Riss in der Staumauer - Heide Maixner - E-Book

Riss in der Staumauer E-Book

Heide Maixner

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Beschreibung

Die Eltern des Kindes wuchsen nach dem zweiten Weltkrieg auf. Die Verhältnisse waren eher ärmlich. Der Vater des Kindes wollte schnelles Geld verdienen und fuhr zur See. Danach lernte er die Mutter dieses Kindes kennen, die "zwei Gesichter" hatte. Der Vater entwickelte sich in dieser Ehe - aus Bequemlichkeit der Wahrheit ins Auge zu sehen - zu einem Schönredner. Er redete sich im wahrsten Sinne seine Ehe schön. Vor einer Scheidung hatte er Angst, denn das Alleinsein und mit den Lebensumständen nicht zu Recht zu kommen, bereitete ihm Sorgen. So entwickelte er sich immer mehr zu einem Zweifler, negativem Denker und Angsthasen. Tag für Tag erlebte das Kind die Unterdrückung durch seine Mutter und litt unter großen Angstzuständen. Als junger Mann im Alter von 24 Jahren lebte er noch immer bei seinen Eltern. Der ständige Dauerkonflikt mit seinen Eltern führte dazu, dass er als erwachsener Mann an starker Neurodermitis litt, die sich über seinen gesamten Körper so ausbreitete, dass das rohe Fleisch sichtbar wurde. Er war inzwischen suizidgefährdet. Es kam der Tag, an dem er sich das Leben nehmen wollte, was schief ging. Aus eigener Kraft konnte er sein Leben nicht in den Griff bekommen. So begab er sich in eine psychosomatische Klinik. Dort wurde sein Leben von Anfang an über 9 Wochen aufgearbeitet. Das Ziel der Ärzte bestand darin, ihm aufzuzeigen, warum er so depressiv und suizidgefährdet war und an dieser extremen Neurodermitis litt. Allerdings war er seelisch noch nicht gefestigt und geheilt, was ihm bei der Entlassung gesagt wurde. Trotzdem glaubte er daran, seelisch allein klar zu kommen. So nahm er seine berufliche Tätigkeit und seine Arbeit in der gemeinnützigen Institution (in der er über viele Jahre hinweg den Elternhausersatz suchte) wieder auf. Inzwischen hat er sich einer Therapie unterzogen. Die Therapeutin signalisierte ihm eine sehr lange Therapiezeit…

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Seitenzahl: 239

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Riss in der Staumauer

Heide Maixner

Impressum

Texte: © Copyright by Heide Maixner

Umschlag:© Copyright by Heide Maixner

eMail::[email protected]                

Druck:epubli - ein Service der neopubli GmbH, Berlin 

Vorwort

Dies ist die Lebensgeschichte eines Kindes mit Namen „Jon“. Jon wuchs in einem Elternhaus auf, in dem menschliche Kälte das Leben bestimmte.

Demütigungen, Drohungen, Verbreitung von Angst hatte er jahrelang zu ertragen und formten nachhaltig seinen Lebensweg.

Jon litt jeden Tag in diesem Haus unter den Lebensbedingungen. Seine Seele wurde bis hin zur Traumatisierung verletzt.

Inzwischen ist er ein erwachsener Mann. Seine Persönlichkeit ist sachlich und immer an Fakten orientiert. Emotionen kennt er bis heute nicht. 

Obwohl Jon mit großem Engagement das schwierige Elternhaus durch die Arbeit in einer gemeinnützigen Organisation zu kompensieren versuchte, holte ihn als erwachsener Mann das traumatische Erlebnis seiner Kinder- und Jugendzeit dramatisch ein.

Nach vielen Jahren des ständigen Lebens im Dauerkonflikt mit den Eltern wurde ihm psychisch und körperlich der Boden unter den Füßen weggezogen.

Es folgte ein Wettlauf mit der Zeit…

Kapitel 1

Er hieß Bill, der Vater von Jon. Bill wurde gegen Ende des zweiten Weltkrieges 1945 geboren. Seine Eltern waren einfache fleißige Menschen, die im Ruhrgebiet wohnten. Bills Vater hieß Oscar. Er hatte – nicht zuletzt auch durch den Krieg – keine Lehre antreten können. Als Hilfsarbeiter verdiente Oscar in einem mittelständischen Unternehmen den Lebensunterhalt. Um die dürftige Haushaltskasse aufzubessern, kellnerte er zusätzlich noch abends in einem Gasthaus. Oscar war 1,75 m groß, schlank und hatte pechschwarze zurückgekämmte Haare. Er achtete sehr auf sein äußeres Erscheinungsbild. Obwohl das Geld knapp war, für ihn war es wichtig, korrekt und ordentlich auszusehen. Bis zur Geburt von Jon arbeitete Bills Mutter, sie hieß Eleonore, in der Gastronomie. Eleonore war eine korrekte Frau. Mit 1,70m Größe, schlank, einem makellosen feinen Gesicht, passte sie gut zu Oscar. Nach dem Krieg hatten beide die Möglichkeit, ein kleines altes Haus für relativ wenig Geld zu finanzieren. Das Haus war erheblich renovierungsbedürftig. Es gab darin kein Bad, nur eine kleine Toilette. Oscar baute den angrenzenden Stall so um, dass daraus ein Badezimmer entstand. Die schiefen Wände des Stalls egalisierte er so gut er konnte, um sie anschließend zu kacheln. Das sah zwar nicht fachmännisch aus, aber es erfüllte den Sinn des sauberen Aussehens. Er baute ein Waschbecken ein, dahinter platzierte er den Badezimmerofen. Die Badewanne stellte er hinter den Ofen an die Wand, um diese später einzukacheln. Damit heißes Wasser zur Verfügung stand, wurde der Badezimmerofen mit Briketts geheizt. Eine Leitung für kaltes Wasser war vorhanden. Den Fußboden verlegte er mit Linoleum. 

Da die finanzielle Situation von Bills Eltern sehr begrenzt war, konnte Oscar nur dann renovieren, wenn wieder etwas Geld gespart werden konnte. So erneuerte er Stück für Stück die heruntergekommenen Fußböden in der Küche und im Wohnzimmer, die er ebenfalls mit Linoleum verlegte. Es gab keinen Tag, an dem Oscar nicht an oder in dem Haus arbeitete. Er erneuerte – egal was es war – alles selbst. Keine fremde Hilfe nahm er in Anspruch. Das Haus hatte einen kleinen Hof und dahinter einen großen Garten. Oscar pflanzte darin an, was möglich war. Kartoffeln, Gemüse wie Erbsen, Möhren, Bohnen und natürlich auch Salat. Ein riesiger Sauerkirschbaum schmückte den großen Garten. Außerdem gab es je nach Jahreszeit Erdbeeren, Stachelbeeren, und Johannisbeeren. Jede freie Minute arbeitete Oscar in seinem Garten, auf den er sehr stolz war und mit Hingabe pflegte. 

Eleonore war eine Meisterköchin, die aus allem, was der Garten hergab, ein gutes Essen zauberte. Da Fisch zu der damaligen Zeit sehr preisgünstig war, kaufte sie an den Markttagen - Dienstag und Freitag - immer Fisch. Außerdem züchtete Oscar in einem Hühnerstall, der direkt an dem Hof angrenzte, seine Hühner. Der Stall war ca.8 qm groß, so dass sich die 4 bis 5 Hühner wohl fühlen konnten. Er baute sogar einen Unterstellplatz für die Tiere, falls es draußen zu kalt und zu nass wurde. So gab es immer frische Eier. Am schlimmsten war es für Oscar, wenn am Ende des einen oder anderen Monats das Geld knapp wurde, und er ein Huhn schlachten musste, damit die Familie zu essen hatte. Er liebte seine Hühner, weil er sie schon als Küken heranwachsen sah. Darum waren solche Situationen für ihn immer besonders schmerzvoll, niemals konnte er sich daran gewöhnen.

Bill wuchs heran, besuchte die Volksschule und wollte nach Abschluss der Schule ein Handwerk erlernen. Nach einigen Gesprächen mit seinem Vater fasste Bill den Entschluss, Schreiner zu werden. So begann er in der nahegelegenen Werkstatt seine Lehre, die drei Jahre dauerte. Das erste Lehrjahr war für ihn oft frustrierend, da er viele Handlangerarbeiten zu erledigen hatte. Außerdem bekam er oft die Aufgabe, das Frühstück für die Gesellen zu besorgen. Das hat ihn sehr gefrustet. Ab dem zweiten Lehrjahr wurden die Aufgaben interessanter und verantwortungsvoller, so dass er es nicht bereute, diesen Beruf gewählt zu haben. 

Nachdem Bill die Lehre beendet hatte, arbeitete er noch weitere drei Jahre in dieser Werkstatt. Mit fast 20 Jahren hörte er von seinem Arbeitskollegen Victor, dass er schnell viel Geld verdienen könnte, wenn er auf einem Schiff arbeiten würde. „Bill“, sagte Victor, „nie im Leben verdienst du in einem Jahr als Schreiner das Geld, was du als Arbeiter auf einem Tanker verdienst. Einer meiner Bekannten hat damit das große Geld gemacht. Überleg es dir doch einmal.“

Das große Geld zu machen, war für Bill schon immer wichtig. Er nahm mit einer Reederei in Hamburg Kontakt auf. Prompt bekam er auch die Nachricht, dass er auf einem Tanker „anheuern“ könnte. Bill ließ sich die Unterlagen zusenden, las sich alles genau durch und für ihn war schnell klar, dass er „zur See“ fahren wollte. Er nahm die Unterlagen und legte sie eines Abends seinem Vater auf den Tisch mit den knappen Worten: „Du musst hier unterschreiben“. Bill war zu dieser Zeit mit 20 Jahren noch nicht volljährig. Volljährig wäre er mit 21 Jahren gewesen. So benötigte er die Zustimmung seines Vaters. Bills Vater war geradezu erschüttert über das Vorhaben seines Sohnes. Oscar las die Unterlagen durch und sagte: „Bill, was hast du vor? Was soll das? Hast du dir das gut überlegt? Das ist ganz harte Arbeit auf dem Schiff! Der Ton ist rau und du führst dort ein völlig anderes Leben als bisher. Willst du das wirklich?“ Eleonore war in der Küche und hörte die Worte ihres Mannes. Sofort eilte sie ins Wohnzimmer und versuchte ihren Sohn von seinem Vorhaben abzuhalten. Bill ließ sich jedoch nicht davon beeindrucken und sagte in einem festen Ton: „Vater, ich will das unbedingt, bitte unterschreibe.“ Oscar versuchte nochmals seinen Sohn von seinem Vorhaben mit entsprechenden Hinweisen abzubringen. Er spürte aber dann, dass es keinen Sinn machte, Bill umzustimmen. So unterschrieb er mit den Worten: „Du willst wieder deinen Kopf durchsetzen. Glaube nur nicht, dass du das schnelle Geld so einfach bekommst. Das ist harte und zwar sehr harte Arbeit auf dem Schiff. Aber du willst es so.“ 

Es kam der Tag, an dem Bill frühmorgens um 4:00 nach Hamburg fuhr. Er hatte sich fest vorgenommen, mindestens zwei Jahre zur See zu fahren. Tatsächlich arbeitete er zwei Jahre auf einem Schiff, das die europäischen Häfen ansteuerte, Ladungen entgegennahm und wieder in einem anderen Hafen löschte. Er arbeitete als Hilfsarbeiter im Heizungsraum. Das Deck musste er schrubben und andere Handlangerarbeiten verrichten. An den rauen Ton unter den Kollegen gewöhnte er sich schnell. Er wurde an den farbigen Arbeitern, die richtig zulangten, gemessen. Oft war er den Tränen nahe, aber er dachte an das Geld, das nach zwei Jahren auf ihn wartete. Die Zeit verging – trotz harter Arbeit und vielen Entbehrungen – wie im Flug.

Nach zwei Jahren Seefahrt, verfügte Bill über ein für ihn großes beachtliches gespartes Vermögen von 30.000 DM. Er kehrte in sein Elternhaus zurück, richtete sich in einem kleinen Zimmer sein eigenes Büro ein. Er kaufte neue Möbel und einen Mittelklassewagen. Seine Meisterausbildung finanzierte er von seinem ersparten Geld. 

Allerdings fehlte ihm das gesunde Verhältnis zu seinem Geld. Er ging immer häufiger in Kneipen und lernte solche und solche Menschen kennen. So rann ihm das Geld durch die Hände. Bills Mutter sah das mit Besorgnis. Sie versuchte in einem Gespräch ihren inzwischen volljährigen Sohn davon zu überzeugen, dass er das hart verdiente Geld durch die Hände gleiten ließe und bald nichts mehr davon übrig sei. „Bill, du wirst doch sicher irgendwann heiraten wollen, du brauchst das Geld, darum gebe es nicht so mit vollen Händen aus. Ich kann es für dich verwalten, wenn du magst“, sagte sie. Bill lenkte nicht ein, er wollte sein Geld für sich und selbst darüber verfügen. So kam es, wie es kommen musste, nach fast zwei Jahren war nichts mehr übrig. Das Geld war verbraucht – einfach weg.

Die Meisterausbildung dauerte eineinhalb Jahre in Vollzeit. An den Wochenenden lernte Bill mit drei weiteren Kollegen. Jeder hatte seine Stärken und Schwächen, so dass sie sich gut ergänzen konnten. Zwei Monate vor der Prüfung lernten sie gemeinsam auch an den Wochentagen noch bis spät in den Abend. Dann war es endlich geschafft und Bill bestand die Prüfung mit einem guten Abschluss. Er wohnte noch in dem Haus bei seinen Eltern. Um endlich das Ruhrgebiet zu verlassen, bewarb er sich im Alter von 26 Jahren als Schreiner in einer größeren Werkstatt in Niedersachsen. Der Betrieb lag in einem kleinen Ort, mit alten Fachwerkhäusern. Ein schmaler Bach schlängelte sich plätschernd vor den Fachwerkhäusern durch den Ort. Es war eine dichte Pappelallee, welche die Straße links und rechts schmückte, an deren Ende eine alte Mühle stand. Die Mühle war aber schon viele Jahre nicht mehr in Betrieb. Als Bill über diese Straße fuhr, hatte er das Gefühl, dass jegliche Art von Stress von ihm abfiel. Alles war so ruhig und idyllisch, als würde es hier nie hektisch werden. Er erreichte die Schreinerei, ein über Generationen hin gewachsenes Unternehmen. 

Bill hatte um 13:00 seinen Vorstellungstermin. Er ging über den großen Hof, auf dem eine große Anzahl von Paletten und riesige Holzberge gelagert waren. Die Mitarbeiter hatten gerade Mittagspause. Auf dem Hof der Schreinerei saßen sie auf einer Bank beisammen und aßen ihre mitgebrachten Brote. Sie würdigten Bill eines kurzen Blickes, es wurde gegrüßt, dann waren alle wieder in ihren Gesprächen vertieft. 

Bill ging an ihnen vorbei, sah das Schild mit einem Pfeil, der signalisierte, dass sich um die Ecke das Büro der Schreinerei befand. Etwas nervös folgte er dem Schild. Nach 4 Metern stand rechts eine Tür offen. Bill klopfte, er sah an dem Schreibtisch einen Herrn sitzen, ca. 55 Jahre alt. Er trug kurzgeschnittenes glattes graues zurückgekämmtes Haar. Als er sich von seinem Stuhl erhob, war er eine stattliche Erscheinung, mind. 1,90 groß und schlank. „Ich bin Jens Sörensen, der Firmeninhaber. Sie sind bestimmt Bill Häckert“, sagte der Mann. „Ja, ich habe heute einen Vorstellungstermin“, sagte Bill. Daraufhin begrüßten sich beide freundlich mit einem kräftigen Händeschütteln. 

Jens Sörensen bot Bill direkt vor seinem Schreibtisch einen Platz an. „Wollen Sie etwas trinken“? fragte Jens Sörensen. „Ja gerne, bitte ein Glas Wasser“, antwortete Bill. 

Herr Sörensen erzählte Bill, dass er bereits seit einem halben Jahr einen guten Schreiner suchen würde. Zweimal musste er sich schon nach kurzer Zeit von den Gesellen trennen, da sie unzuverlässig arbeiteten oder sie sind erst gar nicht zur Arbeit erschienen. „Warum haben Sie sich hier auf dem Land beworben?“, fragte Herr Sörensen. „Es war schon seit Jahren mein Wunsch, wenn es passt und die Zeit dafür reif ist, in den Norden zu ziehen. Hamburg habe ich schon mehrfach besucht, es ist die Stadt, in der ich mich wohl fühle“, antwortete Bill. 

Herr Sörensen lächelte, dann erzählte er Bill von seinem Unternehmen, der Arbeit, den Kunden und vieles mehr. Bill hörte gespannt zu, die Arbeit war ihm vertraut, er wusste worauf es ankam. Er war erstaunt über den weitreichenden Kundenstamm. Auch die arbeitsmäßigen Zusammenhänge in einer Schreiberei kannte Bill bestens. So musste er sich nicht ganz neu einarbeiten. 

Bill empfand schnell Sympathie für Herrn Sörensen. Das lag wohl an der Ehrlichkeit, die Herr Sörensen vermittelte. Er machte eher einen kameradschaftlichen Eindruck, trotzdem seriös, und mit der richtigen Distanz. 

Das Gespräch dauerte knapp 2 Stunden, als Herr Sörensen sagte: „Herr Häckert, von mir aus können Sie ab dem 1.April die Arbeit bei uns aufnehmen.“ Bill war begeistert und willigte sofort ein. „Dann freue ich mich auf Ihre Mitarbeit und sende Ihnen den Vertrag nächste Woche zu. Übrigens, sind Sie daran interessiert, dass ich Ihnen zwei Wohnungsangebote zur Ansicht nenne?“ fragte Herr Sörensen. Bill war erleichtert, denn das war der nächste Punkt, der ihn beschäftigte. „Herr Sörensen, ich denke, dass es sinnvoll ist, wenn ich während der Probezeit ein möbliertes Zimmer nehme. Danach würde ich mir natürlich eine Wohnung suchen“, sagte Bill. „Gern gebe ich Ihnen auch zwei Adressen, die möblierte Zimmer anbieten. Ich schreibe sie Ihnen mit den Telefonnummern auf. Vielleicht können Sie sich diese heute noch ansehen. Sie sind übrigens beide hier im Ort.“ Bill bedankte sich, nahm den Zettel entgegen, und beide verabschiedeten sich voneinander. Herr Sörensen wünschte noch eine gute Rückfahrt. 

Während Bill zu seinem Auto ging, überlegte er, ob er irgendwo auf der Hinfahrt eine Telefonzelle gesehen hatte. Dann fuhr er los und nach ca. 3 km entdeckte er auf der linken Seite eine Telefonzelle. An der Kreuzung wendete er und fuhr zurück. Das Auto konnte er gut parken. Er betrat die Telefonzelle und rief die Besitzerin der ersten möblierten Wohnung an. Sie nannte ihm einen Besichtigungstermin um 17:00. Das passte sehr gut, denn er hatte seit dem kleinen Frühstück noch nichts gegessen. Es war jetzt 15:30 und Bill setzte sich nach dem Gespräch in sein Auto, um ein Cafe oder eine Gaststätte aufzusuchen.

Das einzige Restaurant hatte geschlossen, aber eine Bäckerei fiel ihm an der Ortseingangsstraße auf. Er parkte sein Auto auf dem kleinen Parkplatz vor der Bäckerei und beschloss, ein Stück Kuchen zu essen. Als er das Geschäft betrat, sah er links in der Ecke hinter der Eingangstür einen kleinen Stehtisch mit zwei Hockern und überlegte, ob er den Kuchen am Tisch essen sollte. „Kann ich auch einen Kaffee bekommen?“, fragte er die Verkäuferin. „Aber selbstverständlich, was hätten Sie denn gern?“ fragte sie. “Ich nehme ein Stück Käsekuchen und eine Tasse Kaffee“, antwortete Bill. „Gehen Sie schon an den Tisch, ich bringe Ihnen gleich alles“, sagte sie freundlich mit einem Lächeln im Gesicht. 

Bill ging zu dem Stehtisch und setzte sich auf einen Hocker. Kurz darauf kam die Verkäuferin. „Lassen Sie es sich gut schmecken“, sagte sie, während sie den Kaffee und den Kuchen servierte. 

Bill nahm einen Schluck Kaffee, das erste warme Getränk seit dem Frühstück. Schon ging es ihm viel besser. Jetzt hatte er die Zeit, über sein Bewerbungsgespräch nachzudenken. Er freute sich, dass alles so gut geklappt hatte. „Wenn das heute noch mit dem möblierten Zimmer funktioniert, dann wäre alles perfekt“, dachte er. 

Bill bezahlte und fuhr zu seinem nächsten Termin – die Zimmerbesichtigung um 17:00. Da seine Rückfahrt noch mindestens viereinhalb Stunden dauerte, war ihm sehr daran gelegen, dass dieser Termin so schnell wie möglich „über die Bühne“ ging.

Es war eine Nebenstraße von der Ortsdurchgangsstraße, an der das Wohnhaus lag. Bill fuhr über altes Kopfsteinpflaster, sein inzwischen in die Jahre gekommenes Auto wurde mächtig durchgeschüttelt. Nachdem er ca. 30 Meter gefahren war, lag auf der rechten Seite das Haus. Es war ein typisch nordischer roter Ziegelbau. Von außen glaubte Bill 8 Wohnparteien zu erkennen. Einige Fenster hatten nur in der oberen Hälfte Gardinen und andere Fenster gar keine Gardinen. 

Bill drückte die Klingel an dem Wohnhaus, auf welcher der Name „Jessen“ stand. Kurz darauf erklang ein Summen an der Tür, und Bill öffnete die Haustür. Frau Jessen kam ihm bereits in dem Treppenhaus, das hell gefliest und ganz sauber war, entgegen. „Was hat Sie denn in dieses kleine Nest verschlagen?“, begrüßte sie Bill freundlich mit Handschlag. „Mein Beruf, Frau Jessen, ich bin Schreiner und wollte schon immer im Norden wohnen. Deshalb verfolgte ich schon seit längerer Zeit die Anzeigen in der Norddeutschen Zeitung. Vor drei Wochen las ich in einer Anzeige, dass die Schreinerei Sörensen & Melchenson einen Schreiner sucht. Heute habe ich mich beworben und den Job ab dem 1.April bekommen“, erzählte Bill. „Herzlichen Glückwunsch“, sagte Frau Jessen, „dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg.“ Frau Jessen hatte einen leichten nordischen Dialekt und sprach „sp“ und „st“ anders aus, als Bill. Er amüsierte sich darüber, aber es gefiel ihm. Frau Jessen führte ihn in die zweite Etage. Sie war eine große stattliche schlanke Frau. Ihr Alter schätzte Bill ungefähr auf 60 Jahre. Sie trug einen Kurzhaarschnitt und war schon ziemlich ergraut. Ihre Art war nordisch herzlich. 

Bill betrat die Wohnung und schaute sich genauestens darin um. Sie war komplett eingerichtet, Kochnische/Essbereich, Wohn-/Schlafzimmer. Für die Übergangszeit für Bill völlig in Ordnung. Bill hatte den Eindruck, dass das Bad neu war. Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende gedacht, sagte Frau Jessen: „Das Bad hatte noch braune Fliesen, so wie man das hier früher hatte. Aber im letzten Jahr haben wir alles neu gefliest, so dass es jetzt hell und freundlich ist. Auch alle sanitären Anlagen haben wir ausgewechselt. Und jetzt wollen Sie sicher wissen, was die Wohnung kostet?“ „Ja natürlich, kostenlos ist sie sicher nicht“, sagte Bill lächelnd. „Die Wohnung kostet 100 DM monatlich“, antwortete Frau Jessen und schaute ihn fragend an. Bill war sofort einverstanden. „Den Mietvertrag sende ich Ihnen in der kommenden Woche zu. Nun wünsche ich Ihnen eine gute Rückreise“, sagte Frau Jessen. Dann verabschiedeten sich beide. 

Bill schaute auf seine Uhr: Es war 17:45, als er seine Heimreise antrat. Er verließ die holprige Straße nach 200 Metern und fuhr in Richtung Autobahn. Auf der rechten Seite sah er eine Tankstelle. Er tankte für 0,68 DM pro Liter das Auto voll, was für ihn nicht normal war. Das Auto vollzutanken war für Bill ein „Loch in der Geldbörse“. Aber er musste schließlich nach Hause, also biss er in den sauren Apfel. Bill war von Natur aus nicht geizig, aber sehr sparsam. Er achtete bei seinen Einkäufen peinlichst genau auf die Preise. An der Tankstelle kaufte er noch eine große Flasche Mineralwasser. Der Preis dafür erschien ihm zwar zu teuer, aber er hatte noch eine lange Fahrt vor sich. Dann fuhr er in Richtung Autobahnauffahrt Hannover. 

Während seiner Rückreise hatte er das Glück, den Berufsverkehr bereits hinter sich gelassen zu haben, so konnte er zügig ins Ruhrgebiet zurückfahren. Gegen 22:30 kam Bill in seinem Elternhaus an. Er ging leise in sein Zimmer, da die Eltern schon schliefen. Er schaltete noch kurz seinen Fernseher ein, legte sich auf sein Bett und schlief ein. Er war froh, noch einen Urlaubstag genommen zu haben, so konnte er am nächsten Morgen ausschlafen.

Am nächsten Morgen erzählte er seiner Mutter am Frühstückstisch, dass er eine Arbeitsstelle in Niedersachsen gefunden habe. Am 1.April könnte er dort anfangen. Eleonore war zunächst verwundert, denn Bill hatte bisher nicht darüber gesprochen, so weit wegzuziehen. „Wieso willst du gerade in den Norden ziehen? Hast du hier nichts gefunden?“, fragte Eleonore. „Mutter, ich will hier aus dem Ruhrgebiet weg. Ich möchte etwas anderes kennenlernen. Der Norden fasziniert mich. Hinter unserem Ortsschild gibt es doch noch mehr. Ich will hier nicht versauern. Darum habe ich mich dort beworben und habe auch schon ein möbliertes Zimmer gefunden“, sagte Bill. „Du musst es wissen, Vater wird sich wundern, wenn er das hört, wenn er heute von der Arbeit kommt. Aber es ist dein Weg und es ist dein Leben.“ Als der Vater abends nach Hause kam, war Bill nicht da. Eleonore erzählte die Neuigkeiten sofort ihrem Mann. „Eleonore, er muss sich die Hörner abstoßen“, sagte Oscar mit ruhiger Stimme. Oscar war ein besonnener Mensch, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen konnte. Damit war das Gespräch beendet. 

Am übernächsten Tag reichte Bill seine Kündigung in der alten Firma ein. Sein Chef war zwar nicht begeistert, er konnte jedoch verstehen, dass sich Bill verändern wollte. Schließlich war er mit seinen 26 Jahren jung genug, um etwas Neues zu beginnen. „Junge, du kannst jederzeit wieder bei uns anfangen, wenn es dir dort nicht gefällt“, sagte sein Chef. Bill verließ das Büro seines Vorgesetzten. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn und ein wenig Traurigkeit. Dennoch freute er sich auf seine neue Aufgabe.

Der neue Arbeitsvertrag und der Mietvertrag kamen pünktlich in der darauffolgenden Woche an. Bill las beide Verträge genau durch, alles war in Ordnung. Zufrieden unterschrieb er die Verträge und sandte den Arbeitsvertrag an seinen neuen Arbeitgeber zurück und den Mietvertrag an Frau Jessen. 

Bill hatte noch einige Tage Urlaub. Der 20. März war sein letzter Arbeitstag in der alten Firma. Am Abend feierte er mit seinen vier Kollegen und seinem Chef in dem traditionellen Dorfkrug seinen Abschied. Viele Situationen aus dem Berufsleben lebten wieder auf, Erinnerungen wurden ausgetauscht und dabei auch viel gelacht. Allerdings gab es für Bill auch einen wehmütigen Moment, nämlich als alle Kollegen aufrichtig sein Ausscheiden bedauerten. Bill dachte an die Kollegialität, die in dieser Firma üblich war. Es gab niemanden, der dem anderen Kollegen Informationen verschwieg, es gab keinen Querulanten. Die Arbeit untereinander verlief reibungslos. Plötzlich dachte er daran, dass es in der neuen Firma anders sein könnte. Aber diesen Gedanken verdrängte er sofort wieder.

Der Abschied um 24:00 vor dem Dorfkrug war dann doch für Bill wehmütig. Die Kollegen umarmten ihn, klopften ihm sichtlich bewegt auf den Rücken und bedankten sich für die gute Zusammenarbeit. „Toll, dich als Kollegen gehabt zu haben“, sagte sein Kumpel Klaus. „Bill, wir werden dich alle vermissen“, fügte sein Chef hinzu und klopfte ihm mit der rechten Hand kameradschaftlich auf die Schulter. Bill musste schlucken und einen Augenblick glaubte er, seine Entscheidung für eine neue Firma bereuen zu müssen. Aber den Gedanken wollte er jetzt nicht weiter verfolgen. „Es ist gut so, wie es ist“, sagte er sich.

Am 01.04. trat Bill seinen neuen Job in der Schreinerei Sörensen & Melchenson an. Sein möbliertes Zimmer hatte er bereits zwei Tage zuvor bezogen. Herr Sörensen stellte Bill den Mitarbeitern vor. Es waren 8 Kollegen, die Bill kennenlernte. „Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit“, begrüßten ihn alle sehr freundlich. Herr Sörensen zeigte Bill seinen Arbeitsplatz und erzählte ihm dabei von einem derzeit besonders wichtigen Auftrag. Es handelte sich um eine Gaststätte in dem Nachbarort, die neu eingerichtet werden musste. „Ihre Kollegen arbeiten schon seit zwei Monaten an diesem Projekt und freuen sich jetzt sehr darüber, dass sie Verstärkung bekommen“, sagte Herr Sörensen. 

Inzwischen waren bereits drei Monate vergangen, und die Zusammenarbeit mit den Kollegen funktionierte reibungslos. Bill war auch kein schwieriger Kollege, er war weder ein Besserwisser noch ein Querulant. In schwierigen Situationen verhielt er sich eher ruhig und zurückgezogen.

Bill zeigte sich immer von der lebensfrohen Seite und suchte nie die Konfrontationen. Mit ihm ins Streiten zu kommen, war so gut wie unmöglich. Er stellte maximal Fragen, wie: „Was denken Sie über…?“ Er wartete geduldig die Antwort ab, und sagte dann: „Aber könnte es nicht sein, dass…?“ ohne eine eigene Meinung zu vertreten. Außerdem liebte er stundenlange Diskussionen über Für und Wider, ohne ein Ergebnis erreichen zu wollen. 

Kurz bevor die dreimonatige Probezeit zu Ende war, führte sein Chef, Herr Sörensen, Ende Juni ein Gespräch mit ihm. Darin gab er Bill noch ein paar Tipps, wie er das eine oder andere besser machen könnte. Grundsätzlich war er mit seiner Arbeit sehr zufrieden. Bill dankte seinem Chef für die offenen Worte. „Und, Herr Häckert, haben Sie sich denn hier in unserem kleinen Ort schon eingelebt?“, fragte Herr Sörensen zum Abschluss des Gespräches. „Ja, das war kein Problem für mich. Außerdem bin ich mit dem Auto sehr schnell in der nächst größeren Stadt“, sagte Bill. „Das freut mich für Sie, und auf eine weitere gute Zusammenarbeit“, verabschiedete sich Herr Sörensen mit einem festen Händedruck. Bill ging spontan an seinen Arbeitsplatz zurück.

Nun stand der endgültige Umzug in den Norden an. Bezüglich einer Wohnung hätte Bill auch seinen Chef ansprechen können. Aber er traf nach seiner Arbeit Frau Jessen im Hausflur und sprach sie an: „Frau Jessen, ich suche jetzt eine Mietwohnung. Kennen Sie vielleicht jemanden, der eine Wohnung ein bisschen größer, als mein derzeitiges möbliertes Zimmer vermietet?“ Er konnte es kaum glauben, als sie sagte: „Ich habe im Nebenhaus eine leer stehende Wohnung zu vermieten. Der Mieter ist vor 4 Wochen ausgezogen. Wenn Sie wollen, schauen Sie sich die Wohnung an.“ „Aber sicher, mit dem größten Vergnügen“, antwortete Bill. Zusammen mit ihr gingen sie spontan nur ein Wohnhaus weiter. Die Wohnung sah von der Aufteilung her ähnlich wie sein möbliertes Zimmer aus. Mit 55 qm war sie größer als sein Zimmer, für Bill jedoch groß genug. Sie befand sich im dritten Stock unter dem Dach. Das Wohnzimmer war lichtdurchflutet und hatte 2 Dachschrägen. Die Küche und der Essbereich waren offen und ebenfalls mit Schrägen. Das wirkte sehr gemütlich. Bill stimmte der Wohnung zu und Frau Jessen sagte, dass die Kaltmiete 160 DM beträgt. An Umlagen kämen noch 70 DM dazu. Die Miete von 160 DM überzeugte Bill sofort und sie unterschrieben noch am gleichen Tag den Mietvertrag. 

Der Umzug verlief ohne Probleme. Bill hatte im Internet mehrere Firmen angeschrieben, die Preise verglichen und sich für die für ihn günstigste Firma entschieden. So viel an Mobiliar besaß Bill nicht. Einiges musste er noch kaufen. Als er am Morgen um 9:00 vor seiner neuen Wohnung ankam, stand bereits der Möbelwagen zum Abladen bereit. Die Möbelpacker fuhren in den frühen Morgenstunden los. Zwischendurch machten sie kleinere Pausen und standen jetzt pünktlich zur Entladung bereit. Frau Jessen war auch schon an der Tür und begrüßte Bill mit den Worten: „Herzlich willkommen in Ihrem neuen zu Hause, möchten Sie Kaffee?“ Bill freute sich über das Angebot. Er war auch in den frühen Morgenstunden losgefahren, jetzt schmeckte der Kaffee besonders gut. Während Bill mit Frau Jessen in der Küche frühstückte, sie hatte frische Brötchen gekauft, trugen die Mitarbeiter der Umzugsfirma die Möbel in Bills neue Wohnung. Bill nahm sich aber nur kurz die Zeit, um zu frühstücken, denn er musste die Arbeiter in der Wohnung informieren, wohin welche Möbel gestellt werden sollten. Die Umzugskartons hatte Bill ordnungsgemäß beschriftet – es waren nur 6 Kartons -, sie wurden in der kleinen Abstellkammer gestapelt. Frau Jessen bot den Helfern – fürsorglich wie sie war - ebenfalls Kaffee an. „Danke, aber wir sind Selbstversorger und ohnehin gleich fertig“, sagte einer der Arbeiter.

Bereits gegen 10:30 verließ der LKW die holperige Straße aus Kopfsteinpflaster und begab sich wieder in Richtung Dortmund. 

Bill schaute sich in der Wohnung um. Der Vormieter musste sie vor seinem Auszug renovieren. Die Tapeten an den Wänden waren weiß gestrichen. Der aus der Wohnung auszog hatte diese zu renovieren, so stand es in dem Mietvertrag von Frau Jessen. Einerseits war Bill glücklich darüber, nichts ändern zu müssen, da die Farbe für ihn in Ordnung war. Andererseits dachte er daran, dass er, im Falle eines Auszuges, ebenfalls renovieren müsste. 

Die wenigen Möbel standen bereits an dem richtigen Ort. Einige Schubladen waren noch zu säubern. Dann begann Bill die Umzugskisten auszupacken. In der Wohnung stand jetzt eine Schlafcouch mit Couchtisch, sein Schreibtisch mit Stuhl, ein kleiner Esstisch mit 2 Stühlen und eine halbhohe Schrankwand, worauf der Fernseher stand. „Irgendwann kaufe ich mir noch ein ordentliches Bett und einen Schlafzimmerschrank. Eine Waschmaschine brauche ich nicht zu kaufen, denn im Keller teile ich mir diese mit den anderen Hausbewohnern“, ging es Bill gedanklich durch den Kopf. Die kleine Kochnische war fertig eingerichtet.

Bill legte keinen Wert auf Dekoration oder „Grünzeug“, darunter verstand er Topfblumen auf den Fensterbänken, so wie es in seinem Elternhaus üblich war. Die Fensterbänke blieben leer. Das Gießen hätte Bill entweder vergessen, oder die Blumen wären ersoffen. Darum entschied er sich, alles zweckmäßig zu gestalten. Unnötiges „Gedöns“, wie er es nannte, brauchte er nicht. Auf Gardinen verzichtete er auch. Das war im Norden so üblich. 

Mit der Selbstverpflegung war es so eine Sache, denn Bill konnte nicht kochen. Weder das Kochen noch das Backen machte ihm Spaß, erst recht nicht das Saubermachen, das Aufräumen, einfach alles, was mit dem Haushalt zu tun hatte, interessierte ihn nicht. Nur wenn es manchmal doch chaotisch aussah, räumte er notgedrungen auf. In den Supermärkten versorgte er sich mit Fertiggerichten. Ab und zu bereitete er sich einen „Strammen Max“ zu, oder er kochte Spagetti. Darüber goss er eine fertige Tomatensoße. Jeden Morgen gab es aber ein anständiges Frühstück mit Brot, Wurst, Käse und Marmelade. Auch am Abend war das Brot für ihn wichtig. 

In der Bäckerei, die Bill damals vor der Wohnungsbesichtigung aufgesucht hatte, kaufte er sein Brot und frische Brötchen, wenn er abends von der Arbeit nach Hause ging. So verlief die Zeit in einem gewissen Rhythmus.