Longevity - Harry Büsser - E-Book

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Harry Büsser

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Beschreibung

Longevity, die Wissenschaft vom langen und gesunden Leben, ist derzeit omnipräsent – und ein lukratives Feld für Firmen und Investoren auf der ganzen Welt. Dieser Ratgeber nimmt den aktuellen Hype unter die Lupe und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Langlebigkeit: Welche Massnahmen und Mittel nützen erwiesenermassen und welche nicht? Bei welchen Angeboten ist sogar Vorsicht geboten? Wohin könnte der Weg in Zukunft führen? Und was nützt mir hier und jetzt? Im Fokus stehen Genetik, Lebensstil, Umweltfaktoren, Nahrungsergänzungsmittel und Vorsorgeuntersuchungen, aber auch umstrittene Methoden wie Hormonersatztherapien oder Zellverjüngung.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Longevity

Stand des Wissens in diesem Ratgeber ist Mai 2025, wobei zu beachten ist, dass sich die Forschung dynamisch entwickelt und laufend neue Studien publiziert werden. Eine Haftung des Autors beziehungsweise des Verlags ist ausgeschlossen.

Impressum

Beobachter-Edition, Ringier AG, Flurstrasse 55, CH-8048 Zürich

[email protected], www.beobachter.ch

© 2025 Beobachter-Edition

Alle Rechte vorbehalten

Eine Nutzung dieses Werks zum Training

von KI-Technologien ist untersagt.

Herausgeber: Der Schweizerische Beobachter

Lektorat: Nik Walter

Reihengestaltung und Umschlag: Frau Federer GmbH

Satz: Bruno Bolliger

Herstellung: Bruno Bächtold

Druck: CPI Books GmbH, Ulm

ISBN 978-3-03875-594-4

eISBN 978-3-03875-595-1

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Auslieferung EU: Müller – Die lila Logistik Fulfillment Solutions GmbH & Co. KG, Am Buchberg 8, D-74572 Blaufelden, [email protected]

Harry Büsser

Longevity

50 Antworten rund ums längere Leben

Der Autor

Harry Büsser ist vielfach ausgezeichneter Journalist mit einem Master der Universität St. Gallen (HSG) mit Vertiefung Risikomanagement. Als Vater mit 50 treibt ihn die Frage nach einem langen, gesunden Leben persönlich an. Für dieses Buch hat er sieben Jahre recherchiert, vieles selbst getestet und mit führenden Expertinnen und Experten gesprochen.

Dank

Für Ria – du erinnerst mich jeden Tag daran, warum es sich lohnt, fit und neugierig zu bleiben.

Inhalt

Vorwort

Wieso dieses Buch, und wie nutzen Sie es?

1 Grundsätzliche Fragen

1 Was ist Longevity?

2 Was ist das biologische Alter?

3 Wie sehen die Trends bei der Lebenserwartung aus?

4 Was können wir von den «Blue Zones» lernen?

5 Warum altern wir?

6 Wie viele gesunde Jahre kann man dank Longevity-Interventionen herausholen?

7 Was sind ethische Bedenken rund um die Verlängerung der Lebensspanne?

8 Wie kann man beurteilen, ob eine Studie etwas taugt?

9 Wieso machen Studien Schlagzeilen, die nicht reproduziert werden können?

In Kürze «Grundsätzliche Fragen»

2 Lebensstil und Umweltfaktoren

10 Welche Rolle spielt die Genetik?

11 Wie wird der Einfluss der Gene auf die Langlebigkeit berechnet?

12 Wie wichtig ist die Ernährung?

13 Gibt es Diäten, die den Alterungsprozess beeinflussen?

14 Welches sind die besten Ernährungskonzepte? Und welches sind die schlechtesten?

15 Was ist Intervallfasten, und welche Effekte hat es wirklich?

16 Welche Rolle spielt der Schlaf?

17 Was kann man fürs Hirn tun?

18 Was kann man durch Ausdauertraining erreichen?

19 Bringt Krafttraining einen Nutzen?

20 Wie wichtig sind soziale Kontakte für ein langes, gesundes Leben?

21 Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Bildung und Langlebigkeit?

In Kürze «Lebensstil und Umweltfaktoren»

3 Nahrungsergänzungsmittel

22 Welche Limiten hat die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln?

23 Sollten Sie Magnesium nehmen?

24 Warum ist Vitamin D wichtig?

25 Warum brauche ich Omega-3-Fettsäuren?

26 Welche Rolle spielen Antioxidantien wie Vitamin E?

27 Wie beeinflussen Probiotika und die Darmgesundheit das Altern?

28 Was sind NMN, NR und NAD+, und wie wirken sie auf die Zellalterung?

29 Kann Resveratrol dem Alterungsprozess entgegensteuern?

30 Was ist Kreatin, und wie kann es helfen?

31 Welche weiteren Nahrungsergänzungsmittel können allenfalls helfen?

In Kürze «Nahrungsergänzungsmittel»

4 Vorsorgeuntersuchungen

32 Welche Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll für ein langes, gesundes Leben?

33 Was bringen DNA-Tests?

In Kürze «Vorsorgeuntersuchungen»

5 Kälte, Hitze und technische Hilfsmittel

34 Kann Kälte helfen?

35 Was sind die Vorteile und Risiken von Kältekammern für die Langlebigkeit?

36 Kann Hitze helfen?

37 Was ist Photobiomodulation, und wie kann sie das Altern verlangsamen?

38 Wie funktioniert hyberbare Sauerstofftherapie, und kann sie wirklich das Altern verlangsamen?

In Kürze «Kälte, Hitze und technische Hilfsmittel»

6 Medikamente, Biotechnologie, Zukunftsperspektiven

39 Das Diabetesmittel Metformin kann bei Mäusen das Leben verlängern. Und bei Menschen?

40 Wie beeinflussen Abnehmspritzen wie Wegovy oder Mounjaro die Gesundheit?

41 Was ist Rapamycin, und welche Wirkungen sind davon zu erwarten?

42 Welche Effekte auf die Langlebigkeit haben Hormonersatztherapien für Frauen?

43 Welche Effekte auf die Langlebigkeit haben Hormonersatztherapien für Männer?

44 Warum sind klinische Studien zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne schwierig durchzuführen?

45 Kann man die ewige Jugend für 36 000 Dollar pro Jahr kaufen?

46 Welche neuen Technologien könnten das Altern stoppen oder gar umkehren?

47 Welche Firmen arbeiten an Methoden zur Verlängerung des Lebens?

48 Wie gross ist der Longevity-Markt, und wie entwickelt er sich?

In Kürze «Medikamente, Biotechnologie, Zukunftsperspektiven»

7 Lifestyle

49 Was bieten Longevity-Hotels? Und was ist von Longevity-Kliniken zu halten?

50 Wieso sind Gesundheits-Influencer und Bekannte keine guten Longevity-Ratgeber?

In Kürze «Lifestyle»

Anhang

Stichwort- und Personenverzeichnis

Quellen

Literatur

Vorwort

Ins Thema Longevity bin ich erstmals als Chefredaktor eines Schweizer Luxusmagazins eingetaucht. Die Begeisterung der Leserinnen und Leser war enorm. Je tiefer ich recherchierte, desto mehr wurde mir bewusst: Das ist keine Nische, sondern hier geht es um einige der wichtigsten Fragen unserer Zeit.

Dazu kommt meine persönliche Motivation. Mit 50 wurde ich Vater – ein spätes Glück, das mich antreibt. Ich will nicht nur dabei sein, wenn meine Tochter erwachsen wird. Ich will mit ihr mithalten, spielen, erleben. Und das so lange wie möglich.

Diese doppelte Motivation hat mich auf eine intensive Reise geführt. Ich besuchte internationale Longevity-Konferenzen, probierte modernste Therapien in renommierten Kliniken von Gstaad über Weggis bis zum Genfer- und Wörthersee aus. Überall sprach ich mit führenden Ärztinnen und Ärzten, recherchierte, testete – nicht nur als Journalist, sondern als jemand, der das Thema lebt.

Ich schreibe nicht aus dem Elfenbeinturm der Forschung, sondern suche selbst nach Antworten – genau wie Sie, meine Leserinnen und Leser. Deshalb ist dieses Buch kein trockenes Fachwerk, sondern (auch) eine persönliche Erkundung. Ich will nicht nur informieren, sondern auch unterhalten, überraschen und zur Reflexion anregen.

Visionäre Wissenschaftler getroffen

Dafür habe ich Hunderte wissenschaftliche Studien gelesen und mit vielen Forscherinnen und Forschern geredet, etwa mit Nir Barzilai (Jg. 1955). Der renommierte Alterswissenschaftler und Genetiker ist Direktor des Institute for Aging Research am Albert Einstein College of Medicine in New York und ein starker Protagonist der Langlebigkeitswirkung des Medikaments Metformin. Ich halte mit anderen dagegen – siehe Frage 39: «Das Diabetesmittel Metformin kann bei Mäusen das Leben verlängern. Und bei Menschen?»

Auch mit dem Wissenschaftler Aubrey de Grey (Jg. 1963) führte ich lange Gespräche. Er ist eine Gallionsfigur der Longevity-Szene und unter anderem Vater der Theorie, dass das Altern durch gezielte biotechnologische Interventionen gestoppt oder umgekehrt werden kann. De Grey ist ein Visionär, seiner Zeit voraus, wie man so schön sagt.

Besuch im Labor, wo die Grenzen von Longevity verschoben wurden

Mehr Bodenhaftung hat der Mediziner Eric Verdin (Jg. 1955), der Chef des Buck Institute for Research on Aging, eines der führenden Forschungszentren für Longevity-Wissenschaft. Er sieht als Ziel der Longevity-Forschung, ein zusätzliches gesundes Jahrzehnt zu erreichen (siehe Frage 6).

Ich habe mit vielen weiteren Experten geredet. Ganz besonders hervorheben möchte ich meinen Besuch im Conboy Lab an der University of California, Berkeley. Dort forschen Irina und Michael Conboy. Sie haben die Grenzen der Longevity-Wissenschaft schon mehrmals verschoben. Wer ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen, Risiken und tatsächlich anwendbaren Möglichkeiten von Longevity will, sollte direkt zur Frage 45 gehen: «Gibt es ewige Jugend für 36 000 Dollar pro Jahr?»

Viel Spass beim Lesen!

Harry Büsser

Juni 2025

Wieso dieses Buch, und wie nutzen Sie es?

So faszinierend das Potenzial der Langlebigkeitsforschung auch ist – oft lauern hinter grossen Versprechen geschäftstüchtige Leute, die eher auf Umsatz und Gewinn aus sind, als wirklich nützliche Hilfe zu bieten.

Viele Anbieter von Longevity-Produkten ziehen sich ein wissenschaftliches Kleid an, erzählen von Studien, die belegen, was ihre Produkte und Dienstleistungen versprechen. Das hört sich oft so gut an, dass viele Leute es glauben wollen.

Kein Wunder, wird in dem Markt viel verkauft: Die Umsätze im Longevity-Markt werden heute weltweit auf über 20 Milliarden Dollar geschätzt. Natürlich ist nicht alles, was da verkauft wird, ein Wundermittel. Ganz im Gegenteil: Viele Produkte sind wissenschaftlich kaum überprüft. Ob Nahrungsergänzungsmittel wie Resveratrol oder Hightechtherapien – die Grenze zwischen Wissenschaft und geschicktem Marketing ist oft sehr dünn.

Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie geschicktes Marketing von wissenschaftlicher Evidenz unterscheiden können. Die tiefsten und überraschendsten Einsichten dazu finden Sie unter anderem in den Antworten auf die Frage 26: «Welche Rolle spielen Antioxidantien?», die Frage 28: «Was sind NMN, NR und NAD+, und wie wirken sie auf die Zellalterung?», die Frage 38: «Wie funktioniert Hyberbare Sauerstofftherapie, und kann sie wirklich das Altern verlangsamen?» sowie auf die Frage 45: «Gibt es für 36 000 Dollar pro Jahr ewige Jugend?»

Wer sich besonders für diese investigativen Fragen interessiert, fängt am besten bei Frage 45 an. Es ist durchaus auch möglich, die Fragen im Inhaltsverzeichnis durchzugehen und dort zu starten, wo ihr grösstes Interesse liegt. Für einen Gesamtüberblick können Sie nachher noch bei Frage 1 beginnen.

Insgesamt beantwortet dieses Buch die Frage: Was ist wirklich möglich mit den Erkenntnissen der Langlebigkeitsforschung? Was von den Longevity-Versprechen ist wahr, was Hype? Und was können Sie konkret für Ihre eigene Gesundheit tun?

Nach dem Lesen dieses Buches werden Sie sich selbstbewusst im Longevity-Dschungel bewegen und Ihre eigene Gesundheitsstrategie entwickeln können – eine, die zu Ihnen und Ihrem Leben passt. Dabei geht es nicht darum, möglichst lange zu leben, sondern die Lebensjahre, die Sie haben, so gesund und erfüllt wie möglich zu gestalten.

1Grundsätzliche Fragen

1 | Was ist Longevity?

«Longevity» heisst auf Deutsch «Langlebigkeit», der Begriff wird heute aber als Schlagwort für verschiedene Dinge verwendet: zum einen für die Altersforschung, dann auch für die Industrie, die dahintersteckt, und nicht zuletzt für den Lifestyle, also die Bestrebungen von Menschen, ihr Leben für ein möglichst langes und gesundes Dasein zu optimieren.

Haben Sie schon mal davon geträumt, mehr gesunde Jahre in Ihrem Leben zu haben? Genau das ist das Versprechen der Longevity-Forschung: das Altern zu verlangsamen, die gesunde Lebensspanne zu verlängern – und ja, vielleicht sogar einige der Prozesse des Alterns umzukehren.

Das klingt ganz nett und ist der Grund, warum sich über die Jahre unzählige schlaue Köpfe zusammengetan haben, die alle das Geheimnis des Alterns knacken wollen. Für viele von ihnen ist Altern kein unausweichliches Schicksal mehr, sondern eine Krankheit, die man behandeln kann.

Ja, richtig gehört: Viele in der Szene betrachten das Älterwerden quasi als Gebrechen, gegen das man vorgehen muss, unter anderem, weil es das Risiko für andere Krankheiten erhöht, etwa für Diabetes, Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings gibt es auch mindestens gleich viele Expertinnen und Experten, für die das Altern keine Krankheit ist.

Longevity verspricht derzeit vor allem, mehr gesunde Jahre im Leben haben zu können.

Die Wissenschaft hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt. Gentherapien und Medikamente wie Rapamycin könnten künftig nicht nur Krankheiten bekämpfen, sondern helfen, die «Problemjahre» im letzten Lebensjahrzehnt zu reduzieren. Auf diese müssen sich leider (noch) die meisten Menschen in entwickelten Ländern gefasst machen.

Vielleicht können neue Erkenntnisse in der Longevity-Forschung einen Teil dieses Jahrzehnts voller Schmerzen und Einschränkungen durch Jahre gesundheitlich unbeschwerter Lebensfreude ersetzen.

2 | Was ist das biologische Alter?

Das chronologische Alter entspricht der Zahl der Jahre, die man auf der Welt verbracht hat. Im Gegensatz dazu beschreibt das biologische Alter, wie alt unsere Zellen und Organe sind, unabhängig von unserem Geburtsjahr.

Um biologisch jung zu bleiben, oder sogar zum biologischen Alter eines 18-Jährigen zurückzukehren, beschäftigt der Techmillionär Bryan Johnson (Jg. 1977) ein ganzes Ärzteteam und gibt pro Jahr zwei Millionen US-Dollar aus. Dank seinen Interventionen für ein langes, gesundes Leben altere er biologisch nur noch 0,64 Jahre pro Jahr, behauptet er. Deswegen feiert er auch seinen Geburtstag nur noch alle 19 Monate.

Tatsächlich haben Menschen mit einem biologisch jüngeren Alter ein geringeres Risiko für altersbedingte Erkrankungen wie Herzprobleme, Diabetes oder Demenz, wie Studien zeigen.

Darüber hinaus könnte das biologische Alter eine Schlüsselrolle in der Forschung und in der Entwicklung neuer Anti-Aging-Medikamente spielen. Dabei muss man sich vorstellen, wie lange es dauert, den Beweis anzutreten, dass ein bestimmtes Medikament die gesunde Lebensspanne verlängert. Wenn man nur das chronologische Alter als Messinstrument hat, geht das bei Mäusen mit einer Lebenserwartung von drei Jahren noch relativ schnell, aber beim Menschen mit einer Lebenserwartung von über 80 Jahren dauert das viel zu lange. Hier könnte das biologische Alter wertvolle Dienste leisten, schnellere, messbare Ergebnisse zu erzielen.

Eine kritische Einordnung

Die heutigen Methoden zur Messung des biologischen Alters sind (noch) zu wenig verlässlich. Letztlich ist bisher nur eine Annäherung an die komplexen Prozesse, die das Altern bestimmen, möglich. Ein grosses Problem dabei ist, dass das biologische Alter nicht linear zu verlaufen scheint wie das chronologische Alter, sondern in Schüben; mal beschleunigt es sich, dann verlangsamt es sich wieder.

3 | Wie sehen die Trends bei der Lebenserwartung aus?

Mit meinen 54 Jahren auf der Erde wäre ich vor 100 Jahren in der Schweiz schon als Methusalem bezeichnet worden. Wahrscheinlich gäbe es mich nicht mehr, auch weil ich schon mehrere Operationen (Blinddarm, Knie) hinter mir habe und damals die Hygiene in Spitälern noch unzureichend war.

Jedenfalls hatten Männer in der Schweiz vor 100 Jahren eine Lebenserwartung von nur 48 Jahren, Frauen von 52. Beide Geschlechter kommen inzwischen auf 33 zusätzliche Lebensjahre. Das hat wenig mit Longevity im engeren Sinn oder Anti-Alterungs-Medikamenten zu tun, sondern vor allem mit Fortschritten in der klassischen Medizin bei der Bekämpfung von Krankheiten und allgemein verbesserten Lebensumständen. Insbesondere stechen drei Faktoren heraus:

1. Tiefere Kindersterblichkeit

Noch vor 100 Jahren starben viele Kinder in ihren ersten Lebensjahren an Krankheiten wie Masern, Tuberkulose oder anderen Infektionskrankheiten.

2. Neue Medikamente und bessere Hygiene

Damals gab es weder Antibiotika noch Impfstoffe. Zudem war die Hygiene in Krankenhäusern und im Alltag nach heutigen Massstäben unzureichend.

3. Höherer allgemeiner Lebensstandard

Vor 100 Jahren lebten viele Menschen in der Schweiz in Armut und konnten sich keine ausgewogene Ernährung leisten. Auch war die Arbeitswelt damals viel gefährlicher für die Gesundheit. Die Schweiz war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine Industrienation, und die Arbeiterinnen und Arbeiter in Fabriken waren wenig vor Unfällen geschützt. Lange Arbeitszeiten von 12 bis 14 Stunden erhöhten die Unfallwahrscheinlichkeit wegen Ermüdung. Zudem war die Arbeiterschaft oft Giftstoffen ausgesetzt – etwa in der Textilindustrie, in der vor 100 Jahren noch rund ein Viertel der Schweizer Arbeitsbevölkerung direkt oder indirekt beschäftigt war.

Heute liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in vielen Ländern bei über 80 Jahren. In der Schweiz beträgt sie aktuell etwa 84 Jahre (Männer: 82,2 Jahre, Frauen: 85,8 Jahre). Es ist aber unklar, wie stark sie in Zukunft noch steigen wird. Sicher ist, dass sich die Entwicklung seit dem Jahr 1990 global verlangsamt hat. Kamen früher pro Jahrzehnt drei Lebensjahre hinzu, sind es seit 1990 noch 2,2 Jahre.

Auch in der Schweiz hat sich der Trend abgeflacht, was unter anderem auf Faktoren wie Folgeerkrankungen von Fettleibigkeit und die zunehmenden Auswirkungen von Demenzerkrankungen zurückgeführt wird. In den USA ist die Lebenserwartung in den letzten Jahren sogar gesunken, beeinflusst durch die Opioidkrise, Fettleibigkeit und Waffengewalt.

Der Trend zur längeren Lebenserwartung hat sich in der Schweiz abgeflacht.

Parallel zur Lebenserwartung ist auch die gesunde Lebensspanne («healthspan») gestiegen, allerdings weniger stark. Derzeit leben Schweizerinnen und Schweizer im Durchschnitt 71 Jahre lang ohne schwere oder chronische Erkrankungen, im Jahr 2000 waren es noch 68,5 Jahre. Der Abstand zwischen gesunder Lebensspanne und Lebenserwartung, also die «Problemjahre», ist in den letzten Jahren leicht gewachsen: Betrug die Differenz im Jahr 2000 noch 11,3 Jahre, sind es aktuell 12,5 Jahre. Grund genug, noch mehr in die Bemühungen zu investieren, möglichst lange gesund zu leben.

4 | Was können wir von den «Blue Zones» lernen?