Rosen schneiden - Heiko Hübscher - E-Book

Rosen schneiden E-Book

Heiko Hübscher

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7,99 €

Beschreibung

Sind die Rosen richtig in Form? Oder lässt die Blütenfülle nach? Dieses Buch zeigt, wie Rosen fachgerecht geschnitten werden. Die jeweilige Zielsetzung und Vorgehensweise beim Rosenschnitt wird anhand der Merkmale verschiedener Rosenklassen erklärt und die wichtigsten Grundregeln, Wuchsgesetze und Schnittwerkzeuge werden vorgestellt. Über 30 Vorher-Nachher-Zeichnungen erleichtern die Umsetzung. Einprägsame Symbole bei den Rosenporträts zu Blütenfüllung, Duft und Blattgesundheit informieren auf einen Blick. Zusätzlich erfahren Sie das Wichtigste zur Rosenpflege und erhalten eine Übersicht der aktuellen ADR-Rosen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 79

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Heiko Hübscher

Taschenatlas

Rosen schneiden

3., aktualisierte Auflage

125 Farbfotos

45 Zeichnungen

Vorwort

Schon seit dem Altertum werden Rosen kultiviert. Rosen haben eine natürliche Veranlagung, sich untereinander zu kreuzen oder Mutationen hervorzubringen. So gab es immer wieder neue Blütenformen und Farbvariationen, die in den Gärten ihren Platz fanden. Zunächst durch Auslesen, später durch bewusste Züchtung gewann die Rose mit ihrem Duft und den zarten Blütenformen immer größere Bedeutung. Dichter und Schriftsteller ließen sie in Verbindung mit Frauengestalten unsterblich werden. Die züchterische Erschließung der natürlichen Rosenpopulationen in Fernost brachte sie auf ihrem Weg zur „Königin der Blumen“ ein gutes Stück voran.

Eine Rose, die in freier Natur herangewachsen ist und deren Triebe mit der Zeit an Kraft verlieren, sterben einfach ab und machen neuen Austrieben Platz. Dieser Prozess der Regeneration erstreckt sich über mehrere Jahre, genügt aber selten den ästhetischen Ansprüchen eines Gartenbesitzers. Halbabgestorbene Rosenpflanzen sind keine Pracht. So entwickelten sich über Jahrhunderte hinweg mit jeder neuen Rosenklasse besondere Schnitttechniken, um diese Regeneration zu fördern. Mit dem Auftreten der öfterblühenden Rosen setzte man sich die Unterstützung des Remontierens zum Ziel, also die Blütenneubildung im gleichen Jahr.

Alle Rosenzüchtungen mit ihren ganz unterschiedlichen Wuchscharakteristika lassen sich dabei relativ einfach klassenübergreifend in Schnittgruppen zusammenfassen. Dabei wird ihre typische Austriebsentwicklung nach einem in bestimmter Weise ausgeführten Schnitt als Grundlage verwendet. Daraus wird ein möglichst allgemein übertragbares Konzept zur dauerhaften Förderung der Pflanze erstellt.

Der Züchter geht bei seinen Beschreibungen zu Habitus und Blütenbildung einer Sorte von einem fachgerechten Schnitt aus. Bringen Sie aber fünf Rosenliebhaber zusammen und Sie werden fünf Meinungen zum „richtig angesetzten“ Schnitt hören. Wohl nur beim Obstbaumschnitt gibt es mehr Meinungen zu diesem Thema.

In diesem Buch erhalten Sie einen Überblick über die verschiedenen Rosenklassen und den dazugehörigen Schnitt. Die beschriebenen Schnitttechniken und Schnittzeitpunkte beruhen unter anderem auf den Erfahrungen aus den Zweibrücker Rosengärten. Dort werden etwa 2000 Rosensorten aller Klassen kultiviert.

Heiko Hübscher

Inhalt

Cover

Titel

Vorwort

Das Einmaleins des Rosenschnitts

Wuchsformen

Schnittregeln

Die verschiedenen Schnittarten

Schnittwerkzeuge

Nach Rosenklassen schneiden

Edelrosen

Beetrosen

Strauchrosen

Kletterrosen

Kleinstrauchrosen und Bodendecker

Zwergrosen

Wildrosen

Hochstammrosen

Rosen richtig kultivieren

Düngung und Bodenpflege

Wässern

Pflanzenschutz

Winterschutzmaßnahmen

Klettervorrichtungen für Rosen

Kletterrosen formieren

Rosen für die Vase

Übersicht der aktuellen ADR-Rosen

Service

Impressum

Das Einmaleins des Rosenschnitts

Wuchsformen

Alle Rosen entwickeln sich zu Sträuchern unterschiedlicher Wuchshöhe und -breite. Einige Arten können mit Hilfe sehr langer Triebe in die Kronen benachbarter Bäume oder Großsträucher klettern (Spreizklimmer). Aus natürlich auftretenden Mutationen und der Kreuzungsarbeit der letzten Jahrhunderte entstand daraus eine kaum zu überschauende Pflanzengruppe.

Hinsichtlich des Schnittes lässt sie sich in drei Hauptgruppen unterscheiden: Niedrig wachsende Busch-, höher werdende Strauch- und langtriebige Kletterformen. Übergänge zwischen diesen drei Grundtypen sind die Regel. So kann sich eine Rose im Frühsommer zum ersten Flor als Beetrose darstellen und wird mit dem zweiten Flor zur Kleinstrauchrose. Diese individuellen Sortenentwicklungen können Sie nur bedingt durch Schnitt beeinflussen. Eine weitere, das Erscheinungsbild der Rose beeinflussende Größe ist das Klima. So wird eine Rose bei mildem Klima zum Kletterkünstler und an Standorten mit „echten“ Wintern bleibt sie eine Strauchrose.

Buschformen

Bodendeckerrosen

Eigentlich gibt es keine „echten“ Bodendeckerrosen. Dazu fehlt ihnen die Fähigkeit, sich bei Bodenkontakt eines Triebes zu bewurzeln. Es gibt aber sehr flach wachsende Sorten, die dünne, mehr oder weniger lange, auf dem Boden aufliegende Triebe bilden, die sich ihrerseits verzweigen und so den Boden mehr oder weniger vollflächig bedecken.

Eine gemischte Rosenanlage geschnitten im April …

... und blühend im Juni.

Schematische Darstellung des Wuchscharakters: (A) flächig wachsende Bodendeckerrosen, (B) kleinwüchsige Zwergrosen, (C) buschig verzweigte Beetrosen und (D) straff aufrecht wachsende Edelrosen.

Zwergrosen

Zu dieser Klasse zählen Rosensorten mit einer Höhe von bis zu 40 cm mit zierlichen Blüten. Diese können eine edle Teehybridenform haben, klassisch geviertelt sein oder einfach blühen. Die Blüten können einzeln oder in Büscheln zusammen stehen. Infolge der zunehmenden Beliebtheit von Rosen, die sich auch für die Kultur in Gefäßen und Trögen eignen, bieten die Züchter inzwischen eine breite Palette an robusten, zwergwüchsigen Sorten an.

Beetrosen

Unter diesem Oberbegriff finden sich heute die Klassen der Floribunda- und Polyantharosen sowie alle ihre Mischformen von mehr oder weniger „edlem Geblüt“. Sie werden zwischen 50–80 cm hoch und wachsen von straff aufrecht bis leicht überhängend. Ihre Blüten entwickeln sich in Büscheln.

Edelrasen

Die Aristokraten der Rosenwelt! Sie gelten immer noch als Inbegriff der edlen Blüte. Unter dem Begriff „Edelrose“ vereinen sich die Klassen der Teehybriden mit einer endständigen Blütenknospe sowie die Floribunda-/Grandiflora-Hybriden mit besonders großen Blüten in Büscheln. Sie werden 70–120 cm hoch und wachsen in der Regel straff aufrecht.

Strauchformen

Kleinstrauchrosen

Bis vor wenigen Jahren als „Bodendeckerrosen“ bezeichnet, etabliert sich der Begriff „Kleinstrauchrose“ zusehends. Diese Rosen wachsen bogig überhängend und werden 50–120 cm hoch und breit.

Strauchrosen

Die Gruppe der Strauchrosen umfasst neben den modernen Sorten alle historischen Rosen und die Wildrosen. Sie werden, je nach Sorte, 120–300 cm hoch. Durch den meist überhängenden Wuchs entspricht ihre Höhe in der Regel auch ihrer Breite.

Schematische Darstellung des Wuchscharakters: Kleinstrauchrosen (links) im Vergleich zur Strauchrose (rechts; in der Abbildung der moderne Typ).

Kletterformen

Diese Rosen zeichnen sich durch Ausbildung sehr langer, sich im Jahresverlauf stark verzweigende Triebe aus.

Kletterrosen

Moderne Kletterosen bilden sparrige, aufrechte Triebe mit einer Länge von 200–350 cm aus, die – sofern sie geeignet gestützt und befestigt werden, für die Begrünung kleiner Hauswandpartien, Säulen und kleinerer Rosenbögen geeignet sind. Sie sind meist öfterblühend.

Rambler

Sehr wuchsstarke Kletterrosen mit biegsamen, nur langsam verholzenden Trieben werden Rambler genannt. Sie eignen sich mit einem Jahreszuwachs von 250–600 cm für große Rosenbögen mit einer Durchgangsbreite ab 200 cm, zur Begrünung ganzer Lauben und alter Bäume. Bis auf wenige neue Sorten sind sie einmalblühend.

Climber

Bei Climbern handelt es sich um Mutationen von Rosensorten, die im Normalfall nicht die für Kletterrosen üblichen Langtriebe ausbilden.

Schnittregeln

Schnittregeln ergeben sich aus der natürlichen Entwicklung der Rosen und ihrer Reaktion auf Schnittmaßnahmen. Nur durch Ihr Verständnis für die Pflanze können Sie durch den Schnitt fördernd in ihre Entwicklung eingreifen. In Gärten und Parks finden sich leider immer zu viele aus Unverständnis zusammengestutzte Rosen. Das andere Extrem ist die aus falscher Naturliebe oder Angst ungeschnittene Rose. Für Wildrosen mag dies angehen. Sie entwickeln und erhalten ihren Habitus auch selbstständig. Durch den Eingriff der Züchtung in die Eigenschaften der Rosen hat sich jedoch die Notwendigkeit eines ordnenden Schnittes ergeben.

Schematische Darstellung des Wuchscharakters der meist „steiferen“ Kletterrose (oben) zum biegsamen „weichen“ Rambler (unten).

Aufbau und Verzweigung einer Rose.

Wie entwickelt sich eine Rose?

Rosen verzweigen sich vom Wurzelhals ausgehend (siehe Zeichnung). Bei veredelten Rosen ist das die Stelle am Wurzelhals, an der das Edelauge oder -reis eingesetzt wurde. Zunächst entwickeln sich hiervon ausgehend die ersten Haupttriebe, die sich anschließend in Triebe aufsteigender Ordnung verzweigen. Die Triebe der höchsten Ordnung tragen jeweils die Vermehrungsorgane, die aus den Blüten hervorgehenden Früchte (Hagebutten).

Grundregeln

Jede Rose ist ein Individuum. So wird zum Beispiel nicht jede Teehybride gleich geschnitten. Ihrer jeweiligen Entwicklungssituation entsprechend sind beim Schnitt einer Rose folgende Grundregeln zu beachten:

Starke Triebe werden wenig geschnitten. So wird die Rose gezwungen, ihre Kraft auf viele Knospen zu verteilen. Ein starker Schnitt würde einen übermäßigen Austrieb anregen. Die einzige Ausnahme stellt hierbei der Verjüngungsschnitt dar.

Schwache Triebe werden stark geschnitten. Die Rose kann ihre Kraft dann in wenigen Knospen sammeln. Auch ein schwacher Trieb kommt so zu einem guten Wachstum. Dies gilt besonders bei ohnehin schwach wachsenden Sorten.

Die höchste Knospe eines Rosentriebes treibt früher und stärker als der Rest. So treibt die Knospe auf dem Scheitelpunkt eines gebogenen Triebes auch am stärksten. Dieses Wissen hilft, die Knospenentwicklung und damit das spätere Erscheinungsbild der Rose vorauszuahnen.

Die stärkste Blütenbildung findet je nach Rosenklasse am ein- oder zweijährigen Holz statt. Jeder Schnitt, der die Blütenbildung anregen soll, muss darauf ausgelegt sein, möglichst viele starke Verzweigungen zweiter und dritter Ordnung zu erzeugen. Dies gilt besonders für Triebe von Strauch-und Kletterrosen.

Ein Trieb, der im Vorjahr kaum Zuwachs gezeigt hat, treibt auch dieses Jahr nur schwach aus. Deshalb sollten Sie schwache Verzeigungen immer bis auf den Astring entfernen.

Zu viele Verzweigungen am Ende eines Haupttriebes führen zu einem Besenwuchs. Gabeln werden deshalb bis auf den stärksten oder am günstigsten sitzenden Trieb entfernt.

Der Schnitt verläuft leicht schräg vom Auge nach hinten. Wird der Schnitt zu schräg geführt, kann das Holz hinter dem Auge austrocknen und es stirbt ab. Es ist besser, Sie schneiden etwas zu gerade als zu schräg.

Der Abstand zwischen Auge und Schnitt beträgt mindestens 5 mm und höchstens 10 mm bei starken Trieben mit über 2 cm Durchmesser. Wird der Schnitt zu knapp ausgeführt, trocknet er ein und die oberen Knospen nehmen Schaden. Ist zu viel Holz stehen geblieben, entsteht ein eingetrockneter Stumpf, der eine Eintrittspforte für Schadorganismen darstellt.

Die oberste Knospe sollte wenn möglich immer nach außen zeigen.

Schon „Rosenpapst“ Dietrich Woessner stellte fest: „Die richtige Ausführung des Schnittes setzt das Erkennen der Augen voraus“ (Woessner 1978).

Typisch bei Rosen ist die Veranlagung, an der am höchsten gelegenen Knospe am stärksten auszutreiben. Dies kann auch der Scheitelpunkt eines Bogens sein.

Die verschiedenen Schnittarten

Pflanzschnitt

Der Pflanzschnitt hat die Aufgabe, der Rose den Neustart am neuen Standort zu erleichtern.

Wurzelnackte Ware

Die beste Pflanzzeit für wurzelnackte Rosen ist der Herbst. Die Pflanze kann im noch warmen Boden neue Wurzeln bilden, ohne gleich oberirdische Triebe entwickeln zu müssen. Die Frühjahrspflanzung regt genau dazu an und ist deshalb nicht ideal. Eine im Herbst gepflanzte Rose entwickelt sich im ersten Standjahr deutlich besser.