Restaphasie - Petra Jaecks - E-Book

Restaphasie E-Book

Petra Jaecks

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Beschreibung

Restaphasie, was ist das? - Informationen zum Symptombild - Erklärungsansätze für restaphasische Störungen - aktuelle Forschungsergebnisse Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es? - Bewertung verschiedener diagnostischer Verfahren - Ihr Plus: Ein webbasiertes Screeningtool unterstützt Sie bei der Diagnostik Wie gestaltet man eine Therapie? - verschiedene Therapieansätze mit konkreten Vorschlägen zur Umsetzung - Fallbeispiele zeigen, wie man vorgeht

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EPUB

Seitenzahl: 213

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Restaphasie

Dietlinde Schrey-Dern, Norina Lauer

Petra Jaecks

50 Abbildungen

Vorwort der Herausgeberinnen

Die sprachlichen Probleme von Menschen mit einer Restaphasie werden von ihren Gesprächspartnern in alltäglichen Gesprächen kaum oder gar nicht bemerkt. Die Betroffenen selbst nehmen aber sprachliche Schwierigkeiten wahr, die nach außen erst sichtbar werden, wenn sich die sprachlichen Anforderungen erhöhen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Menschen mit Restaphasie in den Beruf zurückkehren wollen. Die Untersuchung und Behandlung der Betroffenen stellt Logopädinnen vor besondere Herausforderungen. Einerseits fehlte bislang ein klares diagnostisches Vorgehen zur Identifikation der Restaphasie. Andererseits stellte sich immer wieder die Frage nach strukturierten und dem Niveau der Restaphasie angepassten Behandlungsmöglichkeiten. Insbesondere die logopädische Vorbereitung und Begleitung der beruflichen Wiedereingliederung von Menschen mit Restaphasie bringt hohe Anforderungen an die logopädische Behandlung mit sich.

Das vorliegende Buch stellt einen wichtigen Beitrag dar, um die genannten Lücken zu schließen. Die Autorin stellt ein selbst entwickeltes diagnostisches Verfahren vor, mit dem die Identifikation einer Restaphasie anhand einiger ausgewählter Aspekte der Spontansprache möglich ist. Das diagnostische Vorgehen wird präzise und nachvollziehbar beschrieben. Für die Auswertung wird ein Online-Tool zur Verfügung gestellt, über das sich die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Restaphasie anhand weniger Parameter automatisch berechnen lässt. Das Therapiekapitel beginnt mit der Bezugnahme zur ICF und beschreibt die Besonderheiten der Formulierung von Therapiezielen bei der Behandlung von Menschen mit Restaphasie. Im Anschluss daran werden therapeutische Möglichkeiten zu allen linguistischen Bereichen (Phonologie, Morphologie und Syntax, Lexikon und Semantik, Pragmatik) unter Berücksichtigung der Wort-, Satz- und Textebene vorgestellt. Die Nennung und Erläuterung von einsetzbaren Therapiematerialien erleichtert die Auswahl geeigneter Materialien. Der beruflichen Rehabilitation ist abschließend ein eigenes Kapitel gewidmet, das Einflussfaktoren, bisherige Studien und praktische Beispiele beinhaltet.

Generell werden alle Kapitel anhand von Fallbeispielen veranschaulicht. Der Leser erhält einen praktischen Einblick in die Auswertung der Diagnostik, die Planung der Therapie und die Möglichkeiten und Grenzen der beruflichen Wiedereingliederung. Auf diese Weise wird der Übertrag von der Theorie in die Praxis sehr gut verdeutlicht.

Somit bietet das Buch sehr konkrete und praxisnahe Hilfestellungen, um die Belange von Menschen mit Restaphasie besser zu erkennen und gezielte therapeutische Maßnahmen vorzunehmen.

Idstein/Aachen, im Oktober 2014

Norina LauerDietlinde Schrey-Dern

Merke

Wichtiger Hinweis für den Leser

Auf dem hinteren Innendeckel des Buches finden Sie eine Anleitung, wie Sie mit Ihrem persönlichen Zugangscode zu dem von der Autorin entwickelten Screening-Tool für Restaphasie gelangen. Dort können Sie ermittelte Werte eingeben und das Ergebnis entsprechend abspeichern und ausdrucken.

Vorwort

Die Arbeit mit Patienten mit Restaphasie stellt eine große Herausforderung für die behandelnden Therapeuten dar. Obwohl der Leidensdruck der Patienten immens hoch ist, wurden die leichten bis minimalen Defizite bei Restaphasie bislang kaum erforscht. Auch in der Praxis fallen viele der Patienten durch das Raster, da sie hinter schwerer Betroffenen zurückstehen müssen. Doch gerade Menschen mit Restaphasie haben eine gute Chance auf eine berufliche sowie soziale Rehabilitation. In vielen Lebensbereichen lässt sich wieder eine hohe Lebensqualität erreichen.

Aus diesem Grund wird mittlerweile seit mehreren Jahren an der Universität Bielefeld im Fachbereich Klinische Linguistik der Symptomkomplex der Restaphasie erforscht. Im Rahmen einer Arbeitsgruppe werden immer wieder Studien zu verschiedenen Aspekten der Restaphasie als Bachelor- oder Masterarbeiten sowie als Promotionen oder Forschungsprojekte durchgeführt. Dabei geht es neben der Spontansprache beispielsweise auch um die Selbst- und Fremdeinschätzung der sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten, um das auditive und visuelle Sprachverständnis sowie um den Einfluss kognitiver Faktoren, wie der Aufmerksamkeit. Auch die Verarbeitung emotionaler Sprache in Mimik, Gestik und im verbalen Ausdruck werden untersucht.

In Zukunft sollen vergleichende Analysen restaphasischer Störungen in verschiedenen Sprachen das Spektrum ergänzen. Auch Restaphasien anderer Ätiologie, z.B. nach Schädel-Hirn-Trauma, Tumorerkrankungen oder infolge einer Multiplen Sklerose, sollen genauer betrachtet werden.

Derart umfangreiche empirische Studien erfordern selbstverständlich ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft sowohl der betroffenen Patienten und Angehörigen als auch der behandelnden Therapeuten. Ihnen möchte ich ganz besonders für ihre Teilnahme an den hier vorgestellten Studien danken. Außerdem gilt mein Dank meinen Kollegen, die in vielen Diskussionen einerseits mein Interesse an der Restaphasie geweckt haben, und andererseits durch ihre Fragen und Kommentare die Verbindung zwischen theoretischer Aufarbeitung und praktischer Anwendung gefördert haben. Weiterhin bedanke ich mich ganz herzlich für die Gespräche und Diskussionen mit meinen Studierenden sowie den Teilnehmern meiner Restaphasie-Fortbildungen. Auch sie haben zur Entwicklung dieses Buches beigetragen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Buches sind alle Literaturangaben und Internet-Links korrekt. Die Inhalte und Verknüpfungen im Internet verändern sich jedoch schnell, sodass ich keine Verantwortung für die Angaben übernehmen kann. Bitte informieren Sie sich selbst regelmäßig über Veränderungen, wie z.B. neue Versionen und veränderte Internet-Adressen.

In diesem Buch wird durchgehend die männliche Form für Personenbezeichnungen verwendet. Damit sind generell alle Personen gemeint, die der entsprechenden Gruppe angehören.

Das in Kapitel 4 beschriebene Screening-Tool zur Restaphasie basiert auf einer Regressionsanalyse. Das heißt, dass Wahrscheinlichkeiten für oder gegen das Vorliegen einer Restaphasie rechnerisch ermittelt werden. Dabei kann es bei den Werten naturgemäß „Ausreißer“ geben, die zwar klinisch dem Bild einer Restaphasie entsprechen, aber möglicherweise nicht erfasst werden können. Ich würde mich über eine Rückmeldung zu entsprechenden Fällen freuen, um die Wahrscheinlichkeitsberechnung stetig zu verbessern.

Insgesamt steht die Forschung im Bereich Restaphasie noch am Anfang. Ich freue mich über Kommentare, Ergänzungen und Korrekturen zu meinen Vorschlägen in diesem Buch und wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg bei Ihrer Arbeit mit Patienten mit Restaphasie.

Oerlinghausen, im Oktober 2014

Petra Jaecks

Inhaltsverzeichnis

Vorwort der Herausgeberinnen

Vorwort

1 Einleitung

2 Stand der Forschung

2.1 Definition

2.2 Ätiologie

2.3 Inzidenz und Verlauf

2.4 Empirische Studien zur Restaphasie

2.4.1 Schlenck et al. 1987

2.4.2 Runge 1996

2.4.3 Grande und Huber 1999

2.4.4 Honda et al. 1999

2.4.5 Yasuda et al. 2000

2.4.6 Klocke und Lingnau 2002

2.4.7 Pashek und Tompkins 2002

2.4.8 Barthel 2002

2.4.9 Beausoleil et al. 2003

2.4.10 Schütz und de Langen 2010

2.4.11 Benassi et al. 2012

2.4.12 Neto und Emília Santos 2012

2.4.13 Zusammenfassung

3 Gruppenstudie: linguistische Symptome restaphasischer Sprache

3.1 Teilnehmer und Methode

3.2 Ergebnisse

3.2.1 Aachener Aphasie Test

3.2.2 Aphasie-Check-Liste – Wortgenerierung

3.2.3 Mikrolinguistische Analyse

3.2.4 Gesprächsorientierte Analyse

3.3 Fallbeispiele

3.3.1 Herr N. P.

3.3.2 Herr C. T.

3.3.3 Frau B. C.

4 Diagnostik von Restaphasie

4.1 Diagnostische Verfahren

4.1.1 Textebene

4.1.2 Satzebene

4.1.3 Wortebene

4.1.4 Kommunikationsorientierte Verfahren

4.2 Fallbeispiele

4.2.1 Herr N. P.

4.2.2 Herr C. T.

4.3 Restaphasie-Screening

4.3.1 Konzeption

4.3.2 Durchführung und Analyse

4.3.3 Interpretation der Ergebnisse

4.4 Fallbeispiele

4.4.1 Herr N. P.

4.4.2 Herr C. T.

4.4.3 Frau B. C.

5 Erklärungsansätze für restaphasische Störungen

5.1 Linguistische Aspekte

5.2 Kognitive Aspekte

5.3 Fallbeispiele

5.3.1 Herr N. P.

5.3.2 Herr C. T.

5.3.3 Frau B. C.

6 Therapie

6.1 Therapieziele und Evaluation

6.2 Therapiebausteine – Materialvorschläge

6.2.1 Phonologie

6.2.2 Morphologie und Syntax

6.2.3 Lexikon und Semantik

6.2.4 Pragmatik und Textebene

6.2.5 Gruppentherapie

6.3 Fallbeispiel Herr N. P.

7 Berufliche Rehabilitation

7.1 Einflussfaktoren

7.2 Empirische Studien zur beruflichen Wiedereingliederung bei Aphasie

7.2.1 Claros-Salinas 2005

7.2.2 Hielscher-Fastabend und Richter 2005

7.2.3 Modellprojekt IBRA

7.2.4 Guthke 2009

7.2.5 Gialanella et al. 2011

7.3 Fallbeispiele

7.3.1 Herr N. P.

7.3.2 Herr C. T.

7.3.3 Frau B. C.

8 Screening-Tool Restaphasie

9 Literatur

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum

1 Einleitung

Das vorliegende Buch befasst sich mit minimalen aphasischen Defiziten allgemein und speziell mit der spontanen Sprachproduktion von Patienten mit Restaphasien. Das Hauptziel ist es, mit einer einfachen, aber differenzierten Überprüfung der Spontansprache Patienten mit Restaphasie sowohl von gesunden Sprechern als auch von Patienten mit anderen sprachsystematischen Defiziten trennen zu können. Da bislang kaum Arbeiten zu restaphasischen Störungen vorliegen, Therapeuten aber tagtäglich mit Patienten mit Restaphasie arbeiten, ist die detaillierte Untersuchung und Beschreibung aphasischer Restsymptome sowohl für die Diagnose als auch für die Behandlung grundlegend.

Die meisten Therapeuten kennen das Problem: Bei einem Patienten, bei dem zunächst eine Aphasie diagnostiziert wurde, haben sich die sprachlichen Defizite inzwischen sehr gut zurückgebildet. Im Aachener Aphasie Test (AAT)▶ [106] zeigt sich das Ergebnis „keine Aphasie/Restsymptome“. Diese Restsymptome scheinen sich als diskrete Defizite, vor allem in den spontanen Äußerungen der Betroffenen, zu zeigen. Allerdings lassen sich die Fehler nicht immer eindeutig als pathologisch werten. Die Herausforderung für den Therapeuten besteht darin, zu entscheiden, ob es sich bei den noch vorliegenden sehr leichten Störungen um Symptome einer sogenannten Restaphasie handelt, die einer weiteren Behandlung bedürfen, oder ob es sich vielmehr um sprachliche Unzulänglichkeiten handelt, wie sie auch Sprecher ohne Aphasie gelegentlich produzieren.

Eine mögliche Rückkehr in den Beruf und die Entscheidung darüber stellt eine weitere Schwierigkeit für Patienten mit Restaphasie und ihre Therapeuten dar. Oft ist nicht eindeutig festzustellen, ob die vorhandenen restaphasischen Defizite zu tiefgreifend sind, um einen problemlosen beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen, oder ob das berufliche Leben des Patienten durch die sprachlichen Einschränkungen nicht beeinträchtigt wird. Eine Aphasie ist für alle Betroffenen ein einschneidendes Erlebnis. Es verändert sich besonders für jüngere Menschen der gesamte Alltag sowie die weitere Lebensplanung (vgl. ▶ [78]). Häufig ist daher gerade bei unter 65-Jährigen ein beruflicher Wiedereinstieg das erste Ziel.

Es ist oftmals nicht einfach zu entscheiden, ob ein Patient noch eine Restaphasie, also minimale sprachliche Beeinträchtigungen, hat oder „normale“ Leistungen zeigt. Viele Standardtests, wie z.B. der AAT ▶ [106], differenzieren diesen Störungsbereich nicht genauer. Das macht es für Therapeuten und Patienten umso schwerer, vorhandene Defizite richtig einzuschätzen und auch gegenüber Krankenkassen, Ärzten und Arbeitgebern nachzuweisen. Diagnosen und darauf aufbauende Therapie-Indikationen werden häufig von den Krankenkassen nicht anerkannt, wenn sie nicht auf dem Standardverfahren AAT ▶ [106] beruhen. Wie oben beschrieben, ist eine Erfassung der Defizite durch den AAT im Falle von Restaphasie jedoch kaum möglich, obwohl die subtilen sprachlichen Defizite den Alltag des jeweiligen Patienten möglicherweise massiv beeinträchtigen (vgl. ▶ [84]).

Um eine Diagnosemöglichkeit zu entwickeln, wurden im Rahmen einer empirischen Untersuchung mit Studienteilnehmern mit und ohne Aphasie Variablen der Spontansprache ermittelt, die in Kombination eine Differenzierung von Restaphasie gegenüber gesunder Sprache erlauben ▶ [116]. Anhand einer Regressionsgleichung kann für jeden Patienten bestimmt werden, wie wahrscheinlich eine (Rest)Aphasie ist. Zu diesem Zweck werden 5 verschiedene Variablen in der Spontansprache des Patienten gezählt. Diese Werte werden anschließend online in das Screening-Tool eingegeben. Der Untersucher erhält, basierend auf der Regressionsberechnung, eine Rückmeldung, ob (und mit welcher Wahrscheinlichkeit) der Patient noch (rest)aphasisch ist bzw. ob seine Leistungen im Normbereich liegen. Weiterhin wird gezeigt, in welchen Bereichen sich im Vergleich zum Gruppenmittelwert Unterschiede zeigen.

Die Einschätzung der sprachlichen Schwierigkeiten der Patienten mit Restaphasie basiert hier also besonders auf der Spontansprache. Die gesprochene Sprache nimmt aufgrund ihres onto- sowie phylogenetisch höheren Alters gegenüber der geschriebenen Sprache eine besondere Rolle ein (vgl. ▶ [46]). Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe weiterer Gründe, die für eine Betrachtung der spontanen Sprache bei sprachsystematischen Defiziten sprechen: Zum einen ist die hohe Alltagsrelevanz von Spontansprache zu berücksichtigen ▶ [78]. Knapp et al. ▶ [126] schreiben beispielsweise, dass „mündliche Kommunikation das Fundament des sozialen Austauschs [ist]“ (S. 295). Die spontane Sprache ist die am häufigsten genutzte und am weitesten verbreitete Kommunikationsform ▶ [46]. Es ist also folgerichtig, diesen Aspekt in die Diagnose von sprachsystematischen Störungen jeglicher Ausprägung aufzunehmen ▶ [49], ▶ [65], ▶ [151], ▶ [155], ▶ [226]. Beispielsweise lassen sich auch bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen viele wichtige Aspekte ihrer Defizite anhand einer differenzierten Analyse der Spontansprache feststellen (vgl. ▶ [202]). Zum anderen enthält eine fundierte Analyse der Spontansprache zumeist alle linguistischen Ebenen ▶ [32], ▶ [34]. Weiterhin fallen speziell im Gespräch auch Defizite im Sprachverstehen sowie kognitive Einschränkungen auf, beispielsweise hinsichtlich der Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen ▶ [34], ▶ [119], ▶ [159], ▶ [160], ▶ [162]. Darüber hinaus ermöglicht eine differenzierte Analyse der Spontansprache eine Beurteilung schwerster und minimaler aphasischer Beeinträchtigungen. Während Menschen mit schwerer Aphasie im Gespräch uneingeschränkt zeigen können, welche sprachlichen bzw. kommunikativen Fähigkeiten noch vorhanden sind ▶ [151], ermöglichen die hohen Anforderungen einer flüssigen Unterhaltung auch die Einschätzung der Leistungen von Menschen mit nur leichter Aphasie (▶ [200], S. 33). Nicht zuletzt ist eine differenzierte Analyse der Spontansprache eine wertvolle Basis für die Planung von Therapiezielen und -einheiten (vgl. ▶ [44]).

In diesem Buch werden die typischen (spontansprachlichen) Symptome der Restaphasie detailliert analysiert und beschrieben (Kap. ▶ 2 und Kap. ▶ 3), mögliche diagnostische Verfahren diskutiert sowie ein Screening für restaphasische Störungen vorgestellt (Kap. ▶ 4). Weiterhin werden als Grundlage für die Therapieplanung Erklärungsansätze für restaphasische Störungen und eine Abgrenzung gegenüber kognitiven Defiziten besprochen (Kap. ▶ 5). Behandlungsziele sowie therapeutische Bausteine schließen sich an (Kap. ▶ 6). Kap. ▶ 7 präsentiert einen kurzen Blick auf die berufliche Rehabilitation von Menschen mit Restaphasie.

An einigen Stellen in diesem Buch werden empirische Untersuchungen zu Restaphasie zitiert. Die Auswahl der jeweils untersuchten Patienten basiert dabei teilweise auf unterschiedlichen Definitionen von Restaphasie (vgl. Kap. ▶ 2.4). Es wird bei der Beschreibung die Kategorisierung der jeweiligen Autoren übernommen, wenngleich die Klassifizierung nicht immer mit der hier vorgeschlagenen Definition von Restaphasie übereinstimmt (Kap. ▶ 2.1).

Die dargestellten Symptome, diagnostischen Möglichkeiten und therapeutischen Ansätze werden anhand mehrerer Fallbeispiele immer wieder verdeutlicht. Es handelt sich dabei zunächst um Herrn N. P., der zum Zeitpunkt seines Schlaganfalles 37 Jahre alt ist. Er ist ledig, deutscher Muttersprachler und Rechtshänder. Er arbeitete als kaufmännischer Angestellter in einem Möbelhaus und war für die Buchhaltung zuständig; außerdem betreute und führte er die Auszubildenden.

Als zweites Fallbeispiel wird der Fall von Herrn C. T. beschrieben. Der 61-jährige Patient zeigte infolge einer Aneurysmablutung eine deutliche Aphasie, Hemiparese und sprechmotorische Störungen. Er lebte mit seiner Frau zusammen, die ihn stark in seinem Genesungsweg unterstützte. Bis zum Zeitpunkt seines Schlaganfalles hatte er in Vollzeit als Grundschullehrer gearbeitet.

Schließlich wird noch Frau B. C. vorgestellt, die ebenfalls eine Restaphasie aufwies. Im Alter von 62 Jahren hatte die Patientin einen ischämischen Hirninfarkt erlitten. Sie lebte mit ihrem Mann auf einem Bauernhof und war selbstständig.

2 Stand der Forschung

Bei der Restaphasie, wie ganz allgemein bei einer Aphasie, handelt es sich um eine erworbene zentrale Sprachstörung. Die Restaphasie ist abzugrenzen von anderen zentralen Erkrankungen, wie z.B. Sprechstörungen oder sonstigen neuropsychologischen Defiziten. Obwohl die Ausprägung der sprachlichen Störung von Mensch zu Mensch variiert, wird das Kommunikationsverhalten durch die Beeinträchtigungen auf zumeist allen sprachsystematischen Ebenen (Phonologie, Lexikon, Syntax, Semantik) deutlich eingeschränkt. Auch die nur leichten Defizite von Patienten mit Restaphasie betreffen dabei sowohl rezeptive als auch produktive Anteile der Sprache.

2.1 Definition

Wenn im Verlauf der Rehabilitation einer Aphasie noch leichte bis minimale aphasische Störungen bestehen bleiben, werden diese häufig mit dem Begriff Restaphasie beschrieben ▶ [198]. Die Restaphasie ist also eine Aphasie in sehr schwacher Ausprägung. Es handelt sich dabei nicht um ein Standard- oder Nebensyndrom, wie sie z.B. der AAT ▶ [106] aufführt. Die sprachlichen Defizite sind nur minimal, sodass Aphasie-Testverfahren kaum zwischen normaler und restaphasischer Sprache unterscheiden können ▶ [194]. Eine allgemeingültige Definition existiert bislang nicht. Bei Schneider et al. ▶ [200] findet sich beispielsweise die Aussage, dass „von einer Restaphasie gesprochen [wird], wenn sprachliche Fehler oder Unsicherheiten so gering ausgeprägt sind, dass sie einem Laien nicht auffallen“ (S. 33). Weiterhin führen die Autoren einzelne Symptome an, die nach ihrer Meinung im Rahmen einer Restaphasie bestehen bleiben, z.B. Wortfindungsstörungen, Paragrafien und ein eingeschränktes Lesesinnverständnis. Außerdem werden die hohen Anforderungen hervorgehoben, die ein Gespräch an die sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten eines Patienten mit Restaphasie stellt ▶ [200].

Auch international fehlt eine genaue Definition der Restaphasie. Wie im deutschen gilt auch im englischen Sprachraum eine Aphasie als residual aphasia, also als Restaphasie, wenn sich die Symptome im Rahmen der Rehabilitation gut zurückgebildet haben. Gelegentlich werden minimale aphasische Defizite auch als mild aphasia bezeichnet ▶ [177], ▶ [194]. Allerdings ist dieser Ausdruck weniger präzise, da er auch gelegentlich für die amnestische Aphasie verwendet wird (vgl. ▶ [88], ▶ [151], ▶ [177], ▶ [227]).

Im vorliegenden Buch wird eine Definition von Restaphasie verwendet, die im Rahmen der empirischen Studien zu restaphasischen Störungen in den letzten 10 Jahren an der Universität Bielefeld entstanden ist ▶ [117], ▶ [114], ▶ [125]. Die sprachlichen Defizite einer Person sind als restaphasisch zu bezeichnen, wenn sich (a) bei Erkrankungsbeginn deutliche Anzeichen einer Aphasie zeigten. Das heißt, dass nach dem Ereignis sprachsystematische Defizite klinisch oder mit einem geeigneten Verfahren (z.B. dem Bielefelder Aphasie Screening ▶ [191]) belegt sind. Weiterhin sollte die Bezeichnung Restaphasie auf Störungen beschränkt werden, die auf einer Schädigung der dominanten Hirnhälfte basieren, da bei einem Vergleich der Leistungen einer Gruppe von Patienten mit Rechtshirnläsion zum Teil keine Unterschiede gegenüber einer Gruppe von Patienten mit Restaphasie nachweisbar waren ▶ [114]. Weiterhin zeigt sich (b) bei der Überprüfung mit dem AAT ▶ [106] das Ergebnis „keine Aphasie/Restsymptome“. Es lässt sich also anhand des AAT keine aphasische Störung belegen. Um nun genau zwischen (wieder) gesunden Sprechern und Sprechern mit Restaphasie zu unterscheiden, gilt, dass (c) aufgrund des Spontansprache-Screenings (Kap. ▶ 4.3) eine Restaphasie als wahrscheinlich anzusehen ist. Weitere Hinweise können Defizite in den AAT-Untertests (Prozentränge unter 95) oder auch subjektiv wahrgenommene sprachliche Beeinträchtigungen sein (Kap. ▶ 3.2).

Definition

Restaphasie

Die sprachlichen Defizite einer Person sind als „restaphasisch“ zu bezeichnen, wenn ...

sich bei Erkrankungsbeginn deutliche Anzeichen einer Aphasie zeigtenund

das AAT-Ergebnis „keine Aphasie/Restsymptome“ lautet, das heißt, dass der Patient nach dem AAT-Auswertungsprogramm AATP ▶ [7] in die Kategorie „keine Aphasie/Restsymptome“ eingeordnet wirdund

das Restaphasie-Screening zur Spontansprache eine Restaphasie als wahrscheinlich ausgibt.

2.2 Ätiologie

Eine Aphasie entsteht durch unterschiedliche Schädigungen des zentralen Nervensystems. Etwa 80 % aller Aphasien werden dabei durch zerebrovaskuläre Läsionen, zumeist einen Schlaganfall, verursacht, 10 % durch Schädel-Hirn-Traumata, ca. 5 % durch Hirntumoren sowie weitere 5 % durch entzündliche Prozesse oder degenerative Erkrankungen ▶ [123], ▶ [229]. Schlaganfälle lassen sich ätiologisch weiter danach differenzieren, ob die Schädigung durch eine Mangeldurchblutung des Gehirns (Ischämie) (ca. 80 %) oder durch eine Hirnblutung (Hämorrhagie) entstanden ist ▶ [59], ▶ [109], ▶ [129]. In der postakuten und chronischen Phase ähneln sich die Symptome dieser beiden Patientengruppen, obwohl sich die medizinische Diagnose und Behandlung deutlich unterscheiden ▶ [190]. Die Ausführungen in diesem Buch beziehen sich auf Patienten mit zerebrovaskulären Läsionen im Allgemeinen. Da „durch traumatische, tumoröse oder entzündliche Erkrankungen üblicherweise Regionen unabhängig von der Gefäßversorgung betroffen [sind], so dass die entstehenden Sprachstörungen häufig nicht den klassischen Bildern entsprechen“ (S. 29) ▶ [123], bleibt allerdings zu bedenken, dass sich die Ergebnisse und Verfahren möglicherweise nicht auf Restaphasien nichtzerebrovaskulärer Ätiologie übertragen lassen.

Da sich bislang keine Korrelationen zwischen Läsionsort, Schweregrad der Aphasie bzw. Ätiologie und der Rehabilitationsentwicklung sicher nachweisen lassen (z.B. ▶ [136], vgl. auch Kap. ▶ 7), ist nicht davon auszugehen, dass man von einer spezifischen Ätiologie der Restaphasie sprechen müsste. Vielmehr handelt es sich um eine Aphasie in sehr schwacher Ausprägung, die im Rehabilitationsverlauf übrig geblieben ist.

2.3 Inzidenz und Verlauf

Es ist also interessant, wie viele Aphasien überhaupt jährlich entstehen und wie viele sich im Verlauf zu restaphasischen Störungen entwickeln. In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass etwa 30 % aller Patienten mit zerebrovaskulären Erkrankungen zu Beginn eine aphasische Störung aufweisen ▶ [15], ▶ [128], ▶ [178]. Damit ergibt sich bei jährlich etwa 170 Schlaganfällen pro 100.000 Einwohnern eine Inzidenz von etwa 40 Aphasien pro 100.000 Einwohnern ▶ [62], ▶ [229].

Die Klassifikation der Aphasien orientiert sich zumeist an diagnostischen Testbatterien wie dem AAT ▶ [106]. Die sprachlichen Störungen werden nach den jeweiligen Symptomen der betroffenen linguistischen Komponenten einem von 4 Standardsyndromen (globale Aphasie, Wernicke-Aphasie, Broca-Aphasie, amnestische Aphasie) bzw. einem Nebensyndrom (z.B. der Leitungsaphasie) zugeordnet. Eine Klassifikation als Restaphasie gibt es nicht. Im Verlauf der Erkrankung können sich die Symptome aufgrund von Spontanremission und therapeutischen Maßnahmen jedoch verändern. Dabei kann es zu einem sogenannten Syndromwandel kommen. So lassen sich nach 16 Monaten etwa 15 % aller Aphasien als „amnestisch“ beschreiben ▶ [200]. Diese Form der Aphasie ist laut AAT ▶ [106] das Standardsyndrom mit dem geringsten Schweregrad. Auch Pedersen et al. ▶ [178] schreiben, dass ein großer Teil der Patienten mit Aphasie deutliche Verbesserungen der sprachlichen Leistungen zeigt. Bei zunächst nur leicht betroffenen Personen erholen sich mehr als die Hälfte (54 %) innerhalb von 6 Monaten; etwa 20 % zeigen dann noch leichte Defizite. Laut Huber et al. ▶ [108] sind über 60 % aller ursprünglich amnestischen Aphasien im chronischen Stadium restaphasisch oder nichtaphasisch (vgl. auch ▶ [8], ▶ [179]). Eine neuere Studie beschreibt eine Rückbildungsquote von im Mittel über 70 % innerhalb von 6 Monaten für alle Aphasieformen und eine noch deutlich höhere Quote von 90 % für Patienten mit initial leichter Aphasie ▶ [147]. Die Autoren schreiben, dass zu diesem Zeitpunkt keine Restaphasie mehr nachweisbar sei. Allerdings basiert diese Diagnose auf der Einschätzung der sprachlichen Fähigkeiten auf einer 4-stufigen Skala von „keine Störung“ über „leichte bis mittelschwere Störung“ und „schwere Störung“ bis „Mutismus“. Eine Erfassung minimaler subtiler Defizite ist anhand einer solchen Skala kaum zu erreichen.

An dieser Stelle zeigt sich wieder die Schwierigkeit, die auch mit der Diagnose anhand des AAT ▶ [106] einhergeht: Eine Differenzierung zwischen nichtaphasisch und restaphasisch ist nicht möglich. Auch wurde bislang in keiner Studie untersucht, aus welchen Syndromen sich die meisten Restaphasien entwickeln bzw. ob eine solche Verlaufsbeschreibung überhaupt möglich ist.

2.4 Empirische Studien zur Restaphasie

Obwohl das klinische Bild der Restaphasie zum therapeutischen Alltag gehört, gibt es sowohl im deutschen Sprachraum als auch in der internationalen Forschung erstaunlich wenige empirische Untersuchungen zu diesem Thema. Im Folgenden wird anhand der kleinen Zahl empirischer Studien ein erster Einblick in den aktuellen Forschungsstand gegeben. In Anbetracht der unterschiedlichen Definitionen wird deutlich, wie schwierig es ist, die Symptome der Restaphasie umfassend zu beschreiben.

2.4.1 Schlenck et al. 1987

Im Rahmen einer größeren Gruppenstudie haben Schlenck et al. im Jahr 1987 ▶ [198] auch einige Patienten mit Restaphasie hinsichtlich ihrer Leistungen beim Beschreiben von Situationsbildern untersucht. Bei dieser Aufgabe waren quantitativ keine Unterschiede zwischen den gesunden Kontrollpersonen und den Patienten mit Restaphasie nachweisbar. Interessant ist an dieser Studie die Unterscheidung von „prepairs“ (Wortfindungsstörungen) und „repairs“ (Reparaturen). Qualitativ zeigt sich hier, dass die aphasischen Gruppen alle mehr „prepairs“, das heißt Anzeichen von Wortfindungsstörungen, produzieren als die gesunden Sprecher. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Patienten mit Restaphasie nicht von denen mit amnestischer Aphasie. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse für die Patienten mit Restaphasie (P-RA) liefert ▶ Tab. 2.1.

Tab. 2.1

 Studien zu Restaphasie: Schlenck et al. 1987

▶ [198]

Studienparameter

Beschreibung

Stichprobe

10 Patienten mit Restaphasie, 10 mit amnestischer Aphasie, 10 mit Broca-Aphasie, 10 mit Wernicke-Aphasie, 10 mit Rechtshirnläsion, 10 gesunde Sprecher

Definition

Patienten, die ursprünglich eine Aphasie hatten, aber fast vollständig genesen sind („had initially suffered from aphasia but had almost completely recovered by the time of testing”, S. 229)

Läsion der linken Hemisphäre (Patienten mit Aphasie)

keine zusätzliche Eingrenzung durch sprachliche oder kognitive Parameter

Methode

Beschreiben von Situationsbildern, Untertest: Benennen des AAT ▶ [106]

Ergebnisse für die Gruppe der P-RA

bessere Leistungen als die aphasischen Vergleichsgruppen

keine Unterschiede gegenüber gesunden Sprechern bzw. Patienten mit Rechtshirnläsion

produzieren mehr „prepairs“ als gesunde Sprecher

2.4.2 Runge 1996

Für das Deutsche hat Runge ▶ [195] in einer kleinen Gruppenstudie 10 Patienten mit Restaphasie und 10 Personen einer Kontrollgruppe untersucht, die Bildergeschichten beschrieben und Texte nacherzählt haben (▶ Tab. 2.2). Es folgte eine Beurteilung textstruktureller Merkmale wie die Anzahl obligatorischer bzw. fakultativer Propositionen, das heißt inhaltlicher Textbausteine. Es zeigte sich, dass Menschen mit Restaphasie insgesamt weniger Inhalte produzieren und auch nicht immer alle für die Geschichte relevanten Inhalte in ihren Erzählungen erwähnen. Außerdem machen die Patienten mehr Pausen. Auch die inhaltlichen Zusammenhänge (Kohärenz) und die oberflächliche Verknüpfung der Äußerungen (Kohäsion) ist nach den Analysen von Runge bei den Personen mit Restaphasie eingeschränkt.

Tab. 2.2

 Studien zu Restaphasie: Runge 1996

▶ [195]

Studienparameter

Beschreibung

Stichprobe

10 Patienten mit Restaphasie, 10 gesunde Sprecher

Definition Restaphasie

AAT-Spontansprachebenen: „der Wert 4 darf nicht unterschritten werden“

allgemeiner aphasischer Schweregrad: „minimal“ bis „keine Störung“

syndromspezifischer Schweregrad: „amnestisch, leicht bis mittel“

laut AAT ▶ [106]: „keine Aphasie aber Restsymptomatik“ (▶ [195], S. 84)

Methode

Beschreiben von Bildergeschichten mit und ohne Vorlage

Nacherzählen von Texten mit und ohne Vorlage

Ergebnisse für die Gruppe der P-RA

Unterschiede in der Textstrukturierung (Produktion von Propositionen)

eingeschränkte Kohärenz

reduzierte Kohäsion

Zusatzinfo

Kohäsion und Kohärenz

Kohäsion und Kohärenz sind Merkmale eines Textes und gehören zu den klassischen Textualitätskriterien. Unter Kohäsion wird die Verbindung von Textteilen an der Oberfläche verstanden, das heißt eine Verknüpfung einzelner Sätze und Satzteile, z.B. durch Pronomen, grammatische Formen oder Wiederholung von Wörtern. Es wird unterschieden nach grammatikalischer Kohäsion, z.B. durch Konjunktionen, und lexikalischer Kohäsion, z.B. durch Rekurrenz. Als Ergänzung zur Kohäsion sind Texte auch vom Sinn her, das heißt also inhaltlich, verbunden. Wenn es dabei um den großen Zusammenhang mit dem Thema geht, spricht man von globaler Kohärenz.

Die inhaltliche Verbindung einzelner Sätze oder Propositionen untereinander wird als lokale Kohärenz bezeichnet. Für eine genaue Beschreibung siehe de Beaugrande und Dressler ▶ [51].

Zusatzinfo

Proposition

Eine Proposition ist eine Bezeichnung für den Inhalt eines Satzes. Es geht dabei nicht um die Form einer Äußerung, wie z.B. die Umsetzung eines Zusammenhangs an der Oberfläche als Passivsatz. Die Proposition stellt den Sachverhalt eines geäußerten Satzes dar, das heißt, die Beziehung der einzelnen Satzteile untereinander, die dann z.B. als Aktiv- oder Passivsatz ausgedrückt werden.

2.4.3 Grande und Huber 1999

1999 haben Grande und Huber ▶ [85] die Spontansprache von Patienten mit Restaphasie untersucht (▶ Tab. 2.3). Auch sie konnten Unterschiede zwischen einer kleinen Gruppe von Patienten und gesunden Sprechern feststellen. So zeigte sich, dass der Anteil an Inhaltswörtern in den Gesprächsbeiträgen der Patienten geringer, der Anteil an Interjektionen dafür größer war als in der Kontrollgruppe. Weiterhin ließen sich Unterschiede in der syntaktischen Struktur, genauer gesagt in der grammatikalischen Vollständigkeit der Sätze, finden. Vergleichbar sind die Sprachproben allerdings hinsichtlich lexikalischer Variabilität und mittlerer Phrasenlänge.

Tab. 2.3

 Studien zu Restaphasie: Grande und Huber 1999

▶ [85]

Studienparameter

Beschreibung

Stichprobe

5 Patienten mit Restaphasie, 5 gesunde Sprecher

Definition Restaphasie

„keine flüchtige Aphasie […], einmaliges linkshirniges Ereignis (vaskuläre Ischämie), Rechtshänder, Aphasie im Verlauf durch wiederholte AAT-Untersuchung dokumentiert.“ (▶ [85], S. 73)

Methode

Gespräch (Untersuchung der Spontansprache)

Ergebnisse für die Gruppe der P-RA

weniger Inhaltswörter

mehr Interjektionen

eingeschränkte syntaktische Vollständigkeit

2.4.4 Honda et al. 1999

In einer empirischen Studie in Japan haben Honda et al. ▶ [104] Patienten mit leichter bis minimaler Aphasie aufgefordert, die Videoaufzeichnung einer Handlungsabfolge, eine Bastelanleitung, nachzuerzählen (▶ Tab. 2.4