SPD: Revoluzzer, Lampenputzer - Jasmin Siri - E-Book

SPD: Revoluzzer, Lampenputzer E-Book

Jasmin Siri

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Beschreibung

"Organisationssoziologisch spricht schon der Verschleiß an Vorsitzenden in den letzten Jahren für eine Krise der Sozialdemokratie." Jasmin Siri findet in ihrem Beitrag in Kursbuch 200 deutliche Worte für die älteste Partei Deutschlands, denn auch angesichts aktueller Wahlergebnisse wird niemand bestreiten können, dass sich die SPD in Bedrängnis befindet. Allerdings verharrt die Politikwissenschaftlerin nicht beim Status quo, sondern nimmt eine historische Perspektive ein: Wie wurde die Sozialdemokratie was sie heute ist? Inwiefern liegt ihr schon immer das Dilemma zwischen Revoltieren und Reformieren inne?

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Seitenzahl: 22

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Jasmin SiriSPD: Revoluzzer, LampenputzerÜber das Dilemma, eine ordentliche Revolution zu veranstalten

Die Autorin

Impressum

Jasmin SiriSPD: Revoluzzer, LampenputzerÜber das Dilemma, eine ordentliche Revolution zu veranstalten

Die Entstehungsgeschichte der Arbeiterbewegung liest sich als eine wilde Geschichte des Lernens und des Scheiterns, der Erfolge und der Rückschläge. Sie ist chaotisch, voll der Mühe, Ordnung und Aktivität gleichermaßen herzustellen, gezeichnet von Kämpfen um Deutungsmacht und politische Ziele. Ein Ergebnis dieser Konstellation ist die Gründung der ältesten deutschen Partei, der SPD. Die Entstehung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands resultiert aus einem Amalgam kontingenter historischer Ereignisse und organisatorischer Lernerfahrungen. Sie ist ein paradigmatisches empirisches Beispiel für das Werden politischer Organisation und – in jüngster Vergangenheit – nicht zuletzt für deren Scheitern an moderner Gesellschaft. Im Folgenden soll diese Entwicklung knapp rekapituliert werden, um einige Motive herauszuarbeiten, die bis heute etwas über die Politik der Sozialen Demokratie erzählen. Diese Motive finden sich bis heute im kulturellen Gedächtnis der sozialdemokratischen Parteiorganisation. Und so, wie sie einst ihre Erfolge begründeten, erzeugen sie heute Anpassungsprobleme.

Revoluzzen lernen, oder: Die junge Arbeiterbewegung scheitert voran

In der jungen Arbeiterbewegung, deren Entstehung mit der schweren Wirtschaftskrise im Jahre 1847 und der Gründung des Deutschen Arbeitervereins im selben Jahr datiert werden kann, ging es zunächst darum, das Diskutieren und das Organisieren zu erlernen, eine kritische Masse an politischem Personal zu rekrutieren und eine gewisse Resilienz psychischer wie auch organisatorischer Art gegen Verfolgung herzustellen. Ideen für Kongresse und Termine für Treffen scheiterten an Geld, Ort, Zeit oder Schikanen. Die politisch Tätigen der jungen Bewegung wurden verfolgt, verhaftet und wieder freigelassen (und wieder verhaftet und wieder freigelassen). Zeitungen und Vereine wurden gegründet, verboten und wieder erlaubt, Organisationen entstanden, spalteten sich, wurden zusammengelegt. Manche gingen auch am mangelnden Interesse der Arbeiterschaft wieder ein. Der Streik als politisches Mittel wurde entdeckt und durch die Organisation von Arbeitervereinen gegen heftige Widerstände kontinuiert. Das alles fand statt – es ist sehr wichtig, das zu betonen – unter der Prämisse, dass es keine Vorbilder für demokratische politische Organisationen in Deutschland gab.1

Die SPD ist die älteste Partei Deutschlands. Aus dem von Ferdinand Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV, 1863) und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (1869) August Bebels wurde 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, welche, wiederum nach einem Parteiverbot, als SPD 1890 neu gegründet wurde. Trotz der Sozialistengesetze und anderer Bemühungen, die Partei zu verhindern, wurde sie immer erfolgreicher und erlangte bei den Wahlen zum Reichstag 1912 schließlich knapp 35 Prozent der Stimmen. Diese Erfolgsgeschichte konnte aber nicht darüber hinwegretten, dass sich inhaltlich wie auch habituell unterschiedliche Faktionen zu einer sehr heterogenen Mitgliedschaft vereinten.