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Marokko ist faszinierend, vielschichtig und fremd. Durch seine Nähe zu Europa, seine kulturellen Sehenswürdigkeiten, seine orientalischen Traditionen und seine Naturschönheiten ist es zum Urlaubsland geradezu prädestiniert. Das nordafrikanische Land zwischen Atlas und Atlantik wartet mit unvergleichlicher landschaftlicher Vielfalt auf, die von Sand- und Kiesstränden, Wäldern und Seen, Bergen und Schluchten bis hin zu Wüsten und Oasen reicht. Obwohl kein einfaches Reiseland, ist Marokko für viele ein Sehnsuchtsort, an dem sich ein Einblick in die orientalische Lebensweise und dazu unzählige Möglichkeiten des aktiven Erlebens bieten. Dieser umfassende Reiseführer bietet zahlreiche Informationen für Reisende, die das Land auf eigene Faust kennen lernen wollen, egal ob als Wohnmobilfahrer, Off-Roader, Fahrrad-, Motorrad- oder Mietwagenfahrer, Tramper oder Bus- und Bahnreisender. Er bietet aber auch unternehmungslustigen Pauschalurlaubern mehr als die übliche Aufzählung von Sehenswürdigkeiten. Erika und Astrid Därr sind anerkannte Marokko-Expertinnen, bereisen das Land seit vielen Jahren und wissen, dass Marokko polarisiert. In ihrem Reiseführer vermitteln sie daher in ausführlichen Exkursen Wissen über das Land, seine Menschen und seine vielfältigen Probleme und bereiten damit optimal auf das vor, was die Reisenden unterwegs erwartet. Jedes Kapitel beginnt mit einer Doppelseite, auf der die Inhalte mit einer Übersichtskarte der Region, Highlights und Seitenverweisen vorgestellt werden. Farblich auf die Kapitel abgestimmte Seitenzahlkästchen erleichtern die Orientierung im Buch. Natürlich enthält der Reiseführer die bewährten und praktischen Tipps zu Reisefragen von A-Z. Im erweiterten Vorspann finden sich Übersichtsseiten mit Beschreibungen aller Regionen, eine Jahresübersicht zu Festen und Veranstaltungen, Routenvorschläge und persönliche Top-Tipps des Autors. Ausführliche Exkurse zu Geschichte, Land und Leuten zeichnen diesen aktuellen Reiseführer ebenso aus wie eine kleine Sprachhilfe Französisch-Arabisch.
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Seitenzahl: 1847
Veröffentlichungsjahr: 2020
Marokko ist wegen seiner Nähe zu Europa, seiner kulturellen Sehenswürdigkeiten von römischen Ruinen bis zu maurischen Monumenten, der orientalischen Traditionen und seiner Naturschönheiten zum Urlaubsland prädestiniert. Besonders die landschaftliche Vielfalt Marokkos mit Sand- und Kiesstränden, Wäldern und Seen, Bergen und Schluchten, Wüsten und Oasen ist unvergleichlich. „Maghreb el Aksa“ – wie das Land bei den Arabern heißt – bietet Individual-, Pauschal- und Aktivurlaubern abwechslungsreiche Reisemöglichkeiten zu allen Jahreszeiten.
Dieses Buch wendet sich in erster Linie an aktive Reisende, die das Land individuell kennenlernen wollen, sei es mit dem eigenen Auto, im Mietwagen, als Motorrad-, Geländewagen-, Wohnmobilfahrer oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch Wanderer, Radfahrer und Rucksackreisende sollen sich angesprochen fühlen. Mit diesem umfangreichen Reiseführer versuchen wir das nahezu Unmögliche: mit zahllosen Detailinformationen die Ansprüche aller Reisender erfüllen. Außerdem sollen vielfältige Hintergrundinformationen Wissen über Land und Leute vermitteln, um die Kultur, die Menschen und ihre Probleme besser zu verstehen.
Die vorliegende 13. Auflage wurde komplett neu konzipiert und gestaltet. Die frühere Gliederung in Routenteile wurde zur besseren Übersichtlichkeit aufgelöst. Stattdessen unterteilen wir das Land in elf Regionen mit allen relevanten Informationen zu den jeweiligen Destinationen: Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten, Unterkünfte, Restaurants, Verkehrsmittel etc. Häufig befahrene bzw. besonders lohnenswerte Routen beschreiben wir weiterhin detailliert mit Kilometerangaben und vielen GPS-Koordinaten. Strecken, die nur mit dem Geländewagen befahrbar sind, werden im Buch als „4x4-Routen“ ausgewiesen. In den letzten zehn Jahren wurden sehr viele Pisten asphaltiert, sodass viele schöne Routen inzwischen auch für Pkw ohne Allradantrieb problemlos befahrbar sind.
Marokko ist kein einfaches Reiseland. Viele touristische Einrichtungen auf dem Land – oft Familienbetriebe – erfüllen nach wie vor nicht die europäischen Ansprüche an Komfort und Sauberkeit. Obwohl Marokko so nah an Europa liegt und sich in den letzten Jahren enorm entwickelt hat, blieb das orientalische Flair weitgehend erhalten. Die für den orientalischen Kulturraum typischen Verhaltensweisen machen es dem Marokko-Einsteiger oft schwer, das Land und seine Menschen zu begreifen. Marokko polarisiert – nach der ersten Reise heißt es meistens „einmal und nie wieder“ oder „einmal und immer wieder“! Deshalb geben wir neben praktischen Informationen zur Vorbereitung und Durchführung der Reise auch Verhaltenstipps, wie man sich im bisweilen „nervigen“ Marokko am besten zurechtfindet – vom Umgang mit Schleppern bis zum Handeln auf dem Suq.
Islamistische Terroranschläge, 2015/16 u.a. in Frankreich, Belgien, Tunesien und der Türkei, sorgen für zunehmende Unsicherheit in Europa und Verunsicherung bei Touristen, die eine Urlaubsreise in ein islamisches Land planen. König Mohamed VI. und die marokkanische Bevölkerung reagieren ebenso entsetzt auf den Terror wie die Europäer und drücken ihre Solidarität aus. Die Terrorgefahr ist inzwischen auf der ganzen Welt allgegenwärtig. Sie sollte uns nicht davon abhalten, Reisen zu unternehmen. Wachsamkeit und Unvoreingenommenheit können dabei durchaus Hand in Hand gehen.
Wir hoffen, es gefällt Ihnen in Marokko ebenso gut wie uns, und wünschen Ihnen eine gute und erlebnisreiche Reise!
Ihre Astrid und Erika Därr
Eine Anmerkung zur Problematik der Transkription: In diesem Buch wird versucht, arabische Begriffe und historische Personen in der allgemein verbindlichen Übertragung (Transkription) der arabischen Sprache in die lateinische Schrift wiederzugeben. Diese weicht von den französischen Schreibweisen ab, die in Marokko – neben den offiziellen arabischen Schreibweisen – häufig benutzt werden. Ortsnamen wurden deshalb meist in der französischen Schreibweise beibehalten (z.B. „ou“ statt „u“), außer die offizielle Transkription ist unmissverständlich. Bei Ortsbezeichnungen wurden meist die Namen aus der Michelin-Karte verwendet, es sei denn, eine abweichende Schreibweise ist in Marokko gebräuchlicher. Trotzdem ist es unvermeidlich, dass bei der Fülle von Namen eine konsequente Vereinheitlichung kaum durchführbar ist.
Vor allem bei dem Mischlaut „gh“ bzw. „rh“, der in unserem Alphabet nicht vorkommt, ist eine gültige Übertragung nicht möglich. Ein Ort wie „Tinerhir“ wird häufig mit „Tinghir“, der Berg „Irhil M’goun“ als „Ighil M’goun“, das „Oued Rheris“ als „Oued Gheris“ bezeichnet. Beide Varianten sind richtig. Auch Vokale wie a und e oder u und o werden für ein und denselben Ort verwendet, da es im Arabischen nur Anfangsvokale gibt und die Vokale als ein Art Zwischenlaut zwischen den beiden uns üblichen Ausspracheformen verwendet werden. Der Artikel „el“ bzw. „al“ oder „er“ bzw. „ar“ wird häufig Ortsnamen vorangestellt und in Marokko immer mehr mit der eigentlichen Ortsbezeichnung verbunden: So wird aus La Ayoun Laayoun und aus Er Rachidia Errachidia bzw. Arrachidia, aus Er Foud wird Erfoud bzw. Arfoud, aus der Straße La Attarine in Essaouira die Straße Lattarine. Sie werden selbst in Marokko kaum eine Karte finden, in der alle Straßennamen und Ortsbezeichnungen einheitlich geschrieben sind. Wir bitten daher, mögliche unterschiedliche Schreibweisen innerhalb des Buches zu entschuldigen.
⑤ Luxushotel/-gästehaus:
mehr als 1600 DH
④ gehobene Mittel- bzw. Oberklasse:
800–1600 DH
③ Mittelklassehotel/-gästehaus:
400–800 DH
② einfaches Hotel/Gästehaus:
200–400 DH
① sehr einfaches Hotel/Billigunterkunft oder Bivouac/Nomadenzelt:
50–200 DH
■Hauptsaison: Anfang Juli bis Anfang Sept., Ostern und Weihnachten; höchste Preise in den Hotels.
■Zwischensaison: Anfang April bis Ende Juni und Mitte September bis Ende Oktober; günstige Hotelpreise, wenig Betrieb.
■Nebensaison: November bis Mitte Dezember und Mitte Januar bis März; niedrigste Hotelpreise.
In jedem Kapitel sind einige (touristische) Highlights hervorgehoben – man erkennt sie an der gelben Hinterlegung.
UNSER TIPP: Besonders empfehlenswerte Unterkünfte, Restaurants und sonstige Tipps der Autorinnen sind entsprechend gekennzeichnet.
Der Schmetterling zeigt an, wo man besonders gut Natur erleben oder Angebote im Bereich des nachhaltigen Tourismus finden kann.
Die Internet- und E-Mail-Adressen in diesem Buch können – bedingt durch den Zeilenumbruch – so getrennt werden, dass ein Trennstrich erscheint, der nicht zur Adresse gehören muss!
Manche „Nicht-Autofahrer“ werden von den Routenbeschreibungen irritiert sein, da hier viel von Straßen(zuständen), Kilometern und GPS-Daten die Rede ist. Wir haben diese Form der Beschreibung gewählt, da viele Autofahrer und Busreisende nicht von einem Ort ausgehend kreisförmig (oder gar in alphabetischer Reihenfolge) das Umland bereisen, sondern sich meist von Zielpunkt zu Zielpunkt in bestimmten Richtungen bewegen und auch entlang der Strecken Interessantes zu sehen ist. Wer einen Ort nicht über das Inhaltsverzeichnis findet, sollte im Register nachsehen. Wer auf den beschriebenen Pisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen will, muss mit einem Sammeltaxi oder der Pritsche eines Lastwagens vorliebnehmen und viel Zeit und Geduld mitbringen. Nur mit Geländewagen befahrbare Routen sind als „4x4-Routen“ ausgewiesen. GPS-Koordinaten sind nach dem Kartendatum WGS 84 aufgenommen und in Kommaminuten angegeben.
In diesem Reiseführer sind auch die Verbindungen für öffentliche Verkehrsmittel und Unterkünfte aller Preisklassen genannt, sodass kein Rucksackreisender fürchten muss, seine Belange wären nicht ausreichend repräsentiert. Jedoch haben wir vermieden, die arabischen Billigsthotels (meist in der Nähe der Busbahnhöfe) namentlich zu nennen, da hier die Besitzer und Namen laufend wechseln und auch die Qualität der Unterkunft selten den Bedürfnissen der Touristen entspricht.
Es ist unmöglich, alle Busverbindungen und Abfahrtszeiten aufzulisten, denn der Fahrplan der privaten Linien wechselt alle zwei Monate und der von CTM zweimal jährlich. Deshalb geben wir nur die Anzahl der Abfahrten pro Tag an, wobei jedoch nicht immer alle kleinen privaten Gesellschaften berücksichtigt werden konnten, sodass es evtl. mehr Verbindungen gibt als angegeben.
Der Norden Marokkos mit der 500 km langen Mittelmeerküste und dem Rif-Gebirge ist im Vergleich zur Atlantikküste und dem Süden Marokkos touristisch wenig entwickelt. Abgesehen von den Badezentren um Martil (S. 68) zwischen Ceuta und Tétouan sind die herrlichen Buchten nur selten von ausländischen Touristen besucht. Die legendäre Stadt Tanger (S. 22), die Altstadt von Tétouan (UNESCOWeltkulturerbe, S. 69) mit spanischer Kolonialarchitektur und maurischen Monumenten sowie Chefchaouen (S. 93) mit seinen weißblauen Gassen in grüner Bergkulisse lohnen unbedingt einen Besuch. Im Al-Hoceima-Nationalpark (S. 89) kann man schöne Wanderungen zwischen Bergen und dem Meer unternehmen.
In den Landesteil östlich von Al Hoceima verirren sich ausländische Touristen nur selten. Neben Baden an den schönen Mittelmeerstränden kann man im ursprünglichen Hinterland, wie z.B. in den Beni-Snassen-Bergen, auf Entdeckungstour gehen. Die Städte Nador (S. 117) und Saïdia (S. 125) sind durch die Fährverbindungen von Alméria nach Melilla (span.) bzw. Nador und von Sète nach Nador gut an Europa angebunden. Die Sandstrände von Saïdia sind im Sommer beliebtes Ferienziel der Marokkaner.
Der Mittlere Atlas bildet das grüne Herz Marokkos: Zedern- und Steineichenwälder, Seen und Hochplateaus, Obstbäume und schneebedeckte Gipfel bieten eine abwechslungsreiche Kulisse für Ausflüge zu Fuß oder mit dem Auto. Kulturelle Highlights sind die Altstädte von Fès (S. 163) und Meknès (S. 144) sowie die gut erhaltenen römischen Ruinen von Volubilis (S. 159) – alle drei zählen zum UNESCOWeltkulturerbe.
Lange, viel frequentierte Sandstrände und geschäftige Großstädte prägen die Atlantikküste zwischen Asilah und Safi. Während die Wirtschaftsmetropole Casablanca (S. 272) kaum einen Besuch lohnt, lädt die ruhige Hauptstadt Rabat (S. 247) zu einem Bummel durch die Kasbah Oudaia und die beschauliche Medina ein. Die Altstadt von El Jadida (S. 293) aus portugiesischer Zeit zählt zum Weltkulturerbe, auch die malerische Künstlerstadt Asilah (S. 230) mit vielen stilvollen Gästehäusern lohnt unbedingt einen Besuch.
Agadir (S. 310), das Badezentrum des Landes, hat keine historischen Sehenswürdigkeiten zu bieten. Doch dank seiner guten Verkehrsanbindung eignet sich die moderne Stadt gut als Ausgangspunkt für Touren im Süden. Die schönen Atlantikstrände nördlich von z.B. Sidi Kaouki (S. 348), sind ein Eldorado für Wind-, Body- und Kitesurfer. Das einzigartige Flair des Künstler-, Surfer- und Fischerstädtchens Essaouira (S. 351), das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, genießt man am besten in einem der Gästehäuser in der Altstadt.
Das fruchtbare Sous-Tal trennt den Hohen Atlas vom Anti-Atlas, dem südlichsten Gebirgszug der Atlaskette, dessen Gipfel bis zu 2300 m hoch aufragen. Zwischen kargen Granitbergen, z.B. in der Umgebung von Tafraoute (S. 394), Palmenoasen und alten Lehmdörfern lässt es sich wunderbar wandern, biken und klettern. Vogelliebhaber finden im Nationalpark Oued Massa (S. 418) am Atlantik ein Paradies vor. An den Stränden um Sidi Ifni (S. 445) tummeln sich Surfer in den Wellen. Südlich von Guelmim (S. 435) beginnt die endlose Weite der Sahara.
In Marrakesch, dem Zentrum Südmarokkos, locken quirlige Märkte, prachtvolle Paläste, Gaukler und Geschichtenerzähler, schicke Gästehäuser, Bars und Restaurants – wohl in kaum einer anderen Stadt kann man die Gegensätze zwischen orientalischer Tradition und modernem Lebensstil so hautnah erleben wie in dieser Metropole, die inzwischen rund eine Million Einwohner hat. Highlights sind u.a. der legendäre Djamâa el-Fna (S. 475) mit seinen Akrobaten, Schlangenbeschwörern und allabendlichen Essensständen, die Souks (S. 481) bzw. verwinkelten Gassen der Altstadt, wo es einfach alles zu kaufen gibt, und die Medersa Ben Youssef (S. 485), eine ehemalige Hochschule für islamische Theologie aus dem 14. Jh., ein Meisterwerk maurischer Architektur.
Zwei Straßenpässe mit tollem Ausblick führen über das höchste Gebirge Nordafrikas in den wüstenhaften Süden. Ob zu Fuß, per Mountainbike oder mit Ski – im Hohen Atlas können sich Aktive austoben. Die Berge und Täler laden zu ausgedehnten Wanderungen und Trekkingtouren ein, z.B. bei Agouti (S. 540) oder Imlil (S. 557). Auf den Gipfeln bis über 4000 m Höhe liegt von Dezember bis März Schnee, im Sommer herrschen angenehme Temperaturen. Die schroffe Bergwelt durchziehen fruchtbare Flusstäler, in denen Berberdörfer aus Stein und Lehm über grünen Terrassenfeldern an den Hängen kleben. Mit den Ouzoud-Wasserfällen (S. 530) finden sich in der Region die höchsten Wasserfälle ganz Marokkos. In den beeindruckenden Kasbahs von Telouèt (S. 570) und Aït Benhaddou (S. 573) lernt man authentische Berberarchitektur kennen. Die Moschee Tin Mal (S. 566) war die Geburtsstätte der Almohaden-Dynastie und ist mit der Moschee Hassan II. (in Casablanca) das einzige Gotteshaus in Marokko, das Nicht-Muslime betreten dürfen.
Der sogenannte Große Süden (Le Grand Sud) ist das Land der mächtigen Ksour und Kasbahs aus Lehm, der Oasen und Wüstenlandschaften – hier sieht Marokko aus, wie man es aus Touristenprospekten kennt. Ouarzazate (S. 582) ist das Hollywood Marokkos und die Touristenmetropole des Südens. Hier starten Touren ins Drâa-Tal, z.B. nach Agdz (S. 593). In den wunderschönen Palmenoasen des Drâa-Tals streift man durch ursprüngliche Ksour (Lehmdörfer) und lernt traditionelle Bewässerungstechniken kennen. Die Sanddünen des Erg Chegaga erreicht man am gemütlichsten mit Kamelen: In drei Tagen geht es von M’hamid (S. 614) bis zu den Dünen. In der Region steht eine der ältesten Lehmburgen Marokkos, die teilweise renovierte Kasbah Tamnougalte (S. 597).
Zwischen der im Frühjahr schneebedeckten Gipfelkette des Hohen Atlas im Norden und der braunen Steinwüste des Djabal Saghro im Süden verläuft die „Straße der (1001) Kasbahs“ nach Nordosten und durchquert dabei spektakuläre Landschaften, vorbei an zahlreichen festungsartigen Lehmburgen und -dörfern, z.B. Boumalne du Dadès (S. 635). Von Boumalne sollte man einen Ausflug in die Dadès-Schlucht mit ihren roten Felsformationen nicht verpassen. Von Tinerhir führt eine Teerstraße durch die Todrha-Schlucht bis nach Imilchil (S. 652) im zentralen Hohen Atlas; hier sind schöne Wanderungen in der Bergwelt und an den Seen möglich. Eine der schönsten Trekkingrouten in Marokko führt in fünf Tagen quer durch die eindrucksvolle Bergkulisse des Djabal Saghro (S. 640) bis nach Nekob. Skoura (S. 629) ist eine idyllische Palmenoase, die zur Entspannung einlädt. Der letzte, weniger besuchte Teil der Straße der Kasbahs führt von Tinerhir durch karge Wüstenlandschaft bis nach Errachidia.
Im dünn besiedelten und infrastrukturell unzureichend entwickelten Südosten Marokkos zwischen Plateau du Rekkam, Aïn Beni Mathar und Figuig sind Touristen fast unbekannt. Nomaden ziehen mit ihren Tieren durch die kargen Wüstenlandschaften und Halfagrassteppen. In der Bilderbuchoase Figuig (S. 676) im außersten Südosten des Landes lernt man das uralte Bewässerungssystem der Foggaras kennen. Das Tafilalet weiter südwestlich ist das größte zusammenhängende Oasengebiet Marokkos und Heimatregion der bis heute herrschenden Alaouiten-Dynastie. In der Wüstenoase Erfoud (S. 683) kann man sich in eine Werkstatt begeben und zusehen, wie über 300 Mio. Jahre alte Fossiliensteine zu Tischplatten und Schalen verarbeitet werden. Bei Merzouga (S. 697) befindet sich das größte und von Touristen viel besuchte Dünengebiet Marokkos, der Erg Chebbi: Bis zu 200 m hoch türmen sich die Sandmassen und heben sich golden schimmernd gegen die schwarze Steinwüste und den blauen Himmel ab.
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Tanger, die marokkanische Metropole am Mittelmeer
Im touristisch wenig entwickelten Norden Marokkos lohnen neben den Badezentren um Martil vor allem die legendäre Stadt Tanger, die Altstadt von Tétouan und Chefchaouen mit seinen weiß-blauen Gassen vor grüner Bergkulisse einen Besuch.
Tanger – einst schäbige und verfallene Hafenstadt voller Drogendealer und Aussteiger – erstrahlt seit einigen Jahren im neuen Glanz. In der Medina entstanden stilvolle Riads (Gästehäuser) in mediterran anmutenden weißen Häusern. Eine palmengesäumte Promenade zieht sich entlang des Sandstrandes, vorbei an zahlreichen Beachclubs mit Pools und nächtlichen Partys. Die Neustadt spiegelt noch immer die internationale Vergangenheit wieder, mit spanischen, italienischen und französischen Elementen. Der neue Fährhafen Tanger-Méd und direkte Flugverbindungen von Deutschland machen Tanger zum wichtigsten Touristenzentrum des Nordens und Ausgangspunkt zur Erkundung der Region.
Die Häfen von Tanger und Ceuta ermöglichen eine bequeme und schnelle Anreise (nur 35 Min. Überfahrt) per Fähre mit dem eigenen Fahrzeug von Südspanien nach Nordmarokko.
NICHT VERPASSEN!
Tanger – ein Bummel durch die quirlige Altstadt | 36
Tétouan – maurische und spanische Architektur in der Medina | 77
Am Mittelmeer – Baden in einer der malerischen Buchten | 87
Nationalpark Al Hoceima – wandern zwischen Klippen und Meer | 89
Chefchaouen – malerische Gassen in der blau-weißen Stadt im Rif | 93
Diese Tipps erkennt man an der gelben Hinterlegung.
König Mohamed VI. ist im Gegensatz zu seinem Vater Hassan II. dem Norden des Landes zugetan, und so entwickelten sich in den letzten zehn Jahren die Verkehrs(Hafen Tanger-Méd, Autobahnanschluss, Ausbau der N 16 bis zur algerischen Grenze) und die touristische Infrastruktur (Badezentren um Martil, Al Hoceima und Saidia) enorm. Lokale Tourismusprojekte bemühen sich um die Etablierung eines ökologisch und sozial verträglichen Tourismus in der Region Nador-Oujda-Al Hoceima.
Das grüne Rif-Gebirge mit z.T. steil zum Mittelmeer abfallenden Klippen, die eine malerische Kulisse für die Badebuchten bilden, sowie seinen kurven- und panoramareichen Straßen durchs Landesinnere besuchen nur wenige Touristen. Immer noch eilt dem Rif sein Ruf als Drogendestination voraus. Zahlreiche (international unterstützte) Entwicklungsprogramme bemühen sich darum, den Bauern eine Alternative zum Cannabisanbau zu bieten. Gendarmerieposten und Militär bewachen zwischen Tétouan und El Jebah die Küste, um Drogen- und Menschenschmuggel zu verhindern. Für Touristen hat sich die Lage dadurch deutlich entspannt – Verfolgungsjagden von Drogenhändlern o.Ä. gehören der Vergangenheit an. Nur in den größeren Orten des Rif wie Chefchaouen und Ketama bekommt man noch eindeutige Angebote zugezischt.
Im Rif kann man Wanderungen und Mountainbiketouren mit grandiosen Ausblicken unternehmen und in kleinen Herbergen (Gîtes) übernachten. In den wildromantischen Felsbuchten mit türkisblauem Wasser (besonders zwischen Tétouan und El Jebah) lässt es sich ungestört baden und relaxen und – nach Rückfrage bei den Kontrollposten! – auch am Strand übernachten.
Die Gegend um Kalah Iris und Al Hoceima – eine der schönsten Regionen an der nordafrikanischen Mittelmeerküste – wurde mit dem Nationalpark Al Hoceima für den Tourismus erschlossen. Hier gibt es noch seltene Robbenarten, eine intakte Unterwasserwelt und schöne Maccia-Vegetation zu entdecken.
Tanger liegt zwischen Atlantik und Mittelmeer im äußersten Nordwesten Marokkos. An der schmalsten Stelle der Straße von Gibraltar trennen den afrikanischen Kontinent nur 14 km Luftlinie von Europa. Vom spanischen Tarifa düsen sechsmal täglich Schnellboote in nur 30 Minuten in die marokkanische Metropole am Meer hinüber. Die von Hügeln begrenzte Bucht von Tanger umgibt ein weißes Häusermeer mit rund 700.000 Einwohnern. Südwestlich der Stadt erstrecken sich Pinienwälder und endlose weiße Sandstrände. Im Westen markiert das Cap Spartel den nordwestlichsten Punkt Afrikas und die Einfahrt in die Straße von Gibraltar. Tanger ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, an die im Osten die Provinz Tétouan und im Süden die Provinz Larache anschließen.
„Tor zu Afrika“, „Die weiße Stadt“, „Stadt der Künstler“, „Die legendäre Stadt“ – Tanger trägt viele Titel. Für die meisten Touristen, die mit der Fähre ankommen, ist „Tanjah“ (sprich: „Tanscha“) die erste afrikanische Stadt, die sie zu Gesicht bekommen. Die Festungsanlagen der Altstadt, einst von den portugiesischen Eroberern errichtet, thronen seit mehr als 500 Jahren über den Meeresklippen von Tanger. Im 19. Jahrhundert entstanden neue Wohn- und Verwaltungsviertel außerhalb der Stadtmauern für die wachsende internationale Gesellschaft aus Diplomaten und Migranten. Tanger war zu dieser Zeit das diplomatische Zentrum des Landes. 1923 wurde Tanger zur Internationalen Zone erklärt und von acht Staaten verwaltet: Frankreich, Spanien, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Portugal, Schweden und Italien. Dank der Zollfreiheit erlebte Tanger eine wirtschaftliche Blütezeit, zugleich boomte das Geschäft mit geschmuggelter Ware. Nach dem Zweiten Weltkrieg existierten 19 ausländische Konsulate in der Stadt. In den 1940er und -50er Jahren wurde Tanger von vielen Aussteigern als „freizügigste Stadt Europas“ bezeichnet – die Metropole zwischen Europa und Afrika zeigte sich damals offener als die meisten europäischen Städte und galt als sicherer Hafen für Exzentriker, Aussteiger und Homosexuelle aus aller Welt. Mit der Unabhängigkeit Marokkos im Jahr 1956 endete die Zeit der Internationalen Zone und damit die große Freizügigkeit. Die Anziehungskraft Tangers auf Schriftsteller und Künstler blieb jedoch erhalten: Paul und Jane Bowles, Tennessee Williams, William S. Burroughs, Jean Genet, Jack Kerouac, Truman Capote, Henri Matisse u.v.m. fanden hier Inspiration und Ideen für ihre Werke.
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Blick über Tanger und seinen Stadtstrand
Die international geprägte Vergangenheit Tangers lässt sich bis heute in der Stadtstruktur ablesen: Im Zentrum der Medina (Altstadt) befinden sich eine spanische Kirche (Iglesia de la Purísima) und die Amerikanische Gesandtschaft, das heutige Old American Legation Museum. Das San-Francisco-Viertel (in der Neustadt) umfasst verschiedene italienische und spanische Institutionen – das italienische Konsulat etwa ist im Palais Moulay Hafid untergebracht. Weitere europäische Einrichtungen sind die anglikanische St. Andrew’s Church mit Gräbern bekannter Europäer in unmittelbarer Nähe zum alten Marktplatz, dem Grand Socco, der Deutsche Friedhof im Mendoubia-Park und der Jüdische Friedhof vor den Mauern der Altstadt. Bis heute gibt es in Tanger eine spanische und eine amerikanische Schule.
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Fischerboote im Hafen von Tanger
Der Legende nach hat Antäus, Sohn Neptuns und der Erdgöttin Gäa, die Stadt gegründet. Herkules spaltete an dieser Stelle die Erde und schuf so die Meerenge von Gibraltar, wo Mittelmeer und Atlantik ihre Gewässer vermischen. Tanger ist das wahre Eingangstor Marokkos. Täglich verbinden es mehrere Fähren mit Algeciras, Gibraltar und Tarifa. Zuerst war es eine schlichte Berbersiedlung, Tinigi oder Tinigis genannt. Der Name stammt aus der Berberspache Tamazight und wurde aus zwei Silben, tin und igi, zusammengesetzt. Tin bedeutet „die, diejenige“, Igi „hoch, Höhe“, eingedeutscht also „die Hohe“ bzw. „die Hohe Stadt“. Dieser Begriff wurde unter den Einheimischen beibehalten; auf Marokkanisch-arabisch heißt die Stadt „Tanga al-alya“, französisch Tanger. Unter den Phöniziern hieß sie auch „Stadt der Lagune“ und war blühender Handelsplatz und reiche karthagische Kolonie. Zum ersten Mal in der Geschichtsschreibung erwähnt wurde Tanger erst im 4. Jh. vor Chr. von Hekaitos von Milet, unter anderem auch wegen seiner Tradition, Fische einzusalzen und daraus eine köstliche Fischpaste (Garum) zu bereiten.
Tanger (Tinigis) gehörte seit 146 v.Chr. (dem Jahr der Zerstörung Karthagos) zu Mauretania, einem von Rom unterstützten Berber-Königreich. Der Berberkönig Juba II., in Rom erzogener und von Kaiser Augustus eingesetzter Herrscher von Mauretania Tingitana, pflegte rege Beziehungen zum Römischen Reich. Tanger wurde wichtiger Handelsstützpunkt und Roms Einfallstor zum Hinterland von Mauretania Tingitana. Nach der Ermordung von Ptolemäus, dem Sohn Jubas II., durch Caligula gab es Berberaufstände im ganzen Land, so auch in Tanger. Die Stadt wurde 38 v.Chr. unter römische Verwaltung gestellt und in die römische Provinz Hispania eingegliedert. Sie war deshalb vom Rest des Berberreiches abgekapselt und selbst nach der Angliederung Mauretanias ans Römische Reich (40–45 n.Chr.) verhältnismäßig unabhängig. Damals war Volubilis die Hauptstadt, zu Ende des 3. Jh. wurde Tanger dann als wichtiges Handelszentrum Hauptstadt der römischen Provinz Mauretania Tingitana.
429 wurde Tanger vom Vandalenkönig Geiserich erobert, ihm aber von den Legionen Justinians wieder entrissen und innerhalb des Byzantinischen Reiches der Provinz Mauretania Caesarea zugeschlagen.
Zu Anfang des 8. Jh. fiel Tanger an den Bekehrer und arabischen Feldherren Musa Ibn Nusair, der die Islamisierung einleitete. In der Folge wurde es zum Spielball arabischer Herrschergechlechter, so der Idrissiden unter dem Führer Idris Ben Abdallah, der vor den Abassiden aus dem Orient flüchtete und zum ersten König Marokkos wurde, und den Umayyaden.
Ein Jahrhundert später, 958, gewannen die tunesischen Fatimiden die Oberhand. Die in den Bergen versteckten Idrissiden wurden endgültig von den Umayyaden verjagt, die die Macht über die Stadt erlangten. 1075 wurde die Stadt von den Almoraviden, 70 Jahre später von den Almohaden übernommen. Ein weiteres Zwischenspiel in der Eroberung der Stadt gaben die tunesischen Fatimiden, bevor die Meriniden 1274 Tanger in ihre Gewalt brachten.
Im 14. Jh. war die Stadt zu einem wichtigen Handelsplatz für die Seemächte im Mittelmeer geworden, und manche begehrlichen Herrscheraugen richteten sich auf Tanger. 1437 eroberten es die Portugiesen, und im Jahre 1578 ging es durch Erbfolge in den Besitz der Spanier und 1643 wieder auf die Portugiesen über. 1661 fiel Tanger durch die Eheschließung der portugiesischen Prinzessin Catarina von Bragança mit Karl II. als Mitgift an England. Unter den Briten konnte sich die Stadt gut entwickeln, nach Uneinigkeiten des englischen Königs Karl II. mit seinem Parlament kam es aber zum Rückzug der britischen Truppen.
Aufgrund der sechsjährigen Belagerung durch Moulay Ismail, der von den Spaniern unterstützt wurde, war Tanger ohnehin vom Hinterland abgeschnitten und konnte durch Belagerung der Spanier vom Meer her den Hafen nicht mehr nutzen, sodass der Handel seitdem an Bedeutung verloren hatte. 1684 konnte Moulay Ismail in Tanger einziehen, die Engländer rückten ab, zerstörten vorher aber die alten Befestigungsmauern und brannten die Innenstadt nieder.
1790 musste die Stadt spanischen Angriffen trotzen, 1844 versuchten die Franzosen die Stadt zu erobern. Da sich Ende des 19. Jh. Marokko immer mehr von Europa abkapselte, ja sogar ein Verbot für Ausländer aussprach, das Land zu bereisen, wurde Tanger der einzige Platz, an dem sich ausländische Diplomaten niederlassen konnten. Immer mehr Europäer siedelten sich an, die Engländer kümmerten sich um den Bau sanitärer Anlagen, und es gelang ihnen innerhalb kurzer Zeit, in der Stadtverwaltung wichtige Posten zu besetzen, bis der Sultan bald kaum mehr etwas zu sagen hatte. Deutschland unterhielt schon seit 1870 Handelsbeziehungen zu Marokko und war ebenfalls konsularisch in Tanger vertreten. Kaiser Wilhelm II. setzte sich bei seinem Besuch 1905 in Tanger für eine weitere Unabhängigkeit Marokkos ein. Trotzdem wurden Marokko und auch Tanger 1912 französisches Protektoratsgebiet.
1923 erklärte man Tanger zur internationalen Zone, acht Staaten einschließlich Marokko verwalteten nun die Stadt. Wirtschaftlich und politisch wurde sie international, militärisch aber neutral. Durch diesen Schritt erlebte Tanger eine wirtschaftliche Blüte, avancierte zum Freihandelsplatz und beliebten Stützpunkt für internationale Geldmärkte und Firmen. Mit dem regen Warenhandel wurde Tanger aber auch zum Umschlagplatz für Rauschgift und Alkohol und erwarb sich dadurch einen zwielichtigen Ruf.
Von 1940–45 war Tanger spanisch besetzt. Mit Erlangung der Unabhängigkeit und der Vereinigung Marokkos kam die Stadt am 29. Oktober 1956 zum scherifischen Reich zurück, die Privilegien wurden aufgehoben, lediglich der Hafen war noch Freihandelszone mit zahlreichen internationalen Textilfabriken. Durch Industrialisierung und Förderung des Tourismus wollte sich Tanger einen bescheidenen Wohlstand erhalten, die Hoffnungen waren aber trügerisch: Die Textilbranche, die sich einige Zeit mit Aufträgen für die europäischen Anrainerstaaten über Wasser halten konnte, verlor viele Aufträge an Billiglohnländer. Der Tourismus verlor durch den schlechten Ruf der Stadt deutlich an Terrain. Außerdem wurde Tanger wegen der Nähe zum Rif Umschlagplatz für den Hasch- und Kiffhandel und für den Schwarzmarkt mit der spanischen Enklave Ceuta. In den letzten zehn Jahren entwickelte sich Tanger jedoch wirtschaftlich und touristisch enorm, sodass sich die Stadt inzwischen in einem neuen Licht präsentiert (vgl. Exkurs „Tanger – von shabby bis schick“).
Die Orientierung in der Stadt fällt relativ leicht. Ganz im Norden erhebt sich die ummauerte Altstadt (Medina) mit dem Kasbah-Viertel. Im Vergleich zu Marrakesch oder Fès ist die Medina recht klein und man findet sich im Sackgassen-Labyrinth nach einer Weile ganz gut zurecht. Der Grand Socco, Verkehrsknotenpunkt und zentraler Platz, markiert den Eingang in die Medina. Die breite Gasse Rue as Siaghins führt vom Grand Socco Richtung Osten zum Petit Socco, dem Zentrum der Altstadt mit mehreren Cafés.
Östlich der Stadtmauern schließt sich der alte Hafen an. Dort wird seit 2011 an einem modernen Jachthafen gebaut; hier legen auch die Kreuzfahrtschiffe an.
Südlich der Altstadt erstreckt sich die Neustadt (Ville Nouvelle) mit ihren Hauptachsen Boulevard Pasteur, Avenue Mohamed V. und dem Strandboulevard Avenue Mohamed VI.
Westlich der Altstadt bzw. des Kasbah-Viertels liegt das Marshan-Viertel mit seinen prächtigen Kolonialvillen, den Phönizischen Gräbern und dem Marshan-Palast.
Noch weiter westlich Richtung Cap Spartel erhebt sich Vieille Montagne, ein nobles Villenviertel mit fantastischem Ausblick auf das weiße Häusermeer der Stadt.
Der Flughafen von Tanger liegt 12 km südwestlich der Stadt, der Hauptbahnhof Tanger-Ville befindet sich etwas südöstlich des Zentrums beim Place Maghreb Arabe. Eine Autobahn verbindet Tanger mit dem neuen Hafen Tanger-Méd und den südlichen Küstenstädten Larache, Rabat und Casablanca.
Der Stadtspaziergang startet am Place de France, einem Kreisverkehr zwischen Neustadt und Altstadt (Medina). Das französische Konsulat auf der Westseite ist in einer prachtvollen Kolonialvilla untergebracht. Im legendären Gran Café de Paris trafen sich in Tangers Zeit als Internationale Zone viele Schriftsteller und Künstler.
Entlang der Rue de la Liberté mit ihren vielen einfachen Restaurants und Kleiderläden spaziert man in wenigen Gehminuten weiter zum Grand Socco, dem zentralen Platz Tangers. Auf dem Weg sollte man auf der rechten Straßenseite einen Blick in den Arkadenhof des Luxushotels El Minzah (vgl. „Unterkunft“) werfen.
Nur etwa 50 m weiter, direkt hinter der Galerie des Centre Culturel Ibn Khaldoun, führen rechts ausgetretene Treppenstufen (Escalier Waller) hinunter zum urigen Fischrestaurant Populaire Saveur de Poisson (vgl. „Essen und Trinken“) – dort reserviert man am besten gleich den Tisch fürs Abendessen.
Am Grand Socco vor den Mauern der Medina sticht links das schmucke, kachelverzierte Minarett der Moschee Sidi Bou Abid ins Auge. Direkt dahinter liegt der Mercado de la Yutia, ein kleiner Markt mit Ton- und Korbwaren. Spaziert man dort hindurch auf die andere Seite, so steht man schon vor der Mauer der St. Andrew’s Church an der Rue d’Angleterre. Auf dem wildromantischen Friedhof der englischen Kirche von 1880 liegt u.a. der Times-Korrespondent Walter Harris begraben.
Weiter geht es in nördliche Richtung zum Mendoubia-Park, wo man im Schatten einer Pinie kurz ausspannen oder einen Blick auf die deutschen Grabsteine werfen kann. Auf der Ostseite des Parks führt von der Rue d’Italie links ein Tor auf die Rue as Siaghin – von dort gelangt man in die Medina.
Wer sich für die internationale Vergangenheit der Stadt oder den amerikanischen Schriftsteller Paul Bowles (1910–1999) interessiert, sollte einen Abstecher zum Old American Legation Museum machen. Dazu läuft man gleich am ersten Abzweig nach dem Eingang in die Medina bei einem Springbrunnen rechts die Gasse Rue Touahine hinunter. Am Ende der Gasse biegt man links in die Rue Abdellah Ben Hachemi ein und geht die nächste wieder rechts in die Rue Kadi Tensamani. Von dieser Gasse führt rechts die Rue d’Amérique zum Museum ab.
Nach dem Besuch des Museums kann man, zurück auf der Rue as Siaghin, Richtung Norden zum Petit Socco marschieren. An diesem quirligen Platz inmitten der Medina angekommen, ist es Zeit für einen thé à la menthe (marokkanischen Minztee) im Café Tingis oder im Café Centrale (vgl. „Essen und Trinken“). Von hier lässt sich das Leben rund um den Petit Socco herrlich beobachten.
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Café Tingis am Petit Socco
Direkt beim Café Tingis führt die Rue des Almohades Richtung Kasbah. Durch den Lederwaren- und Kleidungsmarkt (Souk) bummelt man in dieser Gasse gemütlich Richtung Norden, vorbei am Kunsthandwerksladen Bleu de Fès bis zum kleinen Platz Ouad Aherdane. Hier geht es rechts über Treppenstufen bergauf (nicht links in die Rue Sbou abbiegen). Bei dem von Bougainvilleen umrankten Eingangstor zum Grabmal des Heiligen Sidi Housni (Tombeau Sidi Housni) folgt man den Treppenstufen links bergauf bis zum Stadttor Bab el Assa. Das Tor führt ins Kasbah-Viertel, unmittelbar auf den Place du Méchouar. Hungrige können hier im Café Le Salon Bleu (vgl. „Essen und Trinken“) einkehren und beim Essen die Aussicht von der Terrasse aufs Meer und die historischen Gebäude der Umgebung genießen.
Frisch gestärkt steht der Besuch des Kasbah-Museums auf dem Programm – die maurische Architektur des einstigen Sultanspalastes beeindruckt nicht nur Orient-Neulinge.
Vom Place du Méchouar folgt man anschließend der Rue Riad Sultan entlang der nördlichen Stadtmauer. Unter einem Häuserdurchgang befindet sich das Eingangsportal zu dem einst sehr bekannten Café Le Détroit. Heute sind die Palasträume im Obergeschoss zwar immer noch sehenswert, aber der lieblos mit Plastikstühlen vollgestellte Saal wirkt ziemlich ungemütlich.
Weiter entlang der Stadtmauer geht man an den hübschen Gästehäusern Nord-Pinus Tanger (mit Bar) und La Tangerina (vgl. „Unterkunft“) vorbei – wer hier nicht wohnt, kann einen Orangensaft auf der Dachterrasse trinken und den Blick aufs Meer genießen.
Am Place du Tabor Espagnol angekommen, spaziert man entweder weiter durch das Stadttor Bab Kasbah oder bummelt durch das Wohnviertel. Beim Gummibaum etwas unterhalb des Platzes vor dem Bab Kasbah geht es links hinab ins Gassengewirr und zum Gästehaus Dar Nour (vgl. „Unterkunft“).
Durch das Bab Kasbah verlässt man die Altstadt. An der Außenseite des Tors gibt eine Infotafel einen guten Überblick über das Gassengewirr der Medina. Die gepflasterte, von Orangenbäumen gesäumte Rue Kasbah (erste Querstraße links) führt steil bergab zurück Richtung Grand Socco. Hier bieten diverse Patisserien bergeweise marokkanisches Gebäck an. Unbedingt probieren: die mit Mandeln gefüllten Gazellenhörner (kaab ghzal).
Die Rue Kasbah geht in die Rue d’Italie über, in der man die prächtigen Fassaden alter Kolonialhäuser bewundern kann. Durch einen Torbogen am Südende der Straße erreicht man wieder den Grand Socco, wo man auf einen Drink in die Cinémathèque de Tanger (vgl. „Kultureinrichtungen“) einkehren kann. Zum Abschluss kann man links die Rue Salah Idine el Ayoubi hinunterspazieren, einen Blick in die Halle des Marché Central werfen und den Jüdischen Friedhof an der Ecke Rue du Portugal besichtigen.
Der Grand Socco bildet das Herz der Stadt: Er ist Verkehrsknotenpunkt, Treffpunkt der Einheimischen und Schnittpunkt zwischen Neustadt und Medina. Rund um den Platz befinden sich einige interessante Sehenswürdigkeiten, sodass es sich anbietet, einen Stadtbummel hier zu beginnen.
Der Grand Socco oder Zoco Grande heißt seit einigen Jahren offiziell Place du 9 Avril 1949 – nach dem Tag, an dem König Mohamed V. die Unabhängigkeit Marokkos ausrief. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er jedoch immer der „Große Marktplatz“ Tangers bleiben.
Bis zum Ende des 19. Jh. war der Grand Socco nichts anderes als ein leerer Platz vor den Stadtmauern, auf dem religiöse und weltliche Feste gefeiert wurden. Außerdem fand hier zweimal wöchentlich ein großer Markt statt, auf dem die Bauern der umliegenden Dörfer ihre Waren verkauften. In der französischen Kolonialzeit, zu Beginn des 20. Jh., begannen die neuen Stadtviertel rund um den Grand Socco zu wachsen. Der Platz diente weiterhin als Marktplatz der Rifbauern. In den letzten Jahrzehnten war der Grand Socco in erster Linie ein lauter und hässlicher Verkehrsknotenpunkt an der Grenze zwischen Neustadt und Medina. Erst vor wenigen Jahren erhielt der Platz ein neues, schönes Gesicht mit hohen Palmen, Bänken, Rasenflächen und einem nachts beleuchteten Springbrunnen in der Mitte. Besonders auffällig ist die Moschee Sidi Bou Abid auf der Westseite des Platzes, die 1917 errichtet wurde. Das erdrote Minarett schmücken bunte Kacheln und Mosaike.
Von allen Seiten des Platzes führen sternförmig Straßen ab: Die Rue de la Liberté führt Richtung Süden zum Place de France und ins Zentrum der Neustadt; die Rue d’Angleterre und die Rue Sidi Bou Abid im Südwesten führen Richtung St. Andrew’s Church und Place Koweit; die nach Westen abgehende Rue Sidi Bouarrakia führt zum Palais Moulay Hafid und weiteren italienischen Institutionen zwischen Av. Sidi Mohamed Ben Abdallah und Av. Hassan I.; auf der Rue d’Italie kann man nach Norden Richtung Kasbah-Viertel spazieren; die Rue Salah Idine el Ayoubi im Osten windet sich hinab zum alten Hafen und zur Strandpromenade an der Av. Mohamed I.
Das traditionsreiche Cinéma du Rif an der Südseite des Grand Socco wurde vor einigen Jahren renoviert und als Kulturzentrum Cinémathèque de Tanger wiedereröffnet. Hier kann man sich abends einen französischsprachigen Kinofilm ansehen oder im jugendlichalternativ angehauchten Café einen Softdrink genießen.
Der Grand Socco hat auch nach der Neugestaltung seine soziale Funktion bewahren können: Abends trifft sich hier die halbe Stadt zum Flanieren, Plaudern und Einkaufen.
Durch einen Torbogen im Norden des Grand Socco, das Bab el Fahs, erreicht man die Rue d’Italie, die Richtung Bab Kasbah und Marshan-Viertel führt. Wie ein Relikt europäischer Geschichte verläuft die Straße entlang der Stadtmauer zwischen der Altstadt und der Neustadt.
Zunächst spaziert man vorbei am Mendoubia-Park auf der linken und dem Stadttor Bab Rahbat Zraa auf der rechten Seite. Die prächtigen Fassaden der spanischen Häuser aus dem späten 19. Jh.machen die Rue d’Italie zur wohl schönsten Straße der Stadt. Im Gegensatz zu den Gebäuden in einer typischen arabischen Altstadt haben diese große Fenster und Balkone zur Außenseite hin. Hier lebten in der ersten Hälfte des 20. Jh. viele Italiener und Juden.
Am Tor Bab Jdid findet jeden Tag ein Gemüsemarkt statt – besonders auffällig sind die Rifbäuerinnen mit ihren Strohhüten und gestreiften Wolltüchern.
Im Café Colon (vgl. „Essen und Trinken“) trafen sich einst Schriftsteller, Schmuggler und Drogenhändler. Heute ist das Café im Erdgeschoss eines schönen Kolonialgebäudes ein traditionelles Männercafé wie viele andere in Marokko und für alleinreisende Frauen nicht geeignet. Weiter steil aufwärts entlang der gepflasterten Rue Kasbah findet man in zahlreichen Patisserien leckeres marokkanisches Gebäck.
An der Nordwestseite des Grand Socco liegt, angrenzend an die Rue de Bouarrakia, die Mendoubia – das Gebäude trägt diesen Namen, weil es während der Zeit der Internationalen Zone die Residenz des Mendoub war. Dieser fungierte als Vertreter des marokkanischen Sultans. In dem Haus war bis 1945 auch die deutsche Botschaft untergebracht. Die Mendoubia kann nicht besichtigt werden.
Der Mendoubia-Park mit Eukalyptusbäumen und Palmen erstreckt sich hinter der Mendoubia westlich von der Rue d’Italie über den Hügel aufwärts. Männer schlafen tagsüber im Schatten der Bäume, Familien flanieren abends durch den Park. Leider liegt an manchen Stellen viel Müll herum, dennoch findet man hier etwas Ruhe im Grünen.
Im Nordteil des Parks, Richtung Av. Hassan II., liegen die Reste von über 100 Jahre alten deutschen Gräbern. Ein Gedenkstein aus Marmor weist in deutscher Sprache darauf hin, dass hier, im ehemaligen „Garten der Gesandtschaft des Deutschen Kaiserreichs“, die in Tanger verstorbenen Deutschen begraben sind. Die wenigen verbliebenen Grabsteine (z.B. der des Postdirektors Paul Schmücker, gest. 1906, oder der von Otto Wilhelm Tiefen, Kanzler der Kaiserlich-Deutschen Ministerresidentur, gest. 1884) dienen nun als Gedenkstätte. Ein weißer Obelisk am Nordende des Parks in Richtung Av. Hassan I. weist auf das Grab von Doktor Severo Cenarro (gest. 1898) hin: Der spanische Arzt war Berater des städtischen Gesundheitsamtes und Initiator der 1883 gegründeten Hygienekommission von Tanger.
Auf der Rückseite der Mendoubia kann man eine mit einer Krone geschmückte Kanone aus dem Jahr 1722 bewundern. Im Südteil des Parks, zur Rue Sidi Bouarrakia hin, verbergen sich muslimische Gräber im Pinienhain.
Im herrlich verwilderten Garten der englischen Kirche fühlt man sich wie in einer Oase inmitten der Stadt. Unter Bougainvilleen, Feigenbäumen, Palmen und Pinien liegen die verwitterten Grabsteine des Friedhofs. Hier ruhen illustre Persönlichkeiten wie der Times-Korrespondent Walter B. Harris (1866–1933). Die 1880 erbaute St. Andrew’s Church wirkt mit ihrem grünen Ziegeldach und dem maurischen Dekor von außen eher wie eine Moschee; sie dient aber noch heute als anglikanisches Gotteshaus.
■Info: Rue d’Angleterre, Stadtbusse Nr. 4, 5, 6, 15, Gottesdienst jeden So 11–12 Uhr, dann keine Besichtigung möglich.
Die weiße Villa mit Palmengarten stand über 20 Jahre lang leer und verfiel. Im Jahr 2014 wurde sie als exklusives Luxushotel wiedereröffnet. Im ehrwürdigen Grand Hôtel Villa de France mietete sich einst Henri Matisse (1869– 1954) ein. Hier malte er 1912 die Aussicht aus dem Fenster von seinem Zimmer Nr. 35. Zu Ehren des Malers wurde nun ein Matisse-Zimmer eingerichtet. Außerdem logierten in der Villa de France so berühmte Gäste wie Paul und Jane Bowles, Gertrude Stein und Tennesse Williams.
■Info: Ecke Rue d’Angleterre/Rue de Hollande, Stadtbusse Nr. 4, 5, 6, 15, www.leroyal.com.
Der Jüdische Friedhof verbirgt sich hinter einer weißen Mauer direkt gegenüber dem Bab Mérican – dieses Stadttor markiert den Eingang zur Medina und den Zugang zum Old American Legation Museum. Ein schwarzes Metalltor führt auf den Friedhof. Das Tor ist nicht immer geöffnet; in diesem Fall sollte man anklopfen und der Wärterfamilie ein kleines Trinkgeld geben.
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Früher eine Institution und seit 2014 wieder in Betrieb: Luxushotel Villa de France
Auf dem Friedhof genießt man nach dem Gedränge und Marktgeschrei in der Rue Salah Idine el Ayoubi herrliche Ruhe. Zwischen Palmen, Feigenbäumen und Zypressen liegen die Marmorsarkophage mit hebräischen Inschriften kreuz und quer verteilt. Die Grabsteine wurden teilweise recht plump „renoviert“, einbetoniert und weiß angestrichen.
Auf dem großen verwilderten Gelände mit Blick aufs Meer herrscht eine verwunschene, fast meditative Atmosphäre – herrlich zum Durchatmen und Herumspazieren. Die meisten Gräber stammen aus dem 19. Jh. und vom Anfang des 20. Jh. Über ihre Geschichte ist bislang wenig bekannt.
■Info: Ecke Rue Portugal/Rue Salah Idine el Ayoubi; Eintritt: frei (ca. 10 DH/Pers. Trinkgeld für den Wärter).
Die Altstadt umgibt eine Stadtmauer mit mehreren Eingangstoren (Bab) und Bastionen (Borj). Im Inneren besteht sie aus einem für Europäer nur schwer durchschaubaren Labyrinth aus Hauptgassen und davon abzweigenden Seiten- und Sackgassen.
Die Sackgassen mit den Hauseingängen zählen schon zum privaten Bereich der Bewohner des Viertels. Von außen wirken die Mauern und Gassen einer typischen arabischen Altstadt fensterlos und düster. Die traditionellen Hofhäuser orientieren sich nach innen zum Hof, in den von oben Tageslicht einfällt.
In den Hauptgassen herrscht Markttreiben – in den nach Branchen sortierten Souks, den Geschäfts- und Handwerksvierteln, kaufen die Einheimischen alles für den täglichen Gebrauch: von Lebensmitteln, Dschellabas und Schuhen bis zur Teekanne. In der im Vergleich zu Marrakesch und Fès recht kleinen Medina von Tanger findet man sich dank der zweisprachigen Schilder in den Gassen ganz gut zurecht. Die ummauerte Kasbah ist das älteste Viertel der Stadt und gehört zur Medina.
Das Stadttor Bab el Fahs am nordöstlichen Ende des Grand Socco führt auf die Rue as Siaghin, über die man in die Medina gelangt. Die gepflasterte Gasse verbindet den Grand Socco außerhalb der Stadtmauern mit dem Petit Socco im Inneren der Altstadt.
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Gemüsehändler in der Altstadt (Medina)
Besonders abends herrscht hier Hochbetrieb: Familien flanieren die Gasse rauf und runter, trinken Tee oder kaufen in den vielen Läden Kleider, Uhren und allerlei Krimskrams ein. Touristen finden in der Rue as Siaghin Wechselstuben und Souvenirshops. Die geschäftige Hauptgasse der Medina geht bis auf römische Zeiten zurück – der Decumanus Maximus (die Hauptorientierungsachse) verlief von Westen nach Osten quer durch die römische Stadt Tingis, wie Tanger früher hieß. Der heutige Petit Socco befindet sich genau an der Stelle, wo sich damals das Forum befand. Die Bezeichnung „Siaghin“ geht auf die Silberschmieden zurück, die früher in der Gasse angesiedelt waren. Entlang der gesamten Rue as Siaghin reihen sich Häuser aus der Kolonialzeit mit schmiedeeisernen Balkonen und großen Fenstern aneinander – völlig untypisch für marokkanische Altstädte, in denen sich die fensterlosen Häuser sonst nach innen zum Hof orientieren.
Etwa auf halber Höhe zwischen Grand und Petit Socco befindet sich die Iglesia de la Purísima mit weiß-rosafarbenem Anstrich. Der spanische Franziskanermönch José Lerchundi ließ die „Kirche der Unbefleckten Empfängnis“ 1880 errichten. Das katholische Gotteshaus mitsamt Glockenturm ist das einzige seiner Art inmitten einer marokkanischen Altstadt. Heute leben Schwestern vom Orden der Mutter Teresa („Missionarinnen der Nächstenliebe“) hier, die sich besonders für alleinstehende Mütter und Straßenkinder in Tanger engagieren. Tanger ist seit 1956 Sitz des Erz- bistums, das heute nur noch rund 2500 Gläubige zählt.
■Info: Iglesia de la Purísima, 51, Rue as Siaghin, geöffnet: Mo bis Fr 8–12 und 16–19 Uhr.
Der Petit Socco (arab. Souk Dahkel) markiert das Herz der Medina – er war früher der zentrale Marktplatz der weißen Stadt. In Tangers Zeit als Internationale Zone befanden sich hier die wichtigsten Banken, das legendäre Hotel Fuentes und das spanische Telegrafenamt. Bis in die 1930er Jahre bildete der Petit Socco das Zentrum von Handel und Stadtleben in Tanger. Später verlagerte sich der Stadtkern in die neuen Viertel außerhalb der Stadtmauern.
Seit Anfang des 20. Jh. ist der „Kleine Platz“, wie er übersetzt heißt, für seine traditionellen Cafés bekannt, in denen sich zur Blütezeit Tangers die illustre internationale Gesellschaft aus Diplomaten, Künstlern, Autoren, Schmugglern und Drogendealern traf. Heute sitzen hier Marokkaner auf den Terrassen, schlürfen thé à la menthe, rauchen und plaudern. Eines der Lokale ist das Café Tingis (vgl. „Essen und Trinken“), das im Erdgeschoss eines weiß-gelb gestrichenen Kolonialgebäudes mit europäischer Architektur untergebracht ist. Im Café Centrale (vgl. „Essen und Trinken“) bleiben meist auch alleinreisende Frauen ungestört.
Gleich hinter dem Petit Socco links, an der Einmündung zur Rue de la Marine, befindet sich das Gebäude der Alten Bank von Marokko (Antiguo Banco de Marruecos) mit seinen großen Mashrabiya-Fenstern (Gitterfenster aus gedrechseltem Holz) und einem typisch maurischen Portal. Auch das einst luxuriöse Hotel Fuentes – in dem Charles Camille Saint-Saëns (1835–1921) den „Danse Macabre“ komponierte – existiert noch. Es befindet sich auf der Südseite des Petit Socco, gegenüber dem Café Centrale. Die heute sehr einfache Pension ist aber nicht zu empfehlen.
Die American Legation war das erste amerikanische Staatsmonument außerhalb der USA. Heute ist in den sehenswerten Gebäuden der Amerikanischen Gesandtschaft ein Museum untergebracht, das Tangers Zeit als Internationale Zone und die Geschichte der amerikanisch-marokkanischen Beziehungen dokumentiert.
Marokko war 1777 das erste Land, das offiziell die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika anerkannte. Sultan Moulay Slimane (um 1760–1822) schenkte das prächtige Hofhaus auf der Ostseite der Gasse im Jahr 1821 dem damaligen amerikanischen Präsidenten James Monroe als Zeichen der amerikanisch-marokkanischen Freundschaft. Das Gebäude auf der Westseite wurde 70 Jahre später angebaut. Bis zur marokkanischen Unabhängigkeit 1956, als die ausländischen Vertretungen in die neue Hauptstadt Rabat zogen, war hier die Amerikanische Gesandschaft untergebracht. Heute dient das Tangier American Legation Institute for Moroccan Studies als Museum, Kulturzentrum und Bibliothek.
Die Tour durch das Museum startet im Obergeschoss auf der Westseite der Rue d’Amérique. In originalgetreu mit Antiquitäten eingerichteten Salons sind historische Skizzen, Ölgemälde und alte Dokumente ausgestellt. Hier herrscht das ehrwürdige Ambiente einer Kolonialvilla.
Ganz anders sieht es aus, wenn man über den Balkon in das ältere Gebäude auf der anderen Gassenseite wechselt. Die Räume gruppieren sich um einen duftenden Hofgarten mit Springbrunnen. Im Inneren kann man typische Elemente maurischer Palastarchitektur bewundern: Mosaike, Stuck, Zedernholzdecken und gedrechselte Fenstergitter. Zwei Vitrinen zeigen einen Teil der Zinnsoldatensammlung, die früher im Musée Forbes (heute Palast Dar el Mendoubia) untergebracht war. Zwei Zimmer im Erdgeschoss widmen sich dem US-amerikanischen Schriftsteller Paul Bowles (1910–1999), der in Tanger lebte.
Zurück im Erdgeschoss des ersten Gebäudeteils geht es durch die Bibliothek, in der es englischsprachige Literatur über Tanger zu kaufen gibt. Außerdem findet man hier einen Austellungssaal mit marokkanischer Kunst des 20. h.
Am Ausgang wartet eine Spendenbox auf den Besucher – so kann man zum Erhalt dieses Denkmals der amerikanisch-marokkanischen Freundschaft beitragen.
■Info: 8, Rue d’Amérique, www.legation.org, Tel. 0539 93 53 17, geöffnet: Mo bis Do 10–13 und 15–17 Uhr, Fr 10–12 und 15–17 Uhr, Sa/So nach Anmeldung (tel. oder per E-Mail), Eintritt: frei (Spende willkommen).
■Wegbeschreibung: Das Old American Legation Museum erreicht man am besten von der Rue Portugal durch das Stadttor Bab Mérican. Oder man läuft vom Petit Socco durch die Gassen (Rue Ouezzane, Rue Kadi Tensamani) südwärts. Das Museum befindet sich in zwei Gebäuden beiderseits der Rue d’Amérique, die im Obergeschoss miteinander verbunden sind.
Marschiert man vom Petit Socco weiter geradeaus die Rue de la Marine hinunter, so fällt nach weniger als 100 m das prächtige Eingangsportal der Großen Moschee auf der rechten Seite ins Auge. Das rechteckige Minarett schmücken die für islamische Heiligtümer typischen grünen Kacheln. Sultan Moulay Ismail (um 1645–1727) ließ die Moschee im 17. Jh. errichten, später wurde sie mehrfach erweitert und renoviert.
Die Gasse endet wenige Meter weiter vor den Treppenstufen zur Bastion Borj al Hajoui neben dem Stadttor Bab Marsa. In der kleinen Festung stehen zwei massive, aufs Meer gerichtete Kanonen aus dem 19. Jh. Von der erhöhten Plattform blickt man auf den Fischerhafen und die Baustelle des Jachthafens. Geht man an der Großen Moschee rechts die Rue Dar Dbagh hinunter, so erreicht man das Bab Dar Dbagh. Von diesem kleinen Stadttor geht es hinab zum alten Hafen und zur Rue du Portugal.
Von der Bastion Borj al Hajoui in der Gasse Rue de la Marine (später Rue Dar Baroud) entlang der Stadtmauer nordwärts gehend, erreicht man nach wenigen Minuten das 1856 eröffnete einstige Luxushotel. Die Zimmer im Inneren wirken inzwischen ziemlich angestaubt und renovierungsbedürftig – die Lage und die Aussicht über den alten Hafen und das Meer sind aber immer noch großartig. In der Lobby herrscht nostalgisches Ambiente; man entdeckt einige skurrile Antiquitäten. Sehenswert ist der Frühstückssalon im Stil eines maurischen Palastes mit Stuck und Mosaiken. Auf der Terrasse kann man bei einem Tee oder Orangensaft die Aussicht auf den Hafen und die Meeresbrise genießen. Im hoteleigenen Souvenirshop findet man hübsches marokkanisches Kunsthandwerk.
■Info: 36, Rue Dar Baroud, www.continental-tanger.com, Tel. 0539 93 10 24.
Ibn Battouta (oder Battuta, 1304 bis ca. 1368) war einer der berühmtesten muslimischen Forschungsreisenden und Gelehrten der Welt. Er brach 1325 auf eine Pilgerfahrt von Tanger nach Mekka auf; später erkundete Battouta fast die gesamte islamisch geprägte Welt – mehr als 120.000 km von Spanien über Indien und die Malediven bis in den Sudan legte er dabei zurück. Anschließend verfasste er eine Reisebeschreibung über seine Abenteuer.
Sein Grab liegt inmitten der Medina. An der Unterseite des weißen Grabmals mit grünem Ziegeldach befindet sich ein Brunnen. Von oben kann man durch ein Loch in der meist verschlossenen Tür ins Innere schauen. Nachmittags stehen die Chancen am besten, dass der Schlüsselhalter das Tor öffnet.
■Wegbeschreibung: Das Grab von Ibn Battouta findet man am leichtesten, wenn man durch das Stadttor Bab Gzenaya in die Medina marschiert, dann links in die Rue Gzenaya abbiegt und schließlich die enge Rue Ibn Battouta über Treppenstufen bergauf geht; nach einigen Kurven ist man am Ziel angelangt.
Die Kasbah ist ein von Mauern umgebenes historisches Festungs- und Wohnviertel. Sie thront im Nordwesten der Altstadt an höchster Stelle über den anderen Vierteln. Im alten Sultanspalast befindet sich eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt: das Kasbah-Museum.
An der Stelle der heutigen Kasbah (Zitadelle bzw. Festung) errichtete wahrscheinlich schon der Kalif von Córdoba, Abd ar-Rahman II. (um 889–961), eine Festung, um sich gegen die schiitischen Fatimiden zu schützen. Der Aufbau des Kasbah-Viertels geht auf die portugiesische Besatzung zwischen 1464 und 1661 zurück. Sultan Moulay Ismail (um 1645– 1727) ließ die heutige Kasbah später wiederaufbauen, nachdem er Tanger 1684 von den Engländern zurückerobert hatte.
