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Anja Lange: "Gerade in Zeiten von nicht endender Informationsflut und ständiger Erreichbarkeit ist es ein verbreitetes Bedürfnis, Strategien zu erlernen, die dabei helfen, von dem rasanten Leben nicht zu sehr aus der Mitte geworfen zu werden bzw. schnell wieder in die eigene Mitte zu finden, wenn es doch passiert ist. Noch viel wichtiger und wirksamer ist es meiner Ansicht nach, das Leben soweit wie möglich zu entschleunigen. Je weniger Hektik ich von vornherein in meinem Alltag habe, desto leichter ist es, in Balance zu bleiben. (...) In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit den Aspekten und Auswirkungen von Meditation, die für die Erweiterung der Wahrnehmung dieses Raumes zwischen Reiz und Reaktion im Hinblick auf Resilienz besonders von Bedeutung sind."
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Anja Lange
Transferarbeit: Resilienz-Trainerin (SHB) – Ausbildung zum/zur Resilienz-Trainer/in
1. Einleitung
2.1 Definition Resilienz
2.2 Definition Meditation
3. Reiz-Reaktionsmodelle
4. Meditation – Aspekte und Auswirkungen
4.1 Konzentration und die Reaktion des Körpers
4.2 Zerstreuungsmodus vs. Daseinsmodus
4.3 Regulierung von Gefühlen
4.4 Die Wahrnehmung der Innenwelt
4.5 Metakognition
4.6 Bewertung – Nichtbewertung
4.7 Empathie
4.8 Intention
5. Schlussbetrachtung
6. Anhang
6.1 Resilienzfaktoren
6.2 Quellenverzeichnis
Resilienz Akademie
Bundesverband Deutscher Resilienz-Trainer*innen (DVRT) e.V. i.G.
Umschlag Rückseite Abschlussarbeiten Reihe Resilienz
Impressum
© unisono institut verlag, ulm ∙ berlin 1. Auflage März2021
ISBN eBook 978-3-948872-23-6
Satz / Layout: Peter Schust Erscheinungsort: Ulm
unisono institut verlag Gudrun Jürß und Peter Schust GbR Stuifenweg 23 ∙ 89075 Ulm ∙ www.unisono-institut.com/verlag
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Anja Lange wurde 1978 in Wolfenbüttel geboren, seit 2005 lebt sie in Göttingen. Das Thema Meditation hat sie schon seit frühester Jugend fasziniert. Nach dem Kennenlernen und Ausprobieren vieler verschiedener Formen und Schulen der Meditation, hat sie 2012 die Achtsamkeitspraxis in Form von Vipassana-Meditation für sich entdeckt.
Diese Praxis hilft ihr seitdem täglich, die Herausforderungen des Lebens, bzw. die Einladungen des Lebens zur Entwicklung und Stärkung von Resilienz, zu meistern. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen gibt sie als Heilpraktikerin, Coach und Resilienz-Trainerin weiter. Gelebte Achtsamkeit sieht sie dabei als ein Schlüsselelement für Heilung, Resilienz und persönliche Entwicklung.
Die nachfolgende Transferarbeit wurde im Rahmen der Ausbildung zum/zur Resilienz-Trainer/in an der Resilienz-Akademie (vgl. letzte Seite) angefertigt.
Steinbeis- Transfer- Institut
kompetenz institut unisono
der Steinbeis- Hochschule Berlin SHB
Transferarbeit Resilienz- Trainer (SHB)
„Resilienz durch Meditation“
abgegeben am 14.04.2020
Anja Lange
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ (Victor Frankl)
Resilienz ist ein Begriff, den vor ein paar Jahren noch kaum jemand kannte. Inzwischen ist das Wort und das, wofür es steht immer bekannter geworden und immer mehr Menschen setzen sich damit auseinander, wie sie für sich mehr Resilienz entwickeln können. Gerade in diesen Zeiten von nicht endender Informationsflut und ständiger Erreichbarkeit ist es ein verbreitetes Bedürfnis, Strategien zu erlernen, die dabei helfen, von dem rasanten Leben nicht zu sehr aus der Mitte geworfen zu werden bzw. schnell wieder in die eigene Mitte zu finden, wenn es doch passiert ist.
Noch viel wichtiger und wirksamer ist es meiner Ansicht nach, das Leben soweit wie möglich zu entschleunigen. Je weniger Hektik ich von vornherein in meinem Alltag habe, desto leichter ist es, in Balance zu bleiben.
Mit den Themen Achtsamkeit und Meditation beschäftige ich mich schon sehr lange. Ich praktiziere selbst regelmäßig Vipassana- Meditation, also Einsichts- oder auch Achtsamkeitsmeditation. Bei nahezu allen Aspekten, die im Laufe der Resilienz- Trainerausbildung genannt wurden (vergleiche hierzu auch „Resilienzfaktoren“ im Anhang), dachte ich, dass ihre positive, gestärkte Form den natürlichen Folgen von ernsthafter langjähriger Meditationspraxis entspricht. Stimmt das wirklich? Und wenn ja, warum ist das so?
Es gibt dazu viele verschiedene mögliche Ansatzpunkte. Ich habe mich dafür entschieden, mein Hauptaugenmerk auf den Raum zu richten, von dem auch Viktor Frankl spricht (siehe Zitat vorherige Seite), bzw. wie und warum dieser Raum erweiterbar ist. Hier und da berichte ich auch von darüberhinausgehenden Aspekten der Meditation, wo es mir im Zusammenhang besonders interessant erschien.
Zunächst werde ich definieren, was ich unter den Begriffen Resilienz und Meditation verstehe. Gerade beim Thema Meditation gibt es sehr unterschiedliche Ansichten. Ich werde erklären, was es für mich bedeutet und wie der Begriff im Rahmen dieser Arbeit zu verstehen ist.
Im Anschluss daran stelle ich die Reiz- Reaktionskette der westlichen Psychologie Modellen und Sichtweisen der buddhistischen Lehre gegenüber.
Im darauffolgenden Hauptteil beschäftige ich mich mit den Aspekten und Auswirkungen von Meditation, die für die Erweiterung der Wahrnehmung dieses Raumes zwischen Reiz und Reaktion besonders von Bedeutung sind.
Der Begriff „Resilienz“ stammt vom lateinischen „resilire“ ab, was „zurückspringen, abprallen“ bedeutet. Er wird in vielen Fachgebieten verwendet, mit weitgehend übertragbarer Bedeutung. Zur bildhaften Veranschaulichung hier einige Beispiele: (1.)
Ingenieurwissenschaften: Fähigkeit von technischen Systemen, bei einem Teilausfall nicht vollständig zu versagen
Materialwissenschaften: Fähigkeit eines Materials, nach einer elastischen Verformung in den Ausgangszustand zurückzukehren
Soziologie: Fähigkeit von Gesellschaften, externe Störungen zu verkraften
Rechtswissenschaft: Fähigkeit von Recht, soziale Ereignisse zu absorbieren oder sich anzupassen
Urbanistik: Fähigkeit städtischer Strukturen, auch bei schweren Schäden zentrale Funktionen aufrechtzuerhalten
In der Psychologie steht Resilienz für die psychische Widerstandskraft, d.h. „die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. (…) Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit.“ (2.)
Der Begriff „Ressourcen“ bedeutet dabei persönliche Fähigkeiten und Stärken, die entweder schon bewusst sind oder im Rahmen von Therapie oder Coaching bewusst werden, sowie Hilfe und Unterstützung aus dem sozialen Umfeld.
„Anlass für Entwicklungen“ bedeutet in diesem Zusammenhang, eine Krise als Chance zu sehen und im besten Fall sogar gestärkt daraus hervor zu gehen.
Hier gibt es also einen Unterschied zu den vorher genannten Beispielen, bedingt durch das menschliche Bewusstsein mit der Fähigkeit, Geschehenes zu reflektieren und bewusst etwas zu verändern. Das kann sich sowohl auf den gegenwärtigen Moment beziehen, also auf den akuten Umgang mit der Krise, als auch auf zukünftiges Verhalten. Durch die Reflexion des Geschehenen wird es möglich, beim nächsten Auftreten gleicher oder ähnlicher Umstände, sich daran zu erinnern, was letztes Mal gut funktioniert hat und was nicht, um dann mit einer modifizierten Reaktion besser durch die Krise zu kommen. Dieser Lernprozess klappt leider häufig nicht auf Anhieb. Manchmal braucht es ein paar „Anläufe“ um die Lektion zu lernen und dann in Zukunft auf eine bestimmte Situation tatsächlich anders und besser zu reagieren.
Bis vor einigen Jahren wurde der Begriff „Resilienz“ hauptsächlich im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen verwendet. In dieser Zeit wird sicherlich der Grundstein für den Umgang mit Krisen gelegt. Aber so unveränderlich, wie man lange Zeit dachte, ist die Fähigkeit des Lernens und Umdenkens im späteren Leben nicht. In dem Gebiet der Neuroplastizität ist man in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr dahintergekommen, dass das Gehirn sich bis ins hohe Alter hinein noch verändern kann. Mit den Gehirnzellen funktioniert es ähnlich wie mit Muskeln. Werden sie regelmäßig gebraucht, werden sie stärker. Werden sie hingegen wenig oder nicht gebraucht, so bauen sie sich mit der Zeit ab und werden kleiner und schwächer. Hinzu kommt, dass Gehirnzellen, die gemeinsam aktiviert werden, sich untereinander vernetzen oder wie Hebb, der Entdecker der Neuroplastizität es formulierte „what fires together, wires together“. (3.)
Wie wir später noch genauer sehen werden, stellt Meditation eine Möglichkeit dar, Gehirnstrukturen zu verändern, die direkt mit Resilienz zu tun haben. Mit Hilfe von Gehirnscans lässt sich feststellen, wie die Gehirne von Meditierenden sich von denen von Nicht- Meditierenden unterscheiden. Interessanterweise sind genau die Strukturen stärker ausgeprägt, die für eine gute Resilienz wichtig sind und umgekehrt sind die Strukturen, die die Resilienz schwächen können, weniger stark ausgeprägt.
