Radreisen mit dem E-Bike - Jan Wittenbrink - E-Book

Radreisen mit dem E-Bike E-Book

Jan Wittenbrink

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Beschreibung

Der Wegweiser zu außergewöhnlichen Fahrradabenteuern Ob gemütlicher Flussradweg oder sportliche Alpenüberquerung: Radreisen liegen im Trend und bieten die perfekte Mischung aus Abenteuer, Naturerlebnis und nachhaltiger Fortbewegung. Doch welche Tour passt zu mir, was kann ich mir zutrauen? Welches Rad brauche ich? Und wie plane ich eine Radreise richtig? Dieses Handbuch beantwortet diese Fragen und noch viele mehr. Von der Auswahl des passenden Fahrrads über die Reiseplanung bis zu cleveren Packtipps und den wichtigsten Checks kurz vor der Abfahrt: Hier gibt es das geballte Wissen eines radreiseerprobten Autors und des Expertenteams der Stiftung Warentest. Praxistaugliche Tipps für unterwegs machen dieses Handbuch zum unverzichtbaren Begleiter:Navigation und Verkehr, Anreise und Übernachtung, Versicherungen, Ausrüstung für Wind und Wetter sowie Lademöglichkeiten für E-Bikes. Hier finden alle garantiert Inspiration und praktische Hilfe für das nächste Abenteuer – ganz egal, ob sie zum ersten Mal eine mehrtägige Radtour planen oder bereits erfahrene Radreisende sind.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 394

Veröffentlichungsjahr: 2026

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RADREISENMIT DEME-BIKE

INHALT

FASZINATION RADREISE

Warum Urlaub mit dem E-Bike?

Geschichte des Radreisens

Welche Radreise passt zu mir?

Individuell planen oder beim Veranstalter buchen?

Welche Fahrweise?

Welche Jahreszeit?

DAS E-BIKE – TECHNIK, TYPEN, TRAINING

E-Bike-Technik

E-Bike-Typen

Die Komponenten

Bikefitting

Kaufen, leihen oder leasen

Training

Fahrtechnik

AUSRÜSTUNG, ZUBEHÖR UND SICHERHEIT

Kleidung

Zubehör

Fahrradtaschen

Diebstahlschutz

Campingausrüstung

REISE- UND ROUTENPLANUNG

An- und Abreise

Routenplanung

Übernachtungen

Versicherungen

Radreisen mit Kindern

START DER REISE – ENDLICH UNTERWEGS

Checks vor der Abfahrt

Clever packen

Navigation

Unterwegs laden

Unvorhergesehenes

Essen und Trinken

Verhaltensregeln

ATTRAKTIVE REISEZIELE UND ROUTEN

Länder und Regionen

Flussradwege

Küstenradwege

Bahntrassenradwege

Radreisen in den Alpen

SERVICE

Stichwortverzeichnis

FASZINATION RADREISE

WARUM URLAUB MIT DEM E-BIKE?

Eine Radreise kann ein großes Abenteuer sein – bei kaum einer Art des Urlaubs lässt es sich so gut vom Alltag abschalten. Mit dem E-Bike kann man vieles noch entspannter erleben.

Beim Radfahren lernt man ein Land am besten kennen, weil man dessen Hügel emporschwitzt und sie dann wieder hinuntersaust.“ Dieses Zitat stammt von Ernest Hemingway – und der berühmte amerikanische Schriftsteller hatte Recht: Kaum eine Art der Fortbewegung erlebt man so intensiv wie das Reisen mit dem Rad. Seit das Fahrrad im 19. Jahrhundert erfunden wurde, ist es für Menschen nicht nur nützliches Transportmittel. Es ist auch ein Vehikel, um aus dem Alltag auszubrechen, den Fahrtwind zu spüren und die Welt um sich herum mit einem einzigartigen Freiheitsgefühl zu erleben. In den vergangenen Jahren haben immer mehr Menschen das Radreisen neu für sich entdeckt – seien es Radeltrips am Wochenende oder ein dreiwöchiger Urlaub auf zwei Rädern. Und viele von ihnen sind auf E-Bikes unterwegs – der Boom des elektrisch unterstützten Radelns hat viele Menschen neu (oder wieder) zum Radreisen gebracht.

Wenn Sie dieses Buch in Händen halten, interessieren Sie sich wahrscheinlich für eine Radreise mit dem E-Bike. Laut der Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) haben 2023 ganze 36 Millionen Menschen in Deutschland einen Tagesausflug mit dem Rad unternommen – pro Person waren es im Schnitt zwölf Tagestouren. Fünf Millionen unternahmen mindestens eine Kurz-Radreise mit einer oder zwei Übernachtungen. 3,6 Millionen Menschen brachen auf mindestens eine Radreise mit mehr als drei Übernachtungen auf. Und jeweils 43 Prozent der Befragten waren bei Tagestouren sowie auf mehrtägigen Radreisen mit einem E-Bike unterwegs.

Was das E-Bike möglich macht

Radreisen mit dem E-Bike sind anders – die Motorunterstützung bringt zahlreiche Vorteile mit sich, aber auch einige Nachteile wie das höhere Gewicht und die Abhängigkeit von Lademöglichkeiten während der Reise. An dieser Stelle sei kurz der Begriff „E-Bike“ erklärt – hier herrscht nämlich manchmal Verwirrung. Offiziell unterscheidet man in Deutschland (unter anderem in der Straßenverkehrsordnung) folgende Begriffe:

EIN PEDELEC (PEDAL ELECTRIC CYCLE)

ist ein Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor, der sich bis zu einer gesetzlich festgelegten Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern zuschalten lässt und die aufgewendete Muskelkraft verstärkt. Das heißt: Der Motor schaltet sich ab einer erreichten Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern ab. Wer schneller fahren möchte, strampelt ohne Unterstützung. Je nach gewähltem Fahrmodus fällt die Motorunterstützung unterschiedlich stark aus. Der Motor ist beim Pedelec auf eine Durchschnittsleistung von 250 Watt über eine Dauer von 30 Minuten begrenzt.

EIN S-PEDELEC

funktioniert wie ein Pedelec, unterstützt aber bis zu einer Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometern. Ein solches Fahrrad gilt rechtlich als Kleinkraftfahrzeug. Im Gegensatz zum Pedelec benötigen Sie daher ein Versicherungskennzeichen sowie eine Fahrerlaubnis (mindestens der Klasse AM). Es besteht Helmpflicht. Von einigen Routen mit Ausnahmeerlaubnis abgesehen, ist das Fahren auf Radwegen nicht erlaubt. Für eine Radreise eignen sich S-Pedelecs daher weniger. Sie sind zudem noch einmal deutlich teurer und meist schwerer als Pedelecs.

EIN E-BIKE

ist streng genommen ein motorisiertes Fahrrad, das eher einem Mofa ähnelt. Denn mit ihm können Sie auch fahren, ohne in die Pedale zu treten – der Motor wird per Drehgriff oder Schaltknopf aktiviert. Ab einer Geschwindigkeit von 20 oder 25 Stundenkilometern setzt die Motorunterstützung allerdings aus. Die Vorschriften sind ähnlich wie beim S-Pedelec. Solche „echten“ E-Bikes spielen am Markt kaum eine Rolle.

So weit die fachlich korrekten Begriffe – der allgemeine Sprachgebrauch sieht jedoch ganz anders aus. Hier hat es sich durchgesetzt, Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor allgemein als E-Bike zu bezeichnen. Und da es sich beim Großteil aller verkauften Elektroräder um Pedelecs handelt, meint man mit einem E-Bike in aller Regel ein Pedelec. Auch für Radreisen sind Pedelecs ideal, während S-Pedelecs sich eher zum täglichen Pendeln eignen (mehr zu den technischen Unterschieden in „E-Bike-Technik“ ab Seite 34). Auch in diesem Buch ist daher mit dem Begriff E-Bike immer ein Pedelec gemeint.

Lange Strecken leichter bewältigen

Schon jetzt hat das E-Bike dem Radreisen ganz neue Zielgruppen erschlossen, denen Genuss und Erlebnis das vorrangige Ziel ist vor sportlichen Höchstleistungen. Richtig eingesetzt, kann ein E-Bike aus einer sportlichen Radtour eine bedeutend gemütlichere machen – oder es eben ermöglichen, längere und hügeligere Strecken zu fahren als mit einem motorlosen Fahrrad, die sonst innerhalb eines Tages kaum zu bewältigen gewesen wären. Strecken von 100 Kilometern pro Tag sind mit dem E-Bike auch für weniger trainierte Personen durchaus machbar – allerdings hängt es stark davon ab, welcher Akku und Motor verbaut ist und welche Lademöglichkeiten es unterwegs gibt (siehe „Unterwegs laden“ ab Seite 158).

Großer Vorteil bergauf

Einen riesigen Vorteil bietet das E-Bike vor allem am Berg. Die übliche Unterstützung bis hin zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern funktioniert auch bergauf. Wenn Sie den höchsten Modus zuschalten, können Sie also auch an einem steilen Anstieg theoretisch noch relativ problemlos bis zu 25 Stundenkilometer schnell fahren.

Im Vergleich zu Radlern ohne Motor sind Sie damit quasi in einer anderen Dimension unterwegs – diese fahren dort je nach Steigung eher etwa 10 Stundenkilometer schnell.

Natürlich benötigt der Motor für die Unterstützung bergauf aber viel Energie und der Akku entleert sich sehr viel schneller, als wenn Sie in der Ebene radeln. Bei leerem Akku ist das deutlich höhere Gewicht des E-Bikes bergauf ein buchstäblich schwerwiegender Nachteil.

Sehr gute Gründe für eine Radreise

Für Radreisen gibt es gute Gründe – emotionale, aber auch ganz rationale. Der ADFC ermittelte in seiner Umfrage auch die Motive, warum Menschen eine Radreise antreten. Die fünf meistgenannten Gründe waren:

MEHR VON LAND UND LEUTEN

sehen und erfahren

AKTIV SEIN

im Urlaub

STRECKEN ERKUNDEN,

die nur mit dem Fahrrad erreichbar sind

KLIMA- UND UMWELTFREUNDLICHES

Reisen

ETWAS FÜRS WOHLBEFINDEN

und die eigene Gesundheit tun

Natur und Kultur anders erleben

Das meistgenannte Motiv ist auch der vielleicht größte Vorteil gegenüber anderen Reisearten: Radfahren lässt Sie Ihre Umwelt auf eine ganz besondere Art erleben. Entscheidend ist dabei das Tempo beim Radeln: Sie sind einerseits schnell genug, um am Abend in einer ganz anderen Umgebung anzukommen als noch am Morgen.

Andererseits sind Sie aber langsam genug, um die Welt am Wegesrand intensiv wahrzunehmen – jeden blühenden Baum, jeden kreisenden Vogel und jedes hübsche Straßencafé. Mit dem Fahrrad durchfahren Sie innerhalb weniger Tage ganze Regionen und erleben, wie Landschaften und Naturformen sich verändern und ineinander übergehen.

Es ist, wie Hemingway sagte: Sie „erarbeiten“ sich Landschaften und bekommen dadurch ein Gefühl für Entfernungen und Höhenunterschiede. Mit dem Auto wären Sie über einen Hügel einfach hinübergerollt und hätten ihn vielleicht gar nicht richtig wahrgenommen.

Gut für die körperliche Fitness

Radfahren ist in vielerlei Hinsicht gut für die Gesundheit. Besonders groß und nachhaltig sind die Effekte auf das Herz-Kreislauf-System. Regelmäßiges Radfahren lässt das Herz wachsen und leistungsfähiger werden. Das heißt: Pro Herzschlag gelangt mehr Blut in den Körper. Dadurch sinkt auch der Blutdruck, und die Muskeln werden besser mit Sauerstoff versorgt. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sinkt. Studien zeigen, dass regelmäßiges Radeln die Lebensdauer verlängern kann. Auch das Immunsystem profitiert: Wenn der Körper fast den ganzen Tag draußen ist, muss er sich immer wieder an veränderte Bedingungen anpassen. Sonnenlicht bewirkt zudem die Bildung von Vitamin D, was die Widerstandskräfte stärkt.

Und wie sieht es beim Radeln mit dem E-Bike aus? Auch E-Bike-Fahren trainiert die Ausdauer. Je nach eingestelltem Fahrmodus ist die Intensität mehr oder weniger hoch – die niedrigste Unterstützungsstufe (Eco-Modus) fordert den Körper am meisten. Zudem ist es möglich, den Motor auf flacher Strecke auch einmal auszustellen. Mehr zu diesem Thema und zu den verschiedenen Fahrmodi erfahren Sie in „Welche Fahrweise?“ ab Seite 25.

Und: Das E-Bike bringt viele Menschen aufs Rad, die zuvor wenig Ausdauertraining betrieben haben – der Effekt ist dann besonders groß. Und es erlaubt älteren Menschen oder solchen mit körperlichen Einschränkungen, aktiv zu bleiben. E-Bike-Fahren gewährt einen leichten Einstieg ohne die Gefahr einer Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems oder der Gelenke.

Die Muskulatur wird durch regelmäßiges Radfahren insgesamt leistungsfähiger und vor allem ausdauernder. Besonders beansprucht werden die Bein- und Gesäßmuskeln, doch auch die Rumpfmuskulatur und die Arme sind beim Radeln gefordert. Darüber hinaus kann Radfahren wirkungsvoll helfen, ungesundes Übergewicht zu reduzieren. Da Sie während einer Radtour oft viele Stunden unterwegs sind, kann ein beträchtlicher Kalorienverbrauch zustande kommen. Beim Radfahren mit dem E-Bike verbrennen Sie im Eco-Modus im Durchschnitt ungefähr 300 Kilokalorien pro Stunde – bei hoher Unterstützungsstufe entsprechend weniger.

Die Route 1291 in der Schweiz ist speziell für E-Bikes ausgelegt. Sie startet in Luzern und führt unter anderem spektakulär entlang des Vierwaldstättersees.

Gut für die Psyche

Radfahren kann glücklich machen – das ist auch wissenschaftlich bewiesen. Die Effekte auf die Psyche sind vielfältig: Die vielen Eindrücke und das bewusste Wahrnehmen von Landschaft und Wetterwirken stressreduzierend – und die gleichmäßige Bewegung entspannend. Beim Radfahren ist das Hirn zwar durchaus gefordert, schließlich müssen Sie auf die Route und den Verkehr achten. Gleichzeitig wird es aber auch nicht überfordert – alle Abläufe sind routiniert. Genau diese leichte Beanspruchung kann helfen, einen klaren Kopf zu bekommen. Viele Menschen können beim Radfahren auch besonders gut nachdenken und kommen auf gute Ideen.

Viele Radreisende berichten, dass sie beim Radeln schon einmal einen regelrechten Glücksrausch erlebt haben. Der Körper schüttet bei anhaltender Bewegung spezielle Botenstoffe wie Endorphine und Serotonin aus, die für solche Gefühle sorgen können. Endorphine können auch depressive Verstimmungen lindern. Das Gute: Das Hochgefühl kann nach der Aktivität noch mehrere Stunden anhalten. Hinzu kommt das Freiheitsgefühl beim Rollen an der frischen Luft. Wer gemeinsam radelt, kann dazu auch noch Gruppenerlebnisse teilen – auch das tut der Psyche gut.

Gut für den Geldbeutel?

Und finanziell gesehen? Ist eine Radreise teuer oder günstig? Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt darauf an. Eine Radreise kann eine vergleichsweise günstige Form des Urlaubs sein. Wenn Sie etwa im eigenen Land bleiben, auf Campingplätzen übernachten und sich selbst Stullen für unterwegs schmieren, schonen Sie den Geldbeutel. Wer in gehobeneren Hotels und Restaurants einkehrt, zahlt natürlich mehr. Wer zu zweit radelt und sich Doppelzimmer teilt, kann einiges sparen. Und eine gebuchte Reise mit Guide ist natürlich teurer, als wenn Sie alles selbst planen.

Der größte Posten wird das Fahrrad an sich sein. Aber vielleicht besitzen Sie ja ohnehin schon ein E-Bike und möchten es nicht nur im Alltag, sondern auch für eine Radreise nutzen. Wer erst einmal ins Radreisen „hineinschnuppern“ möchte, könnte Räder und Ausrüstung mieten. Immer mehr Anbieter verleihen auch hochwertige E-Bikes (siehe „Kaufen, Leihen oder Leasen“ ab Seite 62).

Los geht‘s!

Sollten Sie von Grund auf neugierig sein, wirklich etwas erleben möchten – auch mal Unvorhergesehenes – und später noch wochenlang von den vielen Eindrücken zehren wollen, dann steigen Sie aufs Rad! Wen die Begeisterung fürs Radreisen einmal gepackt hat, den lässt sie oft ein Leben lang nicht mehr los.

Sie können es kaum erwarten, selbst loszuradeln? Super! Einen kleinen Nachteil gibt es allerdings: Eine Radreise benötigt in der Regel mehr Planung und Vorbereitung als andere Urlaube – und das E-Bike stellt unterwegs einige besondere Anforderungen.

Klar: Sie benötigen ein Fahrrad (siehe Seite 62) und müssen es vielleicht zum Ferienort transportieren (siehe Seite 108). Auch sollten Sie sich mit der Technik von Motor, Akku und Bordsoftware auseinandersetzen (siehe Seite 34) – und mit dem Thema Reichweite und den Lademöglichkeiten unterwegs (siehe Seite 36 und 158).

Sie sollten sich Gedanken über die Ausrüstung (siehe Seite 80), die Verpflegung für unterwegs (siehe Seite 168) und die Routenplanung (siehe Seite 115) machen sowie über die Navigation (siehe Seite 154) machen.

Für viele Radreisende zählen diese Schritte und die damit verbundene Vorfreude auf den nächsten Trip schon beinahe mit zum Urlaubserlebnis dazu. In diesem Buch erfahren Sie alle wichtigen Tipps. Im abschließenden Kapitel „Attraktive Reiseziele und Routen“ (siehe Seite 177) geht es dann um konkrete Routenvorschläge in Deutschland und Europa.

Bevor es damit losgeht, sollten aber noch ein paar grundsätzlichere Überlegungen anstehen – denn Radreise ist nicht gleich Radreise und die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt: Sie können flach am Fluss- oder Seeufer entlangradeln – oder die steilsten Alpenpässe erklimmen, den ganzen Tag durchradeln oder an jedem schönen Picknickplatz und jeder Eisdiele stoppen. Und Sie können sich akribisch in die Reiseplanung stürzen – oder eine fertige Reise mit nur einem Mausklick buchen. Was zu einem selbst passt, ist manchmal gar nicht so leicht herauszufinden. Eine Hilfestellung bieten die nachfolgenden Kapitel.

GESCHICHTE DES RADREISENS

Urlaub mit dem Fahrrad boomt – das war aber nicht immer so. Regionen stellen sich mit modernen Routen- und Tourismuskonzepten neu auf.

Dass das Auto eine deutsche Erfindung ist, weiß fast jeder – 1886 meldete Carl Benz sein Patent für den ersten Personenkraftwagen mit Verbrennungsmotor an. Doch auch das Fahrrad stammt (zumindest in seiner Urform) aus Deutschland – und ist noch einmal fast 70 Jahre älter als das Automobil. 1817 entwickelte der Forstbeamte und Erfinder Karl Drais in Mannheim ein zweirädriges Gefährt, die sogenannte Laufmaschine oder Draisine. Das Ur-Fahrrad besaß noch keine Kette und keine Pedale – man musste sich mit den Füßen vom Boden abstoßen, um das Fahrzeug in Bewegung zu setzen. Doch Drais erreichte schon auf seiner allerersten Radtour, über die das Baden-Badener „Badwochenblatt“ am 29. Juli 1817 berichtete, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin 14 Stundenkilometern – und reiste noch im selben Jahr mit seiner Erfindung in etwa 20 Tagen über mehr als 600 Kilometer von Mannheim nach Paris.

Mit der Draisine ging es los

Es war die vielleicht erste richtige Radreise der Geschichte. Dem Ur-Fahrrad war zunächst aber kein bleibender Erfolg beschert – Drais‘ Zeitgenossen blieben dem neuen Gefährt gegenüber skeptisch. Das änderte sich erst einige Jahrzehnte und einige technische Weiterentwicklungen später. Es entstanden erste Fahrräder mit Pedalen. Beliebt war das sogenannte Hochrad mit einem riesigen Vorderrad. Im Bürgertum galt es als mutig und hoch angesehen, auf einem Hochrad unterwegs zu sein. Es entstanden erste Fahrradclubs, deren Mitglieder sich zu gemeinsamen Ausfahrten verabredeten. Der erste Fahrradclub der Welt entstand 1869 in Hamburg – er existiert noch heute. Der Brite Thomas Stevens radelte mit einem Hochrad in den 1880er Jahren sogar um die ganze Welt und wurde damit berühmt.

Um 1885 entstanden dann die ersten Räder mit Kette, die dem heutigen Fahrrad schon sehr ähnlich sehen. Ab den 1890er Jahren kam es in vielen Ländern zu einem ersten echten Fahrradboom. Die Erfindung des luftgefüllten Reifens verbesserte den Fahrkomfort weiter. Die Menschen radelten nicht nur zur Arbeit, sondern unternahmen gemeinsame Ausflüge und besuchten sich gegenseitig. Gerade Frauen ermöglichte das Rad eine neue Form der Mobilität und Freizeitgestaltung. Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden erste Karten, die auch wichtige Fahrradverbindungen zwischen Ortschaften verzeichnet hatten.

Radtouren blieben auch in den 1920er und 1930er Jahren eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Während des Zweiten Weltkriegs war an Fahrradtourismus dann aber nicht zu denken. Auch nach dem Krieg hatte das Fahrrad einen eher schweren Stand. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts setzte in westlichen Ländern eine „Massenmotorisierung“ ein: Autos wurden für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich und für viele Familien zu einem wichtigen Statussymbol. Städte wurden autofreundlich umgestaltet. Auch im Urlaub spielte das Auto eine wichtige Rolle.

REISE-INFO

Aus Sicht der Regionen kann der Fahrradtourismus dazu beitragen, die touristische Saison zu verlängern. Schließlich sind Radreisen gerade in der Nebensaison sehr beliebt, also bei milden Temperaturen im Frühjahr und Herbst. In bergigen Regionen bildet der Radtourismus ein wichtiges Gegengewicht zum winterlichen Skitourismus. Das gilt umso mehr, wenn aufgrund des Klimawandels die Wintersaison immer kürzer wird. Viele Skigebiete schaffen schon heute radtouristische Angebote wie Downhill-Strecken für Mountainbikes. Im Skigebiet Trois Vallées in den französischen Alpen soll eine Radroute über mehrere Passstraßen entstehen, die nur für den Radverkehr geschaffen und freigegeben sind. Mit dem Col de la Loze wurde 2019 der erste Passübergang fertiggestellt – 2020, 2023 und 2025 führte eine Etappe der Tour de France dort hinauf.

Neues Bewusstsein fürs Fahrrad

Erst ab den 1970er und vor allem den 1980er Jahren gewann der Fahrradtourismus wieder stärker an Bedeutung. Gründe waren auch das wachsende Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein in Politik und Gesellschaft. Überdies spielten die Ölkrisen der 1970er Jahre eine Rolle – sie verteuerten das Autofahren. In vielen europäischen Ländern wurden neue Radrouten geschaffen, ein großer Teil der noch heute populärsten Radfernwege entstand ursprünglich in den 1980er Jahren. Die Erfindung des Mountainbikes brachte dem Fahrradtourismus weiteren Zulauf. In den 1990er Jahren entstanden zunehmend auch grenzüberschreitende Routen unter Federführung der European Cyclists‘ Federation (ECF), dem Dachverband europäischer Radverkehrsorganisationen. Besonders beliebt waren und sind steigungsarme Routen entlang von Flüssen.

Im 21. Jahrhundert boomt das Fahrrad und das Radreisen erneut. Radfahren steht für einen modernen, aktiven Lifestyle und ist für viele Menschen fester Bestandteil eines erfüllten und erholsamen Urlaubs. Und das E-Bike bringt viele Menschen neu aufs Rad. Die ersten Patente für elektrounterstützte Fahrräder gab es bereits im 19. Jahrhundert. Erst ab den 2010er-Jahren erlebten E-Bikes aber dank leistungsfähigerer, leichterer und im Preis gesunkener Lithium-Akkus ihren Durchbruch auf dem Massenmarkt. Auch beim Radreisen haben sie voll eingeschlagen. Neue digitale Tools wie Routenplanungs-Apps erleichtern zudem die Vorbereitung einer Radreise.

Radreisende suchen besondere Landschaften und spannende Routen. Touristische Regionen profitieren von neuen Einnahmen.

Neue Konzepte für den Radtourismus

Heute gibt es in Deutschland ein Netz an ausgeschilderten Radfernwegen, das sich über fast 100 000 Kilometer erstreckt. Weiterhin entstehen neue Routen – etwa steigungsarme Radwege auf stillgelegten Bahntrassen. Viele Reiseveranstalter haben sich auf den Fahrradtourismus spezialisiert und bieten zum Beispiel auch kombinierte Rad- und Schiffsreisen an (siehe „Individuell Planen oder beim Veranstalter buchen?“ ab Seite 19).

Für touristische Regionen sind Radurlauberinnen und -urlauber zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden, auch weil der Radtourismus ganz unterschiedliche Zielgruppen und Generationen anspricht. Die Regionen schaffen Routen, Verleihstationen und Lademöglichkeiten, fördern fahrradfreundliche Unterkünfte sowie die Fahrradmitnahme im öffentlichen Nahverkehr – und werben mit ihren Radurlaubskonzepten auf Messen, in Magazinen und Sozialen Netzwerken.

Ziel ist es häufig, bestehende Radrouten miteinander zu verbinden und so ein durchgehendes Radwandernetz mit vielen Kombinationsmöglichkeiten zu schaffen. Davon profitieren dann auch Einheimische im Alltag und der Freizeit. Über allem steht oft das Ziel eines nachhaltigen Tourismus: Radreisende verbringen bewusst ihren Urlaub dort, wo sie besondere Landschaften und eine schützenswerte Natur finden. Wenn Regionen sich den Naturschutz auf die Fahnen schreiben, profitieren sie also auch wirtschaftlich.

WELCHE RADREISE PASST ZU MIR?

Wo liegt der Unterschied zwischen einer Radtour und einer richtigen Radreise? Wir erklären, wie Sie eine solche Reise konzipieren und worauf es dabei ankommt.

Klar ist: Je länger Sie unterwegs sind, desto mehr gilt es natürlich hinsichtlich Routenplanung und Vorbereitung zu bedenken. Viele Tipps und Methoden aus diesem Buch helfen Ihnen aber ebenso, sich auf einen kürzeren Trip oder eine Tagestour vorzubereiten.

Zu einer richtigen Radreise gehören aber Übernachtungen. Eine Grundsatzfrage stellt sich dabei immer: Möchten Sie Ihr Domizil an einem festen Ort aufschlagen und von dort aus verschiedene Radtouren unternehmen? Diese Reiseart nennt man auch Sterntour oder Standorttour. Oder möchten Sie mit dem Rad von Ort zu Ort reisen und täglich woanders übernachten, also eine sogenannte Streckentour oder Etappentour unternehmen?

REISE-INFO

Einen Kurztrip mit einer Übernachtung bezeichnet man in der Radreiseszene auch als „Overnighter“. Typischerweise fährt man dabei am ersten Tag zum Ort der Übernachtung und am zweiten Tag dieselbe Route wieder zurück zum Ausgangsort. Solche auch als „Mikroabenteuer“ bezeichneten Trips lassen sich gut vom eigenen Wohnort aus unternehmen und bieten etwa am Wochenende einen zweitägigen Mini-Urlaub und eine Auszeit vom Alltag.

Die Stern- oder Standorttour

Bei einer Sterntour unternehmen Sie von einem festen Domizil aus mehrere Tages-Radtouren, die sternförmig in verschiedene Richtungen führen. Sie verbringen also beispielsweise eine Woche im selben Hotel, in einer Ferienwohnung oder auf einem Campingplatz. Der große Vorteil: Abgesehen vom Proviant für den Tag benötigen Sie auf Ihren Touren kein Gepäck. Zudem sind Sie deutlich flexibler: Wenn es den ganzen Tag regnet oder Sie sich eines Morgens nicht fit fühlen, können Sie einfach aufs Radeln verzichten und sich ein Alternativprogramm überlegen. Auch können Sie sich in einer Gruppe flexibel aufteilen und unterschiedliche Streckenprofile abfahren. Im Vorfeld brauchen Sie nur eine einzige Unterkunft zu buchen.

Auf den Tagestouren entfernen Sie sich in der Regel nicht allzu weit vom Ausgangsort – schließlich wollen Sie bis zum Abend dorthin zurückkehren. Dennoch – oder gerade deshalb – kann ein solcher Sterntour-Urlaub sehr spannend sein: Er bietet eine tolle Möglichkeit, eine Region nach und nach in allen Himmelsrichtungen intensiv kennenzulernen.

Nach einer Woche Radeln fühlen Sie sich dann schon beinahe wie zu Hause. Vielleicht möchten Sie eine Lieblingsregion neu erkunden, die Sie bisher nur ohne Fahrrad bereist haben. Oder Sie reizt ein noch unbekannter Landstrich.

Die Strecken- oder Etappentour

Eine Streckentour besteht aus mehreren Tagen und Etappen mit jeweils wechselnden Unterkünften. Häufig ist die Route so aufgebaut, dass man sich über mehrere Tage hinweg grob in dieselbe Richtung bewegt – und sich somit Tag für Tag weiter vom Ausgangsort entfernt. Alternativ lässt sich eine Streckentour auch „im Kreis“ fahren – Radreisende kommen dann nach mehreren Tagesetappen wieder am Ausgangsort an.

Viele der beliebtesten Radfernwege in Deutschland eignen sich ideal für Streckentouren. Sie führen oft mehrere Hundert Kilometer quer durchs Land oder sogar über Landesgrenzen hinweg. Sie folgen dem Verlauf von Flüssen, Kanälen oder Meeresküsten, umrunden Seen oder überqueren Mittel- und Hochgebirge. Nicht selten folgen Sie auch ehemaligen Bahnstrecken, die, inzwischen stillgelegt, perfekte Blaupausen für reizvolle Fahrradrouten bilden.

Wer viele Tage, mehrere Wochen oder – für die allerlängsten Radfernwege – sogar Monate Zeit erübrigen kann, der hat die Möglichkeit, eine gesamte Strecke vom offiziellen Start- bis zum Zielort zu fahren. Weitaus üblicher ist es aber, sich einen Abschnitt herauszupicken, der vielleicht landschaftlich oder kulturell besonders interessant ist und dessen Start- und Zielpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind.

REISE-INFO

Einige Regionen sind landschaftlich besonders vielseitig – so können Sie an einem Tag in der Ebene radeln, am nächsten Tag kleinere Hügel befahren und am übernächsten eine Passstraße erklimmen. Ein Beispiel ist die Region um Freiburg im Breisgau mit der flachen Rheinebene, den hügeligen Weinlagen von Kaiserstuhl und Breisgau und den Bergen des Schwarzwalds. Viele verschiedene Ziele für Tagestouren bieten auch die mecklenburgische Seenplatte oder das Ruhrgebiet mit vielen Industriedenkmälern (siehe „Attraktive Reiseziele und Routen“ ab Seite 177).

Das ist bei nicht kreisförmigen Streckentouren besonders wichtig: Selbst wenn Sie zum Startort noch mit dem Auto und einem entsprechenden Fahrradträger anreisen, müssen Sie schließlich nach der beendeten Tour wieder dorthin zurückgelangen. Leider ist die Fahrradmitnahme in Bus und Bahn nicht immer ganz einfach und kann, abhängig von der Reiseregion, einige Vorplanung erfordern (siehe „An- und Abreise“ ab Seite 108).

Größerer Abenteuerfaktor

Viele Radreisende schwören auf Streckentouren – wohl auch wegen des größeren Abenteuerfaktors gegenüber einer Sterntour. Es geht um das Gefühl, „on the road“ zu sein, jeden Tag neue Orte kennenzulernen und Eindrücke zu sammeln. Manche Fahrradurlauber konzipieren eine Streckentour so, dass am Ende ein besonders tolles Ziel steht: zum Beispiel die Ankunft am Meer mit der Aussicht, nach all der Strampelei in die Wellen zu springen. Oder eine pulsierende Stadt, in der Sie dann nach der Radreise noch einige Tage verbringen und zum Beispiel ein Konzert besuchen können. Oder die Ankunft bei Familie beziehungsweise Freunden.

REISE-INFO

Eine Streckentour mit unterschiedlichem Start- und Zielort lässt sich naturgemäß in zwei Richtungen fahren. Die gewählte Richtung kann dabei einen großen Unterschied machen. Zum einen sollten Sie sich die Höhendifferenz und das Höhenprofil genau ansehen, zum anderen auf die typischen Windverhältnisse der Region achten. In der Regel gibt es eine Hauptwindrichtung, aus der der Wind die meisten Tage im Jahr bläst. Achten Sie also möglichst darauf, diesen die meiste Zeit im Rücken zu haben. In windreichen Regionen ist das besonders wichtig – etwa an der deutschen Nordseeküste, wo der Wind typischerweise von Westen kommt. Mit dem E-Bike können Sie Steigungen und Gegenwind zwar leichter bewältigen als mit einem normalen Fahrrad – der Motor muss aber deutlich mehr leisten, was den Akku entsprechend schneller entlädt.

Jede Streckentour hat ihre Geschichte und ihre Geschichten. Manchmal, auch das gehört zu Radreisen dazu, kommt es dann ganz anders als geplant – weil das Wetter nicht mitspielt, das Material Probleme macht oder man sich spontan für eine Routenabweichung entscheidet. Genau diese Unvorhersehbarkeit macht den Reiz einer Streckentour mit aus.

Planerisch ist der Aufwand größer als bei einer Sterntour. Klar: Sie benötigen jeden Tag eine neue Unterkunft. Auch wenn Sie sich auf die einzelnen Etappen im Vorfeld nicht exakt festlegen möchten, sollten Sie zumindest grob die Route planen – und gegebenenfalls mit entsprechenden Apps tracken (siehe „Routenplanung“ ab Seite 115). Wenn Sie auf offiziellen Radfernwegen unterwegs sind, ist der Aufwand kleiner. Meist sind hier schon passende Tagesetappen vorgeschlagen. In den Etappenorten gibt es dann in der Regel ein gutes Angebot an fahrradfreundlichen Unterkünften – die aber natürlich mitunter ausgebucht sein können (siehe „Übernachtungen“ ab Seite 124).

Eine entscheidende Rolle bei einer Streckentour spielen das Gepäck und die entsprechenden Taschen am Rad. Da Ihnen kein Basislager wie bei einer Sterntour zur Verfügung steht, muss immer alles mit – und das clevere Packen gehört zur Reiseplanung dazu. Wer unterwegs im Zelt übernachten möchte, muss besonders intelligent packen. Auf beliebten Routen gibt es aber manchmal Möglichkeiten, Gepäcktransporte zu buchen (siehe „Clever packen“ ab Seite 150).

Kurze Streckenabschnitte auf verkehrsreichen Straßen lassen sich auf einer Radreise manchmal nicht vermeiden.

Etappentour als Rundweg

Einige Radfernwege sind als Rundwege konzipiert. Manche umrunden einen See, wie etwa der beliebte Bodensee-Radweg, der auf mehr als 250 Kilometern durch Deutschland, Österreich und die Schweiz führt. Oder sie erkunden eine bestimmte Region und haben thematische, kulturelle Schwerpunkte – zum Beispiel der 160 Kilometer lange Berliner Mauerweg.

Ein Vorteil ist die vereinfachte An- und Abreise durch den identischen Start- und Zielort. Zudem lassen sich Rundwege nicht selten leicht abkürzen, wenn Sie dann doch weniger fahren möchten oder das Wetter gerade nicht mitspielt.

Eine besondere Form der Rundtour ist die „Achterschleife“: Dabei fahren Sie zwei verschiedene, etwa gleich große Schleifen von einem mittig gelegenen Start- und Zielort aus, kehren also zwischendurch noch einmal dorthin zurück. Das hat den Vorteil, dass Sie einen Teil des Gepäcks dort zwischenlagern können und weniger mitschleppen müssen.

Kurztrip oder Langzeitreise?

Wenige Tage, eine Woche oder einen Monat: Wie viel Zeit Sie sich zum Radeln nehmen möchten, hängt nicht nur von Ihrem persönlichen Terminkalender ab. Für den Einstieg sollten Sie darauf achten, sich nicht zu übernehmen.

Laut Analyse des ADFC umfasste eine Radreise (Reise mit Hauptmotiv Radfahren mit mindestens drei Übernachtungen) 2023 im Schnitt etwas mehr als sieben Übernachtungen. Eine Dauer von etwa einer Woche hat sich für viele Radreisende bewährt: Es ist lang genug, um aus dem Alltag auszubrechen und viele neue Eindrücke zu sammeln. Aber auch nicht so lang, dass man – insbesondere als Radreiseneuling – irgendwann doch die Lust verliert oder vermehrte Wehwehchen im Rücken, Knie oder sonst wo am Körper auftreten. Vielleicht möchten Sie auch nicht noch mehr Urlaubstage investieren, gerade wenn der Rest der Familie andere Prioritäten als Radreisen setzt.

Die ganz große Reise?

Anders sieht es aus, wenn Sie pensioniert sind – oder ein berufliches Sabbatical einlegen und Ihnen mehrere Wochen oder Monate zur Verfügung stehen. Vielleicht sind Sie auch schon fortgeschrittene Radreisende und brennen nun besonders darauf, ein großes Abenteuer anzugehen? Vielleicht möchten Sie einen Radfernweg nicht nur abschnittsweise erradeln, sondern komplett von Anfang bis Ende?

Durch Deutschland führt zum Beispiel einer der längsten Radfernwege der Welt, der Nordseeküsten-Radweg. Auf etwa 7000 Kilometern können Sie die Nordsee mit dem Rad beinahe komplett umrunden – gelegentlich besteigen Sie mir Ihrem Rad dazu eine Fähre (siehe Seite 118). Oder Sie nehmen den Donauradweg in Angriff, der an der Donauquelle am Rande des Schwarzwalds seinen Ausgangspunkt hat und nach 2850 Kilometern und acht Ländern an der Mündung des Flusses ins Schwarze Meer in Rumänien seinen Endpunkt findet (siehe Seite 194).

Je länger die Tour, desto wichtiger ist eine gründliche Vorbereitung. Sind Sie länger unterwegs, sollten Sie Fahrrad und Ausrüstung vorher auf kleineren Touren auf Herz und Nieren testen. Ob Sie mit dem Härtegrad eines Sattels oder mit der Navigationsanzeige eines neuen Fahrradcomputers zurechtkommen, zeigt sich nicht im Onlineshop oder Ladengeschäft, sondern erst unterwegs.

Pausentage sind wichtig

Unbedingt sollten Sie auf einer längeren Tour Pausentage einplanen, an denen Sie das Fahrrad stehen lassen – bei einer Streckentour also auch mal mindestens für zwei Übernachtungen an einem Ort bleiben.

Das ist nicht nur wichtig, um Muskeln und Sitzfleisch zwischendurch zu entlasten. Vor allem mental werden Sie sich über die Auszeiten freuen. Auch auf der tollsten Radreise werden Sie bisweilen morgens auch einmal aufwachen und keine Lust haben, wieder den ganzen Tag im Sattel zu sitzen. Auf eine bevorstehende Ruhephase kann man sich dann schon Tage vorher freuen – das setzt ungeahnte Kräfte frei, wenn es zwischendurch mühsam werden sollte. Bei der Routen- und Unterkunftsplanung bietet es sich an, Pausentage an besonders reizvollen Orten einzustreuen, etwa an einem Badesee oder in einer spannenden Stadt.

Der Vorteil einer längeren Reise: Die oft etwas mühselige Anreise samt Fahrradtransport lohnt den Aufwand mehr, als wenn Sie nur wenige Tage radeln. Dennoch ist es als Neuling sinnvoller, sich zu Beginn nicht zu übernehmen.

Das gilt ganz besonders für den Fall, wenn Kinder mitfahren (siehe „Radreisen mit Kindern“ ab Seite 137).

INDIVIDUELL PLANEN ODER BEIM VERANSTALTER BUCHEN?

Sie können jedes Detail der Reise selbst planen – oder vorgefertigte Reisen von Veranstaltern buchen. Dies wirkt sich auch auf Ihre Begleitung aus. Radeln Sie am liebsten allein oder als Paar? Oder soll es eine Gruppe sein?

Welche Vorteile hat auf der einen Seite die individuelle Recherche, das vielleicht wochenlange Brüten und das tolle Gefühl, die ganz eigene Route gefunden zu haben – nur mit den Personen, die Sie kennen?

Und welche Vorteile haben auf der anderen Seite gebuchte Pakete, die von erfahrenen Reiseveranstaltern mit Expertise in Sachen Sehenswürdigkeiten, Fitnesslevel und Budgetplanung geschnürt wurden? In Gruppen lernt man Gleichgesinnte kennen und kann sich austauschen über die Strecke und die Erfahrung. Aber es ist nicht jedermanns Sache. Wir sagen Ihnen, auf welche Kriterien Sie bei der Buchung achten sollten.

Selbst planen oder buchen?

Eine Radreise eigenständig zu planen, bedeutet immer einen gewissen Aufwand. Wer sich nicht um Routen, Unterkünfte und Proviant kümmern möchte, kann etwas tiefer in die Tasche greifen und eine Reise vom Veranstalter buchen – nur radeln müssen Sie dann noch selbst. Auch die Anreise zum Startpunkt erfolgt in der Regel individuell.

Die meisten Anbieter haben sowohl Streckentouren als auch Sterntouren mit festem Quartier im Portfolio. Es gibt Reisen für unterschiedliche Fahrradtypen und sportliche Niveaus – und spezielle Reisen für Familien mit Kindern. Hier liegt der Fokus auf besonders familienfreundlichen Radwegen und Unterkünften sowie attraktiven Pausenmöglichkeiten.

Individuell oder mit Guide

Es gibt zwei Varianten einer gebuchten Radreise: Der häufigere Fall ist die individuelle Radreise. Der Veranstalter bucht hier zwar die Unterkünfte, plant die Routen für jeden Tag und transportiert meist auch das Gepäck – bei einer Streckentour wartet dieses dann abends schon im nächsten Hotel. Während der Tagesetappen radeln Sie aber ohne Begleitung des Veranstalters. Sie können sich die Strecke also selbst einteilen und spontane Stopps einlegen, manchmal gibt es auch verschiedene Routenvorschläge zwischen zwei Orten. Vom Veranstalter erhalten Sie im Vorfeld Karten und weiteres Infomaterial zur Route, etwa zu Sehenswürdigkeiten und Restaurants. Oft wird auch ein GPS-Track zur Verfügung gestellt.

Bei einer (teureren) geführten Radreise radeln Sie dagegen in einer Gruppe mit anderen Reisenden und einem Guide. Die Guides kennen alle Details der Route – und können unterwegs etwa bei Defekten direkt helfen. Und führen Sie vielleicht an Orte und über Geheimtipp-Radwege, die Sie selbst nie gefunden hätten. Bei einigen Anbietern besuchen Sie als Gruppe gemeinsam Sehenswürdigkeiten. Solche geführten Touren können ganz gemütlich, aber auch sehr sportlich sein – etwa in einem Trainingslager für ambitionierte Radsportlerinnen und Radsportler. Häufig gibt es auch ein Begleitfahrzeug, das etwa Proviant und Werkzeug mitführt.

Geführte Touren können besonders entspannt sein, bieten aber auch weniger Raum für individuelle Wünsche. Zudem kennen Sie die Mitradelnden vorher nicht. Bei einigen Anbietern kann man aber auch als zusammengehörige Gruppe gemeinsam eine geführte Reise buchen.

Sind Sie der Typ für eine gebuchte Reise?

Eine gebuchte Radreise hat vor allem bei einer mehrtägigen Streckentour große Vorteile: Sie haben nicht nur wenig Planungsaufwand, sondern müssen unterwegs auch viel weniger Gepäck transportieren. Sie benötigen nur leichtes Gepäck für den Tag – und können jeden Tag aufs Neue entscheiden, welche Gepäckstücke Sie abgeben. Zudem bieten die Anbieter in der Regel gut gewartete E-Bikes zur Leihe an. Das ist praktisch, wenn Sie kein passendes Rad besitzen oder sich den oft mühsamen Transport sparen wollen. Bei einem Defekt erhalten Sie meist schnelle Unterstützung und im Notfall ein Ersatzrad. Teilweise sind auch Tickets für Attraktionen oder Verkehrsmittel wie Schiffe schon mit integriert.

REISE-INFO

Bei einigen Radreiseanbietern können Sie für bestimmte Routen (oft entlang beliebter Radfernwege) den Gepäcktransport separat buchen. Sie organisieren die Reise dann selbst und nutzen lediglich den Gepäckservice.

Auf der anderen Seite wird eine gebuchte Reise in der Regel teurer sein als eine selbst geplante. Auch der Abenteuerfaktor ist etwas kleiner, wenn Sie sich ins gemachte Nest setzen. Die Flexibilität ist schließlich begrenzt. Es kommt darauf an, wie viel Spaß Sie am Planen und Austüfteln von Routen haben – und wie viel Zeit Sie dafür investieren möchten. Führt die gebuchte Tour entlang eines beliebten, offiziellen Radfernweges, könnten Sie die Reise vielleicht mit relativ wenig Aufwand auch selbst planen.

Größer kann der Mehrwert sein, wenn es in weniger erschlossene Regionen geht. Vielleicht kann eine gebuchte Reise ein bequemer Einstieg in die Welt des Radreisens sein. Sie können sich ganz aufs Radeln konzentrieren – und merken schnell, ob es Ihnen überhaupt Spaß macht.

Radreisen finden

Im deutschsprachigen Raum gibt es eine große Auswahl an spezialisierten Radreiseanbietern. Informationen zu den Reisen finden Sie auf den Webseiten der Anbieter sowie in deren Katalogen.

Der ADFC hat online eine Auswahl an Reisen verschiedener Anbieter zusammengestellt (adfc-radtourismus.de). Einen großen Überblick gibt es auf dem Portal Fahr radreisen.de, das mit mehr als 130 Veranstaltern zusammenarbeitet. Die folgende Liste zählt einige etablierte Anbieter auf. Diese bieten Reisen in verschiedenen europäischen Ländern und teilweise auch weltweit an.

Fähren überbrücken Seen, Flüsse und ganze Meere. Innerhalb einiger Radfernwege sind sie fester Bestandteil der Route.

Übersicht

DEUTSCHLAND:

Velotours, Radweg-Reisen, Rückenwind Reisen, Wikinger Reisen, Augustus Tours, Biketeam Radreisen, Terranova, Velociped Fahrradreisen, Bikealpin (Fokus auf Mountainbikes), Fahrtwind Sportreisen (Fokus auf Mountainbikes)

ÖSTERREICH:

Eurobike, Pedalo, ASI Reisen

SCHWEIZ:

Eurotrek

Kriterien bei der Buchung

Wenn Sie verschiedene Veranstalter vergleichen, sollten Sie sich die angegebenen Leistungen genau anschauen. Welche Services sind bereits inklusive, welche bedeuten einen Aufpreis? Prüfen Sie, wie der Gepäcktransport geregelt und wie der Pannenservice organisiert ist. Welche Leihräder sind verfügbar und wie lassen sich diese individuell anpassen? Sind die Räder gegen Diebstahl versichert? Gibt es bei einer Streckentour am Ende einen Shuttle-Service zurück zum Ausgangsort? Welche Gebühren fallen bei Rücktritt oder Umbuchungen an (gegebenenfalls empfiehlt sich hier eine Reiserücktrittsversicherung, siehe „Versicherungen“ ab Seite 133). Teilweise können Sie auch zwischen verschiedenen Hotelkategorien wählen.

Auf beliebten Routen wie dem Donauradweg (siehe auch Seite 194) gibt es oft mehrere Anbieter, die recht ähnliche Reisepakete anbieten – so können Sie gut die Preise vergleichen.

Einige Anbieter stellen vor der Buchung nur recht dürftige Informationen zur Route bereit. Achten Sie vor allem auf Infos zur Länge und dem Höhenprofil der Etappen sowie zur Beschaffenheit der Wege – und fragen Sie im Zweifel nach. Wenn Sie Ihr eigenes Rad mitbringen, muss die Akkureichweite und die Reifenwahl zur vorgesehenen Strecke passen. Die Anbieter haben Kundenberater, mit denen Sie individuelle Wünsche besprechen können. Sie könnten zum Beispiel zusätzliche Übernachtungen an interessanten Orten buchen – und dort entweder einen Ruhetag einlegen oder eine weitere Radtour unternehmen.

Rad und Schiff kombinieren

Eine beliebte Form der gebuchten Radreise ist eine Kombireise mit Rad und Schiff. Im Binnenland führen solche Reisen an einem Fluss oder Kanal entlang (siehe „Flussradwege“ ab Seite 192). Die Idee: Ein Schiff begleitet die gesamte Reise – dort hat man eine Kabine gebucht, wo das Gepäck verbleibt. Sie können dann täglich entscheiden, ob Sie die Etappe mit dem Rad zurücklegen oder einen Ruhetag an Bord des Schiffes verbringen.

Das bietet besondere Vorteile, wenn Sie nicht unbedingt jeden Tag radeln, sich dabei aber vorher nicht festlegen möchten. Außerdem kombiniert die Reiseart die Vorteile einer Standorttour mit fester Unterkunft mit dem größeren Abenteuerfaktor einer Streckentour.

Abends liegt das Schiff dann in der Regel am Ufer touristisch interessanter Orte und Städte, die Sie erkunden können. Oft handelt es sich um Flusskreuzfahrtschiffe, die einigen Komfort und Freizeitmöglichkeiten bieten. Es gibt auch Kombireisen an der Küste, etwa an der kroatischen Adria. Einige Touren führen per Motorsegler von Insel zu Insel. Diese können Sie dann radelnd erkunden, noch bevor das Schiff wieder ablegt.

Allein oder gemeinsam?

Mitreisende machen eine Radreise oft erst so richtig schön – doch nicht immer bleiben Konflikte aus. Klären Sie im Vorfeld ab, was Ihnen unterwegs wichtig ist.

Mit wem möchten Sie eine Radreise unternehmen? Vielleicht ist Ihnen von Anfang an klar, dass Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner reisen möchten, mit der ganzen Familie oder mit einer Gruppe von Freunden. Vielleicht möchten Sie aber auch ganz bewusst allein radeln. Oder Sie sind noch auf der Suche nach Mitreisenden für einen bestimmten Zeitraum. Und vielleicht wissen Sie noch nicht genau, in welcher Konstellation Sie aufbrechen wollen.

Die wichtigsten Eckpunkte klären

Nehmen Sie sich die Zeit, diese Frage gut zu durchdenken. Denn in jedem Fall wird es großen Einfluss auf die Reise haben, wer mitradelt. Klar: Allein reist es sich anders als zu zweit oder in einer großen Gruppe. Aber auch die individuellen Vorstellungen von einer Radreise werden eine große Rolle spielen. Wer gemeinsam reist, sollte möglichst auch die wichtigsten Eckpunkte gemeinsam planen. Damit es allen Spaß macht, sollten die Vorlieben nicht zu weit auseinander gehen.

Dabei geht es zum einen um das Radfahren an sich: Welche Durchschnittsgeschwindigkeit ist geplant? Wie viele Fahrpausen soll es geben? Wie möchten Sie das E-Bike nutzen? Fahren Sie oft mit höchster Unterstützungsstufe, oder bleibt der Motor auch einmal ganz aus? Wie steht es in etwa um Ihre Fitness?

Auf der anderen Seite geht es um den Urlaub als Ganzes: Wie wichtig sind Ihnen Unternehmungen abseits des Radfahrens, etwa der Besuch von Sehenswürdigkeiten? Wie komfortabel oder anstrengend, wie durchgeplant oder spontan soll es sein? Und wie abenteuerlustig sind die Mitreisenden?

Küstenradwege bieten einen einzigartigen Mix aus Naturerlebnis und Städtetrip (ab Seite 198).

Wer solche Fragen zumindest grob im Vorfeld abspricht, wird später Diskussionen oder gar Streit vermeiden können. Das ist auch dann sinnvoll, wenn man sich ansonsten schon gut kennt. Wenn sich dadurch andererseits schon bei der Planung abzeichnet, dass die Vorstellungen völlig entgegengesetzt sind, dann passt eine Radreise in dieser Konstellation vielleicht einfach nicht.

Checkliste:

WELCHE ETAPPENLÄNGE

und welche Durchschnittsgeschwindigkeit ist etwa geplant – gemütlich oder rasant?

IN WELCHEN FAHRMODI

möchten Sie das E-Bike vor allem nutzen?

WIE VIELE FAHRPAUSEN

soll es geben – und werden diese geplant oder spontan eingelegt?

WIE VIELE UNTERNEHMUNGEN

planen Sie abseits des Radfahrens, wie groß ist das persönliche Interesse an Kultur und Sehenswürdigkeiten?

WIE DURCHGEPLANT

oder abenteuerlich/spontan soll die Reise sein? Möchten Sie vor Ort noch nach Unterkünften suchen – oder stresst Sie der Gedanke?

WIE VIEL ZEIT

möchten Sie abends noch am Zielort einer Etappe verbringen?

Fahrräder mit und ohne Motor kombinieren?

Auf einer gemeinsamen Radreise werden E-Bikes und normale Fahrräder mitunter kombiniert: Die eine Person fährt mit Motorunterstützung, die andere ohne. Das kann dann sinnvoll sein, wenn es große Unterschiede bei der Fitness oder der sportlichen Ambition gibt: Der eine liebt es vielleicht, sich zu verausgaben, der andere radelt lieber gemütlich. Das E-Bike kann dann eine tolle Möglichkeit sein, dennoch gemeinsam auf Reisen zu gehen. Wenn es länger bergauf geht, werden Sie ohne Motor allerdings kaum eine Chance haben, mitzuhalten – zumindest bei einer höheren Unterstützungsstufe.

Sie sollten vor einer längeren Reise schon einmal auf kleineren Touren testen, ob die Konstellation funktioniert. Auch wenn alle Reisenden auf E-Bikes radeln, lassen sich Fitnessunterschiede ausgleichen, indem unterschiedliche Modi gewählt werden (siehe „Welche Fahrweise?“ ab Seite 24).

Gruppenreise – am Ende bleibt es eine Typfrage

Natürlich kann es die Reise bereichern, sie gemeinsam zu erleben. Gemeinsam lange Etappen oder Dauerregen meistern und die Landschaft genießen – all das schweißt zusammen und lässt sich beim gemeinsamen Abendessen verarbeiten. Bei einem möglichen Sturz ist es zudem von Vorteil, wenn direkt eine andere Person da ist und helfen kann. Das gilt vor allem für Routen auf sehr abgelegenen Wegen abseits von Straßen. Finanziell gesehen ist es in der Regel auch günstiger, gemeinsam zu reisen, da man sich einige Kosten teilen kann.

Wer ganz allein fährt, strampelt einsam gegen den Wind und kann erst hinterher von seinen Erlebnissen erzählen. Dafür können Alleinreisende alles selbst entscheiden: Streckenlänge und Tempo, Pausenorte und -zeiten. Und es gibt viel Zeit zum Nachdenken – und vielleicht noch mehr Muße, um die Welt um sich herum wahrzunehmen.

Zudem besteht ja immer die Möglichkeit, unterwegs neue Leute kennenzulernen und vielleicht ein Stück gemeinsam zu radeln. Gerade entlang beliebter Fernradrouten werden Sie in den Unterkünften immer andere Radreisende treffen. Es ist sicher eine Typfrage: Die einen schwören aufs Alleinreisen, die anderen können es sich gar nicht vorstellen. Wieder ganz andere Ansprüche an eine Reise stellen sich, wenn Kinder mitradeln. Darauf geht das Kapitel „Radreisen mit Kindern“ ab Seite 137 ein.

Online nach Mitreisenden suchen

Wenn Sie noch nach Mitreisenden für eine geplante Tour suchen, ist die „Mitradelzentrale“ des ADFC eine gute Anlaufstelle. (https://www.adfc-radtourismus.de/mitradelzentrale/) Dort können Sie Suchanzeigen anderer Radreisefans nach bestimmten Kriterien (Fahrrad oder Pedelec) filtern oder selbst eine Anzeige schalten. Neben Angaben zur Person enthalten die Gesuche meist unter anderem Infos zur geplanten Reiseregion oder Route, dem Fahrradtyp, den geplanten Tageskilometern und dem Fahrtempo sowie der Art der geplanten Unterkünfte.

Und wenn Sie lieber auf eigene Faust planen möchten, aber partout niemand Passendes mitkommen möchte? Bevor Sie die Reise – auf die Sie sich schon gefreut hatten – gar nicht antreten, versuchen Sie es doch einmal allein. Ein Erlebnis wird es in jedem Fall – und hinterher wissen Sie noch genauer, was Ihnen bei Radreisen wichtig ist.

WELCHE FAHRWEISE?

Schnell oder gemütlich, anstrengend oder entspannt – Radreisen können Sie ganz unterschiedlich angehen. Beim E-Bike hängt viel davon ab, in welchem Unterstützungsmodus Sie unterwegs sind.

Die einen möchten in kurzer Zeit möglichst viel sehen, schnell vorankommen oder sich sportlich austoben – die anderen gemächlich dahinradeln, die Landschaft genießen und ausgiebige Pausen machen. So kann der Charakter einer Radreise je nach Fahrweise ganz unterschiedlich ausfallen. Sind Sie mit einem E-Bike unterwegs, stellen sich etwas andere Fragen als beim motorlosen Fahrrad.

Die Physik des Radfahrens

Warum ist überhaupt Kraft nötig, um beim Radfahren vorwärts zu kommen? Es lohnt sich, hier einmal über die physikalischen Grundlagen nachzudenken. Eigentlich ist es so: Wurde ein Körper einmal in Bewegung gesetzt, würde er sich – aufgrund seiner Trägheit – ewig mit derselben Geschwindigkeit weiterbewegen, solange keine Kräfte von außen auf ihn einwirken. Das Radeln könnte so entspannt sein.

In der Praxis wirken aber verschiedene Kräfte auf Fahrrad und Mensch ein, die das rollende Gefährt bald stoppen, wenn nicht weiter in die Pedale getreten wird. Den geringsten Einfluss hat dabei der Reibungswiderstand. Das ist die Reibung, die beim Fahren innerhalb des Fahrrads in den Lagern und an der Kette entsteht. Größeren Einfluss hat der Rollwiderstand, der beim Kontakt zwischen Reifen und Boden entsteht. Je unebener der Untergrund und je geringer der Luftdruck des Reifens, desto mehr Energie geht durch den Rollwiderstand verloren. Auf einem glatten Untergrund sowie bei höherer Geschwindigkeit spielt wiederum der Luftwiderstand die mit Abstand größte Rolle. Und wenn es bergauf geht, wird man vor allem durch den Steigungswiderstand ausgebremst – weil die Schwerkraft der Erde Fahrrad und Mensch nach unten zieht. Theoretisch bedeutet das: Radfahren in einer bestimmten Geschwindigkeit erfordert dann besonders wenig Anstrengung, wenn man auf einem leichtgängigen, aerodynamischen Rad mit hohem Luftdruck in den Reifen auf glattem Asphalt in der Ebene (oder bergab) unterwegs ist – am besten bei Rückenwind und vielleicht noch im Windschatten eines Begleiters.

Der Modus ist entscheidend

Beim Radfahren tritt man also in die Pedale, um Widerstandskräfte zu überwinden. Steigungen und Gegenwind erhöhen die Anstrengung – und je schneller Sie fahren möchten, desto mehr Kraft ist in der Regel erforderlich. Dieselbe Tour auf demselben Fahrrad kann sich schon bei wenigen Stundenkilometern mehr ungleich härter anfühlen. Beim E-Bike kommt nun mit dem Motor aber eine weitere entscheidende Variable ins Spiel. Dieser verstärkt die aufgewendete Muskelkraft bei E-Bikes mit üblichem Drehmomentsensor je nach gewähltem Unterstützungsmodus um einen bestimmten Faktor – und plötzlich gelten die Regeln des motorlosen Fahrens nicht mehr. Es kann sich weniger anstrengend anfühlen, einen steilen Anstieg bei höchster Unterstützungsstufe (Turbo) zu bewältigen, als eine flache Strecke im niedrigsten Modus zu fahren. Und während eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern im Turbo-Modus leichtfällt, können 20 Stundenkilometer bei ausgeschaltetem Motor auf langen Etappen eine Herausforderung sein.

Die in vielen E-Bikes verbauten Motoren vom Marktführer Bosch verfügen in der Regel über diese Hauptmodi:

OFF:

Es besteht keine Unterstützung durch den Motor.

ECO:

Der Motor gibt eine geringe Unterstützung, der Akku soll möglichst lange halten. Laut Bosch unterstützt der Motor mit etwa 60 Prozent. Das bedeutet: Wer 100 Watt in die Pedale tritt, erhält zusätzliche 60 Watt. Im Vergleich zu einem motorlosen Fahrrad macht sich diese Unterstützung zwar schon deutlich bemerkbar, gerade bergauf müssen Sie aber noch ordentlich reintreten, um voranzukommen (schließlich muss auch das deutliche Mehrgewicht des E-Bikes ausgeglichen werden).

TOUR:

Hier gibt es eine mittlere Unterstützung, durch die ein Kompromiss zwischen Motorleistung und Reichweite angestrebt wird.

SPORT:

Hier bietet der Motor bereits eine kraftvolle Unterstützung und schnelle Beschleunigung.

TURBO:

Der Turbo-Modus bietet die maximale Unterstützung, der Motor gibt einen kräftigen Schub und das Treten erfordert kaum noch Anstrengung. Der Modus eignet sich für besonders schnelles, kraftsparendes Vorankommen und für steile Anstiege, der Akku entlädt sich allerdings recht schnell. Laut Bosch liegt die Unterstützung bei bis zu 400 Prozent – wer 100 Watt tritt, erhält kurzzeitig 400 Watt dazu. Zum Vergleich: 400 bis 500 Watt entsprechen etwa der Leistung, welche die stärksten Radprofis bei der Tour de France an einem längeren Anstieg treten können.

Zudem gibt es oft einen Automodus, der die Unterstützung bei einem Abfall der Geschwindigkeit automatisch anpasst – und weitere Modi innerhalb der Hauptmodi, etwa für stufenlose Unterstützung mit natürlichem Fahrgefühl.

Bosch bietet auch einen Modus Eco+, der die Grenzen zum motorlosen Fahren verschwimmen lässt. Hier ist man standardmäßig ohne Unterstützung unterwegs. Der Motor schaltet sich erst zu, wenn eine vordefinierte Aktivierungsschwelle an Eigenleistung des Fahrers erreicht wird, zum Beispiel an Steigungen.

In der App eBike Flow von Bosch lassen sich die Fahrmodi eines Bosch-Antriebs zusätzlich individualisieren. So lässt sich zum Beispiel das Beschleunigungsverhalten oder das maximale Drehmoment des Motors für jeden Modus anpassen. Auf diese Weise erhält man ein individuell gewünschtes Fahrgefühl.