Rute raus, der Spaß beginnt - Heinz Galling - E-Book

Rute raus, der Spaß beginnt E-Book

Heinz Galling

0,0
14,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ihr großes Thema ist das Angeln: TV-Moderator Heinz Galling und Angel-Europameister Horst Hennings erkunden in ihrer beliebten NDR-Kultsendung »Rute raus, der Spaß beginnt« die schönsten Angelreviere. Sie treffen andere Angelbegeisterte, testen unterschiedlichste Techniken und wissen immer, welcher Fisch wo und wie am besten anbeißt. Im ihrem Buch beschreiben die beiden wohl bekanntesten deutschen Angel-Experten die Faszination des Angelns aus ihrer ganz persönlichen Perspektive. Sie erzählen, was sie zum Angeln gebracht hat, warum es dabei um einen Sport geht, der alles andere als langweilig ist, geben Einblicke in das geheimnisvolle Leben unter Wasser, verraten Tricks und Kniffe. Das alles gespickt mit höchst unterhaltsamen Anekdoten und jeder Menge Anglerhumor. Dieses Buch ist weit mehr als ein weiterer Angelratgeber. Es ist eine ansteckende Darstellung einer außergewöhnlichen Leidenschaft, die immer mehr Menschen begeistert.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 240

Veröffentlichungsjahr: 2019

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Vorwort

Prolog

1.     Mit Weidenrute und Sektkorken – Kindheit und Jugend als Angler in Lübeck

2.     Vom Hansa-Reporter zum NDR-Angler

3.     Die erste Angelserie in der ARD

4.     Nur noch mit Horst

5.     Mit der Faulenzermethode auf Zander

6.     Von Flussmonstern (Welsen)

7.     Fliegenfischen – die Königsdisziplin

8.     Dorsche – die Leoparden der Ostsee

9.     Haie vor Helgoland

10.   Karpfen kann nicht jeder

11.   USA – Traumland für Angler

12.   Der Hecht – Deutschlands Angelfisch Nummer eins

13.   Kleine Fische, große Freude: Von Barschen, Rotaugen und Grundeln

14.   Angeln ist die beste Medizin

Dank

Vorwort

Worin liegt für Millionen die Faszination eines Hobbys, das auf den ersten Blick langweilig und eintönig erscheinen mag? Sind es die Urinstinkte des Menschen, die tief im menschlichen Wesen verankerten Jagdtriebe, die schon in der Steinzeit das Überleben sicherten? Ich meine: Angeln ist viel mehr!

Angeln ist wie das wahre Leben. Eine Mischung aus Frust und Freude, Spannung und Entspannung, unglaublichen Glücksmomenten und herben Enttäuschungen. Die Faszination des Unbekannten. Nie weiß man, was in der nächsten Sekunde passiert.

Die einen suchen beim Angeln den „Kick“, wenn ein kapitaler Fisch am Haken hängt, andere wollen einfach nur dasitzen und abschalten. Raus ans Wasser, auf andere Gedanken kommen, weil zu Hause mal wieder dicke Luft ist oder sie sonst Stress haben.

Die Motivationen, zum Angeln zu gehen, sind vielfältig. Am Ende geht es um eine Sache: einen Fisch zu fangen!

Aber wie? Und wo?

Howard Hawks, der geniale amerikanische Regisseur, fand mit der Komödie Ein Goldfisch an der Leine 1964 die richtige Mischung, um das Thema Angeln hollywoodtauglich zu machen – ein bisschen Slapstick, ein bisschen Angeln und eine kleine Romanze. Rock Hudson agiert als tollpatschiger Angler Roger Willoughby, der die größten Fische fängt, obwohl er kein Experte ist, oder wenn, dann nur in der Theorie.

Eine Tatsache, die gestandene Petri-Jünger immer wieder zur Verzweiflung treibt. Wie oft sitzt man stundenlang am Wasser, ohne dass sich etwas tut. Und dann kommt einer, stellt sich daneben, macht den ersten Wurf und fängt sofort was. Unglaublich! Man möchte wie das HB-Männchen in die Luft gehen!

Aber beim Angeln läuft eben nicht immer alles nach Plan.

Genau zu der Zeit, als Rock Hudson in Wathose im Wakapuchisee seine ersten Angelversuche machte, saß ich auf dem Rasen meiner Großeltern, einen Angelstock in der Hand und die riesigen abgeschnittenen Gummistiefel von Opa Richard an den Füßen. „Unser Angler Heinzi“ hat meine Mutter Ingeborg auf die Rückseite des Fotos geschrieben. Sie ahnte ja nicht, wie recht sie behalten sollte.

Prolog

Bei der ersten Sendung dachte niemand beim NDR Fernsehen an eine Angelserie. Obwohl, niemand ist nicht ganz richtig. Insgeheim liebäugelte ich schon damit.

Mit der Sea Hunter stachen wir vom Hafen Glowe aus in See. Ein schnittiges offenes Holzboot, das nach Venedig und Canale Grande aussah. Andreas, meinem Kollegen, standen aber schon beim Einsteigen die Schweißperlen auf der Stirn. Später erfuhr ich, dass dieses Boot in Anglerkreisen die „Todesplanke“ genannt wurde.

Wir wollten das Trolling vorstellen, eine besondere Angelmethode. Hierbei werden die Köder, meist 10 bis 15 Zentimeter große Blinker, bei langsamer Fahrt in unterschiedlichen Tiefen hinter und neben dem Boot hergezogen. Zielfisch: Lachs.

Zu DDR-Zeiten war es den Anglern verboten, raus auf die Ostsee zu fahren. Fluchtgefahr! Es dauerte, bis die ersten Schleppangler hier auf Lachs gingen. Erst 2006 war die erste offizielle Lachssaison auf Rügen. Danach kam es zu einem regelrechten Massenansturm.

Ende März. Die Luft ist klar, leichter Wind, die Sonne schickt die ersten warmen Strahlen zu uns an Bord. Bestes Trolling-Wetter. Wir tuckern langsam vom Seehafen in Glowe auf Rügen durch die Tromper Wiek Richtung Kap Arkona. Nach etwa eineinhalb Stunden erreichen wir die Fanggründe circa drei Seemeilen westlich von Arkona. Wassertiefe 40 Meter. Da zwei Mann an Bord sind, die einen Angelschein haben, dürfen wir insgesamt sechs Angeln auslegen.

Bei geführten Trolling-Touren werden die Angeln gestellt. An Bord wird dann ausgelost, welcher der Gäste bei einem Biss die erste, zweite und dritte Rute bedienen darf. Hat man Glück, drillt man einen Riesenlachs an Bord. Es kann aber auch ganz anders kommen und nur ein kleiner Dorsch hängt am Haken. Dann muss man warten, bis man wieder an der Reihe ist.

Die Lachse vor Rügen kommen aus schwedischen und polnischen Lachsflüssen und ziehen den großen Heringsschwärmen hinterher. Neben Brieslingen, einer Sprottenart, sind Heringe ihre Hauptnahrung.

Nach etwa einer Stunde, wir können in weiter Ferne noch schemenhaft die steilen Kreidefelsen von Rügen erkennen, zieht plötzlich Seenebel auf. Sichtweite keine 50 Meter, und wir steuern direkt auf eine viel befahrene Schifffahrtsstraße zu. Unheimlich. Ich muss an eine Szene aus dem TV-Mehrteiler Der Seewolf mit Raimund Harmstorf denken und wähne mich bereits auf dem Grunde der Ostsee. Dann kommt leichter Wind auf. Genauso plötzlich, wie er gekommen ist, verschwindet der Nebel wieder. Jetzt kann es losgehen.

Ich helfe unserem Guide Jörg die Angeln auszulegen. Zunächst befestigen wir die Schnur von zwei Ruten mit einem Clip an einen Downrigger, eine Art Minikran, der am Boot befestigt ist und an dem über ein Drahtseil ein Bleigewicht, etwa so groß wie eine Zucchini, zu Wasser gelassen wird. An diesem Seil wiederum machen wir mit einem weiteren Clip die Angelschnur fest, sodass wir den Köder in verschiedenen Tiefen hinter dem Boot herziehen können.

Die anderen Angeln ziehen wir mit Planerboards parallel zum Boot. Ein Planerboard sieht aus wie ein kleines Modellschiff, dessen Kiel so angebracht ist, dass das Schiffchen entweder nach Steuerbord oder nach Backbord driftet.

Kaum haben wir die Angeln ausgelegt, macht es surrrrrr. Der gleiche Ton, den Jörg auch als Klingelton für sein Handy hat. Nur diesmal bedeutet das: Fischalarm! Ich greife die Rute und spüre eine leichte Gegenwehr. Bei den Multirollen wird beim Kurbeln die Kraft des Fisches ja direkt auf die Rolle übertragen und nicht wie bei den Stationärrollen über einen Umlenkbügel.

Nach kurzer Zeit zeigt sich ein silbriger Fisch an der Wasseroberfläche. Jörg greift zum Kescher, und schwupps ist der erste Lachs gelandet. Leider etwas untermaßig. Das erkennen erfahrene Angler sofort. Ein Lachs muss mindestens 60 Zentimeter haben, dann darf man ihn mitnehmen. Wir lösen den Fisch vorsichtig vom Haken und lassen ihn mit angefeuchteten Händen wieder in sein Element zurück. Alles nach Vorschrift.

Die nächsten Stunden tut sich – gar nichts. Dann plötzlich, Andreas hat gerade eine zweite Käsestulle ausgepackt, schreckt Jörg hoch: „Das ist einer!“ Die Bremse der Multirolle ist so eingestellt, dass ein großer Fisch zwar gebremst wird, aber immer noch Schnur nehmen kann. Und das ergibt dann das Geräusch, das Schleppangler so lieben: surrrrrrrrr.

Blitzschnell greife ich mir die Rute und spüre sofort: Das muss ein großer Fisch sein, der hier verbissen um sein Leben kämpft. Ein Lachs? „Schön ruhig und gleichmäßig ziehen, dann kommt er auf keine dummen Gedanken.“

Jörg weiß wovon er redet. Hunderte Lachse hat er mit seiner Kundschaft schon erfolgreich an Bord gelotst. Manchmal dauert der Drill nur zehn Minuten. Manchmal aber auch wesentlich länger …

Stand-up-drill nennt man die Position beim Hochseeangeln, bei der der Angler stehend an Deck mit dem Fisch kämpft. Die Rute hält man in der rechten Hand, durch Heben und Senken und gleichzeitigem Kurbeln mit der linken Hand versucht man, den Fisch immer näher an das Boot heran zu bekommen. Gekurbelt wird immer in der Abwärtsbewegung. Es gibt aber auch Phasen, in denen man das Gefühl hat, dass der Fisch wie festgenagelt am Grund hängt. Ruckartiges Reißen bringt dann gar nichts. „Du darfst nicht an dem Fisch racken, dann poltert er und die Gefahr besteht, dass er abreißt!“ Es ist ein Gefühl, als würde man die ganze Zeit eine volle Getränkekiste vor sich hertragen. „Kurz vor der Landung die Rute schön runter halten!“ Doch die Landung kann dauern. Ein Blick auf die Multirolle zeigt mir, dass die Schnur fast vollständig eingeholt ist. Jetzt muss er sich doch endlich mal zeigen! Dann plötzlich surrt die Schnur wieder von der Rolle. In wenigen Sekunden hat der Lachs erneut fast einhundert Meter abgezogen. „Lass ihn laufen. Ganz leicht den Daumen auf die Schnur legen, der muss sich erst mal wieder beruhigen.“ Wir sind uns jetzt sicher, dass ein großes Exemplar der Gattung Salmo salar, so heißt der Atlantische Lachs mit lateinischem Namen, am Haken hängt.

Es dauerte knapp eine Stunde, bis sich der Lachs zum ersten Mal etwa zehn Meter hinter dem Heck zeigte. Sein dunkler Rücken und die mächtige Schwanzflosse durchbrachen kurz die Wasseroberfläche. Ich war so fasziniert, dass ich für einen Augenblick ganz das Kurbeln vergaß. „Schnur aufnehmen und Rute runter!“, schrie Jörg und schob den großen Bootskescher unter den Fisch, um ihn an Bord zu heben. Wahnsinn! Da lag er vor mir auf den Bootsplanken, mein erster Lachs, zehn Kilo schwer und fast einen Meter lang. Ich zitterte am ganzen Körper.

Mein Kollege Andreas machte schnell ein Foto, und Jörg rief: „Nach vorne halten, dann sieht er größer aus!“ Er kennt die Tricks, wie Fische auf dem Foto optimal präsentiert werden. Ich halte den prächtigen silbernen Kämpfer im Arm und spüre sein Gewicht. Ein irres Gefühl. Deshalb geht man angeln.

Kapitel 1

Mit Weidenrute und Sektkorken – Kindheit und Jugend als Angler in Lübeck

Sieht man mal von den ständigen Mandelentzündungen ab, hatte ich eine wunderbare Kindheit. Aufgewachsen bin ich in einer kleinen Siedlung am Stadtrand von Lübeck. Kaum einen Kilometer weiter östlich begann die „Ostzone“, wie die DDR in dieser Zeit im Westen genannt wurde.

Einmal in der Woche kam der Milchmann, Briketts gab es einmal im Monat. Und wenn der Fahrer vom Kohlenauto gut drauf war, durfte ich mit ihm eine Runde durch die Siedlung fahren. Das war schon etwas Besonderes, denn ein Auto war in dieser Zeit ein Luxusgegenstand.

Mein Opa Richard war eigentlich immer da. Bastelte im Schuppen, fütterte die Kaninchen oder wühlte im Garten. Der war riesig. So groß wie ein halbes Fußballfeld. Mit Stangenbohnen, einem großen Misthaufen, Plumpsklo, Kartoffeln, Gemüsebeeten und einem knorrigen Pflaumenbaum. Ganz am Ende war eine kleine Holzpforte und dahinter die Kuhkoppel. Hier habe ich stundenlang gewartet, bis Opa von seinen Angelausflügen an der Wakenitz zurückkam.

Die Wakenitz ist ein etwa 14 Kilometer langer Fluss, der vom Nordzipfel des Ratzeburger Sees bis vor die Tore der Stadt fließt und dann über den Düker durch ein Rohrsystem unter dem Elbe-Lübeck-Kanal durch in den Krähenteich und in die Lübecker Innenstadt. Was viele nicht wissen: Ursprünglich mündete die Wakenitz in die Obertrave. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts begann man, den Fluss zu stauen, um in Kriegszeiten Wassermühlen innerhalb des Stadtgebiets betreiben zu können.

Opas Lieblingsfisch war Hecht. Wenn er einen gefangen hatte – und das passierte häufig –, sah man ihm das schon von Weitem an. Freudestrahlend kam er über die Wiese gelaufen, im Mundwinkel eine Weiße Eule – sein Lieblingszigarillo.

Der Raubfisch mit seinen 700 messerscharfen Zähnen wurde Oma Lisbeth übergeben, die umgehend den Speiseplan änderte. Zwei Stunden später standen Stampfkartoffeln und Hecht mit Speckstippe in Butter gebraten auf dem Küchentisch. „Gute Butter“ – wie meine Oma stets betonte.

Montags gab es „Bonanzasuppe“. Ich glaube, Oma tat alles in einen Topf, was vom Wochenende übriggeblieben war: Bohnen, Kartoffeln, Speck, Möhren, Erbsen, Sellerie. Und manchmal war auch noch ein bisschen Hecht dabei.

Es war so Mitte der 1960er-Jahre, als ich mit meinen Freunden aus der Siedlung loszog, um selbst einen Fisch zu fangen. Treffpunkt war ein Weltkriegsbunker am Ende der Siedlung, unser Lieblingsspielplatz. Von dort waren es noch ein paar hundert Meter, und dann standen wir an einem kleinen Wiesenbach. Und tatsächlich fingen wir auch was. Ohne Angel. Nur mit der Hand. Aber der Fisch, den wir für einen Aal hielten, stellte sich hinterher als Blindschleiche heraus. Auweia!

Opa war sauer. „Du bist wohl unklug!“ Das sagte er immer, wenn ich etwas ausgefressen oder Mist gebaut hatte.

Fische und die geheimnisvolle Welt unter Wasser haben mich schon immer fasziniert. Von den Abenteuern des Fernsehtauchers Jaques Costeau, der mit seiner Calypso auf den Weltmeeren unterwegs war, durfte ich keine Folge verpassen. Zum Fernsehpflichtprogramm gehörte auch Flipper. Porter Ricks und seine Söhne Sandy und Bud – das waren meine Helden. Die Küste Floridas und der schlaue Delfin waren wie eine Droge. Schon bei der Erkennungsmelodie bekam ich eine Gänsehaut: „Man ruft nur Flipper, Flipper, bald wird er kommen, jeder kennt ihn – den klugen Delfin …“

Vielleicht lag es auch daran, dass ich als kleiner Junge häufig Probleme mit den Mandeln hatte. Im Wartezimmer unseres HNO-Arztes stand ein großes Aquarium mit Afrikanischen Buntbarschen und Prachtschmerlen aus Südostasien. Ich klebte mit der Nase an der Scheibe, bis der große dünne Mann im weißen Kittel und dem silbernen Blechauge mich in den Behandlungsraum holte.

Als kleiner Butscher bin ich mit meinem Opa häufig losgezogen, um Butterstecker und frisches Gras für die Karnickel zu holen. Die beste Stelle dafür war neben einem kleinen Wiesenbach. Da fingen wir dann auch noch ein paar Stichlinge mit dem Eimer. Ein perfekter Fisch fürs Aquarium, dachte ich. Ein bisschen Kies in eins von Omas Weckgläsern, eine kleine Muschel dazu, ein paar Bachflohkrebse und eine Wasserpflanze – fertig war mein erstes Aquarium. Fassungsvermögen etwa drei Liter.

Begeistert beobachtete ich die Fische, wie sie ihre Runden drehten. Am nächsten Morgen waren alle Stichlinge tot, erstickt. Unter Tränen begrub ich die armen Stichlinge im Garten unter dem Pflaumenbaum.

Wenn ich heute mit meinen Kindern am Schweriner See auf dem Steg neben dem Bootshaus stehe, muss ich oft an meine eigene Kindheit zurückdenken. Ich versuche, an sie weiterzugeben, was mich selbst so geprägt hat: die Liebe zur Natur und meine Faszination fürs Angeln.

Liebe auf den ersten Biss

1966: England war gerade Weltmeister geworden, und obwohl der Ball gar nicht drin war, war es ein herrlicher Sommer. Aus einem Weidenstock hatte ich mir eine Angel gebaut, doppelt so lang wie ich. Eine Angelschnur hatte ich an der Wakenitz gefunden, die Pose aus einem kleinen Sektkorken selbst gebastelt. Das Wickelblei fand ich bei Poggensees, unseren Nachbarn, die gerade ihre Dachrinne erneuerten. Da blieb reichlich Blei für mich übrig. Den Angelhaken gab mir Opa als Belohnung für das Unkrautjäten in seinem Gemüsebeet.

So zog ich dann wieder mal los mit meinen Kumpels aus der Siedlung. Über die Kuhkoppel, am Bach entlang, über einen schmalen Trampelpfad durch den Brook, vorbei an einer knorrigen alten Eiche, am Kartoffelfeld ein beherzter Sprung über einen anderen kleinen Bach, schließlich noch ein kleiner Weg durch den Sumpf, und dann waren wir da: an der Rotaugenstelle.

Jeder Angelplatz meines Opas hatte einen besonderen Namen: Kannengießers Stelle, Müggenbusch, Toter Arm, Poggensee-Platz, Aalbucht oder eben Rotaugenstelle.

Die Wasserfläche war spiegelglatt wie ein Ententeich. Keine Ringe, die einen fressenden Fisch verrieten. Oma hatte mir eine Scheibe Feinbrot mitgegeben. Die Rinde schnell abgeknabbert, das Brot kurz ins Wasser gestippt, zu einem festen Teig geknetet und zwischen Daumen und Zeigefinger eine kleine, etwa erbsengroße Kugel geformt – wie mein Opa mir das beigebracht hatte. Der Teig durfte nicht zu feucht und nicht zu trocken sein. Gerade so, dass er sich auf der Hakenspitze hält. Rute in die rechte Hand, die Schnur etwas oberhalb des Hakens gegriffen und Schwung geholt. Die Pose landete genau neben einem Weidenbusch, dessen Zweige bis weit ins Wasser hineinragten. Ein gutes Versteck für Fische.

Ich ließ den kleinen Korkproppen nicht aus den Augen. „Tucke“ sagten wir dazu. So sagt man im Lübecker Raum noch heute, wenn Pose, Schwimmer oder Flott gemeint sind.

Es dauerte nur wenige Minuten, dann begann der Korken auch schon zu tänzeln. Jetzt nur nicht ablenken lassen! Die kleine Sektkorkenpose verschwand unter der Wasseroberfläche, ich spürte einen pulsierenden Widerstand. Und da war es, das Gefühl, das jeder echte Angler kennt: Wenn Adrenalin ins Blut schießt. Ich setzte den Anhieb – Liebe auf den ersten Biss! Einen Augenblick später segelte ein etwa 20 Zentimeter großes Rotauge in hohem Bogen direkt neben mir ins knöchelhohe Gras neben die Sumpfdotterblumen. Mein erster mit der Angel gefangener Fisch! Ich war stolz wie Bolle.

Ende der Schonzeit

Solange ich denken kann, gibt es am 1. Mai nur ein Thema: Hecht! An diesem Tag des Jahres endet die Schonzeit.

Opa besaß vier Angelruten: Eine Stipprute aus Bambus für Köderfische, eine Makrelenangel, eine Aalrute mit einer uralten Nottingham-Holzrolle und eine Hechtrute. Diese Angel hat mich immer am meisten fasziniert. So eine wollte ich später auch mal haben! Sie kam am 1. Mai zum Einsatz.

Es war eine Rute aus Glasfaser mit Stationärrolle, die immer etwas quietschte, ausgerüstet mit 40er-Angelsehne, einer roten Hechtpose aus Kork, so groß wie ein Frühstücksei, darunter eine Bleikugel, dann ein Tönnchenwirbel mit Karabiner und darunter ein Stahlvorfach mit Drilling.

Ganz wichtig beim Hechtangeln: Immer den Bügel der Angelrolle aufgeklappt lassen, damit der Hecht, wenn er ruckartig die Schnur von der Rolle zieht, keinen Widerstand spürt. Das habe ich schon als kleiner Junge von Opa Richard gelernt.

Immer, wenn wir uns durch den sumpfigen Erlenbruchwald an unseren Angelplatz heranpirschten, war die bange Frage: Ist schon ein anderer Angler da? Gerade am 1. Mai sind die besten Plätze schon früh besetzt.

Diesmal hatten wir Glück: Nur eine leere Schachtel Juno und zwei in den Sumpfboden gesteckte Astgabeln erinnerten daran, dass Kannengießer erst kürzlich hier seine Ruten in Position gebracht hatte.

Fast jeder Angler nimmt immer seine eigenen, selbst geschnitzten Astgabeln als Rutenhalter. Die meisten verstecken die Stöcke ganz in der Nähe vom Angelplatz, um sie nicht jedes Mal mitschleppen zu müssen. Ich mache das auch so. Wenn man lange nicht da war, kann es passieren, dass der Weidenstock schon wieder Wurzeln geschlagen hat.

Opas Hechtangel hatte schon einige Belastungstests hinter sich. In den 1950er-Jahren ist er im Ratzeburger See sogar mit ihr baden gegangen, um einen 15-Pfünder ans Ufer zu drillen. Für einen großen Fisch wird fast alles riskiert.

Inzwischen hatte ich schon das erste Rotauge verhaftet. Der Fisch harrte seines weiteren Schicksals in einem mit frischem Wasser gefüllten Marmeladeneimer. Die gute Schwartauer Marmelade gab es damals in Fünf-Liter-Blecheimern, der ideale Köderfischeimer. Nach einer halben Stunde hatten wir genug kleine Rotaugen. Opa warf mit elegantem Schwung die Hechtangel aus: Platsch! Langsam bewegte sich die Pose. „Der läuft gut“ – mein Opa war zufrieden. So ein kleines Rotauge ist natürlich nicht kräftig genug, um die dicke Korkpose unter Wasser zu ziehen. Das schafft nur der Hecht. Wir angelten immer so. Erst später, als mein Opa schon lange tot war, wurde das Fischereigesetz geändert. Seit Ende der 1980er-Jahre ist es verboten, mit lebendem Köderfisch zu angeln. In den USA ist live bait – lebender Köderfisch – bis heute erlaubt, es gibt sogar Bait & Tackle Shops, in denen man lebende Köder kaufen kann.

Mittlerweile war es 8:00 Uhr. Zwei Stunden waren wir nun schon am Wasser. Die Sonne schien uns ins Gesicht, in der Ferne hörten wir einen Kuckuck rufen und in der Flussmitte ging gerade ein Haubentaucher auf Tauchstation. Opa hatte sich gerade die zweite Weiße Eule angesteckt, als er mich mit dem Ellenbogen anstupste: „Heinzi, die Tucke ist weg!“ Im gleichen Moment sprang die Schnur von der Rolle. Zum Glück war der Bügel aufgeklappt. Der Fisch nahm Schnur. Für Opa war klar: Es konnte nur ein Hecht sein. Knapp unter der Wasseroberfläche sahen wir die rote Korkpose zügig davonziehen. „Ich gebe ihm noch ein paar Sekunden.“

Jetzt kam der alles entscheidende Moment. Vorsichtig griff Opa die Rute, klappte den Bügel um, immer den Blick aufs Wasser gerichtet. Ein paar vorsichtige Umdrehungen und dann: Anhieb! An der Biegung der Rute erkannten wir: Das war kein kleiner Hecht! Nach ein paar Fluchten zeigte er sich kurz vor der Schilfkante an der Wasseroberfläche. Der sitzt! Langsam und immer die Rute auf Spannung haltend dirigierte Opa den Fisch ins flache Wasser am Ufer. Dann griff er mit der linken Hand zum Kescher und mit der rechten zog er ihn ins Netz. „Der hat gute fünf Pfund“, schätzte er, „Oma wird sich freuen.“ Das Beste: Das Rotauge, mit dem Opa den Hecht geködert hatte, hatte ich mit meiner kleinen Weidenrute gefangen. Ich strahlte meinen Opa an. Wir waren ein gutes Team.

Abschied von Opa

März 1972. Ein nasskalter, windiger, grauer Sonntag. Wie immer hatte ich mit meinen beiden Brüdern Holger und Nils am Abend vorher erst gebadet und dann die ZDF Hitparade mit Dieter Thomas Heck geschaut. Die musste man sehen. In der 32. Folge sang Juliane Werding „Am Tag, als Conny Kramer starb“. Es war die Zeit, in der es an der Esso-Tankstelle ein tolles Sammelalbum mit bunten Abziehbildern gab. Meistens waren Fische drauf: Hans Hass Vorstoß in die Tiefe. Das Album besitze ich noch heute.

Wir waren inzwischen umgezogen und wohnten in Groß Grönau, einem kleinen Dorf im Süden von Lübeck, ebenfalls nahe der Wakenitz gelegen. Statt Kuhkoppel gab’s hier einen Bolzplatz.

Zu Weihnachten hatte ich ein Bonanzarad bekommen. Und mit diesem Bonanzarad – mit Bananensattel und Fuchsschwanz – war ich schon vor Sonnenaufgang unterwegs zu Opa. Zehn Minuten Radtour, dann war ich da. Der erste Angelausflug in diesem Jahr, der Hecht hatte noch Schonzeit. Wie immer hinten raus durch den Garten, über die Koppel, am Feld entlang, über den Graben und durch den Erlenbruchwald. Ich ging voraus, aber als ich mich nach einiger Zeit umdrehte, war Opa ein ganzes Stück hinter mir. Merkwürdig. An der Rotaugenstelle angekommen, fing ich gleich an zu angeln. Inzwischen hatte ich eine kleine Bambusrute, etwa drei Meter lang. Auch Opa machte mit ein paar Griffen seine Stipprute aus Bambus einsatzbereit. Auch nach drei Stunden hatte sich nichts getan. Kein Zuppeln, keine Bewegung an der Pose. Wir beschlossen, wieder zurück zu Oma zu gehen. Und wieder quälte sich Opa, wurde immer langsamer. So hatte ich ihn noch nie erlebt.

Oma hatte Eierpfannkuchen gemacht und eingeheizt. Opa setzte sich aufs Sofa, trank seinen Haferschleim, setzte sich seine Brille auf und blätterte in Der vielseitige Angler von Max Pieper.

Nach dem Mittagessen packte ich meine Sachen zusammen und rauschte mit meinem Bonanzarad davon Richtung Groß Grönau.

Der nächste Morgen. Normalerweise drückte meine Mutter immer mehrmals den Lichtschalter zum Kellerabgang, um mir zu signalisieren: Frühstück ist fertig. Das gab dann immer ein merkwürdiges Surren bei mir im Kellerzimmer.

Diesmal aber kam sie persönlich runter, öffnete die Tür, stand wortlos neben meinem Bett und schaute mich mit ernster Miene an. Dann, nach ein paar Sekunden des Schweigens, sagte sie: „Opa ist tot.“ – Nein, das konnte nicht sein. Ich war doch gestern noch mit ihm unterwegs …

Opas Tod traf mich tief. Später erzählten mir meine Eltern, dass er Krebs hatte. Unheilbar. Vielleicht spürte er, dass seine Zeit zu Ende geht. Nur reden konnte oder wollte er nicht darüber. Aber diese eine, letzte Angeltour mit seinem Enkel Heinzi, die wollte er sich nicht nehmen lassen. Ich denke oft an diesen grauen, nassen und kalten Märztag zurück. Gut, dass wir losgegangen waren!

Opas Angelbuch und die alte Nottingham-Rolle besitze ich noch heute.

Mit Handangel und Krabben – Ferien in Travemünde

Mein anderer Opa Bruno, der Vater von meinem Papa Harald, hatte mit Angeln gar nichts am Hut. Nach dem Tod von Oma Erna zog er zu seiner neuen Freundin nach Travemünde, zu Tante Grete. Die durfte ich in den Sommerferien immer für ein, zwei Wochen besuchen. Das war eine tolle Zeit. 1974. Deutschland war gerade Fußballweltmeister geworden.

Auch in Travemünde hatte ich natürlich immer eine Angel dabei, eine kleine Handangel. Etwa 30 Meter Angelsehne, aufgewickelt auf einen 20 Zentimeter langen Schnuraufwickler aus Plastik, ein Stück Blei, Karabiner mit Tönnchenwirbel und einen Butthaken. Denn Butt wollte ich fangen. Auf dem Weg zum Hafen nahm ich die Abkürzung über den Friedhof und landete so genau vor dem Fischgeschäft. Hier holte ich mir eine Tüte Krabben, von denen ich die Hälfte zwischen Kurgartenstraße und Vorderreihe verschlang.

Um an das fleischige Schwanzende der Krabben zu gelangen, brauchte es eine ganz besondere Pultechnik: Die Krabbe strecken, in der Hüfte drehen, bis es leicht knackt, anschließend Schwanz und Kopf vorsichtig abziehen. Das war nichts für Grobmotoriker.

Die paar Krabben, die am Ende übrigblieben, dienten mir als Köder für Butt und Aalmutter. Mit Aal hat eine Aalmutter nichts zu tun. Es handelt sich um einen kleinen schleimigen Fisch, der nach innerer Befruchtung lebende Junge zur Welt bringt. Mein Lieblingssteg war gleich neben der kleinen Personenfähre Priwall, die Touristen auf die Halbinsel im Osten von Travemünde brachte. Hier machte ich es mir auf dem Bauch liegend bequem. Das Wasser war fast immer klar und man konnte gut drei, vier Meter bis auf den sandigen Boden sehen. Hin und wieder schwebte eine Qualle vorbei und am Grund sah man Strandkrabben und ab und zu einen Fisch vorbeihuschen.

Ein besonderes Highlight waren die Hochseetouren auf der Peter 2, der Zufriedenheit oder der Concordia auf Dorsch. Ich erinnere mich noch genau an eine Tour mit meinem Freund Claus auf der Concordia bei ziemlich rauer See, Kurs Pelzerhaken. Wir standen am Bug, die Angel im Anschlag und warteten auf das Signal des Kapitäns. Einmal hupen bedeutete: Es darf geangelt werden. Das Schiff drehte noch einmal in den Wind und ich bekam eine volle Ladung Salzwasser ab. Meine Hose pitschnass. Egal. Hose ausgezogen und in Unterhose weitergeangelt. Das sah zwar nicht sehr sexy aus, aber es waren ja auch keine Frauen an Bord. Schönheitspreise werden beim Dorschangeln ohnehin nicht vergeben.

Wir angelten mit Pilker. Das ist ein silbriges Eisenstück, 100 Gramm schwer, 15 Zentimeter lang, mit einem Drilling am Ende. Der Pilker wird runtergelassen, bis er Bodenkontakt hat, und dann durch Heben und Senken der Angel über den Gewässerboden bewegt. So simuliert man einen taumelnden verletzten oder kranken Fisch. Die Dorsche fielen massenweise darauf rein. Auch ich hatte nach kurzer Zeit einen guten Burschen an der Angel. „Pumpen!“, schrie der Kapitän, der plötzlich mit dem Gaff in der Hand neben mir stand. Die Rute heben und dann in der Abwärtsbewegung, wenn kein Druck auf der Angel ist, schnell die Schnur einholen. Dann wieder heben und das gleiche Spiel von vorne. Nach einiger Zeit sahen wir den weißen Bauch des Dorsches an der Oberfläche. Noch ein Stück, und dann hing der „Ostseeleopard“, wie der Dorsch auch genannt wird, am Gaff. Mit einem gekonnten Schwung bugsierte der Kapitän den Fang an Deck. 60 Zentimeter. Gute Speisegröße. Claus machte schnell ein Foto: „Dorsch ohne Hose“ steht auf der Rückseite.

Anglerparadies Norwegen

Wir schwärmten von Norwegen, stellten uns vor, in den Fjorden riesige Lachse und Meerforellen zu angeln. Im Winter 1979 machten wir Nägel mit Köpfen und buchten ein Ferienhaus am Sognefjord. „Sehr gute Angelmöglichkeiten für Seefische und auch Lachs im Fjord.“ Dieser Satz im Katalog war ausschlaggebend für unsere Entscheidung. Weiter unten in der Beschreibung stand noch: E-Herd mit Backofen, Kühlschrank, fließend kaltes Wasser. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Zur Toilette mussten wir fast 100 Meter einmal quer über die Wiese laufen. Dort, in einem Holzschuppen, war das Plumpsklo. Oder besser gesagt: die Plumpsklos, denn es waren zwei nebeneinander. Ein Doppelklo sozusagen. Und wenn man die richtige Sitzposition hatte, konnte man durch das Herz in der Tür einen Blick auf den Fjord werfen.

Für den Norwegen-Trip kaufte ich für 300 D-Mark einen gebrauchten VW Käfer. Anfang August ging es los. Wir waren fünf Jungs. Claus, Kieker, Vize, Marcus und ich. Als Glücksbringer hatte ich Opas Prinz-Heinrich-Mütze dabei.

Zuerst ging’s nach Schweden, Freunde besuchen, dann über Oslo immer nordwärts Richtung Sognefjord. Und immer die Super-8-Filmkamera im Anschlag.

Seit meine Eltern mir zur Konfirmation eine Schmalfilmkamera geschenkt hatten, ließ mich die Filmerei nicht mehr los. Zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wurde gefilmt. Silvesterparty mit Rosi und Bobby, Crosslauf am Dummersdorfer Ufer an der Trave, Urlaub auf Sylt oder Stichlinge beim Nestbau in einem kleinen Bach bei Absalonshorst. Ich kam mir ein bisschen vor wie Heinz Sielmann. Alles wurde anschließend selbst geschnitten und ordnungsgemäß archiviert. Der Norwegenfilm sollte mein erster Angelfilm werden.

Unser Ziel war das Dorf Finden am Finnafjord, einem kleinen Nebenarm des Sognefjords, dem mit 200 Kilometern längsten und mit 1300 Metern tiefsten Fjord Europas. Nach Finden kam man nur mit dem Boot.

Die drei Wochen in unserem weißen Holzhaus liefen immer nach dem gleichen Schema ab: lange schlafen, ausgiebiges Frühstück, raus zum Angeln und am Abend Skat. Abwechslung brachte eine kleine Fähre, die dreimal in der Woche am Anleger festmachte. Dann ging es zum Einkaufen nach Vik.

Wir ruderten kreuz und quer über den Fjord, angelten in Tiefen zwischen 80 und 100 Metern. Die Landschaft war überwältigend. Die Wolken hingen manchmal nur 100 Meter über dem Fjord, und es gab Stellen, wo immer Schatten war. Dort lag sogar im Sommer noch Schnee.

Wir fingen unglaublich viele Fische: Dorsch, Schellfisch, Rotbarsch, Makrelen und sogar Tintenfische. Marcus hatte auch einmal einen großen Heilbutt dran, der sich dann kurz vor dem Boot wieder verabschiedete. So ist Angeln.

Eines Tages, wir waren mal wieder mit dem Boot unterwegs, sah ich in etwa 50 Meter Entfernung einen silbrigen Fisch aus dem Wasser springen. Sofort warf ich meinen 80-Gramm-Pilker und kurbelte schnell ein. Biss!

Es musste ein Fisch sein, der an der Oberfläche jagte, nicht besonders groß, aber als er neben dem Boot auftauchte, war ich doch überrascht: meine erste Meerforelle. Ein wunderschönes Tier!

Dieser Angelurlaub in Norwegen hat mich geprägt. Drei Wochen mit Freunden im Ferienhaus, viel getrunken, viel geraucht – und viel gefangen. Und der VW Käfer und Opas Prinz-Heinrich-Mütze hatten die Fahrt auch gut überstanden.