Real Money - James J Cramer - E-Book

Real Money E-Book

James J Cramer

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Beschreibung

Er selbst nennt dieses Buch "die Quintessenz seines Wissens". Hie­rin beschreibt US-Börsenguru Jim Cramer, wie Anleger langfristig erfolgreich an den Märkten agieren können. Welche Fehler muss ich vermeiden? Welche Strategien versprechen Erfolg? Was machen wirklich reiche Familien mit ihrem Geld? Auf Fragen wie diese liefert der Autor umfassende Antworten. Dabei kann der Leser sicher sein, dass Cramers Wissen nicht aus Büchern stammt, sondern in der Praxis hart erarbeitet wurde. "Real Money" ist ein Must-have für alle, die ins Börsengeschehen einsteigen oder ihr Wissen vertiefen wollen. Egal welches Klima an der Wall Street herrscht: Cramer gibt Ihnen Tipps und Tricks an die Hand, mit denen Sie in jeder Börsenphase erfolgreich investieren können.

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Seitenzahl: 610

Veröffentlichungsjahr: 2023

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JIM CRAMER

REAL MONEY

So geht erfolgreiche Geldanlage an der Börse

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

JIM CRAMER’S REAL MONEY: Sane Investing in An Insane World

ISBN 0-7432-2489-2

German Translation copyright © 2006 by Börsenmedien AG

JIM CRAMER’S REAL MONEY: Sane Investing in An Insane World

Copyright © 2005 by J. J. Cramer & Co.

All Rights Reserved.

Published by arrangement with the original publisher, Simon & Schuster, Inc.

Copyright der deutschen Ausgabe 2023:

© Börsenmedien AG, Kulmbach

Übersetzung: Christian Seidel

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 978-3-86470-854-1

eISBN 978-3-86470-855-8

Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks,

der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken

oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Postfach 1449 • 95305 Kulmbach

Tel: +49 9221 9051-0 • Fax: +49 9221 9051-4444

E-Mail: [email protected]

www.boersenbuchverlag.de

www.facebook.com/plassenverlag

www.instagram.com/plassen_buchverlage

Meinen fabelhaften Töchtern,

Emma und Cece Cramer,

meine beiden kleinen Rettungsengel, die ich so sehr liebe.

Inhalt

DANKSAGUNG

EINFÜHRUNG Die Kunst des Investierens

KAPITEL 1 So bleiben Sie im Spiel

KAPITEL 2 Jetzt geht’s los – aber richtig!

KAPITEL 3 Was dahintersteckt

KAPITEL 4 Einige Grundlagen des Investierens

KAPITEL 5 Kursbewegungen vorhersehen

KAPITEL 6 25 Regeln für Stock-Picker

KAPITEL 7 Ihr maßgeschneidertes Portfolio

KAPITEL 8 Aktien im Tief aufspüren

KAPITEL 9 Ein Hoch erkennen

KAPITEL 10 Strategien für Fortgeschrittene

NACHWORT

Danksagung

Ich möchte, dass Sie reich werden. Wirklich reich. Das ist mein Ziel. Mir genügt es nicht, wenn es Ihnen einfach nur besser geht. Und ich will nicht, dass Sie gerade so über die Runden kommen. Ich weiß, ich kann Ihnen helfen. Ich habe schon zu viele Menschen reich gemacht, als dass es mir nicht auch bei Ihnen gelingen könnte.

Ich bin reich geworden, weil ich meinen gesunden Menschenverstand eingesetzt habe, und nicht, weil ich über raffinierte Methoden oder eine elitäre Ausbildung verfüge. Ich weiß, Sie können das auch. Die mathematischen Kenntnisse, die Sie brauchen, um an der Börse zurechtzukommen, lernen unsere Kinder in der fünften Schulklasse. Ich weiß, wovon ich spreche, schließlich helfe ich jeden Abend einer Schülerin der fünften Klasse bei ihren Mathehausaufgaben.

Nachdem ich meine Bekenntnisse eines Wallstreet-Süchtigen veröffentlicht hatte, las ich regelmäßig die Buchbesprechungen unter Amazon.com, bis mir meine Frau schließlich klarmachte, dass ich mich mit diesen Kritiken nur verrückt machen würde. Im Wesentlichen zeigten sich meine Rezensenten sehr fasziniert von meiner Lebensgeschichte und zugleich tief enttäuscht, dass ich Ihnen nicht sagte, wie ich mein Geld verdiente.

Darum soll es nun in diesem Buch gehen. Hier sage ich Ihnen alles. Ja, im Grunde frage ich mich, während ich diese Seiten schreibe, ob ich mich nicht wieder in die Vermögensverwaltung stürzen und diese Regeln und Prinzipien einsetzen sollte – so sehr bin ich überzeugt davon, dass sie funktionieren.

Aber bevor ich sie Ihnen vorstelle, möchte ich diejenigen erwähnen, die einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben, dass ich Ihnen hier erkläre, wie ich wirklich zu den vielen Millionen Dollar gekommen bin. Der wichtigste Platz gebührt meiner Frau Karen, die bereits in meinem Buch Bekenntnisse eines Wallstreet-Süchtigen eine wichtige Rolle erhalten hat. Sie steht für die konsequente Absage an alles elitäre Wissen, die sich in diesem Buch widerspiegelt. Während unserer gemeinsamen Zeit bei Cramer & Company hat Karen mehr Zeit damit verbracht, mir meine Gewohnheiten des Harvard-Schülers auszutreiben, als sie zu feiern.

Meinem Vater Ken verdanke ich mein analytisches Denken. Während meiner Kindheit und in den Jahren danach verbrachte er ungezählte Stunden damit, mir die Macht der Geschäfts- und der Lagerhaltungszyklen zu erklären. Er hatte ein intuitives Verständnis dafür. Ich musste es erlernen. Meine Danksagung wäre unvollständig, würde ich nicht auch seiner Mutter und seinem Vater danken. Diese hervorragenden Geschäftsleute, die schon länger von uns gegangen sind, haben mir ein ethisches Verantwortungsgefühl weitergereicht, das tief verwurzelt und unauslöschlich verankert war, schon bevor es mich erreichte. Meine verstorbene Mutter Louise hat meine Wiedergeburt als Autor nicht mehr miterleben können. Da ihr an der „Seele“ mehr lag als am Geld, wäre sie sicher glücklich gewesen zu erfahren, wie sich die Dinge entwickelt haben.

Da ich gerade dabei bin, meine Familie zu feiern, will ich auch meinen Schwager Todd Mason nicht unerwähnt lassen. Er hat mir enorm viel darüber beigebracht, was in der Geschäftswelt wichtig ist und wie ich in den Märkten mit Erfolg bestehe. Auch über seine offensichtliche Klugheit hinaus, meine Schwester Nan zu heiraten, ist er sicher der klügste Mensch auf Erden.

Ich bin in meiner Karriere so vielen Menschen begegnet, den ich danken muss und bei denen ich lernen konnte, wie man die Dinge richtig macht. Aber beginnen wir bei Bill Gruver und Richard Menschel, zwei Heilige, die einst über die Aktiensparte von Goldman Sachs herrschten. Dann nenne ich Marty Peretz, dem ich meinen ersten Auftrag als Vermögensverwalter verdanke und der darauf bestand, dass ich es schneller wachsen lasse, als es jeder andere hätte tun können. Vielen Dank, Marty!

Ehre gebührt zudem Will Gabrielski und David Peltier von TheStreet.com sowie David Morrow, dem Chefredakteur von TheStreet.com, die mir bei der Zusammenstellung meines Manuskripts halfen, und natürlich dem überlebensgroßen Tom Clarke, CEO von TheStreet.com, der als Nächstes Geld managen muss, weil er die dafür nötige Geduld und die innere Stärke besitzt.

Dank muss ich zudem meinen Freunden von CNBC aussprechen, der sagenhaften Susan Krakower, Larry Kudlow, Matt Quayle, Linda Sittenfeld, Donna Vislocky, Andrew Conti, Christine Dooley und natürlich Bob Fasbender, der half, aus mir den angeblichen TV-Star zu machen. Meine Dankbarkeit gehört ebenso meinen Freunden von WOR: Meinem Produzenten Mike Figliola sowie den großartigen Menschen, die dort mit Rick Buckley arbeiten, unter anderem Joe Billota, Bob Bruno und Maurice Tunick. Auch Cheryl Winer möchte ich danken, ohne deren Beharrlichkeit ich niemals das Radio als das großartige Medium entdeckt hätte, das es ist.

Ich möchte all den Fachleuten danken, die mir Ärger vom Hals halten – meinen Agenten Suzanne Gluck und Henry Reisch und meinen Rechtsanwälten Eric Seiler und Bruce Birenboim. Letzterem werde ich auf immer tief verpflichtet sein, denn ohne seinen Rat hätte ich jegliches öffentliches Auftreten schon längst wieder aufgegeben.

Dank gebührt natürlich ebenso David Rosenthal und Bob Bender, meinem Verleger und meinem Herausgeber, die mich wirklich verstehen und denen ich sehr verbunden bin. Eher möchte ich sterben, als diese beiden zu enttäuschen.

Schließlich möchte ich Cece und Emma danken, die an den zahllosen Wochenenden, die ich über diesem Buch verbrachte, auf mich verziehten mussten und die mich immer wieder an das erinnern, was wirklich wichtig ist: an die Familie. Egal wie reich du wirst, an das Glück, Vater zu sein und von deiner Familie geliebt zu werden, wird Geld nie heranreichen.

EINFÜHRUNG

Die Kunst des Investierens

Seit Jahren quälen sich Anleger mühsam durch die Handbücher des Tradens und Investierens, in der Hoffnung dort auf ein paar Weisheiten zu stoßen, die sie reich machen. Seit Jahren produzieren die Autoren derartige Titel und präsentieren ihren Lesern entweder staubtrockene, wissenschaftliche Theorien oder aber schwungvolle Analysen, die selbst der wohlwollensten Prüfung eines Fachmanns nicht standhalten können. Dazwischen herrscht Leere. Nichts werden Sie hier finden, das Ihrem Verlangen entspricht, mit gesundem Menschenverstand, einem angemessenen Aufwand an Zeit und Arbeit und etwas fachlicher Neigung zu viel Geld zu kommen.

Als totaler Börsen-Junkie, der ich bin, haben mich diese Werke entweder zu Tode gelangweilt oder schnell zu dem Schluss geführt, dass hier Scharlatane am Werk waren, mit deren Hilfe Sie keine müde Mark machen werden. Durch die meisten Anlagebücher, ebenso wie durch die meisten Fondsmanager, wären Sie mit Ihren Aktienanlagen wohl schlechter beraten, als wenn Sie sich aus den Einzeltiteln eines Leitindexes wie dem Standard & Poor’s 500 wahllos ein Portfolio zusammenstellen würden. Diese Bücher werden gekauft, weil sie leicht zu lesende und einfach umzusetzende Anleitungen darstellen. Doch die wenigsten Verfasser haben selbst jemals Aktienanlagen verwaltet, geschweige denn es am Aktienmarkt zu wirklichem Reichtum gebracht. Wie viele dieser Autoren haben ohne echte Grundlage angefangen und sind zu viel Geld gekommen, weil sie einfach die richtigen Aktien gekauft und die falschen Aktien vermieden oder leerverkauft haben? Ihre Schriften sind formelhaft und undurchschaubar oder vereinfachen und versprechen viel zu viel. Diesen Autoren fehlt die lebenslange Erfahrung der Aktienauswahl. Daher lehren sie Ihnen weder, was schief, noch was gut gehen kann.

Mit jenen Büchern hat dieses Buch nichts gemein. Hier geht es nicht nur um die Grundlagen der Aktienanlage, sondern auch um die psychologischen und menschlichen Aspekte des Investierens. Dieses Buch ist die Essenz all dessen, was ich über die Jahre gelernt habe. Es greift auf jede wichtige Regel, auf jeden klugen Gedanken und auf jeden Kniff zurück, den ich je entdeckt oder entwickelt habe und der mir am Aktienmarkt zu enormem Reichtum verholfen hat. In diesem Buch berichte ich über alles, was mich reich gemacht hat und was mich hätte arm machen können. In diesem Buch präsentiere ich Ihnen die Geheimnisse, mit denen große Vermögen erhalten werden – die Geheimnisse der 38 wohlhabendsten Familien der Welt, deren Geld ich über 20 Jahre verwaltet habe. Für mich und meine Investoren habe ich Hunderte Millionen Dollar verdient. Ich liebe das Geldverdienen. Ich liebe es, darüber zu berichten, darüber zu schreiben und vor allem, es zu tun. Ich weiß, was verlieren und was gewinnen bedeutet. In meinem erfolgreichsten Jahr habe ich 300 Millionen Dollar verloren. Aber im gleichen Jahr habe ich 450 Millionen Dollar gut gemacht. Das macht 150 Millionen Dollar für die Guten.

In vielerlei Hinsicht allerdings betrachte ich dieses Buch nicht als ein Finanzbuch und nicht als eine Anleitung zum Investieren oder Traden. Als ein landesweit ausgestrahlter Talkshow-Gastgeber und Gründer der Firma TheStreet.com habe ich buchstäblich mit Hundertausenden Anlegern kommuniziert. Ich weiß mehr darüber, was Sie falsch, als was Sie richtig machen. Ich kenne Ihre Schwächen bei der Vermögensverwaltung besser als jeder andere heute tätige Vermögensverwalter, vielleicht sogar besser als jeder andere Bürger dieser Erde einschließlich Sie selbst. Ich weiß, was Sie immer noch nicht herausgefunden haben. Ich weiß, weshalb Sie Geld verlieren, weshalb Sie tief verkaufen und hoch einkaufen. Vor allem aber weiß ich, weshalb Sie hin- und herirren, weshalb Sie es nicht vermögen, mit größerer Beständigkeit Gewinne zu erzielen und weshalb Sie mit dem Kauf von Aktien immer wieder Geld verlieren dürften. Ich weiß, was Sie befähigen kann, ein Leben lang mit Erfolg zu investieren und nicht nur hier und da ein paar Dollar einzustreichen. Ich weiß all das, weil täglich Dutzende dankbarer Anleger bei meiner Show anrufen oder mir über TheStreet.com E-Mails schreiben, um zu berichten, dass ich ihr Leben geändert hätte, dass sie dank meiner Ratschläge zum ersten Mal mit Aktien Geld verdient und Gewinne realisiert haben, die sie ohne meine Hilfe zweifellos wieder abgegeben hätten. Jeden Tag berate ich Anleger. Als Grundlage dieses Coachings dient mein eigenes, inneres Textbuch, an dem ich über 25 Jahre gearbeitet habe und mit dem ich in guten wie in schlechten Märkten hohe Gewinne erzielt habe. Bislang existierte dieses Textbuch nur in meinem Kopf. Nun haben Sie es in den Händen.

In diesem Sinne betrachte ich dieses Buch mehr als ein Diätbuch, das Sie ein Leben lang in Ihrer Finanzküche begleiten wird, und nicht als ein Buch übers Geldmachen. Jawohl, ich habe das erste Diätbuch der Geldanlage geschrieben! Ich habe neue Wege aufgetan, das Spiel des Geldanlegens lebendiger zu gestalten. Dadurch wird und bleibt es für Sie interessant genug, um mit meinen Ernährungsvorschlägen ans Ziel zu gelangen und echten Wohlstand zu entwickeln. Mein Leben lang habe ich versucht, das Geldanlegen in einfachen Worten zu beschreiben und den Aktienhandel mit Analogien aus der Welt des Sports, des Films, der Kriegsschauplätze oder was auch immer einfacher und verständlicher zu erklären. Ich kann es mir nicht erlauben, Sie frustriert oder übersättigt oder um Ihr Geld besorgt zurückzulassen. Das hätte zur Folge, dass Sie jemandem in die Arme laufen, der sich weniger um Ihr Geld schert als Sie selber und der durch Sie und nicht für Sie Geld verdienen will. Ich möchte, dass Sie sich um Ihre Finanzen kümmern. Ich möchte, dass Sie Ihr eigener Guru werden. Und ich möchte, dass Sie so viel Freude am Investieren haben, dass Sie es in die eigenen Hände nehmen. Auch wenn ich dafür das Investieren mit etwas Spaß und Spannung würzen muss.

Die meisten Finanzbücher bleiben trocken und nüchtern und sehen so konsequent über Ihre Schwächen hinweg, dass sie kaum mehr Wert besitzen als der unbekümmerte Ratschlag: „Ernähre dich vernünftig und treibe Sport.“ Das ist Mumpitz. Damit kann man Sie kaum beeindrucken. So etwas hilft Ihnen nicht abzunehmen. Im Bereich der Finanzen werden Ihnen solche Ratschläge ebenso wenig helfen. Sie werden Sie nicht reich machen. Solche Ratschläge erreichen lediglich, dass Sie das Interesse verlieren und aufgeben oder Ihr hart verdientes Geld jemandem anvertrauen, der es gut gebrauchen kann, um seine Provisionen aufzubessern oder eine hochtourige Gebührenmaschinerie auf Trab zu halten. In den Baisse-Phasen werden Sie kapitulieren, Sie werden am Tiefpunkt verkaufen, schon bei der erstbesten Gelegenheit. Jeder weitere Rückschlag an den Märkten wird Sie tiefer in die Knie zwingen, und davon stehen Ihnen Hunderte bevor. Wie den Anlegern, die in der Baisse von 2000 bis 2003 unter die Räder gekommen sind, wird es Ihnen ergehen. Und schließlich werden Sie einen weiten Bogen um jegliche kapitalgedeckte und staatlich geförderte Rentenvorsorge machen und fortan die unendlich vielen Möglichkeiten ignorieren, die sich selbst unter den ungünstigsten Marktbedingungen ergeben. Ich weiß, dass ich Sie durch die größten Schwierigkeiten führen und Ihnen zeigen kann, wie Sie diese mit Erfolg meistern. Ich kann Ihnen helfen, auf der Reise zum großen Geld ans Ziel zu gelangen.

Ich kenne Sie. Ich weiß, dass Sie spekulieren wollen. Ich weiß, dass Sie ein paar überproportional hohe Gewinne einstreichen wollen. Ich weiß, dass Sie Ihre Verluste ewig mit sich rumschleppen, wenn Sie unvorsichtig werden. Und ich weiß, dass Sie Pennystocks und anderem Junkfood der Finanzmärkte erliegen, wenn Sie sich selbst überlassen sind. Aus diesem Grund habe ich in meine Ernährungsvorschläge auch spekulative Elemente eingebaut, ähnlich wie die Atkins-Diät zu wohlschmeckendem Rinderbraten rät. Ich bestehe darauf, dass Sie auch spekulative Werte in Ihr Anlagemenü aufnehmen. Ich erwarte, dass Sie einen Teil Ihres Vermögens ausschließlich der Spekulation widmen. Dadurch erreichen Sie eine reale Diversifikation. Sie können ein paar solide Blue Chips und einige dividendenstarke Titel aus verschiedenen Bereichen halten und dennoch ein Lotterielos kaufen, das Ihnen nicht schaden, Sie aber mit einem Schlag sehr viel reicher machen kann. Ich bin überzeugt, dass die echte Balance, die echte Diversifikation erst erreicht ist, wenn sich auch einige riskantere Titel mit einem enormen Gewinnpotenzial im Portfolio befinden.

Erinnern Sie sich, dass die renditestärksten Titel, die Sie je hatten – die Home Depots, die Best Buys, die Comcasts – genau zu dem Zeitpunkt, als es galt, sich aggressiv mit ihnen einzudecken, als extrem riskant und hochgefährlich erachtet wurden? Mit diesen Aktien konnten Sie aus Tausend Dollar eine Million Dollar machen. Doch konventionelle Investoren mieden sie, da sie ihnen zu heikel waren. Außerdem gibt es Situationen – etwa nach einem brutalen Ausverkauf oder wenn Sie eine Eingebung haben, von der Sie felsenfest überzeugt sind –, in denen Kaufoptionen, die von konventionellen Investoren ebenfalls als viel zu riskant eingestuft werden, die vorsichtigste und konservativste Strategie darstellen. Das gilt vor allem für die jüngeren Anleger, die gerade erst ihre ersten Schritte machen, aber auch für ältere Investoren, die noch viele Jahre ihrem Broterwerb nachgehen wollen und denen ihr Gehalt zur Not noch ausreichend Sicherheit bietet. Ich weiß, das ist für einige reine Ketzerei. Ich weiß, es gibt angesehene Experten, die erschaudern, wenn Sie jemanden hören, der auf diese Weite die Parteilinie verlässt und Spekulation und alles, was damit verbunden ist, nicht verteufelt. Doch diese Experten leben nicht in der Wirklichkeit. Im Grunde sind Sie nur Randfiguren, Kritiker, die das tatsächliche Investieren kaum kennen oder denen das Spekulieren derart verhasst ist, dass Sie lieber auf eine Rendite von 100 Prozent verzichten, als in etwas zu investieren, das es in zehn Jahren vielleicht gar nicht mehr gibt. Auch wenn die Gewinnaussichten dieser Aktie oder gar des Unternehmens kurzfristig so enorm sind, dass sie nicht zu übersehen sind. Diesen Leuten sage ich: „Nur zu, kritisiert nur meine Ansichten! Aber leugnet nicht, dass das am leichtesten verdiente Geld manchmal auf die dümmste, wenn nicht die spekulativste Wette zurückgeht.“

Nicht weniger wichtig für Sie ist es zu erfahren, was Sie nicht kaufen dürfen, was Ihr Portfolio ruinieren kann, welche Aktien sich in der von mir so bezeichneten „Gefahrenzone“ befinden und Ihr Portfolio zerstören können, egal wie viel Gewinn Sie mit Ihren anderen Positionen erzielen. Ich zeige Ihnen Tricks, die andere Bücher nicht kennen, damit Sie Ihre Gewinn bringenden Aktien weiter laufen lassen und Verlust bringende Werte vermeiden können.

In diesem Buch erfahren Sie immer wieder, wie die Wall Street wirklich funktioniert. Sie erfahren Dinge, die Ihnen Ihr Broker lieber nicht erzählt und von denen Ihr Anlageberater inständig hofft, dass Sie sie nie erfahren werden. Ich lege Schwierigkeiten und Fehler offen, über die Sie Ihre Fondsgesellschaften im Dunkeln lassen, damit Sie deren schwache Performance nicht erkennen. Ich sage Ihnen, was Sie wissen müssen, damit Sie Ihrer wichtigsten Stütze, Ihrem Geld, vertrauen können und es unter Kontrolle haben. Und ich tue das mit Freude und mit Leidenschaft, denn mein ganzes Leben lang habe ich die Wall Street für mich arbeiten lassen, nicht gegen mich. Ich kann Ihr Coach und Ihr Kapitän sein und dafür sorgen, dass Sie Fahrwasser unter den Kiel bekommen und wir die Fahrt in Richtung Reichtum gemeinsam antreten.

Dieses Buch geht das Investieren auf die gleiche Art an wie ein erfolgreiches Diät-Buch das Abnehmen. Ich weiß, dass ich Ihr Interesse wach halten muss, dass ich Sie fesseln muss, damit Sie eine Diät, die Ihnen mit der Zeit großes Geld bringen kann, durchhalten. Ich muss Sie bei der Stange halten, damit Sie nicht abspringen, damit Sie aus dem Aktienspiel nicht aussteigen. Ich muss dafür sorgen, dass Ihnen die (Aktien-)Kost mundet. Wieso aber Aktien? Weil jede wissenschaftliche Studie zeigt, dass in der Vergangenheit keine Anlageform – sei es Gold, Immobilien, Anleihen oder Sparbücher – über eine beliebige Zeitspanne von 20 Jahren die Rendite abgeworfen hat, die Qualitätsaktien mit einer guten Dividende erzielt haben. Wenn Sie Aktien mit einer guten Dividendenrendite halten, werden Sie mit den akkumulierten Dividendenausschüttungen tatsächlich mehr Gewinn machen, als Sie sich jemals über den Kauf von Anleihen, der wichtigsten Alternative zu Aktien, erhoffen können, selbst wenn die Dividende jetzt viel kleiner aussieht als der Zinskupon der derzeit gängigen festverzinslichen Anleihen. Diese Aussage geht natürlich etwas zu leichtfertig über das Problem hinweg, dass die meisten Anleger Aktien minderer Qualität kaufen, die niemals hohe Dividenden ausschütten werden, oder sich an Qualitätsaktien mit hohen Dividenden festklammern, die sich zu minderwertigen und dividendenfreien Katastrophentiteln entwickeln. Dies ist das schlechte Fett in der Finanzdiät, das ich herausschneiden kann, bevor es in Ihre Venen gelangt. Genau diese Erfahrung haben so viele Anleger mit der Aktienblase gemacht, die im Jahr 2000 platzte. Genau das ist der Grund, dass so viele Anleger aufgegeben oder sich an Fondgesellschaften gewandt haben, die für unterdurchschnittlichen Service und unterdurchschnittliche Leistung hohe Gebühren kassieren. Ich weiß, wenn ich Sie bei den guten Aktien halten kann, profitieren Sie von der unbestechlichen Logik, Wertpapiere mit überdurchschnittlicher Rendite zu halten ohne die hohen Provisionen und Kosten der traditionellen Broker und Fondsgesellschaften tragen zu müssen.

Ich bin zudem überzeugt, und ich werde auch Sie davon überzeugen, dass man sich eines Besseren besinnen kann, dass man eine Aktie abstoßen kann, die nicht den erwarteten Erfolg bringt. Natürlich können Sie eine Aktie wie Yahoo oder Ebay schon kaufen, wenn sie noch in den Kinderschuhen steckt. Aber solch eine Aktie kann sich dann ebenso gut als eine CMGI oder eine Webvan entpuppen – also um einen umherirrenden Zombie oder ein untergegangenes Unternehmen. Aber nirgends im Verhaltenskodex des Investierens steht geschrieben, dass man an schlechten Aktien festhalten müsse, auch nachdem sie sich als solche erwiesen haben. Ich zeige Ihnen die Warnsignale, mit denen Sie die Schlechten erkennen und verkaufen können, wenn Sie mit einer „Branchenwette“ auf eine neuentwickelte Technologie oder eine aufsteigende Gruppe von Unternehmen gewettet haben. Ihr verbleibendes Geld können Sie dann auf die Gewinner setzen.

Viele Anleger wissen instinktiv, dass sie keine teuren Anlageberater, Broker oder Fondsmanager brauchen. Und wenn Sie dieses Buch zu Ende gelesen haben, werden Sie auch den Mut haben, ihnen den Laufpass zu geben. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich tagtäglich bei Jim Cramer’s RealMoney, meiner landesweit ausgestrahlten Radiosendung, mit Leuten spreche, die über einen gesunden Menschverstand verfügen, die Dinge selber in die Hand nehmen wollen und einen vernünftigen Weg eingeschlagen haben, aber sich dann von hochbezahlten Profis davon wieder abbringen lassen. Bei mir können Sie sich Ihre zweite Meinung einholen. Bei mir finden Sie die nötige Zuversicht, selber die besseren Entscheidungen zu treffen.

Auch wenn Sie nach der Lektüre dieses Buchs noch Finanzberater brauchen, weil Ihnen selber die Zeit oder die Muße fehlt, erhalten Sie von mir Instrumente an die Hand, mit denen Sie sicherstellen können, dass diese Finanzberater Ihren Wünschen folgen statt Sie für eigene Zwecke zu missbrauchen. Das können sie mit Leuten machen, die über die Dinge an der Wall Street weniger gut Bescheid wissen.

Die Idee dieses Buchs ist die folgende: Wenn ich durch das Spekulieren auf legale Weise Geld verdienen kann, wen zum Teufel sollte es stören, wenn ich dabei auf wissenschaftliche Methoden zurückgreife. Das Ziel lautet einfach, in kurzer Zeit möglichst viel Geld zu machen. Und ich verspreche Ihnen, Sie dazu zu bringen, Ihre Gewinne nicht gleich wieder zu verspielen. Das dabei auch spekuliert wird, sollte Ihnen nicht mehr Kopfzerbrechen machen, als eine Diät, die auch die unorthodoxen Beigaben von Rindfleisch und Käse erlaubt. Ebenso wenig sollten Sie sich sorgen, wenn einige der Aktien, die Sie kaufen, nicht als langfristige Investition sondern nur als Möglichkeit gedacht sind, von einer aktuellen Laune zu profitieren. Noch einmal: Wenn ich Ihnen zum Verkauf von Positionen rate, bedeutet das nicht nur, dass diese Methode nicht leichtsinnig, sondern gerade deshalb sehr vorsichtig ist, weil Sie Ihnen Gelegenheit bietet, überproportionale Gewinne einzufangen.

Die Tatsache, dass mein Buch das Geldverdienen zu einer faszinierenden Aufgabe macht, ja sogar Spaß bringt, heißt nicht, dass diese Methoden einfach und für jeden geeignet wären. Ich kann Ihnen eine Starthilfe geben, doch meine Methoden benötigen Zeit und Einsatz und vor allem einige Disziplin. Wenn Sie meine Vorschläge befolgen, werden Sie reich belohnt, vielleicht sogar mit mehr Geld, als Sie sich zu träumen gewagt haben. Allerdings müssen Sie dabei auch Ihre Hausaufgaben machen, Sie müssen mit viel Aufmerksamkeit bei der Sache bleiben und alle obligatorischen Regeln befolgen. Und davon gibt es viele. Wenn Sie Ihre Hausaufgaben machen – langweilige, elementare Hausaufgaben –, werden Sie manchmal zu dem Schluss kommen, dass Sie Ihre Position ausbauen müssen, dass Sie bei fallendem Kurs ihre Aktien verdoppeln müssen, um den Einstiegspreis zu reduzieren, anstatt zu verkaufen und sich aus dem Staub zu machen. Vor jedem Kauf stehen Ihre Hausaufgaben. Jawohl, was Sie hier finden, sind nicht fünf einfache Schritte, keine schnelle und narrensichere Methode, kein müheloser Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Es geht hier um eine komplexe und strikte Diät, die Sie befolgen müssen, wenn Sie mit Aktien reich werden und bleiben wollen.

Aber lassen Sie sich nicht von der Vorstellung beunruhigen, zur Kapitalvermehrung sei harte Arbeit nötig. Nichts in diesem Buch übersteigt den Horizont meiner dreizehnjährigen Tochter. Nichts bei der Suche nach der richtigen Aktie benötigt mehr als die einfachen Rechenkünste, die mittlerweile auch meine zehnjährige Tochter in den Griff bekommt. Ein bisschen Prozentrechnen, ein bisschen Dividieren, ein bisschen Multiplizieren ist schon das Schwierigste, das vor Ihnen liegt. Ich weiß, wie ich Ihnen die Finanzdiät am besten lehre und antrainiere. Ich weiß, wie ich Sie dazu bringe, dranzubleiben. Ich gebe Ihnen all die Sicherheitsinstrumente, mit denen Sie Ordnung und Zuverlässigkeit in Ihr Portfolio bringen. Und ich gebe Ihnen auch die Geheimnisse weiter, Einsichten, die sie meiner Überzeugung nach reich machen werden, wenn Sie sich nur an den Plan halten. Ich weiß, dass es funktionieren kann. Denn ich bin so vorgegangen.

In letzter Zeit haben sich Finanzkommentatoren und Fernsehjournalisten angewöhnt, das Investieren als ein sinnloses Unterfangen zu bezeichnen und zu erklären, niemand könne Ihnen Geld einspielen. Das hat sicherlich mit der zerstörerischen Baisse zu tun, die bis 2003 anhielt. Was wir hier erleben, ist ein kollektives Die-Waffen-Strecken! Die Überlegung dahinter lautet: Niemand kann besser sein als der Markt; also trete einem Index-orientierten Investmentfonds bei und sei der Markt. Die Zyniker und Pessimisten, die diese Einstellung verbreiten, sind überzeugt, es gäbe eine perfekte Informationsversorgung und niemand könne bei der Aktienauswahl besser sein als ein anderer.

Oder sie glauben, niemand verfüge über die Instrumente und Fähigkeiten, den Markt auch langfristig zu schlagen. Die Konsequenz heißt also: Gib auf und akzeptiere die schwache Rendite der Indizes, ganz gleich ob diese für Gewinne oder Verluste sorgen. Solche Schmähreden als verkaterte Reaktion auf die geplatzte Blase füllen einen ganzen Bücherschrank meines Büros. Diese Bücher sind gut durchdacht und arbeiten mit der Annahme, einzig ihr enormes Glück unterscheide die langfristigen Gewinner von den Verlierern. Wer dieses Glück nicht hat, sondern versucht, dem Investieren mit eigenen Fähigkeiten beizukommen, muss folglich scheitern.

Ich wünschte, ich wäre zynisch genug, an solch einen Pessimismus zu glauben. Ich wünschte, ich könnte daran glauben – dann könnten wir gleich hier aufhören. Ich würde Ihnen sagen, sparen Sie sich die Zeit und vergessen Sie das mit der eigenen Vermögensverwaltung. Ich würde Ihnen sagen, dass alles belanglos und Ihr Geld wie eine Topfpflanze ist, die Sie am besten in eine Zimmerecke stellen und ihr etwas Sonnenlicht und Wasser gewähren. Vielleicht treibt sie dann ein paar Sprossen. Vielleicht auch nicht. Sie können es im Grunde auch gleich lassen. Die Nein-Sager wollen, dass Sie den Umgang mit Ihren Finanzen in einem Gartenbuch erlernen, verdammt noch mal! Mir stellt sich dann aber die Frage, was wohl geschehen wäre, hätte ich vor 25 Jahren so gedacht, als ich gerade das College absolviert und mit ein paar Hundert Dollar und Bergen von Kreditkartenrechnungen das Investieren begonnen habe.

Was wäre – Hunderte Millionen Dollar zurückgedacht – aus mir geworden, hätte ich auf diejenigen gehört, die sagten, dass mein Vorhaben unmöglich sei, mit wenig Startkapital sehr schnell sehr viel Geld zu verdienen? Hätte auch ich einfach aufgegeben und mir gesagt: „Weißt du, dieser Aktienhandel, das ist einfach nur Zeitverschwendung“? Hätte ich mir gesagt: „Ich weiß, ich kann mit Aktien niemals reich werden, weshalb es also überhaupt versuchen?“ Was wäre geschehen, hätte ich auf diejenigen gehört, die sagten, ohne den Abschluss einer namhaften Wirtschaftsuniversität würde ich die Märkte nie gut genug verstehen, um viel Geld zu machen? Was wäre geschehen, hätte ich denjenigen Aufmerksamkeit geschenkt, die mir sagten, mit vernünftigem Menschenverstand käme man im Aktienmarkt nicht weiter? Wahrscheinlich hätte irgendjemand anderes das viele Geld verdient.

Aber ich habe nicht auf diese Stimmen gehört. Ich habe mir meinen eigenen Weg zu Reichtum gebahnt, einen Weg, der mich in seinen Bann gezogen hat, der mich immer wieder mit Faszination auf den Aktienmarkt blicken lässt, ohne dass dieser mich jemals besiegt oder mir meine Begeisterung genommen hätte. Ich habe Methoden eingesetzt, die ich nicht einer Wirtschaftsuniversität verdanke, sondern der Wall Street. Ich habe mich auf den gesunden Menschenverstand verlassen und auf die Geisteswissenschaften und nicht auf mathematische Berechnungen und abstruse Portfoliotheorien. Manchmal denke ich, vielleicht bin ich einfach nur ein Ersatzspieler, der weiß, wie er sich in der Ersten Liga der Reichen halten kann. Wenn dem so ist, kann ich auch Ihnen zeigen, wie das geht und wie Sie dort hingelangen. Vorausgesetzt, Sie bringen das Bedürfnis und den nötigen Scharfblick mit, dorthin zu gelangen.

In meinem Buch über meine Karriere als professioneller Investor, die Bekenntnisse eines Wallstreet-Süchtigen, habe ich ausgiebig über die Probleme und Sorgen eines Menschen berichtet, der sich dem Aktienmarkt mit Haut und Haar verschrieben hat. Doch habe ich damals kein einziges der Trading- und Investmentgeheimnisse weitergegeben, denen ich verdanke, dass ich mich schon in jungen Jahren aus dem aktiven Berufsleben zurückziehen konnte, um über die Aktienmärkte zu lesen, zu schreiben und zu sprechen und um bei anderen das Interesse für die selbstständige Vermögensverwaltung zu wecken. Einigen der Kritiker, die das Buch besprachen, fehlten Informationen darüber, wie ich reich geworden war. Sie fanden, ich hätte ein zu episches Werk geschrieben.

In diesem Buch also werden diejenigen, die Einblicke in meinen Hedgefonds haben wollen oder sich dafür interessieren, wie ich heute Geld – mein eigenes Geld – verwalte, nicht enttäuscht sein. Diesmal werde ich Ihnen den Diätplan geben, den ich entwickelt habe, um zu Reichtum zu gelangen.

Eignet sich dieser Diätplan für jedermann? Lassen Sie es mich so formulieren: Er eignet sich für jeden, der Aktien besitzt, und sicherlich auch für jeden, der sich durch die Einführung der kapitalgedeckten und staatlich geförderten Rentenvorsorge quasi gezwungen sieht, sein eigener Portfolio-Manager zu werden. Dieses Buch ist definitiv das Handbuch erster Wahl, wenn uns in den USA – und ich denke das wird schon bald der Fall sein – auch die Verwaltung unserer Beitragszahlungen in das staatliche Rentensystem in die eigenen Hände gelegt wird. Angesichts dieser Mammutaufgabe bedarf es eines Buchs wie diesem. Und sei es nur, um sicherzustellen, dass Sie von den vielen verschiedenen Finanzfachleuten nicht völlig abgezockt werden. Diese können es kaum mehr erwarten, bis sie Ihre Rentenbeiträge endlich in die Finger bekommen.

Natürlich wird nicht jeder mit den Methoden, die ich hier skizziere, zurechtkommen. Daher habe ich dieses Buch als „Alternative“ entworfen: Wenn Sie nicht selber Ihr fähigster Vermögensmanager sein wollen, erfahren Sie hier, wie Sie der fähigste Auftraggeber und der fähigste Kunde desjenigen werden, den Sie mit der Verwaltung Ihres Vermögens beauftragen. Aber wenn Sie sich damit auseinandersetzen – und ich weiß, wie ich Sie dazu bringe –, werden Sie eine bessere Rendite erzielen als jeder andere Vermögensmanager, den Sie finden können. Und zwar einfach deshalb, weil Sie über alle notwendigen Instrumente und Regeln verfügen werden, über alle Tricks und Kniffe. Aber Sie werden nicht die Zwänge eines erfolgreichen Fondsmanagers erleben, der mit immer neuem Geld geradezu überschwemmt wird, oder eines Brokers, der, um zu überleben, immer wieder neue Kunden anwerben muss.

Da Sie als Privatanleger einen deutlichen Vorteil haben – weder müssen Sie täglich Ihre Performance messen, noch müssen Sie ewig die Werbetrommel rühren, können aber dafür steuerpflichtige Gewinne erwirtschaften, wann immer Sie wollen – sind Sie geradezu gezwungen, die Verwaltung Ihres eigenen Vermögens zumindest zu versuchen. Betrachten Sie die Dinge folgendermaßen: Sie allein sind für Ihre Performance zuständig – für Ihre Gewinne, und wann Sie diese realisieren, und für Ihre Verluste, die Sie zur richtigen Zeit zur Steuerminderung einsetzen können. Sie konzentrieren sich nicht so sehr auf die zeitaufwändige Aufgabe, Vermögens- und Provisionszuflüsse zu generieren, sondern tatsächlich auf die Schaffung und den Erhalt von Vermögenswerten. Letzteres ist bei den großen Finanzinstituten, die wir so gut kennen und die wir so entschlossen zu respektieren versuchen, meist zweitrangig.

Dieses Buch können Sie in jedem Alter und mit jeder Vermögensgröße einsetzen. Schon mit 2.500 Dollar können Sie beginnen. (Und wenn Sie nur einen kleineren Anlagebetrag zur Verfügung haben, können Sie auf einen Börsen-gehandelten Fonds oder einen Investmentfonds zurückgreifen). Ich habe mit ein paar Hundert Dollar angefangen. Ich habe mich nicht von der Vorstellung abbringen lassen, es gäbe einen Betrag, der zum Investieren „zu klein“ wäre. Zu viele Broker wollen Kunden ohne großes Geld keine Starthilfe leisten. Ich stehe nicht unter diesem Zwang. Ja, im Grunde bestand einer der Gründe, weshalb ich mich aus meinem Hedgefonds zurückgezogen habe, genau darin, dass ich dort ausschließlich wohlhabenden Menschen nicht aber den einfachen Leuten helfen konnte, die meine Hilfe viel mehr benötigen, als die von mir betreuten Kunden. Diese Leute sind bereits reich. Diesen Leuten konnte ich nur helfen, auf der Forbes-400-Liste der reichsten US-Amerikaner weiter aufzusteigen. Ihnen aber zu helfen, reich zu werden, empfinde ich als ein weit edleres Ziel. Ich will Sie fördern und unterrichten, da ich weiß, dass die öffentliche Hand absolut nichts dafür unternimmt, dass die Menschen Aktien, Anleihen und die Unternehmensfinanzierung besser verstehen. Ich weiß, dass beim Geld ein Wissensniveau vorausgesetzt wird, das nicht zu rechtfertigen ist. Denn den wenigsten von uns wird mehr beigebracht, als den Dispokredit auszugleichen, und selbst damit haben wir oft kein so glückliches Händchen.

Meine Aufgabe ist denkbar einfach: Ihnen das Spiel so schmackhaft zu machen, dass Sie die gleiche Diät akzeptieren und durchhalten, die aus mir – dem ums Überleben kämpfenden Journalisten mit einem Jahresgehalt von 15.000 Dollar – jemanden gemacht hat, der nie wieder arbeiten muss. Ich tue dies ausschließlich aus der Überzeugung, hier auf Erden die Aufgabe zu haben, anderen zu zeigen, wie sie ihr Geld gut anlegen. Machen Sie sich also für ein paar Finanzübungen bereit. Machen Sie sich für eine Anlagediät bereit, die diejenigen sättigt, denen der Sinn nach großen Gewinnen bei kleinen Risiken steht.

KAPITEL 1

So bleiben Sie im Spiel

Wenn Sie in meine Brieftasche schauen, finden Sie die üblichen Dinge: meinen Führerschein, Kreditkarten, ein paar Fotos meiner Frau und meiner Kinder und etwas Kleingeld. Wenn Sie aber tiefer suchen und auch die versteckten Winkel inspizieren, finden Sie zwei Dinge, die sonst niemand mit sich trägt: Meinen ersten Gehaltszettel – ein zerfleddertes und ausgeblichenes Prachtexemplar, das der Herausgeber der Zeitung Tallahassee Democrat im September 1977 für mich ausgestellt hat, – und ein Teil meines Portfolioauszugs vom schwärzesten Tag meines Lebens, dem 8. Oktober 1998.

Wo immer ich auch hingehe, führe ich diese Talismane mit mir. Sie erinnern mich daran, weshalb ich ursprünglich das Handeln mit Aktien angefangen habe und weshalb ich dabei geblieben bin, ganz gleich was kam. Die Verdienstchancen des Aktienhandels sind zu groß, als dass ich nicht dabei sein könnte. Die 178,82 Dollar, die ich in meiner ersten Woche als Reporter in Tallahassee verdient habe, erinnern mich daran, dass das Gehalt allein fast nie ausreicht, um gut leben und für später vorsorgen zu können. Dieser verschlissene und schmuddelige Gehaltszettel weist einen Überstundenzuschlag von 30 Dollar und einen übergroßen Steuerabzug aus. Er ermahnt mich zur Aufrichtigkeit und erinnert mich daran, wo ich herkomme und dass ich nie wieder dorthin zurück will. Er erinnert mich daran, dass man allein durch harte Arbeit nicht reich wird. Dazu müssen Sie Ihr Geld investieren. Wenn Sie gut investieren, sollten Sie fast immer mehr Geld verdienen können als mit ihrem eigentlichen Broterwerb.

Auf dem anderen verschmierten, viereckigen Zettel in meiner Brieftasche, der die rechte Ecke des Bildes meiner Frau verdeckt, erscheint eine Reihe zunächst unverständlicher Zahlen: 190.259.865, 281.175.544 und 90.915.674. Gleich hinter der letzten Zahl steht ein großes, schwarzes Minuszeichen. Dieser Zettel ist ein Teil meines Portfolioauszugs vom katastrophalsten Handelstag, den mein Hedgefonds je erlebt hat, dem 8. Oktober 1998. An diesem Tag verlor ich 90.915.674 Dollar. Jawohl, mehr als 90 Millionen Dollar der 281 Millionen Dollar, die ich verwalten sollte, waren den Bach runtergegangen. Fast die Hälfte des von mir verwalteten Geldes hatte ich durch eine Reihe von Börsenwetten verloren, die noch nicht aufgegangen waren – um diese völlige Katastrophe einmal positiv zu formulieren. Alle haben mich zu diesem Zeitpunkt aufgegeben. Meine Anleger, meine Angestellten, die Presse und die Öffentlichkeit, sie alle haben mich aufgegeben. Mit Ausnahme meiner Frau, mit der ich seit so vielen Jahren zusammengearbeitet hatte und die sich immer auf mich verlassen konnte. „Das Spiel ist aus, Cramer, du bist raus“, lautete die kollektive Botschaft der Aktienbroker an mich. Nicht einmal zwei Monate zuvor hatte die Zeitschrift Money noch mit meinem Namen getitelt und mich den größten Trader der Gegenwart genannt. Jetzt aber musste ich mich fragen, ob ich noch bis Ende des Jahres überleben konnte. Wenn ich mit dem Job weitermachen wollte, für den ich geboren zu sein glaubte, blieben mir nicht mehr als zwei Monate, um wenigstens die 90 Millionen Dollar wieder reinzuholen, die ich verloren hatte. Die meisten Hedgefonds erholen sich von derart gigantischen Verlusten nie wieder.

Ich habe dann diejenigen Techniken und Strategien eingesetzt, die ich hier beschreiben werde, und habe ganz methodisch das Geld wieder reingeholt, das ich in diesem Jahr bis an diesen Tag verloren hatte. Als der Dezember vorbei war, hatte ich es schließlich noch auf einen dünnen Jahresgewinn gebracht. Ich schloss das Geschäftsjahr mit einem Plus von zwei Prozent. In weniger als drei Monaten hatte ich 110 Millionen Dollar wieder gutgemacht! Das entspricht einem durchschnittlichen Gewinn von 1,4 Millionen Dollar pro Tag. Dennoch verzichtete ich auf die mir zustehende Managementgebühr von 2 Millionen Dollar. Da ich die Firma an den Rand des Bankrotts geführt hatte, glaubte ich, nicht ein Penny würde mir zustehen. Auch heute noch glaube ich, für diese Erholung keinen Lohn verdient zu haben. Ich hatte mir mein eigenes Grab gegraben, denn ich war meinen eigenen Regeln nicht gefolgt. Ich hatte mich auf eine zu geringe Diversifikation eingelassen und auf mangelnde Flexibilität. Ich hatte die beiden Todsünden der Kapitalverwaltung begangen.

Diese Momentaufnahme eines gefährlich nahen Untergangs erinnert mich daran, wie wichtig es ist, investiert zu bleiben und, egal was kommt, mit Aktien zu handeln, denn Aktien sind einfach zu lukrativ, als dass man ihnen über längere Zeit fernbleiben könnte. Diese Erfahrung ermahnt mich zudem, wie demütigend dieses Geschäft sein kann und wie wichtig es ist, seinen Kurs jederzeit zu überprüfen, denn ich war zu nachlässig geworden und hatte in diesem katastrophalen Jahr die Veränderungen an den Märkten einfach ignoriert. Wäre ich nicht flexibel gewesen und bereit die Taktik zu ändern, hätte ich mich nicht wieder erholt.

Gleich im Jahr nach diesem katastrophalen Debakel erzielte ich einen Gewinn von mehr als 100 Millionen Dollar. Im Jahr darauf belief sich mein Gewinn auf 150 Millionen Dollar. Und auch in diesem zweiten Jahr hatte ich die gleichen Regeln und Strategien eingesetzt, die ich hier beschreiben will. Vieles half mir in dem Jahr, in dem ich 100 Millionen Dollar machte: Der Markt lief wunderbar leicht und fast geradlinig aufwärts. Aber im Jahr 2000, meinem besten Jahr, in dem ich 150 Millionen Dollar erzielte, erreichte der Markt eine Rekordmarke und brach dann zusammen. Dennoch konnte ich einen unvergleichlich guten Gewinn einfahren, denn man braucht keine Kursanstiege, um Geld zu verdienen. Die Tatsache, dass fast jeder andere Investmentfonds in meinem besten Jahr Verluste machte, ist nicht etwa ein Hinweis auf meine überlegenen Fähigkeiten bei der richtigen Aktienauswahl. Sie beweist lediglich, dass Sie, egal in welche Richtung sich der Markt bewegt, mit Disziplin, gesundem Menschenverstand und unter Einsatz aller vorhandener Instrumente einen Gewinn erzielen können. Oder, wie ich jeden Tag am Ende meiner Radiosendung sage: „Es gibt immer irgendwo einen Bullenmarkt“, von dem Sie profitieren können.

Doch müssen Sie im Spiel bleiben, um diesen Bullenmarkt aufspüren zu können. Wenn alles andere vergeblich ist, bleibt Ihnen am Ende nur noch der Satz: „Bleib im Spiel“. Er ist das letzte Mantra, das zu wiederholen sich dann noch lohnt. Dieses Mantra hält Sie von Aktien fern, die Sie mit einem Schlag vernichten können. Es hält Sie davon ab, sinnlos auf eine bestimmte Entwicklung zu spekulieren. Es hält Sie davon ab, einen großen – als Einschusszahlung bekannten – Kredit aufzunehmen, in der Hoffnung, dass die Aktien die erhoffte, magische Aufwärtsbewegung vollziehen werden. Es hält Sie davon ab, in wertlosen Pennystocks zu schwelgen. Es hält Sie von dem Versuch ab, mit Tech-Werten ein Vermögen machen zu wollen. Und es hält Sie davon ab, bei schlechten Aktien Ihren Einstiegspreis durch weitere Zukäufe zu reduzieren, denn Aktien verhalten sich nicht wie Eltern, die du im Kaufhaus verloren hast – manchmal kommen sie nicht zurück. Die mit Abstand wichtigste Lektion lautet: Bleibe im Spiel. Wieso ich das so genau wissen kann? Weil ich genau das befolgt habe. Ich war in der Lage, viel Geld zu machen, als viel Geld gemacht werden konnte, weil ich, als die Zeiten schwierig waren, nicht entmutigt oder enttäuscht oder verzweifelt reagiert habe. Ich habe nichts Illegales, Dummes oder Unmoralisches getan, um im Spiel zu bleiben, denn ich wusste, sobald sich das Spiel wieder zu meinen Gunsten dreht, bin ich bereit, zuzuschlagen und alles einzusacken, was es einzusacken gibt. Im Spiel zu bleiben, hat sich sowohl theoretisch als auch praktisch als sinnvoll erwiesen, denn, wie wir wissen, erzielen Aktien auf lange Sicht eine bessere Rendite als alle anderen Wertpapierklassen. Der Grund aber, dass nicht mehr Menschen durch den Aktienhandel reich werden, ist, dass viele offenbar nicht die nötige Ausdauer mitbringen, um zu gewinnen. Sie beginnen, sich zu langweilen, sie ermüden, werden frustriert, machen Pleite oder werden unvorsichtig. Mit anderen Worten, sie lassen sich entmutigen. Sie knicken ein angesichts des zermürbenden, nervtötenden und demütigenden Prozesses – nicht des Investierens, sondern – des erfolgreichen Investierens.

Meine Methoden sind darauf angelegt, dass Sie nicht den Mut verlieren und das Spiel verlassen. Im Spiel zu bleiben ist der Schlüssel. Damit steht und fällt alles. Wenn Sie nicht im Spiel bleiben können, haben Sie versagt. Und ich habe versagt. Das darf mir nicht wieder passieren.

Doch bevor ich anfange, mir ein System und die Methoden auf die Fahnen zu schreiben, mit denen ich mein Geld verdient habe, muss ich den Beitrag anerkennen, den meine Frau Karen daran geleistet hat. Eine Frau, die man an der Wall Street „die Trading-Göttin“ nannte, wegen ihrer Art und ihrer Fähigkeiten, Fondsvermögen zu verwalten und Dutzenden von Kursmaklern und Händlern ihre Kauf- und Verkaufsorder entgegenzubrüllen. Karen arbeitete als professionelle Händlerin bei einem Finanzinstitut, als ich sie kennenlernte. Ihr verdanke ich, dass ich mich im Aktienhandel weiterentwickeln konnte. Sie nahm ein Kind unter ihre Fittiche, das ein Auge für unter- und überbewertete Aktien hatte und gab ihm eine Reihe von Regeln an die Hand. Diese Regeln, die ich allesamt in diesem Buch vorstelle, haben mich durch meine dunkelsten Stunden geführt. Dank dieser Regeln konnte ich auch dann den Gesamtmarkt schlagen, wenn ich nicht gerade ein paar großartige Aktien zur Hand hatte. Wie ein Meister im Kartenspiel beherrscht Karen die Kunst, durch ein paar gut gewählte Stiche und einen scharfen Blick für die Verteilung der Karten, ein gutes Blatt in ein großartiges Blatt zu verwandeln. Die Wahrheit ist: An dem Tag, als ein Verlust von 90 Millionen Dollar mein Portfolio in tiefes Rot getaucht hatte, musste sie in mein Büro eilen und die Regeln und die Disziplin wiederherstellen, die in Vergessenheit geraten waren, seit sie sich drei Jahre zuvor zurückgezogen hatte. Sie trichterte mir diese Regeln derart nachhaltig wieder ein, dass ich sie hier jetzt fast wie auswendig gelernt aufsagen kann.

Die Regeln von Frau Cramer, die Regeln der Trading-Göttin, machen einen Großteil dieses Buchs aus. Genau wie ich hatte Karen weder an einer Wirtschaftshochschule studiert noch eine Ausbildung zur Buchhalterin genossen. Genau wie ich schlug sie sich von einer Gehaltszahlung zur nächsten durch, bis sie ihre wahre Berufung fand: ohne formale Ausbildung Geld im Aktienhandel zu verdienen. Anders als ich hatte sie weder grundlegende Kenntnisse darüber, wie ein Unternehmen funktioniert, noch wie eine Unternehmensbilanz zu lesen ist, noch weshalb der Zinssatz letztendlich den Preis einer Aktie bestimmt. Sie fand schon immer, dass diese Fähigkeiten überbewertet würden. Ihre Stärken waren Disziplin und Skepsis: Die Disziplin, Verluste zu minimieren und Gewinne laufen zu lassen, und die nötige Skepsis, um über den ganzen Hype an der Wall Street hinausblicken zu können. Sie verstand besser als jeder andere, dass Aktien nur ein Stück Papier sind, die einen Anteil an einem Unternehmen verbriefen, und weiter nichts. Sie wusste, man kann noch so überzeugt sein, eine Hausse kommen zu sehen und ihr Ausmaß zu kennen – wenn sich die Dinge anders entwickeln als erwartet, kann man sich nur noch durch eiserne Disziplin retten.

Und die Dinge entwickeln sich viel öfters anders, als man glauben möchte. Sicher, diese Papiere, mit denen wir handeln, stehen – wenn auch nur lose – mit den Unternehmen in Beziehung, die sie emittieren. Doch Karen war es immer wichtig zu verstehen, dass alle, von den Medien bis zu den Altmeistern an der Wall Street, dieser Beziehung viel zu viel Bedeutung beimessen. Häufig wird diese Beziehung durch Gerüchte, durch Kräfte, die den Gesamtmarkt treffen, oder natürlich durch kurzfristige Ungleichgewichte von Angebot und Nachfrage gestört – und mit all diesen Einflussfaktoren kann profitabel spekuliert werden. Hin und wieder verteuern sich Aktienpreise ohne einen rational erkennbaren Grund, wie das beispielsweise in Japan in den Jahren 1988 und 1989 oder in den USA im Jahr 2000 der Fall war. Genauso gibt es Zeiten, in denen Aktien abwärts tendieren, wie zum Beispiel im September 1982, bevor die große Hausse einsetzte, im Oktober 1987, als die Aktienmärkte einbrachen, oder im Oktober 2002, der jüngsten größeren Bodenbildung, die dafür sorgte, dass seitdem die Aktienvermögen in den USA wieder steigen. Mit Karens Hilfe lernte ich, diese Hoch- und Tiefpunkte zu erkennen. Dies sind wunderbare Fähigkeiten, die ich auch Ihnen beibringen kann. Immer wieder gehe ich in diesem Buch umfassend auf die Frage ein, woran diese Hoch- und Tiefpunkte zu erkennen sind. Sie werden schließlich auch ohne meine Unterstützung dazu in der Lage sein.

Die Trading-Göttin zeigte mir, worin sich das Investieren und das Trading unterscheiden, und wie ich vermeide, beide Strategien zu verwechseln. Karen war – und ich bleibe – ein Opportunist, jemand, der sich nicht an eine bestimmte Anlagephilosophie bindet. Es sei denn an die Notwendigkeit, sich an einen turbulenten Markt immer wieder anzupassen, um nicht aus dem Spiel geworfen zu werden, schon bevor die guten Zeiten wieder zurückkehren. Am Telefon oder per E-Mail werde ich immer wieder gefragt, ob ich ein Trader oder ein Investor sei. Ich gebe immer die gleiche Antwort: Dies ist eine ziemlich dumme und falsche Begriffsunterscheidung.

Vorab und in der Hoffnung, diese Frage ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen, möchte ich Ihnen erklären, weshalb die Unterscheidung zwischen Trader und Investor sinnlos ist. Es geht hier nicht um Profi-Football, wo die Spieler nach Angreifer und Verteidiger unterschieden werden, wo ganz bestimmte Kombinationen von Fähigkeiten eine Rolle spielen und für Generalisten kein Platz ist. Das Verwalten des eigenen Vermögens ähnelt vielmehr einem Hockeyspiel. Hier kann und soll jeder mal verteidigen und mal Tore schießen. Hin und wieder vollziehen Aktien in nur wenigen Tagen radikale Veränderungen, wie etwa in den Jahren 1999 und 2000. Diese müssen Sie unbedingt mitnehmen. Wer solche Gelegenheiten mit gerümpfter Nase vorbeiziehen lässt, weil sie ihm als reines Trading-Geschäft erscheinen oder weil er ausschließlich in Substanzwerte (Value-Werte) investieren will, dem würden hier enorme Gewinne durch die Lappen gehen. Wer aber dogmatisch bleibt und störrisch an überbewerteten Aktien festhält, die bereits einen starken Kursanstieg hinter sich haben, läuft Gefahr, seine ganzen Gewinne wieder abzugeben. Beide dieser so genannten „Stärken“ sind im Grunde schwache Positionen. Denn wer inflexibel bleibt, wird an verschiedenen Punkten im Konjunkturzyklus schwere Verluste erleiden.

Meine Kritiker lasten mir immer wieder gerne meinen Optimismus an, den ich in den Monaten von Dezember 1999 bis Februar 2000 an den Tag gelegt habe. In dieser Zeit erreichte die letzte große Hausse – oder die Blase, wie es viele nennen – ihren Höhepunkt. Doch die Sprünge, die die Aktienkurse in dieser Zeit vollzogen, waren bislang einmalig und dürften wohl für immer einmalig bleiben. Ziel in dieser Marktphase musste sein, Gewinne einzustreichen und nach Hause zu gehen. Genau das empfahl ich am 15. März 2000 in meinem Artikel auf RealMoney.com. Exakt vier Tage, nachdem die Nasdaq ihr Allzeithoch erreicht hatte, riet ich, reinen Tisch zu machen. Anstatt mich zu grämen, dass einige zu lange dabei geblieben sind, war ich stolz erkannt zu haben, dass der Markt sich im Frühjahr 2000 unwiderruflich gedreht hatte. Nach der größten Rallye aller Zeiten mussten Sie die Seite wechseln, egal was Sie vorher verkündet und geglaubt hatten. In dieser Situation mussten Sie flexibel bleiben. Denn nur so konnten Sie konservativ, vorsichtig und mit gesundem Menschenverstand handeln und Ihre Gewinne halten.

Das Gerede an der Wall Street über das „langfristige Halten“ oder den „ausschließlichen Kauf von Aktien, die unterhalb ihrer Wachstumsrate oder ihres Buchwerts notieren“, ist reine Leichtfertigkeit. Sie müssen bereit sein, umzudenken und Ihre Richtung zu wechseln. Es gibt kein Gebot, das fordert: „Du darfst deine Meinung nicht ändern, selbst wenn du Recht hast“. Unternehmen verändern sich, sie werden leistungsfähig und schmieren dann wieder ab. Märkte verändern sich, sie zeigen Stärke und verlieren dann wieder an Kraft. Sie können gegenüber solchen Veränderungen nicht die Augen verschließen, ohne Geld zu verlieren oder Gefahr zu laufen, aus dem Spiel geworfen zu werden. Das Wichtigste ist, dass Sie sich schwören, im Spiel zu bleiben, ganz gleich was passiert. Wenn Sie WorldCom lieben, wenn das Geschäft gut läuft, aber WorldCom hassen, wenn das Geschäft schlecht läuft, ist das kein Zeichen von Wechselhaftigkeit. Als ich beispielsweise WorldCom für über 80 Dollar rauswarf, nachdem ich die Aktie mehr als fünf Jahre gehalten hatte, wurde ich ausführlich der Wechselhaftigkeit bezichtigt. Aber hätte ich nicht „Wechselhaftigkeit“ bewiesen und stattdessen die Aktie bis in alle Ewigkeit mitgeschleift, hätte ich alle meine Gewinne mit dieser Aktie und noch einiges mehr wieder einbüßen können. Wankt und strauchelt ein Unternehmen, müssen Sie die Rückschläge, das Auf und Ab und Schlingern des Aktienkurses verkraften können.

Jeder hält sich gerne für einen risikobewussten Anleger. Doch einer der erhabensten und beständigsten Züge der Trading-Göttin ist, erkennen zu können, wann die konservativere Strategie im Kaufen statt im Halten von Barpositionen besteht, und wann das Halten statt das Verkaufen von Aktien unter allen die riskanteste Strategie ist. An anderer Stelle werden wir das Arsenal kurz- und langfristiger Instrumente untersuchen und der Frage nachgehen, wie sich auch bei fallenden Kursen Geld verdienen lässt. Denn noch einmal: Auf fallende Kurse zu setzen kann in bestimmten Momenten die konservativste Strategie sein.

Das Wichtigste aber, das mich die Trading-Göttin gelehrt hat, ist die Richtung der Kursentwicklungen ohne Emotionen und mit gesundem Menschenverstand zu betrachten. Sicher, Analogien aus der Welt des Sports machen den Aktienhandel lebendiger. Aber deshalb können wir uns nicht eine Lieblingsmannschaft aussuchen und für immer mit ihr fiebern. Im Aktienhandel gibt es keine Lieblingsmannschaft. Dogmen, die sich in der Politik auszahlen mögen, brechen Ihnen im Aktienhandel das Genick. Religion ist wichtig. Wenn es aber ums Geld geht, lassen Sie Hoffen und Beten besser sein. Denn hier erhört Sie niemand. Die Wissenschaft kann auf enorme Fortschritte in Hunderten von Lebensbereichen verweisen, doch der Aktienmarkt gehorcht keinen wissenschaftlich ergründbaren Regeln. Er ist einfach eine ernüchternde Ansammlung aus Kauf- und Verkaufsentscheidungen, bei der es um das Angebot an Aktien geht und um eine Nachfrage, die durch zwei animalische, psychische Momente gedämpft wird, durch die Gier und die Angst. Wer den Aktienhandel quantifizieren, messen und ihn mit mathematischen Formeln bändigen will, wird am Ende von ihm gefressen und verschlungen.

So erging es der größten Gang von Nobelpreisträgern, die sich unter einem Dach versammelt hatte, dem dummdreisten Hedgefonds Long-Term Capital Management, der 1998 mehrere Milliarden versenkte und Bankrott ging. An den Märkten herrschen Kräfte und Gefühle, die sich jeder wissenschaftlichen Logik entziehen. Um zu verstehen, wie der Markt die Dinge bewertet, müssen wir oft über die Grenzen der Unternehmensbilanzen und der Gewinn- und Verlustrechnungen hinausblicken. Denn wenn wir nur auf die am Markt herrschenden Gefühle starren, drohen wir zu erblinden.

Wenn wir uns ausschließlich auf die Frage konzentrieren, wie gut das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis ausfällt (keine Panik, ich werde später auch diese Begriffe endlich einmal auf verständliche Weise erklären), werden wir den Eindruck haben, der Markt sei von unverständlichem Geschwätz geprägt. Doch werde ich Ihnen zeigen, wie sich all die verschiedenen Märkte, die wir erlebt haben, erklären lassen, wie die zugrundeliegenden Muster zu verstehen sind, woher Sie wissen können, wann Sie Aktien am besten vermeiden oder leerverkaufen, und woran Sie erkennen, wann Sie den Experten und Fachleuten keinesfalls vertrauen dürfen, wenn diese Ihnen sagen: „Bleiben Sie fern, der Markt ist zu gefährlich“.

In einem weiteren Kapitel dieses Buchs werde ich auf meine größten Fehler eingehen, so komisch und dumm sie auch gewesen sein mögen, damit Sie diese niemals begehen. Denn wie ich gerne sage: Ich habe all die hier gezeigten Fehler nur gemacht, damit Sie diese nicht wiederholen müssen. Ich bin Ihr Versuchslabor. Ich habe all die fehlgeschlagenen Experimente durchgeführt und kann Ihnen die Ergebnisse präsentieren. Dadurch werde ich Sie davon abhalten, diese Experimente selber durchzuführen. Ich werde sie hier so ausführlich darstellen, dass Sie sich daran erinnern können, wenn Sie kurz davor sind, ähnlich kostspielige Fehler zu begehen und die rote Tinte in Sturzbächen durch Ihr Portfolio rauschen zu lassen.

Sicher, Aktien sind ein Stück Papier. Doch kann ich Sie darauf vorbereiten, dieses Papier mit so viel emotionsloser Präzision zu kaufen und zu verkaufen, dass Sie in jeder Marktsituation erfolgreich sein werden. Lassen Sie die Dogmen hinter sich, kultivieren Sie Ihre Disziplin, öffnen Sie Ihre Augen und lassen Sie uns die Grundlagen ohne all das Wall-Street-Gerede erarbeiten. Schon zu viele Köpfe, die verstehen wollten, weshalb Aktienkurse täglich steigen und fallen, haben sich durch dieses Wall-Street-Urgeschwafel in die Irre führen lassen.

KAPITEL 2

Jetzt geht’s los – aber richtig!

Nie zuvor hat es eine solche Fülle an Finanzmarktinformationen gegeben, wie wir sie heute vorfinden. Hunderte von Fachleuten und Kommentatoren geben uns ihre Ratschläge. Ebenso viele Experten erklären uns, wie wir den richtigen Einstieg in den Aktienhandel finden und was wir wissen müssen, bevor wir an der Börse kaufen und verkaufen. Dabei setzen sie allerdings ein Vorwissen voraus, über das viele von uns gar nicht verfügen. Vielen Einsteigern fehlen die wichtigsten Grundlagen und sie begehen daher typische Laienfehler. Die Folge ist, dass sie ordentlich geschröpft werden. Neulinge am Aktienmarkt gewinnen dadurch schnell den Eindruck, dass das Spiel zu ihrem Nachteil manipuliert wird und dass sie unter normalen Umständen keine realen Erfolgsaussichten haben. Viele von ihnen haben das Investieren begonnen, als die Voraussetzungen günstig waren – als die Wirtschaft brummte, die Zinsen niedrig waren und die Aktienkurse nahezu jeden Tag neue Höchstkurse markierten. Sich um Hausaufgaben zu kümmern schien nicht angebracht, denn die Gefahr wäre groß gewesen, vielversprechende kurzfristige Gelegenheiten zu verpassen. Nie zuvor hatte jemand derart günstige Vorbedingungen erlebt und so schnell wird sie auch niemand wieder erleben. Heutzutage haben Privatanleger den Eindruck, dass die Dinge kaum mehr nachzuvollziehen seien. Ich glaube jedoch, genau das Gegenteil ist richtig: Was an den Aktienmärkten geschieht, lässt sich sehr wohl erklären. Doch benötigen Sie dazu einige wesentliche Grundlagen. In den Hochzeiten der späten 90er-Jahre, als viele Menschen zum ersten Mal Aktien kauften und verkauften, wurden ihnen genau diese Grundlagen nicht vermittelt. Und schon gar nicht erlernen die Menschen diese Grundlagen in der Schule – auf keiner Stufe des US-Bildungssystems.

Ich weiß, wie groß die Enttäuschung heute unter den Einsteigern ist, denn viele von ihnen schreiben mir E-Mails oder rufen bei meiner Radiosendung Jim Cramer’s RealMoney an und fragen, ob ich am Anfang meiner Karriere auch regelmäßig Geld verloren hätte. Von den Millionen von Menschen, die Ende der 90er-Jahre und im Jahr 2000 erstmals mit Aktien gehandelt haben – als die Aktienblase einsetzte, ihren Höhepunkt erreichte und schließlich platzte – sind tatsächlich viele überzeugt, dass sie im Aktienhandel unweigerlich die Dummen sind und das Investieren lieber einem Profi überlassen sollten.

Doch wir sind eine Zunft ohne verbindliche Regeln. Die Medien machen jeden Manager zu einem ausgewiesenen Experten, egal welche Voraussetzungen er mitbringt. Vor allem muss er gut formulieren können. Dabei wird uns grundsätzlich verheimlicht, dass die meisten dieser „Profis“ selber blutige Anfänger sind und meist weniger Erfahrung mit dem Geldanlegen, dafür aber umso mehr Erfahrung mit dem Verkaufen haben als wir. Jedem Betrachter muss die Galle hochkommen, wenn er den erstaunlichen Werdegang vieler Anleger verfolgt. Diese lassen sich zunächst abzocken, indem sie bei ihrem Online-Broker die Aktien irgendeines ausgedienten Unternehmens kaufen, nur um dann ihr Geld den Scharlatanen der Fondsgesellschaften zu überlassen, die es ihrerseits an einen hochprofitablen Hedgefonds weiterreichen. Wenn Sie das sehen, wird Ihnen schnell klar, weshalb diese Menschen nicht mehr daran glauben, ihr Geld selber verwalten zu können. Sie sind auf eine Art und Weise geneppt worden, wie ich sie dem größten Trottel nicht an den Hals wünsche.

Lassen Sie uns also zunächst ein paar Irrtümer über das Investieren aus der Welt schaffen. Ich war immer der Überzeugung, das Kaufen und Halten von Aktien sei eine einfache Sache. Nachdem ich selber damit begonnen hatte, lernte ich jedoch die teuren Provisionen kennen, die Wechselhaftigkeit der Märkte und die Launen des Aktiengeschäfts. Ich musste lernen, dass man niemals ausreichend gut informiert war, um irgendetwas genau zum richtigen Zeitpunkt kaufen oder verkaufen zu können. Niemand konnte eine Entscheidung mit absoluter Sicherheit treffen. Das war sehr entmutigend.

Und natürlich verlor ich Geld, als ich mit dem Aktienhandel begann, viel Geld. Ich hatte gigantische Verlustserien, bei denen buchstäblich alles, was ich kaufte, an Wert verlor. Ich ging durch enorme Hochs und Tiefs und geriet dadurch bis an den Rand der Verzweifelung. Oft genug schwor ich mir, mich von jetzt an mit dem zu begnügen, was mein Gehaltszettel bot. Und dennoch verlor ich nie die Überzeugung, ich könnte das Aktiengeschäft in den Griff bekommen, wenn mir nur jemand die richtige Landkarte geben, die echten Fallen zeigen und die wirklichen Regeln erklären würde. Was ich in Büchern las, im Fernsehen sah oder in Artikeln über die Finanzmärkte erfuhr, brachte mich kein Stück weiter. Mein Wissensstand beschränkte sich damals auf das, was ich heute die „missverstandenen Grundlagen“ nenne. Sie sind ein Grund dafür, dass ich heute entschlossen für das Spekulieren eintrete, anstatt es zu verteufeln.

Dass ich zu Beginn an der Börse so jämmerlich versagt hatte, lag an den konventionellen Glaubensgrundsätzen, von denen ich wie jeder, der zum ersten Mal mit Aktien handelt, überzeugt war. Die irrige Doktrin, der ich verfallen war, lässt sich im Wesentlichen auf drei Regeln reduzieren:

Kaufe und Halte, weil du so am meisten Geld machst.

Traden ist immer falsch, Halten ist immer richtig.

Das Spekulieren ist eine Ausgeburt des Bösen.

Ich glaube, es ist nur konsequent, wenn wir in einem Buch, das aus der Feder eines erfolgreichen Bilderstürmers der Börsensäle stammt, mit der Zerschlagung dieser drei Glaubenssätze beginnen. Diese Überzeugungen sind echte Schandflecke der Investmentlandschaft. Ikonen, die zerschlagen werden müssen, bevor wir weiterkommen. Tun wir’s.

Erstens ist die Vorstellung, Wertpapiere zu kaufen und zu halten eine sehr noble Idee. Sie kündet von einer großen Leichtigkeit und einer großen Perfektion. Nach beidem zu streben, lohnt sich immer. Was gäbe es Schöneres als eine Philosophie, die auf Geduld und Überzeugung fußt? Geht es aber um ein paar Fetzen Papier – und mehr als das sind Aktien schließlich nicht, dass Sie mir das nie vergessen! – ist eine derartige Überzeugung leider nicht angebracht. Wenngleich Geduld eine wahre Tugend ist, wird sie zum Laster, wenn Sie nur verharren und zuschauen, wie ein Unternehmen den Bach runtergeht und mit angeblicher Besonnenheit an dessen Aktien festhalten. Wer ohne sie jemals zu hinterfragen, an der Idee festhält, Aktien zu kaufen und zu halten, hat ehe er sich versieht seinen letzten Penny verloren. Da bin ich ganz sicher. Im Grunde ist das Konzept des Kaufens und Haltens nur eine eigentümliche Fehlinterpretation der oben erwähnten historischen Daten, die belegen, dass sich ein langfristiges Engagement in Aktien auszahlt. Sie zeigen, dass es keine andere Wertpapierklasse gibt, die über einen Zeitraum von 20 Jahren eine so gute Rendite abwirft wie Aktien. Es scheint also folgerichtig, zu glauben, wer Aktien kauft und hält, fährt damit besser als mit einer Investition in einer beliebigen anderen Wertpapierklasse. Der in dieser Frage führende Wissenschaftler Jeremy Siegel von der Universität Wharton aber erblasst sichtbar, wenn er hört, wie die Quintessenz seiner wissenschaftlichen Arbeit zur Empfehlung umgemünzt wird, Aktien zu kaufen und zu halten. Die Kernaussage seiner Arbeit lautet folgendermaßen: Wer gute Qualitätsaktien mit häufigen Dividendenausschüttungen kauft, profitiert vom ganzen Konjunkturzyklus. Tatsächlich aber ist der Dividendenanteil der Grund dafür, dass Aktien eine höhere Rendite erzielen als Anlagen, und nicht umgekehrt. Rechnen Sie diesen Anteil heraus, platzt die ganze Gleichung. Einfach nur Aktien zu kaufen und zu halten, das wird Ihnen Siegel bestätigen, kann Ihr Fahrschein ins Armenhaus sein.

Aus diesem Grund habe ich bei Jim Cramer’s RealMoney das elegante aber substanzlose Kauf-und-Halte-Mantra umbenannt zur Kauf-und-Mache-deine-Hausaufgaben-Doktrin. Meine Doktrin besagt, die eigentlichen Hausaufgaben fangen erst an, nachdem Sie eine Aktie gekauft haben. Einen Titel wie Sunbeam, Enron, WorldCom, Dome Petroleum oder Lucent – die alle irgendwann einmal die umsatzstärksten Werte ihrer Zeit waren – zu kaufen und zu halten, erwies sich für viele als der sichere Weg in die Katastrophe. Hätten Sie Ihre Hausaufgaben gemacht, also die Art von Sisyphusarbeit, die ich später näher beschreiben werde, hätten Sie all diese Aktien wieder verkauft, bevor die ersten Schäden und der Verfall eingetreten sind. Also: Nicht „Kaufen und Halten“, sondern „Kaufen und Hausaufgabenmachen“, lautet das Motto. Wenn Sie mit Aktien das große Geld verdienen und die Sicherheit guter Qualitätsaktien mit ordentlichen Dividenden genießen wollen, müssen Sie Ihre Hausaufgaben machen.