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Rumänien ist aus unserer, deutschen Sicht ein Land der Widersprüche. Der erste und größte ist jener zwischen der Erwartungshaltung und der erlebten Realität. Wir haben ein Land erlebt, das landschaftlich wunderschön ist - hier vor allem die Bergwelt der diversen Teile der Karpaten. Wir haben wunderschöne Kirchen, alte Kirchenburgen und bunte Klöster gesehen, die alle einen Besuch wert sind. Und wir haben festgestellt, dass die Menschen, kommt man erst einmal in Kontakt mit ihnen, unvoreingenommen, nett, freundlich und überaus gastfreundlich sind.
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Seitenzahl: 54
Veröffentlichungsjahr: 2016
Rumänien ist aus unserer, der deutschen Sicht ein Land der Widersprüche. Der erste und größte ist jener zwischen der Erwartungshaltung und der erlebten Realität. Vor einer Reise entsteht ein Bild aus der Lektüre von Reiseführern, Reiseblogs und - im Falle von Rumänien wie bei wahrscheinlich allen südosteuropäischen, ehemals sozialistischen Ländern - aus einer Mischung von Vorurteilen und Meinungen. Letztere sind selten positiv, meist unentschieden und fast immer unwissend daher gesagt, und leider oft negativ bis ängstlich. Da wird von einer "hohen" Kriminalität gesprochen und so verallgemeinernd wie falsch von den "Zigeunern". Und beides wird dann oft auch noch in einen Topf geworfen.
Wir haben ein Land erlebt, das landschaftlich wunderschön ist - hier vor allem die Bergwelt der diversen Teile der Karpaten. Wir haben wunderschöne Kirchen, alte Kirchenburgen und bunte Klöster gesehen, die alle einen Besuch wert sind. Und wir haben festgestellt, dass die Menschen, kommt man erst einmal in Kontakt mit ihnen, unvoreingenommen, nett, freundlich und überaus gastfreundlich sind.
Widersprüchliches findet man in Rumänien an jeder Ecke. Da stehen windschiefe, verfallene Hütten neben nobel wirkenden kleinen Palästen. Bewohnt sind eher die Hütten, die "Paläste" sind oft unvollendet und selbst fertig gestellt manchmal unbewohnt.
Da freut sich manche Kirchengemeinde in Siebenbürgen, dass die sowieso schon ärmliche Kirchenburg am Ort halbwegs erhalten werden kann, während manch rumänisch-orthodoxe Klosterkirche mit Glanz, Gold und anderem Reichtum ihre Macht demonstrieren kann. Da hat mancher BMWichtig-Fahrer (oft mit B als Kennzeichen, B wie Bukarest) schon lange verstanden, dass man zur Nobelkarosse auch die Vorfahrt im Straßenverkehr de facto mit gekauft hat - und dazu begegnen einem immer wieder 1-PS-Fahrzeuge, Wagen mit einem, selten mit zwei Pferden, die lebensnotwendige Transportmittel sind.
Sinti und Roma, oft Zigeuner genannt, haben wir viele gesehen. Völlig egal, wie sie gerade politisch korrekt zu bezeichnen sind, fallen sie oft nur dadurch auf, dass sie gerade in Siebenbürgen (nach der Auswanderungswelle der dort ehemals ansässigen Siebenbürger Sachsen seit der Wende) versuchen, sesshaft zu werden - und das sieht eben manchmal bei einem eigentlich „fahrenden Volk“ für unsere Begriffe eigenartig aus. Vor Ort ist der Umgang mit ihnen pragmatisch, wie wir auf einem Campingplatz erleben durften. Der Betreiber gab per Aushang folgendes zu verstehen: "Unsere Nachbarn sind Sinti und Roma. Bunte und fröhliche Menschen. Das Betteln ist ihnen tiefe Gewohnheit. Sie verdienen damit 3-5-mal so viel wie jemand, der arbeitet. Sagt ihnen bitte freundlich Guten Tag, aber gebt ihnen auf keinen Fall Geld."
Kriminalität haben wir nicht erlebt. Wenn man sich an die gleichen Regeln hält wie in anderen Ländern (einschließlich Deutschland) lebt man genauso sicher (oder eben unsicher) wie in anderen europäischen Ländern. Sicher wird häufig gebettelt - vor allem in größeren Städten organisiert – und hier landet sicher das Wenigste bei denen, die es erbetteln. Da unterscheidet sich nichts von deutschen Fußgängerzonen. Manchmal ist das Betteln auch ein wenig drängender, aber - wer will es denen, die dort ganz sicher nicht freiwillig so ihren Lebensunterhalt verdienen in Anbetracht der ihnen extrem reich vorkommenden Touristen und der ebenfalls sicher recht wohlhabenden rumänischen "Oberschicht" verdenken?
Sicher ist das Land an vielen Stellen "arm". Arm an den Segnungen der westlichen Konsumwelt. Aber oft auch arm an einfachen Dingen. Das Alles ist nicht immer und nur mit "Korruption", die es ganz sicher gibt, zu erklären. Man darf aber nie vergessen oder gar leugnen, dass eine "DDR", die sich Ende der 80er Jahre im Zustand nicht so sehr von Rumänien unterschied, einen großen Bruder Westdeutschland hatte. Dieses unverschämte Glück hatte Rumänien nicht. Und damit leben die Menschen dort eben nicht wie wir auf einer Insel des Luxus. Ob sie deshalb „ärmer“ sind ist und bleibt eine Frage der ganz persönlichen Sicht auf die Dinge.
Eine Wohnmobilreise nach Rumänien
Die Daten
28 Tage im September 2015 4.400 km insgesamt, davon 2.500 km in Rumänien Fahrzeug: Wohnmobil Chausson auf Ford Transit Besatzung: Zwei Personen und ein Hund
Beschrieben wird neben unserer Rundtour durch Rumänien die ca. 3-tägige Anreise durch Tschechien, Österreich und Ungarn. Außerdem ca. 4 Tage Rückweg auf ähnlicher Strecke mit einem Kurzaufenthalt in Budapest.
Der Text basiert auf täglichen Einträgen in meinem Reiseblog während der Reise.
Dienstag - Anreise bis Orlik (CZ) 253 km Mittwoch - Orlik (CZ) bis Reitercamping Tanyacsárda (HU) 514 km Donnerstag - Reitercamping Tanyacsárda (HU) bis Simeria (RO) 363 km
Am Dienstagabend war Punkt 19 Uhr Start, zum ersten Mal war der Südosten Europas Ziel einer unserer Urlaubsreisen mit dem Wohnmobil. Nach dem Kauf der ersten Vignette kurz vor der deutsch-tschechischen Grenze verließen wir sächsischen Boden. Unser nagelneues Navi war dann nach den ersten Kilometern Autobahn der Meinung, uns direkt durch Prag lotsen zu müssen – ob es Zeit gespart hat wissen wir nicht, Kilometer ganz sicher. Und problematisch war der Verkehr in der Hauptstadt unseres Nachbarlandes auch nicht. Noch eine gute Stunde weiter verließen wir dann erneut, diesmal freiwillig, die Autobahn und fanden den ausgewählten Parkplatz in Humpolec direkt unterhalb von Schloss Orlik auf Anhieb. Der Regen blieb auf die Nacht begrenzt und so spulten wir die nächsten Kilometer Richtung Brno ab.
Die Autobahn zwischen den beiden großen tschechischen Städten erinnert sehr an jene in der DDR, auf manchen Abschnitten war eigentlich nur die Überholspur befahrbar. Aber auch die Beton-Platten-Ruckelpiste ging vorbei, ebenso wie wir an den schönen und massenhaft vorhandenen Plattenbauten Brnos vorbeifuhren. Um die Maut in der Slowakei für die wenigen Kilometer zu sparen bogen wir nach Österreich ab, blieben immer knapp westlich der Grenze und legten in Hainburg an der Donau einen ersten größeren Stopp ein. Hier machten wir eine kleine Wanderung entlang der Donau und bewunderten die Donauauen, die heute, nach schweren Auseinandersetzungen zwischen Naturschützern und dem Staat (bzw. den Energiekonzernen) in den 80er Jahren, Naturschutzgebiet sind. Hier ist einer der längsten naturbelassenen Abschnitte der Donau und nicht, wie in den 80ern geplant, ein Wasserkraftwerk samt Flussbegradigung, zu bewundern.
Kurz hinter der Grenze zu Ungarn wurde der Kauf der Vignette zu einem kleinen Problem (aber nur für uns) – man hätte Euronen genommen, aber halt kein Plastegeld (letztere hätten wir in diversen Ausführungen gehabt, ersteres nicht mehr ausreichend). Im nächsten Ort gab es einen Bankomat, für uns Forint und dann auch die Vignette, so dass wir die Fahrt auf der Autobahn fortsetzen konnten. Für recht viel Maut gibt es aber auch super ausgebaute Straßen, schnell kamen wir voran. Den Versuchungen, zum Balaton nach rechts oder später nach Budapest (links) abzubiegen widerstanden wir und landeten mitten in der Puszta auf einem recht netten Camping bei einem Reiterhof (Reitercamping Tanyacsárda).
