehen wollen. Dafür haben wir auch ein kleines Belohnungssystem eingerichtet. Natürlich haben wir das den Kids erklärt und Sie verstehen es so weit: »If Mummy and Daddy are happy, everybody is happy.« Ein großer Teil der Klassenkameraden unserer Kinder lebt nämlich in einem alleinerziehend geführten Haushalt. Sie verstehen, dass alles, was glücklich und gesund bleiben soll, auch gepflegt werden muss. Unsere QT sind solche Wartungsarbeiten und ab und zu ermuntern uns sogar unsere Kinder dazu.

Reden

Neben Sex nutzen Iris und ich unsere QT hauptsächlich dazu, miteinander zu reden. Laut Psychologen kommuniziert ein Ehepaar täglich nur etwa sieben Minuten miteinander. Dass das auf Dauer zu wenig ist, um eine tiefe Freundschaft und leidenschaftliche Beziehung entstehen und bestehen zu lassen, versteht sich von selbst. Auf der anderen Seite droht uns der Alltag manchmal aufzufressen. Wir sind so sehr mit dem »Tagesgeschäft« beschäftigt und damit, auf tausend Dinge zu reagieren, dass echte, tief gehende Kommunikation (sowohl körperlich als auch verbal) auf der Strecke zu bleiben droht. Eine wöchentliche QT mit Ihrem Ehepartner hingegen bricht diese Falle auf. Schafft man es auch vielleicht nicht immer, sich im Alltag die Zeit füreinander zu nehmen, die nötig wäre, so ist ein wöchentliches Treffen ein geeignetes Sprungbrett, die zwischenmenschliche Beziehung jenseits der alltäglichen Routine wieder in Schwung zu bringen. Das bedeutet jedoch auch, die Selbstdisziplin aufzubringen, an diesen speziellen Zeiten gewisse Themen, nämlich die des Alltags, weitgehend außen vor zu lassen. Wenn Sie merken, Sie hängen nach wenigen Minuten wieder in all den reaktiven Dingen, die im Alltag ständig »anfallen«, dann vereinbaren Sie einen gesonderten Termin außerhalb Ihrer QT, um hierüber zu sprechen. Gehen Sie danach wieder zu den Themen über, die für Ihre Beziehung wichtig sind. Welche Themen sind das?