Richtig Geld anlegen - Harry Büsser - E-Book

Richtig Geld anlegen E-Book

Harry Büsser

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Beschreibung

Hohe Renditen erzielen, Kosten sparen und das eigene Vermögen mehren: Dies ist der Traum vieler Menschen, die plötzlich höhere Summen zur Verfügung haben. Dieser Ratgeber vermittelt Laien das nötige Grundwissen, um souverän anlegen zu können oder die richtigen Vertrauenspersonen zu finden. Er vermittelt einen Überblick über die gängigen Finanz- und Anlageprodukte, mögliche Diversifikationen, zeigt Wahrscheinlichkeitsrechnungen und warnt vor den psychologischen Fallstricken. Doch was eignet sich für wen? Ob Aktie, ETF, Indexfonds , Gold, Immobilie oder Kunst: Wichtig ist das nötige Fachwissen, bevor man investiert. Dieses Buch vermittelt das Wissen, Strategien für verschiedene Vermögenssituationen und Lebensphasen ausarbeiten zu können.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 324

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die besten Strategien zur souveränen Vermögensverwaltung

Harry Büsser

Richtig Geld anlegen

Dank

Verlag und Autor danken für das sorgfältige Fachlektorat: Nathalie Garny vom Beobachter-Beratungszentrum sowie Sara Neuweiler und Thomas Schönbucher vom VZ VermögensZentrum.

Download

Die Checklisten und Fragebogen in diesem Ratgeber finden Sie auch unter www.beobachter.ch/download (Code 0314). Sie können sie herunterladen und an Ihre Situation anpassen.

Disclaimer

Werden in diesem Ratgeber konkrete Anlageprodukte genannt, wurden sie nach bestem Wissen und mit Stand Juli 2025 ausgewählt. Verluste können aber auch mit diesen Papieren entstehen. Den Entscheid für das eine oder andere Anlageprodukt sollten Sie immer anhand Ihres Risikoprofils und Ihres Anlagehorizonts treffen.

Impressum

Beobachter-Edition, Ringier AG, Flurstrasse 55, CH-8048 Zürich

[email protected], www.beobachter.ch

5., aktualisierte Auflage, 2025

© 2017 Beobachter-Edition

Alle Rechte vorbehalten.

Eine Nutzung dieses Werks zum Training

von KI-Technologien ist untersagt.

Herausgeber: Der Schweizerische Beobachter in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsmagazin Bilanz

Lektorat: Käthi Zeugin, Wortspalterei GmbH

Reihengestaltung und Umschlag: Frau Federer GmbH

Satz: Bruno Bolliger

Umschlagillustration: Doro Spiro

Herstellung: Bruno Bächtold

Druck: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe

ISBN 978-3-03875-599-9

eISBN 978-3-03875-601-9

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Auslieferung EU: Müller – Die lila Logistik Fulfillment Solutions GmbH & Co. KG, Am Buchberg 8, DE 74572 Blaufelden, [email protected]

Inhalt

Vorwort

1

Wie kommen Menschen zu Vermögen?

Mit Erben zu Geld kommen

1000 Jahre reich und drei Gebete

Alte Erben

Durch Arbeit zu Vermögen kommen

Als Firmengründer zu Vermögen kommen

Arbeiten und sparen

Pensionskassenkapital auszahlen lassen

Lieber Lotto als Börse?

Der Börsenjackpot

Blendeffekt des Lottojackpots

Achtung, Wahrscheinlichkeitsfalle

In Kürze «Zu Vermögen kommen»

2

Finanzwissen

Wahrscheinlichkeiten und Investitionen

Rot ist nie «fällig»

Wahrscheinlichkeiten berechnen

Zins und Rendite

Die Macht des Zinseszinses

Achtung, falscher Eindruck

Positive Durchschnittsrendite, trotzdem Geld verloren

Sicherheit gegen Rendite

Rendite und Risiko am Beispiel von Schweizer Aktien

Vergangene Gewinne lassen nicht auf künftige schliessen

In der langen Frist sind Prognosen möglich

Diversifikation

Die Kurse von Einzelaktien schwanken stärker als der Markt

Nicht nur Aktien kaufen

Der richtige Mix

Individuelle Risikoneigung

Risikobereitschaft und Risikofähigkeit

Einfache Berechnung des richtigen Anlagemix

Der Fragebogen für Ihren richtigen Anlagemix

Bestimmen Sie Ihr Investorenprofil

Erfahrungen sammeln

Psychologische Fallstricke beim Anlegen

Mustererkennung und Kategorienbildung

Wahrnehmungsverzerrungen im Umgang mit Geld

Dispositionseffekt, Schönreden, Herdentrieb und andere Fallen

In Kürze «Finanzwissen»

3

Finanzprodukte

Sparkonto

Was bringt das Sparkonto?

Sicherheit der Sparkonten

Fremdwährungskonten

Obligationen

So funktionieren Obligationen

Bonität: Wie sicher ist es, dass der Schuldner das Geld zurückzahlt?

Je sicherer, desto weniger Zins

Kursschwankungen während der Laufzeit

Obligationen vergleichen: Rendite auf Verfall

Der Schweizer Obligationenmarkt

Crowdlending

So funktioniert Crowdlending

Beispiele von Crowdlending-Plattformen

Kryptowährungen und Blockchain

Bitcoin

Altcoins

Das Potenzial der Blockchain-Technologie

Exkurs: Dogecoin und Elon Musk

Non-Fungible Token

Zentralbankgeld

Aktien

Enorme Gewinne dank dem Zinseszinseffekt

Aktien gewinnen langfristig

Kaufen, wenn andere ängstlich sind

Sind Aktien günstig oder teuer? Indikatoren

Die Aktie mit dem künftig höchsten Gewinn finden? Kaum möglich

Exkurs: Die erste Aktie und der erste Börsencrash

Fonds

Aktiv gegen passiv

Scharlatanerie unter den aktiven Fonds

Indexfonds und ETFs

Der richtige Index

Wie smart ist Smart Beta?

Strategiefonds

Hedge Funds

TER und mehr – die Kosten von Fonds

Günstig ist meist gut – die Fondsauswahl

Fondsmanager sind gute Verkäufer

Das Fondsrating als Auswahlkriterium

Derivate und strukturierte Produkte

Derivate als Absicherungsinstrumente

Warrants

Strukturierte Produkte mit schicken Namen

Edelmetalle und Co. – die Sachwerte

Aktien sind auch eine Art Sachwert

Gold

Edelsteine, Kunst, Pferde, Oldtimer, Violinen, Bäume, Weine

Spezieller Sachwert: Immobilien

Selbst bewohnte Immobilie

Die Immobilie als reines Anlageobjekt

Immobilienfonds

In Kürze «Finanzprodukte»

4

Vermögensverwaltung und Vertrauen

Rundumservice mit dem Vermögensverwaltungsmandat

Die Kosten des Service

Die Risiken

Erwartete Rendite

Wenn Roger Federer Sie grüsst – Zusatzleistungen

Die Betreuungsintensität

Transparenz in der Informationsflut

Das Beratungsmandat

Kaum Pauschalgebühren, aber dennoch Kosten

Für Anleger mit Erfahrung und Zeit

Ihr Vermögen selber verwalten

Die richtige Bank als Partner

Anlageprinzipien

Steuerliche Aspekte

Robo-Advisor

Vertrauen in Berater und Spezialisten

Berater und die Kontrollillusion

Kundenberater von Banken

Selbständige Vermögensverwalter

Finanzanalysten

Chefökonomen, Chefinvestoren und Chefanalysten

Die Medien

Achtung, Betrüger!

Achtung, E-Mail

Zu gut, um wahr zu sein? Richtig!

Achtung, Churning

Gefahr aus dem Bekanntenkreis

In Kürze «Vermögensverwaltung und Vertrauen»

5

Strategien für jedes Vermögen

Grundregeln der Anlage

Früher anlegen macht reicher

Tiefere Kosten machen reicher

Breit streuen macht reicher

Auf Kurs bleiben macht reicher

Balancieren macht reicher

Staffeln macht reicher

Verluste beschränken macht reicher

Ein kleines, mittleres oder grosses Vermögen anlegen

Ein kleines Vermögen anlegen

Ein mittleres Vermögen anlegen

Ein grosses Vermögen anlegen

In Kürze «Strategien für jedes Vermögen»

&

Anhang

Glossar

Stichwortverzeichnis

So nutzen Sie diesen Ratgeber

Am besten lesen Sie das Buch von vorn bis hinten durch. Danach sind Sie wirklich fit für die Verwaltung Ihres Vermögens.

Im ersten Kapitel erfahren Sie, wie Menschen überhaupt vermögend werden. Und Sie lernen viel über menschliches Fehlverhalten im Umgang mit Geld und über die falsche Einschätzung von Chancen. Kapitel 2 beschäftigt sich mit den Grundlagen der Verwaltung Ihres Vermögens: dem Finanzwissen. Wahrscheinlichkeiten und den Zinseszins richtig einschätzen zu können, wird Sie besser kalkulieren lassen. Zudem lernen Sie eine der wichtigsten Strategien eines guten Anlegers kennen: die Diversifikation. Auch erfahren Sie, wie viel Geld Sie in welche Papiere investieren sollten und in welche psychologischen Anlegerfallen Sie tappen können.

In Kapitel 3 über die Produkte lernen Sie alle wesentlichen Instrumente der Vermögensverwaltung kennen. Insbesondere bei den Obligationen und Aktien lohnt sich ein vertieftes Studium, denn diese Anlagekategorien sind die wichtigsten für Sie. Weil es oft einfacher ist, die Papiere über Fonds zu kaufen, gilt auch diesem Teilkapitel grosse Aufmerksamkeit.

Welche Dienstleistungen Vermögensverwalter anbieten, wie Sie das richtige Angebot für sich finden und worauf Sie dabei achten müssen, das erfahren Sie im vierten Kapitel. Nach der Lektüre werden Sie besser mit Ihrem Vermögensverwalter oder Banker verhandeln können. Im Unterkapitel über das Vertrauen erfahren Sie viel über die Motivationsstrukturen der Akteure rund ums Geld. Zuletzt erfahren Sie, wie Sie sich gegen Betrüger schützen können.

Im letzten Kapitel finden Sie einige Grundregeln der Anlage, abgeleitet aus den vorangehenden Kapiteln. Zudem erhalten Sie dort konkrete Tipps zur Umsetzung von Anlagestrategien.

Vorwort

Wer sein Vermögen auf einem Sparkonto liegen lässt, verliert Geld. Nach Abzug der Inflation bleibt von den Zinsen nicht viel übrig. Und rechnet man die Bankgebühren mit ein, resultiert gar ein Verlust. Das ist nicht erst so, seit die Zinsen tief oder gar negativ sind. Es war schon immer so.

Das zeigen Daten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 1932 bis 2019, die ich um fünf Jahre mit eigenen Berechnungen ergänzt habe: Wer 1932 100 Franken auf ein Sparkonto legte, hätte heute – dank Zins und Zinseszins – zwar ungefähr 870 Franken. Um die Inflation bereinigt, wären daraus aber nur etwa 122 Franken geworden. Dabei sind die Bankgebühren für über 90 Jahre noch gar nicht abgezogen! Tatsächlich hätte man real mit dem Sparkonto über alle diese Jahre also Geld verloren.

Das hinterlässt ein grosses Fragezeichen hinter einem der berühmtesten Werbesprüche für Banken und Sparkonti: «Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten. Sie arbeiten schliesslich auch für Ihr Geld.» Er stammt aus der Feder des heute berühmten Schweizer Schriftstellers Martin Suter. Als junger Mann war er als Werbetexter tätig. Er selber hat diesen Werbespruch als seinen besten und auch seinen schlechtesten bezeichnet.

Der Text machte den Schweizer Schriftsteller Max Frisch so wütend, dass er ihn sogar in seinem Tagebuch erwähnte: Er zitiert ihn als «Phrase eines zynischen Bankfritzen», weil niemand Geld für sich arbeiten lasse, sondern es letztendlich immer Menschen seien, die arbeiteten. Zu allem ist die Aussage auch noch faktisch falsch, weil rechnerisch nie wirklich Gewinn resultiert, wenn man Geld auf sein Sparkonto legt.

Fazit: Wer sein Geld real vermehren will, darf es nicht auf dem Sparkonto liegen lassen, sondern muss es langfristig produktiv investieren. In diesem Buch erfahren Sie, wie das geht und worauf Sie achten sollten.

Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie in der Lage sein, besser zu investieren, langfristig höhere Renditen zu erzielen und jährlich Kosten zu sparen. Gut zu investieren, ist in Zeiten von Negativzinsen noch wichtiger geworden. Nur schon, weil es erst recht keine Option mehr ist, Geld einfach auf dem Konto liegen zu lassen.

Natürlich können Ihnen Berater und Computer dabei helfen, Ihr Geld zu investieren. Trotzdem sollten Sie sich einen Grundstock an Wissen aneignen. Denn die meisten Bankkunden bezahlen für die Verwaltung ihres Vermögens mehr als nötig. Anleger, die denken, sie würden nichts oder wenig für ihre Geldanlagen bezahlen, sind oft jene mit den höchsten Kosten.

Das liegt auch daran, dass Anleger zu wenig Finanzwissen haben. Aber wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie die Wissenslücke zwischen Ihnen und den Anlageprofis so weit geschlossen haben, dass Sie die Kosten und die Qualität von Investitionsprodukten und Beratungsleistungen beurteilen und zumindest die richtigen Fragen stellen können. Zudem lernen Sie die Motivationen der Akteure rund um Geldanlagen kennen und können besser einschätzen, wem Sie bei Fragen zu Vermögensanlagen vertrauen können.

In allen Kapiteln finden Sie Auflockerungen, die Ihnen auf unterhaltsame Weise Zusammenhänge näherbringen und diese vertiefen. Ich wünsche Ihnen also nicht nur viele Aha-Erlebnisse mit diesem Finanzbuch, sondern auch gute Unterhaltung.

Harry Büsser

September 2025

1Wie kommen Menschen zu Vermögen?

Bevor es darum geht, wie Vermögen verwaltet wird, erfahren Sie in diesem Kapitel, ab wann jemand als vermögend gilt und wie Menschen in der Schweiz reich werden. Zudem erfahren Sie, warum Sie besser an der Börse investieren, statt Lotto zu spielen – denn der Traum vom Jackpot ist zwar verführerisch, aber ebenso unwahrscheinlich.

Mit Erben zu Geld kommen

In der Liste der 300 Reichsten, die jährlich im Wirtschaftsmagazin Bilanz veröffentlicht wird, haben rund die Hälfte ihr Vermögen geerbt. Das bestätigt eine Studie des Vermögensverwalters Barclays Wealth, in der 52 Prozent der Vermögenden in der Schweiz angaben, ihren Reichtum mindestens teilweise geerbt zu haben.

Vor allem bei den Milliardären sind die Erben in der Schweiz, aber auch in vielen anderen Ländern, in der Mehrzahl. Zum Beispiel in Italien und Deutschland, wie folgende Geschichten zeigen.

1000 Jahre reich und drei Gebete

Lamberto Frescobaldi gehört zu den reichen Erben. Er ist der Patron einer der reichsten Familien in der Toskana. Ihr gehört die Marchesi-Frescobaldi-Gruppe, die elf Millionen Flaschen Wein pro Jahr produziert. Die Familie ist damit einer der grössten Weinproduzenten Italiens, wie der Finanzinformationsdienst Bloomberg in einem Bericht schreibt.

Frescobaldi hat seinen Hund Brunello genannt, nach dem Wein Brunello di Montalcino, den er produziert. Seine Familie hatte schon den Wein hergestellt, den Michelangelo trank. Bevor sie ins Weingeschäft einstiegen, betrieben die Frescobaldis Handel mit Wolle, waren Banker und finanzierten die Kriege des englischen Königs Edward I. in Wales und in Frankreich. Mit Letzterem begründeten sie ihren Reichtum, machten sie ihr Vermögen. Fast 1000 Jahre und 30 Generationen später gehören sie immer noch zu den reichsten Familien in der Toskana.

Wer ist reich?

Wenn Sie in der Schweiz an zehn Menschen vorbeigehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass einer davon Millionär ist. Rund eine Million Millionäre leben gemäss einer Analyse der Grossbank UBS aus dem Jahr 2023 hierzulande, das sind mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. Etwas weniger Millionäre gibt es gemäss den Steuerdaten. Dort werden 370 000 Millionäre gezählt. Ein Teil der Differenz ist wohl dem Umstand geschuldet, dass in den Steuerdaten Pensionskassenvermögen und Vorsorgevermögen bei der Säule 3a nicht berücksichtigt sind.

Auf jeden Fall gibt es in der Schweiz viele Millionäre, die sich selber nicht als reich bezeichnen würden. Eine Umfrage unter 1000 Millionären hat gezeigt: Erst ab einem Vermögen von 7,5 Millionen Franken empfinden sie jemanden als wirklich reich. Also wären in der Schweiz gemäss Steuerdaten rund 30 000 Menschen reich. Aber wer wiederum die Superreichen mit Vermögen von über 100 Millionen Franken fragt, bekommt zur Antwort, dass Reichsein bei einem Vermögen von 30 Millionen Franken beginne. Immerhin betrachten die dreistelligen Millionäre sich selber als reich.

Die meisten Menschen verbinden das Gefühl des Reichtums damit, dass man sich alles kaufen kann, ohne auf Preisschilder achten zu müssen. Im Zusammenhang mit Geldanlagen könnte definiert werden, dass Menschen dann wirklich reich sind, wenn sie von der Rendite ihres Vermögens bequem leben können.

Dafür reicht heute eine Million Franken bei Weitem nicht mehr. Das zeigt folgende Rechnung: Mit soliden Investitionen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, langfristig rund vier Prozent Rendite pro Jahr zu erwirtschaften. Bei einer Million Franken Vermögen ergibt das ein Jahreseinkommen von 40 000 Franken. In der Schweiz reicht dies den wenigsten für ein bequemes Leben. Drei oder vier Millionen Franken müssten es wohl sein, wahrscheinlich eher mehr. Denn die vier Prozent sind nicht jedes Jahr garantiert, die Börsenkurse können auch mal in den Keller rasseln.

Für die meisten wird diese Art Reichtum zwar ein Traum bleiben. Doch rund zwei Millionen Menschen verfügen gemäss Steuerdaten über ein Vermögen von mindestens 100 000 Franken, das möglichst gut angelegt und vermehrt werden sollte.

Was für die Frescobaldis gilt, ist auch insgesamt in Italien nicht anders, wie eine Studie der Banca d’Italia, der italienischen Zentralbank, zeigt. Darin werden die Steuerbelege in Florenz aus dem Jahr 1427 mit jenen im Jahr 2011 verglichen. Das Resultat: Die reichsten Familien sind zum grossen Teil immer noch die gleichen. «Die grossen politischen, demografischen und ökonomischen Umbrüche in der Zwischenzeit konnten den Gordischen Knoten des Erbens nicht lösen», schreiben die Autoren.

Einen Gulden Miete

Auch die Erben des Kaufmanns Jakob Fugger in Deutschland sind nach über einem halben Jahrtausend noch reich. Graf Alexander Fugger-Babenhausen ist ein Nachfahre des reichsten Mannes im Europa des 16. Jahrhunderts. Der 34-Jährige verwaltet heute das Vermögen und die wohltätigen Institutionen der Familie, nachdem er im Investment Banking in London gearbeitet hat. In seinen Entscheidungen über Geld ist er sehr vorsichtig. «Es wäre ein Desaster, wenn ein Fehler die Nachhaltigkeit des Vermögens nach 19 Generationen beenden würde», sagt er im Bericht von Bloomberg.

Milliardärserben

Mehr als ein Drittel der reichsten Italienerinnen und Italiener haben ihr Vermögen geerbt, von den Deutschen sind es zwei Drittel. In der Schweiz haben gar 72 Prozent der Milliardäre ihr Vermögen geerbt. Das ist der dritthöchste Erbenanteil in Europa, nach Finnland mit 100 Prozent und Dänemark mit 83,3 Prozent, wie eine Studie des Peterson Institute for International Economics zeigt.

Insgesamt haben über ein Drittel der Milliardäre in Europa ihr Vermögen geerbt. Weltweit liegen nur Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (je 100 Prozent Erben) noch vor der Schweiz. In den USA sind 28,9 Prozent der Milliardäre Erbinnen und Erben.

Eine der wohltätigen Institutionen der Familie ist die Fuggerei. Das sind 140 Sozialwohnungen in Augsburg, verteilt auf 67 Häuser. Sie wurden bereits 1521 von Jakob Fugger fertiggestellt. Die Bewohner bezahlen für die 60 Quadratmeter grossen Wohnungen eine Miete von 0,88 Euro pro Jahr. So hatte es Jakob Fugger in einem Dekret festgelegt; die Miete sollte einen rheinischen Gulden betragen. Wer in der Fuggerei Mieter werden will, muss Augsburger und nachweislich unverschuldet in Not geraten sein und zudem drei Gebete pro Tag für die Seele von Jakob Fugger und seine Familie sprechen: ein Vaterunser, ein Glaubensbekenntnis und ein Ave Maria.

Da die Elterngeneration immer länger lebt, gehen die Erbschaften an immer ältere Menschen.

HINWEIS | Milliardäre in Europa Wenn Sie mehr über die Milliardäre Europas wissen möchten:

Studie des Peterson Institute for International Economics:

www.piie.com

(→ Research → Publications → Working Papers → Keyword: Superrich)

Studie der Banca d’Italia:

www.bancaditalia.it

(→ Publications → Search → Intergenerational mobility in the very long run: Florence 1427–2011)

Alte Erben

Da die Elterngeneration immer länger lebt, gehen die Erbschaften an immer ältere Menschen. Ein Drittel der Erben sind heute schon im Pensionsalter, zwei Drittel über 50 Jahre alt. Ein Trend, der sich fortsetzen wird.

Erben ist trotzdem mit Abstand der häufigste Weg zum Reichtum in der Schweiz. Schätzungen gehen davon aus, dass gegen 80 Milliarden Franken pro Jahr vererbt werden, wobei zwei Drittel davon an die reichsten vier Prozent der Bevölkerung gehen. Diese erben eine Million Franken oder mehr. Weitere fünf Prozent der Bevölkerung erben zwischen einer halben und einer ganzen Million Franken, ein Viertel zwischen 100 000 und einer halben Million Franken. Über die Hälfte der Bevölkerung erbt gar nichts oder maximal 50 000 Franken (siehe Grafik auf der nächsten Seite).

Wer erbt wie viel?

Aufteilung der Erbenden und der gesamten Erbsumme nach Grösse der Erbschaften (in 1000 Fr.)

54,4 Prozent der Schweizer erben zwischen 0 und 49 900 Franken, was insgesamt rund zwei Prozent des gesamten vererbten Vermögens in der Schweiz entspricht. Dagegen erben 0,6 Prozent der Schweizer fünf Millionen oder mehr, was 30,9 Prozent des gesamten in der Schweiz vererbten Vermögens entspricht.

Quelle: Datenbank E+S, Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS)

Durch Arbeit zu Vermögen kommen

Es gibt drei Wege, über Arbeit zu einem Vermögen zu kommen: eine Firma gründen, arbeiten und sparen oder sich bei der Pensionierung das Kapital auszahlen lassen. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie mehr darüber.

Als Startkapital für eine eigene Firma kann zum Beispiel eine Erbschaft dienen. Aber auch ohne Erben ist es möglich, eine Firma zu gründen: mit der Finanzierung über eine Bank, mit gesparten Mitteln oder mit Geldern aus der Pensionskasse. Jedenfalls ist die Gründung einer Firma neben dem Erben eine weitere wichtige Quelle des Reichtums.

Als Firmengründer zu Vermögen kommen

Während die Firmengründung in wirtschaftlich aufstrebenden Ländern wie China den häufigsten Weg zum Reichtum darstellt, ist sie in der Schweiz die Nummer zwei hinter dem Erben. Derzeit werden in der Schweiz jährlich rund 40 000 Firmen gegründet. Gleichzeitig verschwinden pro Jahr aber auch rund 30 000 Firmen wieder.

Die Firmengründung ist also kein einfacher Weg zu einem Vermögen. Nicht nur, weil viele scheitern, sondern auch weil es lange dauert. Gemäss einer Befragung von 100 Millionären in der Schweiz benötigten die Unternehmer unter ihnen rund 30 Jahre für ihren Vermögensaufbau.

JEAN-LUC BÖGLI KONNTE KAUM DEUTSCH, als er mit 19 Jahren aus dem Jura nach Zürich kam. Heute beliefert er die ganze Schweiz mit seinen Souvenirs – inklusive seiner eigenen Läden, der Edelweiss-Shops. Während er als Kioskverkäufer am Flughafen Zürich arbeitete, begann er, einige T-Shirts mit «Swiss Military» zu bedrucken, und durfte sie im Kiosk verkaufen. So habe er innerhalb von vier Jahren sein eigenes Unternehmen aufgebaut, sagt Bögli. Er sei damals sehr motiviert gewesen: Von seinem 20. Geburtstag an habe er jedes Jahr die Bilanz mit der Liste der 300 Reichsten gelesen und aufbewahrt. Es sei nicht primär die Liebe zum Textil gewesen, die ihn angetrieben habe. Er habe einfach zu Geld kommen wollen. Schon in jungen Jahren, als er es sich nur knapp habe leisten können, habe er ab und zu mit einer netten Begleitung das Zürcher Nobelrestaurant Kronenhalle besucht und habe sich dort inspirieren lassen.

Als Unternehmer reich geworden

Christoph Blocher (EMS-CHEMIE)

Rainer-Marc Frey (Finanzfirma RMF, verkauft)

Jan Schoch (Finanzfirma Leonteq aufgebaut und an die Börse gebracht)

Marcel Erni, Alfred Gantner und Urs Wietlisbach haben zusammen die Finanzfirma Partners Group aufgebaut und an die Börse gebracht, wo die Firma heute über 30 Milliarden Franken wert ist.

Thomas Frey hat mit drei Partnern 2008 die Firma GIANTS Software gegründet, die Onlinespiele programmiert. Das Spiel «Landwirtschaftssimulator» hat sich weltweit einige Millionen Mal verkauft, die Firma ist inzwischen viele Millionen Franken wert.

Oliver Herren, Marcel Dobler und Florian Teuteberg gründeten 2001 den Elektronikhändler Digitec, haben inzwischen die Mehrheit daran an die Migros verkauft und sind dadurch reich geworden.

Alan Frei und Lukas Speiser haben im Jahr 2014 die Sextoyfirma Amorana gegründet. Im Jahr 2020 verkauften sie das Unternehmen für einen Millionenbetrag an die britische Konkurrentin Lovehoney.

Arbeiten und sparen

Natürlich gibt es Leute, die mit Arbeit sehr schnell reich werden. Das sind jene, die mehr als eine Million Franken pro Jahr verdienen. Gemäss dem Verteilungsbericht des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds sind das nicht wenige, sondern immerhin über 13 000 Menschen in der Schweiz. Für alle anderen dauert es eine Weile, bis mit Arbeit und Sparen Reichtum entsteht.

Wer über einen Zeitraum von 30 Jahren pro Monat 1000 Franken auf die Seite legen kann, müsste schon einen jährlichen Zinssatz von 6,3 Prozent erhalten, damit es am Ende zum Millionär reicht. Das ist nicht unmöglich, denn eine solche Rendite ist in den vergangenen 30 Jahren am Aktienmarkt erreicht worden. Doch darauf, dass solche Renditen auch in Zukunft möglich sind, sollten sich die Sparer trotzdem nicht verlassen.

TIPP | Höhe des Sparbetrags Je früher Sie anfangen zu sparen und je höher der Zinssatz ist, der auf dem Ersparten erreicht wird, desto höher wird Ihr Vermögen im Pensionsalter sein. Wer es in jungen Jahren nicht schafft, 1000 Franken pro Monat zur Seite zu legen, fängt eben mit weniger an, vielleicht mit 200 oder gar nur mit 50 Franken pro Monat. Besser nur einen kleinen Betrag auf die Seite legen, als gar nichts zu sparen.

Bei einem Zinssatz von 1 Prozent muss man 30 Jahre lang schon fast 2500 Franken pro Monat sparen können, um am Ende Millionär zu werden.

Allerdings ist es den meisten in den frühen Jahren des Erwerbslebens nicht möglich, wirklich etwas auf die Seite zu legen. Viele schaffen das erst ab einem Alter von 40 Jahren, was bis zur Pensionierung noch 25 Jahre Zeit lässt. Um innerhalb dieser Frist mit Sparen auf eine Million zu kommen, müssen bei einem Zinssatz von 1 Prozent schon fast 3000 Franken pro Monat auf die Seite gelegt werden.

TIPP | Die Hälfte sparen Ein mögliches Rezept, um den monatlichen Sparbetrag zu erhöhen, ist, jeweils die Hälfte oder zumindest ein Drittel einer Lohnerhöhung zu sparen.

Sparvorbilder

Die reichste Ente der Welt, Dagobert Duck, hatte im Jahr 1947 ihren ersten Auftritt in einem Comicheft. Gemäss dieser Geschichte kam Onkel Dagobert nicht reich zur Welt, sondern fing als Schuhputzer in Schottland an und folgte später dem Ruf des Goldes nach Amerika. Dort baute er sich sein Wirtschaftsimperium auf, knauserte sich fantastisch reich und badet seither in seinen Fantastilliarden Talern im Geldspeicher.

Zu Hause bleiben und den Partner, die Partnerin verwöhnen, statt auf Einkaufs- oder Bartour zu gehen.

Wie Dagobert in Entenhausen haben sich in Holland Hanneke van Veen und Rob van Eeden reich geknausert. Ihre Sparstrategien hat das geizigste Ehepaar Europas in einem Buch mit dem Titel: «Wie werde ich ein echter Geizhals?» festgehalten. Damit meinen die beiden nicht einen unsympathischen Geizhals, sondern sehen es eher positiv: «Wenn Sie sparsam leben, nicht mehr verbrauchen als nötig, nehmen Sie nicht länger am Überkonsum teil.» Tatsächlich gibt es sympathischen und weniger sympathischen Geiz:

Sympathisch

Was kaputt ist, reparieren und nicht gleich neu kaufen.

Das Rauchen aufgeben.

Zu Hause bleiben und den Partner, die Partnerin verwöhnen, statt auf Einkaufs- oder Bartour zu gehen.

Um Heizkosten zu sparen, im Winter im Bett frühstücken und ansonsten speziell warme Hausmäntel tragen.

Ein Hobby suchen, das nichts kostet, sondern Geld einbringt: etwa Patchworkdecken quilten, Glasmalen oder auf Auktionsplattformen eigene gebrauchte Gegenstände verkaufen.

Unsympathisch

Sich immer nur einladen lassen, nie andere einladen.

Im Restaurant die halb leere Flasche mit der Begründung zurückgeben, der Wein habe Zapfen. Danach auch kein Trinkgeld geben, weil Sie ja zutiefst verärgert sind.

Pensionskassenkapital auszahlen lassen

In der Pensionskasse sammelt sich über ein Arbeitsleben viel Geld an. Durchschnittlich hat ein Arbeitnehmer, eine Angestellte bei der Pensionierung ein Pensionskassenguthaben von rund einer halben Million Franken. Dieses kann man entweder als Rente in monatlichen Beträgen beziehen oder sich als Kapital auszahlen lassen.

Ob der einmalige Kapitalbezug oder eine monatliche Rente für Sie besser ist, hängt von so vielen Faktoren ab, dass der Entscheid selten eindeutig ist. Es müssen die Vor- und Nachteile abgewogen und individuell gewichtet werden.

Monatliche Rente

Kapitalbezug

Vorteile

Hohe Sicherheit – die Rente bleibt immer gleich hoch, auch wenn Sie deutlich älter werden als der Durchschnitt.

Sie brauchen das Vermögen nicht selber zu verwalten, das tut die Pensionskasse für Sie.

Tiefere Einkommenssteuern

Chance auf eine höhere Rendite als in der Pensionskasse

Anlageentscheide können selber beeinflusst und gefällt werden.

Kapital, das übrig bleibt, kann vererbt werden.

Amortisation einer Hypothek ist möglich.

Bei einer kurzen Lebenserwartung haben Sie beim Kapitalbezug mehr vom Geld.

Nachteile

Langfristig zahlen die meisten höhere Steuern.

Sie haben keinen Einfluss auf die Anlageentscheide der Pensionskasse.

Nach dem Tod kann das übrige Kapital nicht vererbt werden, sondern geht an die Pensionskasse.

Wer sich das Guthaben als Kapital auszahlen lässt, muss plötzlich ein Vermögen selber verwalten.

Sie müssen Kursschwankungen an der Börse aushalten.

Bei einer sehr hohen Lebenserwartung kann der Kapitalbezug schlechter sein.

Es gibt einige wenige Fälle, in denen der Entscheid für den Kapitalbezug relativ eindeutig ist: etwa, wenn Sie aufgrund einer schweren Krankheit mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Lebenserwartung rechnen. Hingegen spricht es für einen Rentenbezug, wenn jemand keine praktische Erfahrung im Umgang mit Geld hat. Am besten eignen Sie sich dieses Wissen schon vorher mithilfe dieses Buches an.

HINWEIS | Rentenhöhe Der Umwandlungssatz von Pensionskassen (PK) entscheidet, wie hoch die Rente aus dem bei der PK angesparten Vermögen wird. Der Satz von 6,8 Prozent gilt für den obligatorischen Teil des PK-Guthabens. Das bedeutet, dass aus 100 000 Franken Sparkapital bei der PK eine jährliche Rente von 6800 Franken wird. Dieser Umwandlungssatz kommt nur beim PK-Vermögen zum Einsatz, das aus Beiträgen von einem Einkommen von bis 90 720 Franken stammt (Stand 2025). Der Anteil des Einkommens, der darüber liegt, wird überobligatorisch versichert. Dort kann die PK selber über die Höhe des Umwandlungssatzes entscheiden. Im Schnitt liegt der umhüllende (obligatorische und überobligatorische) Umwandlungssatz bei einer Pensionierung mit 65 bei 5,25 Prozent. Aus einem angesparten Vermögen von 100 000 Franken wird so eine jährliche Rente von 5250 Franken.

Ein wichtiger Grund, sich für die Kapitalauszahlung zu entscheiden, ist, dass Sie das Geld vererben wollen. Dafür müssen Sie sich das Kapital auszahlen lassen, denn die Rente können Sie nicht vererben. Die Pensionskassen zahlen zwar Hinterbliebenenrenten an Witwen, Witwer und Waisen (bis maximal zum Alter 25). Doch was an Kapital übrig bleibt, geht nicht an die Erben, sondern bleibt bei der Vorsorgeeinrichtung.

Und schliesslich kann es auch steuerliche Gründe geben, das Altersguthaben als Kapital zu beziehen. Denn diesen Kapitalbezug muss man nur zu einem reduzierten Satz versteuern, während die Rente zum vollen Einkommenssteuersatz besteuert wird.

Es kommt aber immer auf die individuelle Gesamtsituation an, ob sich die Auszahlung des Guthabens wirklich lohnt.

Ein wichtiger Grund, sich für die Kapitalauszahlung zu entscheiden, ist, dass Sie das Geld vererben wollen.

Lieber Lotto als Börse?

Es ist viel wahrscheinlicher, mit kontinuierlichen Investitionen an der Börse Millionär zu werden, als mit Gewinnspielen. Warum gibt es dann trotzdem viel mehr Lottospieler und -spielerinnen als Menschen, die an der Börse investieren? Das erfahren Sie hier.

Swisslos wirbt: «Niemand macht mehr Millionäre!» Das ist falsch! Die Börse macht viel mehr Millionäre und Millionärinnen. Aber der Reihe nach: Seit dem Jahr 1979 hat das Zahlenlotto von Swisslos 899 Millionäre gemacht (Stand Juli 2025). Diese Gewinne werden jeweils öffentlich gefeiert. Das lockt Hunderttausende Menschen: Jede Woche werden 500 000 neue Lottoscheine ausgefüllt – 500 000 Mal die Hoffnung auf den ganz grossen Gewinn. Aber für fast alle bleibt das ein Traum. Kein Wunder, denn vom Blitz erschlagen zu werden, ist viel wahrscheinlicher als ein Jackpot im Lotto: Die Chance auf den Jackpot steht bei 1 zu 31 Millionen.

Trotzdem spielen wahnsinnig viele Menschen Lotto. Der Umsatz der Schweizer Lotterien und Wetten betrug im Jahr 2018 rund 2,87 Milliarden Franken. Umgerechnet auf die Wohnbevölkerung entspricht das einem Spieleinsatz von 337 Franken pro Person. Gewonnen wurden pro Kopf im Durchschnitt 227 Franken. Also ist Lotto für die Spieler insgesamt ein Verlustgeschäft von durchschnittlich 110 Franken pro Kopf und Jahr. Trotzdem werden bei jeder Lottoziehung in der Deutschschweiz zwischen 200 000 und 1,7 Millionen Lottoscheine ausgefüllt.

Weitaus weniger Menschen unternehmen den Versuch, mit Börsenanlagen reich zu werden. Dabei ist die Gewinnwahrscheinlichkeit mit Aktien viel höher als beim Lotto: Mit einem diversifizierten Korb von Schweizer Aktien liegt die Gewinnwahrscheinlichkeit bei 66 Prozent. Es wird also in zwei von drei Jahren ein Gewinn erzielt. Zum Vergleich: Mit einem Lottoschein liegt die Wahrscheinlichkeit, überhaupt etwas zu gewinnen – und seien dies bloss fünf Franken –, nur im tiefen einstelligen Prozentbereich.

Renditen mit Schweizer Aktien, zehn Jahre gehalten

Wer in den 1990er-Jahren in Schweizer Aktien investierte und diese über einen Zeitraum von zehn Jahren hielt, konnte bis zu 20 Prozent pro Jahr verdienen. Aus 100 000 Franken wären über 600 000 Franken geworden. Von Ende 2014 bis Ende 2024 rentierten Schweizer Aktien im Durchschnitt mit 5,7 Prozent pro Jahr. In der Grafik ist auch zu sehen, dass es kaum eine Zehnjahresperiode gab, in der die Anleger Geld verloren.

Quelle: Private Magazine, Erwin Heri, Pictet & Cie. und eigene Berechnungen

Der Börsenjackpot

Wer seit dem Jahr 1979 den durchschnittlichen Lottoeinsatz von 337 Franken in Lottoscheine investiert hätte, wäre heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einige Tausend Franken ärmer. Hätte man den Lottobetrag aber all die Jahre auf die Seite gelegt, könnte man sich jetzt über 15 165 Franken freuen. An der Börse wären aus den jährlichen Beträgen bei einer jährlichen Rendite von 8 Prozent sogar über 130 000 Franken geworden. Und hätte man das Geld jährlich der Investorenlegende Warren Buffett anvertraut – durch den Kauf seiner Aktien Berkshire Hathaway –, wären aus den jährlich 337 Franken weit mehr als eine Million Franken geworden. Voilà der Börsenjackpot, der viel wahrscheinlicher ist als jener im Lotto.

Wer zehn Jahre lang Lotto spielt, verliert fast garantiert Geld. Wer dagegen zehn Jahre in eine Vielfalt von Aktien investiert, gewinnt fast sicher.

Wer zehn Jahre lang Lotto spielt, verliert fast garantiert Geld. Wer dagegen zehn Jahre in eine Vielfalt von Aktien investiert, gewinnt fast sicher. In den vergangenen 100 Jahren gab es nur zwei Zehnjahreszeiträume, in denen mit einem breit diversifizierten Korb von Schweizer Aktien ein Verlust resultierte. Mit einem Anlagehorizont von 25 Jahren haben Anleger damit sogar noch nie Geld verloren.

Blendeffekt des Lottojackpots

Trotzdem spielen viel mehr Leute Lotto als an der Börse investieren. Ein Grund: Der theoretisch mögliche Sofortgewinn im Lotto ist sehr hoch, bei Aktien sehr klein. Mit dem Mindesteinsatz von fünf Franken kann man theoretisch – so unwahrscheinlich es auch ist – in einer Woche eine Million Franken oder mehr gewinnen.

Zum Vergleich: Mit einem Einsatz von fünf Franken an der Börse Millionär oder Millionärin zu werden, dauert mehr als eine Generation. Bei einer jährlichen Rendite von acht Prozent dauert es 159 Jahre.

Achtung, Wahrscheinlichkeitsfalle

Im Lotto ist der potenzielle schnelle Gewinn also sehr hoch und der mögliche Verlust eher klein. Das ist die Wahrscheinlichkeitsfalle, in die sich die Spielerinnen und Spieler locken lassen. Je höher der Jackpot, desto mehr Menschen wollen Lotto spielen. Der bisherige Rekordgewinn im Schweizer Lotto wurde am 2. März 2024 ausbezahlt: 64 585 388 Franken. Weil der Jackpot damals so hoch war, wurden um ein Vielfaches mehr Lottoscheine ausgefüllt als bei einer durchschnittlichen Ziehung. Schon als der Jackpot im Februar 2024 bei 53,2 Millionen Franken stand, spielten über eine Million Schweizerinnen und Schweizer mit.

Das zeigt: Von hohen möglichen Gewinnsummen bei gleichzeitig kleinem Einsatz lassen sich Menschen blenden, auch wenn dieser hohe Gewinn extrem unwahrscheinlich ist. Das folgende Beispiel verdeutlicht dieses menschliche Verhalten:

WAHRSCHEINLICHKEITSFALLE: Zur Wahl stehen zwei verschiedene Geldspiele, Spiel A mit 5 Franken Einsatz, bei dem 1000 Franken gewonnen werden können, allerdings mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1000, und Spiel B mit 1000 Franken Einsatz und einem möglichen Gewinn von 10 Franken, wobei die Gewinnwahrscheinlichkeit 999 zu 1000 beträgt, also sehr hoch ist. Fragt man 1000 Menschen, bei welchem Spiel sie mitmachen, wählen die meisten Spiel A. Es gibt ja fast nichts zu verlieren und immerhin winkt ein Gewinn von 1000 Franken. Spiel B wählen sie nicht, weil sie viel, nämlich 1000 Franken, verlieren könnten.

Der Entscheid für Spiel A ist aber irrational. Ein rationaler Mensch müsste sich am Erwartungswert der Spiele orientieren. Dieser liegt beim zweiten Spiel deutlich höher: Obwohl der Einsatz, also die mögliche Verlustsumme, hoch ist, verliert man in dem Spiel kaum je, denn die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts liegt nur bei 1 zu 1000. Der Erwartungswert des Spiels beträgt 8,99. Auf lange Sicht kann man bei Spiel B jedes Mal 8.99 Franken Gewinn erwarten. Bei Spiel A dagegen resultiert ein Erwartungswert von minus 3,995; auf lange Sicht muss man also einen Verlust erwarten. Trotzdem entscheiden sich die meisten Menschen für Spiel A und den fast sicheren Verlust.

Obschon der Erwartungswert im Lotto negativ ist (also ein Verlust resultiert), wirkt der Blendeffekt eines hohen Jackpots. Das Schweizer Lotto hat sogar das System geändert, um bei der Höhe des Jackpots wieder eher mit Euromillions mithalten zu können. Denn wegen des deutlich höheren Jackpots beim europäischen Konkurrenten spielten immer weniger Menschen Schweizer Lotto. Anfang 2013 verkleinerte die Schweizer Lottogesellschaft die Wahrscheinlichkeit, den Jackpot zu gewinnen: Neben den sechs Richtigen muss seither auch noch eine von sechs Glückszahlen richtig angekreuzt werden.

Durch diesen Systemwechsel wurde der Jackpot höher, weil die Wahrscheinlichkeit, ihn zu knacken, von 1 zu 24 Millionen auf 1 zu 31 Millionen sank. Vom Blitz getroffen zu werden, ist fast 100 Mal, bei einem Verkehrsunfall zu sterben sogar einige 1000 Mal wahrscheinlicher.

Der Erwartungswert

Der Erwartungswert eines Spiels ergibt sich durch die Multiplikation des möglichen Gewinns minus den möglichen Verlust mit dessen Wahrscheinlichkeit. Der Erwartungswert von Spiel B beträgt also:

999×101000-1×100010009,99-18,99

Der Erwartungswert von Spiel A dagegen beträgt:

1×10001000-999×510001-4,995-3,995

HINWEIS | Lotto-Millionäre Trotz der geringen Wahrscheinlichkeit gewinnt natürlich immer wieder jemand im Lotto. Seit dem Jahr 1979 wurden mit dem Schweizer Lotto (inklusive Joker) 1091 Menschen zu Millionären, wie die Lottogesellschaft selber in einer Statistik vom September 2024 präsentiert. Allein im Jahr 2023 kamen 25 Lotto-Millionäre hinzu. Spitzenjahr war das Jahr 2007 mit 40 Lotto-Millionären.

Alle Kombinationen spielen?

Erst ab einem Jackpot von rund 80 Millionen Franken würde es sich lohnen, alle möglichen Lotto-Kombinationen durchzuspielen. Man müsste also 15,5 Millionen Lottoscheine kaufen und darauf für fünf Franken zwei Tipps ausfüllen. Natürlich würden neben dem Jackpot auch noch alle kleineren Gewinne anfallen, sodass es sich theoretisch schon bei einem etwas tieferen Jackpot lohnen würde. Allerdings müsste der Lottogewinn auch versteuert werden, der Jackpot müsste also sogar noch höher sein, damit es sich lohnen würde, alle Kombinationen zu spielen. Und selbst dann könnten andere Lottospieler einem einen Strich durch die Rechnung machen. Allenfalls tippt nämlich noch jemand die richtigen Zahlen, und der Gewinn müsste geteilt werden. Dies geschah am 18. Januar 1992, als zehn Gewinner sechs Richtige tippten – Rekord! Die Gewinnzahlen lauteten damals: 4 6 7 16 19 28.

TIPP | Auf welche Zahlen setzen? Wer trotz der hohen Verlust- und der geringen Gewinnwahrscheinlichkeit Lotto spielen will, sollte zumindest Zahlen tippen, auf die möglichst niemand anderes setzt, damit ein allfälliger Gewinn nicht geteilt werden muss. Viele Menschen tippen Geburtstagszahlen. Also gilt es, tendenziell alle Zahlen bis und mit der 31 zu vermeiden. Zudem ist es nicht ratsam, auf dem Lottoschein geometrische Muster anzukreuzen.

Für alle Optimisten sei noch erwähnt, dass es auch Unwahrscheinlicheres als Lottogewinne gibt, etwa siebenmal von einem Blitz getroffen zu werden. Trotz der geringen Wahrscheinlichkeit ist dies dem Amerikaner Roy Cleveland Sullivan tatsächlich passiert.

Ein Tipp (nicht nur) für Lottogewinner

Falls Sie tatsächlich gewinnen: Engagieren Sie einen Finanzberater. Vielleicht ist er auch für die Vermögensverwaltung zuständig, aber vor allem als Abwehrwand sehr nützlich. Lottogewinner – und Menschen, die auf anderem Weg zu einem Vermögen kommen – werden von allen bedrängt: von Eltern, Geschwistern, Freundinnen, Nachbarn, Mitarbeitern, wohltätigen Organisationen und Fremden. Alle wollen etwas Geld. Einige werden danach fragen, andere werden es fordern, etwa mit dem Argument, sie hätten das Geld auch geteilt, wenn sie gewonnen hätten.

Der grösste Lottogewinn aller Zeiten

Die Chancen standen 1 zu 292 Millionen! Trotzdem knackte im Jahr 2022 jemand aus dem US-Bundesstaat Kalifornien den Jackpot im Powerball und gewann 2,04 Milliarden Dollar – den grössten Jackpot der Weltgeschichte.

Was tun mit dem Lottogewinn?

Längst nicht alle Lottogewinner gehen mit dem unverhofften Geldsegen sorgfältig um. Gemäss einer Studie der Camelot Group verlieren 44 Prozent innerhalb von fünf Jahren das ganze Geld wieder. Über 30 Prozent müssen gar Konkurs anmelden. In Befragungen von Lotteriegewinnern in den USA gaben nur 55 Prozent an, glücklicher zu sein als vor dem Geldsegen.

Brad Duke, der im Jahr 2005 im US-Lotto einen Check über 126 Millionen Dollar gewann, gab einen Einblick in das, was er mit dem Geld machte. Er gehört immer noch zu den Multimillionären, ist also eher ein gutes Beispiel.

Zuerst musste Duke den Steuerbehörden 40 Millionen Dollar abliefern, den Rest investierte er gemäss eigenen Angaben wie folgt:

Sichere Obligationen, vor allem Staats- und Gemeindeanleihen der USA: 45 Millionen Dollar

Aggressive Anlagen in Öl, Gas und Immobilien: 35 Millionen Dollar

Gründung einer Familienstiftung: 1,3 Millionen Dollar

Hypothek auf dem Haus zurückgezahlt: 125 000 Dollar

Neue Fahrräder: 65 000 Dollar

Reise nach Tahiti mit 17 Freunden: 63 000 Dollar

Kredit zurückgezahlt: 18 000 Dollar

Gebrauchten VW Jetta gekauft: 14 500 Dollar

Jährliches Geschenk an jedes Familienmitglied: 12 000 Dollar

Es ist auch zu erwarten, dass Sie sehr viele Investitionsvorschläge erhalten. Solche Anfragen können der Anfang vom Ruin sein. Darum brauchen Lottogewinner einen Finanzberater, der als Airbag funktioniert. Wenn jemand nach Geld fragt, kann man ihn einfach weiterweisen: «Ruf meinen Berater an.» Dem Berater die Schuld zu geben, kann Vermögen, Freundschaften und das eigene seelische Wohlbefinden retten.

In Kürze «Zu Vermögen kommen»

Erben Vor allem bei den Reichsten spielen Erbschaften eine zentrale Rolle: Rund die Hälfte der reichsten Personen in der Schweiz haben ihr Vermögen zu grossen Teilen geerbt.

Vermögen durch Firmengründung Ein weiterer wichtiger Weg zu Reichtum ist die Gründung eines Unternehmens. Während dies in Ländern wie China der häufigste Weg ist, rangiert die Firmengründung in der Schweiz nach dem Erben auf Platz 2. Die Unternehmensgründung ist jedoch risikobehaftet – und es kann Jahrzehnte dauern, bis ein bedeutendes Vermögen aufgebaut ist.

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