RuheInsel - Sandra Joneleit - E-Book

RuheInsel E-Book

Sandra Joneleit

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Beschreibung

Eine RuheInsel für die Seele Entspannung braucht jeder Mensch, doch manchmal fällt es uns schwer den Weg zu unserer RuheInsel zu finden. Unser Alltag, unsere Sorgen und unsere Ängste bringen unsere Gedanken im Kopf zum Wirbeln und wir fühlen uns gestresst. Die Geschichten, Bilder und Entspannungseinheiten in diesem Buch nehmen Sie mit auf eine Reise und zwar auf die Reise zu Ihrer eigenen RuheInsel. Das wunderschön illustrierte Buch mit Bildern des Braunschweiger Künstlers Jürgen Mennecke enthält neben den lebensbejahenden Geschichten der Entspannungstrainerin Sandra Joneleit viele Anregungen, um sich gezielt im Alltag kleine und große Entspannungsmomente zu gönnen. Lassen Sie sich mitnehmen auf Ihre RuheInsel und lernen Sie all das kennen, was Ihre Seele streichelt: Meditation, Autogenes Training, Achtsamkeit und der Bodyscan sind nur ein kleiner Teil des Schatzes, den Sie auf Ihrer RuheInsel bergen können.

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Seitenzahl: 315

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Christian und Levi

Ihr gebt meiner Seele das Herz und meinem Herzen die Liebe.

Danke

Der Weg zur eigenen RuheInsel

Dieses Buch mit lebensbejahenden Geschichten, einzigartigen Bildern und bunten Entspannungseinheiten soll eine Insel der Ruhe schaffen – für Groß und Klein.

Die Geschichten in diesem Buch handeln von Gefühlen, die jeder kennt: Angst, Wut, Trauer, Stress, Liebe und Freundschaft. Es geht um Stärken und Schwächen und um all die Dinge, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind.

Wie gehen die Figuren in den Geschichten mit ihren Gefühlen um? Was lernen sie daraus? Diese Erfahrungen können wir nutzen, um unsere aktuelle Lebenssituation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und sie neu zu bewerten - damit Glück, Harmonie und Dankbarkeit (mehr) Platz in unserem Leben finden.

Wer sich mit den Geschichten tiefergehend auseinandersetzen möchte, hat im Buch Platz seine Gedanken und Gefühle zu notieren.

Die ausdrucksstarken und phantasievollen Illustrationen in diesem Buch, lassen uns leicht den Alltag vergessen. Verbunden mit den kleinen Entspannungseinheiten am Ende der Geschichten, kann jeder seinen persönlichen Weg zu der eigenen RuheInsel finden.

Ich wünsche Ihnen eine entspannte Reise zu Ihrer RuheInsel.

Ihre Sandra Joneleit

Sandra Joneleit

Sandra Joneleit wurde 1978 in Braunschweig geboren. Neben ihrer Arbeit in der Reisebranche, bildete sie sich zum Touristikfachwirt weiter. Nebenberuflich arbeitete sie als freiberufliche Journalistin für unterschiedliche Tageszeitungen. Im Juli 2007 beendete sie ihr 3-jähriges Studium an der Schule des Schreibens. Heute arbeitet sie in ihrer eigenen Praxis für Burnout Prävention und Stressmanagement im Erwachsenenbereich. Als Entspannungstrainerin für Kinder – und Jugendliche liegt auch dort ihr beruflicher Schwerpunkt.

Jürgen Mennecke

Jürgen Mennecke wurde 1946 in Braunschweig geboren. Sein künstlerisches Schaffen begleitet ihn sein ganzes Leben. Nach seinem Studium u.a. in Kunst und Didaktik hat er seinen beruflichen Schwerpunkt auf die Kunsterziehung im Erwachsenenbereich gelegt. Seit 2012 ist er freischaffender Künstler und ist seit 2015 auf diversen Kunstausstellungen zu finden. Seine erste Ausstellung im Ausland plant er derzeit in China.

Inhalt

Frieda ist voll mit Gefühl

Entspannung: Eine Traumreise auf einer Wiese

August Augenschlauch trifft eine Fremde

Entspannung: Erholung zwischendurch mit Affirmation und bewusster Atmung

Der alte Jack

Entspannung: Entspannung durch Atmung in Achtsamkeit

Lügenpilz und Lügenbär

Entspannung: Erholung mit Achtsamkeit und Affirmationen

Pinguine auf dem Baum

Entspannung: Eine Traumreise im Wald

Ein Geschenk für einen Jungen

Entspannung: Erinnere dich achtsam an eine Erinnerung, die dich glücklich macht

Die andere Bettina

Entspannung: Verweile in einem Glücksmoment

Das erschöpfte Nilpferd

Entspannung: Raus aus dem Moment mit Achtsamkeit an einem Gegenstand

Die Emeise Edwina auf Futtersuche

Entspannung: Raus aus dem Moment mit Achtsamkeit an dem Genuss eines Apfels

Das Märchen der Drachenschlange Mukunda

Entspannung: Affirmationen und die Kraft deiner Gedanken

Auf Wanderschaft: Rosalind und Klaus-Jürgen

Entspannung: Entspannung durch das Beobachten anderer Leute

Die Weisheit der Großen

Entspannung: Der Bodyscan

Der Träumemacher

Entspannung: Sitzmeditation

Bankgespräche im Park

Entspannung: Gehmeditation

Der Mann, der zu viel sah

Entspannung: Versetze dich in eine bestimmte Situation und versuche mit dieser respektvoll und achtsam umzugehen. Aktiviere deine Empathie!

Das Chemieprojekt

Entspannung: Eine Traumreise im Garten

Der schmerzende Fuß

Entspannung: Ein entspanntes Fußbad

Der Pinguin, der eine Blume sein wollte

Entspannung: Die Schüttelübung

Das Märchen vom Wolf und dem Bluthund

Entspannung: Lass deinen Blick in die Ferne schweifen

Claudette

Entspannung: Entspannung durch Anspannung

Eine große Liebe

Entspannung: Lachübung

Frederike und ihr Bauer Sven

Entspannung: Eine Tüte Blumensamen und eine Traumreise im Zeitraffer

Eine schöne Stimme

Entspannung: Entspannung mit Musik

Lernen ist wie Rudern

Entspannung: Eine entspannende Kopfmassage

Der traurige Fisch

Entspannung: Eine Traumreise am Strand

Der Frosch

Entspannung: Die 4-7-8 Atmung

Die wütende Angst

Entspannung: Das Dankbarkeits-Glücks-Erfolgs-Tagebuch

Die Märchenerzählerin

Entspannung: Autogenes Training

Frieda ist voll mit Gefühl

Dies ist eine Geschichte über den Schmerz der Liebe und eine Geschichte über die Freundschaft und wie man mit diesen beiden wundervollen Dingen „entspannt“ umgehen kann.

„Schau mal, das dumme Huhn dort! Wie die starrt, oder waaas!“ gackerte Anneliese, dass älteste Huhn im Stall vom Bauern Großfeld.

„Ja, das ist doch die Frieda, die alte Henne!“ antwortete die dicke Erna glucksend, die immer für einen kleinen Tratsch zu haben war.

„Was die wohl haaat? Vielleicht sitzt ein Ei schief, oder waaas?!“ überlegte Anneliese weiter.

Die junge Hilde, ein weißes Huhn, stakste scharrend und leise glucksend auf Frieda zu. „Mensch, jetzt beweg dich mal und mach den Schnabel zu. Die alten Glucken denken schon du stirbst.“

Hilde holte Frieda wieder zurück in die Gegenwart – in das hier und jetzt. Frieda hatte tatsächlich ihren Atem angehalten. Ihre Flügel hingen nach unten und waren völlig erstarrt und ihre Kehle war wie zugeschnürt. Ja, tatsächlich schnürte ihr ein Gefühl die Kehle zu. Sie holte tief Luft, schloss langsam ihren Schnabel, legte ihren ganzen Kummer in ihren Blick, schwenke ihren langen Hals zu ihrer Freundin und schaute Hilde direkt ins Gesicht.

„Oh Gott. Du bist ja traurig! Was ist denn passiert?“ gluckste Hilde besorgt und stellte sich dicht an Frieda ran, um sie besser zu hören und um sie vielleicht auch ein bisschen zu halten.

„Die dumme Gerda. Siehst du sie? Dort hinten, bei den großen Fliegenpilzen. Der Horst stolziert da rum, dieser eingebildete Hahn, und sie tänzelt um ihn herum und scharrt ihm die besten Käfer zu,“ gackerte Frieda jammernd und neigte ihren langen Hals Richtung Tatort.

„Ja, aber es scheint ihm zu gefallen,“ stellte Hilde fest und blickte ebenfalls fasziniert zu dem tänzelnden Pärchen hin.

„Das ist es ja!“ zischte Frieda wütend und ließ ihren Kopf vor Aufregung hin und her zucken. „Und jetzt schau doch da nicht so hin!“

Sie holte ein schimpfendes Glucksen aus ihrem untersten Hals hervor und gab es laut von sich.

„Ach, ich verstehe! Du hast dieses Gefühl, Du Arme!“ Betrübt schüttelte Hilde den kleinen Kopf, was ihren Kamm zum Zittern brachte. „Wir haben uns doch alle schon mal den Kopf von einem Hahn verdrehen lassen. Ist es das erste Mal bei Dir, Frieda?“

„Ja,“ gluckste Frieda. „Und das ist gar kein schönes Gefühl. So muss das Schlachten sein,“ überlegte Frieda laut.

„Du meinst wie DAS Schlachten?“ fragte Hilde schockiert.

„Ja. An den Ständern gegriffen, mit dem Kopf auf den Schlachtbock und raaaaapeng – und das war`s dann!“ kreischte Frieda glucksend.

„Ach, geschlachtet soll sie werden, waaas?“ mischte sich jetzt wieder Anneliese ein, die einige Wortfetzen eingefangen hatte.

„Sei ruhig, du aufgescheuchtes Huhn, sonst kommst du in die Suppe!“ gackerte Hilde frech und wirkte dabei fast ein wenig hysterisch. Dann drehte sie sich wieder Frieda zu.

„Aber hier wurde noch kein Huhn geschlachtet. Das hier ist ein guter Hühnerhof. Das weist du doch! Und jetzt gackere leiser. Da hinten stehen alles neugierige Hennen, die was zum Tratschen brauchen,“ protestierte Hilde.

„Ja, das ist doof. Wirklich. Warum schlachtet man hier keine Hähne?“ fragte Frieda und scharrte in der schwarzen Erde. Doch sie interessierte sich nicht für die freigelegten Käfer, darum pickte Hilde die leichte Beute auf, bevor Frieda es überhaupt merkte.

„Frieda, Frieda! Was sind das für Gefühle? Erst Liebe und jetzt Wut. Das ist ja ganz entsetzlich! Schmetterlinge fliegen im Bauch, so ist doch die Liebe eigentlich!“ gackerte jetzt Hilde ganz aufgeregt. „Und wenn dann der Hahn um ein rumtanzt und einem die Milben aus dem Gefieder pickt – ach, wie ist das schön. Ach, wie ist das herrlich!“ Hilde schloss einen Moment die Augen und gluckste glücklich vor sich hin.

„Ach rumtanzen, ja? Wie das der Horst gerade bei der dummen Gerda macht, ja? Oh, schau nur! Er fummelt ihr tatsächlich die Milben aus dem Gefieder! Meine Schmetterlinge habe ich gerade nicht im Bauch.

Meine sind in meinen Krallen!“ Frieda empörte sich immer mehr und lief nun aufgeregt gackernd auf und ab. „Oh, mir schwillt der Kamm, sag ich Dir!“ und ihr Kamm war tatsächlich doppelt so rot und doppelt so groß.

„Frieda! Jetzt beruhige dich. Du weißt doch, wir Hennen sind empfindliche Tiere. Soviel Aufregung ist gar nicht gut für uns und klar denken kannst du auch nicht mehr,“ stellte Hilde fest und scharrte auf ihre Freundin zu.

„Ich will keine Schmetterlinge mehr! Und ich will auch keine Hähne mehr sehen! Mensch sind Gefühle doof!“ jetzt jammerte Frieda wieder und lies ihren Kopf hängen und auch der Kamm fiel zur Seite und wurde blasser.

„Komm, entspann dich!“ schlug Hilde entzückt vor und reckte ihren Hals vor.

„Was ist das und wie geht das?“ fragte Frieda.

„Oh, das ist was ganz Schönes!“ gackerte Hilde, denn sie wusste, Frieda würde sich darauf einlassen, und sie freute sich, ihrer Freundin helfen zu können.

„Dann möchte ich nicht! Wenn du sagst, dass ist was Schönes, möchte ich nicht. Du sagst ja auch, dass Gefühle schön sind und dass die Liebe schön ist. Ich bin eben anders, irgendwie nicht richtig,“ grummelte Frieda und begann wieder mit den Krallen im Sand zu scharren.

„Du Frieda, wenn sich die junge Bäuerin mit ihrer Schwiegermutter streitet, dann entspannt sie sich auch immer hinterher. Auf ihrem Sofa.

Dann macht sie so eine Menschenstimme an, die sich ganz warm anhört. Komm, ich zeige dir wie es geht. Komm, wir gehen auf die Wiese, zum Apfelbaum,“ bestimmte Hilde und stakste mit geschwollener Brust und wippendem Kopf voran.

„Woher weißt du das?“ fragte Frieda interessiert und lief Hilde hinterher.

„Im Sommer lässt sie immer die hintere Terrassentür auf. Ich bin dann draußen ganz in der Nähe und mache mit. Erst beim Streit und dann beim Entspannen“, gab Hilde zu.

„Du bist ein verrücktes Huhn“, gackerte Frieda.

„Aber ein entspanntes verrücktes Huhn, oder?“

„Das stimmt, Hilde. Und ich bin gespannt, Hilde. Und ich bin voller Gefühle, Hilde. Voller Traurigkeit, voller Liebe und voller Wut. Und ich bin gespannt, Hilde.“

„Höre mir jetzt einfach zu und mache genau was ich sage. Ich versuche so zu sein wie die Stimme, die die junge Bäuerin immer anmacht. Die Stimme ist für Menschenentspannung. Du machst einfach mit, was du kannst. Hände und Beine sind bei dir natürlich Ständer und Flügel. Verstehst du das?“ fragte Hilde jetzt in einem leicht trällerndem Gegluckste.

„Ja, ich hab`s begriffen, Hilde. Du kannst beginnen, Hilde!“

Und die Hilde begann:

Entspannung: Eine Traumreise auf einer Wiese

Du kannst dir die folgenden Zeilen gern vorlesen lassen. Es funktioniert aber auch, wenn du sie dir erst einmal ganz in Ruhe durchliest. Dann kannst du versuchen, dir die Zeilen ins Gedächtnis zu rufen und dich ganz entspannt deiner Fantasie hingeben.

„Beginne nun ganz achtsam über die grüne, saftige Wiese zu schleichen. Ganz sanft setzt du einen Fuß vor den anderen und spürst dabei den warmen Rasen… du spürst wie er vorsichtig an deinen Fußsohlen kitzelt. Fühl dich mal rein, in das schöne Gefühl…

Kannst du den Rasen riechen? Er duftet frisch und grün und nach Frühling und Sommer. Atme tief ein und langsam wieder aus und mit dem Ausatmen lässt du alle Gedanken aus dir heraus… du bist jetzt nur bei dir… genießt die Zeit für dich…

Du bemerkst nun, dass sich die Luft mit dem Duft reifer roter Äpfel füllt. Du genießt diesen Duft, der dich an Geborgenheit und Frieden erinnert. Du schaust nach vorn und siehst deinen Lieblingsbaum. Langsam kommst du ihm näher und lehnst deine Stirn gegen die warme feste Rinde… du atmest den holzigen Duft ein und hast den Wunsch, die Rinde zu berühren, zu fühlen. Langsam streifen deine Hände und deine Finger über die feste Borke. Schließlich umarmst du deinen Baum, wie einen alten Freund. Du genießt das Gefühl gehalten zu werden und spürst wie dich der Baum aufrichtet und dir Kraft gibt.

Du bist von angenehmer Ruhe umgeben und möchtest dich noch ein wenig mehr entspannen. Du legst dich genau unter deinem Baum in das trockene grüne Gras, schließt deine Augen und nimmst alle Geräusche und Düfte wahr…

Sag dir 3 x in Gedanken: „Ich bin ganz ruhig und entspannt.“

Du spürst, wie dein ganzer Körper angenehm ruhig ist und genießt all die Gefühle, die sich mit der Entspannung einstellen. Schwere, vielleicht ein Kribbeln in den Handflächen, vielleicht ein Gefühl des Schwebens oder ein Gefühl der Wärme. Vielleicht fühlst du auch nichts. Auch das ist in Ordnung.

Sag dir 3x in Gedanken: „Mein ganzer Körper ist angenehm schwer.“

Du hörst wie eine sanfte Brise, ein leichter warmer Windhauch durch die Äste streicht und auch deinen Körper berührt. Dein ganzer Körper ist nun angenehm schwer…. du spürst die angenehme Schwere, die sich in deinem ganzen Körper ausbreitet… du genießt diese Schwere der Entspannung und die Ruhe und den Frieden.

Sag dir 3x in Gedanken: „Mein ganzer Körper ist wohlig warm“.

Du spürst wie sich die angenehme Wärme in dir mehr und mehr ausbreitet und genießt ganz bewusst und ganz achtsam dieses wohlige Gefühl der Entspannung.

Du nimmst die tiefe Ruhe wahr, die dich erfüllt und atmest ruhig ein und aus. Mit dem Einatmen versorgst du deinen Körper mit frischer Energie und mit dem Ausatmen bringst du verbrauchte Energie aus ihm heraus.

Du kannst jetzt noch eine Weile deine Zeit, deine Entspannung, deine reinigende Atmung, dein Gefühl der Zufriedenheit genießen, denn es ist deine Zeit. Sie gehört DIR…

Langsam atmest du wieder ein wenig tiefer ein…. Arme und Beine lassen sich wieder leicht bewegen… Hände und Füße lassen sich wieder leicht bewegen…. Du beginnst dich zu recken und zu strecken und öffnest langsam deine Augen. Du fühlst dich erfrischt und entspannt. Bleibe noch eine Weile liegen und genieße das willkommene Gefühl, das du jetzt hast. Und dann kannst du dich ganz langsam und vorsichtig aufrichten.

„Frieda! Frieda! Bist du eingeschlafen?“ gackerte Hilde leise und zufrieden. Sie war glücklich. Sie konnte Friedas Entspannung fast riechen.

„Ja, ich komme ja schon,“ murmelte Frieda und kam humpelnd wieder auf die Beine. Sie hatte sich eine leichte Kuhle gekratzt, hat sich direkt hineingelegt – auf die kühle Erde, hat ihre Flügel fächerartig ausgebreitet und hat sich von der Sonne wärmen lassen.

„Hat es funktioniert, Frieda? Wie habe ich das gemacht mit der Entspannung? Nun sag schon, nun sag schon,“ gluckste Hilde aufgeregt auf und ab.

Frieda stand neben ihrer Kuhle und schüttelte ihr Gefieder aus. Sie begann ein wenig zu kratzen, pickte ein zwei Käfer auf und gluckste leise vor sich hin. Plötzlich hielt sie inne und richtete ihren Hals auf und lauschte. „Hast du das gehört, Hilde?“

„Was denn?“

„Das Krähen!“ antwortete Frieda und ihr Hals wurde noch ein wenig länger.

„Ach, das Krähen meinst du. Das ist der Herbert. Vom Hof nebenan.“

„Der Herbert?“ fragte Frieda, ging schnurstracks auf den Hühnerzaun zu und machte sich so groß wie sie nur konnte.

„Ja, aber der war doch schon immer da. Nun sag schon, Frieda. Wie war ich denn mit der Entspannung?“ gluckste Hilde weiter.

„Schon immer da? Der Herbert? Das glaube ich nicht!“ Und da erblickte sie ihn, den Herbert. Ihr Kamm war nun tiefrot, sie plusterte sich schön auf, holte tief Luft und zauberte das schönste Gegacker und Gegluckse aus ihrem Hals, wie es die Welt noch nie gehört hatte.

„Na wenigstens hast du jetzt wieder eine klare Sicht und hören kannst du auch wieder besser,“ stellte Hilde fest. „Also war die Entspannung gut. Ich war wohl gar nicht so schlecht,“ gackerte Hilde weiter.

„Mensch Hilde. Ist der Herbert nicht schön? Schau doch mal, wie prächtig seine Federn sind, und erst sein Kamm!“ gluckste Frieda laut und tippelte rechts und links vor dem Zaun lang.

„Frieda, du strahlst ja richtig. Wie rot dein Kamm ist und wie groß du bist. Also, meine Entspannung muss überaus gut gewesen sein,“ stellte Hilde noch einmal fest.

„Ach, Hilde. Deine Entspannung war wunderbar. Du hast mir damit die Schmetterlinge aus den Krallen zurück in den Bauch geholt. Aber weißt du auch, wie ich über diesen blöden Zaun komme?

Was denkst und fühlst du, wenn du diese Geschichte liest?

Was möchtest du nicht mehr vergessen?

Erinnert dich diese Geschichte an eine Situation aus deinem eigenen Leben? Wenn ja, an welche?

August Augenschlauch trifft eine Fremde

Dies ist eine Geschichte über Schwächen und Stärken und auch über die Freundschaft. Es ist eine Geschichte über Sichtweisen und Einstellungen zum Leben und wie man mit diesen Dingen „entspannt“ umgehen kann.

„Ich bin so traurig“, schniefte August Augenschlauch und schlurfte weiter über den warmen grünen Rasen des Stadtparks der großen Stadt Wunderwüttel.

„Soooo traurig bin ich… und hässlich bin ich auch….“, jammerte August weiter. Dann blieb er stehen und konzentrierte sich eine kleine Weile auf seine Tränen, denn die musste er schnell herunterschlucken, und zwar bevor sie aus seinen 6 Augen rollten oder eher strömten.

Denn wenn das geschah, bekamen alle Besucher des Stadtparks nasse Füße. Und dann würden wieder alle mit ihm schimpfen. Und sie würden ihn wieder hänseln und ärgern: „Hey Sechsauge!“ würden sie rufen. „Dein Augenschlauch ist undicht, was? Gehe doch auf den Kartoffelacker! Der muss wieder gewässert werden!“

August bog seine 6 Augen hoch in den Himmel und blinzelte die Tränen weg. Dann kullerten sie meist den grünen Schlauch wieder hinunter bis in seinen Mund, und er brauchte nur noch schlucken. Meistens jedenfalls.

„Ach, der Himmel ist ja auch so dunkel, so trist…. furchtbar. Alles ist so furchtbar…“

August schluchzte jetzt schon recht laut. Seine Füße bekam er kaum noch hoch, so sehr knickten ihm die Knie ein, durch die Last seiner sorgenvollen Gedanken und Gefühle.

„Autsch!“ hörte er eine Stimme. Doch August wollte nichts sehen und auch nichts hören und schlurfte heulend und zum Himmel blinzelnd weiter voran.

„Auuuutsch! Geh von meinem Arm runter. Das tut weh, wirklich!“ August bog drei seiner Augen nach unten und sah durch seinen Tränenfilm ein langes Etwas – ganz verschwommen. Schwarzes Haar – vermutlich menschlich und weiblich.

„Bist du eine Menschenfrau?“ fragte August jetzt noch jämmerlicher und trat einen Schritt zurück.

„Ja, das bin ich. Aber was bist du?“ fragte die Menschenfrau mit freundlicher Stimme, kam zum Sitzen uns tastete mit ihren Händen suchend den Rasen um sich herum ab.

„Siehst du das denn nicht?“ fragte August und hörte für einen Moment mit dem Jammern auf. Er staunte. Eigentlich wussten immer alle, wer und was er war. Sie wussten es eigentlich sogar viel besser, als er selbst.

„Nein, ich habe meine Brille nicht auf. Sie liegt hier irgendwo. Wo ist sie nur? Ich sehe, dass du grün bist. Beschreibe mir den Rest von dir?“

August kratzte sich mit seinem längsten Auge die Nase. Das tat er immer, wenn er nachdachte. Sollte er seine sechs Augen verheimlichen? Nein, wenn sie die Brille erst wieder auf der Nase hatte, würde sie wissen, dass er das Wichtigste nicht erzählen wollte. Und mehr als die sechs Augen gab es ja ohnehin nicht von ihm zu erzählen.

„Ich habe sechs Augen“, flüsterte er leise.

„Oh, wie schön.“ Die Frau hatte aufgehört, die Brille zu suchen und schaute staunend in seine Richtung.

„Sechs Augen. Dann musst du sehr glücklich sein“, stellte die Frau fest und sie lächelte ein wenig.

August Augenschlauch schüttelte den Kopf. Er war es gewohnt, dass Menschen irgendwie anders waren. Oft so beschränkt in ihren Sichtweisen und häufig auch ein wenig durchgeknallt. Aber die Dame hier hatte wirklich – wie sagen die Menschen untereinander? Eine Meise! Oder nicht mehr „alle Latten am Zaun“.

„Glücklich? Ich bin unglücklich! Ja, zu Tode betrübt! Sechs Augen! Das ist eine Strafe, “ und schon sammelten sich wieder Tropfen in seinen Augen und er begann wieder, schnell zu blinzeln und zu schlucken.

„Das verstehe ich nicht! Unglücklich. Mhhhh,“ sinnierte die Frau und schüttelte nachdenklich den Kopf.

August atmete tief aus und seine Augenschläuche erschlafften für einen kurzen Augenblick. Dann richteten sie sich wieder blitzschnell auf und fixierten die Frau, die so wenig verstand.

„Denk doch mal nach. Ich sehe alles sechsfach! Alles, verstehst du es jetzt?“

„Oh, wie schön muss das sein!“ lächelte sie und blickte ihn glücklich an.

„Nein, das ist gar nicht schön! Das ist furchtbar! Alles sechsfach. Das Grau am Himmel sehe ich sechsfach! Der Mensch, der mich hänselt, sechsfach! Mein aufgeschlagenes Knie, wenn ich gestürzt bin, auch sechsfach! Das Leid, die Trauer… alles immer sechsfach! Oh, welch eine Last!“ schluchzte August Augenschlauch und schüttelte betrübt seinen zarten Kopf.

„Ach so… Wenn du es so sehen willst…“, antwortete die Frau und begann weiter nach ihrer Brille zu tasten.

„Was soll denn das jetzt? Wenn ich es so sehen will? Mir bleibt nichts anderes übrig, verstehst du denn nicht?“ Er schleppte sich einen Schritt näher an Sie heran und seine Augenschläuche wurden nun eine ganze Ecke länger und blieben direkt vor den Augen der Frau stehen. Er blickte ihr tief in ihre schwarzen Augen. Plötzlich hob sie langsam ihre Hand und berührte mit ihren Fingerspitzen seine Nase, seine gerüffelten Ohrenzacken und seine langen Augenschläuche. August zuckte ein wenig zurück, denn so etwas hatte er noch nie erlebt, noch nie gefühlt. Sanft strich sie über seine Lider und über seinen Hinterkopf. Sie erwiderte seinen tiefen Blick und ihr Mund zeigte ein sanftes Lächeln.

„Wenn ich dich anschaue, “ sagte die Frau nach einer Weile. „Dann sehe ich einen sanften Blick – zweifach. Ich sehe eine zarte Haut – zweifach. Ich sehe eine schön geschwungene Nase – zweifach. Ich sehe sechs große und runde Augen – zweifach. Ich sehe in dir ein großartiges Lebewesen – zweifach. Ein einzigartiges Geschöpf – zweifach. Ein wundervolles Wunder bist du! Oh, wie wäre es schön, wenn ich dich sechsfach sehen könnte! Wenn ich den Himmel sechsfach sehen könnte! Das Meer, die Menschen, die Welt! Ich beneide dich so sehr!“

Mit offenem Mund staunte August die Frau an. Er war sprachlos. Was hatte sie da gesagt?

„Und was siehst du, wenn du in den Himmel schaust?“ fragte August vorsichtig.

Die Frau lehnte sich zurück, stützte sich auf ihren Händen ab und legte den Kopf in den Nacken.

„Ich sehe Leben!“ lachte sie. „Schau die Wolke dort oben!“ Sie zeigte steil nach oben. „Wo ist nur meine Brille?“

„Hinter dir“, sagte August und seine sechs Augen wurden noch länger, schlängelten sich um die Frau herum und schoben die Brille zu ihrer Hand.

„Dankeschön!“ Sie setzte sich die schwarze Brille mit sehr dicken Gläsern auf die Nase. „Schau, die Wolke dort sieht wie ein großes Auge aus!“

August richtete seine Augen in den Himmel und betrachtete das Wolkenauge – ohne sich von der Frau zu lösen.

„Mmmmhhh, du kannst leicht reden – mit deiner Brille und deinen zwei Augen. Du kannst einfach die Brille abnehmen, wenn es schwer wird. Du legst dich dann ins Gras mit deinen Augen – und zwar nullfach“.

Die Frau schloss einen Moment die Augen, kuschelte sich an seine Augenschläuche und sagte mit entspannter Stimme: „Du hast es viel besser! Du kannst einfach deine Augen schließen, wenn es schwer wird. Dann hast du auch nullfach.“

August betrachtete noch immer das Wolkenauge am Himmel und überlegte. Er überlegte lange, während er auf dieser Wiese stand und die Frau mit seinen Augen umschlungen hielt. Nach einer Weile sagte er: „Menschenfrau, du bist sehr Weise. Und ich beneide dich auch – du weise Menschenfrau.“

Entspannung: Erholung zwischendurch mit Affirmation und bewusster Atmung

Du kannst dir die folgenden Zeilen gern vorlesen lassen. Es funktioniert aber auch, wenn du sie dir erst einmal ganz in Ruhe durchliest. Dann kannst du versuchen, dir die Zeilen ins Gedächtnis zu rufen – es kommt nicht auf das richtige Wort oder die genaue Formulierung an. Vertraue deiner Fantasie und entspann dich.

Die Menschenfrau war glücklich. Sie hatte wieder eines dieser unglaublichen Wunder kennen gelernt. Sie wusste, dieses kleine Wesen würde immer ihr Freund sein. Sie spürte diese Wärme - die Wärme der Freundschaft. Und sie spürte auch, wie ihr kleiner Freund langsam ruhiger wurde, nachdachte und alles ein wenig schöner sah – mit seinen sechs Augen.

Jetzt wollte auch sie entspannen: Sie nahm ihre Brille wieder ab, lehnte sich vertrauensvoll zurück, in die festen Augenschläuche ihres Freundes, zog sich ihren schwarzen Hut tiefer in das Gesicht und atmete langsam ein und aus… Sie spürte wie sich all ihre Gedanken und Sorgen mit dem Ausatmen verflüchtigten. Vielleicht hast du Lust mitzumachen?

Dann atme auch du einige Male tief ein und aus. Spüre wie sich deine Bauchdecke langsam bewegt, wenn du ein – und ausatmest.

Sage dir 3 x in Gedanken: „Ich bin ganz ruhig und entspannt“.

Du genießt die angenehme Ruhe, die sich in deinem ganzen Körper ausbreitet. Du spürst, wie deine dich reinigende Atmung ruhiger und entspannter wird. Spüre achtsam in deinen Körper hinein und genieße nun einfach die angenehme Ruhe und all die Körperempfindungen, die sich durch deine Entspannung bemerkbar machen…

…vielleicht ein Gefühl von Schwere oder Wärme, vielleicht ein leichtes Kribbeln in deinen Händen oder Füßen. Genieße die Zeit – Sie gehört dir…

Richte deine Aufmerksamkeit auf deine Atmung. Spüre wie dein Atem durch deine Nase einströmt, deinen ganzen Körper mit frischem Sauerstoff versorgt und wie dein Atem durch die Nase wieder ausströmt…

Bleibe mit deinen Gedanken bei deiner Atmung und beobachte sie eine Weile, ohne sie zu verändern oder anpassen zu wollen…

Du kannst jetzt noch eine Weile deine Zeit, deine Entspannung, deine reinigende Atmung und dein Gefühl der Zufriedenheit genießen, denn es ist deine Zeit. Sie gehört DIR…

Langsam atmest du wieder ein wenig tiefer ein…. Arme und Beine lassen sich wieder leicht bewegen… Hände und Füße lassen sich wieder leicht bewegen…. du beginnst dich zu recken und zu strecken und öffnest langsam deine Augen. Du fühlst dich erfrischt und entspannt. Bleibe noch eine Weile liegen und genieße das willkommene Gefühl, das du jetzt hast. Und dann kannst du dich ganz langsam und vorsichtig aufrichten.

Was denkst und fühlst du, wenn du diese Geschichte liest?

Was möchtest du nicht mehr vergessen?

Erinnert dich diese Geschichte an eine Situation aus deinem eigenen Leben? Wenn ja, an welche?

Der alte Jack

Dies ist eine Geschichte über Stress. Dies ist eine Geschichte über die heutige Zeit und über das Leben, welches vergeht, und es ist auch eine Geschichte die uns zeigt, wie wir mit diesen Dingen „entspannt“ umgehen können.

Ihm war kalt. Jack zog den Kragen seiner ledernen Jacke etwas höher, verschränkte die Arme vor seinem Körper und zog die Schultern hoch. Er streckte die Beine von sich, atmete einmal tief ein und laut seufzend wieder aus. Der sanfte Nebel legte sich auf seine Haut, wie eine zärtliche Hand. Da waren sie wieder! Die Rentiere! Dass Rentiere eigentlich sehr scheue Tiere waren, darüber dachte Jack nicht nach. Königlich standen sie unter den riesigen Grenzpilzen und blickten arrogant, aber interessiert zu ihm herüber. Ihre Felle schimmerten durch die Feuchtigkeit samtig und pelzig. Ihm fielen die mächtigen Geweihe auf und er stellte sich vor, wie man damit kämpfen würde. Wenn Menschen solche Geweihe hätten und einfach damit kämpfen könnten und es vor allem auch dürften. Wo würde er dann stehen – auf der menschlichen Rangliste oder in der Welt der Hierarchien?

Seine Augen brannten und er schloss sie einen Moment. Er zog seinen Hut ein wenig tiefer ins Gesicht und überlegte, wie es wohl wäre, wenn der Nebel ihn einfach mitnehmen würde – dumpf und still.

„Na? Es war wieder furchtbar mit den schreienden Kindern!“ stellte Jim nach einer Weile fest, das Rentier mit dem größten Geweih.

„Nein, Jim. Es ist wunderbar, Kinder zu haben! Sag es ihm, Jack!“ antwortete Joe, der direkt neben Jim stand.

„Und die Arbeit war auch wieder grausam mit deinem Chef!“ bemerkte Jim.

„Ach was, die Arbeit ist doch schön! Es ist schön, gebraucht zu werden. Sag es ihm, Jack!“ bat Joe

„Die Gehaltserhöhung hat auch nicht geklappt!“

„Hat sie doch! Ganz bestimmt jedenfalls!“ bemühte sich Joe weiter.

„Und wenn schon. Sie ist doch ohnehin schon verplant! Und sie wird wieder nicht reichen! Und die Frau ist auch bald weg. Vielleicht mit einem Typen, der einen Sportwagen fährt. Und dann sind die Kinder auch weg. Oder sie bleiben. Das wäre aber genauso schlimm, “ überlegte Jim.

„Um Himmels willen, Jim! Sie liebt ihn doch. Sie liebt ihn doch so sehr. Sag es ihm doch, Jack!!“

Jim und Joe schwiegen eine Weile und betrachteten Jack, wie er da auf der Bank saß.

„Du Jim, er ist gestorben.“

„Nein. Das fühle ich nicht. Das würde sich doch anders anfühlen.“

„Stimmt Jim, dann ist er nur eingeschlafen, vielleicht. Schau mal, sein Gesicht. Schau mal, wie jung er noch ist!“

„Ja, jung ist er.“

„Ja aber, aber wenn er jung ist – dann hat er doch alles. Kinder, Arbeit, Frau, Haus…, “ zählte Joe verträumt auf…

„…und Liebe und einen Chef hat er auch. Er ist sicher nie allein!“ träumte Joe weiter.

„Mmmmmhhhh“, grummelte Jim.

In Gedanken versunken trotteten die beiden zu den anderen Rentieren zurück. Sie standen unter den Pilzen und schauten weiter auf den jungen Jack.

„Oh Jim, riechst du es?“ fragte Joe.

„Jaaaaa, wunderbare Luft heute. So klar. Oh, fühle mal… es regnet, “ stellte Joe fest.

„Heeeerrrrlich!“

Die beiden reckten ihre langen Hälse unter den großen Pilzkappen hervor und streckten ihre Zungen heraus, um die Tropfen aufzufangen.

„Komm, wir stellen uns in den Regen! Was für ein Glück.“

„Was für eine Freude! Fühle mal, Jim!“

„Was für eine schöne Zeit! Ja, ich fühle es!“

„Du Jim, der Jack ist eigentlich alt. Aber furchtbar alt. So alt, als müsste er Grenzpilze essen, um bald sterben zu können, “ bemerkte Joe.

„Ach so?“ überlegte Jim.

„Na, er fühlt ja nichts mehr. Und er riecht ja nichts mehr.“

„Aber wieso?“ fragte Jim.

„Mensch Jim, weil er doch gar keine Zeit hat!“

„Ach so….“

Jack erwachte, weil ihm etwas Kaltes in den Nacken lief.

„So eine blöde Scheiße, ich bin eingepennt!“ Er sprang von der Bank auf und begann das Wasser von seiner Kleidung zu klopfen.

„Bekloppter Regen! Ich bin aber auch bescheuert!“ Jack richtete seinen Hut, vergrub seine Hände in den Taschen und rannte mit hochgezogenen Schultern davon.

„Ach Joe, warum ist seine Welt nur so schwer?“

„Na, weil sie schwer ist!“ erklärte Joe.

„Nein, sie ist wunderschön, die Welt. Vielleicht macht er sie sich ein wenig schwer, manchmal, “ überlegte Jim.

„Ich schreie ihm was hinterher“, beschloss Joe.

„Ja, aber, aber, was denn?“

„Hey, alter Jack! FÜHL DOCH MAL!“

„Oh, das war gut, Joe!“

Im Laufschritt schaute Jack auf seine Uhr. Plötzlich blieb er ruckartig stehen und schaute zurück. Ihm war als hätte eines der Rentiere mit ihm gesprochen, irgendetwas gerufen. Dann schüttelte er den Kopf, blickte noch einmal auf seine Uhr und lief mit noch schnellerem Schritt davon.

„Meinst du, er kommt wieder, Joe.“

„Wenn er Zeit hat, bestimmt."

Entspannung: Entspannung durch bewusste und achtsame Atmung

Du kannst dir die folgenden Zeilen gern vorlesen lassen. Es funktioniert aber auch, wenn du sie dir erst einmal ganz in Ruhe durchliest. Dann kannst du versuchen, dir die Zeilen ins Gedächtnis zu rufen – es kommt nicht auf das richtige Wort oder die genaue Formulierung an. Vertraue deiner Fantasie und entspann dich.

Viele Monate später kam Jack wieder. Er hatte sich verändert. Ja, er war ein anderer Jack geworden. Wieder war der Himmel nass. Doch Jack lächelte. Er setzte sich auf die feuchte Bank, zwinkerte wissend den Rentieren unter den Grenzpilzen zu, lehnte sich zurück und schloss die Augen. Er begann mit dem, was er nun schon recht lange tat. Täglich. Er meditierte. Einige Minuten nur, aber in der Zeit war er ganz bei sich. Wenn du magst, kannst du dich jetzt ebenfalls ein wenig zurücklehnen und die Augen schließen.

Atme tief ein und aus. Spüre was dein Atem mit dir macht… was er in dir bewegt. Ist er kühl oder warm? Ist er lang oder kurz?

Es ist schön, zu spüren, wie dein Atem kommt und geht… ohne ihn zu verändern oder anzupassen… einfach nur spüren, beobachten, ohne zu bewerten.

Richte deine Aufmerksamkeit jetzt nur auf deine Atmung. Fühle einfach nur, wie der Atem durch deine Nase einströmt und wieder ausströmt. Und wenn andere Gedanken oder Bilder zu dir kommen, schiebst du sie einfach zur Seite – wie eine Wolke am Himmel. Du brauchst deine Gedanken jetzt nicht. Richte deine Aufmerksamkeit einfach wieder auf deine Atmung.

Genieße die Zeit mit dir in dieser Stille.

Langsam atmest du wieder ein wenig tiefer ein und aus. Beginnst dich wieder langsam zu bewegen. Vielleicht streckst du die Beine und die Arme ein wenig aus und kommst dann mit gefalteten Händen vor deiner Brust zum Ende deiner Meditation. Sei dankbar für diesen Moment der Ruhe, der Stille und des Friedens.

Was denkst und fühlst du, wenn du diese Geschichte liest?

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Was möchtest du nicht mehr vergessen?

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Erinnert dich diese Geschichte an eine Situation aus deinem eigenen Leben? Wenn ja, an welche?

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Lügenpilz und Lügenbär

Dies ist eine Geschichte über die Unwahrheit und was sie mit uns macht und vielleicht auch ein wenig über Ehrlichkeit, Loyalität und dem Umgang mit all diesen Dingen. Und es ist vielleicht auch eine Geschichte darüber, warum die Freundschaft so wichtig ist.

„Das ist ja nicht die Möglichkeit!“ flüsterte ich mir zu und schüttelte entsetzt den Kopf. Ich saß hinter einem Stein versteckt und beobachtete nun schon eine ganze Weile zwei Bären, die sich um einen Pilz stritten. Ich konnte Tiere verstehen – nicht alle – aber doch die meisten. Insekten machten es mir schwer. Ich konnte das Klacken der Beine und das Schlagen der Flügel nicht immer von der eigentlichen Sprache unterscheiden. Da kam es oft zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen. Somit hatte ich mich auf das Gebiet der Säugetiere spezialisiert und dazu gehörten die Bären – und im Moment diese beiden hier ganz besonders.

„Ich habe seit Wochen nichts gegessen und der Winter naht, mein Freund!“ sagte der Schwarzbär zum Braunbär. Dieser aber dachte gar nicht daran, auch nur ein kleines Stück von dem riesengroßen Pilz abzurücken.

Der Pilz war tatsächlich fast dreimal so groß wie der Bär selbst. Das kam in dieser Gegend zwar nicht selten vor, dennoch war dieser hier ein wirklich traumhaftes Exemplar. Ein saftiger Speisepilz, eine Marone, mit noch völlig unversehrtem und gelblichem Schaum unter der fleischigen braunen Kappe. Nicht eine Schnecke und kein einziges Reh hatten sich bisher an ihm versucht. Selbst mir lief das Wasser im Mund zusammen. In einer Pfanne gebraten, mit Speck und Zwiebeln….ein Gedicht. Wahrhaftig. Aber Menschen konnten diese besonderen Pilze nicht einfach sammeln. Sie mussten gefällt und vor Ort zerlegt und dann nach Hause transportiert werden. In dieser Zeit liefen die einzelnen Pilzteile blau an und verloren an Geschmack. Außerdem war dieser Wald ein komplettes Naturschutzgebiet – hier wurde kein Baum gefällt und auch kein Pilz.

„Ich habe auch lange nichts gegessen!“ antwortete der Braunbär und ruckelte sich ein wenig zurecht auf seinem Pilz, damit sein großer Körper die leckere braune Kappe noch ein wenig mehr bedeckte.

Ich hatte schon vieles von den Tieren gehört und auch gelernt. Doch beim Lügen hatte ich noch kein Tier erwischt. Diese beiden Bären hier, waren wirkliche Weltmeister in diesem Fach.

„Mir schmerzt der Bauch, mein Freund! Ich werde nicht mehr lange leben, wenn ich nicht bald etwas in den Magen bekomme,“ log der Schwarzbär weiter.

„Ich bin nicht dein Freund, und auch für mich naht der Winter! Ich habe nicht mal eine Höhle zum Überwintern, und von meinem Hunger mag ich gar nicht sprechen!“ log der Braunbär zurück.

Gestern hatte ich den ganzen Tag den braunen Bären verfolgt und beobachtet, wie er die ganzen Pilze des Rechtswaldes aufgefressen hat. Und heute hatte ich den Schwarzbären im Visier. Der hat den Linkswald aufgefressen – bis auf den letzten Pilz. Der Braunbär hat sich gestern auf diesen Pilz geschleppt und war nun so faul und träge, dass er da allein wohl auch gar nicht mehr runterkam.

„Geh weiter in den Rechtswald hinein. Der ist voll von Riesenpilzen. Da komme ich her. Ich weiß, wovon ich spreche. Dieser Pilz hier, ist nur ein jämmerlicher Anfang!“ log der Braunbär weiter.

„Oder das jämmerliche Ende, du verlogener fetter Bär,“ fauchte jetzt der Schwarzbär und versuchte sich auf die Hinterläufe zu stellen, um noch bedrohlicher zu wirken. Doch sein dicker Bauch zog ihn schnell wieder auf alle vier Pfoten.

„Jämmerliches Ende! Was sprichst du da? Schimpfst du mich etwa einen Lügenbären?“ fauchte der Braunbär und streckte seine Schnauze hinunter. Auch er wollte möglichst gefährlich wirken.

Da versuchte es der Schwarzbär anders: „Pass mal auf! Was glaubst du warum der Pilz so groß und fett ist? Doch nur, weil ich mich um ihn gekümmert habe! Ich habe ihn gegossen, gehegt und gepflegt. Also ist es mein Pilz. Runter da, sonst zeig ich`s dir!“

„Das ist gelogen! Das ist gelogen! Es ist MEIN Pilz! Denn ich habe ihn gegossen, gehegt und gepflegt! Das kann jeder hier bestätigen!“ fauchte jetzt der Braunbär und versuchte mit seiner Pfote nach dem schwarzen Bären zu schlagen. Doch er war tatsächlich so vollgefressen, dass er die Pfote nur in Zeitlupe unter seiner Brust hervorziehen konnte.

„Wer kann das bezeugen, du fetter Lügenbär? Du Verlogener!“ fauchte der Schwarzbär und starrte dem braunen Bären direkt in die vor Wut funkelnden Augen.

Sie ließen sich nicht aus dem Blick und fletschten beide ihre weißen scharfen Zähne und nur ihr Knurren hallte durch die Stille. Mehr war nicht zu hören und es war, als würde der Wald die Luft anhalten.

Doch plötzlich wurde diese Stille durch eine laute und bassartige Stimme unterbrochen: „Warum ich so groß und fett bin? Ich bin so groß und fett, weil ich große fette Lügenbären fresse!“