Riskanter Deal in Las Vegas - Shannon McKenna - E-Book

Riskanter Deal in Las Vegas E-Book

Shannon McKenna

0,0
2,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Bis Mitternacht muss sie verheiratet sein! Sonst verliert die smarte Ronnie Moss ihr Erbe. Ihr Verlobter hat sie in Las Vegas sitzenlassen, doch zum Glück gibt es ja Wes. Breitschultrig, charmant, attraktiv – und auf der Stelle bereit, sie zu heiraten! Obwohl sie ihn erst seit wenigen Stunden kennt, sagt Ronnie Ja. Zunächst genießt sie die heißen Nächte mit ihrem neuen Ehemann. Aber dann findet sie heraus, dass Wes für sein scheinbar großzügiges Angebot ganz eigene Motive hatte …

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 202

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



IMPRESSUM

BACCARA erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2022 by Shannon McKenna Originaltitel: „Married by Midnight“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto in der Reihe: DESIRE Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe 2023 in der Reihe BACCARA, Band 2312 Übersetzung: Maike Claußnitzer

Abbildungen: Harlequin Books S. A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 10/2023 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751515832

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

Alles über Roman-Neuheiten, Spar-Aktionen, Lesetipps und Gutscheine erhalten Sie in unserem CORA-Shop www.cora.de

Werden Sie Fan vom CORA Verlag auf Facebook.

1. KAPITEL

Da war er wieder. Von der anderen Seite des Raums her schenkte ihr Mr. Geheimnisvoll ein Lächeln, das höllisch sexy war.

Wer war er? Der Empfang nach ihrem Vortrag war ausschließlich für geladene Gäste bestimmt. Nur Großspender hatten Einladungen erhalten. Ronnie hätte schwören können, dass sie alle zumindest vom Sehen kannte. Doch an Mr. Geheimnisvoll hätte sie sich bestimmt erinnert.

Nicht hinschauen. Atmen. Veronica Moss lächelte den älteren Herrn an, der vor ihr stand, und versuchte sich zu erinnern, worüber sie gerade redeten. Franklin Dodd war ein freundlicher Mann mit weißem Bärtchen, der sich im Vorstand der Kitsup Foundation für die naturwissenschaftliche Bildung von Kindern engagierte. Sie unterhielten sich über Mathematik-Förderprogramme.

Aufpassen. Intelligent wirken. Und lebhaft. Das fiel ihr schwer, weil sie sich voll und ganz darauf konzentrieren musste, sich nicht umzudrehen und den Fremden anzustarren.

Zum ersten Mal hatte sie ihn während des Vortrags gesehen, den sie soeben auf der Future Science Conference in Las Vegas gehalten hatte. Es war eine unglaubliche Herausforderung gewesen, sich nicht ablenken zu lassen, aber sie hatte es geschafft. Als sie dann stehende Ovationen bekommen hatte, hatte er ihr in die Augen gesehen und ihr eine Kusshand zugeworfen.

Sie hatte diesen Kuss auf jedem Zentimeter ihres Körpers gespürt. Welch ein Charmeur!

Es gelang ihr, Dr. Dodd eine verständliche Antwort zu geben. Dann wandte sie sich um und winkte einer vorbeigehenden Bekannten zu. Der Mann lächelte immer noch und wartete nur darauf, dass sie ihn wieder anstarrte.

Hör mit diesem Kleinmädchenscheiß auf. Sie war eine erwachsene Frau. Die wichtigsten Entscheidungen in ihrem Leben waren bereits gefallen. Gestern hatten sie und Jareth das Aufgebot im Clark Country Courthouse in Las Vegas bestellt. Um Mitternacht würde sie dreißig werden, und um ihr Versprechen an ihre Tante, ihre Cousins und ihre Cousine zu halten, musste sie bis dahin verheiratet sein. Sonst würde MossTech, das riesige Biotech-Unternehmen, das von ihrem Onkel Bertram und ihrer Tante Elaine gegründet worden war, an ihren Vater Jerome fallen.

In diese Zwangslage hatte sie sich selbst gebracht.

Ronnie bereute den kindischen Impuls, der sie auf der Hochzeit ihrer Cousine Maddie überkommen hatte. Sie war so wütend gewesen, dass Jerome versucht hatte, die Feier zu ruinieren. Seit ihre Tante Elaine festgelegt hatte, dass ihre drei Enkelkinder heiraten mussten – Caleb und Marcus, bevor sie fünfunddreißig wurden, Maddie, bis sie dreißig war –, wenn Jerome nicht die Kontrolle über MossTech übernehmen sollte, war er fuchsteufelswild.

Auf Maddies Hochzeit am Vorabend ihres dreißigsten Geburtstags hatte Jerome die Papiere versteckt, die bei der Zeremonie unterschrieben werden sollten. Nach Mitternacht wäre es zu spät dafür gewesen. Aber Maddie hatte ihren Jack schon vorher heimlich geheiratet, um ganz sicherzugehen. So hatten sie Jerome einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Außerdem war da noch die Intrige, die ihr Dad gegen Marcus und Eve gesponnen hatte. Er hatte es so aussehen lassen, als hätte Marcus Eve betrogen. Zum Glück für ihren Cousin und seine Braut hatte sich die Sache klären lassen, aber Ronnie war das alles so leid gewesen. Ihr Dad war schon immer barsch und überkritisch gewesen und auf Maddies Hochzeit war ihr dann der Kragen geplatzt.

Ursprünglich hatte Elaine ihre Nichte Ronnie gar nicht in ihrem Hochzeitsultimatum berücksichtigt, sondern nur ihre Enkelkinder. Ihre Tante fühlte sich schuldig, weil sie die drei zu Workaholics erzogen hatte. Darum hatte sie damit gedroht, dass die Firma von Jerome übernommen werden würde, um sie zum Heiraten zu zwingen. Aber nach dem peinlichen Auftritt ihres Dads auf Maddies Hochzeit hatte Ronnie Elaine gebeten, sie auch in das Ultimatum mitaufzunehmen.

Damals war es ihr wie die perfekte Methode vorgekommen, ihrem Vater eins auszuwischen. Ihm das vorzuenthalten, was ihm wirklich wichtig war: die Kontrolle über MossTech, Macht und Geld. Sie konnte ihn nicht bestrafen, indem sie den Kontakt zu ihm abbrach. Das würde ihn nicht treffen, wenn er es überhaupt bemerkte. Aber das hier? Das würde ihn schmerzen.

Sie hatte eine Weile gebraucht, um Elaine zu überreden, aber jetzt galten auch für sie dieselben Bedingungen. Wenn sie scheiterte, würde die Kontrollmehrheit an MossTech sofort an Jerome übergehen. Davor hatten alle Angst.

Natürlich war das Heiratsultimatum für sie kein so großes Problem wie für ihre Cousins und ihre Cousine. Schließlich war sie mit einem der Produzenten ihrer Fernsehsendung verlobt. Jareth war gut aussehend, klug, tüchtig, an ihrer Karriere interessiert und reich. Sein Heiratsantrag hatte ihr geschmeichelt, obwohl sie monatelang gezögert hatte, einen Termin festzusetzen. Immer hatte sie einen Grund gefunden, noch ein bisschen zu warten.

Doch jetzt nicht mehr. Um Mitternacht würde sie dreißig werden und musste das Ultimatum erfüllen. Sonst …

Sie würde ein Video der Zeremonie in der kitschigen Hochzeitskapelle aufnehmen. Der schrillste Elvis-Imitator, den sie hatte auftreiben können, würde sie trauen. Dann würde sie das Video ihrem Dad schicken. Bumm. Nach allem, was er ihr angetan hatte, stand es ihr zu, Jerome den Gnadenstoß zu versetzen.

Danach konnte sie für immer den Kontakt zu ihm abbrechen.

Viel würde sie nicht vermissen: Verachtung und Hohn. An Zärtlichkeit konnte sie sich nicht erinnern.

Aber das machte nichts. Sie hatte gelernt, ohne Liebe und Zuwendung auszukommen. Jareth war auch nicht gerade der Kuscheltyp. Am Anfang warer liebenswürdig gewesen, aber im Lauf der Monate hatte das nachgelassen. Jetzt konzentrierte er sich ganz aufs Geschäft. Ständig hatte er viel um die Ohren.

Doch sie konnte es ihm nicht verdenken. Als Sprössling der Moss-Familie hatte sie großen Respekt vor harter Arbeit. Es war kindisch, von einem Mann zu erwarten, ständig viel Aufhebens um sie zu machen. Dank ihm war ihre Sendung ein Hit. Was gut für Jareth war, war auch gut für sie. Wirklich.

Das Problem war nur, dass ihr die Geste ihrem Dad gegenüber mittlerweile kleinlich und gehässig vorkam.

Aber für Reue war es zu spät. Sie musste es durchziehen, genauso wie ihre Cousins und ihre Cousine. Möglichst spektakulär. Für Caleb, Maddie und Marcus war es ein Wunder gewesen, noch in letzter Minute und gerade rechtzeitig zu heiraten. Mehr noch: Sie waren alle drei schwer verliebt und überglücklich.

Das machte Ronnie fast … neidisch. Sie fühlte sich außen vor.

Allerdings war das albern. Jareth Fadden war ein absolut angemessener Verlobter. Und heute Abend würde er ihr absolut angemessener Ehemann werden. Für ihn sprach viel. Er war kreativ, erfolgreich, ehrgeizig und voller Energie. Eigenschaften, die sie bewunderte. Sie hatte keinen Grund, andere zu beneiden.

Dr. Dodds redefreudige Frau gesellte sich zu ihnen. Über Mrs. Dodds Schulter sah sie, dass Jareth sie von der anderen Seite des Raums her im Auge behielt. Wie immer achtete er darauf, dass sie ihre Aufmerksamkeit den richtigen Leuten schenkte. Ständig machte er ihr Vorhaltungen, dass sie sich auf Gespräche mit Menschen einließ, die seiner Einschätzung nach ihre kostbare Zeit nicht wert waren.

Sie schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln und winkte ihm zu, um ihm zu bedeuten, dass sie alles im Griff hatte.

„Lass uns zum Büfett gehen, Franklin“, sagte Mrs. Dodd. „Mir ist ganz schwindlig vom Champagner. Ich muss etwas in den Magen bekommen.“

„Natürlich, meine Liebe.“ Dr. Dodd wandte sich an Ronnie und neigte den Kopf. „Darf ich Ihnen auch einen Teller mitbringen?“

„Nein danke“, erwiderte sie lächelnd. „Gehen Sie nur. Wir sehen uns später.“

Die Dodds hakten einander unter und gingen zum Büfett. Über ihre Köpfe hinweg sah sie Mr. Geheimnisvoll eine Champagnerflöte von einem der Tabletts nehmen, die das Personal durch den Saal trug. Er prostete ihr zu. Mein Gott, dieses Lächeln.

Jetzt, da sie näher bei ihm stand, sah sie, wie groß er wirklich war. Er überragte die Gäste ringsum. Seine Schultern und seine Brust waren breit und kräftig und er hatte ein markantes Kinn. Intensive dunkle Augen unter dichten Brauen. Sein Grinsen war umwerfend sexy.

Sie lächelte zurück, hob die Hand mit ihrem Verlobungsring und bewegte die Finger, um den riesigen Diamanten aufblitzen zu lassen: Schon vergeben. Tut mir leid.

Mr. Geheimnisvolles Lächeln erlosch schlagartig. Er presste sich die Hand aufs Herz, als wäre er tödlich verwundet. Clown.

Sie wandte sich ab und griff selbst nach einem Glas Champagner. Den brauchte sie unbedingt, um sich zu stärken.

Die Nervosität vor der Hochzeit. So ging es einem doch immer, wenn man sich fest für etwas entschieden hatte. Das Schicksal quälte einen mit verlorenen Möglichkeiten, den Wegen, die man nicht eingeschlagen hatte.

Doch davon würde Ronnie sich nicht erschüttern lassen. Die Ehelizenz steckte zusammen mit zwei Weißgoldringen in ihrer Handtasche. Schon monatelang trug sie jetzt Jareth’ Verlobungsring, der immer wieder an Pullovern und Schals hängen blieb und einige davon ruiniert hatte. Der hervorstehende Diamant war die Hölle für die Kaschmirstücke in ihrem Schrank, aber zugleich war er äußerst prächtig und man konnte eben nicht alles haben.

„Ein Mordsding haben Sie da“, vernahm sie plötzlich eine tiefe Stimme hinter sich.

Sie wirbelte herum. Mr. Geheimnisvoll aus nächster Nähe. Gefährlich. Sein Aftershave duftete köstlich nach Citrus und einem warmen Aroma. „Wie bitte?“

„Tut mir leid. War das zu persönlich?“, fragte er.

„Da bin ich mir noch nicht sicher“, gab sie vorsichtig zurück.

Er streckte die Hand aus, und sie schlug ein, bevor sie es sich zweimal überlegen konnte. Keine intelligente Reaktion, wie ihr klar wurde, als die Berührung sie erschauern ließ. Seine Handfläche fühlte sich geschmeidig an wie Leder oder poliertes Holz.

„Ich meinte nur den Stein in Ihrem Ring“, erklärte er. „Was den betrifft, habe ich gemischte Gefühle.“

Ihre Gefühle interessieren mich nicht. Das hätte sie sagen sollen, aber alles, was ihr entschlüpfte, war ein gehauchtes: „Oh.“

„Tut mir leid, dass Sie einen Verlobungsring tragen“, fuhr er fort. „Aber einen Ehering sehe ich nicht.“

Der hat Nerven! Ronnie sah in seine funkelnden dunklen Augen. „Kennen wir uns?“

„Nein. Ich würde mich daran erinnern, wenn ich Sie bereits kennengelernt hätte. Ich bin Wes Brody.“ Er schüttelte ihr die Hand, die er noch immer nicht losgelassen hatte. „Natürlich weiß ich, wer Sie sind. Die Fotos in der Konferenzbroschüre werden Ihnen nicht gerecht. Übrigens bin ich ein großer Fan von Ihnen. Ich habe jede Episode von The Secret Life of Cells gesehen. Die Sendung ist brillant. Und Sie sind es auch.“

Ronnie entzog ihm die Hand. „Danke.“ Sie versuchte, kühl zu klingen, aber es hörte sich schnippisch an.

„Ihr Vortrag war großartig“, fuhr er fort. „Ich könnte Ihnen ewig zuhören.“

„Das ist sehr freundlich von Ihnen“, erwiderte sie. „Ich habe Sie im Publikum gesehen.“

„Ja. Ich hatte einen Platz in der ersten Reihe.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Sie wollen gar nicht wissen, was für fragwürdige Dinge ich tun musste, um ihn zu ergattern.“

„Nein, das will ich wirklich nicht“, stimmte sie zu. „Das sollte auf ewig Ihr Geheimnis bleiben.“

„Also …“ Er machte eine Kunstpause. „Darf ich Sie nachher auf einen Drink einladen?“

Ronnie schüttelte den Kopf. „Nein. Mein Verlobter und ich heiraten heute Abend.“

Wes Brody riss die Augen auf. „Heute?“

„Ja. In einer Hochzeitskapelle. Während wir die Papiere unterschreiben, wird so ein Elvis-Imitator singen und all so ein Quatsch. Einen Ehering habe ich übrigens auch. Er steckt in meiner Handtasche.“

„Ronnie!“, hörte sie Jareth’ Stimme in dem herrischen Ton, der ihr immer die Haare zu Berge stehen ließ.

In Wes Brodys Anwesenheit konnte sie aber nicht sofort reagieren.

Wes kniff die Augen zusammen und spähte über ihren Kopf. „Das ist Ihr Verlobter?“, fragte er. „Der Typ, der Sie gerade anbrüllt?“

„Ja“, antwortete sie. „Na gut. Es ist ein wichtiger Abend für uns, also danke für …“

Ein ohrenbetäubendes Pfeifen durchschnitt die Luft. Ronnie zuckte zusammen. Verdammt, Jareth, hier?

Sie hasste diese Angewohnheit von ihm.

„Er pfeift nach Ihnen?“ Wes Brody klang entsetzt. „In aller Öffentlichkeit, auf einem Empfang zu Ihren Ehren?“

„Das geht Sie nichts an.“ Ihr brannte das Gesicht.

„Meine Mutter hätte etwas dazu zu sagen gehabt“, meinte Wes. „Sie hatte klare Vorstellungen, wie ein Mann sich einer Dame gegenüber verhalten sollte, und hat sich nicht gescheut, sie zum Ausdruck zu bringen. Ich habe ihren hohen Ansprüchen nicht immer genügt, aber ich habe mich bemüht. Ich wusste, was gut für mich ist.“

„Schön …“ Weiter kam sie nicht.

„Ronnie!“ Jareth’ Stimme wurde lauter, als er näher kam. „Was ist los mit dir? Bist du taub?“

Wes Brody beugte sich näher zu ihr. „Ein Tipp“, flüsterte er. „Heiraten Sie den Typen nicht.“

Ronnie sah über ihre Schulter zu Jareth. Als sie sich wieder umdrehte, war Wes in der Menge verschwunden. Für einen Mann, der so groß war wie er, war das eine reife Leistung.

„Ronnie?“, fragte Jareth tadelnd. „Ignorierst du mich etwa absichtlich?“

„Pfeif nie wieder nach mir, Jareth“, gab sie zurück. „Ich bin kein Hund.“

Er wirkte verblüfft. „Seit wann bist du denn so überempfindlich?“

Sie stellte ihr leeres Glas auf dem Tablett eines vorbeikommenden Kellners ab. „Das hat mir noch nie gefallen. Ich hätte es dir längst sagen sollen.“

Jareth hob die Hände. „Okay, okay! Reg dich ab. Ich wollte dich nur darauf aufmerksam machen, dass ich mich abgerackert habe, um dir unter die Arme zu greifen. Samuel Whitehall hat uns für heute Abend ins Observatory eingeladen, seinen Luxusschuppen in den Bergen, und bietet uns einen Flug in seinem Helikopter an. Es sind nur zwanzig Leute dabei, alles, was in unserer Branche Rang und Namen hat, und dank mir interessiert er sich für The Secret Life of Cells! Whitehall könnte eine noch größere Nummer daraus machen.“

Ronnie reckte den Hals und suchte den Saal ein letztes Mal nach Wes Brody ab. Sie war Whitehall schon mehrfach begegnet. Nicht gerade ihr Lieblingsmensch. Er starrte sie immer lüstern an, machte anzügliche Bemerkungen und berührte sie „unabsichtlich“.

Aber er war enorm einflussreich in der Fernsehbranche und man musste Kompromisse machen. Daran erinnerte Jareth sie ständig.

„Nach wem suchst du?“, fragte er gereizt. „Hörst du mir überhaupt zu? Ich rede hier von Samuel Whitehall!“

„Das ist toll, aber wir haben für heute andere Pläne, Jareth, schon vergessen?“

Er verdrehte die Augen. „Ron, Whitehall lädt uns in sein Allerheiligstes ein! Da können wir nicht Nein sagen.“

„Wir heiraten heute Abend!“, beharrte sie. „Es muss sein, bevor ich dreißig werde, das weißt du doch.“

„Ernsthaft?“ Er seufzte theatralisch. „Diese symbolische Geste, um deinem Dad eins auszuwischen, ist dir wichtiger als die größte Chance zum Netzwerken, die wir je hatten?“

„Sehr wichtig! Und das habe ich dir mehr als einmal erklärt.“

„Na gut“, sagte Jareth leichthin. „Es ist ja noch früh. Wir gehen erst zum Essen ins Observatory, kehren dann nach Vegas zurück und heiraten. Ganz einfach. Problem gelöst. Komm. Samuel wartet in seiner Limousine, um uns zum Hubschrauberlandeplatz zu bringen.“

„Wir haben aber keine Kontrolle über den Zeitablauf, wenn wir vom Helikopter eines anderen abhängig sind! Lass uns erst heiraten und dann mit dem Auto zum Observatory fahren. Sie können nach dem Essen auf unsere Hochzeit anstoßen.“

„Nein“, blaffte Jareth. „Im Hubschrauber mitzufliegen gehört dazu, Ron. Es muss sofort sein. Samuels Partys können ziemlich wild werden.“ Er warf einen kritischen Blick auf ihren eleganten weißen Hosenanzug. „Ich wünschte, du wärst nicht so konservativ gekleidet.“

Whitehalls Partys galten als verrucht. Das war nichts für Ronnie. Vielleicht war sie prüde, aber vor allem war sie mit Leib und Seele Wissenschaftlerin.

„Ich weiß, dass du dich sehr für mich bemühst“, gab sie zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Aber wenn wir mit dem Hubschrauber zu Whitehalls Party fliegen, sind wir nicht rechtzeitig zurück, um zu heiraten.“

„Doch, natürlich“, behauptete Jareth verächtlich. „Sei nicht albern.“

„Ich komme mit auf Whitehalls Party“, beharrte sie. „Aber nur, wenn wir erst in die Hochzeitskapelle gehen.“

Jareth’ Lächeln erlosch. „Ron. Du verhältst dich irrational.“ Seine Augen funkelten kalt.

Und plötzlich wurde ihr etwas klar. „Du wolltest es nie durchziehen, oder? Du hast das alles arrangiert, um eine Ausrede zu haben, zu spät zurück zu sein, um vor Mitternacht zu heiraten.“

„Mach nicht so ein Theater. Es geht nicht immer nur um dich.“

„Du streitest es also nicht ab“, sagte sie. „Dann habe ich wohl recht?“

„Verdammt, Ron, das ist nicht die Frage, die du stellen solltest!“

„Beantworte sie trotzdem“, beharrte sie.

„Na gut, wenn du darauf bestehst.“ Jareth beugte sich vor. „Du lässt dich von deiner Wut auf deinen Vater zu sehr blenden, um deine eigenen Interessen im Blick zu haben.“

„Meine Interessen?“, wiederholte sie.

„Ja, Ron. Deine, meine, unsere! Ich muss diesem Unfug Einhalt gebieten. Eigentlich wollte ich es so aussehen lassen, als wäre niemand schuld daran, aber da habe ich mich wohl zu früh gefreut. Bei dir ist ja nichts einfach. Es muss immer ein Riesendrama sein.“

„Das ist nicht dein Ernst“, erwiderte sie ausdruckslos. „Das kannst du mir nicht antun.“

„Sieh das Gesamtbild“, drängte Jareth sie. „Komm mit mir ins Observatory zum Netzwerken. Wir sind ein unschlagbares Team. Lass die Deadline verstreichen. Morgen wachen wir auf und denken über unsere neuen Zukunftsaussichten nach, die strahlender denn je sein werden.“

„Zukunftsaussichten?“

Jareth schüttelte den Kopf. „Du willst es wohl einfach nicht begreifen. Wenn Jerome die Kontrollmehrheit bekommt, bringt er MossTech an die Börse. Früher oder später wirst du dabei einen phänomenalen Gewinn machen.“

„Nein! Ich habe es Tante Elaine versprochen! Sie hat das Heiratsultimatum nur auf mich ausgeweitet, weil ich sie dazu gedrängt habe! Und das habe ich nur getan, weil du vorgeschlagen hast, dass wir allein in Vegas heiraten! Ich dachte, du wärst dabei! Du hast mehr als einmal versucht, mich zu überreden, mit dir nach Vegas zu fahren!“

„Das war vorher. Da hattest du noch keine Hintergedanken“, gab Jareth zurück. „Deine Tante ist erwachsen, Ron. Sie muss allein mit den Konsequenzen ihres Handelns zurechtkommen.“

„Aber ich habe ihr mein Wort gegeben! Ihr, Caleb, Marcus und Maddie!“

Jareth lächelte dünn. „Vielleicht, Ron. Aber ich nicht. Ich will dich heiraten, ja. Aber nicht unter diesen Bedingungen.“

Auf wackligen Beinen wich Ronnie einen Schritt zurück. Sie hatte ein seltsames Gefühl der Orientierungslosigkeit, als wäre ein Bann gebrochen. Zum ersten Mal sah sie den wahren Jareth. „Du hast erfahren, was ich einmal erben werde, als wir den Heiratsvertrag aufgesetzt haben. Unmengen von Geld. Aber du hast doch selbst schon reichlich. Also warum?“

Er zuckte die Schultern. „Warum sollen wir nicht noch ein paar Nullen mehr an die Summe anhängen?“

„Weil das Verrat an meiner Familie wäre und ich sie liebe!“

„Entschuldige bitte, dass für mich unsere Interessen und die unserer zukünftigen Kinder Priorität haben“, hielt Jareth dagegen. „Ich heirate dich, Ronnie. Mit Freuden. Aber nicht vor Mitternacht.“

„Nein. Jetzt oder nie.“

Jareth schüttelte den Kopf. „Keine Machtspielchen“, riet er. „Du gewinnst sowieso nicht.“

„Es geht hier nicht um Macht“, antwortete sie, „sondern um Integrität. Da mache ich keine Kompromisse!“

„Dann stehst du jetzt allein mit deinen Prinzipien da. Nicht mal mehr deine Fernsehsendung wird es geben. Es ist meine Entscheidung, ob es eine vierte Staffel gibt, schon vergessen?“

Erschrocken schnappte sie nach Luft. „Ernsthaft? Die Karte willst du ausspielen?“

„Natürlich. Was bleibt mir anderes übrig, wenn du so überreagierst? Mittlerweile weiß ich dich glücklicherweise zu nehmen.“

„Mich zu nehmen? Also wirklich.“ Sie schluckte. „Dann geh mal damit um, Jareth: Verpiss dich!“

Genervt verdrehte er die Augen. „Ach, komm. Wir reden morgen, wenn du dich beruhigt hast. Du wirst mir noch danken, dass ich so vorausschauend war.“

„Hau ab“, stieß sie hervor.

Jareth zückte sein Handy und tätigte einen Anruf. „Walt? Ja, ich bin’s … Ich wollte dir nur schon mal sagen, dass es von The Secret Life of Cells keine weitere Staffel geben wird … Ja, ich auch … Große Enttäuschung … Lange Geschichte. Das erzähle ich dir, wenn ich wieder da bin. Dann gehen wir mal zusammen was trinken. Ich versuche, zu retten, was noch zu retten ist, aber es sieht nicht gut aus. Frauen, was? Nicht auszuhalten mit ihnen, aber ohne sie kommt man auch nicht klar … Ja. Wir hören voneinander. Bis dann, Walt.“

Jareth legte auf. Sein Blick war triumphierend. Mit den Fingern imitierte er eine Schere, die etwas abschnitt. „Du bist frei, Ron. Ohne mich und Fadden Boyle Productions ist deine Fernsehkarriere vorbei.“

„Sag mir eins …“ Vor Wut zitterte ihre Stimme. „Ging es dir immer nur ums Geld?“

Jareth wirkte verärgert. „Natürlich nicht, Ron. Ich bewundere dich. Du bist klug, schön, talentiert, gebildet. Aber auch launisch und emotional. Ich hatte gehofft, du würdest irgendwann reifer werden …“

„Du siehst mich als Kind?“

„Ja, denn du benimmst dich wie eins“, fuhr er sie an. „Erwachsene denken gründlich nach. Wenn du es dir noch anders überlegst und doch noch einen Ehemann und eine Karriere haben willst, ruf mich an, wenn du dreißig geworden bist.“

Er marschierte davon, ohne einen Blick zurückzuwerfen.

Ronnie blieb wie angewurzelt stehen. Gern hätte sie sich zurückgezogen, aber wohin? In die Penthouse-Suite, die sie sich mit Jareth teilte? Die bot ihr keine Zuflucht.

Nimm dir ein neues Zimmer. Geh an die Rezeption, rede mit den Angestellten, zück deine Kreditkarte. Beweg dich, verdammt. Linker Fuß, rechter Fuß.

Aber sie stolperte orientierungslos durch die Hotellobby und auf die Straße. Wie betäubt ging sie den Vegas Strip entlang und blinzelte gegen die grelle Sonne an.

Niemals hätte sie gedacht, dass Jareth es auf MossTech abgesehen hatte. Wie konnte er sie zwingen, Tante Elaine, ihre Cousins und ihre Cousine im Stich zu lassen?

Als sie etwas miteinander angefangen hatten, war sie froh gewesen, dass Jareth reich war. Sie hatte es als tröstlich empfunden, weil sie seit ihrem Teenageralter heiratswillige Männer hatte abwehren müssen, die nur hinter den MossTech-Milliarden her gewesen waren. Als sie Jareth kennengelernt hatte, war er eher an ihren Talenten interessiert gewesen als an der Biotechnologie-Branche, von der er keine Ahnung hatte. Vom Unternehmen ihrer Familie hatte er kaum Notiz genommen. Aber das war offenbar alles nur gespielt gewesen.

Sie hatte ihre Familie ruiniert. Und wofür? Nur um ihren Vater zu ärgern. Wie ein verwöhntes, dummes Kind. Was das betraf, hatte Jareth absolut recht.

Um Mitternacht würde sie dreißig werden. Die Uhr tickte. Sie hatte einen schrecklichen Fehler gemacht. Wie eine Marionette hatte sie sich von Wut und Groll lenken lassen, ganz ähnlich wie ihr Dad. Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm. Vielleicht konnte sie sich jetzt darauf freuen: ein Leben wie das ihres Vaters. Vergiftet von Bitterkeit und Zorn. Zerstritten mit allen. Die Welt verabscheute ihn. Welch furchtbare Zukunftsaussichten!

Aber wenigstens würde sie nicht dieses verlogene, hinterhältige Arschloch Jareth heiraten.

Ihr kamen die Tränen. Jareth war nicht perfekt gewesen. Ihr war klar gewesen, dass er sehr dominant war, aber sie hatte gedacht, damit käme sie zurecht. Haha.

Eins der riesigen Casinohotels ragte vor ihr auf. Um der Sonne zu entgehen, spazierte sie hinein und zwischen den Spielautomaten hindurch. Sie setzte sich in die ruhigste Bar, die sie finden konnte, bestellte einen Lemon Drop und versteckte sich hinter ihren Haaren, während sie daran nippte.

„Entschuldigen Sie“, vernahm sie plötzlich eine tiefe, samtige Stimme. „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“

Ronnie erstarrte. Ihr Herz hämmerte wie wild, als sie sich umdrehte.

Ja. Das war das Gesicht, das zu der wunderschönen Stimme gehörte. Mr. Geheimnisvoll. Wes Brody.

„Sie sind es …“, brachte sie leise hervor.

Sein heißes Lächeln zauberte Grübchen in seine Wangen. „Ja, soweit ich weiß …“

Sie musterte ihn einen Moment lang. „Verfolgen Sie mich?“

„Nein, ich bin kein Stalker. Ich bin Ihnen nur in die Bar gefolgt. Ich will Ihnen keine Angst machen oder Sie irgendwie belästigen.“

Ronnie war zu benommen, um Angst zu haben oder sich belästigt zu fühlen. „Schon gut.“

„Ist alles in Ordnung?“ Wes musterte sie.