Rache oder Wahnsinn - Manuela Kusterer - E-Book

Rache oder Wahnsinn E-Book

Manuela Kusterer

4,8

Beschreibung

Ein neuer Fall nimmt das Schömberger Polizeiteam voll und ganz in Anspruch. Zwei Personen werden ermordet aufgefunden. Ist es Zufall, dass beide dem gleichen Freundeskreis angehören? Gehört der Mörder vielleicht auch dazu? Hauptkommissarin Lea Sonntag ist überfordert. Dazu kommt, dass sie sich seit einigen Tagen krank und antriebslos fühlt. Außerdem bringt sie sich durch einen unachtsamen Moment in große Gefahr. Werden ihre Kollegen sie rechtzeitig finden?

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Manuela Kusterer, in Pforzheim geboren, Jahrgang 1964, lebt heute mit ihrem Mann und ihren zwei erwachsenen Söhnen in der Nähe von Karlsruhe. Ihre Krimis spielen in Schömberg, an der Pforte zum Schwarzwald und Umgebung.

Besuchen Sie die Autorin im Intenet: www.manuelakusterer.com

oder in Facebook:

@autorinManuelaKusterer

Dieses Buch ist ein Roman. Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden und toten Personen sind nicht gewollt und rein zufällig.

Buch

Hauptkommissarin Lea Sonntag freut sich, nach langer Zeit ihre Freundin Nina wieder zu treffen. Leider hält die Freude nicht allzu lange an. Außerdem befürchtet Lea ernsthaft krank zu sein. Sie fühlt sich seit einigen Tagen unwohl und antriebslos. Allerdings bleibt ihr nicht allzu viel Zeit zum Nachdenken, da zwei Personen ermordet aufgefunden werden und das auch noch an einem Tag. Die Ereignisse überschlagen sich. Glücklicherweise kann sich Lea immer auf ihr Team verlassen. Auch dieses Mal bekommt sie die volle Unterstützung ihrer Kollegen Rudi, Katja und natürlich von Alex, mit dem sie inzwischen eine Beziehung angefangen hat. Als Lea eines Morgens unauffindbar ist, spürt Alex, dass sich seine Freundin in großer Gefahr befindet. Wird er sie zusammen mit seinen Kollegen rechtzeitig finden?

Dieses Buch widme ich meinem Bruder Daniel

Beteiligte:

Hauptkommissarin und Kriminalinspektionsleiterin Lea Sonntag

Hauptkommissar Alexander Wandhoff (Alex)

Hauptkommissar Rudolf Engel (Rudi)

Oberkommissarin Katja Augenstein

Pia Sommerfeld, Profilerin

Nina Berends, Freundin von Lea

Katharina Legler (Kathi), Freundin von Nina

Bernhard Breuer, Lebensgefährte von Katharina

Cornelia Ahrend, Felix Schmitt und Matthias Seifert gehören ebenfalls zum Freundeskreis

Ehepaar Breuer, Eltern von Bernhard

Ehepaar Legler, Eltern von Katharina

Karl Bach, Freund von Felix Schmitt

Inhaltsverzeichnis

Montag

Schömberg

Dienstag

Polizeirevier

Langenbrand

Polizeirevier

Schömberg

Langenbrand

Polizeirevier

Katharina

Schömberg

Katja

Mittwoch

Lea

Polizeirevier

Langenbrand

Polizeirevier

Kathi

Lea

Alex

Donnerstag

Polizeirevier

Schömberg

Polizeirevier

Lea

Freitag

Polizeirevier

Langenbrand

Felix

Langenbrand

Langenbrand

Polizeirevier

Langenbrand

Pforzheim

Langenbrand

Pforzheim

Samstag

Polizeirevier

Montag

Polizeirevier

Matthias

Polizeirevier

Conny

Polizeirevier

Matthias

Schömberg

Dienstag

Stammheim

Polizeirevier

Oberlengenhardt

Pforzheim

Schömberg

Pforzheim

Polizeirevier

Mittwoch

Donnerstag

Polizeirevier

Epilog

Montag

Schömberg

Fröstelnd zog Lea Sonntag die Schultern hoch, als sie die paar hundert Meter zwischen ihrer Wohnung und ihrer Dienststelle zurück legte. Es war Anfang November und ungewöhnlich kalt für diese Jahreszeit. Der Kurort Schömberg befand sich zwar auf 600 Höhenmetern, aber Lea konnte sich nicht erinnern, dass es zu diesem Zeitpunkt jemals so eiskalt gewesen war oder lag es vielleicht nur an dem starken Wind, der ihr ins Gesicht peitschte? Mit gesenktem Kopf, um sich vor der Kälte zu schützen, beeilte sie sich nach Hause zu kommen. Sie wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen, hätte sie doch fast eine Frau umgerannt. »Entschuldigung«, murmelte sie vor sich hin, als die Frau erfreut ausrief: »Das gibt es doch gar nicht! Lea bist du das? Was machst du denn hier?«

Lea schaute genauer hin und musste lächeln.

»Hallo Nina, schön dich zu sehen. Du wohnst also wieder hier? Und hast dich überhaupt nicht verändert«, fügte sie noch hinzu.

»Nicht ganz, ich wohne jetzt in Langenbrand«, antwortete Nina. »Mich zieht es einfach immer wieder hierher zurück«, meinte sie lachend. Nina war in Schömberg aufgewachsen und lebte dort mit ihren Eltern bis sie zum Studieren nach Heidelberg gegangen war.

Lea hatte Nina kennengelernt, als sie auf der Polizeischule in Bruchsal gewesen war. Sie hatten sich im Café eines Buchladens - Lea hatte damals einen Ausflug nach Heidelberg gemacht - zufällig getroffen und angefreundet. Nina studierte Psychologie und die beiden verstanden sich von Anfang an. Lea fühlte sich sofort von ihrer fröhlicher, lebenslustiger Art angezogen. Sie selbst hatte damals sonst keine Freunde gehabt, da sie eher ein zurückhaltender Mensch war. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Nina schaffte es immer wieder, Lea zu irgendwelchen verrückten Sachen zu überreden und auch sonst war sie allem und jedem gegenüber offen gewesen. Nach ihrem Studium ließ sie so manches gebrochene Männerherz in Heidelberg zurück. Leider hatte Lea danach ihre Freundin aus den Augen verloren. Umso mehr freute sie sich nun aufrichtig, Nina wieder zu sehen und fragte auch sogleich: »Magst du mit zu mir kommen und einen Kaffee mit mir trinken? Ich wohne gleich da vorne.« Sie deutete auf das Zweifamilienhaus, in dem sie eine schöne Maisonette-Wohnung gemietet hatte.

»Echt? Du wohnst hier?«, strahlte Nina. »Na klar komme ich mit. Was hat dich denn hierher verschlagen? Die Liebe?«

»Nein, der Beruf.«

»Waaas, nein, du bist die Hauptkommissarin hier? Hab schon viel von der Polizeichefin gehört, bin aber gar nicht auf die Idee gekommen, dass du das sein könntest. Niemand hat deinen Namen genannt. Bei allen heißt du nur „die Neue“, druckste Nina herum.

»Na, so neu bin ich jetzt auch nicht mehr. Immerhin bin ich schon seit Januar hier.«

»Auf jeden Fall haben wir uns eine Menge zu erzählen und sollten diese Gelegenheit nutzen, unsere Freundschaft wieder aufzufrischen. Ich hab dich echt vermisst«, strahlte Nina und hakte sich bei Lea ein. Inzwischen hatten sie das Haus erreicht, in dem Lea wohnte und verschwanden darin, sich aufgeregt unterhaltend und lachend.

Lea lag entspannt auf ihrem kleinen Sofa. Sie hatte zwei unterhaltsame Stunden bei Kaffee und Kuchen – den sie später noch aus dem Café Talblick geholt hatte - mit Nina verbracht. Sie hörte, wie die Haustür aufgeschlossen wurde. Alex kam nach Hause. Eigentlich wohnte ihr Kollege Alexander Wandhoff in Engelsbrand und hatte seine eigene Wohnung, aber er verbrachte die meiste Zeit bei ihr.

Als Lea im Januar zur Kriminalinspektionsleiterin befördert und nach Schömberg versetzt worden war, war Alex alles andere als glücklich darüber gewesen, denn er hatte selbst auf den Posten gehofft. Die Zusammenarbeit erwies sich als schwierig, da Lea und Alex sich selten einig waren. Zudem knisterte es zwischen ihnen und das hatte sie sich lange Zeit nicht eingestanden. Während der Aufklärung ihres zweiten Falles hatte sie schließlich ihren Gefühlen nachgegeben und eine Beziehung mit ihm angefangen. Allerdings bestand sie darauf, es vorerst vor den anderen Kollegen geheim zu halten. Immerhin gab sie Alex einen Haustürschlüssel zu ihrer Wohnung, damit er ein- und ausgehen konnte, wie er wollte.

»Hallo Maus, du bist ja heute früh nach Hause gegangen. Das kennt man gar nicht von dir«, rief er, während er sich gleich im offenen Eingangsbereich seine Schuhe auszog. Das hatte er sich angewöhnt, weil Lea sehr großen Wert auf Sauberkeit und Hygiene legte und er nicht ständig darüber diskutieren wollte.

»Hallo, ich bin nicht deine Maus«, antwortete sie kopfschüttelnd. »Gewöhne dir das endlich ab.«

Inzwischen hatte Alex sich bei Lea auf dem Sofa niedergelassen, küsste sie und stellte besorgt fest, dass sie irgendwie krank aussah. »Du siehst blass aus! Geht es dir nicht gut?«, fragte er deshalb.

»Doch, alles gut. Ich habe zwei wunderbare Stunden mit meiner alten Freundin Nina verbracht. Allerdings bin ich zurzeit etwas müde, darum bin ich auch so früh nach Hause gegangen. Wir haben im Moment eh nicht viel zu tun.«

»Nina, wer ist Nina?« Alex sah seine Freundin fragend an. »Du hast nie etwas von ihr erzählt?«

»Nein, ich glaube nicht. Wir hatten auch lange keinen Kontakt. Wir haben uns in einem Café in Heidelberg kennengelernt und viel zusammen unternommen. Das war in der Zeit, als wir in der Ausbildung waren«, antwortete sie auf seine Frage. Alex und Lea kannten sich schon von der Polizeischule, waren aber nicht befreundet gewesen. Lea konnte ihn damals noch nicht mal besonders gut leiden, was sie heute natürlich nicht mehr verstehen konnte.

Alex dachte kurz nach. »Nein, ich habe dich immer nur alleine gesehen und außerhalb der Ausbildungszeiten hast du dich ja sowieso ziemlich rar gemacht«, meinte er schmunzelnd.

»Ich bin eben schon immer eher eine Einzelgängerin gewesen«, seufzte Lea. »Auf jeden Fall haben wir vorhin Kaffee getrunken und über alte Zeiten geplaudert. Das war schön, aber jetzt bin ich schon wieder müde.«

»Du solltest zum Arzt gehen.«

»Ich kenne hier überhaupt keinen Arzt«, entgegnete Lea.

»Hier im Ort gibt es den Dr. Burfeind. Der hat einen guten Ruf und da gehst du morgen hin und wenn ich dich hinschleppen muss!«, bestimmte Alex.

»Wir werden sehen«, meinte sie ausweichend.

Nach einer kurzen Pause äußerte sich Alex:

»Wann möchtest du eigentlich mal unsere Kollegen darüber informieren, dass wir zusammen sind? Ich bin es langsam leid, immer so zu tun, als ob ich morgens von Engelsbrand angefahren komme.«

»Können wir uns das nicht ein anderes Mal überlegen, wenn es mir wieder besser geht«, antwortete Lea genervt.

»Du hast aber auch immer wieder Ausreden. Manchmal glaube ich, dass du es gar nicht ernst mit uns meinst«, entgegnete Alex ärgerlich. Wie so oft in letzter Zeit, drohte deswegen ein Streit auszubrechen. »So langsam verstehe ich, warum die Beziehung zu deinem Gerichtsmediziner gescheitert ist«, fügte er noch ärgerlich hinzu.

»Das muss ich mir nicht anhören«, mit diesen Worten sprang Lea vom Sofa auf, funkelte Alex böse an und meinte: »Vielleicht ist es besser, wenn du heute zu Hause übernachtest, dann brauchst du morgen schon nicht nur so zu tun, als ob du von dort kommst.«

Das ließ sich Alex nicht zweimal sagen und verließ, die Haustür laut zuknallend, das Haus. Das war der erste richtig große Streit in ihrer dreimonatigen Beziehung.

Dienstag

Polizeirevier

Das Polizeiteam hatte sich rings um den länglichen Tisch im Besprechungszimmer versammelt. Lea und Alex saßen auf der einen Seite mit dem Rücken zum Fenster und Rudolf Engel - von allen nur Rudi genannt - saß zusammen mit Katja Augenstein auf der anderen Seite. Lea wollte gerade mit der täglichen Besprechung beginnen, als die Tür aufgerissen wurde und Saskia, die Sekretärin, in letzter Minute hereinstürmte um auch daran teilzunehmen. Lea legte großen Wert auf die morgendliche Besprechung und ebenfalls darauf, dass die Sekretärin dabei war. Nach dem gestrigen Streit mit Alex war Leas Laune nicht gerade die beste, deshalb begrüßte sie Saskia dementsprechend: »Ich erwarte, dass du morgens pünktlich hier erscheinst, sonst kannst du das nächste Mal gleich vorne im Empfangsbereich bleiben. Und wenn das öfters vorkommt, dann wird es Konsequenzen haben.«

Verstört schaute Saskia ihre Chefin an, denn so kannte sie Lea gar nicht, sagte aber nichts und setze sich leise an die Stirnseite des Tisches.

»Da es im Moment glücklicherweise nicht allzu viel zu tun gibt und es auch keine größeren Vorfälle gegeben hat, schlage ich vor, dass jeder seine Aufgaben, die ich gestern verteilt habe, bearbeitet«, fuhr Lea fort. »Außerdem könntet ihr euch überlegen, euren restlichen Urlaub für dieses Jahr zu nehmen, natürlich abwechselnd. Dazu wäre jetzt die richtige Zeit. Also, dann bis später.« Lea erhob sich, um den Raum zu verlassen, musste sich aber kurz am Tisch festhalten, weil ihr schwindelig wurde. Sie und Alex hatten es bis zu diesem Zeitpunkt vermieden sich gegenseitig anzuschauen. Jetzt sprang er aber auf, ging zu Lea und meinte: »So, es reicht! Du gehst jetzt zum Arzt. Ich bringe dich hin!«

Lea wollte gerade etwas dagegen erwidern, als das Telefon klingelte. Rudi nahm das Gespräch entgegen. »Polizeirevier Schömberg, Sie sprechen mit Rudolf Engel.«

Für Lea hörte sich alles, was Rudi sagte, ganz weit entfernt an. Inzwischen hatte sie sich wieder hingesetzt und hörte weiterhin, wie durch einen Nebel, wie Rudi am Telefon sagte: »Ja, in Ordnung, wir kommen sofort!«

Nachdem er aufgelegt hatte, wandte er sich an seine Kollegen: »In Langenbrand ist eine junge Frau in ihrem Haus tot aufgefunden worden. Im Turmweg 39. Es sieht nach Mord aus.«

Jegliche Farbe war aus Leas Gesicht gewichen, sie stammelte nur noch: »Da wohnt doch Nina«, dann sackte sie auf dem Stuhl zusammen. Alex konnte sie gerade noch auffangen. Mit Rudis Hilfe schleppte er sie in den Gang, wo sich direkt vor der Tür zum Vernehmungszimmer ein kleines Sofa befand. Vorsichtig legten sie Lea dort hin. Inzwischen schlug sie auch schon wieder die Augen auf, schaute verwirrt ihre Kollegen an und fragte: »Was ist passiert?«

»Du warst kurz ohnmächtig«, antwortete Alex und versuchte seiner Stimme einen ruhigen Klang zu verleihen. Dann kam bei Lea die Erinnerung zurück. Sie versuchte sich aufzusetzen.

»Die Tote, das ist Ninas Adresse. Wir müssen da sofort hin!«

»Du musst gar nirgendwo hin«, antworteten Alex und Rudi wie aus einem Munde.

Katja, die sich bis jetzt zurückgehalten hatte, meinte nun: »Ich kann doch mit Lea zum Arzt gehen.« Alle wussten, dass Katja keine Leichen sehen konnte. Wenn sie sich nochmals für einen Beruf entscheiden müsste, würde sie niemals mehr den Polizeiberuf wählen. Das war ihr in letzter Zeit klar geworden. Allerdings fühlte sie sich wohl hier im Schömberger Team und die Kollegen versuchten ihr den Anblick von Leichen am Tatort zu ersparen, wann immer es ging. Glücklicherweise passierten hier in ihrem zuständigen Bereich nicht so viele Morde.

Schließlich traf Alex eine Entscheidung und ordnete an: »Okay, du gehst mit Lea zu Dr. Burfeind. Ich werde mit Rudi nach Langenbrand fahren. Wir müssen zunächst mal klären, ob es sich überhaupt um einen Mordfall handelt.«

Katja saß im Wartezimmer von Dr. Burfeind. Während sie auf ihre Chefin wartete, hing sie ihren Gedanken nach. Schon wieder eine Leiche. Da passierte jahrelang überhaupt nichts in dem kleinen Kurort und dieses Jahr gab es gleich drei Tote. Und dann ging es auch noch Lea schlecht. Hoffentlich war sie nicht ernsthaft krank.

»Ah, da kommt sie ja schon«, dachte Katja, als sie sah, dass ihre Chefin aus dem Behandlungszimmer gekommen war. »Die sieht ja noch blasser aus als vorher«, stellte sie erschrocken fest. Da kam Lea auch schon ins Wartezimmer, nickte ihrer Kollegin kurz zu, ging zur Garderobe, riss ihre Jacke vom Bügel und marschierte leicht schwankend nach draußen. Katja folgte ihr wortlos. Erst als sie draußen angekommen waren, fragte sie: »Was ist los? Was hat Dr. Burfeind gesagt?«

»Nix, alles in Ordnung«, murmelte Lea und lief weiter Richtung Apotheke.

»Soll ich dir etwas aus der Apotheke holen?«, bot Katja ihr an.

Abrupt blieb Lea stehen - Katja wäre fast auf sie drauf geprallt - und meinte: »Du bleibst hier, ich mach das alleine.« Und schon war sie hinter der Tür verschwunden.

Katja schaute ihr kopfschüttelnd hinterher.

In letzter Zeit war die früher oft launische Lea eigentlich ganz umgänglich geworden.

Saskia, die Sekretärin - mit der Katja sich angefreundet hatte - und sie vermuteten, dass Lea ein Verhältnis mit ihrem Kollegen Alexander Wandhoff hatte. Ganz sicher waren sie sich allerdings nicht.

Langenbrand

Rudi und Alex betraten das Haus in Langenbrand, in dem Nina Berends wohnte. Als Alex den Gerichtsmediziner Hans-Peter Balbach entdeckte, konnte er sich ein paar spöttische Gedanken nicht verkneifen. Immer wenn es hier in ihrem Zuständigkeitsbereich eine Leiche gab, schien Dr. Balbach Dienst zu haben. Alex vermutete, dass der Gerichtsmediziner das so einrichtete, weil er Lea, mit der er ein paar Wochen zusammen gewesen war, sehen wollte.

»Da hat er sich heute allerdings geschnitten«, dachte Alex nicht ganz ohne Schadenfreude.

Balbach riss ihn aus seinen Gedanken. »Guten Morgen«, murmelte der meistens etwas brummige Gerichtsmediziner und schaute sich suchend um, ob nach den beiden nicht doch noch Lea hereinkommen würde. Rudi, der das ebenfalls bemerkte, sagte deshalb an ihn gewandt: »Frau Sonntag ist heute nicht dabei. Es geht ihr nicht gut. Unsere Kollegin, Frau Augenstein ist mit ihr zum Arzt gegangen.«

Bestürzt sah Hans-Peter Balbach ihn an und fragte auch sogleich: »Hoffentlich nichts Ernstes?«

»Das hoffen wir auch nicht«, meinten Alex und Rudi wie aus einem Munde.

Als sich Balbach wieder gefangen hatte, begann er zu berichten: »Also bei der Toten handelt es sich um Nina Berends, 38 Jahre alt, alleinstehend. Sie wurde eindeutig im Schlaf erstickt. Todeszeitpunkt ist ungefähr zwischen 2 und 4 Uhr morgens. Das Kissen lag noch auf ihrem Gesicht. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sie sich gewehrt hat. Das lässt darauf schließen, dass sie tief und fest geschlafen hatte, als der Täter oder die Täterin ihr das Kissen aufs Gesicht drückte.«

»Ach herrje«, äußerte sich Alex betroffen. »Das ist eine Freundin von Lea. Wie soll ich ihr beibringen, dass es sich tatsächlich um Nina handelt. Sie haben sich gestern nach langer Zeit wieder getroffen und ein paar nette Stunden miteinander verbracht.«

Nun wirkte auch Balbach ziemlich betroffen. Seine sonstige Arroganz hatte sich vollkommen verflüchtigt.

»Dann kann man also nicht sagen, ob es eine männliche, oder eine weibliche Person gewesen ist, die Frau Berends umgebracht hat«, wollte Rudi nun wissen.

»Nein, das kann man nicht, denn einer schlafenden Person ein Kissen auf das Gesicht zu drücken, dazu braucht man nicht sehr kräftig zu sein.«

Alex ging zu einem der Kollegen von der Spurensicherung und erfuhr, dass die Haustür zu dem kleinen Einfamilienhäuschen - das Nina Berends alleine bewohnt hatte - keinerlei Einbruchsspuren aufwies. Der Täter musste also einen Schlüssel gehabt haben oder von Nina Berends, bevor sie ins Bett gegangen war, hereingelassen worden sein.

Erst jetzt bemerkte Alex die junge Frau, die wie ein Häufchen Elend auf dem Stuhl im Esszimmer saß, und fragte leise den Kollegen: »Und wer ist das?«

»Das ist die Freundin der Toten. Sie hat Frau Berends gefunden. Sie waren zum Frühstück verabredet gewesen. Nachdem ihre Freundin nicht aufgemacht hat, holte sie sich den Schlüssel - den die Tote unter einem Stein im Garten versteckt hatte -