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Vorgestellt werden Ihnen 150 Obstarten und -sorten mit hoher Widerstandskraft gegenüber Pflanzenkrankheiten und Schaderregern, die sich speziell für den Anbau im Haus- und Kleingarten eignen, aber auch für den Streuobstbau. Das Sortenspektrum umfasst alle in Deutschland anbauwürdigen Obstarten im Kern-, Stein-, Beeren- und Schalenobstbereich. Eingangs jeder Kultur werden Ihnen die bedeutendsten Anbauprobleme und deren Symptome bei der jeweiligen Obstart nahegebracht. Diese Sortenbeschreibungen sollen Ihnen als Entscheidungshilfe für die Pflanzplanung dienen und helfen, gesundheitlich wertvolles Obst problemlos anzubauen.
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Seitenzahl: 182
Veröffentlichungsjahr: 2016
Franz Rueß
Taschenatlas
Resistente und robuste Obstsorten
Ulmer E-Books
Obst aus dem eigenen Garten schmeckt immer am besten. Selbst erzeugt und frisch vom Baum oder Strauch ist es ein Genuss für jeden Gartenbesitzer.
Wenn der Anbau im eigenen Garten gelingen soll, muss man sich allerdings schon vor der Pflanzung Gedanken über die Anbaubedingungen und die Sortenwahl machen. Die Gartengrundstücke sind heute bedeutend kleiner als früher. Der Standraum und die Baumformen für Obstgehölze müssen deshalb an den Garten angepasst sein. Im Streuobstanbau möchte man dagegen möglichst große und landschaftsprägende Obstbäume erzielen.
Ein weiteres Problemfeld im Garten ist der Pflanzenschutz. Es gibt keine Obstart, die nicht von Schaderregern befallen wird. Viele Gärtner wollen aber aus verschiedenen Gründen keinen oder nur einen begrenzten Pflanzenschutz betreiben. Daher ist es umso wichtiger, bei der Sortenwahl auf Robustheit gegenüber den wichtigsten Schaderregern zu achten.
Im vorliegenden Buch werden nur solche Obstsorten aufgeführt, die Resistenz- oder Toleranzeigenschaften aufweisen und sich unter den Praxisbedingungen des Mittleren Neckarraumes bewährt haben. „Resistente und robuste Obstsorten“ richtet sich an alle Obstgärtner, die ihren Obstgarten oder die Obstwiese attraktiv gestalten und zugleich aber auch nutzen wollen, ohne allzu viel Zeit in Pflege- oder Pflanzenschutzmaßnahmen investieren zu müssen.
Franz Rueß, Januar 2016
Vollblüte bei der Birnensorte ‘Novembra’. © Rueß, Franz
Alle hier vorgestellten Sorten wurden auf dem Staatlichen Obstversuchsgut bei Bad Friedrichshall in der mittleren Neckarregion angebaut und hinsichtlich ihrer obstbaulichen Eignung geprüft. Der Anbau erfolgte je nach Kultur auf einheitlichen Unterlagen mit einem einheitlichen Erziehungssystem sowie einheitlichem Baumschnitt. Die Daten und Ergebnisse sind daher von Sorte zu Sorte vergleichbar. Speziell bei Apfel wurden ab dem Zeitpunkt der Nachblüte keine Fungizide mehr eingesetzt. Die gewonnenen Daten sind vor dem Hintergrund dieses Standorts zu beurteilen und gegebenenfalls für den eigenen Standort abzuändern.
Hier werden die Elternsorten der jeweiligen Sorte aufgeführt. Die Muttersorte steht dabei immer an erster Stelle. Ebenso sind die durchführende Institution und das Herkunftsland erwähnt. Da die meisten Neuzüchtungen heute unter Sortenschutz stehen, wurde ein bestehender oder beantragter Sortenschutz hier vermerkt (Stand 2015). Dies kann eine hilfreiche Information beim Bezug der Sorte sein.
Das Wachstum der Bäume oder Pflanzen wurde in die drei Kategorien schwach, mittel und stark unterteilt. Bei den Obstgehölzen sind die Anzahl der Verzweigungen und der Astabgang von Bedeutung. Weniger steile oder gar waagerechte Astabgänge bewirken ein schnelles und regelmäßiges Fruchten. Ziel ist dabei ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Fruchtung und Wachstum („physiologisches Gleichgewicht“ oder „ruhige Bäume“), was wenig Schnittaufwand verursacht. Bei den Strauch- und Erdbeeren wurden ebenfalls Erfassungen zur Wuchsstärke und zum Wuchstyp der Pflanzen gemacht.
Zusammenfassend sind hier die wichtigsten Merkmale der Sorte noch einmal aufgeführt. Ebenso wird hier eine Aussage darüber getroffen, für welche Anbauform oder Verwendungsmöglichkeit die Sorte nach Ansicht des Verfassers am besten geeignet erscheint.
Die Fruchtbeschreibung soll neben der Abbildung der Sorte dazu dienen, im Falle der Ungewissheit über eine Sortenidentität eine Sortenbestimmung vornehmen zu können (siehe „Morphologische Fruchtmerkmale bei Apfel“ im Serviceteil).
Die geschmackliche Bewertung beruht sowohl auf den Ergebnissen von Verkostungen, als auch auf einer persönlichen Einschätzung des Verfassers.
Wie bereits erwähnt, erfolgte der Anbau der Sorten speziell bei Apfel weitestgehend ohne den Einsatz von Fungiziden. Auf diese Weise konnte umfangreiches Datenmaterial über die Krankheitsanfälligkeit gewonnen werden. Begleitende Erhebungen wurden zu allen anderen Schaderregern durchgeführt. Die anderen Kulturen wurden unter den Bedingungen der integrierten Produktion oder des ökologischen Anbaus kultiviert. Auch bei dieser Anbauweise sind detaillierte Aussagen zur Krankheitsanfälligkeit möglich.
Die Aussagen zum Ertragsniveau einer Sorte beruhen auf den Erfahrungen von mehreren Anbaujahren (bei Apfel und Birne mindestens sechs Jahre) mit dieser Sorte. Auf eine absolute Darstellung in Form von Kilogramm je Baum wurde verzichtet, da diese Aussage von vielen Anbaufaktoren (Standort, Unterlage, Baumform) abhängt. Die relative Einteilung in die Kategorien gering, mittel und hoch beruht auf dem Vergleich zu Standardsorten bei dieser Kultur (z. B. ‘Topaz’ bei Apfel, ‘Elsanta’ bei Erdbeere etc.), deren Leistungsvermögen allgemein bekannt ist und die deshalb in jedem Sortenversuch als Vergleichssorten mit aufgepflanzt werden.
Die Aussagen zur Lagerfähigkeit der Sorten beruhen auf Erfahrungen mit der Haltbarkeit der beschriebenen Sorten in einem normalen Kühllager mit einer Lagertemperatur zwischen 2 und 5 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 85 %.
Zusätzlich zur Fruchtbeschreibung wurde bewusst eine Rubrik „Fruchteigenschaften“ in den Taschenatlas aufgenommen, da diese absoluten Zahlen dem Gartenliebhaber eine genaue Bewertung der Sorten ermöglichen. Mithilfe der Kriterien Fruchtgewicht und Sortiergröße lässt sich die optische Erscheinung einschätzen. Die Eigenschaften Festigkeit, Zucker- und Säuregehalt sowie das errechnete Verhältnis daraus, erlauben eine geschmackliche Bewertung. Bei Apfel dient der Stärkewert der exakten Bestimmung des optimalen Erntetermins.
Das Fruchtgewicht in Gramm wurde als ertragsgewichteter Mittelwert aus allen Versuchsjahren ermittelt.
Bei Apfel und Birne ist der Sortieranteil in der Sortierklasse 70–85 mm Fruchtdurchmesser eine Maßgröße für die optimale Fruchtgröße. Diese Sortierung wird vom Verbraucher als ideal angesehen und an den Märkten am besten bezahlt. Je höher dieser Wert ist, desto mehr Früchte besitzen die ideale Fruchtgröße.
Die Werte Festigkeit (kg/cm2), Zucker (% Brix) und Säure (g/l) wurden jeweils zum Zeitpunkt der Ernte ermittelt. Sie dienen zur geschmacklichen Bewertung der Früchte.
Die optimale Bissfestigkeit einer Apfelfrucht liegt bei 5–8 kg/cm2. Werte unter 4 kg/cm2 kennzeichnen eine weiche, vielleicht sogar schon als musig empfundene Frucht. Werte über 10 kg/cm2 stehen für zu harte Früchte.
Die absoluten Zucker- und Säuregehalte sind interessant für bestimmte Verwertungsrichtungen der Früchte. In der Obstbrennerei wird großer Wert auf einen hohen Zuckergehalt gelegt, um eine hohe Alkoholausbeute zu erzielen. Für die Obstsafterzeugung wiederum können hohe Säuregehalte wichtig sein.
Das Zucker-Säure-Verhältnis (ZSV) ist ein Rechenwert, um den Geschmack einer Apfelfrucht einigermaßen messbar zu machen. Dabei werden die jeweiligen Mengenanteile des Zuckergehalts einer Sorte einem Mengenanteil Säure gegenübergestellt. Als sauer empfunden werden bei Apfel Sorten mit einem ZSV unter 13 zu 1. Betont süße Sorten haben ein ZSV über 25 zu 1. Die allgemein geschmacklich am besten beurteilten Apfelsorten ‘Braeburn’ oder ‘Rubinette’ haben ein ZSV von 17 zu 1. Aber bekanntlich ist der Geschmack relativ und bei jedem Menschen verschieden.
Der Stärkewert kann zur Ermittlung des optimalen Erntetermins von Apfelsorten herangezogen werden (siehe „Stärketabelle“ im Serviceteil). Äußere Faktoren sind meistens zur Bestimmung des Reifegrades einer Frucht ungenügend (z. B. rote Fruchtfarbe suggeriert Reife), innere Faktoren sind besser dazu geeignet. Zur beginnenden Reife der Früchte wird die eingelagerte Stärke in Zucker umgewandelt. Der Abbaugrad der Stärke ist ein ideales Maß für den Reifezustand. Er ist jedoch von Sorte zu Sorte verschieden. Der Stärkewert kann auch im Freizeitgartenanbau einfach ermittelt werden. Dazu teilt man die zu untersuchenden Früchte in der Mitte durch und bestreicht die beiden Hälften mit Lugol’scher Lösung. Nach kurzer Zeit färbt sich die Stärke in den Früchten schwarz und man kann anhand der beigefügten Skala den Reifegrad feststellen. Leider ist diese Methode der Ernteterminbestimmung bei Stein- und Beerenobst nicht möglich, da diese Obstarten keine Stärke einlagern. Hier müssen andere Kriterien zur Reifebestimmung angewandt werden.
Der Gehalt an Vitamin C wird in einer fünfstufigen Wertungsskala (sehr gering, gering, mittel, hoch, sehr hoch) dargestellt. Er ist ein Maß für die gesundheitliche Bewertung einer Frucht. Weitere gesundheitliche Alleinstellungsmerkmale einer Sorte (z. B. „für Allergiker geeignet“) sind im Text dargestellt.
Anhand der folgenden Labels werden die herausragenden Eigenschaften bzw. der Verwendungszweck einer Sorte übersichtlich dargestellt. Sie ermöglichen einen raschen Überblick unter den Sorten.
Diese Daten dienen zur Bewertung der Anbaufähigkeit in verschiedenen Regionen. Die Kriterien Austrieb und Vollblüte sind jeweils untergliedert in fünf Zeitpunkte (früh, mittelfrüh, mittel, mittelspät, spät). Früh austreibende und früh blühende Sorten können in bestimmten Anbaugebieten anfällig für Spätfröste sein. Das Wissen um den Austrieb/Blühzeitpunkt ist deshalb wichtig, um das Blütenfrostrisiko einer Sorte einschätzen zu können. Zudem kann anhand der Blühzeitpunkte festgestellt werden, ob die ausgewählten Sorten hinsichtlich der Eignung als Befruchter zueinander passen. Die meisten Obstarten sind Fremdbefruchter. Um eine gute Befruchtung zu gewährleisten, sollten die Blühzeitpunkte eng beieinander liegen. So zum Beispiel kann eine früh blühende Sorte durch eine spät blühende nicht befruchtet werden, da deren Pollen zu spät ausreift.
Verwendete Symbole und deren Bedeutung
Symbol
Eigenschaft der Sorte/Eignung
Für den Haus- oder Kleingarten
Für die Saftherstellung/Mosterzeugung
Für die Direktvermarktung
Für die Brennerei
Für den Streuobstanbau
Sorte mit besonderen gesundheitsfördernden Eigenschaften
Besonders gut lagerfähige Sorte
Sorte mit guten Backeigenschaften
Der Ursprung aller säulenförmigen Apfelbäume geht auf eine Zufallsmutation der Sorte ‘McIntosh’ zurück. Unter Mutation versteht man eine geringfügige Änderung der genetischen Eigenschaften einer Sorte – meistens ändert sich nur eine einzige Knospe am Mutterbaum. Der aus dieser Knospe entstehende Zweig oder die daran wachsenden Früchte weisen andere Eigenschaften auf als die Ursprungssorte. Wenn dieser Zweig vegetativ vermehrt wird, bleiben die neuen Sorteneigenschaften erhalten. Häufig beschränken sich Mutationen im Apfelanbau auf die Deckfarbenausprägung einer Sorte (z. B. gelber oder roter ‘Boskoop’), weswegen es bei den Hauptsorten eine Vielzahl an Farbmutanten gibt, die durch bessere Fruchtausfärbung bessere Preise erzielen können. Es sind aber auch, wie in diesem Fall, Wachstumsveränderungen durch Mutation möglich.
Die Zufallsmutation für den Säulenwuchs der Elternsorte ‘McIntosh’ wurde 1960 in einer Obstanlage in British Columbia (Kanada) erstmals beobachtet und nach ihrem Entdecker, dem Obstbauern Wijcik, benannt (‘McIntosh’, Typ Wijcik). Das säulenförmige Erscheinungsbild basiert auf extrem kurzen Internodien und den in Fruchtspieße umgewandelten Seitentrieben. Dadurch werden die Früchte unmittelbar am Stamm ausgebildet. Durch das Fehlen von Seitenästen benötigen solche Sorten einen weitaus geringeren Standraum.
Mittlerweile gibt es eine Reihe von Tochtergenerationen der Ursprungssorte ‘McIntosh’ Typ Wijcik auf dem Markt. Im Folgenden werden aber nur diejenigen erwähnt, die sich auch tatsächlich als robust gegenüber Schaderregern herausgestellt haben.
Weitere maßgebliche Vorteile von Säulenäpfeln für den Haus- und Kleingarten sind:
Sie benötigen kaum Standraum. Der Pflanzabstand beträgt je nach Unterlage nur 40 bis 50 cm.
Sie haben eine sehr hohe Fruchtbarkeit, leider gepaart mit Alternanz. Handausdünnungsmaßnahmen sind daher zweckmäßig.
Sie brauchen keinen Pfahl zur Befestigung, sondern sind von alleine standfest.
Säulenäpfel sind sehr trockenheitstolerant, da sie zumeist auf stark wachsende Unterlagen veredelt werden, die eine bessere Durchwurzelungs- und damit auch höhere Wasseraufnahmefähigkeit im Boden besitzen.
Sie sind sehr robust gegenüber Holz- und Blütenfrösten.
Die Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: Anbau im Terrassenkübel/Container, Heckenpflanzung (statt Hainbuche) oder als gartenprägende Solitärbäume.
Nur bei Apfel ist der Säulenwuchs genetisch fixiert, das heißt, Bäume dieses Wuchstyps verändern ihren Habitus nicht mehr, sondern bleiben säulenförmig. Bei anderen Arten (Säulenkirsche, Säulenbirne etc.), die im Pflanzenhandel angeboten werden, ist dieser Habitus durch Erziehungsmaßnahmen in der Baumschule oder durch die Anwendung von Wuchsstoffen erzwungen. Sobald diese Kulturmaßnahmen nicht mehr durchgeführt werden, verlieren diese Bäume ihre Säulenform und wachsen ganz normal weiter.
Die Birne ist weniger anpassungsfähig an das Klima als der Apfel. Sie erträgt heiße Temperaturen, trockene Luft und trockene Böden schlechter. Auch plötzliche Feuchtigkeitsschwankungen oder starke Winde sind schädlich. Auf kalkreichen Böden entstehen in Verbindung mit Quittenunterlagen aufgrund von Unverträglichkeit häufig physiologische Störungen wie Chlorose an den Blättern oder Steinzellenbildung in den Früchten.
Allgemein benötigen Birnen wärmere Standorte als Äpfel („Weinbauklima“). Sie fruchten überwiegend am zwei- und mehrjährigen Holz und müssen daher auch auf „altes Holz“ geschnitten werden. Birnen brauchen sehr viel Lichteinstrahlung und warme Sommer. Das im Buch vorgestellte Sortiment ermöglicht ein durchgehendes Birnenangebot von Anfang August bis Mitte März.
