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Jasmin Siris Nachdenken im Kursbuch 192 über die diagnostizierte Unsichtbarkeit rechter Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung fußt auf zwei Annahmen. Weiblichkeit gelte erstens generell als nicht aggressiv und sei zweitens als rechte Weiblichkeit in ihrer ideologischen Begründung über Mutterschaft auf den häuslichen Bereich eingeschränkt und damit nicht öffentlich-politisch wirksam. Letztlich sei die Unsichtbarkeit als signifikantes Kennzeichen rechter Frauen Resultat der bestehenden stereotypen Zuschreibung passiver Weiblichkeit, der politisches Engagement widerspreche. In diesem Fall profitierten Frauen vom sexistischen Bild der unterwürfigen und nur gefühlsgeleiteten "Gefährtin". "Das Übersehen rechter Frauen", schreibt Jasmin Siri abschließend, "führt so dazu, dass rechtsextreme Gruppierungen im Verborgenen agieren können".
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Seitenzahl: 21
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Frauen II
Inhalt
Jasmin Siri Rechte Frauen Ein Blick hinter unsichtbare Fassaden
Die Autorin
Impressum
Jasmin Siri Rechte Frauen Ein Blick hinter unsichtbare Fassaden
Noch vor einigen Jahren schien das mit den »rechten Frauen« in der öffentlichen Bewertung eine recht einfache Sache: Frauen sind für dieses Spektrum irrelevant und aus ideologischen Gründen privat submissiv. Ergo: Als politisch Handelnde nicht ernst zu nehmen, Gebärmaschinen im Sinne der Volksideologie, maximal Mitläuferinnen der männlichen Kameraden.
Die Wirksamkeit der Unterstellung belegt sich bereits durch Verwunderung darüber, dass sich in der Alternative für Deutschland (AfD) Frauen engagieren, wiewohl die Partei hinsichtlich der Rolle von Frauen in der Gesellschaft nicht unbedingt das vertritt, was als emanzipatorische und liberale Frauen- und Geschlechterpolitik bezeichnet werden kann. Noch stärker trifft sie zu, sobald es um Frauen im rechtsextremen Spektrum geht. Auch wenn Frauen in rechtspopulistischen und rechtsextremen Bewegungen rein zahlenmäßig unterlegen sind: Es gibt sie, und ihr Einfluss ist nicht unbeträchtlich, wenngleich sie weniger wahr- und ernst genommen werden. Mit dieser Form der Nichtbeachtung rechter Frauen sowie mit der Frage nach ihren Gründen befasst sich dieser Text.
NS-Frauen: Ein notwendiger Rückblick
Auch wenn Stimmen aus der Frauen- und Geschlechterforschung spätestens seit dem wichtigen Buch über Mothers in the Fatherland von Claudia Koonz, erschienen 1987,1 wiederholt darauf hingewiesen haben, dass rechte Frauen für das Funktionieren des NS-Staates erstens Relevanz besaßen und zweitens keinesfalls willfährige Opfer einer die Weiblichkeit in (Schutz-)Haft nehmenden Ideologie sind – es bestand seit den Entnazifizierungsprozessen ein unausgesprochener Konsens, dass die rechte Gefahr eine vor allem männliche Gefahr sei. Wenn wir uns mit rechten Frauen beschäftigen wollen, ist es daher notwendig, zunächst danach zu fragen, wieso so wenig über sie gesprochen, berichtet und geschrieben wird. Es gilt, diese Betrachtung Mitte des 20. Jahrhunderts beginnen zu lassen.
Wenngleich in KZs und Foltereinrichtungen Tausende Frauen arbeiteten, wurden doch nur wenige von ihnen nach 1945 angeklagt. Wendy Lower beschreibt, dass zwar Hunderte Frauen als Zeuginnen aufgerufen waren, die aus ihrer Haltung und Beteiligung am NS-System auch keinen Hehl machten. Das Interesse der Ankläger fokussierte in den Befragungen aber zumeist auf Verbrechen von männlichen Kollegen und Ehemännern.2 Überliefert sind auch Aussagen von alliierten Anklägern, die sich die Beteiligung von Frauen an Verbrechen mit Verliebtheit oder mangelndem Verständnis der Tragweite der Taten erklärten – und sie damit entschuldigten. Überlebende der Schoah identifizierten zwar zahlreiche Frauen als Täterinnen, als Folternde, als Mordende: »But by and large, these women could not be named.« 3
