Runen - Christopher Weidner - E-Book

Runen E-Book

Christopher Weidner

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Beschreibung

Die Kraftzeichen einer uralten spirituellen Kultur Runen – von ihnen geht eine starke Faszination aus. Sie wurden von den alten Germanen als Schrift verwendet und sind uns in vielen Steinmälern und zahlreichen Inschriften überliefert. Weitaus bedeutender aber waren sie als Zauberzeichen. Sie wurden als Orakel verwendet, aber auch als magische Symbole, denen eine große Kraft nachgesagt wird. Wer sich mit diesen Zauberzeichen der Germanen beschäftigt, der verbindet sich mit einer mystischen Welt. Es ist die ganze nordische Sagen- und Götterwelt, die sich machtvoll in ihnen entfaltet. - Die Bedeutung dieser rätselhaften Zeichen einer verloren gegangenen Kultur - Geschichte der Runen und ihrer verborgenen Wurzeln - Die Botschaft dieser Symbole für unser heutiges Leben - Wie Runen für die Vorhersage eines Schicksals genutzt werden können - Runendeutungen auf Basis der 24 Zeichen des älteren Futhark - Praktische Anleitung für den Umgang mit Runen - Ausführliche Interpretation jeder einzelnen Rune - Runen ziehen und Legesysteme verwenden

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Veröffentlichungsjahr: 2013

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1. Auflage Dezember 2013 2. Auflage Juni 2015 3. Auflage Oktober 2016 4. Auflage Oktober 2017 5. Auflage Januar 2020 6. Auflage Februar 2022 Copyright © 2013, 2015, 2016, 2017, 2020, 2022 bei: Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg Alle Rechte vorbehalten Covergestaltung: Christine Iberle Satz und Layout: opus verum, München ISBN E-Book 978-3-86445-490-5 eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck Die veröffentlichten Ratschläge wurden mit größter Sorgfalt von Verfasser und Verlag erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Ebenso ist eine Haftung des Verfassers bzw. des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden ausgeschlossen.

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis Kopp Verlag Bertha-Benz-Straße 10 D-72108 Rottenburg E-Mail: [email protected] Tel.: (07472) 98 06-10 Fax: (07472) 98 06-11Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:www.kopp-verlag.de

Vorspann

© Fotolia: KMBI

© Trikvetra, Fred J.

Warum Runen?

Die Runen – sie stammen aus einer fernen Zeit. Sie dienten den Germanen als Buchstaben für Inschriften und sind magische Symbole. Wer sich mit ihnen beschäftigt, der verbindet sich mit einer geistigen Welt, die historisch zwar vergangen ist, aber in diesen Zauberzeichen weiterlebt. In diesem Buch möchte ich Sie in den praktischen Umgang mit den Runen einführen und zwar so, wie ich es in den letzten Jahren für mich entdeckt habe.

Fenriswolf, Midgardschlange

© W. G. Collingwood

Tatsächlich begegneten mir die Zauberzeichen der Germanen schon sehr viel früher, und zwar in meinem Studium der Nordischen Philologie. Mein Interesse an der Welt der Mythen und Märchen findet seinen Ursprung aber bereits in meiner Kindheit, denn schon früh faszinierten mich die Geschichten rund um die germanischen Götter Odin, Freya und Loki. Im Studium lernte ich die Sprache der Edda und ließ mich von dem dunklen Klang ihrer Lieder gefangen nehmen, in denen von der Entstehung der Welt aus Feuer und Eis, von Zwergen und Riesen, von Schicksalsgöttinnen am Fuße des Weltenbaumes, von entsetzlichen Ungeheurn wie dem Fenriswolf, der Midgardschlange und schließlich vom Untergang der Götter und der Geburt einer neuen Welt die Rede war. Doch die Runen blieben damals etwas, das ich zwar mit Interesse, aber nicht mit Eifer betrachtete. Vielleicht lag es daran, dass sie an der Universität nur mit dem streng wissenschaftlichen Auge betrachtet wurden und dann auch nur mit spitzen Fingern. Das lag sicher einerseits an dem missbräuchlichen Umgang mit dem alten Erbe der Germanen zur Zeit des Nationalsozialismus, in denen die Runen zu Schreckenssymbolen umfunktioniert wurden. Damit wollte man nicht identifiziert werden. Andererseits bleibt von den Runen als Gegenstand der Forschung nicht viel übrig: es sind rätselhafte Zeichen einer verloren gegangenen Kultur – und Punkt. Was dazu aus wissenschaftlicher Sicht zu sagen ist, lässt sich in der Regel kurz und bündig zusammenfassen. Das eigentliche Wesen der Runen muss einer solchen Betrachtungsweise selbstverständlich verschlossen bleiben. Das ist auch völlig in Ordnung, denn das, was die Runen ausmacht, das hat mit ihrer historischen Bedeutung nur wenig zu tun. Die Art und Weise, wie sie uns Heutige immer noch berühren können, erlebt niemand, der sie als reines Objekt der intellektuellen Auseinandersetzung betrachtet. Dem Verstand alleine offenbart sich der Zauber der Runen nicht. Die Runen haben eine Botschaft, aber die lässt sich eher mit dem Herzen lesen als mit dem Kopf. Davon aber war ich zur Zeit meines Studiums weit entfernt.

© Haukurth

Alter Runenstein in einer mystischen Landschaft

© Fotolia: annaia

Mystische Plätze

Noch schwiegen die Runen also. Mythen und Märchen aber begleiteten mich auch weiterhin. Ich begann mich mit den Plätzen zu beschäftigen, an denen viele der Sagen spielen. Schnell merkte ich, dass es nicht nur die Geschichte war, die mich zu diesen Orten zog, sondern dass die Orte eine eigene Ausstrahlung besitzen. Die Sage oder das Märchen, so erkannte ich für mich, ist oft nur der Ausdruck dieser besonderen Kraft, die dort zu spüren ist. Sie kleidet das, was Menschen an einem derartigen Ort erleben können, in das Gewand einer Geschichte. Wenn dann von Wundern, Feen, Kobolden und anderen magischen Begebenheiten die Rede ist, so ist dies oft der Versuch zu beschreiben, was dort zu fühlen ist, wenn man sich der Kraft eines solchen Platzes öffnet. Viele dieser Plätze werden schon seit Generationen von Menschen auf diese Weise beschrieben und verehrt und nicht selten gehen sie auf alte heidnische Kultstätten zurück. Viele Plätze liegen in der Natur mitten in Wäldern, auf Bergen, in Höhlen, aber auch so manche Kirche, die uns mit ihrer besonderen Atmosphäre gefangen nimmt, ist auf einem solchen alten Kultplatz errichtet worden und bezieht ihre Magie genau aus diesem Umstand. Mittlerweile habe ich Deutschland und viele andere Länder auf der Spur solcher Kraftplätze bereist.

Ein Kraftort ist nicht zu verwechseln mit einer »Tankstelle«, auch wenn es zunächst so klingt. Tatsächlich kann uns ein solcher Ort Kraft geben, aber nur dann, wenn wir bereit sind, auch etwas von uns zu geben. Oft genügt es, wenn wir uns dem Platz und seiner besonderen Mystik mit unserem Geist öffnen, etwas von unseren Gedanken und Gefühlen offenbaren. Die Aufmerksamkeit, die wir einem solchen Platz schenken, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk an diesen Ort. Unzählige Menschen haben dies bereits vor mir getan, haben vielleicht gebetet, meditiert oder auch einfach nur die Mystik andächtig auf sich wirken lassen. Dies macht sie nicht selten zu Plätzen, die wir als heilig empfinden.

Die Begegnung mit einem Kraftort ist ein Geben und Nehmen. Wenn wir in Verbindung mit dem Ort gehen, teilen wir uns dem Ort mit, kommunizieren mit ihm. Wenn wir dies tun, dann schenkt uns der Ort etwas zurück. Das kann ein Gefühl sein, manchmal ist es aber auch mehr als das, denn er ist in der Lage, uns Antwort zu geben. Dazu müssen wir nicht einmal eine konkrete Frage stellen. Vielmehr ist unsere aufmerksame Gegenwart genug, um die Kraft des Ortes als Bereicherung für unser Leben zu empfinden. Wir verlassen dann diesen Ort und etwas in uns hat sich gewandelt. Nicht selten sind wir klarer in Bezug auf wichtige Themen, die uns gerade bewegen. Manches »fließt« dann wieder, wo wir zuvor noch ins Stocken geraten waren und nicht wussten, wie es weitergehen soll.

Runensteine aus Holz

© Fotolia: Roxana

Auf meinen Reisen durch solche mystischen Landschaften habe ich durch Zufall die Runen für mich wiederentdeckt. Mehr aus ästhetischen Gründen hatte ich mir einen Satz der 24 Runen des älteren Futhark besorgt, auf geschliffenen und lackierten Holzplättchen in Handarbeit geritzt und in einem Ledersäckchen eingepackt, in der Absicht, mich irgendwann einmal mit den Zeichen zu beschäftigen. Einer inneren Eingebung folgend packte ich die Runen eines Tages in meinen Wanderrucksack und nahm sie mit auf eine Tour durch den sagenumwobenen Harz. Ich kletterte auf einen einsam gelegenen Felsen, um die Aussicht über die Wipfel des Waldes zu genießen. Es war ein sehr ruhiger Augenblick inmitten der Natur. Ich spürte eine tiefe Verbundenheit mit diesem Ort, seine Kraft durchströmte mich sanft und ich hatte das Gefühl, dass die Begrenzungen von Zeit und Raum mit einem Schlage an Bedeutung verloren hatten. Ich war ganz bei mir selbst angekommen. In diesem Moment fielen mir die Runen in meinem Rucksack ein. Ich holte sie heraus, öffnete den Lederbeutel und griff hinein, während aus meinem Herzen eine Frage aufstieg, die mich gerade in Bezug auf meine aktuelle Lebenssituation beschäftigte. Ich ließ eine Zeitlang die Holzplättchen zwischen meinen Fingern hin und her gehen, bis ich den Eindruck hatte, eines wollte förmlich an meinen Fingerspitzen kleben bleiben. Dieses zog ich heraus …

Runensteine im Lederbeutel

© Fotolia: Roxana

Die Botschaft der Runen

Ich kannte die Bedeutung der Runen, wusste ihren Namen und wie sie für gewöhnlich in den handelsüblichen Büchern gedeutet werden. Aber in diesem Augenblick hatte ich diese Deutungen nicht gegenwärtig. Es war, als zöge ich die Rune zum ersten Mal – und doch war sie mir auf eine eigenartige Weise ganz vertraut. Mehr noch: Sie schien eine Antwort auf die Frage bereit zu halten, ohne dass ich meinen Verstand um eine Deutung bemühen musste. Es war die Gestalt des Zeichens, die zu mir »sprach«. Die Form der Rune war eine Antwort auf meine Frage – und nicht irgendein Satz, den ich in irgendeinem Buch gelesen hatte. Ich setzte meine Wanderung fort und es war wunderbar: Ich entdeckte die Gestalt der Rune überall wieder – in den Ästen der Bäume, in Steinformationen am Wegesrand, sogar in architektonischen Strukturen an Häusern. Immer, wenn ich sie entdeckte, erkannte ich darin ein weiteres Puzzlestück zur Klärung der Frage, die mich gerade bewegte. Am Ende des Weges hatte sich in mir eine deutliche Antwort herausgebildet, die mein Leben in eine entscheidende und für mich sehr stimmige Richtung lenkte. Dafür bin ich den Runen bis heute dankbar.

Seither begleiten mich die Runen fast immer auf meinen Reisen und Wanderungen. Es ist eine gute Gewohnheit geworden, sie immer wieder zurate zu ziehen, sei es, um sich einem bestimmten Thema zu widmen oder einfach, um bereichernde Impulse zur aktuellen Lebenslage zu bekommen. Meiner Erfahrung nach besitzen die Runen nichts Schweres, Düsteres, allzu Magisches – einen derartigen Eindruck kann man durchaus bekommen, wenn man manche Bücher über sie liest. Dort werden Rituale und Praktiken beschrieben, in denen die Runen dazu dienen, die Welt nach dem eigenen Willen zu beeinflussen, oder als Orakel dienen, um die Zukunft vorherzusagen. Dazu kann ich nichts sagen. Für mich besitzen die Runen eine andere Ausstrahlung, die sich mir vor allen Dingen offenbart, wenn ich sie in der Natur mit mir führe. Die Runen selbst weisen ihrer Bedeutung nach zumeist Anspielungen auf, die aus den Bildern der Natur gespeist werden: sie tragen Namen wie Eis, Birke, Eibe, Pferd, Tag, Jahr, Hagel. Die Formen der Runen erinnern an Dinge aus der Natur, an Bäume, Wege, Höhlen, Dornen, Ähren. Es ist für mich daher fast selbstverständlich, sie genau dann einzusetzen, wenn mich die Natur umgibt – und nicht eingeschlossen in meinen eigenen vier Wänden.

An mystischen Orten entfaltet sich die Kraft der Runen besonders eindrucksvoll.

© Fotolia: olandsfokus

Ich entdeckte schließlich ihre besondere Fähigkeit, an Kraftplätzen im Besonderen, aber auch an jedem anderen Platz, den wir als kraftvoll empfinden, die Mystik dieses Ortes in einen für unseren Geist und unser Herz weiterführenden Impuls zu verwandeln. Wer sich der Kraft eines Ortes öffnet, kann tiefe Einsichten über sich selbst und die Welt, in der er lebt, erfahren. Wer dazu noch eine Rune zieht, der bekommt im Symbol der Rune zusätzlich ein Gefäß, um diese Kraft gedanklich zu fassen und als ganz persönliche Botschaft zu verstehen. Die Rune wird gewissermaßen zum Sprachrohr des mystischen Ortes.

Seit ich auch andere Menschen zu mystischen Orten führe, lade ich jeden gerne dazu ein, eine Rune an Ort und Stelle zu ziehen. Dabei lasse ich offen, ob gerade eine Frage im Raum steht, auf die man eine Antwort sucht, oder ob wir einfach eine Antwort bekommen möchten auf eine Frage, die wir vielleicht noch gar nicht gestellt haben. Aus den Erfahrungsberichten der Teilnehmer an diesen Exkursionen und Reisen entnehme ich immer wieder, wie treffsicher die Runen unsere Lebenssituation erfassen und wie stimmig sich die Empfehlungen anfühlen, die wir aus der Deutung der Rune für uns lesen können. Dabei spiegele ich den Leuten in der Regel nur die Ideen wider, die sich aus der Gestalt der Rune wie von selbst ergeben. Zumeist kenne ich das Thema, das einen gerade bewegt, gar nicht. Das heißt natürlich, dass sich die Deutung der Rune, die ich anbiete, erst im Betroffenen selbst zu einer Bedeutung zusammensetzt. Genau darum geht es: Die Rune hilft uns, das, was uns vielleicht auf eine diffuse Weise beschäftigt, in eine klarere Struktur zu bringen. Gerade die eher schlichte und zumeist kantige Gestalt der Runen mag dazu einen besonderen Beitrag leisten. Im Gegensatz zu anderen Systemen wie Astrologie und Tarot sind Runen einfach fast schon einsilbig – und das macht sie so wertvoll. Der klare Gedanke, der ihnen entspringt, unterstützt uns dabei, aus dem Wust des Alltäglichen einen Weg zu finden, das Notwendige vom Möglichen zu trennen. Manche erleben die Runen als wohltuend direktiv, das heißt, als auf eine angenehme Weise kompromisslos in ihrer Aussagekraft. Die Runen sagen: »Da geht es lang!« Dabei üben sie jedoch nie einen Zwang aus, sondern zeigen uns lediglich die Richtung, in die wir uns bewegen sollten, damit wir das, was uns am Herzen liegt, auch wirklich erreichen können. Das Überraschende dabei ist, dass sie das bei aller Ernsthaftigkeit stets mit einem Augenzwinkern tun. Sie befehlen uns nicht, sondern appellieren an unser inneres Wissen. Sie zeigen, dass wir die Antwort schon längst in uns tragen, dass wir sie nur nicht sehen konnten, weil wir uns im Dickicht der Möglichkeiten verloren haben.

Warum also Runen?

Runen vereinfachen, indem sie Möglichkeiten reduzieren. Darin sehe ich ihre besondere Gabe. Zugleich entbehren sie nicht der Tiefe und laden uns immer ein, noch genauer hinzuschauen und uns mit den Hintergründen unserer Lebenslage auseinanderzusetzen. Diese Einladung sprechen sie immer aus, auch wenn wir ihr nicht immer Folge leisten wollen, sondern die eine klare Antwort gerade genau das Richtige war. Wenn wir aber den Impuls haben, die Antwort der Rune zu vertiefen, dann können wir eine weitere Dimension ihrer Magie erleben. Wir können zum Beispiel Folgerunen ziehen, um eine einmal gezogene Rune in ihrer Bedeutung näher zu beschreiben. Daraus können sich ganze Geschichten entwickeln, die etwas über unser Leben und die Zusammenhänge, in die unser aktuelles Erleben gebettet ist, erzählen. Vom konkreten Umgang mit den Runen wird in einem späteren Abschnitt noch die Rede sein.

Alter Runenstein aus der Wikingerzeit

© Fotolia: Pink Badger

Noch ein paar Worte zu diesem Buch und seinem Aufbau.

Mit diesem Buch möchte ich Sie einladen, eigene Erfahrungen mit den Runen zu sammeln, und zwar möglichst konkret. Gehen Sie hinaus in die Natur, nehmen Sie die Runen mit und machen Sie es zur guten Gewohnheit, sie bei jeder Gelegenheit, die sich ihnen als geeignet anbietet, eine oder mehrere Runen zu ziehen, um dann über ihr Leben zu reflektieren. Weil die eigene Erfahrung im Vordergrund steht, beschränke ich den wissenschaftlichen Exkurs zu den Runen auf das Nötigste und stelle ihn ans Ende des Buches. Hier finden Sie die wichtigsten Fakten zur Historie. Im Vordergrund aber stehen die Zeichen selbst, und zwar ganz konkret ihre Gestalt. Die zahlreichen Abbildungen sollen Ihnen helfen, in das innere Wesen der Runen einzutauchen, um ganz eigene Facetten für sich zu entdecken. Ein Bild sagt in diesem Fall oft mehr als 1000 Worte, weil es unsere Fantasie anregt und die Ideen, die wir zu den Runen entwickeln, mit ganz eigenen Empfindungen anreichern kann. Ein entsprechender Vers aus einem Runengedicht liefert weitere Bilder, die unsere Vorstellungskraft befeuern können.

Runenalphabet

© Fotolia: wlad074

In diesem Buch arbeite ich mit den 24 Runen des sogenannten Älteren Futhark. Es gibt andere Runenalphabete, solche mit 16 Zeichen – das jüngere Futhark, ein in der späteren Wikingerzeit vereinfachtes Alphabet – und solche mit 18 Zeichen, das sogenannte »Armanen-Futhark«, ein Kunstprodukt, das seine Ursprünge in rechtsesoterischen Kreisen der Jahrhundertwende hat und von dem ich grundsätzlich abrate. Das ursprüngliche und älteste Runenalphabet hat die 24 Zeichen, die in den folgenden Kapiteln ausführlich beschrieben werden. Sie können sich Runen aus Holz oder einem anderen Material besorgen. Für den Anfang können Sie natürlich auch Runen auf Zettel malen und dann mit ihnen arbeiten. Wer allerdings auf den Geschmack gekommen ist, der wird nicht umhin können, sich Runen aus einem beständigeren Material anzuschaffen. Holz ist deshalb eine gute Wahl, weil es in so vielen verschiedenen Varianten vorkommt und natürlich, weil es besonders leicht ist, wenn wir es auf Wanderungen mitnehmen wollen. Im Internet finden Sie Shops, in denen Sie sich einen Satz Runen des älteren Futhark besorgen können.

Die drei Geschlechter

© opus verum

Bevor wir in die Einzeldeutung der Runen eintauchen, ein paar Gedanken zur Struktur, in die die 24 Zeichen eingebettet sind. Dabei kommen Sie mit der Bedeutung der Runen in Berührung, wie sie sichtbar wird, wenn wir sie nicht isoliert betrachten, jede Einzelne für sich, sondern als ein System, indem sich die Runen wechselseitig bedingen.

Jeweils acht aufeinanderfolgende Runen bilden traditionell eine Einheit, ein sogenanntes aett, was so viel wie »Acht« bedeutet, gerne aber auch mit »Geschlecht« übersetzt wird. Damit wird angedeutet, dass jeweils acht Runen so etwas wie eine Familie bilden, also in einem engeren Sinnzusammenhang gesehen werden können.

Bei den 24 Runen des gemeingermanischen Futhark haben wir es entsprechend mit drei aettir oder Geschlechtern mit je acht Runen zu tun. Zwei dieser Achterreihen werden nach Göttern der nordischen Mythologie bezeichnet: das erste Geschlecht nach dem Gott Freyr und das dritte Geschlecht nach dem Gott Tyr, beide nach dem Laut der ersten Rune im jeweiligen aett. Das zweite Geschlecht heißt Hagal, einfach nach der ersten Rune. Diese Bezeichnungen sind zwar erst aus dem 17. Jahrhundert überliefert und beziehen sich auf das jüngere Futhark aus 16 Runen, werden aber auch auf die Runenreihe des älteren Futhark übertragen.

Erstes Geschlecht des Freyr (Fehu Aett oder Freyrs Aett)

FEHU, URUZ, THURISAZ, ANSUZ, RAIDHO, KENAZ, GEBO, WUNJO

Zweites Geschlecht des Hagal (Hagal Aett)

HAGALAZ, NAUTHIZ, ISA, JERA, EIHWAZ, PERTHRO, ALGIZ, SOWILO

Drittes Geschlecht des Tyr (Tiwaz Aett oder Tyrs Aett)

TIWAZ, BERKANA, EHWAZ, MANNAZ, LAGUZ, INGWAZ, DAGAZ, OTHALA

Dass die Runenreihen in diese drei Geschlechter eingeteilt wurden, steht fest, welchen Sinn man aber dieser Gruppierung gab, bleibt weitestgehend offen. Möglicherweise fasste man auf diese Weise bestimmte Themenkomplexe zusammen. Das erste Runengeschlecht, das mit dem Vanengott der Fruchtbarkeit Freyr betitelt wird, handelt nach Ansicht einiger Runenexperten davon, wie wir ein gutes Leben führen können, denn die Runen umfassen Themen wie Besitzverhältnisse, Schutz gegen Feinde usw. Das zweite Runengeschlecht enthält Anspielungen auf Naturerscheinungen wie Hagel, Schnee, Sonne und könnte daher für das Eingebundensein des Menschen in die Natur stehen, mit allen Herausforderungen, die sich ihm dabei stellen, aber auch allem Nutzen. Das letzte Runengeschlecht, dem man den Gott Tyr voranstellt, soll auf den Menschen und sein Eingebundensein in ein soziales Gefüge hinweisen (vgl. Gardenstone, Germanische Magie, 4th ed. Arun-Verlag, 2010, S. 88f.).