Ratgeber Schizophrenie - Kurt Hahlweg - E-Book

Ratgeber Schizophrenie E-Book

Kurt Hahlweg

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Beschreibung

Der Ratgeber wendet sich an Menschen, die an einer schizophrenen Psychose leiden und an deren Angehörige, die sehr oft ebenfalls in hohem Maße von der Störung betroffen sind. Die Erkrankung ist noch immer mit vielen Vorurteilen und Ängsten verbunden, da Symptome, Ursachen und die modernen Behandlungsmöglichkeiten oft nicht bekannt sind. Der Ratgeber leistet Hilfestellung zum besseren Verständnis der Schizophrenie und will den unter Schizophrenie Leidenden und deren Familien Rat, Hilfe und Perspektiven aufzeigen, so dass die Erkrankung so gut wie möglich bewältigt werden kann. Der Ratgeber befasst sich u.a. mit den folgenden Fragen: Was ist eine schizophrene Psychose? Wie erlebt ein Mensch, der an einer schizophrenen Psychose leidet, seine Erkrankung? Wie erleben die Angehörigen sie? Wie entstehen schizophrene Psychosen? Wie sieht die medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika aus? Wie können Nebenwirkungen auf ein Minimum reduziert werden? Welche psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Wie kann Rückfällen vorgebeugt werden? Was kann ich als Patient tun, um die Behandlung zu unterstützen? Was kann ich als Angehöriger tun, um die Situation des Patienten zu verbessern?

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Veröffentlichungsjahr: 2005

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Ratgeber Schizophrenie

Ratgeber zur Reihe Fortschritte der Psychotherapie

Band 10

Ratgeber Schizophrenie

von Prof. Dr. Kurt Hahlweg und Prof. Dr. Matthias Dose

Herausgeber der Reihe:

Prof. Dr. Dietmar Schulte, Prof. Dr. Klaus Grawe, Prof. Dr. Kurt Hahlweg, Prof. Dr. Dieter Vaitl

Ratgeber Schizophrenie

Informationen für Betroffene und Angehörige

von Kurt Hahlweg und Matthias Dose

Prof. Dr. phil. Kurt Hahlweg ist Professor für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychodiagnostik an der TU Braunschweig.

Prof. Dr. med. Matthias Dose ist Ärztlicher Direktor des BKH Taufkirchen/Vils.

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat für die Wiedergabe aller in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen etc.) mit Autoren bzw. Herausgebern große Mühe darauf verwandt, diese Angaben genau entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abzudrucken. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handele.

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar

© 2005 Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG

Göttingen • Bern • Wien • Toronto • Seattle • Oxford • Prag

Rohnsweg 25, 37085 Göttingen

http://www.hogrefe.de

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Umschlagabbildung: © age / Mauritius Images

Format: EPUB

Konvertierung: Brockhaus Commission

EPUB-ISBN 978-3-8444-1805-7

Inhaltsverzeichnis

1 „Schizophrene Psychose“ – was ist das?

1.1 Schizophrenie – woher kommt der Begriff?

1.2 Woher wissen wir, dass ein Mensch an einer Psychose leidet?

1.3 Was sind die charakteristischen Symptome einer schizophrenen Psychose?

1.3.1 Positive Symptome: Kennzeichen der akuten Phase

1.3.2 Wie erlebt ein Mensch, der an einer schizophrenen Psychose leidet, den Beginn und das akute Stadium?

1.3.3 Negative Symptome: Nach Abklingen der Akut-Symptomatik

1.4 Wie ist der zeitliche Verlauf einer schizophrenen Episode?

1.5 Häufigkeit – wer bekommt eine schizophrene Psychose?

1.6 Wie entwickelt sich die Erkrankung weiter?

1.7 Wie wirkt eine schizophrene Psychose auf andere?

2 Wie entstehen schizophrene Psychosen?

2.1 Sind schizophrene Psychosen eine Erbkrankheit?

2.2 Das „Vulnerabilitäts-Stress-Modell“

2.3 Die Rolle von Neurotransmittern (Botenstoffe im Gehirn)

2.4 Was kann die Familie tun?

3 Behandlung

3.1 Medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika

3.1.1 Wie wirken Neuroleptika?

3.1.2 Welche Neuroleptika gibt es, wie hoch soll ein Neuroleptikum dosiert werden und wie lange soll die Behandlung dauern?

3.1.3 Nebenwirkungen und wie sie auf ein Minimum reduziert werden können

3.1.4 Häufig gestellte Fragen

3.2 Frühwarnzeichen eines Rückfalls

3.3 Psychotherapeutische Behandlung schizophrener Psychosen

3.3.1 Was ist Psychotherapie?

3.3.2 Fragen zur Auswahl eines geeigneten Behandlers

3.3.3 Verhaltenstherapeutische Behandlung

3.4 Was kann ich als Patient tun, um die Behandlungzu unterstützen?

3.5 Was kann ich als Angehöriger tun, um die Situation des Patienten zu verbessern?

3.5.1 Wie komme ich als Angehöriger mit schwierigem Verhalten des Patienten zurecht?

3.5.2 Umgang mit Gewalt

3.6 Wann kann eine Zwangseinweisung erfolgen?

Anhang

Literaturempfehlungen

Web-Adressen

Wichtige Adressen

Arbeitsblatt

1 „Schizophrene Psychose“ – was ist das?

Jeder hat wahrscheinlich die Begriffe „schizophrene Psychose“, Schizophrenie oder Psychose schon einmal gehört; die meisten Menschen wissen jedoch nicht genau, was sie bedeuten, wie eine schizophrene Psychose entsteht und was dagegen getan werden kann.

Unter „Psychosen“ versteht man in der Psychiatrie eine „tiefgreifende Störung der Geistestätigkeit“, die Funktionen wie Denken, Erleben, Fühlen und Handeln gleichzeitig betrifft und in der Regel zu erheblichen Verhaltensauffälligkeiten der Betroffenen führt. Diese Verhaltensaufälligkeiten (z. B. dass jemand die Nahrungsaufnahme verweigert, weil er das Essen für vergiftet hält, andere Menschen verbal oder tätlich angreift, weil er sich von ihnen verfolgt fühlt) sind für die Umgebung oft unverständlich, weil die Beweggründe der Betroffenen menschlicher Vernunft und menschlichem Einfühlungsvermögen nicht mehr zugänglich und nachvollziehbar sind.

„Psychosen“ werden eingeteilt in

– organisch bedingte psychische Erkrankungen, (z. B. Alzheimerdemenz Drogenpsychosen, Progressive Paralyse etc.),

– schizophrene Psychosen,

– schizoaffektive Psychosen (bei denen schizophrene und affektive Symptome gleichzeitig vorhanden sind) und

– affektive (manische und depressive) Psychosen.

Bis zur Einführung eines neuen Klassifikationssystems für psychische Erkrankungen (ICD-10, d. h. „Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 10. Revision“) Anfang der 90er Jahre wurden den „Psychosen“ die „Neurosen“ gegenübergestellt: Das sollten psychische Störungen sein, unter deren Symptomen (z. B. Ängste, Zwänge) die Betroffenen zwar leiden, gleichzeitig aber in ihrem Denken, Fühlen, Erleben und Handeln bis auf das jeweilige Symptom unbeeinträchtigt und dadurch im Verhalten weit gehend unauffällig sein sollten. Als Ursache für Psychosen wurden im Wesentlichen körperliche Faktoren angesehen, für die Entstehung von Neurosen sollten im Wesentlichen psychische Ursachen ausschlaggebend sein. Mit der „Internationalen Klassifikation psychischer Störungen,10. Revision/ICD-10“ wurde diese Unterscheidung aufgegeben, da die Forschung bis heute keine verlässlichen Kriterien zur Abgrenzung der verschiedenen psychischen Störungen erbracht hat. Dennoch sind die Begriffe Psychose und Neurose aus dem Sprachgebrauch der Psychiatrie bis heute nicht verschwunden.

Verwirrung über den Begriff „Psychose“ besteht heute außerdem deshalb, weil einige Psychiater und Therapeuten den Begriff gleichbedeutend mit „schizophrene Psychose“ verwenden. Als Grund dafür wird vielfach ausgeführt, man wolle Patienten und Angehörige nicht mit dem angst- und vorurteilsbesetzten Begriff „Schizophrenie“ oder „schizophren“ konfrontieren. Aber hilft es dann, der Krankheit einfach einen anderen Namen zu geben? Verliert z. B. die Immunschwächekrankheit AIDS ihren Schrecken wenn man sie zur „geschlechtlich übertragenen Immunschwäche“ verunklärt? Oder macht es nicht mehr Sinn, die Dinge beim Namen zu benennen und Ängsten und Vorurteilen mit Aufklärung und Argumenten zu begegnen?

Wir wollen mit diesem Ratgeber diesen Weg beschreiten: die Dinge beim Namen nennen und Vorurteilen und Ängsten mit Information und Argumenten begegnen.

Psychose ist wie „Träumen, wenn man hellwach ist“.

1.1 Schizophrenie – woher kommt der Begriff?

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es keine verbindliche Systematik und Einteilung psychischer Störungen, die damals unter dem Begriff der „Geisteskrankheiten“ oder des „Irreseins“ zusammengefasst wurden. Es war der deutsche Psychiater Emil Kraepelin (1899), der erstmals den Versuch unternahm, die nicht körperlich bedingten Psychosen in die Gruppen der „Dementia praecox“ (lat. für „vorzeitige Demenzentwicklung“) und des „manisch-depressiven Irreseins“ zu unterteilen. Mit „Dementia praecox“ versuchte Kraepelin ein Krankheitsbild mit zunehmender „Negativ-symptomatik“ (= Antriebsmangel, Denkstörungen, sog. „affektive Verflachung“, sozialer Rückzug etc.) zu charakterisieren. Diese „Negativsymptomatik“ hielt er für krankheitstypisch bei den später als „schizophren“ charakterisierten Psychosen.