Raketengetrieben - Adi Livny - E-Book

Raketengetrieben E-Book

Adi Livny

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Beschreibung

"Abermals stellt sich heraus, dass meine Generation ganz andere Prioritäten darüber hat, was die existenzielle Bedrohung unseres Landes ausmacht, als unsere politische Führungsschicht." Adi Livny schildert aus der Perspektive eines säkularen, gebildeten, urbanen Menschen in den 20ern und 30ern, wie es ist, als junger Mensch im heutigen Tel Aviv zu leben. Nicht der Nahost-Konflikt, sondern der Kampf ums wirtschaftliche Überleben ist die prägendste Erfahrung dieser Generation.

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Seitenzahl: 19

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Adi Livny

Raketengetrieben

Wie die post-israelische Generation um ihr Leben kämpft

Als ich diese Woche in Tel Aviv den Rothschild Boulevard entlanglief, war ich von seiner Normalität erstaunt. Die üppige Prachtstraße voller plaudernder Passanten und eilender Radfahrer offenbarte nichts über die Ereignisse des Sommers 2011. Damals schlug hier die junge Videoeditorin Daphni Leef ein Zelt auf, nachdem sie ihre Wohnung verlassen musste, ohne eine neue finden zu können. Einer spontanen Facebook-Kampagne folgend schloss sich ihr eine Gruppe enttäuschter Mieter an, und Leef löste mit ihrer Aktion eine beispiellose Protestwelle aus – zunächst gegen die Preisentwicklung auf dem Wohnungsmarkt, dann allgemein gegen die Lebenshaltungskosten in Israel. Über mehrere Monate hinweg gerieten soziale Fragen in den Vordergrund und verdrängten den Diskurs über die Sicherheit des Landes.

Seit dem Sommer 2011 ist viel Zeit vergangen. Jetzt werden Nachrichtensendungen wieder von Sicherheitsfragen dominiert, denn in der Tat wurden wir in der Zwischenzeit Zeuge zweier Militäroperationen. Die erste, »Pillar of Defense«, ereignete sich im November 2012 – zwei Monate vor den Wahlen. Gerade rechtzeitig, um Sicherheit, nicht wirtschaftliche und soziale Fragen zum bestimmenden Wahlkampfthema zu machen. Die zweite Operation, »Protective Edge«, ein groß angelegter Krieg, fand erst letzten Sommer statt und kostete 72 Israelis und 2271 Palästinensern das Leben. Nur wenige Monate sind seit diesem heftigen Sommer vergangen, in dem vom Gaza-Streifen aus Raketen auf verschiedene israelische Städte abgefeuert wurden, die den Israelis zwischen 15 und 90 Sekunden ließen, um Schutz vor ihnen zu suchen. Und dennoch: An jenem milden Wintertag, an dem ich durch die Stadt flanierte, erinnerte auch an diese Ereignisse so gut wie nichts mehr. Fast scheint es, als dass der Oslo-Kompromiss erfolgreich gewesen wäre.

Wenn mich irgendwann in den 1990ern jemand gefragt hätte, wie ich mir Israel nach einem erfolgreichen Friedensprozess ausmale, ich hätte mir vermutlich so etwas Ähnliches vorgestellt wie das heutige Tel Aviv. Israels lebhafte wirtschaftliche und kulturelle Metropole, die wegen ihrer Bars und ihrer schwulenfreundlichen Kultur ein begehrtes Touristenziel ist, gibt dem