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Magersucht ist eine schwerwiegende Erkrankung mit gravierenden körperlichen und psychischen Auswirkungen. Das frühzeitige Erkennen einer Magersucht ermöglicht eine effektive und nachhaltige Behandlung und verbessert somit die Heilungschancen. Der Ratgeber informiert über Ursachen, Erscheinungsbild und Behandlungsmöglichkeiten der Anorexie. Der Ratgeber wendet sich an Jugendliche, die an Magersucht leiden sowie an ihre Eltern und andere Bezugspersonen. Er soll dabei helfen, eine beginnende Essstörung rechtzeitig zu erkennen und gemeinsam zu bewältigen. Der Ratgeber liefert konkrete Hinweise und Ratschläge, wie jugendliche Betroffene sich aus dem Teufelskreis der Magersucht befreien und welche Unterstützung ihnen dabei Eltern oder andere Bezugspersonen geben können.
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Veröffentlichungsjahr: 2005
Ratgeber Magersucht
Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie
Band 7
Ratgeber Magersucht
von Dr. Dagmar Pauli und Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen
Herausgeber der Reihe:
Prof. Dr. Manfred Döpfner, Prof. Dr. Gerd Lehmkuhl,
Prof. Dr. Franz Petermann
Ratgeber
Magersucht
Informationen für Betroffene,
Eltern, Lehrer und Erzieher
von Dagmar Pauli
und Hans-Christoph Steinhausen
Dr. med. Dagmar Pauli, geb. 1963. Seit 1999 Oberärztin an der Poliklinik des Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich und Leiterin der Sprechstunde für Kinder und Jugendliche mit Essstörungen.
Prof. Dr. Dr. Hans-Christoph Steinhausen, geb. 1943. Seit 1987 Ordinarius für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich.
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Umschlagabbildungen: © Getty Images, München
Illustrationen: Klaus Gehrmann, Boppard; www.elkenwelt.de
Format: EPUB
Konvertierung: Brockhaus/Commission
EPUB-ISBN: 978-3-8444-1919-1
Dieser Ratgeber informiert über Erscheinungsformen, Ursachen, Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten bei Anorexie (Magersucht). Er richtet sich einerseits an Eltern, Erzieher oder andere Bezugspersonen, die mit dieser oft schwerwiegenden Erkrankung bei Kindern oder Jugendlichen konfrontiert und vielfach überfordert sind, andererseits aber auch an die betroffenen Jugendlichen selbst.
Nicht selten verstreicht viel Zeit, bis junge Menschen mit einer Anorexie professionelle Unterstützung suchen. Im Vorfeld der Erkrankung bestehen bereits Auffälligkeiten im Essverhalten, welche häufig nicht erkannt oder von den Jugendlichen aus Scham versteckt werden. Auch wenn bereits eine ausgeprägte Anorexie (Magersucht) entwickelt ist, verweigern die Betroffenen häufig die Hilfsangebote der Bezugspersonen.
Dieser Ratgeber versucht einen Beitrag zu leisten, dass die Essstörung frühzeitig erkannt werden kann und vermittelt zudem konkrete Ratschläge für Eltern und andere Bezugspersonen, wie sie mit jungen Menschen umgehen können, die an einer Essstörung leiden. Die frühzeitige Erkennung von Essstörungen ist von entscheidender Bedeutung, da diese in einem frühen Stadium wirksamer behandelt werden können. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen. Im Verständnis der Essstörung als Erkrankung sowie der jugendlichen Betroffenen liegt der Schlüssel zu effektiver Hilfestellung.
Anorexie (Magersucht) steht in einer engen Verknüpfung mit anderen Essstörungen, insbesondere der Bulimie, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Dieses Krankheitsbild wird daher in einem eigenen Kapitel behandelt.
Da die Behandlung der Anorexie immer von der Kooperation der Jugendlichen selbst abhängt, nehmen die Informationen an die Betroffenen sowie Hinweise zur Selbsthilfe einen wichtigen Teil des vorliegenden Ratgebers ein. Nicht zuletzt sind hier auch Erfahrungen festgehalten, die sich aus Gesprächen mit den Menschen ergeben haben, die selbst an einer Anorexie leiden. In den im Text enthaltenen Fallbeispielen kommen die Betroffenen selbst zu Wort, die in zum Teil eindrücklicher Weise ihre Erfahrungen im Kampf gegen die Essstörung dokumentiert haben. Da der weitaus größte Teil der von Essstörungen betroffenen Menschen Frauen sind, wurde im Text meist die weibliche Form gewählt. Die Informationen lassen sich jedoch auch auf männliche Jugendliche übertragen, die an einer Essstörung leiden.
Dieser Ratgeber ist Bestandteil der Reihe Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie, in der Betroffenen aber auch Eltern, Lehrern und Erziehern Informationen über verschiedene psychische Auffälligkeiten gegeben und Möglichkeiten zur Selbsthilfe aufgezeigt werden. Der Ratgeber ergänzt den Leitfaden über Anorexia nervosa (Steinhausen, 2005), der sich an Ärzte und Psychotherapeuten richtet und die Diagnostik und Therapie von Anorexia nervosa beschreibt.
Zürich, Januar 2005
Dagmar Pauli und Hans-Christoph Steinhausen
Inhalt
1 Kennen Sie das?
2 Woran erkenne ich, dass ein Kind oder eine Jugendliche anorektisch (magersüchtig) ist?
3 Welche und wie viele Menschen sind betroffen?
4 Welche Probleme treten häufig zusätzlich auf?
5 Welche körperlichen Folgeerscheinungen entstehen durch Anorexie (Magersucht)?
6 In welchen Teufelskreis geraten Betroffene?
7 Was sind die Ursachen für Anorexie (Magersucht)?
8 Welche anderen Störungen müssen ausgeschlossen werden?
9 Wie verläuft die weitere Entwicklung?
10 Wie wird Anorexie (Magersucht) behandelt?
11 Woran erkenne ich eine Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und wie wird sie behandelt?
12 Meine Magersucht und ich – Denkanstöße für Betroffene
13 Was kann man tun?
14 Gibt es noch weitere Hilfen?
Weiterführende Literatur
Anhang
Beratungsstellen, spezialisierte Fachstellen und Fachkliniken
Informationen über Essstörungen im Internet
Fragebogen für Jugendliche zur Selbstbeurteilung und Früherkennung
Fragebogen für Angehörige
Die 14-jährige Barbara sitzt am Tisch und starrt angeekelt auf ihren Teller, auf dem sich nur eine kleine Kartoffel und etwas Salat befinden. Obwohl sie kaum etwas zu sich genommen hat, behauptet sie übersatt zu sein. Ihr Bauch sei aufgebläht und sie bringe keinen Bissen mehr herunter. Die Eltern sind verzweifelt, da es nun schon seit vielen Wochen so geht und Barbara bereits 10 kg abgenommen hat. Die Mutter versucht ihr gut zuzureden, wenigstens den Teller noch leer zu essen. Sie hält ihrer Tochter vor, wie wenig diese in letzter Zeit gegessen habe, Barbara argumentiert dagegen. Der Vater schließlich kann die hitzige Diskussion nicht mehr aushalten und spricht ein Machtwort: Barbara müsse jetzt den Teller leer essen oder verschwinden. Daraufhin verlässt diese wütend den Tisch, läuft in ihr Zimmer und schlägt die Tür hinter sich zu. So geht es nun seit Wochen und die Situation am Familientisch wird immer unerträglicher. Anfänglich hat die Mutter die Diät von Barbara noch unterstützt; auch der Kinderarzt hatte ja eine Gewichtsreduktion empfohlen, weil das Mädchen seit Beginn der Pubertät ein wenig pummelig geworden war. Nun ist Barbara mehr als schlank und behauptet weiterhin, sie fühle sich zu dick und müsse abnehmen. Sie isst nur noch Gemüse, Salat und Joghurt und auch davon kaum etwas, behauptet sich vor Fett und Zucker zu ekeln und trinkt statt dessen den ganzen Tag Wasser. Alle Versuche der Eltern auf ihr Verhalten Einfluss zu nehmen, scheinen ihre Abwehr gegen das Essen nur zu verstärken.
Nadine verschwindet nach dem Essen regelmäßig auf der Toilette. Anfänglich hat sich ihre Mutter nichts dabei gedacht, inzwischen aber beginnt sie langsam sich zu beunruhigen. Die Eltern kennen Nadine als problem-loses, fröhliches Kind, das ihnen bisher nie Sorgen bereitet hat. Sie ist eine ausgezeichnete Schülerin und sehr selbstständig und hilfsbereit. Da sie schon immer ein Fliegengewicht mit zartem Körperbau war, fiel es nicht auf, dass sie im Vergleich zu den Altersgenossinnen immer dünner wurde. Sie blieb ja trotzdem zäh und sportlich, wenn sie auch in letzter Zeit mit ihrem Bewegungsdrang übertreibt und fast zwanghaft jeden Tag mehrere Stunden Joggen geht. Seit frühester Kindheit ist sie heikel im Essen, mag nur weníge Speisen und als 12-Jährige wurde sie Vegetarierin. Obwohl Nadine bereits 15 Jahre alt ist, ist sie körperlich kaum entwickelt. Früher hatte sie Freundinnen in der Schule, von denen sie sich in letzter Zeit aber zurückgezogen hat. Sie verbringt ihre Tage mit Lernen und sportlicher Betätigung. Lange Zeit getrauen sich die Eltern nicht, mit Nadine über ihre Beobachtungen und Sorgen zu sprechen, weil sie ihr nicht zu nahe treten möchten. Als dann die Mutter sich eines Tages ein Herz fasst und Nadine auf ihre Probleme anspricht, bricht das Kartenhaus zusammen: Nadine gesteht, dass sie seit Monaten immer wieder Nahrung erbricht, weil sie auch bei kleinen Mengen das Gefühl hat, zu viel gegessen zu haben. Sie beschäftigt sich den ganzen Tag mit ihrem Körpergewicht und dem Zählen von Kalorien. Sie hat die Eltern mit ihrem Gewicht belogen und trägt extra weite Kleider, damit niemand bemerkt, wieviel sie bereits abgenommen hat. Verzweifelt weinend erklärt sie ihrer Mutter, dass sie sich weiterhin dick und hässlich fühlt.
