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Japanisches Soulfood für alle!
Japanisches Soulfood für alle! In diesem Buch dreht sich alles um die berühmten japanischen Nudeln. Ramen sind wie ein Drei-Gänge-Menü in einem Gericht: Man hat eine Suppe, die Nudeln als Hauptgang und die Toppings sind so etwas wie die Vorspeise. Das Tolle an Ramen ist, dass man die unterschiedlichen Zutaten ganz nach Belieben, Geschmack oder Ernährungsstil kombinieren kann. Während seiner Tätigkeit als Koch in Asien hat sich Florian Ridder besonders mit Ramenrezepten befasst, die er jetzt einem deutschen Publikum zugänglich macht. Wer bei all den Fachbegriffen rund um die japanische Delikatesse wie etwa Shoyu, Dashi, Miso, Umami oder Furikake den Überblick verliert, der braucht dieses Buch: Mit detailreichen Erklärungen, farbenfrohen Illustrationen, hochwertigen Fotografien und kreativen Rezepten kann jeder selbst seine eigenen ganz besonderen und geschmacksintensiven Ramen zubereiten.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 154
Veröffentlichungsjahr: 2021
FLORIAN RIDDER
Illustrationen: Lisa RammenseeFotografien: Pia Schmikl
© 2021 by Südwest Verlag, einem Unternehmen der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81637 München
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HINWEISDie Ratschläge/Informationen in diesem Buch sind von Autoren und Verlag sorgfältig erwogen und geprüft, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung der Autoren beziehungsweise des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
Projektleitung: Dr. Harald Kämmerer
Textbegleitung und Koordination: Antonia Wien, www.antoniawien.de
Projektinitiative: Lars Ammer, The Chefs’ Stories GmbH, Hamburg
Textredaktion: Susanne Schneider
Fotos: Pia Schmikl
Illustrationen: Lisa Rammensee
Umschlaggestaltung, Innenlayout, Satz: Jeanne van Stuyvenberg, www.die-basis.de
Herstellung: Elke Cramer
Reproduktion: Mohn Media Mohndruck GmbH, Gütersloh
ISBN 978-3-641-27702-4V002
VORWORT
EINLEITUNG
UMAMI UND KOKUMI
UMAMI-SYNERGIE
NACHHALTIGKEIT UND DEMETER
DIE PHILOSOPHIE DER 100 PROZENT
DAS UNWORT »AUTHENTIZITÄT«
WIE RAMEN AUFGEBAUT IST
REZEPTE AUS ALTONA
Grilled Cheese Sandwich
Egg and Rice
Tonkotsu Miso Ramen
Tsukemen
Lemon Dashi Ramen
Mazemen Tantanmen
Exkurs: Perfektionieren – wie sich die Rezepte weiterentwickeln
Flower
REZEPTE VOM GRINDEL
Umami-Tatar
»Oops I dropped the Dim Sum«
Exkurs: Fermentation und Umami
Creamy Butter Cheese
Double Soup Ramen
Umami Shio Shoyu Ramen
Krustentier Dashi Ramen mit Carabinero, Pulpo und Kaviar
Exkurs: Kansui, Wasser, Salz & Mehl
Schokolade | Birne | Sesam | Matcha
REZEPTE AUS DEM KAROVIERTEL
Kimchi Pancakes
Spicy Oriental Wan Tans
Cheesy Cheese Wan Tans mit Mayu
Schweinebauch, fermentierte Schalotten, Senf, Zitrone, Kerbel, Mandel, Kamille
Pastinaken, Zwiebel, Dashi Ramen mit Gomae und Shio-Koji-Blumenkohl
Exkurs: Selber machen. Wo anfangen, wo aufhören?
Vegane Spicy Kimchi Tantanmen
Sonne, Mond und Sternanis
Brown Butter Parmesan Mazemen
Spargel Menma Ramen mit Wan Tan und Pfifferling-Buchweizen-Miso
Vegane Shiitake Dashi Ramen
Hatcho Miso Ramen und Spicy Miso Ramen
Safran | Vanille | Karamell | Milch | Joghurt | Schokolade | Walnuss | Mohn | Wildreis | Sesam | Zitrone | Aprikose | Honig | Miso | Gold
Ice-Cream-Sandwich, Schoko-Walnuss-Cookies und Walnuss-Nougat-Eis
DIGITALE RAMEN – RAMEN FÜR ALLE
DAS SIND WIR
GLOSSAR
DANKSAGUNG
IMPRESSUM
Hallo, mein Name ist Florian Ridder. Ich bin sooo viele Jahre alt, (Regieanweisung: hält Hand hoch und zeigt eine willkürliche Zahl mit seinen Fingern), mein bester Freund ist Vincent und meine Hobbys sind: Freunde treffen, Computer und … Nudeln.
Okay, ganz genauso steht es nicht in meinem Freundschaftsbuch, aber tatsächlich hat es niemanden meiner Freunde und Verwandten gewundert, dass ich mal ein Restaurant betreiben werde, dessen Augenmerk dem Thema Nudeln gilt. Ich war als Kind schon sehr »pienzig«, wie wir in Norddeutschland sagen, wenn es ums Essen geht. Soll heißen: Ich hatte damals schon ganz genaue Vorstellungen davon, was für mich gutes Essen bedeutet, nur wahrscheinlich als Kind noch nicht die Möglichkeiten, das adäquat auszudrücken.
Und jetzt kommt ein großes Aber! Mit einem Gericht hat man mich auch damals schon überzeugen können. Nudeln mit Sauce. Es freut mich also, diesem Thema nicht nur ein Restaurant, sondern auch ein Buch widmen zu dürfen. Und weil hinter Gerichten immer Geschichten stehen, werde ich auch die Hintergründe etwas beleuchten und erzählen, wie diese Teller voll »Nudeln mit Sauce« im weitesten Sinne entstanden sind.
Und weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass solche Vorworte meist stiefmütterlich überflogen werden und ich Sie nicht vom Ramen-Kochen abhalten will, möchte ich eigentlich auch direkt loslegen.
Ein, zwei Kleinigkeiten zur Organisation habe ich allerdings noch zu sagen:
Die wenigsten Rezepte in diesem Buch sind im klassischen »Für 4 Personen«-Format. So funktioniert Ramen-Küche einfach nicht. Die Rezepte sind also meist in einer »logischen« Größe. Wenn Sie zum Beispiel Schweinebauch vier Tage lang bei 72 °C schmoren, dann ergibt es keinen Sinn, für 27,5 Gramm Fleisch den Ofen laufen zu lassen, die Stromrechnung nach oben zu treiben und die Umwelt zu belasten. Wenn also hier und da etwas »übrig bleibt«, gibt es meist viele verschiedene Anwendungsbeispiele für diese Zutaten in diesem Buch. Dies ist auch das für die Ramen-Küche typische Vorgehen: verschiedene Grundrezepte miteinander zu kombinieren, um daraus immer wieder neue Gerichte zu kreieren.
Eine kleine Ausnahme allerdings gibt es beim Cookie-Rezept von Seite 143. Das Rezept ist für eine halbe Fußballmannschaft ausgelegt, ganz einfach, um Ihnen die Frustration zu ersparen, die der Futterneid auf diese Kekse auslösen wird.
Wenn Sie alle Rezepte in diesem Buch auswendig gelernt haben und neuen Input brauchen oder wenn Sie Bock auf noch mehr Ramen-Nerd-Wissen haben, dann können Sie den Lesser Panda auch online besuchen. Wir geben unser Bestes, immer neue Inhalte zu präsentieren. Denn Ramen zu kochen wird nicht langweilig. Sie werden sehen …
Ihr Flo
HINTER REZEPTEN STEHEN AUCH IMMER GESCHICHTEN
Das Niederschreiben dieser Einleitung habe ich mir fast bis zum Schluss aufgehoben. Während Sie also gerade anfangen, dieses Buch zu lesen, weiß ich schon, was Sie erwartet, und bin bald am Ende meiner Reise. Nun ist in der Zwischenzeit so viel passiert, dass ich eigentlich am liebsten noch mal alles löschen und von vorn anfangen möchte. Und dafür hätte es nicht einmal diese welterschütternde Pandemie gebraucht. Die ersten Kapitel dieses Buches entstanden vor Corona, während Corona und, wenn Sie dieses Buch in den Händen halten, hoffentlich Post-Corona. Und auch wenn wir bis dahin Covid-19 noch nicht überwunden haben sollten, so wird die Welt sicherlich bis dahin wieder ein anderer Ort sein als zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Anschläge auf meiner virtuellen Schreibmaschine setzte.
Warum werde ich Ihnen Geschichten über ein Restaurant erzählen, das Sie vielleicht gar nicht kennen? Sie wollten doch eigentlich nur ein Ramen-Kochbuch für Ihre Sammlung haben, mit Rezepten, denen Sie vertrauen, weil sie gedruckt auf Papier vor Ihnen liegen und nicht online auf irgendeiner Rezepte-Plattform, deren Urheber Sie nicht kennen.
Und genau das ist eigentlich auch schon die Antwort. Bücher erzählen Geschichten und auch Kochbücher sollten dies tun. Genau deshalb habe ich nicht einfach nur unsere Rezepte aufgeschrieben. Einfache Ramen-Rezepte bekommen Sie ganz sicher auch mit ein paar Klicks online. Doch ein Gericht ist mehr als eine Aneinanderreihung von Zutaten und ein paar Anweisungen. Ein Gericht ist immer auch ein Zeitzeuge, ein Stück Kultur, das Sie nur verstehen können, wenn Sie dessen Geschichte kennen. Die Rezepte in diesem Buch wären unvollständig, wenn ich Ihnen nicht auch einen Einblick in meine Gedanken mitliefern würde, denn sind wir mal ehrlich: Großmutters Kartoffelsalat ist nicht wirklich der beste der Welt. Ihr Rezept ist nicht immer das beste und Sie können es so oft nachkochen, wie Sie wollen, es wird nie so schmecken wie von Omi, denn den Geschmack von sorglosen Sommernachmittagen im Garten mit der Euphorie nach der ersten gemeisterten Runde Fahrradfahren finden Sie nicht in der Zutatenliste. Diese besondere Ingredienz erhalten Sie nur in der Geschichte.
Sie werden also nach und nach etwas über den Lesser Panda und die Umstände, in denen diese Rezepte entstanden sind, erfahren, um meine Gedanken zu den Gerichten und die Aufteilung dieses Buches besser zu verstehen.
Postskriptum oder was ich noch loswerden möchte …
Ich bin in erster Linie Koch und kein professioneller Autor, ich bin Experte am Herd und kein Meister der Worte. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass hinter keiner Formulierung in diesem Buch Gedankengut versteckt ist, das gegen die Prinzipien einer friedlichen, toleranten und harmonischen Welt verstößt. Vermuten Sie bitte stets einen Freund hinter der nächsten Biegung und keinen Feind. Sollte Ihnen dennoch etwas in diesem Buch begegnen, das Ihnen keinen Frieden lässt, dürfen Sie sich gerne mit mir in Verbindung setzen und in den Dialog gehen.
Ich habe Verständnis dafür, dass die Wahl der männlichen Wortstämme in diesem Buch für Unmut sorgen können, möchte Ihnen aber versichern, dass die Wahl der männlichen Perspektive in diesem Buch keine politische oder soziale Agenda verfolgt. Sämtliche Texte zu gendern, ließe den Textfluss sehr holprig werden und ich müsste mich für eine Geschlechtsform entscheiden. Da ich dieses Buch nur aus meiner Perspektive ehrlich schreiben kann, fiel die Wahl auf die männliche Form.
Ich möchte alle Kulturen, Geschlechter, alle Kinder dieser Welt dazu einladen, mit mir zusammen in diesem Buch zu lesen.
Wie beschreibt man etwas, das jeder kennt? Oder noch breiter gefragt: Wie beschreibt man Geschmack?
Immer wieder hört man die Erklärung, »umami« stehe für Wohlgeschmack. Aber wenn »umami« der fünfte Geschmack ist, neben »süß«, »sauer«, »salzig« und »bitter«, wie kann dann einer von fünf Geschmäckern alleine für Wohlgeschmack verantwortlich sein? Würde das nicht die restlichen gewissermaßen obsolet machen? Etwas kann zu salzig, zu sauer und definitiv zu bitter sein, aber kann etwas zu wohlschmeckend sein? Und woher kommt eigentlich dieser Impuls, Umami beschreiben zu wollen? Wie erklärt man dann eigentlich den Geschmack »süß«?
Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, beschreiben zu wollen, wie »umami« schmeckt, denn im Grunde wissen wir es doch alle schon, und während bei den anderen Geschmäckern der im Namen enthaltene Geschmack im Vordergrund steht, ist es bei »umami« vielmehr das, was es in uns auslöst.
Die Industrie nennt es »craveability«, also »Heißhunger«, und die Industrie ist es, die dieses Thema so in Verruf gebracht hat, denn die wichtigste und mächtigste Zutat für den Umami-Geschmack ist Glutamat. Aus dieser harmlosen und lebensnotwendigen Aminosäure wurde schnell der neue Ernährungsfeind der westlichen Welt gemacht. Heute zieren Aufschriften wie »ohne Glutamat« und »ohne Geschmacksverstärker« viele Verpackungen und versuchen damit, gesundheitsbewusste Käufer von der vermeintlichen Qualität des Produktes zu überzeugen.
In Wahrheit hat die Verwendung von Glutamat rein gar nichts mit gesunder oder ungesunder Ernährung zu tun. Im Gegenteil – das natürlich in Lebensmitteln enthaltene Glutamat ist ein gesunder Anzeiger für das Gehirn, dass es sich dabei um proteinreiche Nahrung handelt. Das menschliche Gehirn liebt Proteine und liefert damit auch die Basis dafür, dass wir so extrem auf Glutamat reagieren. Menschliche Muttermilch enthält von allen Säugetiermilchsorten die höchsten Mengen von frei verfügbarem Glutamat, von klein auf konditioniert uns also unser Gehirn darauf, Nahrung zu präferieren, die viel Eiweiß enthält. Ein Glück, dass die Glutaminsäure als eine von 20 verschiedenen Aminosäuren überdurchschnittlich oft in der Natur vertreten ist.
Jeder unserer Geschmackssinne erfüllt einen bestimmten Zweck in der Ernährung. Während uns »bitter« vor möglichen Giften warnt und »süß« ein verlässlicher Anzeiger für lebenswichtige schnell verfügbare Kohlenhydrate ist, ist »umami« nun also der Teil, der uns dafür belohnt, eiweißreiche Nahrung zu konsumieren. Wann immer der Mensch mit diesen natürlichen Mechanismen im Gehirn herumspielt, so wie wir es mit Süßstoffen tun, gerät unser Körper ins Ungleichgewicht. Denn unser Gehirn lässt sich nicht so leicht austricksen oder, vielmehr traurigerweise, eben doch, aber dann zu unserem eigenen Nachteil.
Jeder kennt das gute alte Phänomen der Chipstüte, bei der man einfach nicht aufhören kann zu essen. Das ist kein Wunder, denn das Glutamat gaukelt unserem Körper vor, dort etwas ganz besonders Nahrhaftes zu konsumieren. Tatsächlich sind aber nur sehr wenige der vom Gehirn vermuteten Eiweiße darin enthalten, und während das Signal weiterzuessen nicht abreißt, gibt es keinen ernährungsphysiologischen Anreiz aufzuhören. Erst wenn der Magen das Signal der Fülle sendet, hören wir auf zu essen. Wir sind dann vielleicht übersatt, aber sicherlich nicht befriedigt. Die geschmacklich versprochenen Proteine hat unser Gehirn ja gar nicht geliefert bekommen.
Das bringt uns zum eigentlichen Problem des Glutamats: Zu »umami« gehört auch »kokumi«.
Dieser erst 1989 entdeckte Bestandteil des Umami-Geschmacks hat eine wichtige Funktion zur Regulierung von »umami«. Er steigert zwar unser positives Empfinden der Nahrung noch weiter, vermittelt dabei aber zusätzlich das Gefühl von Reichhaltigkeit des Essens.
Studien mit fettreduzierter Erdnussbutter mit dem Zusatz von »-Glu-Val-Gly« (-Glutamyl-valyl-glycine), der bisher potentesten Kokumi-Verbindung, zeigen, dass es deutlich das Gefühl von Cremigkeit und Fettgehalt steigern kann.
Genau wie bei »umami« sind es auch hier Aminosäure-Verbindungen, die diesen Effekt auslösen, und auch hier belohnt unser Gehirn die Aufnahme von Eiweiß mit dem, was wir als Wohlgeschmack empfinden, und das, obwohl die Verbindungen meist selbst geschmacklos sind und erst im Zusammenspiel eine Synergie bilden.
Man kann also die vorher gestellte Frage, ob etwas »zu umami« sein könne, damit beantworten, dass »umami«, anders als die anderen Geschmäcker, keine direkten Reaktionen auslöst. Und auch nicht auslösen muss, wie es bei der Aufnahme von zu hohen Mengen Salz wäre. Denn das wäre extrem schädlich für den Organismus. In einer natürlichen Ernährung wäre das Resultat von »zu umami« schlichtweg das Gefühl, satt und befriedigt zu sein. Eiweißverbindungen, die den Kokumi-Effekt auslösen, sind in nahezu jedem natürlichen Lebensmittel enthalten. Es gibt nun mal mehr Aminosäuren als nur das von der Industrie genutzte Glutamat. Und der Versuch, ein glaubhaftes rundes Geschmackserlebnis zu erschaffen durch die Zugabe eines Zusatzstoffes, wirkt schon fast kindlich naiv.
Wir alle kennen doch dieses unbestimmte Gefühl, dass etwas irgendwie künstlich schmeckt, und dass Großmutters Bratensauce ehrlich, handfest schmeckt. Doch das ist nicht nur ein esoterisches Gefühl, weil wir unsere Omi so lieb haben. Man kann es messen, denn in dem auf natürlichem Wege entstandenen Gericht werden wir eine bunt gemischte Aufteilung verschiedenster Aminosäuren und deren Verbindungen feststellen. Jede von ihnen ist durch ganz natürliche kleine Chemielabore von Mutter Natur produziert worden. Natürlich verbinden wir damit genauso die positiven Gefühle für unsere Oma, deswegen wird es umso besser schmecken, doch das ist ein ganz anderes Kapitel.
Wenn wir uns darüber bewusst werden, dass bestimmte Eiweißverbindungen den Geschmack »umami« auslösen, so können wir uns dieses Wissen zunutze machen. Und das Beste dabei ist: Wir brauchen keine chemischen Zusätze, schließlich hat die Natur für alles gesorgt. Machen Sie sich also einfach beim Kochen ein paar Gedanken darüber, mit welchen Zutaten Sie etwas mehr »umami« in Ihr Gericht zaubern könnten. Sie würden ja schließlich Ihren Liebsten auch nichts servieren, ohne vorher das Ganze mit Salz abgeschmeckt zu haben, oder?
Um Ihnen nun also die wichtigsten Werkzeuge zum Thema Umami in die Hand zu geben, müssen wir noch einen weiteren wichtigen Effekt besprechen: die Umami-Synergie.
Klingt fantastisch, oder? Ich versuche, mich kurz zu halten und direkt zum Punkt zu kommen: Der Umami-Effekt von Glutamat kann durch das Zusammenspiel anderer Eiweißverbindungen um ein Vielfaches gesteigert werden. Die zwei stärksten Gefährten des Glutamats sind IMP (Inosinmonophosphat) und GMP (Guanosinmonophosphat). Auch hierbei handelt es sich wieder um ganz natürlich vorkommende Verbindungen. So findet man zum Beispiel hohe Mengen GMP in viele Pilzen und IMP in Fleisch oder Fisch.
Denken wir nun an die japanische Grundbrühe Dashi. Sie besteht vor allem aus Kombu-Alge, die sehr reich an Glutamat ist, und Katsuobushi, einem getrockneten Fisch, der sehr viel IMP enthält. Und obwohl Dashi selbst wenig Eigengeschmack mit sich bringt, hat diese Brühe dank Glutamat und IMP die fast magische Kraft, alles, was damit zubereitet wird, in Wohlgeschmack zu verwandeln.
Sie werden in jedem Rezept in diesem Buch viele Komponenten erkennen, die weniger wegen ihres Eigengeschmacks als aufgrund ihrer Inhaltsstoffe, wie Glutamat oder IMP, benutzt werden, um die Umami-Synergie zu erzeugen.
Das Wichtigste, was Sie in diesem Buch lernen können, erfahren Sie also direkt hier am Anfang. Benutzen Sie für jedes Gericht eine Zutat, die von Natur aus Glutamat enthält, wie zum Beispiel Kombu-Alge, und wenn Sie noch eine Hand frei haben, werfen Sie noch eine weitere Zutat mit IMP oder GMP in den Topf. Und wenn ich sage »jedes Gericht«, dann meine ich das auch. Jetzt verrate ich Ihnen ein Geheimnis: Ich verwende selbst für Königsberger Klopse etwas Kombu-Alge in der Brühe.
Wenn es Sie interessiert, können Sie auf der Website des Umami Information Center sehr ausführliche Listen mit Lebensmitteln und dem darin enthaltenden Glutamat, IMP oder GMP einsehen (https://www.umamiinfo.com/richfood/). Einige der Zutaten haben Sie wahrscheinlich sowieso schon häufig in Gebrauch, wie zum Beispiel Tomaten und Parmesan, ein paar andere sollten spätestens nach dem Lesen der nächsten Seiten einen Platz in Ihrem Schrank und Herzen gewinnen.
Finden Sie es auch so prätentiös, wenn Köche mit ihrer ach so inspirierenden Philosophie ihrer Gerichte ihre Webseiten überladen, während Sie eigentlich nur die Öffnungszeiten und die Preise finden wollen? Natürlich interessieren Sie sich brennend für die Vornamen sämtlicher Produzenten, das Lieblingsessen der Uroma des Koches und, welch Überraschung, dass in diesem Restaurant nur hochwertige Produkte verarbeitet werden. Inzwischen wird mit diesen Informationen regelrecht inflationär umgegangen, wenn schon die Tankstellen an der Autobahn von »handcrafted« schwafeln, während sie seelenlose Fleischwurst aus Massentierhaltungsfabriken auf etwas legen, das sie Ihnen als Brötchen verkaufen wollen. Was bleibt einem da als Koch noch übrig? Irgendwie muss man ja kenntlich machen, dass es einen Unterschied gibt und dass wir wirklich viel Zeit aufbringen, um großartige Produkte zu suchen. Und ja, manche von uns kennen wirklich die Vornamen ihrer Produzenten (… schöne Grüße an Yannick: Wie gehts den Hühnern?).
Sie aber haben in der Regel noch andere Inhalte in Ihrem Leben und haben nicht die Zeit, jede Karotte mit Ihren eigenen Händen auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo aus der Erde zu ziehen. Und auch ich habe ehrlich gesagt nicht die Zeit dafür, obwohl wir sogar ein kleines eigenes Versuchsfeld haben.
Bevor wir also zum hochtrabenden philosophischen Teil dieses Kapitels kommen, in dem Ihnen ein Kochlöffelakrobat Pseudolebensweisheiten aufschwatzen will, sollten wir ganz handfest über den meiner Meinung nach besten Weg sprechen, wie und wo Sie im privaten Bereich bessere und nachhaltige Lebensmittel bekommen.
Kaufen Sie Demeter-Produkte! Versteifen Sie sich nicht auf all diese Klischeegeschichten über verbuddelte Knochen und Ernte bei Vollmond, denn selbst wenn manche Demeterhöfe vielleicht solche Traditionen leben, sie tun vor allem eines: ihren Job verdammt gut. Das Demeter-Siegel ist meiner Meinung nach das vertrauenswürdigste Siegel für nachhaltige Landwirtschaft. Höfe wie der Bauckhof leisten ganz fantastische Arbeit, und das schon bevor es trendy war, öko zu sein.
Besonders für die fleischhaltigen Ramen-Brühen gibt es eigentlich keine Alternative. Einige der Brühen in diesem Buch bestehen immer aus Wasser und Hühnchen, und nur wenn das Grundprodukt einwandfrei ist, werden Sie mit einem solchen aufs Wesentliche reduzierten Rezept gute Ergebnisse erhalten. Und Sie bekommen zu dem besseren Geschmack noch ein gutes Gewissen als Zugabe obendrauf.
Ich sage oft: »Es gibt immer nur 100 Prozent.« Stille, ein müdes Klatschen aus der letzten Reihe. Welch eine unglaubliche Weisheit, allein dafür hat sich doch schon der Kauf dieses Buches gelohnt, oder?
