Regensburg am Schwarzen Meer - Daniel Weißbrodt - E-Book

Regensburg am Schwarzen Meer E-Book

Daniel Weißbrodt

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Beschreibung

An der Donau - mit 2.857 Kilometern der zweitlängste Strom Europas - liegen von Deutschland bis zur Ukraine zehn Länder. Kein Fluss auf der Welt hat mehr Anrainerstaaten. Daniel Weißbrodt hat sich im Faltboot auf eine faszinierende Reise begeben, den Strom zu erkunden. Er begegnet Binnenschiffern und Paddlern, er trifft auf Fischer, Bauern und Lebenskünstler, auf gewöhnliche und auf außergewöhnliche Menschen. Jenseits aller Klischees erzählt er von berührenden Hoffnungen, von Wünschen und Sehnsüchten, von ganz alltäglichen und ganz besonderen Geschichten und von den Lebenswelten unserer Nachbarn im südöstlichen Europa, von denen wir noch immer viel zu wenig wissen ...

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Seitenzahl: 381

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Daniel Weißbrodt

Regensburg am Schwarzen Meer

2400 Kilometer auf der Donau

Engelsdorfer Verlag

Impressum

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

Aus literarischen Gründen und zum Schutz von Persönlichkeitsrechten sind einige Namen verfremdet und einige Begegnungen vom Autor geringfügig verändert worden

Alle hier genannten Marken- und Produktnamen oder Logos sind Marken oder eingetragene Marken ihrer jeweiligen Inhaber

© 2013, Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany, EU

Fotos: www.danielweissbrodt.de/​lesen

Lektorat: Anna Kuschnarowa

Umschlaggestaltung, Karten, Satz und Layout: Michael Kewitsch

Autorenfoto: Anke Duensing

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2013

www.engelsdorfer-verlag.de

ISBN 9783954889006

Inhaltsverzeichnis

Cover

Impressum

Sommer 2008

Sommer 2010

Sommer 2011

Schreibweisen, Transliteration und Aussprache 2008

Danksagung

Sommer 2008

EIN MIETSHAUS IM LEIPZIGER WESTEN, vier Stockwerke hoch und gebaut in den 1880er Jahren, Gründerzeit, Backsteinziegel und Stuck. Hinter dem Haus ein gepflasterter Hof mit ein paar Blumenkästen und einer Bank, drei Garagen und eine ehemalige Autowerkstatt.

Die Treppe zum Boden über der Werkstatt ist steil und das Geländer verbogen, die Stufen sind verrostet und die Tür ist nur angelehnt. Unter dem schrägen Dach riecht es nach Holz und nach Öl, Staub flimmert im Licht, das durch die Ritzen zwischen den Ziegeln fällt, und auf einem Regal verrosten Schraubenschlüssel und ein Hammer unter einer Staubschicht.

Hinten im Halbdunkel liegt auf grauen, alten Bohlen neben einem zerbrochenen Stuhl und einem rostigen Eimer noch immer das Boot. Es ist ein Faltboot, viereinhalb Meter lang und achtzig Zentimeter breit, mit grauem Gummiboden und dunkelblauem Verdeck, mit hölzernen Leisten und Spanten, und auch das Paddel ist noch da. Auf dem Kielbrett ist ein kleines Schild angebracht, auf dem steht »VEB Mathias-Thesen-Werft, Deutsche Demokratische Republik, 1984«, und auf dem Verdeck ein Aufnäher, »Kolibri IV«. Es hat zwei Sitze aus Sperrholz und ein kleines Ruder aus Aluminiumblech, es ist verstaubt und der Stoff ist mit einigen, schwarzen Stockflecken gesprenkelt, aber es scheint intakt zu sein und das hölzerne Gerüst ist honigfarben und sieht stabil aus.

Das Boot gehörte einer Frau, die schon seit ein paar Jahren nicht mehr im Haus wohnt. Sie war von unbestimmbarem Alter und hockte oft stundenlang auf dem Hof, mit Kreide schrieb sie in Schönschrift seltsame Botschaften auf das Pflaster, sie ordnete Zweige und Kiesel zu Mustern, murmelte unverständliche Sätze und sah mich und die anderen Mieter mit bösen Blicken an.

Irgendwann hatte es gebrannt in ihrer Wohnung, aus den Fenstern kam schwarzer Rauch und ein Feuerlöschzug stand vor dem Haus. Danach war die Frau verschwunden, niemand weiß wohin, wir haben sie nie wieder gesehen und nichts mehr von ihr gehört.

AM ABEND SITZE ICH IM SESSEL, vor mir ein Glas Rotwein, und überlege.

Seit Jahren liegt das Boot auf dem Boden und die Frau wird wohl kaum wiederkommen, um es abzuholen. Und selbst wenn, dann kann ich es mir ja trotzdem einfach mal für einen Sommer ausleihen, denke ich, sie wird schon nichts dagegen haben, und ich nehme den Atlas aus dem Bücherregal.

Mit dem Boot möchte ich also fahren, aber wo oder wohin?

Es ist nicht weit bis zur Elbe, aber das Stückchen Fluss von Torgau bis Hamburg sieht ganz klein und kurz aus auf der Europakarte und ich suche weiter. Die meisten deutschen und mitteleuropäischen Flüsse nehmen den Weg nach Norden, in die Ostsee oder in die Nordsee. Rhein und Weser, Oder und Wisła.

Ich suche weiter.

Die Donau fließt nach Südosten und an ihr – mit 2 857Kilometern ist sie der zweitlängste Strom Europas – liegen von Deutschland bis zur Ukraine zehn Länder. Kein Fluss auf der Welt hat mehr Anrainerstaaten, alle paar hundert Kilometer kommt eine neue Grenze, ein neues Land, und das, denke ich mit dem Atlas auf den Knien, das könnte interessant werden.

Es ist das gleiche Wasser, an dessen Ufern die Menschen in Regensburg und in Wien, in Budapest und in Belgrad, in Ruse und in Galaţi leben, aber wie leben sie? Verbindet sie der Fluss, macht er sie zu Nachbarn oder sind die Sprach- und Landesgrenzen stärker, und was wissen und denken sie überhaupt voneinander?

Mit dem Faltboot auf der Donau, das klingt gut, denke ich, auch wenn ich kein geübter Sportler bin und genaugenommen bin ich überhaupt kein Sportler, ich arbeite im Archiv, ich sitze den ganzen Tag am Schreibtisch und wenn ich einmal in der Woche einer Straßenbahn hinterherrenne, dann ist mein durchschnittliches Pensum an Bewegung auch schon erreicht, doch die Strömung wird mich mit sich tragen wie ein Blatt. Ich kann paddeln und ich kann mich treiben lassen, ganz wie ich will, denn der Fluss fließt schließlich ohnehin.

Verfahren kann ich mich wohl kaum, aber ich bestelle mir trotzdem einen Wasserwanderführer vom Deutschen Kanuverband, »Die Donau und ihre Nebenflüsse«, und stelle mir vor, wie es wohl sein wird in Österreich und in der Slowakei, in Ungarn, Kroatien und Serbien, und im Wikipedia-Artikel »Donauschifffahrt« lese ich: »Die gesamte Donau ist inzwischen selbst für unerfahrene Bootsführer leicht befahrbar. Was noch fehlt, sind ausreichend Marinas«, aber einen Platz zum Anlegen, den werde ich schon irgendwo finden.

Bei Regensburg erreicht die Donau ihren nördlichsten Punkt und die Stadt liegt nur etwas mehr als dreihundert Kilometer südlich von Leipzig. Von Regensburg bis Belgrad sind es 1 210Kilometer und wenn ich am Tag sechzig Kilometer fahre, dann dürfte das in drei Wochen eigentlich zu schaffen sein, denke ich, wenn die Bootshaut überhaupt noch dicht ist und das Boot fahrtauglich.

EIN PAAR TAGE DARAUF trage ich mit meinem Nachbarn das Boot zum nahen Kanal, wir legen es ins Wasser und es schwimmt. Ich steige ein und paddle ein Stück. Das Boot trägt mich und wiegt sich in den Wellen, es reagiert auf jede noch so kleine Bewegung, es schaukelt und ich fahre auf eine Brücke zu. Das sich in den Wellen brechende Sonnenlicht spiegelt sich an der Unterseite des steinernen Bogens und auf der Brücke steht ein etwa vierjähriges Mädchen, es hält sich am Geländer fest und winkt mir zu. Vorsichtig lege ich das Paddel ab, halte es mit einer Hand fest und winke mit der anderen zurück.

Links und rechts stehen Bäume und Gebüsch, der Verkehrslärm ist leiser als an den Straßen und auf den Bürgersteigen, Vögel fliegen am Ufer und ich bin ganz nah am Wasser und spüre seine Kühle durch die Bootshaut.

Zerbrechlich wirkt das Boot, zierlich wie ein Spielzeug mit seinem schmalen, hölzernen Gerippe und der dünnen Haut, die sich glatt und straff darüber spannt, aber es trägt mich. Leicht wie ein Korken schwimmt es auf dem Wasser, mit den Pedalen steuere ich das Ruder und die Bootsspitze neigt sich nach links und nach rechts, ganz wie ich es will.

Abgesehen davon, dass mir Wasser ins Gesicht spritzt und das Verdeck nass tropft, wenn ich das Paddel ungeschickt eintauche, abgesehen davon, denke ich, scheint Bootsfahren eigentlich ganz einfach zu sein.

AN EINEM VORMITTAG IM JULI sitze ich im Auto und fahre nach Süden. Ab und an regnet es aus tiefhängenden, grauen Wolken und nur gelegentlich scheint ein kleiner Fetzen blauer Himmel hervor.

Im Kofferraum liegen die beiden wasserdichten Packsäcke, in denen das Faltboot steckt, und der Rucksack mit dem Gepäck. Zelt und Schlafsack, Isomatte und ein kleiner Gaskocher, Topf, Tasse und Besteck, Notizbuch und Füller, Wörterbücher und der Wasserwanderführer.

In Regensburg baue ich oberhalb der Steinernen Brücke, einer mittelalterlichen Brücke mit vielen, kleinen Bögen, das Boot neben den ausgetretenen Stufen einer Treppe auf, die hinab zum Wasser führt. Danach knote ich Seile an Bug und Heck und binde sie an zwei alten, eisernen Ringen fest, die zu diesem Zweck zwischen den Steinen eingelassen scheinen, und lege es ins Wasser. Das Boot steht in der Strömung, das Wasser fließt und rauscht an ihm vorüber und will es mitreißen, aber die Leinen halten es fest.

Ich setze mich auf die Treppe. Das Wasser fließt schnell, viel schneller als ich es erwartet hatte, und im Fluss schwimmen Äste und Zweige, die rasch vorübertreiben. Die Donau ist etwa hundert Meter breit und spiegelt den graublauen Himmel.

Ich hole das Gepäck aus dem Wagen und belade das Boot. Als ich fertig bin, liegt es tief im Wasser.

Ich muss das Auto zur Mietwagenstation bringen und weiß nicht, ob ich das Boot einfach so hier liegen lassen kann. Wenn es irgendjemand losbinden würde, dann wäre die Fahrt zu Ende, noch bevor sie begonnen hat.

Zwei etwa fünfzehnjährige Jungs sitzen am Ufer, sie tragen schwarze, weite Kapuzenshirts und Jeans und halten jeder eine Colabüchse in der Hand, sehen aufs Wasser und schweigen.

Ich gehe zu ihnen.

»Hallo«, sage ich. »Wisst ihr, wie lange ihr noch hier sitzen werdet?«

»Weiß nicht«, sagt der eine etwas gelangweilt. »Warum wollen Sie das denn wissen?«

»Könntet ihr ein Auge auf mein Boot haben?«, frage ich ihn. »In spätestens einer Stunde bin ich wieder da.«

»Na klar«, sagt der andere. »So lange sind wir auf alle Fälle noch hier. Machen Sie sich mal keine Sorgen, wir passen schon auf. Machen wir doch, oder?«, sagt er und stößt seinen Freund in die Seite. Der nickt.

»Ja, das machen wir, geht klar.«

Ich fahre zur Autovermietung und stelle den Wagen auf dem Parkplatz ab, werfe den Schlüssel in den Briefkasten und gehe entlang des Flusses zurück zum Boot.

An der Steinernen Brücke strömt das Wasser durch die engen Bögen und die breiten Pfeiler scheinen es ein wenig zu stauen. Oberhalb der Brücke ist das Wasser geradezu glatt, durch die Bögen fließt es ein wenig abfallend und unterhalb schäumt und sprudelt es in Wellen und Strudeln.

Wenn das mal gut geht, denke ich.

Die Jungs sitzen auf der Treppe direkt neben dem Boot.

»Danke fürs Aufpassen«, sage ich und gebe ihnen fünf Euro. »Das war wirklich sehr nett von euch!«

Sie sehen mich und den Schein verwundert an.

»Danke, das ist krass! Echt krass!«, sagt der eine. »Wohin wollen Sie eigentlich fahren?«

»Nun, so genau weiß ich das auch nicht«, sage ich. »Erst einmal immer flussabwärts jedenfalls und dann werde ich ja sehen, wie weit ich es schaffe. Bis Belgrad wäre schön. Das sind ziemlich genau 1 200Kilometer.«

»Und da haben Sie alles drin, was Sie brauchen?« Er deutet auf das Boot.

»Ja«, sage ich. »Hoffentlich.«

»Krass! Machen Sie so was öfter?«

»Nein«, sage ich. »Vor fünfzehn Jahren war ich zwar mal mit Freunden in den Masuren paddeln, aber das waren Seen und schmale Kanäle, in denen das Wasser steht. Auf einem Fluss bin ich noch nie gefahren«, sage ich und steige in das Boot. Es zittert in den Wellen und Wasser schwappt über das Verdeck, es schaukelt und ich bin mir nicht sicher, ob das Ganze nicht vielleicht doch einfach nur eine ziemliche Schnapsidee gewesen ist.

Immer wieder schlägt das Ruder zur Seite und ich kann es mit den Pedalen nicht zurück in seine Position bringen.

»Sagt mal, könntet ihr das Ruder festhalten, wenn ich losfahre?«, frage ich die Jungs, die auf der Treppe sitzen und mir interessiert zusehen. Sie nicken und beugen sich über das Wasser, halten das Ruder fest und ich binde die Leinen los.

»Scheiße, ist das alles schwierig«, sage ich.

»Haben Sie Angst?«

»Ja, klar habe ich Angst. Ich habe eine Scheißangst. Aber irgendwie wird es schon gehen, macht’s gut, Jungs, und vielen Dank!«, sage ich und stoße mich vom Ufer ab.

»Regensburg, Steinerne Brücke. Durchfahrt im 2.Joch von rechts, das erste Joch ist nur für Bergfahrer!«, steht im Wasserwanderführer. Ich weiß zwar nicht was ein Bergfahrer ist, bin mir aber ganz sicher, dass ich keiner bin und steuere auf den zweiten Bogen zu. Das Wasser reißt mich mit sich und ich paddle nicht mehr, sondern versuche nur noch, das Boot allein mit dem Ruder zu steuern, ohne die Geschwindigkeit weiter zu erhöhen. Die Bootshaut schrammt über den steinernen Wellenbrecher, der knapp unter der Wasseroberfläche liegt, und ich erwische das zweite Joch, das Wasser trägt mich hindurch und ich umklammere ängstlich das Paddel.

Unterhalb der Brücke gerate ich in einen Strudel und das Boot dreht sich. Hilflos treibe ich im Wasser und auf der Brücke stehen Menschen und sehen zu mir herunter.

Das war’s, denke ich, gleich saufe ich hier ab.

Aber dann benutze ich doch vorsichtig das Paddel und als das Boot wieder in der Strömungsrichtung liegt, beginne ich, flussabwärts zu fahren.

Meine Knie zittern. Keine Angst, sage ich mir immer wieder, ich darf einfach keine Angst haben, das wird schon, aber ich glaube selbst nicht recht daran.

Nach einer Weile wird das Wasser ruhiger. Noch immer fließt es schnell dahin, nun aber ohne Wellen und Strudel, und ich verlasse die Stadt.

Ich hatte mir das alles ganz anders vorgestellt, sicherer und einfacher, aber das Boot wird nicht von einer gleichmäßigen und ruhigen Strömung langsam mitgetragen, es vibriert in den Wellen und Strudeln, es will sich drehen und abtreiben und es schaukelt, Wellen kommen von der Seite, von hinten und von vorn und hinter einer überspülten Buhne wird es von einer Gegenströmung herumgerissen. An der nächsten geeigneten Stelle halte ich an, denke ich, auch wenn im Wasserwanderführer keine Zeltmöglichkeit verzeichnet ist, aber ich will so schnell wie möglich wieder ans Ufer, ich möchte an Land sein und festen Boden unter den Füßen spüren, doch links und rechts ist das Ufer mit großen, lose übereinandergeschichteten Steinbrocken befestigt und ich sehe keine Bucht und keinen Steg. Hier kann ich nicht anlegen.

Hinter den steinernen Dämmen stehen Bäume und weit kann ich nicht sehen, ich sitze im Boot und es ist eine Art Froschperspektive, vor mir das blaue Dreieck der Bootsspitze und davor der Fluss.

Nach einer Stunde sehe ich ein paar Angler neben einem kleinen, qualmenden Grill am Ufer stehen.

»Komm her!«, rufen sie. »Es gibt Fisch!«

Aber es geht alles viel zu schnell und schon bin ich an der kleinen Bucht vorbeigefahren.

»Ich muss weiter«, rufe ich zurück. »Ein andermal bestimmt!«

»Gute Reise!«, rufen die Männer, lachen und winken.

Kurz darauf steht in einer Bucht ein Mann in T-Shirt und kurzen Hosen neben einem Wohnmobil, er ist etwa Mitte dreißig, hat die Hände in die Hüften gestemmt und sieht über den Fluss. Ich steuere ans Ufer und schlittere auf eine flache, steinerne Rampe, springe aus dem Boot und der Mann hilft mir, es ein Stück an Land zu ziehen.

Ich habe wieder Boden unter den Füßen. Er fühlt sich gut an, fest und hart und unnachgiebig, und erleichtert setze ich mich ins Gras. Etwas mehr als anderthalb Stunden bin ich unterwegs gewesen und zehn Kilometer gefahren.

Als das Zelt aufgebaut ist, bittet mich der Mann in den Wohnwagen und stellt zwei Flaschen Bier auf den Tisch.

»Ich arbeite in Regensburg«, sagt er. »Meine Frau lebt mit den Kindern in Baden-Württemberg und im Sommer wohne ich unter der Woche hier im Caravan. Das ist billiger als im Hotel und viel schöner sowieso. Fahren muss ich ohnehin, da kann ich auch den Wohnwagen nehmen, und hier drin habe ich alles, was ich brauche. Küche und Fernseher, Dusche und Bett«, sagt er. »Und du? Wo kommst du her? Und wo fährst du hin?«

»Heute Nachmittag bin ich in Regensburg gestartet«, sage ich. »Und wohin, das kann ich noch gar nicht sagen. Ich glaube, ich habe mich ein bisschen überschätzt. Eigentlich wollte ich bis Belgrad fahren. Vielleicht komme ich bis Budapest, vielleicht auch nur bis Wien.«

»Morgen musst du den linken Nebenarm nehmen, hier, siehst du, etwa fünfhundert Meter flussabwärts«, sagt er und breitet eine detaillierte Landkarte der Bucht auf dem Tisch aus. »Nur ein schmaler Kanal führt auf den See und kaum jemand kennt diesen Ort. Dort ist es ganz ruhig und idyllisch, ein Vogelparadies. Ein paar hundert Meter weiter geht’s dann wieder auf den Hauptstrom, das ist überhaupt kein Umweg, doch das solltest du auf keinen Fall verpassen«, sagt er und holt zwei neue Bier aus dem Kühlschrank.

»Belgrad«, sagt er und setzt sich. »Ich wusste gar nicht, dass Belgrad an der Donau liegt.«

»Ich auch nicht«, sage ich. »Aber bevor ich losgefahren bin, habe ich mir erst einmal den Flussverlauf im Atlas angesehen und einen Wasserwanderführer gekauft. Wien, Bratislava, Budapest, das kennt man ja. Aber danach…«

»Ja«, sagt er und nickt. »Budapest, dann Schwarzes Meer. Viel mehr weiß man eigentlich gar nicht.«

Draußen dämmert es und die Tür des Wohnwagens steht offen, wir hören die Vögel zwitschern und das Rauschen und Murmeln des Flusses und nach einer Weile bedanke ich mich für das Bier, verabschiede mich und lege mich ins Zelt.

Auf der dünnen Isomatte ist es hart und unbequem, neben dem Zelt raschelt irgendetwas im Gras und der Wind rauscht in den Bäumen, gelegentlich ist das Motorengeräusch eines Schiffes zu hören und erst nach einer ganzen Weile schlafe ich ein.

AM MORGEN IST DER CARAVAN verschwunden und ich hole Gaskocher, Topf und eine Wasserflasche aus dem Boot. Der kleine Dreifuß ist schnell aufgebaut, blaue Flämmchen brennen leise fauchend aus den Düsen und kurz darauf kocht das Wasser sprudelnd im Topf. Mit dem Kaffeebecher in der Hand gehe ich ein paar Schritte hinab zum Ufer und sehe über den Fluss. Ein Schlepper fährt vorüber und Wellen klatschen ans Ufer.

Ich will nicht wieder in dieses wacklige und schaukelnde Boot einsteigen und stattdessen koche ich mir einen zweiten Kaffee, aber auch der ist irgendwann ausgetrunken und ewig kann ich ja nicht hier sitzenbleiben, denke ich und habe großen Respekt vor dem Fluss. Paddeln ist wahrscheinlich ein bisschen wie Bergsteigen und der Fluss ist viel stärker als man denkt. Aber was kann ich jetzt anderes tun, als wieder ins Boot steigen und es aufs Neue versuchen? Kurz kommt mir der Gedanke, dass es ja recht hübsch hier ist, und ich sehe mich um. Wenn ich einfach hierbleibe?

Aber dann ziehe ich doch das Boot ins Wasser und steige mit zitternden Knien ein, fahre los und die Strömung nimmt mich auf. Nach einer Weile gewöhne ich mich an die Geschwindigkeit und an die Kraft des Wassers und der Fluss kommt mir schon nicht mehr ganz so bedrohlich vor wie gestern Abend.

Die Strömung scheint geringer zu sein, es ist nun eher ein gemächliches Dahintreiben und mir fällt auf, dass sich das Boot viel besser steuern lässt, wenn ich paddle. Wenn ich schneller bin als die Strömung, dann können mir die Strudel fast gar nichts anhaben, dann fahre ich einfach über sie hinweg, und nur, wenn ich mich treiben lasse, hat das Ruder eine gewisse Trägheit. Dann muss ich es schon eine ganze Weile, bevor sich die Spitze des Bootes in die Richtung dreht, in die ich fahren möchte, wieder gerade halten, sonst fahre ich Schlängellinien. Aber eigentlich ist es genau so, wie es auch jeder Fahrschüler in den ersten Stunden lernt. Wenn man nicht kurz vor der Motorhaube auf die Straße sieht, sondern dorthin, wo man auch hinfahren möchte, dann bleibt man nach einer Weile von ganz alleine in der Spur.

Ich überquere den Fluss und biege in den Seitenarm. Dort fließt das Wasser nicht mehr, es steht, und ein Milan schwebt weit oben am blauen Himmel. Algen und ein paar Plastikflaschen treiben im Wasser und es ist ganz still. Nur die Vögel zwitschern und auf einem abgestorbenen Baum sitzen ein paar Kormorane mit ausgebreiteten Flügeln reglos in der Sonne. Das Ufer ist nicht mehr mit grauen Steinblöcken befestigt, stattdessen steht dort Schilf, in dem Spatzen lärmen, und ein paar Seerosenblätter schwimmen auf dem Wasser.

Der Nebenarm verläuft parallel zum Strom, nach ein paar hundert Metern gelange ich über einen schmalen Kanal wieder zurück auf den Fluss und auch im Hauptarm hat die Strömung nun nachgelassen.

»Km 2 373,1 – Beginn des Rückstaus der Staustufe Geisling«, steht im Wasserwanderführer.

Das Buch ist sehr hilfreich. Alle Orte, Brücken und Zeltmöglichkeiten sind auf hundert Meter genau verzeichnet, dazu kommen kurze, nützliche Hinweise und Flussverlaufsskizzen, die Staustufen sind sogar mit kleinen Karten versehen und am Ufer stehen links und rechts Schilder, weiße Zahl auf schwarzem Grund, die die Flusskilometer anzeigen.

Die Donaukilometrierung beginnt in Sulina am Schwarzen Meer mit dem Kilometer 0 und folgt dem Fluss aufsteigend bis zu einer steinernen Tafel mit der Inschrift »Donau 2 779« am Zusammenfluss von Brigach und Breg bei Donaueschingen.

Eigentlich ist das alles ziemlich gut eingerichtet, denke ich, beinahe wie eine Straße ist der Fluss ausgeschildert, Schleusen werden auf blauen Tafeln angekündigt und Bojen – links sind sie grün, rechts rot – markieren die Schiffsrinne. Nach einem kurzen Blick in das Buch weiß ich immer, wo ich bin, und ich stoppe die Zeit und rechne aus, dass ich mit fünf bis sechs Kilometern in der Stunde vorankomme.

Links und rechts verbirgt ein mit kurzem Rasen bewachsener Damm das umliegende, flache Land und nur ab und an sehe ich die roten Ziegeldächer eines Dorfes oder die Spitze eines Kirchturms und links auf einem Hügel steht die Walhalla.

Ein paar Kilometer weiter steht das Wasser ganz. Die Donau ist nun kein Fluss mehr, sondern ein See, breit und ruhig. Ich kann mich nicht mehr treiben lassen, ich muss paddeln, um voranzukommen und schaffe nicht viel mehr als drei bis vier Kilometer in der Stunde.

Am blauen Himmel schweben nur noch ein paar kleine, weiße Wölkchen, die Sonne scheint und es ist warm geworden, Schweiß steht mir auf der Stirn und ich glaube, ich bekomme langsam einen leichten Sonnenbrand.

Ein großes Schiff kommt mir entgegen, dick und breit und lang. Vor sich schiebt es eine weißschäumende Bugwelle her und es kommt schnell näher. Das Schiff fährt in knapp hundert Metern Entfernung an mir vorüber und ich sehe die Wellen auf mich zulaufen. Sie sind einen guten halben Meter hoch und ich drehe die Bootsspitze in Richtung Flussmitte, so dass ich direkt in sie hineinfahre. Das Boot schaukelt, es hebt und senkt sich, liegt aber stabil im Wasser. Kurz darauf brechen sich die Wellen am Ufer und kommen zurück. Erst nach ein paar Minuten hat sich das Wasser wieder beruhigt und langsam, denke ich, langsam lerne ich, wie alles funktioniert, mittlerweile kann ich mir tatsächlich sogar schon beinahe vorstellen, in den nächsten drei Wochen im Boot unterwegs zu sein, und es ist nicht mehr weit bis zur Staustufe Geisling, der ersten von insgesamt dreizehn Donauschleusen in Deutschland und Österreich.

Die Skizze im Buch habe ich mir zwar immer wieder angesehen, verstehe sie aber nicht.

Am Horizont taucht eine graue Betonmauer auf, die sich über die gesamte Flussbreite spannt, flankiert von Türmen und großen Gebäuden, und ich binde das Boot an der ersten der eisernen Leitern in der langen Kaimauer am linken Ufer fest, klettere hinauf und sehe auf einem kurzgeschnittenen Rasen ein Schild stehen. »Zur Schleusung über Sprechstelle melden. Weisung über Lautsprecher abwarten«, steht darauf, aber ich gehe erst einmal nach vorn. Dort steht ein Turm mit einer verglasten Kanzel, der aussieht wie ein Flughafentower, und über dem breiten Doppelflügeltor der Schleuse leuchtet eine rote Ampel. Hinter der Anlage ergießt sich das Wasser neben dem Schleusenbecken rauschend und donnernd über eine etwa fünf Meter hohe Staumauer.

Ich gehe zurück und neben dem Schild hängt an einem Pfahl unter einem kleinen Dach ein altertümliches Telefon.

Ich hebe den Hörer ab und es klingelt.

»Grüß Gott!«, sagt eine Männerstimme.

»Guten Tag!«, sage ich. »Ich möchte geschleust werden, mit meinem Paddelboot, geht das?«

»Jaja, das geht«, antwortet der Mann. »In fünfzig Minuten kommt ein Frachter. Wenn die Ampel auf Grün schaltet, fährt zuerst das große Schiff in die Schleuse, danach rufe ich Sie aus und dann kommen Sie in die Kammer.«

»Danke!«, sage ich und lege auf.

Das scheint ja doch ganz einfach zu sein und gar nicht so kompliziert wie ich befürchtet hatte, und ich setze mich unter einen Baum in den Schatten und warte auf das Schiff.

Nach einer knappen Stunde kommt der Frachter und legt an der rechten Kaimauer an, ich stehe auf und sehe zur Ampel. Das Tor zur Schleusenkammer öffnet sich und die Ampel schaltet auf Grün, das Schiff fährt hinein und ich klettere die Leiter hinunter, steige ins Boot und mache die Leinen los.

»Das Ruderboot jetzt bitte in die Schleusenkammer einfahren!«, ertönt es aus einem Lautsprecher und ich paddle los. In der Kammer halte ich mich an einer in die Mauer eingelassenen Eisenleiter fest und hinter uns schließt sich quietschend und rumpelnd das schwarzstählerne Tor.

Das Schiff neben mir ist die »Doria«. Unter der Brücke liegen die Kabinen, in den Fenstern hängen Spitzengardinen, stehen Blumentöpfe und kleine Gartenzwerge aus Ton. Die »Doria« sieht beinahe so aus wie ein stählernes, weißgestrichenes, schwimmendes Einfamilienhäuschen und auf dem flachen Dach steht ein frischgeputzter, silberfarbener Mercedes.

Nach einer Weile beginnt der Wasserspiegel zu fallen. Langsam und Zentimeter für Zentimeter und Meter für Meter sinken wir immer tiefer. Die Mauer neben mir ist nach einer halben Stunde etwa fünf Meter hoch, nass und mit Algen bewachsen, und die Leiter, an der ich mich festhalte, ist glitschig. Aus kleinen Vertiefungen in der Wand tropft Wasser.

Das vordere Tor öffnet sich und wieder schaltet eine Ampel von Rot auf Grün. Hinter der »Doria« schäumt grünlichweiß das Wasser auf und sie fährt hinaus. Nach einer Weile, als sich das Wasser wieder beruhigt hat, folge ich ihr. Der Fluss fließt nun wieder, über etliche Kilometer steht dichter Auwald an beiden Ufern und als er sich lichtet, kann ich am linken Horizont schon hellblau die Berge des Bayerischen Waldes erkennen.

In einer Bucht mit Kiesstrand und einem schmalen Streifen Wiese, umgeben von Wald, baue ich das Zelt auf und zünde ein kleines Feuer an. Es ist ganz still, nur ein paar wenige Vögel zwitschern und das Feuer knackt leise. Ich sitze auf einem Stein und sehe über den Fluss und auf das gegenüberliegende Ufer, wo die Bäume in der Abendsonne leuchten. Ein Schwarm kleiner Fische steht im klaren Wasser in Ufernähe, ein Biber schwimmt an der Bucht vorbei, er scheint mich nicht zu bemerken und aus der Ferne ist leise das Motorengeräusch eines flussaufwärts fahrenden Lastkahns zu hören, das langsam näher kommt.

Am Bug der »Phoenix«, der Name steht in lateinischen und in kyrillischen Buchstaben an der weißen Schiffswand, hängt die deutsche, am Heck die weiß-grün-rote bulgarische Flagge. Vor das Schiff ist, wie ein Anhänger an einen LKW, ein Schubleichter gekoppelt, ein voll beladener Lastkahn ohne Brücke und Motor, eine schwimmende Wanne aus rostrotem Stahlblech.

Ich sitze am Ufer und habe Muskelkater in den Armen und den Händen. Die Finger, die den ganzen Tag das Paddel gehalten haben, krümmen sich auch jetzt am Abend noch und es fällt ein wenig schwer, sie gerade auszustrecken.

Ich habe einen Sonnenbrand und morgen, denke ich, morgen werde ich mir in Straubing Sonnencreme und einen Hut kaufen, mache mir ein paar Notizen und schreibe die Erlebnisse der ersten beiden Tage in meine Kladde.

IN DER STAUSTUFE STRAUBING, lese ich am Morgen im Wasserwanderführer, wird nur die Großschifffahrt geschleust, für Kanufahrer gäbe es stattdessen eine »leicht bedienbare Bootsgasse«, was immer das auch sein mag. Aber ich kann die Skizze im Buch schon etwas besser verstehen als gestern und fahre zur Bootsgasse neben der Schleuse.

Eine Öffnung ist mit einem Brett versperrt, neben dem Brett hängt an einem Pfosten eine Kette wie an einer altertümlichen Klospülung und auf einem Schild steht »Bootsgasse. Bitte ziehen«. Ich ziehe an der Kette, das Brett senkt sich und macht den Blick frei auf eine vielleicht zwanzig Meter lange, steile Rinne, etwa zweieinhalb Meter breit, durch die nun Wasser fließt. Die Bootsgasse.

So muss ich wenigstens nicht darauf warten, dass ein großes Schiff kommt, mit dem ich geschleust werden kann, denke ich und fahre vorsichtig hinein. Der Bug senkt sich, das Boot gleitet durch den Kanal und Wasser spritzt mir ins Gesicht, es ist ein bisschen wie Achterbahn fahren und kurz darauf schwimmt das Boot fünfeinhalb Meter tiefer im Fluss.

Jetzt sind es genau einhundert Kilometer bis zur Schleuse Kachlet und bis zum Beginn des Rückstaus fließt das Wasser nun auf achtzig Kilometern frei. Zwischen Straubing und Vilshofen liegt das letzte, größere, unverbaute Stück Donau in Deutschland.

In Straubing scheint eine flache, steinerne Rampe ein guter Anlegeplatz zu sein, aber seltsamerweise liegt die Rampe verkehrtherum im Fluss. Ich muss wenden und gegen die Strömung auf sie hinauffahren. Doch das geht ganz leicht und ich muss nur ein wenig schneller sein als die Strömung, schon lässt sich das Boot erstaunlich gut manövrieren und ich schlittere nicht mehr mit der Fließgeschwindigkeit über die Steine, sondern gleite ganz langsam und sacht ans Ufer. Nicht die Rampe liegt also verkehrt im Fluss, sondern ich bin bisher in die falsche Richtung an Land gefahren.

Der Bootsrumpf sitzt auf, ich springe heraus und hole mir, zum ich weiß nicht wievielten Male, nasse Füße.

Alle zwei bis drei Stunden fahre ich an Land und Wellen schwappen ans Ufer, das manchmal fest, manchmal sandig und manchmal schlammig ist, ich muss aussteigen und das Boot ein Stück weit an Land ziehen, ich stehe im Wasser und trocken bleiben die Füße beim Ein- und Aussteigen eigentlich nie.

Ich gehe hinauf in die Stadt und auf der Straße hinterlasse ich die feuchten Abdrücke meiner Sandalen, die in der Sonne schnell wieder trocknen.

In Straubing kaufe ich Sonnencreme und mache mich auf die Suche nach einem Sonnenhut. Am besten wäre ein ganz einfacher und billiger Strohhut, denke ich, aber ich weiß nicht, wo man so etwas bekommt.

In einem Laden in der Innenstadt gibt es Herrenhüte aus Filz, Schiebermützen und Jägerhüte ab fünfzig Euro und in einer Drogerie eine Art gehäkelte Omahütchen mit schmaler Krempe, die aber nur fünf Euro kosten. Auf dem Wasser sieht mich ohnehin niemand, denke ich, nehme ein Hütchen und lasse mir eine Tüte geben.

Dann gehe ich weiter und sehe ein Geschäft für billige Kleidung, eine Discounter-Kette. Dort gibt es Strohhüte für drei Euro und ich kaufe einen, werfe die Tüte mit dem Omahut schnell in den nächsten Papierkorb, gehe zurück zum Boot und fahre weiter.

Es ist eigentlich ganz hübsch, denke ich, mit dem Boot unterwegs zu sein. Straubing ist ein schönes Städtchen, aber ich wäre nicht auf die Idee gekommen, extra hierher zu fahren, um es mir anzusehen. So aber, ich fahre am Tag nur dreißig oder vierzig Kilometer, halte ich in Orten, die ich, reiste ich anders, schneller, nie kennenlernen würde.

Manchmal, wenn ich im Zug sitze und aus dem Fenster sehe, wünsche ich mir, auszusteigen und in die Städte und Dörfer zu gehen, die links und rechts der Strecke liegen. Wer wohnt denn da und wie lebt es sich dort? Doch kaum ist der Wunsch gedacht und formuliert, ist der Ort auch schon wieder verschwunden. Hier, auf dem Wasser und im Boot, ist es anders. Ich kann anhalten wo ich will und habe nicht das Gefühl, zu schnell zu reisen. Ich kann mir Zeit lassen und selbst wenn ich ungeduldig werde und möchte, dass es schneller vorwärts geht, muss ich mich dem Fluss beugen. Er ist ohnehin stärker als ich. Wasserwandern, Flusswandern ist tatsächlich ein sehr passender und guter Begriff für diese Art der langsamen und dabei keinesfalls langweiligen Fortbewegung. Ich fahre auf dem Fluss mit der Geschwindigkeit eines Fußgängers, schon mehr als eine Stunde bevor ich ankomme, sehe ich die Dörfer und Städte links und rechts des Ufers liegen, und nach zwei bis drei Stunden Fahrt tut mir ohnehin der Hintern weh, trotz des Kissens auf dem Sperrholzsitz, und ich muss eine Pause einlegen und irgendwo anhalten und aussteigen. Hier, am Oberlauf der deutschen Donau, liegen oft nicht mehr als fünf bis zehn Kilometer zwischen den Ortschaften und ich fahre ans Ufer und binde das Boot fest, spaziere durch einen Ort und kaufe mir eine Flasche Wasser und Brot, Obst und Gemüse oder setze mich in ein Café.

Seit ich unterwegs bin, habe ich den ganzen Tag über Hunger, ich könnte permanent essen und in einem kleinen Laden kaufe ich mir eine Tüte Haselnusskerne und eine mit Rosinen, lege sie neben den Sitz und greife während der Fahrt immer wieder hinein.

Am Abend ziehe ich das Boot an Land, binde die Leinen an einen Baum und steige das Ufer hinauf. Hinter dem Damm liegen Wiesen und Felder und in der Ferne ein paar Dörfer. Ich hole die Packsäcke und baue das Zelt auf, als ein Mann zu mir kommt. Er ist etwa fünfzig Jahre alt, er trägt eine Jeanslatzhose über einem karierten Holzfällerhemd und ausgetretene Gummistiefel.

»Ist das Ihr Land, auf dem ich zelte?«, frage ich ihn.

Er nickt und geht ein paar Schritte in Richtung Fluss, betrachtet das Boot, das am Ufer liegt, und nickt erneut.

»Dees basst scho«, sagt der Mann. »Vor zwanzg Johr war da Fluuß no saudreggad! Do is da beim Fischn des Scheißbabbierl an da Schnur hänga bliebm.«

»Da ist es jetzt besser«, sage ich.

»Unsaoans hamats zwengdem Wassergebührn naufbrummt, damit de z’Straubing jazd a anständige Kläranlag ham. Saudeia is da Scheißdreeg seither. Ois is so deia wordn«, sagt er. »Des geht nimma lang guad! 20000Mark ham mia doomois zoihn miaßn, dass uns an Kanalisation ogschlossn ham. Aba an Grabn hama trotzdem soiba aushebm miaßn. Zwoahundert Metta ham mei Nachbar und i ausgrabn!«

Er macht eine wegwerfende Handbewegung, dann deutet er auf den Fluss und grinst.

»Mia han aba trotzdem drin gschwumma«, sagt er. »Trotz an Dreeg. Der hod uns ned scheniert. Des san fast dreihundert Metta und i bi jedn Tag auf d’Nacht oamoi durche gschwumma. Oamoi hi und wieda retour. Jedn Tag.«

Dann geht er.

Der beinahe volle Mond geht groß und orangerot hinter einem Hügel auf und spiegelt sich im schwarzglänzenden Wasser der Donau. Ein Feuer zünde ich nicht an. Es sieht zwar schön und romantisch aus, aber hinterher stinken die Klamotten doch wieder nur tagelang nach kaltem Rauch.

SEIT FÜNF TAGEN bin ich auf dem Fluss unterwegs und am Nachmittag sehe ich am südöstlichen Horizont eine Brücke, die sich über die Donau spannt, am Ufer stehen Kirchtürme und mehrgeschossige Häuser. Passau liegt bunt und glänzend in der Sonne, die Fassaden der Häuser leuchten gelb und rot und ockerfarben, an Kaimauern liegen weiße Ausflugsschiffe und Angler stehen am Ufer.

Ich halte nicht in Passau, die Stadt ist mir zu groß und zu unübersichtlich. In den kleineren Orten und in den Dörfern gibt es meist bessere Anlegestellen für mein Boot und der Weg zum nächsten Laden ist auch einfacher zu finden. Immer auf den Kirchturm zu und dort ist dann meistens auch ein Geschäft und eine Kneipe oder ein kleines Café.

Hinter Passau mündet von rechts der Inn in den Fluss. Das grünbraune Wasser der Donau und das kalkgrautrübe aus den Alpen fließen eine Weile nebeneinander her, dann vermischen sie sich. Das Land wird bergig, hohe Kuppen fallen steil zum Ufer ab und ich suche ein Schild, das die Grenze markiert. Ab dem Kilometer 2 223 ist das rechte Ufer österreichisch, aber ich sehe kein Schild und fahre über die erste der vielen Grenzen, die die Donau passiert, ohne erkennen zu können, wo sie verläuft. Einerseits bin ich ein bisschen enttäuscht, andererseits finde ich es ganz großartig, dass es keine Kontrollen mehr gibt und ich einfach von einem Land in das andere wechseln kann, ohne dass sich irgendeine Behörde dafür interessiert.

In Erlau spielen ein paar Männer Fußball und neben dem Sportplatz baue ich das Zelt auf. Als ich fertig bin, ist auch das Spiel zuende, die Männer gehen vom Platz hinüber zum Vereinshaus und ich frage einen der Fußballer, der vor dem Haus steht, ob ich vielleicht bei ihnen duschen könnte.

»Wasserwanderer?«, fragt er und ich nicke.

»Dahinein«, sagt er und deutet auf die Tür.

Eine Dusche! Heißes Wasser! Seife! Das abfließende Wasser unter meinen Füßen ist graubraun. Ich schließe die Augen, lasse das Wasser über mein Gesicht laufen und habe mir nicht vorstellen können, wie sehr man etwas derart Alltägliches und Gewöhnliches genießen kann. Danach trockne ich mich ab und ziehe saubere Sachen an, ich fühle mich geradezu unglaublich wohl und setze mich auf die Bank vor dem Vereinshaus.

In einer knappen Woche bin ich 175Kilometer gefahren. Noch immer habe ich einen leichten Muskelkater in den Fingern und in den Ober- und Unterarmen, aber es tut nicht weh, es ist beinahe nur wie die Erinnerung daran, dass ich seit ein paar Tagen paddle, mich bewege, mich anstrenge.

Mittlerweile weiß ich, wo ich was im Boot verstaut habe, und auch das Be- und Entladen und das Auf- und Abbauen des Zeltes geht schon viel schneller als noch in den ersten Tagen. Ich bin geschleust worden und ich weiß nun auch, dass mich die Wellen der großen Schiffe nicht zum Kentern bringen werden. Mit dem Gaskocher kann ich mir Kaffee kochen und Büchsensuppen warm machen und in den Dörfern kaufe ich mir Milch und Brot, Obst, Gemüse und Wasser. Es macht immer mehr Spaß und ich freue mich, noch zwei Wochen unterwegs zu sein, öffne mir eine Flasche Wein, lehne mich zurück und schaue in den Abendhimmel, trinke und bin ganz und gar zufrieden mit der Welt.

AM MORGEN SCHEINT DIE SONNE, keine Wolke steht am blauen Himmel und noch ist die Luft frisch und kühl, aber auf dem Wasser gibt es keinen Schatten und es ist heiß.

Am späten Vormittag sehe ich kurz vor Obernzell ein in Ufernähe ankerndes Motorboot im Fluss liegen, in dem eine Frau und ein Mann sitzen, etliche Kajaks sind unterwegs und am Ufer stehen zwei Männer und ein paar Kinder unter einem Banner mit der Aufschrift »Start«. Die Kinder in den Booten sind etwa zehn Jahre alt und tragen Schwimmwesten, sie sitzen ganz alleine in ihren Hartschalenkajaks und paddeln mit voller Kraft.

Ein Junge startet auf gleicher Höhe mit mir, er legt sich ins Zeug und versucht mich einzuholen. Ich sehe zu ihm und paddle auch schneller. Seine Klassenkameraden am Ufer feuern ihn an und eine Zeitlang bleibe ich gleichauf, lasse mich dann aber zurückfallen und er gewinnt knapp. Als er die Ziellinie erreicht, legt der Sportlehrer die Hände zum Trichter an seinen Mund.

»Du kannst dir die Silbermedaille bei der Siegerehrung heute Nachmittag um vier auf dem Schulhof abholen!«, ruft er mir zu und klopft dem Jungen, der erschöpft am Steg anlegt und stolz zu mir herübersieht, auf die Schulter. Die Kinder lachen und winken und ich winke zurück und schwenke meinen Strohhut zum Gruß.

In Obernzell dann weiße Häuser mit Lüftlmalerei und hölzernen Balkonen unter roten Ziegeldächern hinter einer Hochwasserschutzmauer aus Naturstein. Eine barocke Kirche reckt ihre beiden Zwiebeltürme in den blauen Himmel und an einem Steg liegt ein schwarzes, altes Fischerboot festgekettet im Wasser, urtümlich wie ein Einbaum.

Die bewaldeten Berge werden immer steiler und höher, der Fluss mäandert durchs Gebirge und ein großes Passagierschiff mit drei Decks kommt mir entgegen. Menschen stehen an der Reling, winken und fotografieren mich.

Statt der bislang üblichen, großen, schwarzgrauen Steinblöcke am Ufer gibt es nun auch immer häufiger helle, fast weiße Strände aus Sand und Kieseln. Eine hölzerne, überdachte Fähre, die »Donaunixe Isa« heißt, pendelt von einem Ufer zum anderen, Motorboote ziehen Wasserskifahrer hinter sich her und neben dem Fluss verläuft der Donau-Radweg. Gruppen von Radfahrern mit Helmen und in bunten, enganliegenden Trikots fahren an mir vorüber. Einzelne Gehöfte, kleine Dörfer und weiße Kirchen liegen am Fuß der Berge zwischen frisch gemähten Wiesen, auf denen vereinzelt alte Obstbäume stehen, und auf den Terrassen der Wirtshäuser sitzen Motorradfahrer in ihren schwarzen, schweren Jacken und Hosen im Schatten großer Sonnenschirme, vor sich ein Weißbier.

An einem Steg lege ich neben Yachten und Motorbooten an, gehe ein paar Schritte das Ufer hinauf und lasse mich vor dem Rasthaus ins Gras fallen, breite die Arme aus, schließe die Augen und bin so erschöpft, dass ich beinahe einschlafe. Das kurze Gras duftet nach Wiese und Erde und kitzelt mich im Gesicht. Eine halbe Stunde bleibe ich so liegen, dann stehe ich auf und fahre weiter.

Die Donau windet sich in der Schlögener Schlinge durch eine felsige und bewaldete Berglandschaft und ein Ausflugsschiff fährt an mir vorüber. »Rousse« steht in lateinischen und kyrillischen Buchstaben am Bug des Schiffes. Ruse, Bulgarien, ist noch 1 700Flusskilometer entfernt.

AM TAG DARAUF fahre ich am späten Nachmittag an die nächste Schleuse. Ein weißes Motorboot, gut fünf Meter lang, liegt an der Kaimauer und darin sitzen zwei junge Männer und zwei Frauen in orangefarbenen Schwimmwesten.

»In einer halben Stunde kommt ein Schiff«, sagen sie, als ich neben ihnen anlege, »dann bringen sie uns nach unten.«

»Wo fahrt ihr hin?«

»Zurück nach Linz«, sagen sie. »Wir haben nur einen kleinen Wochenendausflug gemacht, nach Passau. Gestern hin und heute zurück. Und du?«

»Aus Regensburg«, sage ich. »Und vielleicht kann ich es bis Budapest schaffen.«

»So weit?«

»Ihr fahrt doch sicher auch oft viel weiter als nur bis nach Passau?«, sage ich. »Mit so einem Motorboot geht das doch bestimmt ganz schnell.«

»Naja.« Sie sehen sich an. »Vor zwei Jahren waren wir mal in Wien und einmal auch in Pressburg. Das ist ja gleich hinter der Grenze. Aber eigentlich machen wir immer nur Wochenendtrips, samstags hin und am Sonntag zurück.«

Der Frachter kommt, das Tor öffnet sich und im Schleusenbecken legen wir je an einer Leiter an und warten.

Ein Mann in blauer Mechanikerkluft kommt auf der Kaimauer zu uns gelaufen.

»Das geht nicht!«, sagt er zu mir. »Ohne Schwimmweste können wir dich nicht schleusen.«

»Warum denn das? Ich brauchte doch bislang auch keine.«

»Das war in Deutschland«, sagt der Mann. »In Österreich haben wir jetzt Rettungswestenpflicht. Letztes Jahr ist hier drin einer ertrunken.«

»Ich kann schwimmen«, sage ich.

»Nein. Entweder du hast eine Schwimmweste oder du fährst wieder raus aus der Kammer. Dann musst du dir eben eine kaufen.« Auf dem Motorboot schwenkt einer der Männer ein orangefarbenes Bündel und winkt mich heran.

»Hier«, sagt er und reicht sie mir, »wir haben noch eine übrig.«

»Danke«, sage ich und hinter uns schließt sich das Tor. Draußen gebe ich ihm die Weste zurück, wir winken uns noch einmal zu und das Motorboot fährt davon. Bald darauf ist es hinter der nächsten Flussbiegung verschwunden.

In dreizehn Kilometern kommt die nächste Schleuse und es sind noch acht Staustufen bis zur slowakischen Grenze. Wo kriege ich jetzt nur eine Schwimmweste her? Außerdem sind die Dinger bestimmt nicht billig, aber es wird schon irgendwie werden, denke ich und fahre erst einmal weiter.

Tiefhängende, graublaue Wolken treiben am Himmel, darunter schnellziehende Fetzen von schwarzgrauen Wölkchen. Auf dem Fluss habe ich, anders als in der Stadt, den Himmel immer im Blick. Ich kann ihm nicht entgehen, ich bin ihm den ganzen Tag unmittelbar ausgesetzt und er spannt sich von Horizont zu Horizont in Blau und in Grau, in Weiß und Rosa, und das Wasser spiegelt ihn, die Sonne wandert von Ost nach Westen und schnell vergehen die Tage. Ich fahre und sehe in die Karte, ich muss mich orientieren und auf den Fluss achten, auf treibende Äste, auf überspülte Buhnen und große Steine, auf die Großschifffahrt und auf die schnellen Motorboote und ihre kleinen, tückischen Wellen, auf Strömungen und Strudel. Das Wasser drückt gegen das Boot, manchmal schlägt es wie mit Fäusten gegen die Gummihaut und drückt gegen das Ruder, das Boot erzittert in den Wellen und gleichmäßig bewege ich das Paddel, links, rechts, links, immer wieder, stundenlang.

Es beginnt zu nieseln und nach einer Weile wird der Regen stärker, ich ziehe mir die Spritzdecke bis vor den Bauch und streife das Regencape über. Der Himmel und der Fluss sind grau, rings um mich schlagen die Tropfen klein und weißperlend aufs Wasser und der Regen rauscht nieder. Ich lasse mich treiben und steuere das Boot lediglich mit dem Ruder, ein Graureiher hockt mit eingezogenem Kopf auf einem toten Baum, der im Wasser liegt, und der Regen hüllt mich ein, ich kann nur ein paar hundert Meter weit sehen und Fluss und Himmel verschwimmen im Grau des Horizonts. Wasser läuft durch kleine Ritzen ins Boot und unter das Regencape, nach einer Stunde bin ich durchnässt und durchgefroren und paddle eine Stunde ohne Pause, um wieder warm zu werden. Aus den Bergen dampft es.

Das Regencape ist eine leuchtendgelbe Plastikhaut und wenn ich die Ärmel hochkremple, dann sieht es von Weitem ganz bestimmt so aus als ob ich eine Schwimmweste trage, denke ich, als ich zum Schleusentelefon gehe und anrufe. Die Männer sitzen im Turm, wegen des Regens kommen sie nicht heraus und ich werde problemlos geschleust.

Am Abend lege ich am Ruderklub Linz an und trage das Gepäck die Treppe hinauf zum Haus.

Im Garten liegen ein paar Boote im Gras, daneben stehen drei Zelte. Ich gehe ins Haus und sehe einen Mann in dem großen Saal, in dem unzählige Kajaks und schlanke, hölzerne Ruderboote auf langen Gestellen liegen, die bis zur Decke reichen.

»Hallo«, sage ich. »Ich wollte fragen, ob ich hier übernachten kann.«

»Auf der Wiese, neben den anderen Zelten. Die Übernachtung kostet fünf Euro und die Duschen sind da hinten«, sagt er und deutet auf eine Tür. »Jetzt haben wir viel Platz. Es sind nur ein paar Camper hier. Vor drei Wochen war die TID bei uns, da war alles belegt. Das ist immer ein fester Termin, Anfang Juli kommt die TID.« Die TID, die Tour International Danubien, findet seit 1956 statt und ist die längste Kanu- und Ruderregatta der Welt. Jedes Jahr starten Ende Juni mehr als hundert Teilnehmer in Ingolstadt und fahren nach Sfântu Gheorghe am Schwarzen Meer. Dabei legen sie täglich Strecken von dreißig bis sechzig Kilometern zurück und Mitte September erreichen sie ihr Ziel.

»Und du«, fragt er und sieht mich an. »Warum fährst du allein? Warum fährst du nicht mit der TID?«

»Ich glaube«, sage ich, »dass man in einer Gruppe weniger mit den Leuten in Kontakt kommt als allein. Und ich möchte wissen, wie die Menschen entlang der Donau leben. Mich interessiert, was sie von ihren Nachbarn, die zehn, hundert oder tausend Kilometer entfernt leben, wissen. Ob die Donau sie verbindet.«

»Viel Glück«, sagt er und nickt. »Aber pass auf dich auf! Alleine ist es auch viel gefährlicher als in der Gruppe.«

Dann geht er.

DER REGEN HAT DIE DONAU anschwellen lassen. Um etwa zwanzig Zentimeter ist der Pegel über Nacht gestiegen und im Fluss