Raus aus dem Kreisverkehr - nächste Ausfahrt Gelassenheit - Wolfgang Obermüller - E-Book

Raus aus dem Kreisverkehr - nächste Ausfahrt Gelassenheit E-Book

Wolfgang Obermüller

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Beschreibung

Wie schaffen wir es gerade in Zeiten wie diesen, ruhig und gelassen zu bleiben? Ständig neue Katastrophen und Schreckensnachrichten rütteln an unseren Nerven, unseren Finanzen und an unserer Zuversicht. Doch war das nicht schon immer so? Gab es derartige Krisen und Herausforderungen nicht schon in früheren Generationen? Und wie haben die Menschen damals es geschafft, darüber hinwegzukommen und weiterzugehen? Wolfgang Obermüller, Familienvater, gelernter Koch und Inhaber eines Wellnesshotels im Passauer Land, nimmt in diesem zweiten Buch einen Festtag zum Anlass, das Leben und seine Begleiterscheinungen unter die Lupe zu nehmen. Bei Kaffee und Zwetschgendatschi sprechen die Gäste über das, was uns früher wie heute beschäftigt. Sie kommen zu dem Ergebnis: Es sind bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten, die uns dabei helfen, aus dem Kreisel von Ängsten und Befürchtungen auszusteigen. Dadurch erlangen wir die Fähigkeit, ein Leben in Gelassenheit und innerem Frieden zu führen, ganz gleich, was draußen in der Welt geschieht. Feiern wir das Leben und all seine schönen Momente!

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Seitenzahl: 76

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dieses Buch widme ich meiner Frau Michaela Obermüller, meinem Sohn Jonas, meinen Eltern und Freunden und unseren Mitarbeitenden, ohne deren Unterstützung unser Unternehmen sich nicht so entwickelt hätte.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Früher war alles besser – oder nur anders?

Kapitel 1: Ein arbeitsreiches Leben

Kapitel 2: Aber bitte mit Sahne

Kapitel 3: Weil es in der Zeitung steht

Kapitel 4: Schwarze und weiße Schafe

Kapitel 5: Unterm Zwetschgenbaum

Kapitel 6: Sonne in der Nacht

Über den Autor

Vorwort: Früher war alles besser – oder nur anders?

Geburtstage sind immer Meilensteine im Leben eines Menschen und bis zur Volljährigkeit können wir den nächsten Geburtstag auch kaum erwarten. Später freuen wir uns noch auf Geburtstage, aber richtig gefeiert werden dann ja eigentlich nur noch die „Runden“.

Neben den klassischen Geburtstagen gibt es auch noch die Lebenszyklen, die das Leben eines Menschen in verschiedene Phasen untergliedern: Die Pubertät zwischen dem zwölften und 14. Lebensjahr (bei manchen auch kürzer oder länger), die „Sturm und Drang“-Zeit zwischen dem 21. und 28. Lebensjahr, Familien- und Karriereplanung zwischen dem 28. und 35. Lebensjahr, Standortbestimmung („Mein Weg ist mein Ziel“) zwischen dem 35. und 42. Lebensjahr, Selbstreflexion zur Lebensmitte zwischen 42 und 49 Jahren, damit es dann zwischen 49 und 56 hinter dem Horizont weitergehen und mit 56 Jahren endlich der lange Weg zur Weisheit (Sinnhaftigkeit) beginnen kann. Ab 63 ist dann hoffentlich noch lange nicht Schluss!

Die Jahrsiebte ähneln den sieben Tagen, die eine Woche hat, und auch den sieben Farben des Regenbogens. Und tatsächlich gibt es Forschungen, die sich gezielt mit den Lebensjahrsiebten und ihren Bedeutungen auseinandersetzen.

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich mir der Vergänglichkeit des Lebens besonders bewusst und frage mich, warum wir eigentlich nur noch runde Geburtstage richtig feiern.

Ich habe gerade einen Freund verloren, der mitten im Leben stand. Er ging nach kurzer schwerer Krankheit, viel zu früh! Todesfälle im Bekanntenkreis rütteln uns ja oft wach, insbesondere wenn der oder die Verstorbene das gleiche Alter hatte wie man selbst oder sogar jünger war. In solchen Momenten wird gerne mal das eigene Leben und seine Gerechtigkeit hinterfragt oder warum man seine Ziele und Wünsche immer auf später verschiebt.

Was für ein Glück bedeutet es dagegen, wenn ein 80. Geburtstag bevorsteht, den man gesund und im Kreise der Familie feiern darf. Der Rückblick auf ein langes bewegtes Leben voller Ecken und Kanten und Abzweigungen, welche der oder die Feiernde im Kreisverkehr des Lebens genommen hat, gewinnt angesichts solcher Schicksalsschläge noch mal erheblich an Bedeutung.

Begleiten Sie mich und eine ganz besondere Jubilarin hier und jetzt an ihrem Ehrentag! Die geladenen Geburtstagsgäste sind an solchen Tagen oft besonders tiefsinnig und verraten uns mehr über das Leben als beim klassischen Small Talk oder in „sinnvollen“ Diskussionen über die Weltpolitik.

Ich wünsche viel Vergnügen bei der Lektüre, vor allem aber wünsche ich Ihnen, dass es Ihnen ebenfalls vergönnt sei, Ihren 80. Geburtstag und viele weitere voller Gesundheit, Freude und mit lieben Freunden und Verwandten feiern zu können.

Bleiben Sie gesund und lustig, der Rest ergibt sich eh von selbst!

Untergriesbach, April 2023

Wolfgang Obermüller

Kapitel 1: Ein arbeitsreiches Leben

„Andi, vergiss bitte nicht, die Pralinen beim Konditor abzuholen und die Orchidee im Blumenladen von Frau Bertram!“, ertönte es aus der Küche. Andi, damit war ich gemeint.

Parallel erhielt Astrid, meine Frau, Anweisungen von ihrem Zauberküchengerät, damit der Nudelteig auch gelang wie beim Italiener. Nebenbei sang sie zu Hits aus den 1980ern, die passenderweise alle auf Italienisch waren – Albano und Romina Powers „Felicità“ hatten es ihr besonders angetan.

Natürlich vergesse ich die Pralinen und die Orchidee nicht, dachte ich, als ich die Tür von unserem schmucken Einfamilienhaus hinter mir zuzog. Beim Gang durch unseren perfekt getrimmten Garten beobachtete ich, wie der Rasenmähroboter einsam seine Runden drehte. Unser adretter Vorgarten, bei dem das Unkraut mit unserem Einzug ausgezogen war, war Astrids ganzer Stolz.

Ich setzte mich in unseren neuen Wagen, den ich vorher über eine App auf meinem Handy aus der Garage geholt hatte. Den Sitz hatte ich perfekt auf meine Körpergröße eingestellt, die Klimaanlage lief auf meiner Wohlfühltemperatur und aus dem Radio ertönte mein Lieblingssender.

Jetzt saß ich hier also in meinen Traumauto, hielt kurz inne und fragte mich, ob meine Mutter, für die ich gerade die Blumen und Pralinen abholen sollte, in meinem Alter wohl auch über solchen Luxus verfügt hatte. Welche Sorgen und Nöte hatte Annemarie, als sie so alt war wie ich jetzt?

Meine Mutter Annemarie war eine Oma, wie sie im Bilderbuch steht – mit weißem Haar, immer fleißig am Werkeln. Mit ihren 80 Jahren schmiss sie noch den Haushalt und Garten in meinem ehemaligen Elternhaus. Wenn sie nicht gerade alles in Schuss hielt, war sie mit ihren Freundinnen auf dem E-Bike unterwegs. Hoffentlich war ich später in diesem Alter auch noch so fit!

Annemarie hatte ein von Arbeit geprägtes Leben gelebt und genoss nun ihren „Unruhestand“ in vollen Zügen.

Leider war mein Vater, ihr treusorgender Ehemann, vor zwei Jahren während der Pandemie verstorben, an Herzstillstand, nicht an Corona. Die Beerdigung war eine echte Herausforderung gewesen, weil weder Verwandte noch Bekannte anwesend sein durften aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen im Freistaat Bayern.

Der plötzliche Tod meines Vaters hatte meiner Mutter einen Spiegel vorgehalten, wie schnell das Leben vorbei sein konnte. Ihre Freundinnen fingen sie wieder auf, auch wenn das zu dieser Zeit ebenfalls nur telefonisch möglich war.

Auch wir als Familie konnten sie nicht so oft besuchen, wie wir es uns gewünscht hätten, da ja meine Mutter zur Risikogruppe zählte.

So saß sie an Weihnachten 2021 das erste Mal allein unter dem Christbaum, ihr Ehemann verstorben und wir, ihre Familie, die sie zu Weihnachten keiner Ansteckungsgefahr aussetzen wollte.

Gut, dass meine Mutter mit WhatsApp so fit war! Und so gab es halt eine WhatsApp-Weihnachtsfeier – wir saßen bei uns und meine Mutter bei sich zu Hause. Aber auch ein Livestream kann echte menschliche Nähe nicht ersetzen.

Während unserer Telefonate erzählte mir meine Mutter viel aus ihrem Leben: Wie sie in den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs geboren wurde und ihr leiblicher Vater nicht aus dem Krieg zurückkehrte.

Der Stiefvater bot ihr und ihrer Mutter eine sichere Existenz und zog mit ihnen nach München, wo sie dann auch bei einem Sonntagstanz meinen Vater kennenlernte. Ich war ihr einziges Kind. Warum, das habe ich nie hinterfragt, ich glaube aber, es hatte gesundheitliche Gründe.

Als Nachkriegsgeneration führten meine Eltern ein entbehrungsreiches Leben, es wurde ihnen nichts geschenkt. Mein Vater arbeitete zunächst auf dem Bau und später in einer Automobilfabrik. Der Lebenstraum der beiden war ein Eigenheim, aber schon damals war dies in München kaum zu verwirklichen, und so zog es sie hinaus aufs Land in die Gemeinde Erding bei München. Der Flughafen lag noch in ferner Zukunft und Erding war ein schönes, ruhiges Bauerndorf, als sie sich das Grundstück kauften, auf dem in den nächsten zehn Jahren mit viel Eigenleistung sowie Unterstützung von Freunden und Arbeitskollegen das heutige Haus entstand. Gebaut wurde nur, wenn Geld da war. Die Bank hatte noch kein großes Vertrauen, was bei dem Gehalt meines Vaters auch nicht verwunderlich war.

Die Lösung brachte noch mehr Arbeit und verschiedene Zusatzjobs in der Fabrik. Mein Vater war eigentlich bis in die 1980er-Jahre hinein nur am Arbeiten. Vor oder nach der Schicht half er bei den Landwirten aus. Er konnte gut mit dem Schweißgerät umgehen. So manches Gartentor im Ort oder Stallgatter trägt heute noch seine Handschrift.

Meine Mutter wurde 1972 mit mir schwanger und gab ihren Job als Änderungsschneiderin in einem Bekleidungshaus in München auf, aber Geld brauchten sie ja weiterhin, schließlich musste das Haus fertiggestellt werden. Daher übernahm sie ebenfalls immer wieder Änderungsarbeiten in unserem kleinen Ort und fand nach meiner Geburt noch einen Heimarbeitsplatz bei einem Bekleidungshersteller für Bundeswehrkleidung. Diese Einnahmequelle brach dann Ende der 1980er-Jahre weg, da im Ausland günstiger genäht werden konnte. Aber meine Mutter blieb nicht untätig und übernahm gleich zwei Arbeitsstellen als Reinigungskraft – einmal bei uns in der Schule und im Kindergarten vor Ort.

Ich fand das nicht so lustig, denn meine Mutter wusste immer als Erste, wenn ich in der Schule etwas ausgefressen hatte, weil sie nachmittags beim Putzen meine Lehrer in der Schule traf. Diese Arbeit verrichtete sie bis zu ihrer Rente mit 65 Jahren. Trotz der vielen Arbeit war ein Urlaub pro Jahr Pflicht – immer ging es nach Bibione in Italien, jedes Jahr in eine Ferienwohnung für eine Woche im August (für ein Hotel reichte das Geld nicht).

Erst als ich aus dem Haus war, wurden aus der einen Woche zwei Wochen Urlaub in Bibione in einem Dreisternehotel, diesen Luxus wollten sie sich dann doch gönnen.

Mein Vater lehrte mich harte Arbeit. Meine Mutter war eine herzensgute Frau, die mich oft vor meinem Vater verteidigte, wenn ich als Teenager über die Stränge schlug oder schlechte Schulnoten mit nach Hause brachte.