Retrieverschule für Welpen - Norma Zvolsky - E-Book
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Retrieverschule für Welpen E-Book

Norma Zvolsky

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Beschreibung

Labrador und Golden Retriever gehören zu den beliebtesten Rassen weltweit und begeistern als Familienhund genauso wie als Jagdbegleiter. Dieser bewährte Begleiter durch die Welpen- und Junghundzeit bietet Retrieverhaltern fundierten Rat: von der Auswahl des passenden Hundes über die Eingewöhnung bis zur Retriever-spezifischen Ausbildung, dem Apportieren. Norma Zvolsky beschreibt die unterschiedlichen Entwicklungsphasen und was der Welpe wann lernen sollte. So wird der Halter sicher durch das erste Jahr geführt, um seinen Hund optimal zu fördern und ihn auf ein Leben als souveräner erwachsener Hund vorzubereiten.

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EPUB

Seitenzahl: 318

Veröffentlichungsjahr: 2018

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ZU DIESEM BUCH

DIE ZEIT BLEIBT NICHT STEHEN, ALLES ENTWICKELT SICH WEITER

Die „Work Life Balance“, ein neues deutsches Modewort, wird in den letzten Jahren im Bewusstsein unserer Bevölkerung immer wichtiger. Der Mensch sucht sich gezielt neben seiner beruflichen Laufbahn auch eine ausfüllende und interessante Freizeitbeschäftigung. So wundert es nicht, dass immer mehr hundebegeisterte Menschen Interesse an der Retrieverarbeit gefunden haben und sich und ihren Retriever in ihrer Freizeit sinnvoll beschäftigen möchten.

DIE ERWARTUNGSHALTUNG DER WELPENKÄUFER VERÄNDERT DIE ZUCHT

Die Beliebtheit und Popularität der Retrieverarbeit führte zu einem Umdenken in der Zucht. Um den gestiegenen Ansprüchen der künftigen Welpenkäufer nachzukommen – Welpenkäufer haben heute meist eine genaue Vorstellungen, was sie mit ihrem künftigen Hund alles erreichen wollen –, wird aktuell immer öfter auf Arbeitsleistung selektiert und im Hinblick auf eine spätere jagdliche bzw. sportliche Verwendung gezüchtet.

Demzufolge gibt es neben den Würfen aus Showlinien, immer mehr Würfe aus Arbeitslinien, mit sehr temperamentvollen und hochveranlagten Welpen. Diese Welpen benötigen unbedingt eine geistige Beschäftigung, um ein erfülltes und zufriedenes Leben führen zu können.

DIE ERSTEN MONATE SIND DIE WICHTIGSTEN IM LEBEN EINES HUNDES!

Ein aktiver und sehr temperamentvoller Hund verlangt einen etwas anderen Umgang und eine andere Erziehung. Demzufolge haben sich heutzutage auch die Schwierigkeiten und Probleme, die ein frischgebackener Welpenbesitzer mit seinem neuen Familienmitglied hat, verändert. So werden Retrieverhalter heute vermehrt konfrontiert mit hochmotivierten, hyperaktiven und unruhigen Hunden. Diese Entwicklung hat mich veranlasst, die sehr erfolgreiche „Retrieverschule für Welpen“ zu überarbeiten. Ich möchte den heutigen Welpenkäufern mit diesem Buch Hilfestellungen geben, damit sie gerade diesen Problemen entgegenwirken können. Mit einer neuen Gliederung habe ich neue Schwerpunkte gesetzt. Meine Intention ist, dem Menschen geeignete Instrumente an die Hand zu geben und sein Bewusstsein zu schärfen, wie er seinen Welpen richtig fördert und wie er seine Anlagen in die richtigen Bahnen lenken kann.

IN DER RUHE LIEGT DIE KRAFT – GEDULD IST OBERSTES ZIEL

Hochveranlagte, sehr aktive Hunde müssen in den ersten Wochen und Monaten unbedingt lernen, herunterzufahren. Sie müssen lernen, dass ihr Leben nicht nur aus Aktivität besteht – zum Wohl ihrer Ausgeglichenheit und Gesundheit. Versäumt man dies in dieser wichtigen ersten Zeit, in der der Welpe für sein weiteres Leben geprägt wird, dann hat man die falschen Weichen gestellt und Verhalten gefördert, das man später nicht mehr in den Griff bekommt. Diese mahnenden Sätze möchte ich insbesondere denjenigen ans Herz legen, die schon mehrere Retriever hatten und nun mit ihrem neuen Hund durchstarten möchten. Auch wenn Ihr Welpe sich scheinbar anbietet und gar nicht genug bekommen kann, dann ist in den ersten Wochen und Monaten doch oberstes Ziel, diesen (und auch sich selbst –, das ist oft ein ebenso großes Problem) zu zügeln und darauf zu achten, dass Verhalten gefördert wird, das aktuell wichtig ist – eben ruhiges Verhalten, Ausgeglichenheit, Stressresistenz und Konzentrationsfähigkeit. Das sind alles Grundsteine und absolute Voraussetzung für eine spätere erfolgreiche Ausbildung und somit für den Erfolg Ihres Hundes bei der Retrieverarbeit. Geduld ist ein ausgezeichneter Partner, denn ein langsames und mit Bedacht angesteuertes Ziel ist wesentlich erfolgversprechender als mit Überschallgeschwindigkeit übers Ziel hinauszuschießen.

IHR HUND EIN LEBENS- UND FREIZEITPARTNER

Keinesfalls darf jedoch vergessen werden, auch auf das Erfüllen der Bedürfnisse des Hundes zu achten. Der Hund darf nicht nur zum Sportgerät reduziert und degradiert werden. Nur wenn beide Seiten ein zufriedenes erfülltes Leben führen, ist ein glückliches Miteinander gegeben. Ihr neues Familienmitglied soll Ihr Traumhund werden, mit dem Sie den Freizeitspaß erleben können, den Sie sich vorstellen. Neben der aktiven Laufbahn als Freizeitpartner, soll Ihr Welpe auch das liebenswerte und ausgeglichene Familienmitglied werden, das Ihren Alltag verschönert und bereichert.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und viel Erfolg mit Ihrem neuen Lebenspartner und Familienmitglied.

Norma Zvolsky

Norma Zvolsky mit Maggie (Duckflight Eye on Magpie) und Purdey (Duckflight Beesley)

VORWORT

AUS SICHT EINER ZÜCHTERIN

Als Züchterin und aktive Hundeführerin weiß ich, wie wichtig die ersten Wochen und Monate im Leben eines Hundes sind. In dieser Zeit wird der Grundstein für das spätere Leben des Welpen gesetzt.

In den ersten 8 Wochen übernimmt im Wesentlichen die Mutterhündin die Erziehung der Welpen. Die Prägung auf die Umwelt wird weitgehend vom Züchter übernommen.

Wenn Sie Ihren Welpen mit ca. 8 Wochen in sein neues Zuhause einführen, übernehmen Sie eine große Verantwortung, denn er vertraut darauf, dass Sie ihn nun beschützen und ihm helfen, das Leben zu meistern. Dazu brauchen Sie viel Geduld, Einfühlungsvermögen und eine große Portion Konsequenz in der Erziehung Ihres Schützlings.

Bei der Erziehung und Ausbildung Ihres Retrievers brauchen Sie aber nicht nur Geduld, sondern auch Zeit, Zeit sich mit Ihrem Hund zu beschäftigen, Zeit sich auf ihn einzulassen und vor allem Zeit, ihn reifen zu lassen und ihm den Rahmen zu geben, damit er seine Stärken und seinen Charakter voll entwickeln kann.

Nicht alle Retriever lernen gleich schnell. Daher ist es wichtig, die Ausbildung auch dem individuellen Hund anzupassen. Der eine lernt schneller, der andere braucht etwas mehr Zeit und Wiederholungen, bis er verstanden hat. Denken Sie immer daran, dass Ihr Retriever es Ihnen auf jeden Fall recht machen will.

Neben viel Zeit mit Ihnen braucht Ihr Welpe aber auch Ruhe. Ein sicherer Rückzugsort, z. B. durch eine Hundetransportbox oder einen ruhigen Schlafplatz, gibt ihm die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen und einen sicheren „Hafen“ zu haben. Bestehen Sie darauf, dass dieser angestammte Platz für ihn auch ein sicherer Ort der Ruhe ist, wo ihn kein anderes Familienmitglied stört. Ihr Welpe wird davon profitieren, wenn er von Beginn an lernt, sich zu entspannen.

Mit diesen Grundgedanken der Hundeerziehung und mit Hilfe von Norma Zvolskys „Retrieverschule für Welpen“ sind Sie auf dem richtigen Weg, aus einem ungestümen kleinen Wesen einen verlässlichen Begleit- und Apportierhund zu machen, der viele Jahre Ihr Leben bereichern wird.

Monika Schoenbach

Züchterin im DRC/FCI unter dem Zwingernamen „Bonniebrook’s“

Verbandsrichterin JGHV und Leistungsricherin im DRC (Deutscher Retriever Club)

© Claudia Holl

Monika Schoenbach

AUS SICHT EINER HUNDE-TRAINERIN

Mit der neuen „Retrieverschule für Welpen“ liegt eine klar aufgebaute, umfassend strukturierte und illustrierte Ausbildungsanleitung vor. Die Autorin hat das Gesamtbild der Retrieverarbeit mehrfach von A bis Z durchlaufen, erklärt also keine theoretischen Vorstellungen, sondern hat alles als Trainerin ihrer eigenen und unzählig anderer Hunde erprobt.

Ein derart detailliertes Buch scheint alle Eventualitäten abzudecken, so dass Welpenkäufer zu Beginn meist gar nicht auf die Idee kommen, kompetente Trainer bereits in die ersten Wochen einzubeziehen.

Und doch geht es gerade in der Zusammenarbeit von Mensch und Hund darum, die richtige Balance zu finden. Die Anleitungen, die mentale Reife des Hundes und dessen Anlagen sind in Einklang zu bringen mit dem eigenen Gefühl für proaktives Handeln und zielgerichtetem Lenken und Leiten. Der Mensch braucht diese Balance, um dem Hund gelassene Sicherheit und klare Führung zu geben, ihm also die gewünschten Abläufe so zu erklären, dass sie in der Praxis funktionieren.

Doch leider ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis nirgends so groß, wie in der Praxis.

Es empfiehlt sich daher, entsprechend den warnenden Hinweisen der Autorin, auf mögliche Ausbildungsfehler die regelmäßige Supervision durch einen kompetenten Trainer zu suchen, da ein Buch den geschulten Blick von außen nicht leisten kann.

Kritische Punkte müssen im Ansatz erkannt und von Angesicht zu Angesicht angesprochen werden, damit sie sich nicht manifestieren können. Zu spätes Erkennen von Problemen erfordert mühsame Gegenkonditionierungen, während rechtzeitiges Eingreifen den positiv linearen Ausbildungsweg kaum verzögert.

Der erfahrene Trainer überwacht die Umsetzung der einzelnen Lese- bzw. Ausbildungsschritte, bringt zu Hund und Mensch passende Übungsvarianten ein und sieht, ob das Erlernte genügend gefestigt ist, um Neues einzufügen. Man kann Trainerpersönlichkeiten nach ihren eigenen Erfahrungen und Leistungen auswählen oder die Autorin um entsprechende Empfehlungen bitten. So läuft man kaum Gefahr, an einen Zauberlehrling zu geraten, sondern darf – dem Buch entsprechend – dem Wissen und der Gabe eines kompetenten Trainers vertrauen.

Es ist ein lohnender Weg, der uns Menschen unendlich viel lehrt und schenkt … Offenheit, bedingungslose Ehrlichkeit der Gefühle, innige Freude, tiefe Verbundenheit … wenn wir es denn zulassen.

Helene Leimer, B.A.

Field Trial Richterin (A-Richterin), ÖJGV-Richterin, Working Test Richterin

© Sabine Lonitz

Helene Leimer

LABRADOR, GOLDEN UND CO.—DerWeg zumeigenen Retriever

UNTERSCHIEDLICHE ZUCHTRICHTUNGEN

Trotz aller genetischen Kenntnisse und dem Wissen um Vererbung ist Zucht auch heute noch unberechenbar und deshalb für jeden Züchter sehr spannend.

Neben einem enormen Wissen über Vererbung, kommt es im Wesentlichen auf ein gutes Gespür des Züchters an. Denn Spitzenhund x Spitzenhund muss nicht gleich bedeuten, dass alle Nachkommen durchweg Spitzenveranlagungen haben. In die Erbmasse der Tiere hineinschauen können wir nicht. Der Züchter kann versuchen, über den Phänotyp (die erkennbaren vorliegenden körperlichen Merkmale wie Größe, Farbe, Gewicht, Gesundheitsergebnisse usw.) auf den Genotyp (die exakte genetische Ausstattung des Hundes in der Gesamtheit) der Zuchthunde zu schließen. Der Genotyp bestimmt den Phänotyp, weshalb man über die Ausstellungserfolge bzw. die Arbeitsleistung und die Gesundheitsergebnisse der Elterntiere und deren Verwandtschaft Anhaltspunkte über den Zuchtwert (genetischer Hintergrund) der Zuchthunde erhalten kann. Mit diesem Wissen kann man versuchen, eine möglichst optimale Verpaarung zu planen. Doch auch bei allen Überlegungen bleibt Natur eben Natur.

ERWARTUNGEN AN DEN HUND

Bevor man sich für einen bestimmten Wurf entscheidet, sollte man für sich klären, was man von seinem künftigen Hund erwartet. Sicherlich kann man jeden Hund erziehen, doch bei der Ausbildung des Hundes können wir nur das fördern, was in seinen Anlagen vorhanden ist. Deshalb sollten Hunde, die jagdlich eingesetzt werden und jagdliche Prüfungen absolvieren sollen, auch anlagemäßig dafür geschaffen sein. Hunde, die anlagemäßig für die von ihnen erwartete Leistung viel mitbringen, können eindeutig einfacher und in kürzerer Zeit für die ihnen zugedachte Aufgaben ausgebildet werden. Jedoch muss man bei der Auswahl eines Hundes unbedingt bedenken, dass Hunde, die jagdliche Anlage besitzen, auch anlagemäßig beschäftigt werden wollen. Unterfordert man den Hund, so wird er Wege finden, sich selbst zu beschäftigen und das ist oft nicht im Sinne des Besitzers. Möchte man einen Hund ausschließlich als Familienhund halten, so sollte man dementsprechend vom anlagemäßig hochtalentierten Jagdhund Abstand nehmen. Meist kann man unter diesen Umständen ihren Ansprüchen an Beschäftigung nur schwer gerecht werden.

„Man kann einem Hund grundsätzlich nichts beibringen, das ihm nicht grundsätzlich von der Natur mitgegeben ist. Alle Kunst der Ausbildung beruht darauf, dass man angeborene Lernfähigkeiten ausnutzt und nach Wunsch fördert.“

(Eberhard Trumler)

RETRIEVERZUCHT IN ENGLAND

Im 19. Jahrhundert entstanden die meisten Retrieverrassen in England. Mit der zielgerichteten Zucht der Rassen begann man Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurden auch die Rassestandards aufgestellt. Ursprünglich wurden alle Retriever für die Jagd gezüchtet. Im Laufe der Jahre veränderte sich jedoch auch der Anspruch der Züchter. Es entstanden nach und nach zwei unterschiedliche Zuchtlinien, die sogenannte Show- und die Arbeitslinie.

ARBEITSLINIE

Bei der Arbeitslinie, bei uns wird diese auch Field-Trial-Linie genannt, wurden über viele Hundegenerationen hinweg ausschließlich Hunde für den jagdlichen Einsatz gezüchtet und dementsprechend nur auf die dafür nötigen Eigenschaften selektiert. Hauptsächliches Augenmerk wird auf die jagdliche Leistungsfähigkeit und erst in zweiter Linie auf das Äußere der Hunde gelegt. Selektionskriterien sind alles Eigenschaften, die ein guter Jagdhund benötigt:

Hunde dieser Linie wurden früher stets an Jäger und Gamekeeper (= Wildhüter) verkauft und hatten so die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auf „Field Trials“ (Prüfungen, die anlässlich eines Jagdtages abgehalten werden) und im praktischen Einsatz beim „picking up“ (= Einsammeln von Wild bei einer Jagd) unter Beweis zu stellen. Heute findet man sie oftmals auch im Dummysport.

Labrador Retriever-Rüde aus Arbeitslinie. Es gibt sie in den Farben Schwarz und Gelb.

Golden Retriever-Rüde aus Arbeitslinie, die meist von dunkelgoldener Farbe sind.

SHOWLINIE

Im Gegenzug zur Arbeitslinie entstand die Showlinie. Diese Züchter legten größeren Wert auf das Aussehen der Hunde und weniger auf besonders ausgeprägte jagdliche Anlagen. Über viele Hundegenerationen wurden die Zuchthunde vor allem unter dem Gesichtspunkt des Exterieurs (= Aussehen) selektiert. Schon nach wenigen Generationen hat sich das Aussehen der Hunde aus diesen beiden Zuchtrichtungen auseinander entwickelt.

Hunde aus der Arbeitslinie sind in der Regel hochbeiniger, sie haben einen schmaleren Kopf und wirken sportlicher. Die Vertreter langhaariger Retrieverrassen haben auch oftmals kürzeres Fell.

Die Hunde aus den Showlinien sind in der Regel nicht ganz so hochbeinig, sie sind vom Körperbau kräftiger und haben auch einen kräftigeren Kopf. Die Hunde der langhaarigen Retriever-Rassen haben ein langes Fell, das sie elegant erscheinen lässt, aber sich beim jagdlichen Einsatz oft als unpraktisch erweist.

Beide Linien sind über viele Jahrzehnte solide gezüchtet worden. Bei beiden wird großer Wert auf ein gutes und verträgliches Wesen gelegt, das unter anderem die große Beliebtheit dieser Hunderassen begründet. Die Züchter selektierten auf die für das entsprechende Zuchtziel nötigen Eigenschaften. Immer nur die besten Hunde wurden zur Zucht eingesetzt, um den erwünschten Typ zu festigen. Es wundert nicht, dass sich die beiden Linien stetig auseinanderentwickelten. In den Ahnentafeln erkennt man, um welche Zuchtrichtung es sich handelt. Je nach Zuchtziel findet man über zahlreiche Hundegenerationen hinweg Ahnen mit Champion-Titeln, entweder Schönheitschampions / SH-Ch. oder Arbeitschampions / FT-Ch.

Labrador Retriever-Rüde aus Showlinie. Es gibt sie in den Farben Schwarz, Gelb und Braun.

Golden Retriever-Rüde aus Showlinie. Es gibt sie von Creme bis Dunkelgolden.

ZUCHT AUF DEM FESTLAND

Zuchtvereine entstanden erst vor wenigen Jahrzehnten auf dem kontinentalen Festland (Gründungsjahr DRC 1963, ÖRC 1980, LCD 1984, RCS 1985, GRC 1989). Anfangs wurden Hunde aus Showlinien von England importiert. Diese Hunde bildeten den Grundstock der kontinentalen Zucht. Um die jagdliche Brauchbarkeit der Hunde zu überprüfen, wurden diese bald auf kontinentalen jagdlichen Prüfungen vorgestellt. Nach und nach entstanden spezielle Prüfungen für Retriever wie z. B. die Bringleistungsprüfung (BLP/R), Dr.-Heraeus-Gedächtnis-Prüfung (HP/R), Retrievergebrauchsprüfung (RGP/R) und die St.-Johns-Prüfung (SJP). Diese Prüfungen haben mit den Field Trials des englischen Mutterlandes jedoch wenig gemein, da diese sich an den Bedürfnissen der Jagd des kontinentalen Festlandes orientieren, die sich von den Jagdbedingungen in England unterscheiden. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich die jagdlichen Prüfungen für Retriever stark an den Prüfungen der deutschen Vollgebrauchshunde anlehnen.

JAGDLICHE LEISTUNGSZUCHT

In der Zucht begann man Verpaarungen aus Hunden, die eine kontinentale jagdliche Prüfung wie eine BLP/R bestanden hatten, herauszustellen. Welpen aus diesen Verpaarungen werden als „jagdliche Leistungszucht“ deklariert. Können auch die Großeltern der Welpen jagdliche Prüfungen vorweisen, so bekommen diese Welpen Ahnentafeln mit dem Prädikat „spezielle jagdliche Leistungszucht“. Diese Hunde haben ihre jagdliche Brauchbarkeit unter Beweis gestellt.

ENGLISCHE ARBEITSLINIEN

Hunde aus der englischen Arbeitslinie, die über viele Jahrzehnte und unzählige Generationen hinweg ausschließlich auf Arbeitsleistung gezüchtet wurden, waren auf dem kontinentalen Festland nicht von Beginn an vertreten. In den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts begannen ambitionierte Hundehalter und -züchter eine immer wachsende Zahl von Field-Trial-Retrievern (Labrador und Golden Retriever) aus England zu importieren. Viele dieser Importhunde waren am Aufbau der Retrieverzucht hierzulande beteiligt. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland, der Schweiz und Österreich Züchter, die ausschließlich entsprechend dem englischen Vorbild Hunde aus der reinen englischen Arbeitslinie züchten.

Zuchtrichtungen

(Betrachtung der Extreme, Mischtypen sind möglich)

— Hunde aus Showlinien, die vor allem als Familienbegleithunde gezüchtet werden.

— Hunde aus (spezieller) jagdlicher Leistungszucht, die vor allem als Jagdgebrauchs- und Sporthunde gezüchtet werden. Welpen mit diesem Prädikat haben Eltern bzw. Großeltern, die deutsche Jagdprüfungen bestanden haben. Man unterscheidet hier zwei unterschiedliche Typen:

1. Hunde, die aus Showlinien stammen.

2. Hunde, die aus englischen Arbeits- bzw. Field-Trial-Linien stammen.

Je nachdem, aus welcher Zuchtrichtung die Vorfahren stammen, unterscheiden sich die Hunde im Temperament, von den Arbeitsanlagen und auch vom Typ und Aussehen.

LEISTUNGSZUCHT IST NICHT GLEICH LEISTUNGSZUCHT

Sucht man auf den Welpenlisten nach einem Welpen aus „jagdlicher bzw. spezieller jagdlicher Leistungszucht“, kann man leicht Opfer eines Irrtums werden. Auf den Welpenlisten der Zuchtvereine kann man nicht auf Anhieb erkennen, ob es sich um Welpen aus der Showlinie mit deutschem Arbeitsprädikat oder um Welpen der englischen Arbeits- bzw. Field-Trial-Linien handelt. In beiden Fällen haben die Elterntiere die gleichen Prüfungen vorzuweisen, jedoch unterscheiden sich die Hunde erheblich im Typ und Aussehen voneinander. Sicher bekommt man in jedem Fall einen guten Jagdhund, doch hat man sich für einen bestimmten Typ Hund entschieden, ist es unumgänglich, sich entweder mit der Ahnentafel des Wurfes auseinanderzusetzen oder den Züchter zu befragen. Scheuen Sie sich nicht, den Züchter auch um eine Arbeitsprobe des Zuchthundes zu bitten. Dann können Sie sich selbst davon überzeugen, ob das Temperament und der „Style“ Ihren Vorstellungen entspricht. Jeder seriöse Züchter wird Ihnen gern, wenn die Trächtigkeit der Hündin noch nicht zu weit fortgeschritten ist, stolz das Arbeitsvermögen seiner Zuchthunde demonstrieren.

01 Labrador Retriever-Rüde aus Arbeitslinie.

02 Labrador Retriever-Rüde aus Showlinie.

03 Golden Retriever-Rüde aus Arbeitslinie.

04 Golden Retriever-Rüde aus Showlinie.

AUSWAHL DES RETRIEVERS

Ein Lebewesen kauft man nicht jeden Tag, deshalb sollten Sie sich vor dem Kauf gut informieren. Dieser Hund wird Sie als Weggefährte viele Jahre Ihres Lebens begleiten. Warten Sie besser einige Wochen oder auch Monate, bis Sie den richtigen Züchter gefunden haben, dem Sie vertrauen können.

DACHVERBÄNDE DER HUNDEZUCHT

Adressen von Züchtern können Sie bei den Retriever-Zuchtvereinen erfragen. Rufen Sie bei der Welpenvermittlung der Zuchtvereine an oder schauen Sie auf den Webseiten im Internet nach. Dort erhalten Sie Informationen, welcher Züchter einen Wurf der gewünschten Rasse bereits hat bzw. wo Welpen erwartet werden. Achten Sie jedoch darauf, dass der Züchter in einem dem FCI angeschlossenen Hundezuchtverein züchtet. Warum das?

Die unter dem Dach der Fédération Cynologique Internationale (FCI) zusammengeschlossenen Zuchtverbände züchten nach strengen Zuchtvorschriften. In erster Linie geht es diesen Vereinen um die Erhaltung des rassetypischen Aussehens und der Eigenschaften des Rassehundes, ebenso um ein gutes ausgeglichenes Wesen sowie um eine gute Gesundheit der Tiere. Es werden nur Hunde zur Zucht zugelassen, die neben gesundheitlichen Kriterien auch mit ihrem Aussehen (Formwert), ihrem Wesen (Wesenstest) und ihrer Veranlagung (Arbeitsprüfungen) dem Rassestandard entsprechen. Die so zusammengeschlossenen Züchter sind keine Massenzüchter. Sie züchten ihre Hunderasse als Hobby, mit der entsprechenden Liebe und Passion. Ob allerdings der Züchter Ihren Vorstellungen entspricht, das müssen Sie selber herausfinden.

Hobbyzüchter züchten aus Liebe und Passion. Die Zuchthunde sind Teil der Familie.

Weltweite Vereinshierarchie

FCI (Fédération Cynologique Internationale)

Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist die Weltorganisation der Kynologie. (Kynologie ist die Wissenschaft vom Hund. Dieser Begriff wird jedoch nicht nur rein wissenschaftlich gebraucht, sondern auch für die angewandte Hundekunde, d. h. die Zucht, Abrichtung, Haltung und Verwendung der Hunde). Dieser weltweiten Dachorganisation der Hundezuchtvereine sind jeweils die nationalen Zuchtverbände untergeordnet. In jedem angeschlossenen Land gibt es einen nationalen Zuchtverband. Zurzeit sind unter dem Dach der FCI 88 Mitglieds- und Partnerländer zusammengeschlossen. Jedes dieser Mitglieds- und Partnerländer stellt ihrerseits eigene Ahnentafeln aus und bildet auch nationale Richter aus. In Deutschland ist dies der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH); in der Schweiz die Société Cynologique Suisse (SKG); in Österreich der Österreichische Kynologenverband (ÖKV). Die FCI garantiert innerhalb ihrer Organisation die gegenseitige Anerkennung der Ahnentafeln (Pedigrees) der Länder, wie auch der Richter.

VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen)

SKG (Schweizerische Kynologische Gesellschaft)

ÖKV (Österreichischer Kynologenverband)

Die der FCI angeschlossenen nationalen Zuchtverbände VDH / SKG / ÖKV sind selbst wiederum Dachorganisationen. In Deutschland z. B. werden vom Dach des VDHs über 250 verschiedene Hunderassen betreut. Die drei deutschen Retrieverzuchtvereine (Deutscher Retriever Club, Golden Retriever Club, Labrador Retriever Club Deutschland) sind Mitglied im VDH. Sie unterwerfen sich den strengen Zuchtbestimmungen mit entsprechenden Wurfkontrollen. Der VDH garantiert, dass die in den Ahnentafeln des VDH enthaltenen Angaben korrekt sind und strenge Wurf- und Zuchtkontrollen durchgeführt wurden. Bei den im VDH angeschlossenen Vereinen werden diese Mindestzuchtbestimmungen durch objektive Kontrollen gewährleistet.

JGHV (Jagdgebrauchshundverband)

Neben dem VDH als Dachorganisation für das deutsche Hundewesen existiert in Deutschland als Dachorganisation für das gesamte Jagdgebrauchshundwesen der Jagdgebrauchshundverband (JGHV). Satzungsgemäß ist der JGHV die Dachorganisation der Jagdgebrauchshund-, Prüfungs- und Zuchtvereine sowie der Landesjagdverbände. Er setzt sich aus Vereinen zusammen, die Prüfungen nach den Ordnungen des Verbandes ausrichten, Zuchtvereinen sowie assoziierten Vereinen des Auslandes. Der JGHV hat sich die Aufgabe gestellt, alle Vereine zusammenzuschließen, die durch Prüfung, Zucht und Weiterbildung für die Beschaffung brauchbarer Jagdhunde sorgen und damit dem waidgerechten Jagen dienen wollen. Der JGHV wiederum ist Mitglied im VDH.

WAHL EINES GUTEN ZÜCHTERS

Nach Ihren ersten Recherchen wissen Sie nun, welche Züchter Welpen haben oder welche in den nächsten Monaten Welpen erwarten. Nehmen Sie erst einmal telefonisch Kontakt zu den Züchtern auf. Stellen Sie sich vor dem Anruf eine Liste mit Fragen zusammen. Scheuen Sie sich nicht, den Züchter alles zu fragen, was Ihnen am Herzen liegt. Ein guter Züchter wird Ihnen Ihre Fragen gern beantworten, denn er ist sicherlich stolz auf seine Hunde und wird Ihnen detaillierte Auskunft geben. Zudem wird es auch ihm wichtig sein, dass Sie sich mit der Hunderasse beschäftigt haben, dass Sie sicher sind, dass ein Retriever der Hund ist, der am besten zu Ihnen passt.

WAS ZÜCHTER ALLES FRAGEN

Seien Sie nicht überrascht, wenn der Züchter Ihnen ebenso viele Fragen stellt. Er wird sich ganz sicher für Ihre besonderen Lebensumstände interessieren, sich nach Ihrem Tagesablauf, nach Ihrer Berufstätigkeit, nach Ihren Urlaubsplänen, nach Ihren Hobbys usw. erkundigen. Seien Sie über diese scheinbare Aufdringlichkeit nicht verärgert. Dieser Züchter zeigt nur, dass er sich verantwortungsbewusst um seine Welpen kümmert. Bedenken Sie, er muss sich in relativ kurzer Zeit einen Eindruck verschaffen, ob Sie die Möglichkeit und Fähigkeit haben, die Verantwortung für dieses hilflose Lebewesen für die nächsten 10 bis 15 Jahre übernehmen zu können. Freuen Sie sich darüber, dass diesem Züchter das Schicksal seiner Welpen nicht gleichgültig ist.

Die Golden Retriever-Hündin aus Arbeitslinie zeigt stolz ihre Welpenschar.

ERSTER BESUCH BEIM ZÜCHTER

Sie haben telefonisch Kontakt aufgenommen und von diesem Züchter einen guten Eindruck bekommen. Deshalb haben Sie nun einen Besuchstermin mit ihm vereinbart. Nutzen Sie diesen Termin, um sich vor Ort Ihr Bild von diesem Züchter zu vervollständigen. Sehen Sie sich an, wie die Welpen gehalten werden. Es ist egal, ob die dort vorgefundenen Einrichtungen einfach und abgenutzt sind. Hauptsache ist, dass das Umfeld sauber und gepflegt ist.

DER ERSTE EINDRUCK ZÄHLT

Sehen Sie sich nicht nur die Welpen an. Begutachten Sie auch die anderen Hunde, die im Haus des Züchters leben. Machen diese einen gesunden Eindruck? Reagieren sie freundlich und fröhlich auf den Züchter? Verhalten sich die erwachsenen Hunde auch freundlich Ihnen gegenüber? Macht der Züchter den Eindruck, dass er stolz auf seine Hunde ist? Haben Sie den Eindruck, dass er seine Hunde liebt? Haben Sie bei irgendetwas ein ungutes Gefühl, sollten Sie Ihren Besuch freundlich beenden und sich nach einem anderen Züchter umsehen. In jedem Fall sollten Sie das Gefühl haben, dem Züchter vertrauen zu können. Mitleidskäufe lohnen sich niemals. Sie wollen einen Freund finden, der Sie begleitet, ein ganzes Hundeleben lang.

Seien Sie aber auch vorsichtig, wenn der Züchter sich nicht dafür interessiert, warum Sie gerade diese Rasse ausgesucht haben, wenn er Sie nicht nach Ihren Lebensumständen befragt, wenn er sich nicht dafür interessiert, wo sein Welpe hinkommt und wie sein weiteres Leben aussehen wird! Ein guter Züchter hat großes Interesse daran, das bestmögliche Zuhause für seine Welpen zu finden. Er wird Sie ebenfalls befragen und Sie aufmerksam beobachten, wie Sie und ebenso Ihre Kinder mit den Welpen und den erwachsenen Hunden umgehen. Er wird Sie nicht überreden wollen, einen seiner Hunde zu kaufen. Er verkauft seine Welpen auch nicht zu Schleuderpreisen, nur weil er sie aus irgendwelchen Gründen loswerden will.

AUF GEPFLEGTE WELPEN ACHTEN

Ein absolut sauberer Welpenauslauf wird bei der großen Schar von ewig herumwuselnden Welpen nicht realisierbar sein, auch ein sehr bemühter Züchter wird es nicht schaffen. Aber es sollten trotzdem keine eindeutig alten Häufchen und Pippi-Pfützen zu finden sein. Auch der Wassernapf sollte sauber und gefüllt sein und keine Näpfe mit Futterresten herumstehen. Die Welpen sollten gepflegt aussehen, gut riechen und keine tränenden Augen haben. Sehr wichtig ist auch, dass die Welpen Kontakt zu Menschen haben. In einer abgelegenen Scheune, im Zwinger oder gar im Keller haben sie dazu keine Chance.

Mutterhündinnen erziehen ihre Welpen fair und konsequent.

So bereiten sie sie auf das Leben in der Gemeinschaft vor.

FRAGEN AN DEN ZÜCHTERAM TELEFON

Fragen, die Sie bei Ihrem ersten Telefonat mit einem Züchter stellen sollten.

FRAGE

Wie lange halten Sie schon diese Hunderasse?

HINTERGRUND

Ein Züchter sollte möglichst viele Jahre Erfahrung mit dieser Rasse haben.Nur wenn er über ein umfassendes Wissen über die Rasse und ausreichendKenntnis über die charakterlichen und gesundheitlichen Eigenschaften der Zuchttiere hat, kann er die richtige Auswahl für eine Verpaarung treffen.Züchter sollten deshalb über ausreichend Erfahrung verfügen bzw. Neuzüchter auf den Erfahrungsschatz und die Beratung eines erfahrenen Züchters zurückgreifen können.

FRAGE

Wie viele Würfe haben Sie durchschnittlich pro Jahr?

HINTERGRUND

„Viele“ ist hier die falsche Antwort. Ein dem VDH angeschlossener Züchterbetreibt die Hundezucht als Hobby und hat nicht viele zuchtfähige Hündinnen. In der Regel haben solche Züchter nicht mehr als zwei bis maximal drei Würfe im Jahr.

FRAGE

Züchten Sie auch noch andere Rassen?

HINTERGRUND

Wenn der Züchter mehrere Rassen züchtet, dann sollten Sie ihn von Ihrer Liste streichen. Hundezucht ist schon sehr aufwendig. Man braucht schon alleine dafür viel Zeit, sich die entsprechenden Informationen über die Zuchthunde zu besorgen, um einen Wurf gewissenhaft planen zu können. Es ist deshalb kaum möglich, sich um mehr als zwei Rassen gewissenhaft zu kümmern.

FRAGE

In welchem Alter geben Sie die Welpen ab? Wann kann ich einen Welpen abholen?

HINTERGRUND

Züchter, die dem VDH angeschlossen sind, dürfen die Welpen nicht vorder 8. Lebenswoche (dasselbe gilt für Österreich und die Schweiz) abgeben. Außerdem produzieren diese Züchter Welpen nicht auf Halde. In der Regelmuss man auf einen Welpen Wochen oder Monate warten. Werden Sie erst einmal stutzig, wenn Sie einen Welpen sofort haben können. Hinterfragen Sie, warum der bzw. die Welpen nicht bereits vergeben wurden.

FRAGE

Kann ich vorbeikommen und mir den Wurf anschauen?

HINTERGRUND

Hier sollten Sie nicht das Gefühl haben, dass Sie sich aufdrängen. Gute Züchter möchten sowieso ihre künftigen Welpenkäufer vor der Abgabe kennenlernen. Ernsthaften Züchtern ist es nicht egal, wo ihre Welpen hinkommen. Sie möchten sich gern ein Bild von Ihnen, Ihrer Familie und Ihren Lebensumständen machen. Allerdings können Sie nicht damitrechnen, sofort oder zu Ihrem ersten Terminvorschlag zum Züchter fahrenzu können. Gerade in der Zeit, in der Welpen da sind, hat der Züchterselbst viele Verpflichtungen. Er muss die Welpen versorgen und auch Zeitfür Gespräche mit anderen Welpeninteressenten einplanen. Seien Siedeshalb nicht böse, wenn Sie sich nach den Vorgaben des Züchters richtenmüssen und nicht täglich zu den Welpen können.

FRAGE

Kann ich bei diesem Besuch auch die Mutterhündin sehen?

HINTERGRUND

Falls der Züchter Ihnen die Mutterhündin nicht zeigen möchte, fragen Sie nach dem Grund. Sie sollten die Mutterhündin sehen dürfen, denn schließlich gibt sie ihre Anlagen an die Welpen weiter.

Scheuen Sie sich nicht, diese und auch noch mehr Fragen bereits am Telefon zu stellen. Ein guter Züchterwird sie Ihnen beantworten, ohne sich belästigt zu fühlen, wenn die Fragen Ihr Interesse widerspiegeln und höflich formuliert sind.

FRAGEN AN DEN ZÜCHTERWÄHREND DES BESUCHS

Haben Sie die Zuchtstätte für gut befunden, dann fragen Sie den Züchter alles, was Ihnen auf der Zunge liegt. Ein Züchter, der sich durch Ihre Fragerei genervt fühlt, ist bestimmt nicht der richtige.

FRAGE

Ist die Rasse mit irgendwelchen Erbkrankheiten belastet? Sind Ihre Hunde daraufhin untersucht? Sind Ihre Hunde mit solchen Erbkrankheiten belastet?

HINTERGRUND

Lassen Sie sich die Gesundheitsergebnisse der Hunde zeigen und scheuen Sie sich nicht, sich die Ergebnisse erklären zu lassen.

FRAGE

Wie sieht die Ahnentafel aus? Warum haben Sie diese Paarung gemacht? Was haben Sie sich davon versprochen? Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Zucht?

HINTERGRUND

Ein guter Züchter wird Ihnen gern die Ahnentafel erklären und auch Auskunft über seine Zuchtziele geben. Er wirdIhnen gern verdeutlichen, warum er diese Paarung gemachthat, was er sich davon erhofft. Ein Züchter ohne ein Zucht-ziel züchtet nicht – er vermehrt nur.

FRAGE

Wie oft werden die Hunde tierärztlich betreut? Gab es irgendwelche gesundheit-lichen Probleme?

HINTERGRUND

Normalerweise legt jeder Züchter bereitwillig die tierärztlichen Unterlagen (in der Regel sind dies die Hüftgelenks- und Ellenbogendysplasie-Ergebnisse sowie die Augenuntersuchung und die Ergebnisse der Gentests) und die Unterlagen der Wurfabnahme vor.

FRAGE

Was steht im Kaufvertrag? Gibt es irgendwelche Klauseln? Nehmen Sie den Hund zurück, wenn irgendwelche nicht absehbaren Umstände (Scheidung, Auswanderung, Arbeitslosigkeit, Hausbrand, Allergie usw.) eintreten und ich das Tier nicht mehr halten kann?

HINTERGRUND

Seien Sie vorsichtig, wenn ein Züchter dies ablehnt. Einguter Züchter wird mit Ihnen den Kaufvertrag durchgehenund erklären. Er wird auch ohne Probleme einen Hund zurücknehmen, um diesem den Gang ins Tierheim zuersparen. Er wird seinem Welpen, egal wie alt er dann ist,gern ein neues Zuhause suchen.

FRAGE

Fragen Sie, ob Sie Kontakt zu ihm halten dürfen? Ob er Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen wird?

HINTERGRUND

Ein guter Züchter ist sowieso aus eigenem Interesse daran interessiert zu erfahren, was aus seinen Welpen wird. Er erwartet nicht, dass Sie monatlich bei ihm anrufen. Aber er freut sich, wenn Sie ihn bei Schwierigkeiten und auch bei positiven Entwicklungen (z. B. Ergebnisse der Gesundheitsuntersuchungen, bestandene Prüfungen, Zuchtgedanken) informieren. Er wird Ihnen selbstverständlich auch bei auftretenden Problemen, z. B. bei gesundheitlichen Fragen oderSchwierigkeiten in der Ausbildung gern zur Seite stehen.

FRAGE

Haben Sie schon genaue Vorstellungen und suchen Sie nach einem bestimmten Hundetyp (Arbeits- oder Showlinie), dann fragen Sie den Züchter, ob er Ihnen seine Zuchthündin in der Arbeit oder in einer Showsituation vorstellt.

HINTERGRUND

Sicher wird Ihnen ein gewissenhafter Züchter gern entweder das Arbeitsvermögen seiner Hündin (sofern die Trächtigkeit noch nicht zu weit fortgeschritten ist) oder von anderen von ihm gezüchteten Hunden zeigen bzw. wenn es sich um einen Züchter der Showlinie handelt, die Show-Qualitäten seinerZuchthündin genau erklären. Ein guter Züchter sollte stolz aufseine Zuchthunde sein.

DER PASSENDE WELPE

Vertrauen Sie Ihrem Züchter, lassen Sie sich von ihm bei der Auswahl Ihres Welpen beraten. Ein guter Züchter kennt die Eigenheiten und die Charakterzüge jedes seiner Welpen genau. Schließlich hat er die Kleinen in den letzten acht Wochen gut beobachten können.

Um jeden einzelnen Welpen genau einschätzen zu können, lassen einige Züchter am 49. Lebenstag einen Welpentest durchführen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Gehirn eines Welpen vollständig entwickelt. Ursprünglich wurden Welpentests von Verhaltensforschern, Hundezüchtern und Ausbildern entwickelt, um ein Instrument für die Auslese von Welpen für die Blindenführhundeausbildung zu haben. Bei einem Welpentest wird jeder Welpe allein, ohne die Sicherheit seiner Hundefamilie, von einer ihm unbekannten Person in einer ihm unbekannten Umgebung beobachtet. Ohne die Sicherheit ihrer Geschwister zeigen Welpen häufig ganz andere Reaktionen und Verhaltensweisen. Der Züchter erhält so Hinweise über die Charaktermerkmale und das Verhalten des Welpen. Dieser Test kann aber nicht das Verhalten des erwachsenen Hundes eindeutig voraussagen, denn dieses wird durch die künftigen Erfahrungen des Welpen mit der Umwelt und mit seinem neuen Besitzer weiter beeinflusst. Aus den Testbeobachtungen kann man jedoch auf das augenblickliche Wesen und das derzeitig gezeigte Verhalten des Welpen schließen. Die Beobachtungen geben uns Anhaltspunkte darüber, wie man künftig mit der Prägung des Welpen vorgehen muss. Die Testergebnisse ergänzen deshalb die Beobachtungen, die der Züchter bei der Aufzucht gemacht hat und runden das Charakterbild ab.

WEICHEN STELLEN FÜR DIE ZUKUNFT

Jeder Welpe ist eine eigenständige Persönlichkeit, deshalb muss die weitere Prägung und Erziehung durch den neuen Besitzer je nach Persönlichkeit des Welpen sehr unterschiedlich sein. Fragen Sie Ihren Züchter, er wird Ihnen sicher Tipps für die weitere Prägung Ihres Welpen geben, um eine möglichst optimale Sozialisierung und Erziehung seiner Nachzucht zu gewährleisten.

Bis zum Ende der 16. Lebenswoche hat der Welpenkäufer die Möglichkeit, den Welpen auf den richtigen Weg zu bringen. In dieser Zeit sollte z. B. ein eher selbstsicherer Welpe schon lernen, dass es mehr Spaß macht, mit dem Menschen zusammen etwas zu unternehmen, als allein herumzustromern. Ein sehr selbstsicherer Welpe sollte nicht die Erfahrung machen, dass er allein die Welt entdecken und auch ohne seinen Menschen Spaß haben kann. Lassen Sie ihm niemals zu viel Freiraum, denn sonst beschwören Sie spätere Probleme herauf. Führen Sie einen unsicheren, eher vorsichtigen Welpen gezielt und einfühlsam an die unterschiedlichsten Umweltsituationen heran. Zeigen Sie ihm, dass die Welt sehr viele schöne Seiten hat, und dass Ihr Welpe sich auf Sie verlassen kann. So wird auch aus einem anfangs vorsichtigen Welpen ein selbstsicherer Hund.

Zwei selbstbewusste gelbe Labrador Welpen schauen in die Welt hinaus.

EIGENE VORSTELLUNGEN UND ZIELE

Mit Hilfe seines Wissens kann der Züchter einen für Sie geeigneten Welpen aussuchen, dessen Wesen, Temperament und Veranlagung für Ihren späteren Verwendungszweck passend ist. Sie sollten deshalb Ihrem Züchter genau sagen, was für Vorstellungen und Ziele Sie haben. Was erwarten Sie von Ihrem künftigen Familienmitglied? Welche Charaktereigenschaften bevorzugen Sie, was können Sie nicht akzeptieren? Suchen Sie einen passionierten Jagdhund oder einen unerschrockenen Rettungshund oder einen verschmusten Familienhund? Möchten Sie züchten? Würden Sie auch einen Welpen mit einem zuchtausschließenden Fehler akzeptieren? Bedenken Sie, nicht jedes Lebewesen ist vollkommen, dennoch kann gerade dieser Welpe der perfekte Lebenspartner für Sie sein! Beschreiben Sie Ihrem Züchter möglichst genau Ihre Vorstellungen. Jeder Welpenkäufer hat so die Chance auf die erste Wahl, denn jeder Welpe ist anders und jeder Welpenkäufer hat auch andere Vorstellungen. Vertrauen Sie bei der Welpenauswahl auf das Gespür, das Wissen und die Erfahrung Ihres Züchters.

ERZIEHUNG UND BEZIEHUNG—WieWelpen lernen

WARUM ERZIEHUNG SO WICHTIG IST

Um in unserer Gesellschaft nicht zum Problem zu werden, braucht jeder Hund ein gewisses Maß an Grundgehorsam. Sicher gibt es kein Patentrezept, wie viel Erziehung wirklich sein muss, das muss jeder Hundehalter für sich entscheiden.

Der Hund benötigt auf jeden Fall so viel Erziehung, dass er in unserer Gesellschaft nicht unangenehm auffällt oder aneckt. Ein verantwortungsbewusster Hundehalter wird seinem Retriever deshalb eine sorgfältige Erziehung angedeihen lassen. Eine Erziehung, die Zeit und Geduld erfordert.

Hundeerziehung sollte didaktisch abwechslungsreich und fachkundig aufgebaut sein. Scheuen Sie sich nicht, fachkundige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Rassehundeclubs, aber auch Hundeschulen bieten Welpen- und Junghundekurse an. Profitieren Sie von dem Wissen der kompetenten und erfahrenen Ausbilder. Neben praktischen Unterweisungen wird in diesen Kursen theoretisches Fachwissen vermittelt.

LERNEN FÜRS LEBEN

Allein mit dem Wort Erziehung assoziieren viele von uns „Zucht und Ordnung“. Keiner von uns mag dieses Wort, jeder denkt gleich an Einschränkungen und Verbote. Die meisten frischgebackenen Hundebesitzer halten Erziehung für etwas Schreckliches, besonders wenn sie ihrem kleinen, süßen, wuscheligen Hundekind so beim Spielen zuschauen. Viele denken, lassen wir ihn erst einmal seine Jugend genießen, das was an Erziehung notwendig ist, können wir auch noch später nachholen. Sie erziehen ihren Welpen erst einmal nicht, bis er dann außer Rand und Band ist und sich die ersten Probleme bereits eingestellt haben.

Doch dies ist ein völlig falscher Ansatz! Eine sinnvolle Erziehung beginnt natürlich im Welpenalter. Mit Liebe, Konsequenz und natürlich auch mit viel Spaß können Sie dem Welpen vieles beibringen. Erziehung ist alles, was Sie mit Ihrem Welpen machen, alles was er erlebt, jedes Spiel, jeder Spaziergang, jedes Lob, jede Zurechtweisung. Schon jetzt legen Sie den Grundstein für sein weiteres Leben. Bereits als Welpe muss Ihr Hund den Umgang mit anderen Hunden lernen, denn jetzt wird der Grundstein für soziales Verhalten gegenüber Artgenossen gelegt. Führen Sie ihn auch spielerisch an die verschiedensten Umweltgegebenheiten heran, damit er künftig in den unterschiedlichen Lebenssituationen zurechtkommt. Je mehr Ihr Welpe erlebt, umso einfacher wird er später auch mit neuen Situationen umgehen können. Formen Sie sich einen sicheren Partner für Ihr Leben, denn Erziehen heißt Lernen fürs Leben!

Vertrauensvolle Mensch-Hund-Beziehung

VORTEILE GUTEN BENEHMENS

Mit einer guten Erziehung sichern Sie Ihrem Welpen ein erfülltes und artgerechtes Leben. Bereits vom ersten Tag an stellen Sie die Weichen dafür. In der Regel wird aus einem unerzogenen Welpen später auch ein unerzogener Hund: ein Hund, der immer zu Hause bleiben muss, da er zu unruhig ist und es viel zu anstrengend ist, ihn mitzunehmen; der an der Leine zerrt und mit anderen Hunden Streit anfängt; der immer an der Leine bleiben muss, da er nicht hört und man deshalb Angst hat, dass er auf die Straße rennt und überfahren wird – ein Hund, der somit keine Lebensqualität hat, eben weil er unerzogen ist.

Ein gut erzogener Hund ist eine Bereicherung für Ihr Leben. Sie werden es genießen, ihn überall mitnehmen zu können, und er wird es genießen, überall dabei sein zu dürfen. Ein Zuviel an Erziehung gibt es nicht, wenn sie wohl dosiert und in freundlicher Atmosphäre stattfindet. Es kann höchstens ein Zuwenig an Erziehung geben. Je besser ein Hund erzogen ist, desto mehr Freiheiten können Sie ihm einräumen, desto mehr Freiheiten lässt er Ihnen. Ein Hund sollte keine Belastung sein, sondern ein Partner, der Ihr Leben bereichert.

ALLER GUTEN DINGE SIND DREI

Grundsätzliche Mindestziele der Hundeerziehung:

— Kommen, wenn man ihn ruft, in jeder Situation, bei jeder nur erdenklichen Ablenkung.

— Bei Fuß gehen, das heißt ordentlich, ohne an der Leine zu zerren, aber auch frei bei Fuß aufmerksam nebenhergehen.

— Sitzen- oder Liegenbleiben und neben seinem Menschen oder auch allein warten, bis es weitergeht, ohne zu behindern oder zu stören.

Jeder verantwortungsvolle Hundehalter sollte mit diesem Mindestmaß an Gehorsam sicherstellen, dass der Hund immer und überall, in jeder Situation, nicht zu einem Problem oder zu einer Gefahr für die Gesellschaft wird.

ERZIEHUNG BEDEUTET KONSEQUENZ

„Antiautoritäre Erziehung“ funktioniert bei Hunden nicht! Wir Menschen müssen ihnen schon klarmachen, wann wir mit ihrem Verhalten einverstanden sind und wann nicht. Erziehung bedeutet somit auch, Verbote auszusprechen und konsequent darauf zu achten, dass diese eingehalten werden. Beim täglichen Training fördert der Hundehalter das Miteinander mit seinem vierbeinigen Kameraden. Die gemeinsame Beziehung wird gefestigt und so wird aus dem guten Kontakt zwischen Welpe und Halter eine echte Bindung – eine Bindung fürs Leben. Im Gegensatz zu vielen Menschen fällt es einem Welpen leicht, eine Autorität anzuerkennen. Im Grunde ihres Herzens lieben Hunde klare Regeln, sie fühlen sich in einem geregelten Tagesablauf sehr wohl. Als Rudeltier fällt es ihnen leicht, sich unterzuordnen. Ein Einordnen in die Regeln einer Gemeinschaft ist für den Hund deshalb etwas ganz normales. Hunde sind Gewohnheitstiere und sollten deshalb vom erstenTag an, an die geltenden Regeln gewöhnt werden. Es dauert zudem viel länger, schlechte Angewohnheiten wieder abzugewöhnen, als die Dinge, die man nicht dulden möchte, gleich zu unterbinden.

© Birgit Huels

Erziehung bedeutet Lernen für ein entspanntes und zufriedenes Leben.

ERZIEHUNG VERSUS AUSBILDUNG

Erziehung muss sein, Ausbildung sollte sein!