Rio Adoro 2 - Holly Bell - E-Book

Rio Adoro 2 E-Book

Holly Bell

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Beschreibung

Tim und Gabriel, die Helden aus Rio Adoro feiern das Leben und nutzen Chancen - Gabriel im Sprachkurs und Tim beim Fußballtraining. Dass ausgerechnet ein gutaussehender, junger Kicker namens Pakka den harmonischen Alltag auf den Kopf stellt und für gehörigen Wirbel sorgt, macht alles mächtig kompliziert. Aber das Leben ist eben kein Ponyhof, oder? Lasst euch mitnehmen auf eine Reise durch das winterliche Münster, mit drei zuckersüßen Jungs, Schokolade, einer Menge Kakao und spritzig-heißen Fußballträumen!

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Seitenzahl: 232

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Rio Adoro 2

Holly BellImpressum

Holly Bell

Rio Adoro 2

Gay Romance

Copyright © Holly Bell, 2022

Cover by Kts/Dreamstime.com

ALLE RECHTE VORBEHALTEN

Alle Handlungen, Namen und Lokalitäten in dieser Geschichte sind frei erfunden. Diese Story beinhaltet Sexszenen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, die für Leser unter 18 Jahren nicht geeignet sind. Im wirklichen Leben gilt natürlich immer das Safer-Sex-Prinzip.

E-Mail: [email protected]

Über den Autor:

Holly Bell ist das Pseudonym zweier Autoren, D. Holly und Eden Bell. Sie vereinen das Beste aus beiden Ländern, Deutschland und Österreich und sind im Hardcore-Bereich genauso zuhause wie auch im Romance-Sektor. Neben der Wiederveröffentlichung bekannter Klassiker ist auch der Release von neuen Romanen und Serien geplant.

Tim

Ich habe das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit geschlafen wie ein Stein. Alles ist perfekt. Ich strecke mich, als die Sonnenstrahlen, die zwischen den Lamellen der Markise hindurch scheinen, mich wachküssen. Langsam öffne ich die Augen. Ich schaue auf beide Seiten des Bettes und kann Gabriel nirgendwo entdecken. Dann höre ich ein leises Fluchen, gefolgt von einem dumpfen Scheppern aus meiner Küche. Ich steige leise aus dem Bett und schleiche mich in Richtung der Geräusche. Gabriel steht in der Küche, nur in einer engen Shorts und schaut von links nach rechts. Er ist sichtbar überfordert mit der modernen Technik, die sich in meiner Küche befindet. Er steht vor der Kaffeemaschine mit dem separaten Milchaufschäumer und der eingebauten Kaffeemühle und kratzt sich am Kopf.

Ich muss mich wirklich zusammenreißen um nicht laut loszulachen. Er schüttelt nur den Kopf und geht in Richtung Kühlschrank und kippt dann Milch in zwei Tassen und stellt sie auf das Tablett, neben den von ihm bereits vorbereiteten Brotkorb, der Marmelade und einem Teller mit Schinkenaufschnitt. Dann schaut er sich nochmal um und ich bin mir sicher, mit der Hälfte meiner Küchengeräte kann der Kleine nichts anfangen. Als er zu dem Tablett geht und es anhebt, schleiche ich schnell zurück ins Bett, ziehe mir die Decke wieder über den Kopf und stelle mich schlafend.

Gabriel schleicht herein und stellt das Tablett neben dem Bett ab. Dann kriecht er wieder zu mir unter die Bettdecke und ich spüre, wie er sich an mich kuschelt und anfängt meinen Hals zu küssen.

Ich strecke mich und schaue Gabriel verschlafen an. „Guten Morgen, mein Schatz“, sage ich grinsend und blicke in Gabriels wundervolle Augen. Er sieht so dankbar und zufrieden aus, dass ich merke, wie mein Herz nur vom Ausdruck seiner Augen schneller zu schlagen beginnt. Anstatt etwas zu erwidern legt Gab sich auf mich und drückt mir seine Zunge in den Mund und gibt mir wieder einen dieser unglaublich intensiven und ehrlichen Zungenküsse.

Ich streife an seinem Rücken zärtlich entlang bis nach unten, zu seinem süßen Po und wir verweilen lange in dieser Stellung. Gabriel drückt sich dann etwas nach oben und schaut mir in die Augen. „Ich habe Frühstück gemacht. Oder besser gesagt ich habe es versucht.“

Ich nicke nur. „Ich habe es gesehen“, erwidere ich lachend.

Gabriel baut sich vor mir auf und setzt sich mit seinem Hintern auf meinen Bauch. „Du hast was?“, schnauft er mich gespielt sauer an und kneift mir hart in meine linke Brustwarze, so dass ich laut quieke und Gabriel von meinem Bauch schubse. Wir lachen beide und toben wie die kleinen Kinder in meinem Kingsize Wasserbett.

„Soll ich uns einen Kaffee machen?“ frage ich meinen kleinen Prinzen dann.

Die Antwort ist ein Kissen in meinem Gesicht. „Ja so ein Ding mit Milch, wie du immer bestellst, die Maschine sieht so aus, als könnte sie das“, stellt Gabriel glucksend fest.

Ich nicke nur. „Das Ding heißt Latte Macchiato“, erkläre ich und verschwinde in die Küche. Als ich nach ein paar Minuten mit zwei großen Latte Macchiatos wieder in das Schlafzimmer gehe, hat Gabriel, wie könnte es auch anders sein, schon den Mund voll und nascht Brot und die Marmelade, die die Freundin eines Mitspielers immer für die ganze Mannschaft kocht. „Die schmeckt ja noch viel besser als die im Hotel!“ Gabriel schmatzt mit vollem Mund.

Ich muss lachen. „Du bist echt verfressen“, foppe ich ihn und lasse mich auf das Bett plumpsen und nehme Gabriel den Rest seines Marmeladenbrotes aus der Hand und drücke es mir komplett in den Mund. Gabriel protestiert, aber es ist bereits zu spät. Er knufft mich leicht in die Seite und schmiert sich eine neue Scheibe. Ich sehe, wie Gabriel auf seinen Latte Macchiato pustet und überlege einen Spruch zu bringen. Aber Gabriel wirft mir schon einen strafenden Blick zu, als ich noch überlege welcher Kommentar passen könnte, also lasse ich es.

„Ich denke, ich sollte dir heute mal ein bisschen deine neue Stadt zeigen. Weil wir gestern gespielt haben ist heute frei. Ich würde sagen, wir verpassen dir erst mal ein paar neue Klamotten. Außerdem müssen wir noch eine Sprachschule für dich finden.“ Ich schau Gabriel an, aber statt auf eine Reaktion zu warten, brauche ich nur in seine leuchtenden Augen schauen, um zu wissen, dass das genau das ist, was mein kleiner Hero heute machen will.

Gabriel

Es schneit, als wir nach draußen gehen und es passiert mehr als einmal, dass ich versuche, mit meinem Mund ein paar Schneeflocken aufzufangen. Ich trage zum ersten Mal in meinem Leben Fäustlinge. Das ist ein extrem komisches Gefühl, weil ich meine Finger ja nicht bewegen kann, aber die Dinger sind wirklich ein großartiger Schutz vor der bitteren Kälte. Tim hat mich mit Haube, Schal und Handschuhen ausgestattet, worüber ich sehr froh bin.

Ich bin so aufgeregt, als würde ich eine völlig neue Welt entdecken. Was ich ja in gewisser Weise auch tue. Ich sehe so viele verschiedene Menschen aller Altersgruppen und obwohl es höllisch rutschig auf der Straße ist, sind voll viele Leute mit dem Fahrrad unterwegs. Ich finde die Fahrräder hier in Deutschland wunderschön. Fast keines sieht so aus, als hätte es bereits einen Krieg überstanden. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus.

Tim erzählt mir ein wenig über die Geschichte der Stadt Münster, aber ich hoffe, er erwartet nicht, dass ich mir das alles merke. Wir schlendern zu einem total schönen Platz, der sich Prinzipalmarkt nennt und ich drücke meine Nase an so manches Schaufenster, einfach weil die Cafés und Läden so schön dekoriert sind und ich sehr neugierig bin.

Münster ist ganz anders als Rio. Es riecht nach etwas, das ich nicht benennen kann. Tim erklärt mir, dass der gute Duft von einem Stand kommt, wo man frische Waffeln kaufen kann. Was genau das ist, weiß ich noch nicht. Aber es klingt lecker.

Man sieht hier keine Behausungen aus Pappe oder Blutflecken auf dem Asphalt.

Die Stadt ist atemberaubend. Ich sauge jedes Bild in mir auf, als wäre ich am Verdursten und bräuchte jeden Eindruck wie Wasser zum Überleben. Immer, wenn ich meine Zunge herausstrecke und einen Eiskristall auffange, lacht Tim. Ich hoffe, dass er sich nicht mit mir schämen muss.

Ich würde gerne Tims Hand halten, aber ich glaube, das geht nicht.

Ich staune nicht schlecht, als ich sehe, wie eine Gruppe junger Menschen eine Traube um uns bildet und Tim um Unterschriften und Fotos mit ihm bittet. Ich komme mir selber vor wie eine Berühmtheit, weil ich so viele bewundernde und fröhliche Blicke sehe.

Viele Kinder schauen schwärmend zu ihm auf und sagen, dass sie auch einmal so gut werden wollen wie er. Mir wird ganz warm ums Herz, als ich sehe, wie beliebt er in seiner Heimat ist. Ich kuschle mich tiefer in meine Jacke und meinen Schal, weil ein Wind aufkommt.

„Hammer Spiel gestern, Thomson!“, raunt uns ein junger Mann zu, dessen Haare zu viel Gel drinnen haben und der abstehende Ohren hat. Seine Wangen sind knallrot von der Kälte.

Tim grinst übers ganze Gesicht. „Danke, Mann.“

Die beiden scheinen sich zu kennen und besiegeln ihr Wiedersehen mit einem Handschlag.

„Hau rein, Kleiner!“, sagt mein Schatz.

Der Bursche mit den Segelohren geht seines Weges.

Ich gehe an Tims Seite und freue mich über eine dicke Schneeflocke, die auf meiner Unterlippe landet. „Ein Freund von dir?“ Ich stupse ihn liebevoll in die Seite.

„Ein Fan“, lacht Tim.

Wir gehen durch einen Park und kommen zu einer Stelle, wo viel Schnee liegt. Zwei Kinder bauen gerade etwas, das ziemlich lustig aussieht. Ich halte meinen Bauch vor Lachen, weil die zwei Kugeln, die übereinander gestapelt sind, eine Karotte als Nase und zwei Kohlenstücke als Augen bekommen. Die Kids schauen mich verwundert an und Tim erklärt mir, dass das ein Schneemann ist.

Dann sehe ich das Gebäude mit den gebogenen Mauern, das bedrohlich und mächtig da steht und wie aus einer anderen Zeit zu kommen scheint.

Mein Mund ist weit offen und ich bestaune die Fenster und Bäume und frage mich, wer dort wohl mal gewohnt hat.

„Das ist der Zwinger“, erzählt Tim. Sein Blick ist ernst. „Da kommen Jungs hin, die ungehorsam und vorlaut sind.“

Ich schlucke. Ich prüfe noch einmal Tims Miene, aber es ist wohl kein Scherz.

Mein Held befeuchtet seine Lippen. „Man erzählt sich, dass es dort spukt. Der Zwinger steht seit dem Mittelalter und hat Kriege überlebt. Wenn du mal unartig bist, bring ich dich hierher.“

Dann schmunzelt er. Fischt mir meine Haube vom Kopf und wuschelt mir durchs Haar.

Ich lache. „Spinner!“

„Selber!“

Ich bücke mich und forme aus dem Schnee eine faustgroße Kugel und werfe sie in Richtung Tims Oberkörper. So schnell kann ich gar nicht reagieren, stürzt er sich auf mich und taucht mich kopfüber in den Schnee am Straßenrand.

Ich fuchtle wild mit meinen Armen, aber das bringt nichts. Das Zeug ist so eiskalt, dass ich vor Panik kurz schreie. Dann verschlucke ich mich vor lauter Lachen und weil ich etwas Schnee in meinen Mund bekomme. Ich wehre mich so gut ich kann. Schnell hab ich Tim im Schwitzkasten und verpasse ihm ein paar Kopfnüsse.

Meine Ohren glühen. Am Morgen war ich noch etwas müde, aber dank der Action im Schnee bin ich jetzt putzmunter.

Tim ist so süß, wenn er sich anstrengt. Dann presst er seine Lippen aufeinander und man sieht einen kleinen Teil seiner Zungenspitze.

Die Kälte beginnt weh zu tun. An das Wetter werde ich mich erst gewöhnen müssen. Ich atme erleichtert auf, als wir in eine Gasse einbiegen, wo Tim mit mir in einen Klamottenladen geht.

Wir putzen uns den Schnee von unseren Jacken und die Verkäuferin in Stöckelschuhen bestraft uns mit bösen Blicken.

Ich lächle unschuldig, doch der Gesichtsausdruck der Lady bleibt hart. Ich schaue mich um und sehe Pullover und Hosen und Hemden und weiter hinten sehr schicke Anzüge.

Die Lady mit den komischen Schuhen räuspert sich und startet auf uns zu. Jetzt erkennt sie Tim und plötzlich schenkt sie uns ein gespieltes, freundliches Lächeln. „Herzlich willkommen. Was kann ich für die beiden jungen Herren tun?“

Tim wickelt sich aus seinem Schal. „Hallo. Sie können meinen Freund hier einkleiden. Er braucht das volle Programm.“

Ich beginne mich unwohl zu fühlen. Aber da muss ich jetzt durch.

Die Frau stellt sich vor mich und schaut mich an, als hätte ich irgendein Handicap. „Na dann wollen wir doch mal sehen, was wir Schönes für den adretten Herrn finden.“ Sie stöckelt davon und kommt mit einem Berg Hemden wieder retour.

Wir sind die einzigen Kunden in diesem Geschäft. Während die Lady die Kleidungsstücke holt, suche ich Tims Blick. „Tim! Ich hab doch schon genug zum Anziehen, oder?“, zische ich ihm zu.

„Regel Nummer eins, wenn du an meiner Seite bist. Man kann nie genug zum Anziehen haben. Ich glaub die Frau mag dich.“ Beim letzten Satz zwinkert er mir zu und durchstöbert das Regal mit den Krawatten.

Ich ertrage es still und würdevoll, dass die Lady mich von vorne bis hinten bedient, berät und langsam, aber sicher komplett einkleidet. Sie verrät mir, dass sie sich nicht nur als Verkäuferin sieht, sondern auch als Stylingberaterin. Aha.

Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie Tim sich vor Lachen krümmt. Ich grummle leise in mein neues, lilafarbenes Hemd und verziehe mich mit einer Stoffhose im – wie nennt die Lady es – Retrostyle in die Umkleidekabine.

Es dauert viel zu lange, bis wir in diesem Laden fertig sind. Tim bezahlt mit Kreditkarte und bepackt mit vier riesigen Papiertragtaschen verlassen wir die Shoppinghölle.

„Das werde ich nie abarbeiten können, was ich dir schulde“, schmolle ich vor mich hin.

Tim schnalzt mit seiner Zunge. „Doch, kannst du. Morgen wird der Käfig geliefert, von da an gibt’s nur mehr Nackthaltung, Leinenpflicht und Essen nur mehr aus dem Napf.“ Er legt den Kopf schief und grinst.

Ich stimme in sein Lachen ein.

„Ich bin am Verhungern. Ich spendiere uns zwei Burritos.“ Tim führt mich in eine Passage in der Altstadt, wo sich Studenten und Pensionisten gleichermaßen drängeln. Aus einem Eckladen dringt verführerischer Essensduft. Eine Mischung aus Gewürzen und heißem Öl.

„Was magst rein haben?“ Mein Starkicker schaut mich groß an.

„Alles?“, erwidere ich schnippisch.

Tim nickt und gibt dem Verkäufer hinterm Tresen Anweisungen. Zwei Minuten später halten wir Servietten mit dick gefüllten Burritos in der Hand. Tim beißt in seine Rolle, die mit Faschiertem und Gemüse gefüllt ist und ich genieße eine Fülle aus Hühnerfleisch, Schinken, Sauerrahm, Gemüse, Salat und gefühlt zehn anderen Zutaten.

„Dass du immer alles wörtlich nehmen musst“, mümmle ich laut schmatzend vor mich hin.

Der Burrito ist eine Sünde! Meine Zunge brennt etwas vom Chili, aber das Teil schmeckt wirklich wie ein Stück vom Paradies. Wir bleiben am Tresen stehen, essen in aller Ruhe und trinken dazu den besten Orangensaft aller Zeiten. Es schneit jetzt nicht mehr. Tim gibt mir ein Zeichen, dass mein Gesicht voll mit Sauce ist, deshalb brauche ich noch eine Minute, bis ich mir mit der Serviette den Mund abgewischt habe.

Wir schlendern eine Straße entlang, in der es sehr viele Schaufenster gibt. Was aber meine Aufmerksamkeit erregt, ist ein Mann mittleren Alters, der hinter einem Kessel steht und Zeitungspapier verkauft. Ja, ich täusche mich nicht. Menschen geben ihm ein paar Münzen und er händigt ihnen zusammengefaltetes Altpapier aus. Ich möchte diesem mysteriösen Handwerk oder was auch immer das ist auf den Grund gehen. Aus dem Kessel raucht es. Neugierig stelle ich mich davor und dann rieche ich es. Es ist ein feiner Geruch, der sich mit der beißenden Kälte vermischt. Ich reiße meine Augen weit auf und sehe zum ersten Mal in meinem Leben Maronen.

Tim gibt dem Mann mit der grünen Schürze etwas Geld und wir bekommen dafür diese gerösteten, absolut lecker aussehenden runden Dinger, eingewickelt in Zeitungspapier. Mein Schatz warnt mich, denn die kleinen Bällchen sind noch sehr heiß. Ich höre natürlich auf ihn und puste ins Papier. Ich kann es fast nicht erwarten, in diese spannende Nuss hineinzubeißen. Natürlich muss man sie vorher schälen, aber ich erahne bereits den einmalig guten Geschmack dieser Köstlichkeit. Nach zwei Minuten wage ich es und entferne die Schale einer besonders dicken Kastanie, wie sie auch genannt werden. Es gibt so viel zu lernen!

Ich beiße in eine der warmen Maronen und fürchte um meinen Verstand, weil diese Geschmacksexplosion vieles in den Schatten stellt, was ich dank Tim bereits kennenlernen durfte. Ich kaue langsam und genieße jede Sekunde, freue mich über die Süße, staune über die mehlige Beschaffenheit und kann gar nicht genug bekommen vom leicht herben Aroma, das durch das Rösten entstanden ist. Heiße Maronen sind mein neues Lieblingsessen!

Tim freut sich, dass es mir schmeckt.

Ich bestaune die Häuser und alle anderen Bauwerke von Münster und mein Blick geht ehrfurchtsvoll nach oben und folgt einem wunderschönen Kirchturm bis zur Spitze.

„Das ist die Lambertikirche. Magst du hinein schauen?“ Tim wirft das Papier in einen Abfalleimer und deutet auf den Haupteingang.

Ich wische mir den Mund mit meinem Handrücken ab, hoffe dass ich nicht zu schwarz von den Maronenschalen bin und grinse. „Ja, sehr gerne!“

Wir betreten das Gotteshaus und es ist ganz anders als die Kirchen in Rio de Janeiro.

Tim nimmt seine Mütze ab und zieht auch mir die Haube vom Kopf. Er legt den Zeigefinger seiner rechten Hand auf seine Lippen.

Hab schon verstanden, hier drinnen heißt es Klappe halten. Wir schreiten nach vorne, passieren die Holzbänke und bewundern die Bilder an den Wänden.

Der Altar ist wunderschön und ich bestaune die Orgel, die sich im oberen Teil der Kirche befindet. Ich beobachte meinen Freund und bin etwas verwundert, weil sein Blick sehr nachdenklich ist. Ich würde gerne wissen, woran er gerade denkt.

Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich einer höheren Macht für mein Glück danke. Dafür, am Leben zu sein, für die Begegnung mit Tim und dass ich die Chance bekommen habe, dem Straßenleben zu entkommen.

Ich fühle eine Stille und eine Ruhe in mir, die ich in Rio nie gefunden habe. Es ist eigenartig, aber irgendetwas sagt mir, dass ich diesen Ort, Münster, mein Zuhause nennen darf. Sicher, ich bin nur ein Gast, und ich habe das Glück, einen Gönner an meiner Seite zu haben, aber vielleicht gehöre ich wirklich hierher?

Als wir wieder ins Freie gehen, schweigen wir für ein paar Minuten. Die Wucht der Atmosphäre in der Kirche hat uns beide sprachlos gemacht.

„Gibt es noch eine Kirche hier?“ Ich strahle meinen Schatz an und bin voller Tatendrang.

„Klar, jede Menge. Den St.-Paulus-Dom, die St.-Mauritz-Kirche und so weiter, aber für heute reicht es. Genug für heute. Wir müssen uns noch schlau machen wegen einem Deutschkurs für dich.

Tim

Nachdem wir noch etwa eine halbe Stunde durch den knöchelhohen Schnee gestapft sind, stehen wir vor einer Sprachschule, die Deutschkurse für Migranten anbietet. Gabriel und ich klopfen uns den Schnee von den Schuhen, indem wir gegen eine Kante des Eingangsbereiches treten und dann gehen wir hinein. Hinter dem Tresen im Foyer sitzt eine Frau mit dunkler Haut, die vom Aussehen her durchaus mit Gabriel verwandt sein könnte. Sie schaut hoch und lächelt uns freundlich an. Die Perlen in ihren langen schwarzen Haaren klackern etwas aneinander, was ein lustiges Geräusch erzeugt. Alles in allem ist es eine schöne Frau mit einer natürlichen Ausstrahlung.

„Herzlich willkommen, wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt sie in perfektem und akzentfreiem Deutsch.

„Hallo. Wir suchen einen Deutschkurs für meinen kleinen Kumpel“, erkläre ich und ziehe im selben Moment Gabriel die Kapuze vom Kopf, damit die Frau ihn auch erkennen kann.

Gabriel schaut mich an und will kurz protestieren, sagt dann aber nichts. Er schaut sich, neugierig wie er ist, im Raum um und versucht jeden Eindruck aufzunehmen.

„Was ist denn seine Muttersprache?“, fragt die freundliche Dame.

„Portugiesisch“, erwidere ich und die Frau nickt.

Dann sagt sie etwas, das ich nicht verstehe und Gabriel dreht sich um und strahlt die Frau an. Eine lebhafte kurze Unterhaltung entsteht, in der Gabriel richtig aus sich herausgeht und jedes seiner gesprochenen Worte schickt gefühlte zehn Sonnenstrahlen mit hinaus in die Welt. Dann haut Gabriel einfach ab, ohne dass ich begreife, was gerade passiert.

„Es gibt eine Klasse, die heute mit dem Anfängerkurs angefangen hat und ich habe ihm gesagt, er kann gerne einmal kurz hineinschnuppern und wenn er will, kann er gleich morgen einsteigen. Ich hoffe das ist okay?“

Die junge Frau strahlt so viel Positives aus, dass man ihr gar nicht widersprechen kann, etwas, was glaube ich nur Südländer mit ihrer lebensfrohen Mentalität schaffen. Und etwas, das ansteckt.

„Ich hoffe nur, er kommt da überhaupt je wieder raus“, murmle ich und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Wie erwartet, lässt Gabriel mich warten und ich sehe ihn eine halbe Stunde lang nicht, was aber nicht weiter schlimm ist, da mir die Empfangsdame einen heißen Apfeltee bringt, der wirklich sehr gut tut bei dem kalten Wetter.

Dann kommt eine kleine Gruppe Menschen aus einem Raum und mitten drin ist Gabriel, der sich sichtlich wohlfühlt. Vor mir bleibt er stehen und grinst mich gewohnt spitzbübisch an.

„Hallo, meine Name ist Gabriel“, sagt er auf Deutsch und lächelt mich an. Dann prusten wir beide los. Ich spare mir die Frage, ob Gab in den Kurs möchte und gehe direkt zu der Frau und bitte sie, den Vertrag und die Rechnung auszustellen. Sie bringt uns noch zwei Tassen Tee. Gedankenlesen kann sie scheinbar auch. Ich mag sie.

Nach ein paar Minuten gibt sie mir eine schriftliche Vereinbarung zum Unterschreiben und dazu einen Erlagschein, da ich ja die Kosten übernehme und ich unterschreibe nur zu gern. Gabriel nimmt eine dicke Mappe mit Papieren, Regeln, Arbeitsblättern und ein Deutschbuch entgegen. Er bedankt sich brav und bekommt dann noch einen Leinenbeutel, um das alles zu verstauen, damit es nicht nass wird im Schnee. Gabriel bedankt sich nochmals und auch ich verabschiede mich nicht, ohne mich für den wärmenden Tee zu bedanken. So stapfen wir wieder durch den Schnee und Gabriel hat seine Unterlagen unter dem Arm, als wäre es sein wertvollster Schatz.

„Scheint dir ja zu gefallen die Schule. Wann geht es denn los für dich?“

„Morgen um zehn Uhr geht es weiter und dann jeden Tag drei Stunden, donnerstags vier. Und manchmal dürfen wir Aufgaben zuhause machen“, sagt Gabriel und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Ich muss etwas schmunzeln, denn ich glaube, ich habe noch nie jemanden erlebt, der sich freut, ein paar Schulübungen zuhause machen zu dürfen.

„Also ich habe Hausaufgaben immer gehasst“, gestehe ich wahrheitsgetreu.

„Warum? Ist doch super, wenn man etwas Neues lernen darf.“ Mein kleiner Prinz schaut mich liebevoll an.

Am liebsten würde ich mal wieder in ihn hineinbeißen, so süß finde ich das. „Hm, morgen um zehn Uhr bin ich beim Training.“

Gab zuckt nur mit den Schultern. „Ja und? Ich kann doch laufen, ich habe in Rio auch alles zu Fuß erreicht. Das ist doch kein Problem.“ Er tut gerade so, als hätte ich wieder ein Problem erfunden.

Ich muss noch lernen, dass Gabriel, was solche Sachen angeht, einfach anderes gewohnt ist als ich.

Als wir an einem Fahrradgeschäft vorbeigehen, bekommt mein Schatz wieder große Augen und drückt seine Nase an die Scheibe. Ich beschließe ihn etwas zu foppen, lasse ihn einfach stehen und gehe in den Laden. Als ich durch die Scheibe sehe, dass er sich wirklich die Nase plattdrückt, würde ich am liebsten einen Schnappschuss davon machen. Dann sieht er mich und wird etwas rot im Gesicht. Schnell kommt er durch die Eingangstür und stellt sich neben mich. „Was machen wir hier? Brauchst du ein neues Fahrrad?“, fragt er unschuldig.

Ich schüttle den Kopf. „Ich nicht.“

Gabriel braucht einen Augenblick, bis er kapiert, was ich ihm damit sagen will und als er begreift, steht bereits der junge blonde Verkäufer neben uns.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragt er und sowohl mir als auch Gabriel fällt auf, dass der gut aussehende Bursche selbst sehr viel Rad fährt, bei den trainierten Oberschenkeln und dem knackigen Hintern in der Jeans.

„Mein Kumpel hier braucht ein Fahrrad. Wichtig ist, dass wir es gleich mitnehmen können, da wir es bereits morgen brauchen.“

Während ich mich noch im Gespräch mit dem Verkäufer befinde, hüpft Gabriel schon von einem Fahrrad zum anderen und betrachtet sich alle ganz genau. Vor einem schwarzen Mountainbike bleibt er stehen und streift über den Rahmen. Der Verkäufer geht zu dem Bike und erklärt, dass es sich um ein sehr robustes Fahrrad handelt, das man leicht straßentauglich machen kann und ich muss etwas grinsen, da ich mir sicher bin, dass Gabriel ein stabiles Gefährt braucht, da er es sicher ganz schön strapazieren wird. Ich nicke dem Verkäufer zu und er nimmt es aus der Halterung. Er kniet sich hin und beginnt die Schrauben nachzuziehen und es mit Zubehör auszustatten, damit wir auch wirklich gleich los können. Gabriels Augen leuchten wie zwei Sterne in einer klaren Nacht. Trotzdem kommt er zu mir und flüstert mir ins Ohr: „Ich kann echt laufen, das kostet doch alles viel zu viel Geld.“

Ich lege meinen Arm um ihn und drücke meinen kleinen Gott an mich. „Ist schon okay. Ich hab ja keine Lust, mich rund um die Uhr um dich zu kümmern. Ich hab ja auch noch ein paar andere Sachen zu tun und mir ist ja wichtig, dass du selbstständig wirst.“

Ich knuffe ihn in die Seite und merke, dass er nicht ganz einverstanden ist mit seiner passiven Rolle, aber dann kommt der Verkäufer und hält Gabriel das Fahrrad hin. Gabriel setzt sich drauf und schnappt vor lauter Begeisterung nach Luft.

Ich gehe zur Kassa und ziehe meine American-Express-Karte durchs Zahlungsterminal. Dann bittet mich der Verkäufer, ihm noch auf seinem Trikot zu unterschreiben, ein Wunsch, den ich ihm nur zu gerne erfülle. Er spannt an und ich unterschreibe. Gabriel schaut etwas eifersüchtig, als ich direkt auf seinem Shirt unterschreibe, aber als sich die Tür öffnet und er das Bike raus schiebt, ist alles wieder vergessen. Gabriel setzt sich auf den Drahtesel und es wackelt und schwankt gewaltig. Okay, ich hätte ihn wohl vorher fragen sollen, ob er schon einmal Fahrrad gefahren ist.

Gabriel

Dafür, dass es lange her ist, dass ich mit einem Fahrrad herumgekurvt bin, stelle ich mich gar nicht so ungeschickt an. Gut, ich habe das Eis etwas unterschätzt und bin zwei Mal gestürzt, aber ich habe mir nur ein paar Abschürfungen geholt. Nichts Schlimmes. Wenn ich mich umdrehe, sehe ich Tim, wie er seine rechte Hand zur Faust ballt und besorgt in meine Richtung schaut, aber ich deute ihm, dass ich okay bin.

Zuhause schaffe ich es gerade noch, meine Sneakers auszuziehen. Ich küsse meinen Schatz und schäle mich aus meiner Jacke. Ich habe das Gefühl, jeden Moment vor lauter Müdigkeit umzukippen.

Tim umarmt mich, jetzt stürmischer, drückt mir seine Lippen auf meinen Mund und schon nach wenigen Augenblicken spüre ich seine Zunge in meinem Rachen.

„Couch“, murmelt er.

Ich lasse mich von ihm ins Wohnzimmer drängen.

Wie von Zauberhand aktiviert sich die Stereoanlage und spielt einen sehr ruhigen Song, der sich mit der Zeit steigert und von zwei Männerstimmen vorgetragen wird.

Ich lasse meine Hand unter Tims Pullover gleiten und ertaste seine Brustwarzen, kitzle seinen Bauchnabel und massiere seine absolut gigantisch geilen Armmuskeln. Ich liege unter Tim und genieße jede Sekunde.

Mein Schwanz ist ganz meiner Meinung und wird immer härter. Ich atme tief durch und versuche gleichzeitig die Eindrücke des heutigen Tages zu verarbeiten und meine volle Aufmerksamkeit meinem attraktiven Helden zu widmen.

Tims Deo macht mich wahnsinnig vor Geilheit. Ich spüre die Zärtlichkeit des Kusses, aber auch das Rohe, Fordernde, das in all unseren Berührungen liegt. Ich schlinge meine Beine um Tims Body und drücke meinen Schatz ganz fest an mich. Ich rutsche ein Stück das Sofa hoch und spüre plötzlich in meinem Nacken etwas Hartes. Ein Stück Plastik, und schon höre ich ein Klicken und ein Surren und dann gehen ein paar Lichter und das TV-Gerät an der Wand an.

Verdammt, ich hab mich aus Versehen auf die Fernbedienung gelegt! Ich ziehe das Ding unter mir hervor und Tim lacht.

„Hast du schon mal Wii gespielt?“ Dann seufzt er. „Dumme Frage, schon klar.“

Ich schaue ihn mit meinen großen Augen und offenem Mund an und verfolge staunend, wie mein Schatz ein paar Tasten auf der Fernbedienung drückt und zwei sogenannte Controller aus einer Lade fischt.

„Wir spielen Mario Kart. Du wirst zwar verlieren, aber es macht wirklich riesigen Spaß!“ Er grinst mich an und klopft mir ermutigend auf die Schulter.

Ich nehme das weiße, recht handliche Ding entgegen und wundere mich über die Schleife, die völlig nutzlos hinunterhängt. Ich starre auf den Bildschirm und sehe Bilder, die sich bewegen und bunte Fahrzeuge.

Dann betrachte ich das hochmoderne Gerät in meiner Hand etwas genauer und mache mich mit den Tasten vertraut. Ich nehme mir vor, zu Beginn einfach alle Knöpfe zu drücken. So falsch kann das bestimmt nicht sein.

Tim ist voll konzentriert und erklärt, dass er jetzt eine Rennstrecke aussucht. Er meint, dass ich Luigi bin. Hm, gut, ich nehme das mal so hin. Lustiges Kerlchen, dieser Luigi, also wenn ich das bin, was da auf dem Bildschirm blinkt und in dem blauen Gefährt sitzt.

Ich gähne, weil das alles zwar recht interessant ist, aber die Sprachschule und das Fahrrad und der ganze Spaziergang mit meinem Liebsten haben mich ganz schön gefordert. Aber ich freue mich unglaublich auf morgen, weil ich die Menschen dort in dieser Schule echt gerne mag. Die Lady, die wohl das Büro leitet, versteht und spricht sogar meine Muttersprache! Das hat mich extrem überrascht und ich würde ihr am liebsten morgen etwas mitbringen, um ihr eine Freude zu machen, aber ich weiß nicht, ob wir Schokolade zuhause haben. Ich muss Tim fragen, ob wir Süßigkeiten haben.

Dann gähne ich wieder.

„Willst du eine Cola?“, fragt mein Schatz.

Ich nicke und sehe mich verlieren. Warum auch immer, aber ich bin leider das letzte Fahrzeug, das die Ziellinie passiert. Tim hat gewonnen. Was für ein Angeber!

Ich schaue hinüber zum Weihnachtsbaum, während mein Starkicker einen Abstecher in die Küche macht.

Ich schaue mit einem zufriedenen Lächeln ins Licht der elektrischen Kerzen. Ich habe so unfassbar großes Glück, dass ich das alles erleben darf. Ich schwöre mir erneut, dass ich Tim niemals enttäuschen möchte. Ich genieße die Wärme und die Vollkommenheit dieses Augenblicks.

Ich bin bereits im Land der Träume, als Tim mit einer Flasche Cola und zwei Gläsern wiederkommt.

Ich schrecke hoch. Eine Erinnerung an die Zeit im Gefängnis hat mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Aber es ist alles in Ordnung. Ich liege im großen, herrlich duftenden Bett in Tims Wohnung und mein Schatz ist neben mir und ich weiß zwar nicht, wie ich den Weg von der Couch bis hierher zurückgelegt habe, aber bestimmt hat Tim mir geholfen.

Oh mein Gott, Tim sieht zum Anbeißen aus, wie er mit offenem Mund und laut atmend da liegt und schläft. Sein kurzes Haar ein bisschen zerzaust und ein Fleck Sabber im Polster.

Die Anzeige des Digitalweckers taucht das Zimmer in ein sanftes Licht.

Ich kuschle mich an meinen Liebsten und küsse seine Stirn, dann seine Nase.

„Ich liebe dich, Tim Thomson. Mehr als du dir vorstellen kannst.“ Ich flüstere und hoffe, dass ich ihn damit nicht aufwecke.

Dann schlafe ich weiter.

Wir verschlafen beide. Der Wecker geht nicht ab, weil Tim vergessen hat, ihn zu stellen. Er muss zum Training, ich in die Schule. Das Frühstück ist alles andere als romantisch. Wir beeilen uns mit Kaffee, Brötchen, für frisch gepressten Orangensaft ist leider keine Zeit.

„Und du kommst wirklich klar? Soll ich dich nicht bringen?“ Tim stellt seinen Becher in die Abwasch.

„Klar komm ich klar. Bin ja ein großer Junge. Würde gerne der netten Dame von der Sprachschule etwas mitbringen. Haben wir etwas Süßes zuhause?“

Tim wickelt sich einen Schal um den Hals. „Du Ladykiller. Brich mir ja keine Frauenherzen hier in Münster! Nein, aber wir gehen heut Abend einkaufen. Hier ist der Wohnungsschlüssel. Ich komme später. Haben am Nachmittag Teambesprechung.“

Wir küssen uns.

Ich bin etwas nervös, weil ich jetzt alleine zurechtkommen muss. Am liebsten würde ich ja Tim zum Training begleiten, aber ich weiß, dass das nicht geht.

Ich gehe in den Keller, um mein Fahrrad zu holen und bin froh, dass es heute nicht ganz so eisig ist wie gestern.

Es ist pures Glück, dass der Deutsch-Anfängerkurs gestern losgegangen ist. Als hätte Münster auf mich gewartet.